Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

uzsiczech

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

Logistik- und Versorgungsübung „Donau“

des Warschauer Paktes. Sie war für den

Zeitraum vom 23. Juli bis 10. August 1968

angesetzt und diente der Verschleierung

der weiteren logistischen Vorbereitungen.

Insgesamt waren 22 Divisionen aus der

UdSSR herangeführt worden. Die anschließende

Fernmelde (Fm)-Übung leitete dann

direkt in den Einmarsch über.

Am 17. August 1968, fiel im Politbüro der

KPdSU die einstimmige Entscheidung für

den bewaffneten Einmarsch. Am 18. August

1968 gaben die nach Moskau bestellten

Regierungschefs der DDR, Polens, Ungarns

und Bulgariens ihre Zustimmung. In

der Nacht vom 20. zum 21. August, kurz

vor 22.00 Uhr, begann mit der Landung

der ersten sowjetischen Militärmaschine

auf dem Prager Flughafen die Invasion. Die

USA wurden informiert, dass sich die Militäraktion

nicht gegen die NATO richte. Unter

dem Deckmantel der Übung „Donau“

war das Niederschlagen des „Prager Frühlings“

angelaufen. 25

Nachdem die wichtigsten Flugplätze im

Land besetzt waren, rückten die Verbände

des Warschauer Paktes, etwa 500.000

Mann, in das Staatsgebiet der ČSSR ein.

Schlüsselpositionen des Landes wurden

umgehend besetzt. Der Einmarsch verlief

weitestgehend unblutig, die Armee hatte

den Befehl, keinen Widerstand zu leisten.

Dubček und andere Staats- und Parteimänner

wurden verhaftet und nach Moskau

gebracht. Der „Prager Frühling“ war vorbei,

der Reformkurs des Landes gewaltsam

beendet.

Von den Warschauer Pakt Staaten sollte

ursprünglich auch die DDR mit Einheiten

der Nationalen Volksarmee (NVA), der 7.

Panzerdivision (7. PD) sowie die 11. Motorisierte

Schützendivision (11. MD) an der

„Donau“-Übung teilnehmen. Diese waren

seit dem 29. Juli 1968 dem sowjetischen

Oberkommando unterstellt und standen

für den Einmarsch bereit. So zeigt exemplarisch

Dokument 39 vom 21. August 1968,

dass der BND eine eventuelle Beteiligung

von NVA-Verbänden nicht klar erkannt

hatte, jedoch die richtigen Informationen

vorlagen, dass „weiterhin 7. PzDiv und 11.

MSD außerhalb Standort“ wären. 26 Entgegen

den ursprünglichen Planungen verließen

die NVA-Kampfverbände jedoch nicht

das Territorium der DDR. Dieses wurde seitens

des BND nicht richtig analysiert, spekulierte

man doch noch Tage später (siehe

Dokument 50) über Rückverlegungen der

NVA aus der ČSSR zurück in die DDR. 27

Die im Anhang befindlichen Dokumente

geben einen Einblick, in wie weit der BND

über die Ereignisse in der ČSSR in unterschiedlicher

Tiefe nachrichtendienstliche

Informationen zeitnahe beschaffen konnte.

Der Schwerpunkt lag dabei auftragskonform

eindeutig auf der militärischen

Berichterstattung mit den entsprechenden

Meldungen zu Manövern und täglichen

Truppenbewegungen. Während die Quellenlage

auf dem HUMINT-Bereich weniger

tragend war, konnten der SIGINT-Bereich

umfassende militärische Lageinformationen

liefern. Wenn auch die einzelnen Ergebnisse

in ihrer Analyse mitunter ambivalent

ausgefallen sind.

25 Vgl. Karner, Stefan: Der „Prager Frühling“. Moskaus

Entscheidung zur Invasion. Vgl. dazu www.

bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/ 68erbewegung/52007/prager-frühling?p=all.

Abgerufen

am 9. Januar 2014.

MFGBND 9/2016

26 Vgl. Dokument 39.

27 Vgl. Dokument 50.

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