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E_1930_Zeitung_Nr.008

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Ausgabe: Deutsche Schweiz. BERN, Dienstag 28. Januar 1930 Nummer 20 Cts. 2ß. Jahrgang. — N° 8 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ! ABONNEMENTS-PREISE: Erseheint Jeden Dienstag und Freitag ;• . Monatlich „Gelbe LUte" 4 Halbjährlich Fr. 5.—, lährlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portozuschlag, REUAKTION u. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern sofern nicht postamtlieh bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung 30 Rappen. Postcheck-Rechnung I/I/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegrjftnm-Adresse: Autorevue, Bern Verkehrsprobleme Post und Eisenbahn. Man weiss, dass die Post gerade im Automobilwesen sehr rührig ist. Die prächtigen, modernsten gelben Autocars zeugen für die unaufhörlichen Bestrebungen, den Verkehr auf der Strasse zu heben und überall da einzuspringen, wo es der Bahnverbindung mangelt. Ohne Zweifel hat die Postverwaltung und hat speziell das Oberkursinspektorat sich hinsichtlich Hebung des schweizerischen Touristenverkehrs, des Ausbaues der Alpenstrassen und der Verkehrssicherheit auf diesen Strassen grosse Verdienste erworben. Daneben geht das Bestreben unverkennbar dahin, sich ein geschlossenes monopolartiges Postkursnetz zu verschaffen und damit die Verbindung von Dorf zu Dorf herzustellen, welche der Eisenbahn infolge der viel höheren Betriebskosten ganz unmöglich ist. Wir wissen nicht, mit welchem Gefühle die Eisenbahn Verwaltungen die Bestrebungen der Post verfolgen. Wir möchten sie auch nicht näher untersuchen. Ohne Zweifel dürften die Bestrebungen der Post von den verschiedenen Eisenbahninstanzen nur mit geteilter Freude zur Kenntnis genommen werden. Aber auch hier bewahrheitet sich eben der Spruch, dass dem Tüchtigen und Wagemutigen die Welt gehört- Gerade unsere Privatbahnen hätten sich verschiedene Strecken' sichern können, wenn sie tnitiativefrendig genug gewesen wären, ihre Betriebe durch das Automobil zu vergrössern und mit letzterem eine Interessengemeinschaft einzugehen. Diese Unterlassungssünde hat sich die Post zunutzen gemacht und offerierte nun den Gemeinden ihre gelben Wagen, nicht nur aus lauter Menschenfreundlichkeit, sondern wohl auch, um ein Geschäftchen zu machen. Wir können und wollen ihr das gar nicht verargen, möchten ihr nur erneut wieder ans Herz legen, dass es mit der Ausdehnung der staatlichen Regiebetriebe allein nicht getan ist, sondern dass überall da, wo aus persönlicher Initiative heraus ein selbständiges Gewerbe imstande ist, solche Kurse durchzuführen, auch der Staat ein Interesse daran hat, sich diesen selbständigen steuerzahlenden Mittelstand zu erhalten. Die Postverwaltung beschäftigt sich eingehend mit einer Herabsetzung der Taxen im Postautoverkehr um 20 Prozent. Die mit den Gemeinden vereinbarten Verträge betreffend Autopostkurse beginnen abzulaufen und bedürfen der Erneuerung. Nur unter der Bedingung, dass die betreffenden Gemeinden Garantiesummen leisten, konnten ja solche Autopostkurse eingeführt werden. Die Verträge sollen nun auf zehn Jahre hin erneuert werden. Die Postverwaltung erklärt sich bereit, sich mit der Hälfte der bisherigen Garantiesumme zu begnügen und zudem, wie bereits gesagt, einen Taxabbau eintreten zu lassen. Das Angebot ist verlockender' Art und die Postverwaltung wird wissen, warum sie dazu gekommen ist. Entweder müssen diese Kurse sehr gut rentieren, und dann ist der Taxabbau gerechtfertigt, oder diese Kurse werden aus andern Ressorts der Postverwaltung alimentiert, z. B. aus den reichen Markenerträgnissen, dann allerdings müsste die Frage ernstlicher aufgeworfen werden, ob nicht das Privatgewerbe mit Unterstützung der Gemeinden ebenso billig und sicher fahren könnte. Und die Inlandsindustrie? Der Verband für Inlandproduktion hielt vor wenigen Tagen seine ordentliche Mitgliederversammlung ab, wobei in einem einlässlichen Referate auch der Taxabbau im Stückgüterverkehr behandelt wurde. Der Verband, dem 16 schweizerische Berufsverbände und 54-Emzelfirmen angehören, fasste folgende Resolution: , ,." , ,;• ' cDer «Verband für Inlandproduktiqn» hat in seiner ordentlichen MitKliederversammlime vom* 22. Januar 1930 Eenntais genommen vom beab- ""fciehtigten Taxabbau der Schweizerischen Bundes* batnen äHf den Eil- und Stückgüterfrachten. 'ET begrüsat einen Taxabbau lebhaft, da die Stüekgntverfrachter in der Schweiz besonders seit 1916 wesentlich höhere Taxen als im Ausland bezahlen mussten. Der «Verband für Inlandsproduktion» verlangt jedoch, dass der vorgesehene Taxabbau mindestens 20 Prozent beträgt und auf alle Kleinsendungen (Stückgüter I. und II. Klasse, Eil-, Express- und Passagiergüter) ausgedehnt wird. Dieser Taxabbau soll ein allgemeiner sein und ohne Abschluss von Spezialabkommen mit der S.E.S.A allen Verfrachtern von Stück- und Eilgütern zugute kommen, nicht erst Verfrachtern von minimal 50 Tonnen pro Jahr.» Ueber die Tragweite dieser Resolution wollen wir uns vorerst nicht äussern. Es gilt darob vor allem, die Antwort der Generaldirektion der Bundesbahnen abzuwarten. Sicher ist, dass das Begehren für die Bundesbahnen von finanziell einschneidender Natur ist und dass die Verwaltung mit einem beträchtlichen Einnahmenausfall zu rechnen hätte. Ob dieser Ausfall durch einen vergrösserten Stückgüterverkehr eingeholt werden könnte, vermögen wir nicht genau zu beurteilen. Grundsätzlich stehen wir auf dem Boden, dass der Inlandproduktion auch von Seiten unserer Verkehrsanstalten das weitgehendste Verständnis entgegengebracht werden muss. Wir brauchen dabei Vielgesagtes nicht zu wiederholen; unsere Arbeitskraft bedeutet unser Volksvermögen, und wir haben gewiss | alles Interesse, den Lebenskampf unserer schweizerischen produzierenden Kräfte nach Möglichkeit zu erleichtern. Angesichts des; sehr guten Jahresergebnisses der S. B..B., von dem wir in unserer letzten Nummer gesprochen haben, dürften sich sowohl Verwaltung als Generaldirektion mit der Frage eines Taxabbaues im Stückgüterverkehr ernstlich befassen. Daneben aber soll unsere Inlandindustrie das Automobil nicht vergessen. Letzteres arbeitet heute ebenso lukrativ und ebenso billig wie die Bahnen und gerade im Stückgüterverkehr auf kleinere und mittlere Distanzen hat'es die Ueberlegenheit über die Eisenbahn , in unzweideutiger Weise bewiesen. Wir brau- j chen auf die vielen Gründe nicht einzugehen. Ein Grossteil aller Kleinsendungen eignet sich jedenfalls für den Automobiltransport besser als für den Eisenbahntransport. Die Ware ist weniger gefährdet und erreicht ihr Ziel j schneller und ohne Umlad. Die Technik des Lastwagens hat sich in letzter Zeit bedeutend vervollkommnet; die Neuerungen bieten alle Gewähr für einen reibungslosen, sicheren und billigen Transport. Dabei soll betont werden, dass das Automobil weit eher imstande ist, den Besonderheiten des Verkehrsbedürfnisses zu entsprechen als die Eisenbahn, die durch ihre starre Gebundenheit an die Schiene dem individuell eingestellten Erwerbsleben nie ganz wird entsprechen können. In unserer modernen Zeil, da da? Tempo immer massgebender wird und auf kürze Lieferungsfristen- grösster Wert gelegt wird, tritt- die Ueberlegenheit des Automobils in seiner schnelleren und billigeren Transportfähigkeit, in seiner Ökonomischen Anpassungsfähigkeit und in seinem besseren Erfassen der wirtschaftlichen Bedürfnisse überlegen zutage. Die amerikanische Äutomobilwirtschaft. Von Europäern beurteilt. Die Industrie- und Handelskammer zu Berlin übergab kürzlich der Oeffentlichkeit die umfangreiche Denkschrift über das Ergebnis der von ihr gemeinsam mit dem Deutschen Industrie- und Handelstag, einer Anzahl von Verbänden der Kraftverkehrswirtschaft und unter Beteiligung von vier Regierungsvertretern nach den Vereinigten Staaten entsandten Studienkommission. Die Denkschrift hat den Umfang eines starken Buches erreicht und ist von dem Syndikus der Kammer herausgegeben. Sie enthält ein umfangreiches Material mit zahlreichen Statistiken, Tafeln, Photos, Karten und den Aeusserungen namhafter Persönlichkeiten und Organisationen der amerikanischen Kraftverkehrswirtschaft sowie der leitenden Beamten der Bundes-, INSERT1 ONS-PRE1S: Die achtgespaltene 2 nun hohe Grundzelle ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Scitentarif. Inseratensehluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummern K. Staats- und Stadtbehörden der Union. Die Denkschrift hat sich zur Aufgabe gestellt, das gesammelte Material neutral zu verarbeiten. Eine kritische Stellungnahme der einzelnen beteiligten Organisationen über die Anwendbarkeit der amerikanischen Erfahrungen auf Deutschland auf Grund dieses Materials bleibt für die Zukunft vorbehalten. Die Denkschrift ist gegliedert in folgende vier Hauptteile: Die Entwicklung der Kraftverkehrswirtschaft, die Kraftfahrzeugbesteuerung, das Landstrassenwesen und den Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Kraftwagen. Erheblich stärker als bei uns ist nach den Ausführungen der Denkschrift die Belastung für Lastkraftwagen und Kraftomnibusse, für die eine Unterscheidung zwischen Fahrzeugen öffentlich zugelassener Verkehrsunternehmungen und Fahrzeugen für eigene Beförderungszwecke vorgesehen ist. Die Lastkraftwagen und Kraftomnibusse der zur öffentlichen Beförderung von Personen und Gütern zugelassenen Unternehmer (Common Carriers) bezahlen als «Registrierungssteuer» eine Art Gewerbsteuer, deren Höhe für Lastkraftwagen zwischen 30 und 800 Dollars schwankt. Für Kraftomnibusse werden ebenfalls ähnliche Beträge erhoben, die teils nach der Sitzzahl, teils aber auch in Hundertsätzen vom Brutto- oder Nettoverdienst erhoben werden. Die Verwaltungskosten der Registrierungssteuer waren im Jahre 1928 etwas weniger als 5% des Steueraufkommens. Das Ge* sammtaufkommen im Jahre 1928 von 322 Millionen Dollars wurde mit Ausnahme von 6 MUliQflen Dollars für- Landstrassenzwecke verwandt. Die Gasolinsteuer, die in diesem Jahr auch in den letzten noch übrig gebliebenen drei Staaten der Union (Massachusetts, Illinois und New York) eingeführt wurde, zeigt ebenfalls eine ausserordentlich starke Verschiedenartigkeit in den einzelnen Staaten. Die Definition des steuerpflichtigen Betriebsstoffes ist in den Gasolinsteuergesetzen zwar nicht restlos geglückt; ein Missstand hieraus im Sinne einer mangelnden Erfassung der Betriebsstoffe wurde jedoch nicht festgestellt. Die Gasolinsteuersätze zeigen seit Jahren eine dauernd steigende Tendenz. Nach dem Stand vom 1. August 1929 hatten nur noch 8 Staaten eine 2-Cts.-Steuer, während 10 Staaten 3 Cts., 1 Staat 3,5 Cts., 20 Staaten 4 Cts., und 2 Staaten sogar 6 Cts für die Gallone, d. h. also ca. 7,5 Rp. für den Liter Benzin bzw. Gasolin, als Gasolinsteuer erhoben. Als Höchstsatz für eine gesunde Gasolinsteuerpolitik wurde vielfach ein Steuersatz von 5 Cts. für die Gallone genannt. Der Gasolinpreis schwankte nach einer Untersuchung der Spitzenorganisation des amerikanischen Automobilklubs im Februar 1929 in 47 Staaten der Union am gleichen Tage zwischen 12 und 27,5 Cts für die Gallone. Durchschnittspreis war etwa 21 Cts., einschliesslich T O N Der eiserne Wagen Kriminal-Roman von Sven Elvestad. (11. Fortsetzung) Nach kurzer Ueberlegung antwortete ich: «Schwerlich.» «Setzen Sie sich an seine Stelle,» fuhr der Detektiv fort. «Sie haben eine Schwester, von der Sie sehr viel halten.» «Und die Sie verehren.» «Schön. Sie erklärt, sie wolle einen Mann heiraten, den Sie hassen.» «Voraussetzung, dass ich ihn hasse, ist natürlich, dass ich von ihm bereits wüsste, er wäre ein schlechter Mensch.» «Selbstverständlich; Sie versuchen nun, Ihre geliebte Schwester zur Aufgabe der Verbindung zu überreden, aber der Verhasste ist ein sehr hübscher Mensch und sie ist vor Liebe blind. Sie begreifen nur zu wohl, das:> die Ehe schlecht ausgehen und Ihre Schwester tiefunglücklich werden müsste. Aber Sie sehen zugleich, dass Ihre Ueberredungskunst erfolglos ist. Sie gibt dem Verhassten ihr Jawort, und nun tritt der Augenblick ein, in dem der Liebhaber sich als .egoistisch triumphierend enthüllt. Ich finde den Ausdruck, der Gjaernaes unwillkürlich auf die Lippen kam, sehr treffend. Ich kann mir denken, dass jener von dem Widerstand des Bruders wusste und dass er seinen egoistischen Triumph offen zur Schau trug, nachdem er das Jawort der Schwester erhalten hatte. Setzen Sie sich nun an Gjaernaes' Stelle. Können Sie sich nicht denken, dass Sie in der Erregung des Augenblicks, wo Sie sein triumphierendes, höhnisches Lächeln sehen und wissen, dass Ihre geliebte Schwester unter dem Banne dieses schlechten Menschen steht, die Besinnung verlieren und ihn nie-' derschlagen?» Asbjörn Krag hatte sehr eindringlich gesprochen, und ich fühlte mich von seinen Worten merkwürdig ergriffen. «Das könnte ich mir denken,» antwortete ich unsicher. «Ich glaube es wohl, aber ich würde das natürlich nicht mit Ueberlegung tun.» «Natürlich nicht. Sie würden in der Erregung des Augenblicks und unter dem Eindruck eines plötzlich aufsteigenden, gewaltigen Zornes oder einer verbitterten Niedergeschlagenheit handeln. Lassen Sie mich weiter annehmen, dass Sie ihn auf einem einsamen Wege träfen, dass er Sie grüsste und .sarkastisch triumphierend' lächelte, als ob er sagen wollte: ,Da kannst du's nun sehen, mein Freund, jetzt steht deine liebe Schwester unter meinem Bann; sie ist mein — wie weit kommst du nun mit all deinem Hasse, wie?' Da glaube ich doch, dass Sie ihn anpacken könnten, vielleicht ohne den Gedanken, ihn zu töten, nur von dem unüberwindlichen Drange getrieben, ihn niederzuschlagen. Woran denken Sie? Passt Ihnen unser Gespräch nicht?» Ich wischte mir den Schweiss von der Stirn und fühlte, dass meine Lippen kalt zu werden begannen. «Ich denke an den Toten,» stammelte ich. «Erinnern Sie sich seines Antlitzes? Es war gerade so höhnisch triumphierend, wie Sie es erwähnten; ferner denke ich an das verstörte Wesen meines lieben Freundes Gjaernaes. Er war bleich und zitterte; es sah ganz so aus, als ob er mehrere Tage nicht geschlafen hätte. Und gar der Verwalter! Der ist nun also zu Ihnen gekommen. Was hat er denn zu erzählen?» «Das werden wir gleich hören,» antwortete der Detektiv. Wir gingen hinauf in sein Zimmer. Als wir eintraten, erhob sich der Verwalter und grüsste verlegen. Er war in seinem Sonntagsstaat, sonst war jedoch keine Veränderung an ihm zu bemerken; noch immer zeigte er dieselbe Niedergeschlagenheit in seinem Wesen, denselben unsteten, umherirrenden Blick. «Sie kennen meinen Freund?» fragte der Detektiv. «Er hilft mir bei meinen Untersuchungen und will auch gern anhören, was Sie zu berichten haben.» «Ja —» Der Verwalter sagte nur «Ja», mit tiefem Ernst — er wusste nicht recht, wie er beginnen sollte und war still und verlegen. «Ich hätte wohl etwas zu erzählen,» fuhf er nach kurzer Pause fort. «Aber es ist so schwer für mich, es herauszubringen. Könn« ten Sie mich nicht fragen?» «Wahrscheinlich wollen Sie über den Mord sprechen.» «Nein. In bezug auf den Mord weiss ich nichts,» sagte er und blickte dabei scheu zur Seite. «Nichts weiss ich davon; ich will nur erzählen, was ich seibst gesehen habe.» «Von anderen Dingen wollen wir aber nichts hören,» erwiderte der Detektiv. Der Verwalter nickte mir zu. «Erinnern Sie sich des Abends, als ich Sie nicht eintreten lassen wollte?» «Ja,» erwiderte ich. «Es kam mir so vor,