Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

uzsiczech

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

Eine ähnlich repressive Ausrichtung der

Arbeit gegen ausländische Geheimdienste

hätte nach der neuen Arbeitskonzeption

ungute Folgen: „Die übliche Art der

Aufklärungstätigkeit nach dem Prinzip der

Objektsystemarbeit, machte es unmöglich,

konkrete Informationen über Absichten

und Ziele der feindlichen Geheimdienste zu

erhalten. Sie erweckte den Eindruck, dass

sich die ausländischen Geheimdienste für

unsere komplette Wirtschaft und das politische

Leben interessieren und mit immer

größerer Intensität gegen uns arbeiten“. 115

Die oben erwähnten Vorwürfe und auch

die Hauptstoßrichtung der Kritik an der

bisherigen Arbeit des Sicherheits-Apparats

lässt sich im Grunde so zusammenfassen,

dass es im Weiteren abgelehnt werden

soll, jegliche Kritik als Ausdruck der Feindschaft

gegen den Sozialismus und ideologische

Diversion zu interpretieren. Diese

Praxis ging von der Theorie der Verschärfung

des Klassenkampfes auf innerer und

internationaler Basis aus und die tschechoslowakischen

Reformkommunisten hielten

sie für veraltet. Was sie sich jedoch nicht

bewusst machten, war die Tatsache, dass

die Vertreter des tschechoslowakischen

Staates mit der Ablehnung dieses engen

Blickwinkels den gemeinsamen kommunistischen

Interpretationsrahmen über die

Grundzüge der internationalen Beziehungen

zwischen den sozialistischen Ländern

und den liberalen westlichen Demokratien

verließen, obwohl sie vor allem die Beennisterium

und der Sicherheitsapparat in der

Zeit des Prager Frühlings 1968 (Januar-August

1968)]. Brno 1996, S. 115-116.

115 Nationalarchiv Prag (weiter: NA), Bestand ÚV

KSČ, Alexander Dubček, Bd. 20, Archiveinheit

186, Bericht „Činnost Státní bezpečnosti v u-

plynulém období a její příští úkoly“ [Die Tätigkeit

der Staatssicherheit im vergangenen Zeitraum

und ihre künftigen Aufgaben], zugänglich auch

unter http://www.ustrcr.cz/data/pdf/projekty/

srpen1968/vedeni-mv/cinnost-stb-680704.pdf.

MFGBND 9/2016

digung der Repressionen gegenüber den

eigenen Bürgern bezweckten.

Dieser Faktor machte sich alsbald auf der

internationalen Bühne bemerkbar. Der Reformprozess

in der Tschechoslowakei traf

bei führenden Vertretern sozialistischer

„Bruderstaaten“ auf Unverständnis. Schon

im März 1968 äußerten L. Breschnew, W.

Ulbricht und W. Gomułka bei einem Treffen

in Dresden die Befürchtung, dass in der

Tschechoslowakei eine Konterrevolution

drohen würde, die die KSČ um die Macht

bringt. Die Führung der KSČ und die tschechoslowakische

Regierung waren harter

Kritik ausgesetzt und wurden aufgefordert

die Verhältnisse sofort zu ordnen, d.h.

zu festigen. 116 Ihre Kritik ventilierten die

Führungen der sozialistischen Länder auch

mittels ihrer Propaganda. Auch der sowjetische

Militär- und Sicherheitsapparat

beobachtete die Situation in der Tschechoslowakei

sehr genau und ergriff schon im

Frühling 1968 eine Reihe von Maßnahmen.

Der KGB begann sich auf tschechoslowakischem

Territorium wie in einem feindlichen

Land zu verhalten. Ähnlich arbeiteten

auch die Nachrichtendienste der weiteren

„Partner“: Polen, Ungarn und sehr aktiv

auch das MfS der DDR. 117 Zu den Maß-

116 Mehr über die Kritik an den tschechoslowakischen

Kommunisten innerhalb des sowjetischen

Blocks siehe z.B. PAUER, Jan. Prag 1968:

Der Einmarsch des Warschauer Paktes: Hintergründe

– Planung – Durchführung. Bremen

1995.

117 Die DDR gehörte zu den ersten und schärfsten

Kritikern der Reformen in der Tschechoslowakei.

Dem entsprach auch die Bewertung der Situation

nach den Änderungen in der Führung

von KSČ und in der Regierung von Januar 1968.

Der Minister für Staatssicherheit, Erich Mielke,

bezeichnete die Situation als Kampf der richtigen

Kräfte in der tschechoslowakischen Gesellschaft

gegen antisozialistische und feindliche

Elemente. Die Hauptverwaltung Aufklärung

des Ministeriums für Staatssicherheit (HVA

MfS) beobachtete die tschechoslowakische

Außenpolitik und ihre Ziele genau - z.B. jegli-

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