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FORUM 42

SOMMER 2006

C 20 924 F

FREIE

WALDORFSCHULE

STADE


Inhalt / Impressum

Editorial: Kein X für ein U vormachen lassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4

Goldener Toni: Hurra - sie haben ihn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6

Klassenorchester der 5. Klasse bei „Jugend Musiziert“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8

Wieder in Bergen: Orchesterreise nach Norwegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10

Von der Hausbauepoche ins Architektenbüro . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13

Achtklass-Spiel: „Die Elenden“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14

Klassenfotos der Klassen 1 bis 13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17

Foto: Das Kollegium der Freien Waldorfschule Stade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32

Unser Abitur-Jahrgang 06 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33

Das Schleudern von Honig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

Endlich ein Gartenbauhaus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35

Gut gefischt: Die Chemie und Physiksammlung wächst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36

Der Hort wird gebaut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 37

Ich bin, du bist, wir sind, ihr seid ... Waldorf . . . . . . . . . . . . . .. . .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 40

Ein Projekt verwirklichen - Die Jahresarbeit im 12. Schuljahr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 42

Gedicht: Zwölf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43

Eine neue Lehrerin: Französisch ab Oktober 2005 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 44

Buchbesprechung: Paolos Geheiminis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 45

Vorstandsarbeit Ja oder Ja . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 46

Termine . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47

Herausgeber:

Verein zur Förderung der

Waldorfpädagogik in Stade e.V.

Redaktion:

Christiane Haack, Ina Barzen,

Sven Brügmann, HaJo Plümer

Mitarbeiter dieser Ausgabe …

… entnehmen Sie bitte der Kennzeichnung

der einzelnen Beiträge.

Namentlich gezeichnete Artikel

geben nicht in jedem Fall die

Meinung der Redaktion wieder.

Fotos:

Astrid Doerenbruch, Sven Brügmann

Anzeigenverwaltung:

Borchert Rödel, Postfach 126,

21636 Horneburg

Anzeigengestaltung:

Hannah-Verlag, 21684 Stade

Layout / Gestaltung:

Birgit Jaenicke, Jörg Rüdiger

Druck & Repro:

Deutsches Rotes Kreuz, Manufaktur,

21682 Stade

Erscheinungsweise:

Halbjährlich. Die Finanzierung des

Heftes erfolgt durch Anzeigenerlöse

und Spenden, für die wir uns herzlich

bedanken.

Einzelpreis: 1.– Euro

Der Heftpreis ist bei Vereinsmitgliedern

im Vereinsbeitrag enthalten.

Adressen:

Freie Waldorfschule Stade:

Henning-von-Tresckow-Weg 2,

21684 Stade

Tel.: 04141 / 51 05 21

Fax: 04141 / 51 05 22

Betreuungsklasse: 04141 / 51 05 23

Waldorf-Kindergarten Stade:

Henning-von-Tresckow-Weg 2a,

21684 Stade, Tel.: 04141 / 41 14 73

Trägerverein:

Verein zur Förderung der

Waldorfpädagogik in Stade e.V.

Henning-von-Tresckow-Weg 2

21684 Stade

Konto: 128 504, Kreissparkasse Stade

BLZ 241 511 16

Waldorf-Kindergarten Nottensdorf

Verein zur Förderung der

Waldorfpädagogik e.V.

Bremers Garten 18a,

21640 Nottensdorf

Tel.: 04163 / 62 91

Konto: 405 563, Kreissparkasse

Stade, BLZ 241 511 16

Titelfoto: Christiane Haack. Der

Hort wird gebaut. Bunte Türen

drücken die Freude darüber aus.

Als zusätzlichen Service stellen wir das vorliegende Heft und bisher erschienene Ausgaben auch ins Internet.

Unter www.waldorfschule-stade.de haben Sie Zugriff auf interessante Informationen rund um die Freie Waldorfschule Stade.

3


Forum

Kein X für ein U

vormachen lassen!

Für einen ausgeprägteren Standort-Stolz

der Freien Waldorfschule Stade

Lange Zeit überwucherte ein äußerst besorgtes

„Buxtehude oder wir?“ unsere

hart geführte Auseinandersetzung um die

schier unaufhaltsame Waldorf-Initiative

dicht nebenan. Nun, das von vielen selbstrettend

gewünschte „oder“ hat sich zu einem

vitalen „und“ gemausert und jetzt ist

sie definitiv da, die Buxtehuder Waldorfschule.

Warum eigentlich diese ausgeprägten

existentiellen Ängste, bis hin zu einem regelrechten

Standort-Komplex? Sind wir

tatsächlich lediglich so labil in Stader Sand

und Moor verwurzelt, dass der neue

pädagogische Nachbar uns unaufhaltsam

wird das Wasser abgraben können?

Erst einmal müssen die uns doch überhaupt

das Wasser reichen können: Uns, einer

nach 15 Jahren Aufbaukampf (!) - mit

allen nur erdenklichen Schwierigkeiten,

Tiefs und Katastrophen fertig gewordenen

- inzwischen längst stetig wachsenden

Waldorfgemeinschaft (Pointe: Buxtehude

begründet sich nach eigenen Aussagen ja

genau auf Stader Nachwuchs-Überkapazitäten).

Was haben wir also eigentlich zu befürchten?

Viel eher könnten wir neidlos

und mitleidbereit gen Süden blicken; das

haben die doch alles noch vor sich!

Überhaupt sollten wir das Angstkorsett

endgültig ablegen, uns gar nicht mehr ins

4

beklemmende Paradigma der bedrohenden

Konkurrenz einschnüren lassen.

Wir haben etwas zu bieten; vor allem eine

Standort-Identität, beispielsweise bestehend

aus einem von vielen Seiten immer

wieder bestätigten – von Abgängern oft

betont schmerzlich vermissten - ausgezeichneten

Lernklima, einem sehr förderlichen,

menschlichen Grundton des gegenseitigen

Vertrauens zwischen Schülerschaft,

Lehrerschaft und Elternschaft. Wer

sollte das überhaupt womit toppen – da

können andere doch höchstens gleichziehen.

Hieß es vor gar nicht langer Zeit nicht

noch ganz pädagogisch-global „Waldorf –

one World“?

Freuen wir uns doch im nährenden Erfahrungsschatten

von PISA über dieses regionale

Wachstum unserer Lernwelt, ergänzen

wir uns, verbreitern wir das Gesamt-Waldorf-Angebot,

um unser Schulmodell

im Großraum noch interessanter,

vielschichtiger und damit überzeugend

wahrnehmbarer zu gestalten. Die im öffentlichen

Vokabular oft strapazierten

Synergie-Effekte, wir werden sie, zur gegenseitigen

Belebung, doch wirklich gut

gebrauchen können.

Ein kalter Waldorfkrieg – ein schädigender

Widerspruch in sich und damit ein

für alle Mal tabu!


Ganz im Gegenteil: Wir sollten das positive

Standort-Bewusstsein echter Provinzler

entfalten.

Wir hier, in einer waldorfpädagogischen

Mitte zwischen Cuxhaven und Buxtehude,

wir sollten uns doch selbstbewusst als die

erfahrene Mutterschule aufstellen und entsprechend

unterstützend ausstrahlen, unsere

Erfahrungen und Erkenntnisse nach

beiden Seiten weitergeben, bei Bedarf

(nordwestlich hat das ja auch eine gute

Zeit lang aufbauend geklappt).

Seien wir also profil-bewusst. Lassen

wir nicht lähmende Schatten wuchern,

sondern begünstigen wir mit unserem ge-

Forum

wachsenen Wissen die produktive Ausbreitung

unseres Lernverständnisses nach

besten Kräften, in gegenseitig anregender

Animation, statt irgendwelche abträglichen

Animositäten zu hegen. Damit blieben

wir, wer wir sind: Waldorfwirklich

Wirksame – wir hier eben.

Der Schlusssatz sei eine Bitt-Frage: Wie

nehmen Sie, liebe LeserInnen, eigentlich

die Buxtehude-Stade-Diskussion wahr?

Schreiben Sie uns doch mal Ihre Einschätzung

dazu - schließlich wollen wir ein

echtes Forum werden!

FÜR DIE REDAKTION: HAJO PLÜMER

5


Auftritt im

Königsmarcksaal:

Das

Orchester der

Klasse 5

Aus den Klassen

Hurra – sie haben ihn!

Es begann alles an einem Elternabend

der fünften Klasse im Oktober 2005: Herr

Jellinek fragte die Elternschaft, ob er mit

dem Klassenorchester an einem regionalen

Wettbewerb der Kreis-Jugend-Musikschule

(KJM) teilnehmen dürfe. Mit unser aller

freudiger Zustimmung begann nun die intensive

Arbeitsphase für den Leiter des Orchesters.

Im Dezember stand es schließlich

für alle fest: das fleißige Üben führte zum

Ziel und das Klassenorchester wurde für

den Wettbewerb im Januar 2006 angemeldet.

Neben dem Regionalwettbewerb „Jugend

musiziert“ wurde auch ein Ensemble-

Wettbewerb im Königsmarcksaal des Stader

Rathauses ausgerichtet.

6

Unser Klassenorchester trat am 21.1.06

gegen weitere sechs Mitstreiter an. Es galt,

einen der drei „Tonis“ in Gold, Silber oder

Bronze zu gewinnen. Eine Stunde vor

Beginn des Wettbewerbes trafen sich alle

Schüler, Herr Jellinek und viele Eltern im

altehrwürdigen Sitzungssaal zum Stimmen

der unterschiedlichsten Instrumente und

dem Einspielen. Bepackt mit Instrument,

Notenständer und Noten ging es um kurz

vor 16 Uhr in den großen Saal auf die

Bühne.

Unser Ensemble eröffnete den Wettbewerb

mit vier gelungenen Beiträgen. Die

stimmungsvolle Atmosphäre und die besonnene,

ruhige Ausstrahlung von Herrn


FLEUR (SCHÜLERIN)

Aus den Klassen

7


Aus den Klassen

Jellinek ließen unsere Kinder hoch motiviert

und konzentriert musizieren. Nach

ihrem Auftritt konnten die jungen Künstler

nun den weiteren Darbietungen entspannt

lauschen. Besonders der Beitrag einer

Mitschülerin, die bei einem Violinduo

mitspielte, wurde heftig beklatscht. Dann

folgte die lange Zeit des Wartens bis zur

Bekanntgabe der Ergebnisse um 19 Uhr.

Nachdem in allen anderen Kategorien die

Preisträger bekannt gegeben worden waren,

wurden schließlich auch die „Tonis“

vergeben. Die Spannung stieg merklich,

bis Herr Raschen, der Leiter der KJM, verkündete:

„Der goldene Toni geht an das

Klassenorchester der 5. Klasse der FWS

Stade.“ Mit einem lauten Gejubel fielen

Der Schritt nach draußen:

Das Klassenorchester der 5. Klasse

beim Wettbewerb „Jugend Musiziert“

Der Wettbewerb „Jugend Musiziert“

wird – dem Wettbewerb „Jugend Forscht“

vergleichbar – seit über 40 Jahren alljährlich

bundesweit ausgeschrieben und in drei

Stufen durchgeführt: Zunächst messen

sich in weit über 100 Regionen Kinder und

Jugendliche in ihrem instrumentalen Können,

für die Besten geht es weiter zu den 16

Landeswettbewerben. Die Spitze der Pyramide

bildet der Bundeswettbewerb. Streng

sind die Regularien, genau vorgeschrieben

die Besetzungen, nur Originalliteratur darf

vorgetragen werden.

Doch reicht dieses Konzept wirklich

aus, um der musikalischen Wirklichkeit in

8

sich unsere Kinder um den Hals: „Juchuuu,

wir haben ihn!!!!“

Stolz und glücklich verließen Kinder

und Eltern das Rathaus, um sich zur Preisverleihung

am 19.2.06 erneut dort einzufinden.

Das Geburtstagskind Sarah hat

den „Goldenen Toni“ vom Kulturdezernenten

der Stadt Stade, Herrn Kraska, entgegen

nehmen dürfen. Zur Erinnerung an

diesen musikalischen Wettbewerb erhielt

jeder Schüler eine Urkunde.

Ein besonderer Dank von uns Eltern gilt

Herrn Jellinek, der unsere Kinder dieses

außerschulische Erlebnis mit viel Freude

und Enthusiasmus ermöglicht hat.

ARIANE FREY / KIRSTEN

SCHOMAKER (ELTERN)

ihrer großen Vielfalt gerecht zu werden?

Und um Ansporn zu sein auch für diejenigen

Kinder und Jugendlichen, deren Stärken

in einem bunten musikalischen Miteinander

liegen, für das es keine „Originalliteratur“

geben kann, weil die Vielschichtigkeit

und Individualität der Gruppe

so unverwechselbar ist?

Vor einigen Jahren kam der Regionalausschuss

Jugend Musiziert der hiesigen

Region (Cuxhaven / Stade / Osterholz) auf

die eigenwillige und inzwischen vielfach

aufgegriffene Idee, dem offiziellen bundesweiten

Wettbewerb einen regionalen „Ensemblewettbewerb“

anzugliedern: einen


musikalischen Ort, an dem andere, freiere

Spielregeln gelten sollten als in der altehrwürdigen

Wertung. Hier nun dürfen Ensembles

in beliebiger Besetzung antreten.

Neben Originalliteratur sind auch Arrangements

willkommen, die genau auf das jeweilige

Ensemble zugeschnitten sind. Statt

erster, zweiter und dritter Preise gibt es Pokale:

den Goldenen, den Silbernen und den

Bronzenen Toni, nicht zu vergessen die Urkunden.

Gewertet wird von der Jury in Altersgruppen

und gestaffelt nach der Größe

der Ensembles: Natürlich lässt sich ein Gitarrenquartett

bestehend aus sechzehnjährigen

Jugendlichen nicht direkt mit einem

Streicherkreis vergleichen, dessen

Mitspielerinnen und Mitspieler 10 bis 12

Jahre alt sind.

Das Konzept hat sich bewährt. In jedem

Jahr ist der regionale Ensemblewettbewerb

„Jugend Musiziert“ ein Festival der

Vielfalt. Der olympische Gedanke steht im

Vordergrund, man hört sich gegenseitig zu

(die Wertungsspiele sind natürlich öffentlich),

und immer wieder springt der Funke

der Begeisterung über.

Wir waren mit dem Klassenorchester

unserer 5. Klasse dabei. Ort und Zeit des

Geschehens: der Königsmarcksaal des Sta-

Aus den Klassen

Ein Pokal für Klasse 5:

Stolz und Freude bei den

erfolgreichen Schülern.

der Rathauses am Sonnabend,

dem 21. Januar

um 16 Uhr. Ein aufregendes

Unternehmen,

schon im Einspielraum

vor Beginn der Wertung:

Wo bleibt nur ...? Sind

alle Noten da? Notenständer,

Cellobrettchen,

Klarinettenblättchen ...?

Welche Stücke spielen wir eigentlich? In

welcher Reihenfolge? ... Nun das Stimmen

der Instrumente: spätestens jetzt kann die

schwierige Stelle nicht mehr geübt werden,

denn jetzt muss es still werden. Das „a“

holen wir uns in einer Wertungspause vom

großen Flügel aus dem Saal. Dann das Einspielen:

langsam verwandelt sich ein

quicklebendiger Wildwasserbach in ein

Orchester. Das ist immer wieder ein Wunder!

Endlich der Auftritt, das Wertungsspiel.

Jeder hat seinen Platz gefunden, alle

sind mit höchster Konzentration dabei,

Klippen werden mutig und klangvoll umsegelt,

sicher erreichen wir das andere

Ufer. Großer Applaus im Saal! „Waren

das wirklich alle Schüler einer Klasse?“

Nun nimmt der Nachmittag seinen

Lauf, andere Gruppen treten auf, es ist

wieder so farbig und vielfältig wie in den

letzten Jahren. Und dann die Spannung,

das Warten auf die Bekanntgabe der Ergebnisse.

Endlich ist es so weit: „Das Klassenorchester

der Freien Waldorfschule

Stade erhält ... den Goldenen Toni“. 27

Schülerinnen und Schüler jubeln, können

es kaum glauben und liegen sich in den Armen.

KARL-HERMANN JELLINEK (LEHRER)

9


Aus den Klassen

Wieder in Bergen:

Orchesterreise nach Norwegen

In der ersten Osterferienwoche, vom 31.

März bis zum 7. April 2006, reisten 26

Schülerinnen und Schüler des Oberstufenorchesters

und der Klasse 8 mit ihrem

Musiklehrer Karl-Hermann Jellinek und

begleitet von Barbara Brandt-Jellinek und

Kerstin Pomarius nach Bergen in Norwegen.

Wie vor zwei Jahren waren sie Gäste

des Jugendstreichorchesters „Fana Unge

Strykere“ der Rudolf Steiner-Schule Bergen

und der Skjold-Schule (der zweiten

Bergener Waldorfschule).

„Das Schwerste beim Schreiben ist, den

richtigen Anfang zu finden. So auch bei

10

Norwegen,

wir kommen:

Anreise auf

der Atlantic

Traveller.

uns. Also schlagen wir vor, wir fangen einfach

ganz von vorne an.

Die Hinfahrt: Der Beginn unserer Reise

war ein kalter, regnerischer Freitag. Vor

dem Büro der FWS stand ein großer,

dicker Bus, der uns nach Dänemark bringen

sollte. Als endlich das Gepäck verstaut

war, setzte sich der Bus mit gut gelaunten

Insassen in Bewegung. Es wurde viel gelacht,

viel geredet, und die Vorfreude auf

die ganze nächste Woche stieg. ... Nach etlichen

Stunden erreichten wir die „Fjord-

Line“, und alle waren glücklich, endlich

den Bus verlassen zu können. Motiviert


Auftritt auf

der Bühne des

Schiffes: Da

wurde auch

die Rückreise

zum Erlebnis.

durch die strahlende Sonne stiegen wir die

Dünen an der Küste empor, und das erste

Mal tauchte ein Feriengefühl auf. ... Der

Abend auf dem Schiff war sehr lustig. Wir

tanzten, lachten und hatten viel Spaß. Der

nächste Morgen war dagegen umso härter

... müde ...

Als wir am Samstag so gegen 14 Uhr in

Bergen ankamen, schien die Sonne, und wir

wurden von ein paar netten Norwegern abgeholt.

Es folgte die kurze Fahrt zu den jeweiligen

Gastfamilien. Elissa, Rosalie, Viviana

und ich (Amanda) hatten, was dies anging,

großes Glück, denn unsere Familie war

sehr nett und lustig. Wir bekamen auf

Wunsch jeden Abend vegetarisches Essen

und wurden auch sonst von hinten bis vorne

verwöhnt. Schon am Tag unserer Ankunft

merkten wir, dass es sich um eine Orchesterfahrt

handelte, denn es begann eine

Aus den Klassen

ca. zweistündige Probe. – Der Sonntag begann

sehr entspannt: wir durften ausschlafen

und sahen uns danach ein Konzert im

Grieg-Museum an. Dieses Konzert gestalteten

verschiedene Künstler, die Stücke von

z.B. Grieg, Schumann etc. spielten. Insgesamt

fanden wir das Konzert ganz gut, nur

11

Üben

an

Bord...


Aus den Klassen

die Sänger waren etwas gewöhnungsbedürftig...

Nach dem Konzert probten wir noch

und fuhren zurück in die Gastfamilien.

Der nächste Tag begann früh. Wir fuhren

zusammen mit unserer Gastschwester

zur Schule und hatten dort unsere erste

Vorführung. Die Zuschauer, 2. bis 5. Klasse,

lauschten gespannt, und es war ein

„großer Erfolg“. Als die Kinder zurück in

den Klassenraum gingen, um fleißig weiter

zu lernen, fuhren wir in die Stadt.

Auch der restliche Aufenthalt in Bergen

war sehr schön. Wir verbrachten viel Zeit

in der Stadt, hatten noch zwei weitere Vorführungen

und sahen uns die „Carmina

burana“ in der Grieghalle an. Auch mit

der Gastfamilie kamen wir bis zum Ende

gut klar, und wir wollen auch noch weiter

Kontakt halten.

Rückfahrt: Um 14 Uhr, also genau zur

gleichen Zeit, zu der wir in Bergen angekommen

waren, verließen wir es wieder.

Genau auf demselben Schiff. Fast die gleichen

Kabinen, die gleiche Band etc. Doch

eins war anders. Wir kamen auf die wunderbare

Idee (oh doch, wir meinen das

ernst !!!!), den Manager des Schiffes zu

12

Gut untergebracht in

einer norwegischen

Gastfamilie

Die Rudolf

Steiner-Schule

in Bergen.

fragen, ob wir auf der Bühne des Schiffes

ein kleines Konzert geben dürfen. Und

tatsächlich: wir durften. So fingen wir an,

so gegen 19 Uhr unsere Instrumente zusammenzubauen

und gingen auf die Bühne.

Nach ein paar Stücken kam der Manager

und sagte uns, dass es ihm so gut gefalle,

dass er uns noch einmal ansagen

möchte und wir ein weiteres Mal spielen

sollten. Gesagt, getan. Obwohl die Akustik

miserabel war, das Licht schuld an vielen

Verspielern war und das Schiff schaukelte,

hatten wir alle viel Spaß.

Nun ist es 22 Uhr und wir sitzen am

Tisch und schreiben. Im Hintergrund

hören wir die Amateur-Band, die es auf

der Hinfahrt noch nicht einmal hinbekommen

hat, einen Tango zu spielen... Ich

red nun mal für uns alle: Uns hat die Fahrt

sehr gut gefallen und wenn spätestens in

zwei Jahren wieder die Frage kommt:

„Wer würde denn gern mit nach Norwegen

zu kommen?“, werden wir antworten:

„Wir! Norwegen? Immer wieder gerne!!“

AMANDA (10. KLASSE), VIVIANA UND

ELISSA (9. KLASSE), ROSALIE (8. KLASSE)


Von der Hausbauepoche

ins Architektenbüro

Die Kinder der 4. Klasse haben

mit dem Bau ihrer wunderschönen

Häuser als Abschlussarbeit

der Hausbauepoche in der 3.

Klasse gezeigt, wie schön eine

Reise durch fremde Länder und

Kulturen sein kann. Sicherlich

haben auch wir Eltern durch unsere

Mithilfe entdecken können,

wie ausgeklügelt und durchdacht

die Konstruktion so mancher auf

den ersten Blick einfach aussehenden

Unterkunft ist.

Danach haben auch die Häuser

selbst eine kleine Reise unternommen:

Vom 9. Januar bis Anfang

März 2006 standen sie im

Blickfeld der Architektur im Architekturbüro

Frenzel und Frenzel in

Buxtehude, in dessen Schaufenstern

wechselnde Ausstellungen (meist Kunst)

stattfinden. Mit vielen Tüchern, welche

die Farbigkeit eisigkalter und sengend

heißer Temperaturen in sich tragen,

konnten die kleinen Häuser in eine phantasievolle

Landschaft gestellt werden, die

ihrer Herkunft entspricht.

Was mir persönlich besonders gut an

dieser Ausstellung gefallen hat, war, dass

im Ambiente moderner Architektur mit

diesen kleinen Häusern der große Bogen

gespannt wird zu einer Architektur, die in

vielen vergessenen Winkeln der Welt auf

vielfältigste und interessante Weise Lebensräume

schafft. Und die Häuser unserer

Kinder beweisen es: Sie leben!

KATRIN STEINMEYER (MUTTER)

Aus den Klassen

Die Abschlussarbeiten

der

Hausbauepoche

wurden im

Architekturbüro

Frenzel

ausgestellt.

Es gab sogar

ein eigenes

Plakat.

13


Aus den Klassen

Jean Valjean nach Entlassung von der Galeere bei Hochwürden Myriel (1. Besetzung).

Achtklass-Spiel

„Die Elenden“ von Viktor Hugo

Dies 8. Schuljahr ist für uns Eltern lang

und aufregend. Obwohl ich es mit meiner

Tochter Saskia bereits einmal durchlebt

hatte, war ich doch überrascht, wie anders

ich es diesmal durchlebe. Höhepunkt ist

für mich das 8. Klass-Spiel gewesen: „Die

Elenden“ von Victor Hugo.

Wie oft war ich versucht, den Originaltitel

zu verwenden und damit an das bekannte

Musical zu denken, wie oft musste

ich im Nachsatz erklären: Nein, sie spielen

nicht das Musical, es gibt auch eine Thea-

14

terfassung. Spätestens seitdem die Rollenverteilung

im Dezember von der Klasse

festgelegt worden war, fragten wir Eltern

uns: Wann geht’s denn los mit den Proben?

Was müssen wir tun? Wo brauchen

Klasse und betreuende Lehrer Hilfe?

Und dann, so im Januar / Februar, nach

der Vorstellung der 8-Klass-Arbeiten:

„Was, erst so kurz vor den Aufführungsterminen?“

„Wie sollen die Schüler das

schaffen?“ „Was ist mit den Kostümen?“

„Muss man denn nicht früher anfangen?“


Nun kommt diese Art der Vorbereitung

– lieber eine kurze Zeit sehr konzentriert

zu arbeiten, als lange Zeit immer wieder

ein bisschen – meinem Temperament sehr

entgegen und ich konnte mich darauf gut

einlassen. Doch ich verstehe schon, dass

andere Eltern sehr in Sorge waren, dass

die Vorbereitungszeit zu knapp sein würde.

Auf einem Elternabend wurde die Liste

der Requisiten besprochen. Endlich, kurz

vor den Aufführungen, habe ich das von

den Schülern mit Hilfe von Eltern und

Herrn Roth hergestellte Bühnenbild und

die von vielen Elternhäusern zur Verfügung

gestellten Requisiten bewundert. Wo

kam bloß dieser wunderbar schlichte

Zapfhahn her, der die Bühne der Schenke

Aus den Klassen

Unter

falschem

Namen als

Bürgermeister

tätig,

kümmert

sich Jean

um die

kranke

Fantine (2.

Besetzung).

im Wald von Montfermeil zierte? Und erst

diese wundersame Verwandlung eines Barockschrankes

zu einem Schreibtisch. Im

4. Akt dachte ich plötzlich mitten in Paris

zu sein: „In dieser Straße warst Du doch

schon einmal, war das nicht kurz vorm

Bahnhof Gare du Nord?“ Als Nachlese

steht in unserem Wohnzimmer – jedoch

nicht im „Herrgottswinkel“ - noch das

Kruzifix des Bischoffs Myriel. Großzügig

und gutmütig, wie er ist, hat er es uns wohl

überlassen. – Nun war ich langsam im Stadium

eines werdenden Vaters kurz vor der

Geburt seines ersten Kindes. Immer wieder

tigerte ich in den Saal und versuchte einen

Eindruck von den Proben zu erhaschen.

Kam mir dabei ganz überflüssig vor, keiner

nahm Notiz von mir, alle waren kon-

15


Aus den Klassen

Jean Valjean

befreit Fantines

Tochter

Cosette vom

habgierigen

Ehepaar

Thénadier.

Nach Cosettes

Hochzeit

verabschiedet

sich Jean Valjean,

um sich

nach jahrelangemVersteckspiel

in die

Hände von

Inspektor

Javert zu

begeben.

zentriert am Proben oder beobachteten

kritisch, was die Mitschüler dort oben auf

der Bühne vorlebten. Nico zelebrierte die

16

Beleuchtung aus dem Hintergrund

und die Schülerschar probte den

flüssigen Auf- und Abbau der Requisiten

für die 5 Akte des Dramas.

Kommentar meines Sohnes

auf Nachfragen: „Wir haben, glaube

ich, noch mehr Requisiten aufund

abzubauen als damals Jonas

Klasse mit der ‚Sonnenallee’“.

Die wundersamste Verwandlung

erlebte ich dann aber an den

Theaterabenden im Saal; plötzlich

waren es nicht mehr Julia, Yara,

Amelie, Sophie, Luise, Franziska,

Johanna, Tanja, Rosalie oder Lars

B., Michael, Tristan, Justus, Fabian,

Yeison, Elis, Tobias, Niklas,

Jakob, Hannes, Benjamin, Timo,

Frederick, Kilian, Björn, Lars H.,

sondern Jean Valjean, Javert, Soldaten, Bischoff

Myriel, Bapstine, Mme. Maglioire,

ein Bettlerin, 2 Kinder, ein Wachtmeister,


Aus den Klassen

Simplice, Fauchelevent, Fantine, Tenadier,

Mme. Tenadier, Claquesou, Montparnasse,

Cosette, Enjolras, Gavroche, Joly, Maria,

Marius, ein Offizier und eine Frau.

Vielen Dank euch allen für diese wunderschönen

Aufführungen.

UTA WOLTER-HARMS (MUTTER)

Ansage der Klassenlehrerin. Dann zog die

Aufführung das Publikum in den Bann.

1. Klasse (jeweils von links). Oben: Raya Frister, Henriette Wulff, Lotta Malzahn, Ayla

Wolfahrt, Dejan Chorengel, Sinje Petersen, Franziska Gradtke, Luisa Stüker, Christoph

Brandt, Lorenz Köster, Mascha Modrow, Jan Fitschen, Nils Bahlinger, Linn Sahin, Ronny

Cohrs, Bonnie Plitzkat, Alina My, Moritz Schernikau, Lea Ritzenhoff, Lisa Bowe. Unten: Clara

Tzschoppe, Youma Seeliger, Gadu Farah, Olaf Prom, Joy Leiva, Amelie Süling, Pablo Röder,

Tristan Mohr, Anou Magin, Pauline Hülsen, Jonas Bassen, Klara Skiera.


2. Klasse. Hinten: Lando, Carli, Laura, Lea, Fenja, Julian, Dominik, Johannes, Äneas, Charlotta,

Marina, Emelie, Assunta, Fiete, Jannik, Tjark, Frau Psotta, Henry. Vorne: Jasper, Felicitas,

Caroline, Pia, Eike, Rieke, Anne, Torben, Emma, Finn. Miriam, Frederick, Aaron fehlen.

3. Klasse. Hinten: Anna, Clara, Jana, Sophie, Lars, Sebastian, Linus, Mischa Samuel, Antonia,

Amon, Lukas, Fenja, Veronika, Jan H., Julian, Frau Geerdts, Sonja, Marcel. Vorne: Fritz, Jan

T., Meinhart, Ole, Finn Niklas, Lina, Lena, Esther, Nele, Anna-Milena. Ronja und Fiona fehlen.


4. Klasse. Hinten: Pia, Julian, Jamil Kaspar, Mara, Martin, Camilla, Jan-Martin, Simon P.,

Cobers, Ingmar, Jakob, Thomas, Benedikt, Frau Bahlinger, Lea, Friederike, Anna-Luisa,

Zoe, Lennard, Justin. Vorne: Jana, Julian, Tom, Simon v.S., Lea, Eva, Tabea, Marika, Johanna.

5. Klasse. Hinten: Maleen, Herr Schliwa, Janek, Noemi, Lukas, Robin, Gabriel, Cillian,

Lena, Marusha, Kim-Lena, Lilith, Lea, Sarah, Hannah, Anna Mae, Barbro, Fleur, Sarah-

Isabel. Vorne: Kilian, Lennart, Bengt, Stina, Finja, Teja, Felix, Jule, Laura, Anna.


6. Klasse. Hinten: Johanna, Sofie, Hannah, Solangie, Stefanie, Henrike, Dina, Christin, Marvin,

Juliana, Vincent, Frau Tobian, Felix, Christoph, Elisa, Laura, Anna-Liesa. Unten: Katharina,

Lisa, Paavo, Theo, Tilmann, Andre, Mia-Sophie, Martje, Hanna H. Es fehlen: Antje und Lea.

7. Klasse. Hinten: Kristoffer-Malte, Erik, Pay, David, Martin, Johanna, Gesa, Frederik,

Franziska, Magdalena, Marieke, Charlotte, Annika, Celia, Frau Schwerd. Unten: Leon,

Lukas, Christopher, Lauris, Bruno, Inja. Es fehlen: David, Luca, Michel, Kim.


8. Klasse. Hinten: Justus, Johanna, Julia, Janne, Tanja, Frederik, Rosalie, Jakob, Lars B.,

Elis, Fabian, Tristan, Lars H., Tobias, Niklas, Hannes, Björn, Frau Steinbach. Vorne: Franziska,

Benjamin, Kilian, Luise, Yeison, Yara, Amelie.

9. Klasse. Hinten: Herr Barzen, Jenny, Josefine, Franziska, Elissa, Mirco, Merle, Stine, Julian,

Christoph, Fabian, Kornelius, Paul-Christopher, Kevin, Jan-Christian, Johannes, Niels, Anna-

Jolin, Janina, Theresa, Jana. Vorne: Johanna, Viviana, Paul, Jan, Marcel, Malte, Tanja.


10. Klasse. Hinten: Abian, Tobias, Enya, Konrad, Josefin, Jan-Wieland, Anja, Marlon,

Magdalena, Felix, Chris, Kai-Christian, Julius. Vorne: Jennifer, Nele, Martin, Christopher.

11. Klasse. Hinten: Herr Plümer, Aaron, Alexander, Carsten, Annika, Helle, Vincent,

Franziska, Dorothee, Clara, Margarethe, Yenna, Carlotta, Ronja, Peer, Niklas, Simon B.

Vorne: Malte, Simon H., Maurits, York.


12. Klasse. Hinten: Deborah, Katharina, Alexandra, Berit, Bente, Jan-Felix, Nicol, Helmut,

Louise, Alexander, Lars, Malin, Anna, Theresa, Amadeus, Marieke, Svea, Antonia, Navina.

Sitzend: Fabian, Sandra, Caroline, Mareike, Annabelle.

13. Klasse: Benjamin, Frau Raulfs, Herr Loos, Jan, Katharina, Daniel, Johanna, Imke,

Lene, Lucas, Laura.

31


Aus dem Kollegium

Das FWS-Kollegium - Oben: Frau Tobian, Frau Zewald, Frau Thies, Herr Roth,

Frau Voss, Frau Wiebusch. 2. Reihe von oben: Herr Schliwa, Frau Psotta, Herr

Jellinek. 3. Reihe von oben: Herr Barzen, Frau Peuker, Herr Mund’olongo, Frau

Bahlinger. 4. Reihe von oben: Frau Roock, Frau Pracht, Frau Steinbach, Frau

Jaenisch, Frau Raulfs, Frau Schmige (Kiga). Unten: Herr Althaus, Herr Loos, Frau

Geerdts, Frau Loos (Kiga). - Jeweils von links nach rechts.

32


Unser Abitur-Jahrgang 06:

Die Avantgarde der Verstaatlichten

Nicht dass ich behaupten möchte, dass bei

uns je ein Waldorf-Abiturient ein leichtes Finale

durchleben konnte (einmal abgesehen von

den immer mal wieder durchtauchenden LebensphilosphInnen,

die die Leichtigkeit des

Seins auf Kosten des Endspurts aufrecht erhalten

und es dennoch irgendwie geschafft haben).

Aber dieser Jahrgang hatte es nun extra schwer:

Unsere Neun zu allem Entschlossenen waren

die allerersten überhaupt, die sich dem zentralisierten

Waldorf-Abi auf gymnasial-synchronsiertem

Aufgabenniveau zu unterziehen hatten.

(Für die, die nicht so genau wissen, was Zentralabitur

bedeutet: Der PISA-Schock, dass

nämlich Deutschland im Schulbildungs-Weltvergleich

irgendwo weit abgeschlagen im unteren

Mittelfeld, irgendwo zwischen Mali und

Madagaskar gelandet war, brachte unsere traditionell

innovative Bildungsbürokratie auf die

rettende Idee, die Abi-Anforderungen total zu

vereinheitlichen, was dann quasi zwangsläufig -

denn alles Gute kommt von oben - zu einem

Qualitätssprung im abprüfbaren Bildungsniveau

führen muss – klar?)

Konkret bedeutete diese Prüfungskollektivierung

für die tapferen Unsrigen in Konsequenz

nicht weniger, als dass für sie bis zum tatsächlichen

Tag X ihrer Prüfung absolut ungewiss

war, ob die behördlich kreierten Klausurfragen

nun auf den mühselig absolvierten Vorbereitungen

aufbauen würden – oder eben nicht!

Nervenverschleiß total also, übrigens auch

in den Gefühlshaushalten der Abi-Pädagogen,

die ja auch erst dann, im Moment der Anforderungs-Offenbarung,

gespiegelt bekamen, ob sie

ihre Lernlinge nun genügend auf staatlich qualifizierbar

getrimmt oder lediglich zu abstürzenden

Ahnungslosen fehlgebildet hatten.

Letztendlich war dann aber Aufatmen statt Offenbarungseid

angesagt:

Unsere Zentralismus-Premiere lief recht

glimpflich ab, soweit es die Trefferquote der

klausur- und vorbereitungs-relevanten Unterrichtsinhalte

betrifft. Ob diese Erleichterung

nun innerhalb der eh angekratzten Lehrer-Seelen

eher einem Lottoglücksgefühl oder vielmehr

einer völlig erwartungsgemäßen Zufriedenheit

in Selbstgewissheit glich - das mag ein wohl

behütetes pädagogisches Betriebsgeheimnis

bleiben ...

Fakt ist, dass es unsere KandidatInnen alle

geschafft haben! Drei von Ihnen, die dieses

knallharte dreizehnte Jahr mit Fachabitur-Empfehlung

in Angriff genommen hatten, haben

sich – nach versuchsweiser Umorientierung in

Richtung Abitur dann doch für’s ursprüngliche

Ziel entschieden. Fach-Abitur, das sei hier ausdrücklich

betont, ist keinesfalls ein minder zu

schätzender Notausgang aus der 13. Klasse,

sondern ein alternativ konzipierter Schulabschluss,

der ebenfalls auf die Jahres-Leistungen

und -noten aufbaut, dann aber statt der Abiturprüfung

ein nachgeschaltetes Berufspraktikum

für die weitere Studiumberechtigung erforderlich

macht.

Insgesamt ein guter Jahrgang also? Sicherlich,

einmal zu bemessen an den oben angeführten,

schwerst berechenbaren Vorgaben,

aber auch ganz konkret und faktisch am Leistungsdurchschnitt

abzulesen, der bei vorzeigbaren

2,6 Punkten lag. Wir überreichten unserer

scheidenden Dreizehn somit zum Abschied

sechs Abiturszeugnisse und drei Fachabiturs-

Abschlüsse. – Man mag das Zentralabi ja finden,

wie man will - ein Gutes hat es doch auf jeden

Fall: Aller Greuelpropaganda zum Trotz

(Waldoof und so ...) haben die Absolventen im

Zuge dieser Abschluss-Verstaatlichung nachweislich

gymnasial-synchrones Abschluss-Niveau

aufzubieten, auf Augenhöhe, wie es heute

immer so schön heißt!

Also: Johanna, Imke, Katharina, Laura, Lene,

Daniel, Jan, Lucas und Benjamin – ihr seid

nun voll staatskompatibel durchgecheckt und

zertifiziert worden. Verhaltet Euch unter diesen

Vorzeichen entsprechend professionell und zukunftstauglich.

Glückwunsch an Euch, und

zwar nachhaltig! ABILEHRERLAUNIG: PLÜMER

33


Aus den Klassen

Das Schleudern von Honig

Seit zwei Jahren haben wir Honigbienen

im Schulgarten. Dadurch ergibt sich

die Möglichkeit für interessierte Schüler,

aktiv unter meiner Anleitung daran mitzuarbeiten.

Hieraus entwickelten sich im

Vorjahr zwei Acht-Klass-Arbeiten. Zum

Thema „Schleudern“ folgt hier ein Abschnitt

daraus.

DORIS WIEBUSCH (GARTENBAULEHRERIN)

Um Honig zu schleudern, sollte man genau

planen. Gute Zeiten zum Schleudern

sind der 20 und 21 August. Man sollte zuerst

zu den Bienen gehen und die Honigwaben

herausnehmen, nun vorsichtig die

Bienen abfegen. Man sollte den Besen regelmäßig

sauber machen, damit die Bienen

nicht verkleben.

Der Schleuderraum muss sehr hygienisch

sein. Die Küche eignet sich eigentlich

gut, nur sollte nichts auf dem Herd stehen,

weil der Honig den Geschmack annehmen

könnte. Um die verdeckelten Honigwaben

34

zu öffnen, sollte man sich eine Entdeckelungs-Gabel

besorgen.

Wenn man die Waben entdeckelt hat,

sollte man sie in die Schleuder tun und

schleudern (siehe Zeichnung).

Danach sollte man den Honig sieben,

damit er reiner wird. Dann sollte man den

Honig rühren mit dem entsprechenden

Gerät. Die richtige Lagerung ist sehr wichtig

und die entsprechende Verpackung

auch.

HANNES WILKE, 8. KLASSE


Vor längerer Zeit stellten

die Geschäftsleitung

und Schulleitung beim

Land Niedersachsen den

Antrag auf eine Ganztagsschule.

Der Antrag beinhaltete

das Projekt „Gartenbauhaus“

und in diesem

Schuljahr bekamen

wir die Zusage über mehrere

Tausend Euro. Diese

Zuschüsse sind ausschließlich

projektgebunden

und dürfen nicht für Personalkosten

verwendet

werden.

Der Baukreis nahm sich

dieser Aufgabe an und in Elternarbeit wurde

ein Leistungsverzeichnis erstellt und an

die entsprechenden Gewerke versendet. –

Der Juni wurde für den Beginn der Bauarbeiten

bestimmt, mit der Fertigstellung ist

zum Jahresende zu rechnen.

DORIS WIEBUSCH, GARTENBAULEHRERIN

Schulentwicklung

Dank Ganztagsschul-Antrag:

Endlich ein Gartenbauhaus

Gartenbauhaus: Planung und Ausschreibung

durch aktive Elternarbeit.

Herzlichen Dank an dieser Stelle!

- Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte

- Holzrahmenbauweise mit einer

Betonsohle, Estrich und Fliesenbelag

- Stromanschluss, Ofenheizung

- Unterrichtsraum

- Vorraum für Jacken und Stiefel

- Überdachter offener Arbeitsplatz für

Arbeiten bei schlechtem Wetter

- Abstellraum für das Bienenzubehör,

Adventssachen etc.

- Erweiterungsmöglichkeiten

(2. Bauabschnitt, wenn wieder

Finanzmittel zu Verfügung stehen)

35


Schulentwicklung

Gut gefischt - Chemie

Die Chemie- und Physiksammlung

wächst und wächst und ...

Alles begann in den letzten Herbstferien

damit, dass ich viele einfache Dinge für die

Chemie- und Physiksammlung benötigte

und dafür nicht den knappen Fachetat verwenden

wollte. So habe ich per Email

Kontakt zu unseren „fish.en“ aufgenommen,

mit der Bitte meine Bedarfsliste an alle

Teilnehmer des Email-Verteilers zu

schicken. Das haben diese auch gemacht.

Die erste frohe Botschaft kam von der

Familie Packroß, die über die Firma Eon

fünf PC-Kartons gefüllt mit Laborgeräten

für die Schule gesichert haben. Darunter

sind zahlreiche Büretten, Erlenmeyerkolben

und eine Analysenwaage1).

Frau Carstens hat ihren beruflichen

Kontakt zur Chemieabteilung der Berufsbildenden

Schulen (BBS) in Stade genutzt

und eine weitere Kooperationsmöglichkeit

geschaffen. Kurz darauf konnte ich

einige Chemikalien bei den Fachkollegen

der BBS abholen. Darüber hinaus haben

die Werkstätten der BBS die unbedingt

benötigten Holzschienen zum Materialpreis

für uns hergestellt. Diese konnte ich

im Januar in der Physik-Epoche der 10.

Klasse einsetzten. Meine Fachkollegen

der BBS haben mir eine weitere Unterstützung

und Kooperation mit unserer

Schule zugesagt.

Allerdings machen die „fish.e“ keine

halben Sachen. So haben sie fast alle chemischen

Betriebe der Region mit meiner

Bedarfsliste versorgt - ich brauchte nur

36

noch zu unterschreiben. Ist das ein Service

- toll!! Auch das hat sich gelohnt.

Von dem Chemieriesen Dow in Stade

kamen nagelneue, farbenfrohe Schutzbrillen,

an denen viele Schüler schon ihre

Freude hatten. Auch die Firma Synthopol

in Buxtehude, die Harze produzieren, hat

einige Geräte und Chemikalien für unsere

Schule bestellt. Wir haben die Sachen

dort abgeholt und ein interessantes Gespräch

mit der Personalleitung der Firma

geführt. Eine weitere Unterstützung unserer

Schule ist auch in Zukunft möglich.

Darüber hinaus hat der mittelständische

Chemiebetrieb eine große Produktionsanlage

sowie ein gut ausgestattetes Forschungslabor,

die wir mit Klassen besichtigen

können. Praktika und Klassenarbeiten

können in und mit dieser Firma

durchgeführt werden.

Von der Firma Synthopol habe ich einige

Prospekte mitgebracht. Wer mehr über

diese oder andere chemische Betriebe der

Region erfahren möchte, kann zu mir

kommen.

Mein großer Dank auch im Namen unserer

Schule gilt den fruchtbaren Initiativen

der Familien Packroß und Carstens,

den Spenden und der Kooperationsbereitschaft

der Betriebe Dow und Synthopol,

der Chemieabteilung der BBS und last but

not least dem Ideenreichtum und Tatendrang

unserer „fish.e“.

HENRIK ALTHAUS (LEHRER)


Was ist denn das? Seit Anfang 2006 gibt es

eine neue Tür im Gebäude der Schulküche

– der künftige Hort-Eingang.

Der Hort

wird gebaut

Nach den Sommerferien 2005 trafen

sich einige „alte“ Baukreisler (die schon

den Kindergarten-Neubau begleitet hatten)

mit einigen „neuen“ Mitstreitern, um

über den Ausbau des Nordflügels der

Schulküche zu einem Hort zu beraten.

Und das erste Ergebnis ist bereits seit Anfang

des Jahres für alle sichtbar – es gibt eine

neue Eingangstür!

Was steckt dahinter? Unsere derzeitige

Warteklasse erfüllt nicht die gesetzlichen

Anforderungen an einen Schülerhort; deshalb

ist schon seit Jahren vorgesehen, einige

zurzeit wenig genutzte Räume im Gebäude

der Schulküche zum Hort auszubauen.

Schulentwicklung

Es entstehen dort

- ein Gruppenraum für 20 Kinder mit

einem angrenzenden Ruheraum,

- ein Hausaufgabenraum im „blauen

Salon“ (der weiterhin abends und am

Wochenende anderweitig genutzt

werden kann) und

- die notwendigen Sanitärräume.

Ins

Mauerwerk

gestemmt:

Die zukünftigeEingangstür

zum

zukünftigen

Hort.

37


Schulentwicklung

Im Inneren des Gebäudes sind alte Trennwände verschwunden, neue wurden gezogen.

38

Die alten Wände, zum Abtransport bereit.


Schulentwicklung

Um dies alles zu ermöglichen, wurde bereits

vor den Osterferien das Büro von Ina

Barzen von der Straßen- zur Hofseite verlegt,

um den weiteren Ausbau zu ermöglichen.

Erfreulicherweise konnte Ina Barzen

über die Buxtehuder Arbeitslosen-Initiative

„Walze“ einige arbeitslose Jugendliche

mit einem fachkundigen Betreuer gewinnen,

die einen großen Teil der Arbeiten

ausführen können und werden. Auch Ole

Bahlinger und die F.I.S.H.e sind bereits aktiv

geworden, um Materialspenden einzuwerben

– der Bau des Horts ist also auf einem

guten Weg. Benötigt werden aber

kurzfristig noch einige Fachkräfte (Elektriker,

Sanitärinstallateure, ...) möglichst aus

der Elternschaft, die uns mit ihren Fähigkeiten

unterstützen können. Denn unser

und der Schulleitung Ziel ist es, dass der

neue Hort bis zu den Sommerferien 2006

fertig ist, damit unsere Schule endlich eine

wirkliche Ganztagsschule wird!

Und der Baukreis

„Hort“ macht sich

bereits weitergehende

Gedanken:

- Das nächste bereits

in Angriff genommene

Projekt

ist ein Gartenbauhaus

auf dem Gartenbaugelände,

- die Zahl der Unterrichtsräumeunserer

Schule reicht

hinten und vorne

nicht und

- unseren Traum

von einem „richtigen“

Saal haben

wir auch noch nicht

aufgegeben ...

HELMUT MARQUARDT (ELTERN)

39


Fotos und Gestaltung: Heidi König


Aus den Klassen

Ein Projekt verwirklichen …

Die Jahresarbeit im 12. Schuljahr

Es war ein großer, ein wichtiger, ein in

die Zukunft weisender Schritt, als vor einigen

Jahren die noch junge Freie Waldorfschule

Stade beschloss, der bis dahin

12-jährigen Schulzeit ein 13. Schuljahr

hinzuzufügen. Die Abiturklasse war geboren

und damit neue Bildungsperspektiven

auf gleicher Augenhöhe mit den Gymnasien:

das Abitur, das Fachabitur, die Allgemeine

Hochschulreife. Endlich war es

möglich geworden, in den Genuss waldorfpädagogischer

Vielfalt zu kommen,

ohne dabei auf den höchsten staatlichen

Schulabschluss und damit auf volle Studienchancen

zu verzichten.

Doch halt! Zu eng ist diese Betrachtungsweise.

Alles hat seinen Preis und seine

Kehrseiten. Tief greifen die Notwendigkeiten

der abituriellen Vorbereitung (in

diesem Jahr noch verschärft durch die Einführung

des Zentralabiturs) in den Lernstrom

der Oberstufe ein. Da wäre es fatal,

den eigentlichen Waldorfschulabschluss

des zwölften Schuljahres in die zweite Reihe

treten zu lassen. Gerade hier ist das Profil

unserer Schule in den vergangenen Jahren

Schritt für Schritt prägnanter geworden.

Gerade hier werden auch noch in der

letzten Phase der Waldorfschulzeit Kräfte

im Sinne einer ganzheitlichen Entwicklung

gefördert und ausgebildet und so Gegengewichte

zur pädagogischen Beschleunigung

(und damit Verengung) im Zuge einer

abituriellen Vor-Vorbereitung geschaffen.

Und nicht zuletzt: Nur ein Teil

unserer Schülerinnen und Schüler geht den

Weg zum Abitur.

42

Zur Erinnerung:

„Die 12-jährige Schulzeit an der Freien

Waldorfschule Stade endet mit dem Waldorfschulabschluss.

In diesem sind enthalten:

- die Jahresarbeit

- das 12.-Klass-Spiel

- der künstlerische Abschluss

- die Präsentation anderer besonderer

Leistungen

- der staatliche Abschluss der Sekundarstufe

I.

Es ist nicht zu übersehen: der selbstverständlich

enthaltene staatliche Sek.-I-Abschluss

ist, im Charakter traditionell und

ergebnisorientiert, nur ein Teil des

Ganzen; bedeutsam, aber eben nur ein

Teil. Darüber hinaus stehen im Blickpunkt

der Schulöffentlichkeit Jahr für Jahr der

künstlerische Abschluss mit dem Eurythmieabschluss,

das 12.-Klass-Spiel und die

Jahresarbeit.

Die Jahresarbeit (so kennt man sie), das

ist die individuelle Beschäftigung mit einem

selbst gewählten Thema im Zeitraum

eines Jahres. Sichtbar wird sie im Rahmen

der Abschlusstage als öffentlicher Vortrag

und als Ausstellung des schriftlichen und

des praktischen Teils. Seit im Jahre 2000

zum ersten Mal die Schülerinnen und

Schüler einer 12. Klasse unserer Schule vor

ein kritisches Publikum traten, konnte eine

Fülle von Erfahrungen und Beobachtungen

im Zusammenhang mit den Jahresarbeiten

gesammelt werden. Vor diesem

Hintergrund hat das Oberstufenkolle-


gium in den vergangenen Monaten Bilanz

gezogen und sich intensiv mit der Frage beschäftigt,

welche Anforderungen in Zukunft

für die Jahresarbeiten des 12. Schuljahres

gelten sollen.

Im folgenden Text, der auch mit Vertretern

des Schülerrates erörtert wurde

und der im Februar von der Oberstufenkonferenz

verabschiedet worden ist, findet

sich einerseits Bekanntes und Bewährtes.

Andererseits wurden die Teile der Jahresarbeit

(praktischer Teil, schriftlicher

Teil und öffentliche Präsentation) in ihrem

Verhältnis zu einander mit dem Ziel einer

stärkeren Verankerung in der selbst erfahrenen

Wirklichkeit neu gewichtet. Deutlich

wird: Aufgabe und Anliegen ist nicht

das Verfassen einer theoretischen schriftlichen

Arbeit mit einem hinzugefügten

praktischen Teil, sondern die Verwirklichung

eines selbst konzipierten Projektes,

die Dokumentation der auf diesem Weg

gegangenen Schritte und die gedankliche

Vertiefung der Thematik. Die öffentliche

Präsentation beschließt und rundet wie

bisher den Gesamtprozess ab. Hergestellt

wurde eine deutliche Verbindung zu den

Praktika der Oberstufenzeit (schulische

wie möglicherweise außerschulische). Hier

bietet sich nun einerseits die Möglichkeit,

die Jahresarbeit schon frühzeitig anzulegen

und im praktischen Tun zu verwurzeln.

Andererseits kann schon bei der Auswahl

der eigenen Betriebspraktika die Perspektive

der Jahresarbeit eine Rolle spielen.

Beides kann in puncto Zeit und Kraft

zu einer spürbaren Entlastung des 12.

Schuljahres beitragen. Auch die Praktika

erhalten so eine neue und zusätzliche Bedeutung.

In der Jahresarbeit steht nicht allein das

Ergebnis im Vordergrund. Von gleicher

Wichtigkeit ist der Gesamtprozess und die

Dokumentation und Reflexion desselben:

Aus den Klassen

der Weg eines Projektes im Laufe eines

Jahres einschließlich möglicher Sackgassen.

Und hier liegt eine Chance, die das

Abitur und die Vorbereitung darauf unseren

Schülerinnen und Schülern nicht bieten

kann.

KARL-HERMANN JELLINEK (LEHRER)

ZWÖLF

DU BIST WEIT GEGANGEN,

UND ICH HALTE IMMER NOCH

SCHRITT.

MANCHMAL RENNST DU,

ALS WOLLTEST DU

MICH ABHÄNGEN.

DANN GEHE ICH EIN STÜCKCHEN

LANGSAMER.

DAMIT DU PLATZ HAST.

MANCHMAL BIETEST DU MIR

DEINE HAND,

DANN GEHEN WIR EIN STÜCK

ZUSAMMEN.

IN DEINEN AUGEN

LEUCHTET SCHON DAS GROßE

LEBEN.

DU MUSST NUR NOCH DIE

KLINKE DRÜCKEN.

DANN WERDE ICH DRAUßEN

BLEIBEN MÜSSEN UND

HIN UND WIEDER

DEIN GAST SEIN.

HEUTE ABER

LEGST DU DEINEN KOPF

IN MEINEN SCHOß, MÜDE

VON DEN WEITEN REISEN.

UND ICH BIN DANKBAR

FÜR DEN AUFSCHUB

CLAUDIA MALZAHN

43


Aus dem Kollegium

Französisch ab Oktober ...05

Schon wieder ein neuer Lehrer!

Nein, eine Lehrerin! Na, wenigstens haben

wir jemanden. Mal sehen... Ja, Schüler

haben es nicht einfach, Eltern auch nicht

und Lehrer erst recht nicht, denn die stehen

meistens dazwischen.

Und ich bin seit Oktober mittendrin,

Madame Jaenisch, Ehefrau von Monsieur

Jaenisch und Mama von Emily. Aufgewachsen

bin ich in der im Vorharz gelegenen

berühmten Fachwerkstadt Quedlin-

44

burg. Im beeindruckenden Schloss fanden

Heinrich I, Maria Aurora von Königsmarck,

geboren in Stade, deren Schönheit

ich auf einem Gemälde in Agathenburg bewundert

habe, und, so munkelt man, ihr

langjähriger Geliebter August der Starke

tief unten in der Gruft in ihren Grabgemächern

ihre letzte Ruhe. Also eine

Klassenfahrt dorthin würde ich kunst- und

geschichtsinteressierten Oberstufenschülern

wärmstens empfehlen.

Nun gut! Zum Sprachstudium kehrte

ich dieser traumhaften Stadt den rücken

und absolvierte in Berlin das erste, Jahre

später das zweite Staatsexamen, um dann

an diversen Staatsschule alle Altersgruppen

meine Studienfächer Französisch und

Russisch zu lehren. In den neunziger Jahren

des vorigen Jahrhunderts nahm ich

Kontakt zu einer Berliner Waldorfschule

auf, die sich in großer Lehrernot befand

und von der ich über Kollegen zufällig erfahren

hatte. Recht schnell sprangen wir

miteinander ins „kalte“ Wasser, es erwärmte

sich zusehends und ich blieb viele

Jahre dort und unterrichtete in den Klassen

7 – 12.

Mit der Zeit reifte in mir jedoch der

Wunsch, mich im Ausland auszuprobieren,

andere Länder und Leute kennen zu

lernen; es zog mich in die Ferne ... nach

Westsibirien und in die Altairepublik, später

nach Frankreich.

Wieder zurück in Deutschland gab es da

eine Waldorfschule im hohen Norden, eine

Waldorfschule, die sich in personeller

Lehrernot befand: die Freie Waldorfschule

Stade, und ich eilte hierher, wie immer

liebevoll unterstützt von meiner Familie.

Die Schule ist wunderschön, in ihr lernen


zauberhafte Schüler, die sich geradezu

nach Französisch sehnen, oder? Euch

wünsche ich lehrreiche und humorvolle

Paolos Geheimnis

Am 26. April 1478 wurde bei einem

Attentat der Familie Pazzi im Dom von

Florenz Giuliano Medici getötet und sein

Bruder Lorenzo (später berühmt als „Il

Magnifico“) verletzt. Letztlich verhalf diese

Tat aber der Familie Medici zur Stärkung

ihrer Machtstellung im Florenz der

Renaissance.

Vor diesem historischen Hintergrund

erzählt der Niederländer Hans Ulrich die

Geschichte des jungen Paolo Masi, der bei

keinem geringeren als Leonardo da Vinci

in die Lehre geht. Das Geheimnis um Paolos

Herkunft, seine Begegnung mit dem

Sklavenmädchen Ghiraga, die Verwicklung

der beiden in ein Netz aus Intrigen

und Verrat, das schließlich in dem oben erwähnten

Attentat gipfelt, ergeben eine

äußerst spannende Geschichte. Die Verwirrungen

des Heranwachsenden, seine

Träume, die Geheimnisse, die er bei seinem

Lehrmeister kennen lernt, machen

den eigentlichen Reiz der Geschichte aus,

vor einem farbigen Zeitbild der Stadt am

Arno zwischen äußerster Not und Prachtentfaltung.

Die Wirren der Renaissance-Zeit, zwischen

tiefer Frömmigkeit und religiösem

Wahn, Machtkämpfen zwischen Kirche

und Adel, Hochblüte der Kunst und dem

aufkommenden Streben nach wissenschaftlicher

Erkenntnis, nicht zuletzt in

den technischen Visionen Leonardos,

werden hier ganz nebenbei lebendig. Es

sollte allerdings auch nicht verschwiegen

Buchbesprechung

Stunden und mir ein gutes Gelingen, wenn

ihr mich denn lasst. Und ... Mal sehen ...!

MARGRIT JAENISCH (LEHRERIN)

Hans Ulrich: Paolos Geheimnis

2006, 128 S., geb., EUR 11,90

Verlag Urachhaus (ab 10 Jahre)

werden, dass es in diesen Zeiten alles andere

als zimperlich zuging. Entsprechend

brutal und grausam sind teilweise die Geschehnisse

und auch die Sprache ist stellenweise

für meinen Geschmack ein wenig

zu direkt und „modern“. Davon abgesehen

aber ist das Buch sehr spannend

und lesenswert.

BORCHERT RÖDEL

45


Aus dem Vorstand

Vorstandsarbeit Ja oder Ja?

Auf der letzten Mitgliederversammlung

wurde ich neu in den Vorstand gewählt.

Angesprochen hat man mich schon geraume

Zeit vorher und ich hatte so die Gelegenheit,

mich etwas länger mit dem Gedanken

vertraut zu machen.

Durch meine frühere Vorstandsarbeit

im Waldorfkindergarten Nottensdorf

meinte ich zu wissen, was auf mich zukäme.

Kurz vor der Mitgliederversammlung

trafen sich alle Interessierten mit dem Vorstand,

um über alles zu reden, was denn so

ein neues Vorstandsmitglied in Zukunft zu

erwarten habe. Zu meinem Erstaunen bestand

kein großes Interesse. Es waren nur

zwei Vereinsmitglieder anwesend. Eigentlich

sollte ich nicht darüber erstaunt gewesen

sein, denn ähnliches hatte ich auch

schon im Kindergarten erlebt, wenn es

darum ging, Mitglieder für die Vorstandsarbeit

zu gewinnen. Als Vorstand war

man dort für alles zuständig. Es gab immer

viel zu tun und man musste sich seine Zeit

schon gut einteilen, um Arbeit, Familie

und Freizeit miteinander in Einklang zu

bringen. So ähnlich stellte ich es mir auch

an der Schule vor und hätte eigentlich auch

deshalb wissen müssen, dass nur Wenige

Interesse an Vorstandsarbeit haben.

Nach einem halben Jahr als Vorstand

muss ich nun sagen, dass hier alles ganz

anders ist. Ich wurde von den „alten“ Vorständen

sehr warmherzig aufgenommen

und bekam (und bekomme auch jetzt

noch) Zeit, mich mit der Arbeit des Vorstands

und den Strukturen an der Schule

vertraut zu machen. Jeder Vorstand hat

bestimmte Aufgaben zu erfüllen. Die wichtigsten

sind in der Regel zweifach besetzt.

46

Leider ist es uns teilweise nicht möglich,

diese Aufgaben mit der nötigen Konsequenz

zu erledigen, weil wir die vielen anstehenden

Arbeiten auf einfach zu wenig

Personen verteilen müssen.

Was ist die Folge?

Natürlich bleiben einfach Arbeiten

(auch wichtige) liegen und müssen warten.

Das ist ein Zustand, der uns nicht glücklich

macht.

Auf unseren vierzehntägigen Sitzungen

versuchen wir, so viele wichtige Aufgaben

zu besprechen und verbindliche Beschlüsse

zu fassen, wie es unsere Zeit erlaubt. Ein

Vorstand oder meistens der Geschäftsführer

werden dann mit der weiteren Bearbeitung

und Kontrolle betraut.

Apropos Geschäftsführer, so eine Institution

hatte ich in meiner bisherigen Vorstandsarbeit

nicht kennen gelernt. Aber die

Arbeit als Vorstand an dieser Schule wäre

überhaupt nicht leistbar, wenn es keinen

Geschäftsführer gäbe.

Auch wenn Thies es nicht gerne hört: etwas

Besseres als er konnte der Schule nicht

passieren. Er hält uns Vorständen den

Rücken frei, um Entscheidungen zu treffen

und die Weichen zu stellen für die Zukunft

der Schule. Er steht im Rampenlicht und

muss für uns eine Menge einstecken. Der

Vorstand, der ihn meistens mit den unangenehmen

Aufgaben betraut, bleibt im

Hintergrund.

Durch seine Arbeit, die zum größten

Teil auch nur durch Opferung der Freizeit

erledigt werden kann, können wir Vorstände

uns auf das Wesentliche konzentrieren.

Wir können Themen angehen, die

umfangreicher und langwieriger sind und


müssen uns nicht mit dem Alltäglichen an

der Schule auseinandersetzen. Also eigentlich

eine ideale Situation, obwohl dadurch

die Tätigkeit des Vorstands innerhalb der

Schule und des Vereins anscheinend in den

Hintergrund tritt.

Trotzdem gibt es einfach eine ganze

Menge zu tun. Wir müssen uns immer wieder

auf das Wesentliche konzentrieren und

dürfen uns nicht in Nebensächlichkeiten

verzetteln. Das ist manchmal nicht so ganz

einfach, da einige Ereignisse eine hohe

Sichtbarkeit haben, auch wenn sie im

Grunde nicht entscheidend für den Werdegang

unserer Schule sind.

An dieser Schule gibt es so viele Eltern

und Mitglieder, die sich in Kreisen und Foren

für unsere Kinder einsetzen. Diese Arbeit

ist äußerst wichtig für uns alle und

kann gar nicht hoch genug gewürdigt werden.

Aber wir sollten trotzdem nicht vergessen,

dass es ohne einen handlungsfähigen

und tatkräftigen Vorstand nicht möglich

ist, alle Aufgaben anzugehen und zu

koordinieren.

Warum sich so wenige für Vorstandsarbeit

interessieren, liegt meines Erachtens genau

darin, dass die wenigsten wissen, was

wir tun und dass wir einfach nicht präsent

genug sind. Aber das ist trotzdem kein

Grund, zu sagen: das ist mir viel zu zeitaufwändig

und ich habe sowieso keine Ahnung

von Vorstandsarbeit. Man muss sich einfach

nur trauen und Zeit muss man sich manchmal

auch einfach nur nehmen. Gerade für die

Dinge, die einem am Herzen liegen.

Auf der Mitgliederversammlung wurde

ich gefragt, ob ich irgendwelche besonderen

Fähigkeiten hätte, um im Vorstand

mitarbeiten zu können. Ich habe geantwortet,

dass ich eher ein sehr durchschnittlicher

Mensch ohne besondere

Fähigkeiten bin. Ich war einfach nur interessiert.

ANDREAS MÜLLER (VORSTAND)

Aus dem Vorstand

Termine

Sa 23.09. 10 Jahre FWS Stade

in Ottenbeck,

Einweihung Hort,

Eröffnung Bibliothek

Mo 02.10. schulfrei

16.–28.10. Herbstferien

Sa 11.11. Martinsmarkt

23.10.- 6.01. Weihnachtsferien

01. - 2.2.07 Halbjahresferien

Sa10.2.07 Schulball

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