Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

Grund dafür war die Tatsache, dass sich

die II. Verwaltung (Spionageabwehr) kaum

der Beobachtung der Organisation Gehlen

widmete. 79

Im Jahr 1956 entschied Minister Barák

dann, dass die komplette Verantwortung

für die Beobachtung des BND die II. Verwaltung

des Innenministeriums trägt. 80 Auf

dem Territorium der Nachbarstaaten BRD

und Österreichs konkurrierte die tschechoslowakische

Spionageabwehr nämlich sehr

geschickt mit dem Auslandsnachrichtendienst.

Die Staatssicherheit hielt den BND

für außerordentlich aktiv und im Zusammenhang

mit dessen offizieller Einrichtung

wurde die Enttarnung seiner Agenten eine

der vorrangigen Aufgaben der Spionageabwehr.

Die Führung des tschechoslowakischen

Innenministeriums war aber mit

den Ergebnissen, die die StB in den Jahren

1956-1959 erreichte, nicht zufrieden. Ihre

Tätigkeit ließ ein einheitliches und organisiertes

Vorgehen vermissen. Daher entstand

im Jahr 1959, nachdem die Arbeitsweise

des westdeutschen Dienstes, die

sich von den übrigen westlichen Diensten

unterschied, ausgewertet wurde, ein spezielles

Projekt der Spionageabwehr unter

der Bezeichnung „N-60“, das zum erfolgreichen

Aufspüren von BND- Agenten in

der Tschechoslowakei verhelfen sollte. 81

Die StB wusste, dass sich der BND sehr für

die deutsche Minderheit in der Tschechoslowakei

interessierte und bemühte sich,

Erkenntnisse über sie zusammenzutragen,

die zu Personen führen sollten, die

für den BND potentiell interessant waren.

79 ABS, Bestand A2/1, Inventarnr. 160, Geheimbefehl

des Innenministers Nr. 95/1954.

80 Žáček, Pavel: Menší sestra, S. 288.

81 ABS, Bestand A1, Inventarnr. 371, Bericht

der Inspektion des Innenministers über die

Überprüfung der operativen Agenturarbeit im

Kampfabschnitt gegen die Spionage der BRD

und Österreichs (7. 2. 1966).

MFGBND 9/2016

Darum kontrollierte sie z.B. die Korrespondenz

und das Verhalten von Personen, die

zu Verwandten in die BRD reisten, setzte

Agenten in der Nähe der beobachteten

Personen ein u.ä. Ein Teil des Plans war

auch die genaue Vorgehensweise, die festlegte,

wie Gegenspiele und Täuschungsmanöver

gegen den BND organisiert werden

sollten. 82 Das Projekt N-60 hat sich

in der Praxis bewährt. Im Oktober 1961

stellte der Chef der II. Verwaltung des Innenministeriums

bei der Rekapitulation

des vergangenen Jahres fest, dass gemäß

Plan N-60 allmählich eine Zentralisierung

der Arbeitsleitung in der Prager Zentrale

der Spionageabwehr stattgefunden hat. 83

In den Jahren 1960-1961 wurden aufgrund

der Beobachtungsergebnisse der StB insgesamt

22 Personen verurteilt. 84 .

Im Jahr 1963 wurde jedoch die Hauptverantwortung

für den „Kampf“ gegen den

BND in die Zuständigkeit des Auslandsnachrichtendienst

zurückgegeben. 85 Zwei

Jahre später zeigte sich, dass dies keine

82 ABS, Bestand I. Verwaltung des Korps der Nationalen

Sicherheit, Karton 0104, , N-60“. Methodische

Anleitung und Anweisungen für das

Vorgehen bei der Suche und Bearbeitung der

nachrichtendienstlichen Tätigkeit des BND auf

dem Staatsgebiet der ČSSR - Version aus dem

Jahr 1967.

83 ABS, Bestand A2/2, Inventarnr. 1211, Materialien

von der 33. Besprechung des Kollegiums des

Innenministeriums 16. 10. 1961.

84 ABS, Bestand H, Inventarnr. H-735, Bd. IV., wegen

Spionage für die BRD beschuldigte, untersuchte

und verurteilte Personen.

85 So geschah es auf Grundlage der Richtlinie über

die Zusammenarbeit der I. Verwaltung des Innenministeriums

mit den Spionageabwehreinheiten

im Kampf gegen den äußeren Feind, Anlage

zum Befehl des Innenministers Nr. 22 vom

23. 6. 1963. Näher dazu FROLÍK, Jan: Ještě k nástinu

organizačního vývoje státobezpečnostních

složek Sboru národní bezpečnosti v letech

1948-1989 [Weiteres zu einem Versuch über die

Organisationsentwicklung der Staatssicherheitseinheiten

des Korps der Nationalen Sicherheit in

den Jahren 1948-1989], in: Sborník archivních

prací LII/2002, Praha, S. 371-520, Anm. Nr. 107.

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