Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

der Aufklärung von Fragen der sog. Ostpolitik

oder beim Monitoring der innenpolitischen

Szene der BRD. 90 Am Vorabend

des „Prager Frühlings“ werteten die Mitarbeiter

der Abteilung für ausländische

Spionageabwehr der I. Verwaltung des Innenministeriums

ihre Kenntnisse über den

BND aus. Sie mussten feststellen, dass sie

nur solches Material zur Verfügung hatten,

mit dem man die Grundstruktur des Dienstes

rekonstruieren konnte. Es gelang ihr,

die neun Dienststellen des BND zu identifizieren

und davon fünf auszuwählen, die

gegen die Tschechoslowakei arbeiteten.

Pro futuro hatte der Geheimdienst schließlich

ein solches Eindringen gar nicht erwartet

und hatte nur eine minimale Hoffnung

auf Erfolg. 91 Diesen Zustand kritisierte die

II. Verwaltung des Innenministeriums dauernd,

die verlangte, selbst wieder die Verantwortung

für die Beobachtung des BND

zu übernehmen. Im Unterschied zum Auslandsnachrichtendienst

hielt sie sich für erfahrener

und fähiger, diese Aufgabe auch

auf dem Territorium der BRD, Österreichs

und Westberlins effektiv zu bewältigen. 92

Der BND unterschied sich von seinen Partnerdiensten

teilweise im Bereich der Arbeitsmethoden.

Weil es keine gegenseitigen

diplomatischen Beziehungen mit der

Tschechoslowakei gab, bestand auch keine

diplomatische Mission der BRD in Prag. Im

Unterschied zu anderen westlichen Geheimdiensten

konnte der BND also keine

Botschaft als Stützpunkt nutzen. Er nutzte

hingegen intensiv die verbliebene deut-

90 BS Bestand A2/3, Inventarnr. 2157, Bericht über

die Erfüllung des Perspektivplans des tschechoslowakischen

Geheimdiensts für das Jahr 1967.

91 ABS, Bestand I. Verwaltung des Korps der Nationalen

Sicherheit, Kart. 019, Erfüllung des Perspektivplans

in Richtung der Objekte der 6. Abteilung

vom 17. Oktober 1967.

92 ABS, Bestand A7, Inventarnr. 310, Tätigkeitsbericht

der II. Verwaltung Hauptverwaltung StB für

das Jahr 1966 (Bericht vom 3. 1. 1967).

MFGBND 9/2016

sche Minderheit, und beim Anwerben von

Agenten aus ihren Reihen verließ er sich

auf die nationale Zugehörigkeit. Dank

der intensiven Beobachtung und der Zusammenarbeit

mit dem KGB und dem MfS

erlangte die StB bis Mitte der 60er Jahre

einen Überblick über die Verbindungsmethoden

des BND, und auf Grund dieser

Kenntnisse fand sie manche Agenten. 93

Die benutzten Arbeitsmethoden des westdeutschen

Dienstes fasste sie chronologisch

so zusammen: in den Jahren 1957-

1961 nutzte der BND intensiv Personen,

die er bei Verwandtschaftsbesuchen in der

BRD gewonnen hatte. Die Agenten wurden

dann mit einer kryptographischen

Verbindung ausgestattet. Im Jahr 1960 wurden

mehrere Personen aus dieser Gruppe

gefasst, wobei sich zeigte, dass es sich um

ein großes Netzwerk handelte, das mosaikartig

Informationen über Bewegungen und

Stationierung von Truppen sammeln sollte.

Der BND hat den Rest des Agentennetzes

zwischen März und Juni 1961 gewarnt,

die Tätigkeit einzustellen. Anschließend

wurde die Taktik geändert, ein Agent sollte

im Laufe von zwei Jahren 24 Briefe mit

Informationen in die BRD absenden. Neben

dieser Taktik enthüllte die StB weitere

Arten kryptographischer Nachrichten und

auch die Benutzung einfacher Codes auf

Briefmarken. Die Praxis zeigte der StB, dass

der BND nach der Enttarnung einiger weniger

Mitglieder seines Agentennetzes sofort

seine Taktik änderte. Sie bemühte sich

also, die Agenten nach der Enttarnung so

schnell als möglich zu fassen. Im Jahr 1966

wurden große Veränderungen im Verhalten

der Nachrichtennetze des BND registriert.

Die StB brachte sie in Verbindung mit einer

stattfindenden Reorganisation und Ergän-

93 ABS, Bestand A24, Inventarnr. 436, Kampf der

tschechoslowakischen Spionageabwehr und

operative Techniken mit der Spionage des BND.

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