Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968 5

Vorwort des Bundesnachrichtendienstes

(BND)

Die aktuelle Mitteilung der Forschungsund

Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“

behandelt nach dem Volksaufstand von

1953 (Band Nr. 6), der Sektorenschließung

von Berlin 1961 (Nr. 1) und der Kuba-Krise

von 1962 (Nr. 3) erneut einen Konflikt des

Kalten Krieges von herausgehobener geopolitischer

Bedeutung.

Diesmal stehen der „Prager Frühling“ und

der Bundesnachrichtendienst (BND) im Fokus

der Dokumentation: Die Entwicklungen

in der Tschechoslowakei (ČSSR) 1968, der

Versuch der tschechoslowakischen Parteiführung

unter Alexander Dubček (1921

– 1992) einen „Sozialismus mit menschlichem

Antlitz“ einzuführen und die gewaltsame

Zerschlagung dieses Reformversuches

durch die Sowjetunion (UdSSR) und

weitere Staaten des Warschauer Paktes.

Auch wenn diese Mitteilung inzwischen bereits

die neunte Ausgabe der Forschungsund

Arbeitsgruppe „Geschichte des BND“

ist, stellt sie jedoch ein Novum dar. Für die

Planung und Gestaltung war nicht nur die

Historikergruppe des BND verantwortlich.

An dieser Dokumentation über die Rolle

des westdeutschen Auslandsnachrichtendienstes

beim „Prager Frühling“ waren

auch die Historiker des tschechischen zivilen

Auslandsgeheimdienstes Úřad pro

zahraniční styky a informace (ÚZSI) beteiligt.

Der Beitrag von den Kollegen des

tschechischen Auslandsnachrichtendienstes

über die Rolle des BND am „Prager

Frühling“ - aus Sicht des tschechoslowakischen

Dienstes der sechziger/siebziger Jahre

- wurde auf deren Aktengrundlage zum

Thema verfasst. 1 Er beleuchtet die Rolle

des BND aus Sicht des damaligen Systemgegners.

Erstmals haben die Historiker und

Archivare zweier Dienste an einem Thema

gemeinsam gearbeitet und ihre Sicht auf

den Untersuchungsgegenstand, basierend

auf den Originaldokumenten, wiedergegeben.

Ein Novum partnerschaftlicher Zusammenarbeit

zweier europäischer Nachrichtendienste.

Die initiative Idee dieser besonderen Kooperationsform

auf dem Feld der historischen

Aufarbeitung bzw. Erforschung von

Geheimdienstgeschichte wurde auf präsidialer

Ebene geboren. Denn bei einem

Arbeitsgespräch mit dem Leiter des tschechischen

Auslandsgeheimdienstes, Ivo

Schwarz im Jahre 2012 kam BND-Präsident

Gerhard Schindler auch auf das BND-Geschichtsprojekt

zu sprechen. Da auch das

ÚZSI sich dienstintern der Erforschung der

eigenen Geschichte widmet, wurde eine

Zusammenarbeit der jeweiligen dienstinternen

Historiker zu einem gemeinsamen

Thema beschlossen: Der BND und der

„Prager Frühling“ 1968.

Die vorliegende Mitteilung flankiert und ergänzt

dabei auch mit Dokumenten einzelne

Forschungsergebnisse der Unabhängigen

Historikerkommission (UHK), die seit dem

Frühjahr 2011 im Auftrag des BND die Entstehungs-

und Frühgeschichte des Dienstes

1 Im Archiv der Behörde des Bundesbeauftragten

für die Stasi-Unterlagen (BStU) befindet

sich unter der Signatur MfS, HA IX, Nr. 1584

eine frühe, 116 Seiten umfassende Studie „Die

westdeutschen Geheimdienste“ die aus dem

Tschechischen übersetzt wurde. Verfasser der

als „Streng geheim!“ eingestuften Schrift war

ein Oberstleutnant Brychta aus Prag. Als Datum

wird der Januar 1958 genannt. Der BND wird

darin als Teil der „vorderste[n] Front der Spionagetätigkeit

der westlichen Staaten gegen die

UdSSR und die Länder der Volksdemokratie“ bezeichnet.

MFGBND 9/2016

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