Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

uzsiczech

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

101 Faure, Justine: Americký přítel. Československo

ve hře americké diplomacie 1943 – 1968 [Der

amerikanische Freund. Die Tschechoslowakei

im Spiel der amerikanischen Diplomatie 1943

- 1968], Praha 2006, S. 180-190.

102 Der einzigen britischen Quelle zufolge handelte

es sich ursprünglich um eine Operation des

SIS, bei der kompromittierendes Material über

KGB-Offiziere in Berlin zusammengetragen

wurde. Siehe BOWER, Tom: The Perfect English

Spy: Sir Dick White and Secret War 1935-1990.

London: Heinemann, 1995, S. 261f. Die Biographie

des SIS-Direktors erwähnt, dass sich an

der Aktion auch der Defector George Blake beteiligte,

womit angedeutet wird, auf welchem

Weg die Informationen über diese Aktion zum

KGB gekommen waren. Im Jahr 1966 schickte

der KGB der tschechoslowakischen StB Informationen

über die Operation LYAU T E Y, die

aber von einer umfangreichen Dokumentation

begleitet war, die die Bemühungen des britischen

Geheimdiensts präsentierte, die sozialistischen

Länder zu spalten und sie dadurch zu

schwächen. Siehe CAJTHAML, Petr: Operace

Lyautey, in: Paměť a dějiny [Erinnerung und Geschichte]

2008/1, S. 14-21. Der Name der existierenden

Operation wurde offensichtlich von

Dokumenten des britischen Foreign Office aus

den fünfziger Jahren erweitert, in denen die

Möglichkeit einer Spaltung im sozialistischen

Block in Erwägung gezogen wurde. Siehe z.B.

ALDRICH, J. Richard. Espionage, security and

intelligence in Britain 1945-1970. Manchester:

Manchester University Press, 1998, S. 194-

199. Weitere Informationen über die Operation

LYAUTEY erschienen im Jahr 1971 in der

Moskauer Wochenzeitung Neue Zeit Nr. 25,

von denen anschließend die Propagandaabteilung

der DDR Gebrauch machte (CHARISIUS

und MADER Nicht länger geheim) und UdSSR

(JAKOWLEW Geheimnisse der USA - Geheimdienste).

Der tatsächliche Umfang der Operation

LYAUTEY und ihre eventuelle Veränderung

in der Propaganda der kommunistischen Staaeinen

Terminus, mit dem alle Erscheinungen

bezeichnet wurden, die aus Sicht des

kommunistischen Regimes die öffentliche

Meinung, die politischen Ansichten, die

Kultur und Moral negativ beeinflussten.

Die aus dem Westen geführte ideologische

Diversion habe demnach dazu führen sollen,

dass die KSČ in ideologischen, kulturellen

und wissenschaftlichen Fragen nicht

effektiv führen konnte. Darum wurde die

ideologische Diversion von Seiten der KSČ-

Führung genau verfolgt und auch direkt

der Präsident und I. Sekretär der KSČ, Antonín

Novotný, interessierte sich für diese

Frage. 99 Eines der Hauptprobleme, die im

Bereich der ideologischen Diversion beobachtet

wurden, war die Frage nach der

Verbreitung von Informationen aus dem

Ausland über die Rundfunk- und Fernsehsendungen

oder mit Hilfe der Presse. 100

Die Intensivierung des arbeitsbedingten

und privaten Reiseverkehrs ermöglichte

den Austausch von Informationen, Erfahrungen

und Verbrauchsgütern aus dem

Westen in einem Maß, dass die StB nicht

mehr völlig zu kontrollieren vermochte. Sie

wies darum wiederholt darauf hin, dass

die ideologische Diversion in ihrer Breite

im Kampf gegen feindliche Geheimdienste], herausgegeen

von der IX. Verwaltung des Korps der

Nationalen Sicherheit, Praha 1983, S. 94

99 Kaplan, Karel: Antonín Novotný. Vzestup a pád

„lidového“ aparátčíka [Aufstieg und Fall eines

„Volksaparatschiks“], Brno 2011, S. 165-191.

100 Die Organisationen, die sich an der Informationstätigkeit

beteiligten, wurden als sog. ideodiversive

Zentren bezeichnet. Gegen ihre

Tätigkeit versuchten die Nachrichtendienste

des Ostblocks mit Sendungsstörungen oder

mit Operationen von Geheimdienstagenten

zu kämpfen. Das bekannteste Ziel der StB war

die tschechoslowakische Redaktion (Deckname

„Objekt Alfa“) von Radio Freies Europa

bei München. TOMEK, Prokop: „Objekt Alfa“.

Československé bezpečnostní složky proti Rádiu

Svobodná Evropa [Die tschechoslowakischen

Sicherheitseinheiten gegen Radio Freies

Europa], Praha 2006.

MFGBND 9/2016

nicht mit Mitteln der Nachrichtendienste

erfasst werden könne, weil sie zu viele Erscheinungsformen

habe und sich zu viele

ausländische Subjekte an ihr beteiligten. 101

Diese allgemeinen Erkenntnisse bekamen

im Jahr 1966 in den Augen der StB einen

konkreten Inhalt. Der KGB übergab ihr

nämlich Kopien und Übersetzungen von

Dokumenten einer vermeintlichen britischen

Operation mit dem Decknamen LY-

AUTEY. 102

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