Zugpferde und Außenseiter - Tenuta Sarno 1860

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Zugpferde und Außenseiter - Tenuta Sarno 1860

TITEL & THEMEN | Süditalien

Unbekannte Schöne: Neben Apulien, Kalabrien und Kampanien bleibt die Basilikata als Region ein kaum behandeltes Thema für Wein-Freaks

Zugpferde und Außenseiter

Süditalien gehört zu den schönsten Ferienzielen Europas. Schade, dass es von uns aus

gesehen mehr als doppelt so weit entfernt liegt wie der Gardasee. Sonst könnten sich

hierzulande sicher mehr Weingebiete und Rebsorten aus dem Mezzogiorno durchsetzen.

Aus dem Kleeblatt Apulien, Kampanien,

Kalabrien und Basilikata, das wir

diesmal behandeln, ragt Apulien natürlich

als etabliertester Partner im Weinhandel

empor. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Die Region am Stiefelabsatz gehört einmal

zu den mengenstärksten Weingegenden

Italiens und kann zu vernünftigen Kursen

tadellose Qualitäten liefern. In der Heimat

der Trulli boomt aber auch der Tourismus

aus Deutschland, seitdem es von allen

wichtigen Flughäfen Direkt- und Billigflieger

nicht nur nach Bari, sondern auch nach

Brindisi gibt. Hinzu kommt, dass die weiche,

füllige Leitsorte Primitivo dem Weingeschmack

der meisten Deutschen entspricht.

Und nicht zuletzt haben Apuliens

Weinproduzenten mit Dario Stefàno einen

Agrarassessor, der sich stark für den Sektor

einsetzt und Gemeinschaftsaktionen unterstützt.

Bei der jüngsten Promotionsveranstaltung

Apulia Wine Identity im Sommer

bot die Region ein Zusammenspiel von Verkostungen

in Verbindung mit Regionalküche,

zeigte seine Kultur-und Architekturschätze

und gab Einkäufern und Journalisten

ein wunderbares, emotional aufgeladenes

Gesamtbild mit nach Hause. Auch die

Zahlen im Weinsektor Apuliens können

sich sehen lassen: 2011 machten die Herkunftsweine

(IGT, DOC, DOCG) erstmals

über 50 Prozent der Produktion aus. Sie ist

von 2 Mill. Hektoliter im Jahr 2009 auf 3

Mill. in 2011 gestiegen, also um 33 Prozent

innerhalb von zwei Jahren. Im Export legte

Apulien zwischen 2007 und 2011 um 66

Prozent zu, die nationale Durchschnittsquote

liegt bei 33 Prozent.

Die anderen drei Regionen sind wesentlich

ärmer. In Kalabrien und in der Basilika findet

die Weinproduktion unter Ausschluss

der Öffentlichkeit statt. Jeder kocht hier

sein eigenes Süppchen. In Kampanien sind

die Kassen derzeit so leer, dass den kleinen

Winzern für die nächste Vinitaly nicht einmal

mehr eine Beihilfe für den Gemeinschaftsstand

gewährt werden kann.

BianchIrpinia: Showdown der

Edel-Weißen

Dafür ist es den Produzenten in diesem November

nach vierjähriger Pause gelungen,

auf eigene Kosten die Jahrgangspräsentation

BianchIrpinia auf die Beine zu stellen.

Leider hat das Geld nicht dafür gereicht,

Einkäufer aus aller Welt einzuladen. Aber

internationale Journalisten konnten Vorur-

20 WEINWIRTSCHAFT 26|12 www.weinwirtschaft.de


teile beiseite räumen und begreifen, dass Fiano

di Avellino und Greco di Tufo selbst im

heißen 2011 so saftig, lebendig und schmelzig

geraten, wie sonst nur Weine aus dem

Norden. Zig Newcomer und Kleinbetriebe

boten den bekannten Größen Mastroberardino,

Feudi di San Gregorio, Villa Matilde

und Terredora die Stirn – und schnitten

großartig ab. Greco di Tufo von Bambinuto,

Di Marzo, Tenuta Cavalier Pepe, Pietracupa,

Cantina dellʼAngelo, Montesole u.a.

überzeugten mit rasanter Säure, salzig-mineralischen

Komponenten und Nusstönen.

Betrinken mochte man sich am saftig-salzigen

Fiano di Avellino des Autoditakten Ciro

Picarello, der im Traumjahrgang 2010 sogar

noch spektakulärer geraten war. Picarellos

Weine gehören zu den wenigen der

neuen Generation, die es bis nach Deutschland

geschafft haben (Weinimport Striehn/

Stuttgart). Die Villa Diamante schnitt beim

rauchigen Fiano Vigna della Congregazione

toll ab, Pietracupa überzeugt in allen Disziplinen,

der Fiano der neuen Tenuta Sarno

1860 verführt mit exotischen Fruchtnoten.

Raffaele Troisi von Valdiaperti hat sich zwar

der Ehrenrettung der Sorte Coda di Volpe

verschrieben, bringt aber auch einen noch

interessanteren vielschichtigen, an Blüten

und kandierte Zitrusfrüchte erinnernden

Fiano hervor. Es lohnt sich, diese unprätentiösen

Winzer in der Hügel-und Berglandschaft

der Irpinia zu entdecken samt der

(stillgelegten) Schwefelmine und Schwefelfabrik

der Di-Marzo-Dynastie in Tufo und

den »Patriarchen« genannten, riesigen Urreben

im Besitz von Feudi di San Gregorio.

Man versteht die Weine einfach besser,

auch den Aglianico, der mit seinem heftigen

Gerbstoffgehalt die gleichen Kommunikationsschwierigkeiten

hat wie Nebbiolo.

Nicht von ungefähr wird der Taurasi als

»Barolo des Südens« beschrieben. Nur ist

sein Ruhm verblasster als der des Barolo.

Nicht nur verlorene Liebesmüh’

Bleiben wir bei Kampanien, kommen wir

zur Ernüchterung. Selten entdeckt man in

den Portfolios der Importeure und Fachgroßhändler

noch hochwertige Weißweine

aus der Irpinia. Das liegt nicht nur an

der stets zitierten neuen deutschen Liebe

am eigenen Wein. Die Preise sind ob der

Produktionskosten und kleinen Erträge einfach

zu hoch, als dass sich der Einkauf für

8–9 Euro Grundpreis die Flasche bei Handwerker-Winzern

lohnen könnte. »Die Wei-

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ne und ihre Preise müssen sich an Südtirol

und dem Friaul messen. Da wird man im

Bereich zwischen 10 und 13 Euro durchaus

fündig«, sagt Eberhard Spangenberg, Italien-Entdecker

der ersten Stunde aus München.

Dennoch hält er an seinem Kleinod

Colli di Lapio fest, einem 6-Hektar-Weingut

im Herzen der Fiano-Produktion, das er

schon seit fast zehn Jahren führt. Der Fiano

kostet 19,90 Euro EVP und läuft dementsprechend.

Dabei ist er nicht einmal überteuert,

denn das Weingut selbst gibt in Italien

den Horeca-Preis (ohne MwSt.) mit 10

Euro an. Palorino in Auer ist erst vor zwei

Jahren eine Liaison mit dem Weingut Donna

Chiara (150.000 Flaschen jährlich) in

Montefalcione eingegangen, das seinen Fiano

auf 500 Meter Höhe anbaut, aber schöneren

Aglianico erzeugt. »Die Weine aus

Kampanien verkaufen sich sehr mühselig«,

bestätigt Geschäftsführer Stefano Decarli.

Das Traditionshaus Stoppervini in Lugano

führt überhaupt kein kampanisches

Weingut mehr. »Fiano und Greco hatten

ihre große Stunde in den 90er-Jahren mit

Mastroberardino und Feudi di San Gregorio,

als der Markt die Weißen aus Sizilien

und Apulien noch nicht kannte. Diese Zeiten

sind vorbei«, so Antonio Stopper. Bei

der Agentur VIP-Weine in Köln geht außer

Sizilien der gesamte Mezzogiorno leer aus,

und zwar aus konzeptionellen Gründen.

»Ich führe nur zwei Arten von Weingütern.

Weinproduktion in Süditalien

In 1.000 Hektolitern

208

445

1.768

6.949

144

392

1.830

5.920

Eine Schiene gilt für Weine, die der Markt

wirklich will, wie etwa Prosecco oder Lugana.

Die andere sind Big Player, die auch international

eine Rolle spielen wie das Barolo-Haus

Vietti. Für das Geld, das ein wirklich

guter kampanischer Fiano kostet, bekommt

man ein Großes Gewächs. Die Weine

müssen eben auch tauglich und passend

sein für den spezifischen Markt, auf dem

sie bestehen wollen. Die klassischen Regionen

haben meiner Meinung nach wieder

mehr Appeal als Newcomer aus dem Süden.«

Deuna in Augsburg hingegen füllt

125

323

1.869

7.169

die Kampanien-Lücke im Sortiment ab Januar

2013 mit dem Familienweingut I Capitani

aus der Torre le Nocelle, das in den vergangenen

Jahren mit Antonio Cefalo an der

Spitze eine bedeutende Qualitätssteigerung

erreicht hat. »Die Weine sind nicht aus der

Gegend von Benevento, sondern aus der Irpinia,

was ja normalerweise einen deutlichen

Preisunterschied ausmacht. Die komplette

Range mit Fiano di Avellino, Greco di

Tufo, Falanghina, Taurasi sowie Aglianico

Irpinia können wir aber zu durchaus moderaten

Preisen anbieten. Bei Aglianico und

Falanghina streben wir einen EVP von deutlich

unter 10 Euro an. Ich bin gespannt«, berichtet

Geschäftsführer Ralf Kastner.

Mit dem Jahresbeginn 2012 hatte Reidemeister

& Ulrichs den Exklusiv-Vertrieb des

kampanischen Weinguts Terredora di Paolo

übernommen. Das Familienunternehmen

eines Zweiges der Mastroberardino-Dynastie

kann auf über 200 Hektar Rebland in

der Provinz Avellino und den DOCGs Fiano

di Avellino, Greco di Tufo und Taurasi zurückgreifen.

Die Jahresproduktion beläuft

sich auf rund 1,4 Mill. Flaschen, die Preise

sind der Größe des Weinguts entsprechend

moderat. Wie sind die Geschäfte angelaufen?

»Wir freuen uns über die Zusammenarbeit,

sind aber auch aufgrund der Umstrukturierung

bei unserem Geschäftspartner

noch nicht wirklich losmarschiert und

arbeiten noch am Konzept«, erklärt Lucio

Mastroberardino, der die Kellerei mit seinen

Geschwistern Daniela und Paolo leitet

und amtierender Präsident der Produzentenvereinigung

Unione Italiana Vini ist.

»Generell sehe ich aber, dass Weißweine

immer mehr Aufmerksamkeit finden. Leider

wird über Taurasi zu wenig gesprochen.

Das müssen wir ändern, obwohl die Kampanier

ein Bergvolk sind, denen die Kommunikation

nicht besonders liegt. Bei uns

in der Irpinia ist es nicht wie im klassischen

Süditalien. Wir sind das Südtirol des Mezzogiorno,

haben aber geringere Erträge. Die

Struktur unseres Weinsektors ist so ähnlich

wie in der Langhe, es gibt unzählige gute

kleine Weingüter.«

Beim Weinkontor Freund steht eine Änderung

an. Die kampanischen Indomito-Weine

werden demnächst ersetzt. Bisher führen

die Freunds nur Falanghina und Aglianico,

beide zum EVP von etwa 6,90 Euro.

Sie schlagen sich mit einem Jahresverkauf

von 5.000 Flaschen für den Weißen und

15.000 für den Roten gar nicht so schlecht.

22 WEINWIRTSCHAFT 26|12 www.weinwirtschaft.de

100

259

1.495

6.237

2008 2009 2010 2011*

Apulien Kampanien Kalabrien Basilikata

Lucio Mastroberardino ist mit Terredora di

Paolo seit Anfang 2012 bei R&U gelistet

Quelle: Corriere Vinicolo 2012 auf Datenbasis Istat/Ismea,* Schätzung Ismea/UIV im Dezember 2011


FOTO: ZIEGLER

FOTO: ZIEGLER

FOTO: ZIEGLER

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Maximilian Brandner,

GIV Deutschland:

»Ausgerechnet der

typischste Wein der

Basilikata ist extrem

schwer zu verkaufen«

Renè Sorrentino:

»Im Großen und

Ganzen bereitet uns

der Süden Italiens

immer noch eine

Riesenfreude«

Ralf Kastner, Deuna:

»Bei Aglianico und

Falanghina streben

wir einen EVP von

deutlich unter 10 Euro

an«

Stefano Decarli,

Palorino: »Die Weine

aus Kampanien

verkaufen sich sehr

mühselig«

Die neuen Weine, diesmal sind auch Fiano

und Greco mit im Spiel, werden höherwertig

sein und um die 10 Euro EVP kosten.

Fischer & Trezza in Stuttgart führt mit

Vinosia einen kampanischen Produzenten,

der auch einen Teil apulischer Weine abfüllt.

Die Weißweine werden deutlich stärker

nachgefragt als die Roten. Vom Falanghina

zum Gastronomiepreis von 5,88 Euro

gehen 10.000 Flaschen weg, auf 5.000

kommt der Greco di Tufo zu 7,98 Euro, aber

der Fiano schwächelt bei 2.500 Exemplaren

zu 7,58 Euro. Zusätzlich leisten sich die

Stuttgarter das 5-Hektar-Weingut Nugnes

aus der Provinz Caserta, wo der »Römerwein«

Falerno gedeiht. »Nugnes verkaufen

wir super, aber es handelt sich auch um geschliffene,

mineralische Weine zu einem

guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Bestseller

ist hier der Falerno Rosso für rund 8 Euro,

aber auch die extraktreiche Falerno Riserva

Caleno für 16 Euro hat sich durchgesetzt«,

so Einkaufsleiter Ingo Keul. Schrittmacher

im Falerno-Gebiet war allerdings die Villa

Matilde, die es dank ihrer Drei-Gläser-Kontinuität

inzwischen auch hierzulande zu einigem

Ruhm gebracht hat. »Aber die Villa

Matilde wird immer noch unterschätzt,

für das was sie leistet. Wir verkaufen zwar

von jeder Sorte etwas, aber das Problem ist

weniger der Preis als die Stimmung in der

Gastronomie. Für die sind derzeit deutsche

Weißweine das Maß aller Dinge«, erklärt

Renè Sorrentino. »Im Großen und Ganzen

bereitet uns der Süden Italiens aber immer

noch eine Riesenfreude. Schließlich ist unsere

Agentur mit der kalabrischen Kellerei

Librandi als erstem Partner sozusagen

geboren worden. Es gibt sicher nicht viele

Weingüter, die nach 17 Jahren im Sortiment

noch ein Wachstum von 10 Prozent erzielen,

wie Librandi in 2012.«

Kalabrien und Basilikata:

Ein bisschen geht immer

Kalabriens Weinsektor scheint zu erwachen.

Vor allem um Cosenza und in Cirò, wo zum

Beispiel Sergio Arturi und Francesco Maria

de Franco, der sein Weingut AʼVita erst

2008 gegründet hat, für frischen Wind sorgen.

Librandi ist zwar immer noch die einzige

handfeste Marke von der Stiefelspitze,

aber einige Importeure haben ihr Sortiment

mit unbekannteren Namen aufgerüstet.

Fischer & Trezza nahm im vergangenen

Jahr die Traditionskellerei Zito aus

Cirò auf, und hat den Schritt nicht bereut.

»Die Weine kommen vor allem in der Gastronomie

gut an. Die Ausstattung stimmt

und sie bieten viel Wein für wenig Geld, vor

allem die Riserva ist ein Bombenwein für

7,18 Euro Gastronomiepreis«, erklärt Ingo

Keul. 7.200 Flaschen Zito-Weine sind im

ersten Jahr verkauft worden. Stoppervini

führt seit vier Jahren das Bio-Weingut I Greco

aus Cirò, das auch tolles und hochprämiertes

Olivenöl herstellt. Antonio Stopper

schwärmt vor allem vom Gaglioppo Rosato.

Eberhard Spangenberg bezieht I Greco-

Wein von Stopper und meint: »Er verkauft

sich nicht donnernd, aber nett.« Palorino

vertritt seit einigen Jahren die Kellerei Ippolito

1845, die ebenfalls in Cirò liegt. »Wir

bieten Weinqualitäten an, die im Fachhandel

knapp unter oder gar über 10 Euro pro

Flasche kosten, also Weine, die Bedarf an

Beratung haben, damit sich der Kunde für

Open Tinazzi,

open Italy.

Feudo di Santa Croce:

Reise durch die geschmacklichen

Vielfalt der Apuliens

Byzantium Primitivo di Manduria

Seit 5 Jahren mit renommierten

internationalen Preisen ausgezeichnet

www.tinazzi.it


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sie entscheidet. Die Verkaufszahlen sind

entsprechend gering, wachsen aber stetig«,

informiert Stefano Decarli. Saffer gönnt

sich das etablierte Weingut Odoardi in der

DOC Savuto am tyrrhenischen Meer. Die

Rebsortencuvées auf Basis von Gaglioppo

sind interessant für die Gastronomie, aber

auch erklärungsbedürftig. Deuna und das

Weinkontor Freund haben noch keine passenden

Partner gefunden.

Die Basilikata kennt kaum ein Mensch, nur

Weinfreaks fällt gleich der Kultwein Terra

di Lavoro von Galardi ein. Die Weinproduktion

ist rückläufig, viele Weingüter stehen

zum Verkauf. Diese wild-schöne, unentdeckte

Region zwischen Apulien und

Kampanien ist für kaum einen Händler ein

Thema. Ausnahmen sind Garibaldi und Fischer

& Trezza. Eine Mitarbeiterin des eingefleischten

Süditalienfans Eberhard Spangenberg

hat auf der diesjährigen Vinitaly

das Weingut Grifalco entdeckt, das nun

zwei Aglianicos del Vulture zum Garibaldi-

Angebot beisteuert. »Es sind elegante Weine,

weder weichgespült noch mit dem bissigen

Tannin, das die Aglianicos noch vor

wenigen Jahren geprägt hat«, so Spangenberg,

der zusätzlich am Basilikata-Klassiker

Paternoster festhält. Die Stuttgarter von

Fischer & Trezza haben das bio-zertifizierte

Weingut Bisceglia aus Livello im Programm.

Laut Auskunft des Einkaufsleiters

Ingo Keul, »geht mittlerweile gut was weg«.

Das ist allerdings die absolute Ausnahme.

Selbst ein ausgefeiltes Vertriebssystem wie

das der Gruppo Italiano Vini hat Schwierigkeiten,

den Aglianico del Vulture ihres Satelliten

Terre degli Svevi – Re Manfredi an

den Mann zu bringen. »Ausgerechnet der

typischste Wein der Basilikata ist extrem

schwer zu verkaufen. Wären Manfredi Rosé

aus Aglianico und Manfredi Bianco, eine

Cuvée aus Müller-Thurgau mit 25 Prozent

Gewürztraminer, nicht die großen Renner

in der Gastronomie, hätten wir in 2012

ein Minus von mehr als 15 Prozent zu verschmerzen«,

informiert Maximilian Brandner,

Generaldirektor der GIV Deutschland

GmbH mit Sitz in München. Glücklicherweise

klingelt die GIV-Kasse beim Absatz

der Weine des apulischen Castello Monaci.

Trotz Preiserhöhungen von im Schnitt

10 Prozent im Gastro- und Fachhandelsbereich

ist der Absatz auf dieser Schiene um 9

Prozent gestiegen. Sogar im LEH haben die

Apulier 3 Prozent zugelegt. Primitivo macht

dabei 80 Prozent des Verkaufs aus, der Rest

Neu im Programm bei

Fischer & Trezza:

Die Kellerei Zito

Die Tenute Rubino

bringt den neuen

Spumante »Libens«

fällt auf Negroamaro und Salice Salentino.

Dieses Verhältnis kann man in etwa auf den

gesamten Markt für apulische Weine übertragen.

Freudenspender Primitivo

Auf Apulien ist die gesamte Branche (bis

auf kleine Mäkeleien) gut zu sprechen.

Spangenberg meint, dass Sizilien Apulien

ausgeraubt hat und die Region einen besseren

Stellenwert verdient. Er führt sechs Produzenten,

darunter den Edel-Klassiker Vallone,

die Azienda Monaci des Negroamaro-

Königs Severino Garofano und die charakterstarken

Weine der Genossenschaft Cupertinum.

»Bei sizilianischen Weinen kann

der Kunde stärker Rebsorten und Herkünfte

differenzieren«, sagt Carsten Kemp, Einkaufsleiter

des Freundschen Weinkontors

in Borgholzhausen. »Apulien wird weitestgehend

über Rebsortenweine im Preiseinstiegsbereich

wahrgenommen.« Immerhin

hat der neue Primitivo Manduria »14« des

Kollegen Saffer für etwa 7 Euro Regalpreis

extrem gut eingeschlagen. »Er stammt aus

der Kellerei Cantolio, mit der wir im vergangenen

Jahr eine Kooperation aufgenommen

haben. Im günstigeren Bereich

setzen wir auf unseren Partner Castellani,

mit dessen Primitivo und Negroamaro

dieses Jahr über eine Million Flaschen ab-

gesetzt werden«, informiert Andreas Saffer.

Das Süditalien-Programm bei Saffer hat

sich kürzlich grundlegend geändert. Sein

ehemaliger Lieferant Farnese Vini, der bereits

seit Jahren bedeutende Mengen über

Jacques’ Weindepot absetzt, ist seit diesem

Herbst gänzlich unter das Hawesko-Dach

geschlüpft und wird nun bei Weinland Ariane

Abayan gelistet. Die Kellerei hat ein cleveres

und sehr erfolgreiches Geschäftsmodell,

das ihr 2011 einen Umsatz von über 50

Mill. Euro beschert hat – bei einer Produktion

von 12 Mill. Flaschen. Sie kaufte sich vor

ein paar Jahren je zu 50 Prozent bei süditalienischen

Genossenschaftskellereien ein, in

Apulien bei San Marzano und in der Basilikata

bei Vigne del Vulture. Zudem besitzt

sie in Kampanien das Weingut Vesovo mit

einer Jahresproduktion von 600.000 Flaschen.

Anfang 2013 sind entscheidende Änderungen

bei Farnese zu erwarten. Die Anteile

des Präsidenten Camillo De Iuliis, der

in diesem Sommer gestorben ist, werden

möglicherweise nicht im eigenen Kreis der

anderen Gründergesellschafter weitergegeben,

sondern an einen Investor verkauft.

Zudem wird sich der Name der klassischen

Linie Farnese ändern.

Weitere Apulien-Spots:

Zwar wachsen nicht mehr alle Apulien-Umsätze

der Fachgroßhändler und Importeure,

aber einige Weine und Marken schaffen

noch beachtliche Sprünge: Torrevento

wächst zweistellig bei GES Sorrentino und

Leone de Castris bei der GES-Tochter Brand

Compendium. Deuna verbucht 12-prozentigen

Zuwachs mit den Weinen von L’Antesi.

Das Weinkontor Freund beginnt vor der

ProWein mit einer neuen, höherwertigen

apulischen Privatkellerei. Das Weingut Tenute

Rubino in Brindisi (über Stoppervini)

lanciert in diesen Tagen einen Charmat-

Sekt auf Vermentino-Basis, der ca. 10 Euro

EVP kosten wird.

Palorino setzt seit vergangenem Jahr auf die

Typizität der Weine von Conti Zecca, deren

Negroamaro (mit 30 % Cabernet Sauvignon)

namens Nero im neuen Gambero Rosso

zum zehnten Mal mit den Drei Gläsern

ausgezeichnet wurde. Mit der dynamischen

Cantina Due Palme aus Cellino San Marco

hat die Agentur Smart-Wines in Köln einen

goldenen Griff getätigt. Viele Kollegen sind

wie zum Beispiel Ingo Keul begeistert von

der marktgerechten Machart und Preisstellung

der Weine. � Veronika Crecelinus

24 WEINWIRTSCHAFT 26|12 www.weinwirtschaft.de

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