Öffentlich nutzbarer Raum in Santiago de Chile. Neues Recht für ...

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Öffentlich nutzbarer Raum in Santiago de Chile. Neues Recht für ...

Öffentlich nutzbarer Raum in Santiago de Chile.

Neues Recht für neue Formen öffentlichen Raumes?

Aachen, Juni 2008

Elke Schlack


Inhalt:

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Stadtstrukturen

4. Mechanismen zur Herstellung von ÖR (Anreiz und Erschliessung)

5. Interdependenz der Akteure und Verwaltungskontext

6. Fazit und Ansätze


Quelle: M.Vicuña 2008

Gated Community und Mall

Ausdrücke amerikanischer “Urbanität”


Skizze zum Entwurf der Prachtstrasse “Alameda”

fuer Santiago, um 1810 von Bernardo OHiggins

Europäische Tradition öffentlicher Räume

Bis zum Ende des 19. Jh. beeinflusst durch die europäische Tradition

öffentlicher Räume: Anlage öffentlicher Plätze und Urbanität

Entwurf einer Transformation von

Santiago nach

“französichen Stil” Quelle:

Cabezón 1920

Anlage öffentlicher Spaziergänge

Von 1890 bis 1930

Die Hauptstrasse von Santiago,

Alameda um 1910

Archiv des Historischen Museums Santiago


Öffentlicher Raum in Santiago de Chile

Begriffsbestimmungen

Begriff “öffentlicher Raum” und “Hybride Räume” (deutschsprachiger Raum)

Öffentlicher Raum”: öffentliche und private Sphäre überschneiden sich,

Übergänge zwischen öffentlich und privat machen die Qualität

der räumlichen Übergänge in der Stadt aus.

Wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist die ‘öffentliche Nutzbarkeit’.

(Selle 2003)

‘Hybride Räume’: Räume, die sich Überschneidungsfeld öffentlicher und privater Kompetenzen befinden.

(Selle 2004)

Begriff “Collective space”(spanischsprachiger Raum):

(Previously called public space) “Nowadays, the relation between property and use has disappeared.

Private property is used publicly (shopping centre, airports, etc) and vice versa (…)”

(Gausa 2003/ Solá de Morales 1994)

Begriffliche Abgrenzung für die Studie öffentlicher Räume in Santiago:

Räume der öffentlichen Sphäre, Räume in denen „Öffentlichkeit“ stattfindet

Öffentlichkeit“ mit Einschränkungen: Teil-Öffentlichkeiten und scheinbar öffentliche Räume

Räume, die ein Resultat öffentlich-privater Koproduktion sind

Wichtige „Dimension“: Recht.


Quelle: Martínez 2007

Santiago de Chile

Stadtwachstum 1541-2008

1541 1600 1700 1800 1850 1900 1930 1960 1990

60 EW 1700 EW 3.000 EW 35.000 EW 90.000 EW 256.000 EW 695.000 EW 1.996.000 EW 4.754.000 EW

12 Ha 110 Ha 250 Ha 450 Ha 780 Ha 5.085 Ha 6.860 Ha 22.990 Ha 49.200 Ha

2002 6 Mio EW 64.400 Ha

40% der EW von ganz Chile (15 Mio)


Quelle: Martínez 2007

Stadtstruktur: koloniale Gründung und Weiterbau

Planung im Rahmen des kolonialen Rasters (100x100m)

hoheitliche Ausweisung von öffentlichen Strassen und Plätzen

Quelle: Martínez 2007


Stadtstruktur Stadterweiterung

Planen im Rahmen der Stadterweiterung (Gartenstadt)

Ausweisung von öffentlichen Flächen aufgrund der Erschliessung

Quelle: Stadtplan Santiago um 1948 (Martínez 2007) Quelle: Bezirksverwaltung Santiago 2005


Öffentlicher Raum in Santiago

Mechanismen der „Herstellung“ von öffentlichem Raum

1) Anreizstrategie Mittels GFZ- Prämien

in einer bezirklichen Bauordnung

(Stadtumbau in Kerngebieten)

2) Regelung des Flächenbeitrags

(Erschliessung neuer Gebiete)


Öffentlicher Raum in Santiago

Mechanismen der „Herstellung“ von öffentlichem Raum

1) Anreizstrategie Mittels GFZ- Prämien

in einer bezirklichen Bauordnung

(Stadtumbau in Kerngebieten)


Anreizstrategie/ Bauordnung

Frühe Einführung von Einschränkungen und Anreizen der privaten Bebauung zur

Gestaltung des Inneren des Blocks mit Durchwegungen und Höfen

in der “City” von Santiago

Die Teilung des Blocks unter Einfluss der Vorgaben von Karl Brünner, 1930=1960 Studie von J.Rosas 1984. Quelle: Serex UC.

POPS 1930-1960

Herstellung von öffentlich nutzbarem Raum im Rahmen der Erbauung von Gebäudekomplexen im Kerngebiet.


GFZ- Boni: je 5m2 öffentlich

zugängliche Durchwegungen und Höfe

1m2 zusätzlich GFZ

Fallbeispiel Providencia

POPS 1976-2008

Herstellung von öffentlich nutzbarem Raum im Rahmen der bezirklichen Bauordnung (Providencia)

Ausgangs-GFZ: 4.8 Resultierende GFZ nach dem Boni: 9.0


GFZ- Boni: je 5m2 öffentlich

zugängliche Durchwegungen und Höfe

1m2 zusätzlich GFZ

Fallbeispiel Providencia

POPS 1976-2008

Herstellung von öffentlich nutzbarem Raum im Rahmen der bezirklichen Bauordnung (Providencia)

Ausgangs-GFZ: 4.8 Resultierende GFZ nach dem Boni: 9.0


Rechtlicher Rahmen

Instrument

Anreizplanung in einer

bezirklichen Bauordnung:

Tausch von GFZ gegen

qm öffentlich nutzbaren

Raum

(Art. 48d bzw. 3.3.06 der

Städtebauordnung

Bezirk Providencia)

1

2

3

Rechtliche Figur

zur Nutzung /

Eigentum

Geh- und

Wegerecht/

Privateigentum

Räume mit Geh- und Wegerechten im Kerngebiet Providencia

Fallbeispiel Providencia

Raumtypus Interdependenz

der Akteure

Quasiöffentlicher

Raum

(POPS)

Zusammenwirken

zwischen Staat

und aktiven

Akteuren

(Developer)

1

Nutzbarkeit Verwaltung/

Instandhaltung

quasi öffentlich

(tageszeiten)

Privateigentümer

2 3

Quelle: Bannen 1998


Rechtlicher Rahmen

Instrument

Anreizplanung in einer

bezirklichen Bauordnung:

Tausch von GFZ gegen

qm öffentlich nutzbaren

Raum

(Art. 48d bzw. 3.3.06 der

Städtebauordnung

Bezirk Providencia)

Rechtliche Figur

zur Nutzung /

Eigentum

Geh- und

Wegerecht/

Privateigentum

Fallbeispiel Providencia

Raumtypus Interdependenz

der Akteure

Quasiöffentlicher

Raum

(POPS)

Zusammenwirken

zwischen Staat

und aktiven

Akteuren

(Developer)

Nutzbarkeit Verwaltung/

Instandhaltung

quasi öffentlich

(tageszeiten)

Privateigentümer

1 2 3


Öffentlicher Raum in Santiago

Mechanismen der „Herstellung“ von öffentlichem Raum

2) Regelung des Flächenbeitrags

(Erschliessung neuer Gebiete)


Flächenbeitrag / Erschliessungsplanung

Frühe Einführung der Regelung zum Flächenbeitrag

30%

7%

Städtebauordnung für die Stadt Santiago 1936 Art. 501

Flächenbeitrag bei Erschliessungen: 30% der Grundstücksfläche für “öffentlichen Raum

und zusätzlich ein 7% der Flächen ausschliesslich für

“Parkanlagen, Schmuckgärten und Freiräume öffentlicher Nutzung”.

Öffentlicher Raum

insgesamt

“Parkanlagen,

Schmuckgärten und

Freiräume öffentlicher Nutzung”


Flächenbeitrag / Erschliessungsplanung

Novellierungsprojekt 2008-2009: Flächenbeitrag im Rahmen einer

“konditionierten” Planung (Planung mit Bedingungen)

1 2

Chance die Regelung des Flächenbeitrags im Rahmen der “konditionierten” Planung zu überdenken


Rechtlicher Rahmen

Instrument

Flächenbeitrag bei

Erschliessungen

Baugenehmigung

ohne

Bürgerbeteiligung

(Art. 70 LGUC; Art. 2.2.5

OGUC)

Rechtliche

Figur zur

Nutzung /

Eigentum

Öffentliche

Widmung/

Estacion Ferroviaria nach 1992:

Grünfläche 2,2% der GF/ 0,7 qm/EW

Verkehrsfläche 30,3% der GF

Fallbeispiel Puente Alto (Erschliessung)

Öffentliche

Sachherrschaft

Raumtypus Interdependenz der

Akteure

herkömmlicher

öffentlicher

Raum

Übertragung

der Planungs-

Verantwortung

vom Staat auf

Investor

Nutzbarkeit Verwaltung/

Instandhaltung

Uneingeschränkt

öffentlich

Bezirk

Regelung des Flächenbeitrags bei der Erschliessung: Prozentsatz der Grundstücksfläche


Erschliessung geschlossener Siedlungen

Ursprung der Einführung der “gated communities” ab den 1980´er Jahren

Privatisierte “Öffentlichkeit” als Lösung zur politischen Verfolgung/Unterdrückung

Quelle: Protest gegen die Diktatur 1985 (Comunidades Castillo Velasco 2008)

Suche nach Sicherheit

Ursprüngliche Comunidades organisiert und erbaut durch den Architekten F. Castillo-Velasco.


Erschliessung geschlossener Siedlungen

Konsolidierung der “gated communities” (condominios) als Immobilienangebot:

eine Form privatisierter “Öffentlichkeit”, die alle sozialen Schichten durchquert.

Quelle: M.Vicuña 2008 Quelle: Borsdorf, Hidalgo, Alvarez 2002


Rechtlicher Rahmen

Instrument

Flächenbeitrag bei

Miteigentumserschliessung

Baugenehmigung ohne

Bürgerbeteiligung

(Art. 70 LGUC; Art. 2.2.5 OGUC

Art. 2 und 5 Miteigentumsgesetz)

Fallbeispiel Puente Alto (geschlossene Siedlung)

Nuevo Siglo (Miteigentumssiedlung):

Grünfläche: 7,7% der GF/ 2,3 Qm/EW

Verkehrsfläche: 30% der GF

Rechtliche Figur

zur Nutzung /

Eigentum

Gemeinschaftlich

er Raum/

Gemeinsames

Eigentum aller

Miteigentümer

Raumtypus Interdependenz

der Akteure

Teilöffentlicher

Raum

Übertragung

der Planungs-

Verantwortung

vom Staat auf

Investor

Nutzbarkeit Verwaltung/

Instandhaltung

Öffentlich für

Miteigentümer /

Mieter

Gemeinschaft der

Miteigentümer

Regelung des Flächenbeitrags bei der Erschliessung: Prozentsatz der Grundstücksfläche


Öffentlicher Raum in Santiago

Das Zusammenwirken der Akteure


Regelungs- und Planungskontext:

Instrumente zur “Herstellung” von öffentlichem Raum

Parameter “kooperative Stadtentwicklung”

Kategorie 1

Übertragung

der Planungsverantwortung

vom

Staat auf Investor

Instrument

Privater

Erschliessungsplan

A offene Erschliessung

B geschlossene

Erschliessung

Kategorie 2

Zusammenwirken

zwischen Staat

und aktiven

Akteuren

(Developer)

Instrument

Anreizstrategie im

Rahmen einer

bezirklichen Bauordnung

Kategorie 3

Zusammenwirken

zwischen Staat

und allen

involvierten

Akteuren

-


Nation

Bezirk Region

Verwaltungskontext: zentralistisches Verwaltungssystem

Regionalrat

Präsident

Intendant

Bezirksrat Bezirksbürgermeister

wahlberechtigte Bürger

Ministerium (MINVU)

Regionales

Ministersekretariat

Planungsinstrumente

Kein Raumordnungsgesetz

Nationales Gesetz und

Ausführungsverordnung

Städtebau und Bauen

FNP

Metropolgebiet Santiago

Sonderbereiche:

Entwicklungsgebiete und

Sanierungsgebiete.

Bauordnung und FNP

der Bezirke

Stadt Santiago


Interdependenz der Akteure

Bürger

Zentrale Regierung v/s

Developer

Mächtige Akteure: Planungshoheit v/s Wirtschaftsmacht

Ausgeschlossener Akteur: Bürger


Städtebaurecht und öffentlicher Raum

in Santiago de Chile

Fazit und Ansätze


Begriff im Städtebaurecht:

Öffentlicher Raum: öffentliche Sachherrschaft im Gemeingebrauch, die dem Verkehr und der Erholung unter

anderem dient.”

(Art. 1.1.2 der chilenischen Städte- und Bauverordnung i.d.F. 2001)

Ansatz:

Begriffsbestimmung erweitern auf hybride Raumtypen

Fazit und Ansätze

Kategorisierung nach Eigentumsstatus und öffentlicher Nutzbarkeit (Privateigentum/ Gehrecht)

Regulierung von Grössenverhältnissen und räumlichen Bezügen zwischen den verschiedenen Raumtypen.


Akteure im Städtebaurecht:

Vorrang der Eigentumsfreiheit vor den

Anforderungen des Gemeinwohls

Erkenntnis, dass Rechte auf Aussicht, auf

Besonnung auf Zentralität den

Standortfaktor prägen.

Ansatz:

Öffentlicher Raum in Santiago de Chile

Fazit und Ansätze

Komplexere Stadtentwicklung fordert

straffere Einschränkungen der

Eigentumsfreiheit

zum Vorteil des öffentlichen Raumes


Bürger:

Förderung der Teilnahme

Öffentlicher Raum in Santiago de Chile

Fazit und Ansätze

Bürger

Zentrale Regierung v/s

Developer

Suche nach Gleichgewicht

Developer:

Restriktion durch

straffere Regeln


Öffentlicher Raum in Santiago de Chile

Fazit und Ansätze

Bürger

Zentrale Regierung v/s

Developer

Suche nach Gleichgewicht

Developer:

Restriktion durch

straffere Regeln


Ansatz zur strafferen Regelung

Entwicklungsdruck im Innengebiet als Chance

Quelle: Schlack 2008

Quelle: Städtebauamt Bezirk Santiago Centro 2007/ eigene Fotos


Bauordnung,

die gebauten und ungebauten Raum gleichwertig bestimmt

die die Gebäudestellung in einem grösseren räumlichen

Zusammenhang bestimmt.

Bauordnung: Bebauung des Grundstücks

1 Abstandsflächen 2 Grundflächenzahl 3 Geschossflächenzahl 4 Geschossrücksprünge


Räumlich-soziologische Aspekte

Augen auf die Strasse: Mischnutzungen Private v/s öffentliche Nutzung im EG

Quelle: Fotos aus der Diplomarbeit D. Assael 2006.

Augen auf die Strasse: Fassaden mit v/s ohne Eingänge

Öffentlichkeitstauglichkeit, räumliche Kontinuitäten, Zusammenhänge, Fussgängersystem


Ansatz zur strafferen Regelung

Novellierung zur Erschliessung als Chance

Zusammenhang zwischen Erschliessungen und dem Netzwerk öffentlicher Räume:

Bestimmung der Grössenverhältnisse und der räumlichen Zusammenhänge

Erweiterung des rechtlichen Rahmens, um die in geschlossenen Siedlungen stattfindende kollektive

Öffentlichkeit“ situationsspezifisch zu regeln: Gestaltung und Nutzbarkeit.


Bürger:

Förderung der Teilnahme

Öffentlicher Raum in Santiago de Chile

Fazit und Ansätze

Bürger

Zentrale Regierung v/s

Developer

Suche nach Gleichgewicht


Ansätze zur Einbindung der Bürger

Partizipation an den Baugenehmigungen und Bauplanungen

Akteure im Städtebaurecht:

Entwicklung eines PPP ohne ausgeglichene Interdependenz zwischen den Akteuren

Ansatz:

Entwicklung von partizipatorischen Instrumenten:

um betroffene Bürger an Entscheidungen privater Planung und PPP-Verfahren zu beteiligen

(Bürgerbeteiligung),

um die spezifische „Öffentlichkeit“ kollektiver Räumen zu stärken, und

um die räumlichen und funktionellen Zusammenhänge zwischen den verschiedenen in der Stadt

vorkommenden Raumtypen situationsspezifisch zu bestimmen.


Städtebaurecht als Träger eines städtebaulichen Leitbildes

Öffentlicher Raum

§

+

Wie qualifizieren städtebauliche Normen den öffentlichen Raum?

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