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E_1934_Zeitung_Nr.051

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AUTOMOBIL-REVUE

AUTOMOBIL-REVUE 1934 - m 51 chweizer tomo res uch 6J31 6638 1 1 1.3» 6 I 1.3a 3b !l 3b 2 22 3b Verzeichnis der Behörden und Verbände. .«AM .«*•' GW«»- Gta» 1 et" Verzeichnis der Antomobilhesitzer kantonsweise zusammengestellt. Bett* J3.«5 1930 20.10 l932 1930 Nebst Nummern, Namen, Beruf und Adresse sind ebenfalls angegeben: Marke, Steuerpferde, Konstruktionsjahr und Art der 75,000 Personenund 20,000 Lastwagen, letztere unter besonderer Berücksichtigung der Cars alpins. Dadurch '! s 'loU'- °°v>üi können Sie ohne weiteres bestimmen, wer die »• f Stns"y e «Ä Modelle fährt, die Sie interessieren. Abgeschlossen Ende Mai 1934. Verzeichnis de? Antomonilgewerhes nach Kantonen zusammengestellt. Durch die am Anfang der Zeilen angebrachten Nummern wird angegeben, welcher Art der erwähnte Betrieb ist, so dass Sie ohne weiteres sämtliche Angehörige derselben Branche auf- ^*^p£ e Gat«*? finden können. Durch die Gliederung nach ortsaW*^"!» alphabetischer Ordnung können sämtliche Angefe'KVW**'* ^fei hörige des Automobilgewerbes eines Ortes oder Kantons mit Leichtigkeit aufgefunden werden. Ll r.«erstiasse V 7. A e6 Eine Zusammenfassung sämtlicher Behörden, strassentechnischen, touristischen, berufliehen und sonstigen Verbänden, die mit dem Automobilwesen in Beziehung stehen. o H Bei« O u Die von den interessierten Kreisen schon längst erwartete Neuausgabe des Schweizerischen Automobil-Adressbuches befindet sich zur Zeit in Revision. Sämtliche Teile werden auf den neuesten Stand gebracht, so das Verzeichnis der Behörden und der Verbände, die Tabelle der Automobil- Vertretungen, das kantons- und ortschoftsweise geführte Verzeichni* der im Automobilfach tätigen oder es beliefernden Personen und Firmen, sowie das Bezugsquellenverzeichnis. Den Kern des Werkes bildet aber wiederum das Verzeichnis der Personen- und der Lastwagenbesitzer. Dank gütiger Mitarbeit der kantonalen Kontrollstellen können wir darauf rechnen, bis Ende des Monats eine komplette Bereinigung und Ergänzung des schon für den Automobilkalender in der Folge der neuen Polizei-Nummern erstellten Manuskriptes zu erwarten. Das neue Verzeichnis wird nicht nur alle seitherigen Umnumerierungen, Adress- und Besitzer-Wechsel und Streichungen aufnehmen, sondern in einem getrennten Abschnitt auch die Lastwagen aufführen. In beiden Listen wird bei jeder Wagennummer die Marke, die Zahl der Steuer-PS, und das Baujahr angegeben. Aus diesen Unterlagen kann der im Automobilgewerbe Tätige mancherlei nützliche Informationen schöpfen, die bei der Propagandaund Kundenwerbung sehr nützlich sein können. Diese Adressliste umfasst allein über 1200 Seiten, wie denn auch die ganze Herstellung mit bedeutenden Kosten verbunden ist, zumal das gesamte Besitzerverzeichnis wegen den Nummernänderungen mit seinen über 100,000 Eintragungen vollständig neu gesetzt werden muss. Mit dem SAAB 1934 erhält die schweizerische Automobil- Industrie indessen ein Standard-Werk, das als Nachschlagemittel unschätzbare Dienste leisten und über die wirtschaftliche Rolle des Automobilwesens in der Schweiz hohen statistischen Wert erhalten wird. In einem Anhang wird es zum Beispiel auch die Verbreitung der verschiedenen Automobilmarken in den einzelnen Kantonen der Schweiz angeben. Das Werk wird Mitte Juli in solidem Rotleineneinband erscheinen. Preis Fr. 30.—. Versand sofort nach Erscheinen per Nachnahm. Verzeichnis der Lieferanten automobilistischer Spezialitäten nach Artikeln zusammengestellt. Ibl S. RO»- Verzeichnis der offiziellen Vertreter nach Marken zusammengestellt. Rucl Ge8*" e : Uoca" 1 ° „ .„.t>a\n"! b. Leu. Ho»* 0 T« Es umfasst die Lieferanten von rund 240 für das Autogewerbe in Frage kommenden Spezialartikeln mit rund 7000 Adressen und bildet das einzige Verzeichnis seiner Art im schweizerischen Automobilwesen. Ott»"» 0 Tivoli. Dieser Abschnitt gibt die General- und Untervertreter der einzelnen Wagenmarken und erv leichtert Ihnen dadurch die Uerschaffung von ' Ersatzteilen, fUr die Ihnen die Bezugsquelle ei sonst nicht bekannt wäre. Bücherzettel Senden Sie sofort nach Erscheinen per Nachnahme . Ex. Schweiz. Automobil-Adressbuch zu Fr. 30.-. , den „ _ k. VERLAG AUTOMOBIL'REVUE GENF BERN ZÜRICH

®&IPß3BBG$l&GBG!I"Nt8mmGB ß Bern, Freitag, 22. Juni 1934 HL Blatt der „Automobil-Revue" Nr. 51 Badezeit. E. W. Die Sonne scheint, der Sommertag blaut, ein leichter Wind weht. Fluss, Bach, See und Meer sind jetzt umworbene Lieblingsdinge, nicht bloss von Anglern, Ruderern und Fischern, sondern noch viel mehr von Badenden jeden Alters und Geschlechtes. Buntfarbige grosse Schirme bedecken wie riesige Pilze den Ufersaum. Aus den Türen der Kabinen tritt die leibhaftige Lebenslust. Die Ferien- und Reisezeit beherrscht die Stunde. Die Träume sind angefüllt von Schiffskolossen und schönen Kapitänen. Die Ufer umhüllt Gebüsch. Lachen, Geschrei, Geplätscher verraten, dass der Badeliebhaber gleichwohl das Wasser gefunden hat. Durch das Gesträuch leuchten helle Kleider, aufgehängt im Laubwerk. Boote schaukeln an Ketten, Ruderschläge erfüllen die Pausen, wenn Gespräch und Lachen aussetzen. Hier baden Einheimische; Fremde kennen sich da nicht aus, es sei denn, der Zufall einer Kahnfahrt habe sie in das verborgene Paradies der Eingeborenen getragen, die nur unwillig den Platz freigeben, es sei denn, dass man ihren Argwohn und ihre stumme Abwehr zu besiegen verstehe: Jede Wildnis muss erst erobert und die Insassen müssen durch List oder Liebe gezähmt werden. Anders das Strandbad. Da ist Stille und Betrieb, je nach Wunsch und Laune. Eine Fahne auf hohem Mast flattert Tag und Nacht. Büffet, Radio und Grammophon laden zu Tanz oder sonstigem Kurzweil, Boote kreuzen, Motoren knarren, Autos surren heran, ständig ebbt und flutet der Gästestrom vom Land her zum Ufersaum. Was früher primitiv geboten wurde, zeigt heute kultiviertes Gehaben. Sport, Mode, Flirt geben . den Ton an, das Ziel ist Unterhaltung, Zerstreuung und Retablierung des Arbeits- oder Genussmenschen, der Weg ist bequeme Herstellung ramponierter Nerven. Aerzte und eigene Ueberlegung, Belehrung und Erziehung führen das Szepter über der. neuen Volksgesundheit. Sonne und Schatten, Luft und Wasser, Ruhe und Bewegung, Schlaf und Diät sind die Erfrischungsmittel des Menschen von heute. Der Erwachsene macht sich diese Quellen in dosierten Mengen zu eigen, die Jugend darr sich den Luxus gestatten, mit dem Ueberfluss zu geuden. Sie braucht nicht einmal die Klugheit zu haben, Vorräte anzulegen, denn für sie gilt die Notwendigkeit der weisen Masshaltung noch nicht. Aus dem Gesichtswinkel des Feiernden wird die Welt erträglicher, die Arbeit vernünftiger, der Beruf freundlicher, der Mitmensch angenehmer. Vom Ufer der Ferien, beschäftigt vom einschläfernden Wellengang, verschönt durch modische Reize, zeigt sich eine Distanz zu allen Dingen des Lebens, dass die Meisterung der Widerstände fast spielerisch anmutet. Lächelnd, überlegen blickst du zurück, mit Behagen fühlst du neue Kräfte steigen aus einem Schacht, den der Alltag zu versanden drohte. Man spürt wieder Reserven, man empfindet neue Lebenslust, die jeder Tag frisch speist. Man hat wieder Zeit für jene kleinen Dinge, die, trotz ihrer Nichtigkeit, das Dasein liebenswert machen, und die sonst der strenge Stundenplan der Pflicht nicht duldet. Der Ernst wird zum Spiel, das Spielerische rundet alle Kanten und Ecken zu wohliger Erträglichkeit, die Freiheit streift alles Unnatürliche aus den Gedanken, der Mensch kehrt zur Erde zurück, woher er kam, bevor ihn Erziehung, Bildung, Beruf, Einbildung und sonstiger Standesdünkel aus dem Paradies der Kindheit vertrieben. Warum, so sinnt man, führt uns die Pflicht immer von uns weiter weg, statt viel tiefer zu uns heim, in einen natürlichen, bekömmlichen Kreis, wie er uns jetzt so glücklich umschliesst? Hat Rousseau umsonst gelebt? Muss ein neuer Apostel kommen und uns ein neues «Zurück zur Natur» predigen? Wir Nordlandmenschen gehen entschieden den verkehrten Weg. Wir kehren dem Vernünftigen den Rücken, wir ziehen die Schattenseite der Sonnenseite des Daseins vor, während der Südlandmensch gläubiger alles Elementare — und dazu gehören Luft, Wasser, Sonne, Wind — hinnimmt und naiver, vielleicht auch primitiver lebt, aber aus dem Leben doch eine achtbare Kunst macht und diese Lebenskunst souverän zu meistern versteht, wie eben ein Beherrscher den Kleinkram meistert oder ihn wegräumt oder gar nicht sieht und empfindet, statt ihm wie eine Memme zu erliegen, wie es unser Alltag dirigiert. Gepriesen sei deshalb das Verjüngungsbad der Ferien, das uns den Segen des Strandwunders schenkt! Ruderfahrt. Von Joseph Harter. Der zweite Tag unseres Sommerurlaubs geht zu Ende. Längst denken wir nicht mehr an Stadt und Beruf. Nach .anstrengendem Rudern bis Sonnenuntergang lokken schöne Ufer zu Rast und Abendmahlzeit. Müde, mehr als müde, bauen wir endlich das Zelt auf und liegen bald in festem Schlafe. Ueber dem Wasser ballen sich gespenstige Nebelgebilde, die Schwaden schleichen umher und verweben nässend die stille Flusslandschaft. Am dunklen Nachthimmel verdecken schwarze Wolken zeitweise Sterne und Mond. Ich sehe, nur halbwach, einmal nach unserem Boot, taste mich in der Finsternis durch triefende Gräser und Stauden zum Röhricht und kehre beruhigt wieder zum Zelt zurück. Einträchtig und eng nebeneinander schlafen wir weiter. Doch nun bricht Kühle herein. Früh erwachen wir. Wir knüpfen den Eingang auf und blicken hinaus. Welch wunderbarer Morgenzauber! Silbrig glitzert der Tau auf den Uferwiesen, die im Erdhauch dampfen. Die Sonne, noch schüchtern lächelnd, huscht über Gebüsch und Bäume. Ihre Strahlen spielen zittrig sprühend mit den obersten Zweigen, an denen kristallklare Wassertropfen hängen, funkelnd wie Diamanten. Wir strecken uns und stehen, gut erholt, auf. Mit weit geöffneten Armen dehnen und recken wir uns zum Himmel, atmen tief im Vollgefühl jugendlicher Kraft und Freude: Lichtwärts! Während auf dem Kocher das Wasser siedet, wird rasch ein erfrischendes Bad genommen. Dann einen Becher warmen Kakao, und los geht es im leichten Geländelauf durch die Flur. Mit gelockerten Schultern und federnden Schritten, mit glänzenden ' Augen und geweiteter Brust. Ueber sanfte Hügel voll Moos, Gras und knospenden Krauts. Nun noch einen scharfen Spurt, bis das Herz stürmt und die Pulse hämmern. Dann in ruhigem Gange auf anderem Wege wieder zurück. Hörst du es? Die Käuze rufen, irgendwo gurrt weich ein Paar Ringeltauben. Schon beginnen Hummeln summend ihren ner Jagdhütte, verlassen steht sie da, aus Birkenstämmchen gezimmert und -von Haselnussstauden umwachsen. Doch weiter, denn die Sonne steigt höher. Plötzlich belebt lautes Knacken und Rascheln die Flur. Erschreckt stieben Birkhühner auf. Sie streichen mit ausgebreiteten Schwingen vorüber und fallen polternd im entferntesten Gebüsch ein. Das rötliche Brombeergestrüpp entzieht sie bald unserem Blick. Wir setzen den Weg im Laufschritt fort Sommerliche Freuden am Badestrand. und langen wieder am Wasser an. Der beim Zelt zurückgebliebene Kamerad emp- Flug. Mäuse rascheln und Heuschrecken springen in mächtigem Bogen herum. Stille Einsamkeit, nur überall dieses heimliche Zirpen und Flüstern. Wir nähern uns eifängt uns unmutig: «Wo seid ihr so lange gewesen?> — Und wir sehen uns verschmitzt lachend an: «Auf dem Mond!» Mit Heisshunger wird das Frühstück genommen. «Nicht so viel», fährt einer meiner Partner dazwischen. «Die Butter soll noch bis heute abend reichen.» Doch wir haben einen fabelhaften Appetit, also wird tüchtig gefüttert. Sorgsam ist endlich alles an Bord verstaut, das Boot getrimmt und die Flagge gesetzt. In-ruhigem Rhythmus geht es weiter. Wald und kleine Seen wechseln in aussergewöhnlicher Mannigfaltigkeit mit saftigen Wiesen und anheimelnden Dörfern. Die Gründe duften, das Wasser blüht. Uebermütige Fische springen; ihre Brut drängt sich und flüchtet in Schwärmen. Stolze Haubentaucher warnen mit schnarrendem Laut und verschwinden blitzschnell in der Flut. Nahe den Ufern eilen auf glitzerndem Spiegel Wasserkäfer geschäftig hin und her. Bunte Schmetterlinge und Libellen umgaukeln uns. Im Schilf treiben Mäuse, Wildenten und Rohrsänger ihr scheues Wesen. Hoch über ihnen in der bläulichen Luft schwebt drohend ein Baumfalke. Allmählich wird der fahrtiefe, krautfreie Wasserweg enger. Hier entfalten herrliche Teich- und Searosen zwischen fetten Riesenblättern ihre üppige Blumenpracht. Die Kraniche. Fischreiher und Nebelkrähen lassen ihre krächzende Stimme hören. Dann ist es wieder still. Bis sich auf einmal die Rufe lärmender Kiebitze in das Geräusch unseres Ruderschlages und der plätschernden Bugwelle mischen. Doch nun nähern sich die Ufer wieder einander, und ein kleiner Fluss beschreibt lauschige Bogen. Am blumigen Wasserrand steht eine schwarzschwänzige Schnepfe. Sie sieht beherzt zu uns herüber und ruft fragend, reckt den Hals, hält den Kopf schief und nickt, immer wieder, weich und allerliebst. Wir aber treiben langsam vorüber, in wortlosem Staunen. Woher die Zutraulichkeit dieses sonst so scheuen Tierchens? Landeinwärts, wo sich, moorig und fast unzugänglich, uralter Bruch befindet, lebt heimlich unscheinbares Getier. Dunkle Weidenstrünke, hohes Sauergras, Wacholdergebüsch, zwerghafte Erlen und Birken erschweren den Ueberblick. Fasanen und Drosseln flüchten schon von weitem. Elstern flattern von Ast zu Ast. Um tümpe- Sommer. Von Emil Wiedmer. Wie Rosen blättern jetzt die Tage auf und hauchen ihren Duft, ihr sanftes Licht entgegen. Wir staunen wunderbar gerührt und lächeln allerwegen, verwirrt, benommen von dem Glück. Die weite Ferne will uns nah erreichen, beut Sonnengold, zum Kranz gerollt. Du hohe Zeit, wie hat aus allen Himmelsgründen die selige Hand uns selige Sterne hergeholt! lige Wasserlachen, zwischen Vergissmeinnicht, Thymian und Brennesseln, trippeln Bachstelzen schwanzwippend umher. Plötzlich werden wir durch hartes Quarren und gellendes Rufen aufmerksam. Es sind Bekassinen, die bald darauf, wenngleich nur für kurze Zeit, surrend ihre ergötzliche Fluggewandtheit zeigen. Man findet sie leider ziemlich selten oder wird sie am Boden vielfach nicht gewahr. Inzwischen ist die Luft noch schwüler geworden. Durch kräftige Skullschläge bemühen wir uns, den nächsten kleinen See mit seinen klaren Fluten zu erreichen. Der Hunger rührt sich, und bei der schweren Glut steigt das Verlangen nach einem kühlen Bad. «Da, seht ihr den Raubvogel!» Laut ruft es unser Steuermann. Er zeigt erregt auf einen Rohrweih, der im selben Augenblick ein abseits schwimmendes Entenkücklein erkrallt, um es durch die Luft davonzutragen. Plätschernd läuft die Entenmutter auf dem Wasser heran. Durch Geschrei und Flügelschlagen sucht sie den gefiederten Jäger abzulenken. Vergeblich. Ihre übrigen Jungen, und mehrere alte Stockenten fliehen inzwischen verängstigt ins Dickicht. Die schwarzen Wasserhühner sind spurlos weggetaucht. Das Kleine aber hat sein zartes Leben lassen müssen, der gierigen Brut im versteckten Schilfhorst zur Aetzung. Als wäre nichts geschehen, rühren sich in den Binsen schon wieder Rohrsänger. Sie knarren, quäken, ratschen und flöten um die Wette. So narren und äffen sie sich den ganzen langen Tag, als gäbe es keinerlei Sorgen und Gefahren auf der Welt. Sommerabend. Von Hermann Hesse. Nach langer Glut und Dürre ist ein Regen gefallen, Donner hat den ganzen Nachmittag gekracht, ein paar Hagelkörner haben geknallt, nach dem ersten erstickend schwülen Dampf hat sanfte Kühle sich verbreitet, weithin riecht es nach Erde, Steinen und bitterem Laub; es ist Abend geworden. Im Walde, an der Schattenseite des Berges, liegen die Grotti, die Weinkeller des Dorfes, ein kleines, zwerghaft phantastisches Märchendorf im Walde, lauter Stirnseiten kleiner steinerner Giebelhäuser, die keine Rückseite haben, denn Dach und Haus verlieren sich im Boden, und tief in den Berg hinein sind die Felsenkeller gebohrt. Da liegt der Wein in grauen Fässern, Wein vom -vorigen Herbst und auch noch etwas Wein vom vorvorigen; älteren gibt es nicht. Es ist ein sanfter, sehr leichter, traubiger Wein, von roter Farbe; er schmeckt kühl und sauer nach Fruchtsaft und nach dicken Traubenschalen. Wir sitzen bei einem Grotto, am steilen Waldhang auf kleiner, schwebender Terrasse, die man auf ungefügen Stufen erklimmt und welche Raum für einen oder zwei Tische hat. Ungeheuer steigen die Stämme der Bäume empor, alte, riesige Bäume: Kastanie, Platane, Akazie, Esche. Sie streben hoch hinan, durch ihr Gezweige blickt wenig Himmel; oft bin ich bei fallendem Regen hier gesessen, im Freien im Walde, stundenlang, und bin kaum von den Tropfen berührt worden. Wir sitzen im Dunkel, schweigend, ein paar Künstler, die hier wohnen. In kleinen irdenen Tassen, weiss und blau gestreift, steht der Wein