Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

uzsiczech

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

stärke der (I.) Verwaltung etwa 900 Mann

betragen und der Einfluss des KGB deutlich

zugenommen haben.

Als im April 1965 Josef Kudrna (1920 –

1989) tschechoslowakischer Innenmister

wurde, vermutete der BND einen Kurswechsel,

zurück in stalinistische Strukturen.

32 Dabei wurde die Organisation erneut

neu gegliedert. Während des Unruhejahres

1968 seien die „[…] csl. Geheimdienste

offensichtlich durch Unsicherheit gekennzeichnet

[…]“ gewesen. 33 Die Tätigkeit

der Staatssicherheitsbehörden (StB) sei

während der Parteiführung durch Dubček

„stark behindert“ gewesen. „[S]ie lebte

jedoch sofort nach dem Einmarsch der

W[arschauer] P[akt]-Truppen wieder auf,

so daß die StB bereits längst wieder eine

Vormachtstellung im Staate einnimmt.“ 34

Tatsächlich war die Struktur der verschiedenen

Geheimdienste unübersichtlich und

vielschichtig. Kompetenzprobleme der

verschiedenen Dienste wurden bei einem

Blick auf die Übersicht deutlich. So wird in

einer BND-Ausbildungsunterlage vom Januar

1969 der „ČSSR-Nachrichtendienst“

wie folgt dargestellt: Ministerium des Innern

(Kreisverwaltungen und Bezirksverwaltungen),

der Staatssicherheitsdienst

als eine Hauptverwaltung im Ministerium

des Innern, jedoch auch der militärischen

Spionage-Abwehr untergeordnet. Weiterhin

der militärische Nachrichtendienst,

32 Anzeichen für härteren innenpolitischen Kurs

unter Kudrna vom 14. Juni 1968, vgl. BND-Archiv,

103.915, Bundesinnenministerium ČSSR

– Federalni Ministerstvo Vnitra (FMV), [unpaginiert].

33 Begleitschreiben vom 21. Januar 1974, BND-Archiv,

103.912, Erkenntnisse über den tschechoslowakischen

Nachrichtendienst.

34 BND-Ausgangsmeldung vom 7. Juni 1971, BND-

Archiv 103.912, Erkenntnisse über den tschechoslowakischen

Nachrichtendienst, [unpaginiert].

MFGBND 9/2016

der eine Nachrichtenabteilung des Generalstabes

der tschechoslowakischen

Volksarmee war und dem Ministerium für

Nationale Verteidigung unterstand. Dazu

kamen weitere „ND-treibende Stellen“ wie

die diplomatischen Vertretungen in Ost-

Berlin und in den westlichen Hauptstätten,

die Militärmission in West-Berlin, die

Handelsvertretung in Frankfurt am Main,

die staatseigenen Reisebüros, Schifffahrtsgesellschaften

und die Fluglinie sowie die

Presseagentur. 35

Mit Dokument 2 36 liegt eine umfangreiche

Übersicht der Erkenntnisse des BND zur

Tätigkeit der Prager Dienste aus dem Jahre

1967 vor, deren Einleitung mit der fast

prophetischen Vermutung „die politischen

Spannungen in der ČSSR Ende 1967 zeigen

vielleicht im Jahre 1968 gewisse Auswirkungen“

endet. Erstellt wurde diese Studie

vom Sachgebiet A-7 der für Gegenspionage

zuständigen Unterabteilung 333. Sie

befasst sich mit der Methodik und taktischen

Arbeit des tschechoslowakischen

Staatssicherheitsdienstes für das Jahr

1967. Neben strukturellen Veränderungen

wurden naturgemäß besonders deren

Bemühungen auf dem Gebiet der Bundesrepublik

notiert. Dabei wurde die auch in

den 1960er Jahren noch immer starke Einwanderungsbewegung

aus der ČSSR nach

Westdeutschland als Haupteinfallstor erkannt.

Migranten, die sich erfolgreich in

der Bundesrepublik niedergelassen hatten,

wurden bei ihren ersten Besuchen in der

alten Heimat vom dortigen Dienst angesprochen

und geworben.

35 Vgl. Fremde Dienste Lehrstoff vom 9. Januar

1969, BND-Archiv, 103.915, Bundesinnenministerium

ČSSR – Federální ministerstvo vnitra

(FMV), [unpaginiert].

36 Vgl. Dokument 2.

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