Spolková zpravodajská služba a pražské jaro 1968

uzsiczech

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Dokumente des Bundesnachrichtendienstes zum Prager Frühling 1968

ation gute Voraussetzungen schafft für die

Durchführung von Aktionen, die hilfreich

wären, um den Zerfall des kommunistischen

Systems in der ČSSR zu beschleunigen. Außerdem,

dass, wenn die geplanten Maßnahmen

die politische Entwicklung im Land verschärfen

und Aktivisten der alten Parteien

in einem für sie günstigen Sinn mobilisieren

würden, die Liberalen das Volk nur schwer

im Rahmen ihrer Pläne halten könnten, so

wie es ihr Aktionsprogramm verfolgt. Diese

Entwicklung könne mit geschickt geführter

Taktik und mit den notwendigen Anstrengungen

sowie bei Nutzung der entsprechenden

finanziellen Mittel das kommunistische

Regime zu Fall bringen.

Gleichzeitig wurden gemeinsame Maßnahmen

festgelegt, deren Sinn darin besteht,

das Vertrauen des Volkes in das bestehende

Regime und seine Innen- und Außenpolitik

zu erschüttern, das Innenministerium und

seine Führung zu diskreditieren, die KSČ

und ihre Führung zu diskreditieren, den

Parteiapparat zu zersetzen, das nationale

Bewusstsein der Bevölkerung im Land zu

schärfen und zu nutzen, den slowakischen

Separatismus zu unterstützen, das Vertrauen

zur Sowjetunion und seiner Politik gegenüber

der ČSSR zu erschüttern und zu

stören, tschechoslowakische Flüchtlinge

im Westen zu aktivieren und für ihre eigenen

Absichten zu nutzen.

Der Geheimdienst der USA will diese Aufgabe

sowohl mit nachrichtendienstlichen Methoden,

als auch durch das Zusammenwirken

anderer entsprechender Institutionen

wie Rundfunk, Presse u.ä. angehen“. 154

154 ABS, Bestand A34, Inventarnr. 2299, dokument

„Rozbor úrovně a výslednosti práce v boji proti

americké rozvědce a návrhy na další činnost

čs. kontrarozvědky“ [Analyse des Niveaus und

der Resultate der Arbeit im Kampf gegen amerikanische

Nachrichtendienste und Vorschläge

für die weitere Tätigkeit der tschechoslowakischen

Spionageabwehr] vom 14. 11. 1970, S.

22-23.

MFGBND 9/2016

Auch auf Grund dieses Dokuments wurde

geschlossen, dass die ausländischen Nachrichtendienste

einen Anteil haben nicht

nur an der Verbindung mit der heimischen

Opposition, von ehemaligen Funktionären

der Nationalen Sozialisten, rechter Sozialdemokraten,

der kirchlichen Reaktion,

Funktionären des KAN und des K-231 bis

zu slowakischen Separatisten geschlossen,

aber auch an der Vorbereitung eines bewaffneten

Aufstands. 155

In den Akten, die eine Zusammenarbeit

der Nachrichtendienste der sozialistischen

Staaten hinsichtlich des BND erfassen,

erscheint kein solches Dokument. 156 Seine

Abwesenheit in den Materialien der

tschechoslowakischen StB und kleine Unterschiede

in der Beschreibung der Autorschaft

des Dokuments vermitteln den

Eindruck, dass einer der sozialistischen

Nachrichtendienste dieses Dokument Anfang

1968 bestimmten einflussreichen

Personen in der StB oder im Innenministerium

gezeigt hat in der Hoffnung, dass es

so gelingt, das Geschehen in der tschechoslowakischen

Gesellschaft zu beeinflussen.

Die Tatsache, dass es den Fachleuten, die

auf die Aktivitäten des BND spezialisiert

waren, nicht übergeben wurde, könnte

jedoch auch einen anderen Grund haben,

denn diese hätten bestimmt sehr leicht

erkannt, dass es sich sehr wahrscheinlich

um ein Falsum handelte.

Die eigentliche Absicht der beabsichtigten

Einflussmaßnahmen steht zwar

ideologisch im Einklang mit der Rolle der

155 ABS, Bestand A34, Inventarnr. 2082, materiál

„Podklady pro vedení MV - Nepřátelská

činnost zahraničních rozvědek 1969“ [Unterlagen

für die Leitung des Innenministeriums

- Feindliche Tätigkeit ausländischer Geheimdienste

1969] von April 1969.

156 ABS, Bestand H, Inventarnr. H-735, Unterbände

135 bis 141.

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