Zugpferde und Außenseiter - Tenuta Sarno 1860

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Zugpferde und Außenseiter - Tenuta Sarno 1860

TITEL & THEMEN | Süditalien

sie entscheidet. Die Verkaufszahlen sind

entsprechend gering, wachsen aber stetig«,

informiert Stefano Decarli. Saffer gönnt

sich das etablierte Weingut Odoardi in der

DOC Savuto am tyrrhenischen Meer. Die

Rebsortencuvées auf Basis von Gaglioppo

sind interessant für die Gastronomie, aber

auch erklärungsbedürftig. Deuna und das

Weinkontor Freund haben noch keine passenden

Partner gefunden.

Die Basilikata kennt kaum ein Mensch, nur

Weinfreaks fällt gleich der Kultwein Terra

di Lavoro von Galardi ein. Die Weinproduktion

ist rückläufig, viele Weingüter stehen

zum Verkauf. Diese wild-schöne, unentdeckte

Region zwischen Apulien und

Kampanien ist für kaum einen Händler ein

Thema. Ausnahmen sind Garibaldi und Fischer

& Trezza. Eine Mitarbeiterin des eingefleischten

Süditalienfans Eberhard Spangenberg

hat auf der diesjährigen Vinitaly

das Weingut Grifalco entdeckt, das nun

zwei Aglianicos del Vulture zum Garibaldi-

Angebot beisteuert. »Es sind elegante Weine,

weder weichgespült noch mit dem bissigen

Tannin, das die Aglianicos noch vor

wenigen Jahren geprägt hat«, so Spangenberg,

der zusätzlich am Basilikata-Klassiker

Paternoster festhält. Die Stuttgarter von

Fischer & Trezza haben das bio-zertifizierte

Weingut Bisceglia aus Livello im Programm.

Laut Auskunft des Einkaufsleiters

Ingo Keul, »geht mittlerweile gut was weg«.

Das ist allerdings die absolute Ausnahme.

Selbst ein ausgefeiltes Vertriebssystem wie

das der Gruppo Italiano Vini hat Schwierigkeiten,

den Aglianico del Vulture ihres Satelliten

Terre degli Svevi – Re Manfredi an

den Mann zu bringen. »Ausgerechnet der

typischste Wein der Basilikata ist extrem

schwer zu verkaufen. Wären Manfredi Rosé

aus Aglianico und Manfredi Bianco, eine

Cuvée aus Müller-Thurgau mit 25 Prozent

Gewürztraminer, nicht die großen Renner

in der Gastronomie, hätten wir in 2012

ein Minus von mehr als 15 Prozent zu verschmerzen«,

informiert Maximilian Brandner,

Generaldirektor der GIV Deutschland

GmbH mit Sitz in München. Glücklicherweise

klingelt die GIV-Kasse beim Absatz

der Weine des apulischen Castello Monaci.

Trotz Preiserhöhungen von im Schnitt

10 Prozent im Gastro- und Fachhandelsbereich

ist der Absatz auf dieser Schiene um 9

Prozent gestiegen. Sogar im LEH haben die

Apulier 3 Prozent zugelegt. Primitivo macht

dabei 80 Prozent des Verkaufs aus, der Rest

Neu im Programm bei

Fischer & Trezza:

Die Kellerei Zito

Die Tenute Rubino

bringt den neuen

Spumante »Libens«

fällt auf Negroamaro und Salice Salentino.

Dieses Verhältnis kann man in etwa auf den

gesamten Markt für apulische Weine übertragen.

Freudenspender Primitivo

Auf Apulien ist die gesamte Branche (bis

auf kleine Mäkeleien) gut zu sprechen.

Spangenberg meint, dass Sizilien Apulien

ausgeraubt hat und die Region einen besseren

Stellenwert verdient. Er führt sechs Produzenten,

darunter den Edel-Klassiker Vallone,

die Azienda Monaci des Negroamaro-

Königs Severino Garofano und die charakterstarken

Weine der Genossenschaft Cupertinum.

»Bei sizilianischen Weinen kann

der Kunde stärker Rebsorten und Herkünfte

differenzieren«, sagt Carsten Kemp, Einkaufsleiter

des Freundschen Weinkontors

in Borgholzhausen. »Apulien wird weitestgehend

über Rebsortenweine im Preiseinstiegsbereich

wahrgenommen.« Immerhin

hat der neue Primitivo Manduria »14« des

Kollegen Saffer für etwa 7 Euro Regalpreis

extrem gut eingeschlagen. »Er stammt aus

der Kellerei Cantolio, mit der wir im vergangenen

Jahr eine Kooperation aufgenommen

haben. Im günstigeren Bereich

setzen wir auf unseren Partner Castellani,

mit dessen Primitivo und Negroamaro

dieses Jahr über eine Million Flaschen ab-

gesetzt werden«, informiert Andreas Saffer.

Das Süditalien-Programm bei Saffer hat

sich kürzlich grundlegend geändert. Sein

ehemaliger Lieferant Farnese Vini, der bereits

seit Jahren bedeutende Mengen über

Jacques’ Weindepot absetzt, ist seit diesem

Herbst gänzlich unter das Hawesko-Dach

geschlüpft und wird nun bei Weinland Ariane

Abayan gelistet. Die Kellerei hat ein cleveres

und sehr erfolgreiches Geschäftsmodell,

das ihr 2011 einen Umsatz von über 50

Mill. Euro beschert hat – bei einer Produktion

von 12 Mill. Flaschen. Sie kaufte sich vor

ein paar Jahren je zu 50 Prozent bei süditalienischen

Genossenschaftskellereien ein, in

Apulien bei San Marzano und in der Basilikata

bei Vigne del Vulture. Zudem besitzt

sie in Kampanien das Weingut Vesovo mit

einer Jahresproduktion von 600.000 Flaschen.

Anfang 2013 sind entscheidende Änderungen

bei Farnese zu erwarten. Die Anteile

des Präsidenten Camillo De Iuliis, der

in diesem Sommer gestorben ist, werden

möglicherweise nicht im eigenen Kreis der

anderen Gründergesellschafter weitergegeben,

sondern an einen Investor verkauft.

Zudem wird sich der Name der klassischen

Linie Farnese ändern.

Weitere Apulien-Spots:

Zwar wachsen nicht mehr alle Apulien-Umsätze

der Fachgroßhändler und Importeure,

aber einige Weine und Marken schaffen

noch beachtliche Sprünge: Torrevento

wächst zweistellig bei GES Sorrentino und

Leone de Castris bei der GES-Tochter Brand

Compendium. Deuna verbucht 12-prozentigen

Zuwachs mit den Weinen von L’Antesi.

Das Weinkontor Freund beginnt vor der

ProWein mit einer neuen, höherwertigen

apulischen Privatkellerei. Das Weingut Tenute

Rubino in Brindisi (über Stoppervini)

lanciert in diesen Tagen einen Charmat-

Sekt auf Vermentino-Basis, der ca. 10 Euro

EVP kosten wird.

Palorino setzt seit vergangenem Jahr auf die

Typizität der Weine von Conti Zecca, deren

Negroamaro (mit 30 % Cabernet Sauvignon)

namens Nero im neuen Gambero Rosso

zum zehnten Mal mit den Drei Gläsern

ausgezeichnet wurde. Mit der dynamischen

Cantina Due Palme aus Cellino San Marco

hat die Agentur Smart-Wines in Köln einen

goldenen Griff getätigt. Viele Kollegen sind

wie zum Beispiel Ingo Keul begeistert von

der marktgerechten Machart und Preisstellung

der Weine. � Veronika Crecelinus

24 WEINWIRTSCHAFT 26|12 www.weinwirtschaft.de

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