.ftr önnen Feinde zu Vertrauten werden? Es gibt ... - Lassalle-Institut

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önnen Feinde zu Vertrauten

werden? Es gibt einige schöne

eispieie daftir. Eines davon

hat den deutschstämmigen Juden Dan

Bar-On benihmt gemacht. Als Sohn eines

Juden, der 1933 aus seiner deutschen

Heimat geflüchtet ist, wagte er es, eine

persönliche Beziehung mit Martin Bor-

mann aufzubauen, einem Taufkind Hit-

lers. Nachdem die beiden sich zunächst

eineinhalb Jahre per Telefon und Briefen

aneinander herangetastet hatten, trafen

sie sich dann persönlich, sprachen offen

miteinander und gestanden sich ihre di-

versen Gefühle ein. Diesen Austausch

empfand Dan Bar-On als so heilsam, dass

er die TRT-Gruppe gründete; TRT steht

für,,To Reflect and Trusf'. Hler tafen sich

Menschen aus feindlichen politischen Lagern

und erzählten sich nach dem Prinzip

des ,,Story Teilings" ihre persönlichen

Geschichten. So konnten Menschen der

jeweiligen Gegenseite Verständnis fur die

Hintergründe der einzelnen Person finden.

Tiefer Hass und quälende Schuldget|ihle

konnten verringert werden, erste

Brücken entstanden.

Versöhnungsarbeit kann aber auch

noch viele andere Gesichter haben.

Der Kongress schaffte hier einen

schönen Einblick.

Die Referenten der 4. Internationalen

Tacr:ng in der Rerhe Konfliktfelder-

roum&zeit rss/2008 17

.ftr

il


Politische Diskussion

Fließende ldentitäten

Wissende Feider" kamen aus den vertut

und alternativen Nobelpreisträger,

schiedensten Bereichen wie Psycholo- Der Ausschlag zu Itieg oder Frieden liegt es am Herzen, Mut zu machen

gie, Soziologie, Politik, Quantenphysik hat sehr viel zu tun mit Selbst- und und unseren Horizont auszudehnen.

oder Spiritualität. Sie berichteten über Fremdbildern. Laut Albrecht Mahr ist Dürr beschreibt die einzigartige lden-

ihre Forschungen und auch ihre prak- es fur jeden Menschen wichtig, eine tität, also das individuelle Sein jedes

tischen Erfahrungen, politische Kon- stabile Identität zu entwickeln bezie- Einzelnen, das vielleicht aus zig Idenflikte

auf sanfte Weise zu überbnicken. hungsweise eine selbstverständliche titäten besteht, als Bereicherung und

Veranstaltet wurde die Tagung von Vorstellung davon, wer er ist und was Teilhabe an einer voll umfassenden

Albrecht und Brigitte Mahr und den ihn ausmacht. Beim Heranwachsen im Einheit. Nach dem,,neuen" quanten-

von ihnen gegründeten Organisati- Kontakt mit den anderen ist es jedoch physikaiischen Wissenschaftsbild, in

onen,,Institut für Systemaufstellungen wichtig, dass diese Identität flexibel, dem Materie gar nicht mehr existiert,

und Integrative Lösungen",,,Internati- fließend und offen ist oderwird. Nur so ändert und bewegt sich Identität stänonales

Forum Politische Aufstellungen" ist wirklidres Mitgefühl möglich. Dieses dig ist immerwährend, wandelbar und

und,,Freundschaft über Grenzen e. V.". Prinzip sieht Albrecht Mahr auch auf bewegiich. Dürr betont, dass wir, in der

Das Ehepaar fördert mit seiner inten- der Ebene der verschiedenen Völker. tiefsten Verbundenheit jenseits eines

siven Versöhnungsarbeit konstruktive Laut moderner Identitätsforschung ha- mechanistischen Wissenschaftsbildes,

Dialoge zwischen Experten und poliben wir ihm zufolge neben dem Fest- ewig lernfähig und wachsend sind. Dietischen

Führungspersonen. Albrecht halten am Bestehenden die natürliche se Perspektive einer lebendigen Identi-

Mahr, Facharzt fir Psychotherapeu- Neigung unserer ursprünglichen ldentät würde uns aufweichen und dialogtische

Medizin, sammelt seit vielen tität immer weitere Identitäten hinzufähig machen. Es gehe also um den

Jahren Erfahrungen mit systemischen zufügen. Wir könnten tatsächlich,,er1e- anderen Blickwinkel. Dürr betont. dass

Aufstellungen von politischen Konben, nidtt nur eine katholisdte Deutsche,

Identitäten nicht

flikten. Brigitte Mahr bietet über ih- ein islamisdter Nigeianer oder ein sozi-

isoliert von

ren Verein ,,Freundschaft über Grenalistischer Chinese zu sein, sondem dar-

den anderen

zen" ein umfassendes Programm an, überhinaus audt eine Eurcpriein, ein

existieren.

um palästinensische und jüdische

Identitäten

Lehrer,Jugendliche und Schüler in die

sind durch-

Wird die Liebe

irgendwann

über Fäuste

Friedendarbeit einzuführen. 550 Teilnehmer

ließen sich die spannenden

Vorträge und Workshops der viiässig

und

verstehen

den ande-

und Mauern sionären Tagung nicht entgehen.

ren, ohne ihn

zwischen

lsraelis und

Palästinensern

siegen?

verstehen zu

müssen. Wir würden

merken ,,Ich bin Du und Du bist

Ich", das hieße, wir tragen schon, bevor

wir einen Dialog beginnen, etwas Gemeinsames

in uns, das eine Möglichkeit

schafft, in den Ausgleich zu gehen

und auf einer höheren Ebene zu einem

Zusammenspiel zu kommen.

Dürr betont, dass ein ,,Entweder-

Oder"-Spiel nicht mehr adäquat sei,

Afrikanu oder ein Asiate und rchlielSüch sondern nur noch ein ,,Sowohl-als-

uor allem audt ein Mitbewohner des auch". Wir sollen. um Konflikte zu lö-

g emeinsamen Pl aneten Erde. " sen, immer in einen höheren Raum

gehen.

18 roum&zeit 1ss/2008

Kosmische Verbindung

aller Menschen

,,Wir haben eine Prcisenz, die nicht

nur hier im Raum ist, sondern lange

Schwcinze hat, bis ins Uniuersuni. Wir

sind gar nicht poreinander abgeschnitteri

Wir tun nw so. Es geht also darum,

uns zu erinnern." So legte Prof.

Hans-Peter Dürr, der große ,,alte Weise",

seine Sicht der Dinge dar. Dem

Quantenphysiker, Nachfolger Werner

Heisenbergs am Max-Planck-Insti-

Dialoge zwischen Weißen

und Schwarzen

Gerade wenn Opfer und Täter aufeinandertreffen,

ist es sehr wertvoll, sich

auf diese grundsätzliche Verbindung

zwischen den Menschen einzulassen.

Diese Erfahrung machte auch Frau

Prof. Pumla Goboda-Madlkizela. Zusammen

mit Desmond Tutu, dem ehemaligen

Erzbischof von Kapstadt und

Friedensnobelpreisnäger, arbeitete sie


in der Wahrheitskommission zur koliektiven

Verarbeitung der Verbrechen

der Apartheit. Als die Wahrheitskommission

mit ihrer Arbeit begann und

die Übergriffe von Weißen gegenüber

Schwarzen beleuchtete. dachte

keiner, wie persönlich die

Gegenüberstellungen werden

würden, erzählt die

Psychologin. Es sei aber

Prof. Hans-Peter Dürr

wohl ein tiefes Bedürfnis für viele Täter

gewesen, um Vergebung zu bitten.

Dies sei für sie eine Chance gewesen,

,,ihre M en schli &keit zurückzuuerlan gen".

Auch den Opfern hätten diese Aufdeckungen

der Taten gut getan. Indem

ihre leiden anerkannt wurden und sie

ihren Tätern vergeben konnten, erhielten

sie ihre Würde zurück. ,,Die Wahrheitskommission

ermcichtigte die Opfer

auf eine Weise, wie es kein Geicht hcitte

tun können". so Goboda-Madikizela.

Gruppenidentitäten

Warum kommt es zu Übergriffen bestimmter

Gruppen? Hierzu steuerte

Prof. Dr. Vamik Volkan interessante

Aspekte bei. Der Psychoanalytiker

führt seit 27 Jahren in den verschiedensten

Krisengebieten der Erde Konfliktlösungsprojekte

durch. Außerdem

hat der humorvolle türkisch-zypriotische

Amerikaner schon verschiedene

interessante theoretische Arbeiten veröffentlicht

wie das ktirzlich erschienene

Werk,,Killing in the name of identig/'.

Er arbeitet seit 20 Jahren auf höchster

poiitischer Ebene in Krisenstäben mit

und war zum Beispiel auch in Camp

David dabei. Menschen gehen, Volkan

zufolge, gerne davon aus, dass sie sich

in erster Linie durch ihr Denken leiten

lassen. In Wirklichkeit würden wir alle

jedoch meist viel stärker, als uns bewusst

ist, von unbewussten Wirkkräf-

Prof. Pumla Goboda-

Madikizela

ten und irrationalen

Motiven (an)genieben

werden. Dies gelte

Dr. Albrecht Mahr

nicht nur für den Einzelnen,

sondern genauso

für Sippen, Stämme, Völker, Re-

Iigionsgemeinschaften und ähnliche

Großgruppen. Das kollektive,,Stammes-Bewusstseinsfeld"

- Volkan nennt

es,,Großgruppenidentität" - könne,

wenn es bewusst oder unbewusst aktiviert

wird, positive wie auch negative

Kräfte freisetzen. Im schlimmsten

Fall könnten diese zu Massenhypnosen

missbraucht werden und zu Pathologien

führen, die nicht erst seit dem

Dritten Reich bekannt sind.

Gerade in den brutalen und gewalttätigen

Verwüstungen im früheren Jugoslawien

oder den bösartigen Stammeskriegen

in Ruanda ist dies laut

Volkan zu sehen.

Er beschreibt eine solche Gruppe mit

einer Ansammlung von Individuen,

die um einen Baum, den Führer, herumtanzen:

Sie identifizieren sich miteinander

und idealisieren den Führer.

Gemeinsame Vorstellungen von

Geschichte und Mythen tragen entscheidend

zur Gruppenidentität bei,

sie sind sozusagen Groß-Batterien,

die aufgeladen und dann wieder angezapft

werden. Geschickte Machtpolitiker

setzen dieses Wissen bewusst

ein, um ungeheure Kräfte zu mobilisieren.

Wie Volkan darstellt, bediente

sich Slobodan Milosevic dieses Mechanismus,

indem er die Reiiquien

des heiligen Königs Sava von Serbien

(gestorben 1236) per Helikopter von

einem serbischen Dorf zum anderen

transportieren ließ. Das Potenzial einer

Gruppenidentität ist riesig und

integriert individuelle Identität im

mächtigen Feld der Gruppenidentität.

Wenn bei Friedensverhandlungen die-

Dr. Vamik Volkan

se ,,größere Identität - Großgruppenidentität"

außer Acht gelassen, nicht

respektiert oder verletzt wird, kann

es nach Volkan zu keinen Lösungen

kommen.

Aus der Perspektive der systemischen

Arbeit betrachtet, ist auch das persönliche

Schicksal Milosevics höchst interessant.

Volkan, der mit Milosevic

verhandelte, erzählt, dass einige von

dessen engsten Familienmitgliedern,

unter anderem auch Mutter und Vater,

Selbstmord begangen hatten. Daraus

ließe sich unter anderem sctrlief3en,

dass Milosevic den Toten sehr nahe

war, möglicherweise näher als den l,ebendigen.

Von systemischen Aufttellungen

ist hinlänglich bekannt, wie stark

die Itäfte der Toten zu den Überlebenden

hinreichen können. Wie Volkan

verdeutlicht, muss immer die spezifische

Psychodynamik eines Volkes ergründet

werden, wenn man sein Verhalten

verstehen will.

Vorbild für die

Friedensschaffung

Die Nachrichten über neue Gewaltakte

in Israel machen uns ständig bewusst,

wie schwer es ist, tief eingefahrene

Konflil.i:te zu verändem und zu

lösen. Ein hoffnungsvolles Projekt verfolgt

das Lassalle-Institut mit ,Jerusalem

- offene Stadt zum Erlernen des

Friedens in der Welt". Pia Gyger und

Nikiaus Brantschen, die Gründer des

I assalle-Instihrtes, stellten dies auf dem

,,Identitäten"-Kongress vor:

Die alte StadtJerusaiem, die nun schon

so lange Ort von Hass und Gewalt ist,

wurde von den Propheten Micha und

Jessaia als Inbegriff einer Frieden schaffenden,

interreügiösen, toleranten Stadt

gesehen. Sie prophezeiten beispielsweise:

,,Schwerter werden zu Pflugsdtaren"

oder ,Jedu betet den Namen seines Got-

rqum&zeit 15s/2008 L9

\


Herzintelligenz

lcnt nur Psychologen, auch Neurologen sprechen von

\l

| \ Herzintellieenz. Sie entdeckten im Herzen ein hochkomplexes

Geirige ar, 40000 Neuronen (Nervenzellen), kenswerte internationai ausgezeichne- neue Einsichten gewähren. Das ,,inne-

das sich in direkter Verbindung mit dem Gehirn befindet. te Arbeit mit seinem Verein Union of re Bild" der Teilnehmer wird transfor-

Man kann von einem,,Zwei-WegeJnformationssystemPalestinian

Medical Relief Committee. miert und kann als machwolle Kraft

zwischen Herz und Gehirn" sprechen. Die Physiologen Dr. Bargouti führte feinfühlig aus, dass eine neue Wirklichkeit gebären.

John und Beatrice Lacey vom Fels Research Institute

bemerkten in den 1970er Jahren, dass das Herz eine

es nur durch gegenseitigen Respekt

und anerkannte Gleichwertigkeit der Anerkennen, was ist

gewisse Eigenständigkeit gegenüber den Befehlen aus Rechte und Pflichten der sich im IGieg Ein wichtiger Aspekt der systemischen

dem Gehirn behauptete. Es reagiert unterschiedlich auf die befindlichen Gruppenidentitäten Isra- Arbeit ist die respektvolle Anerken-

Signale des Gehirns, je nach Art von Aufgabe und je nach el und Palästina zu einer friedlichen nung dessen, was ist. Diese Anerken-

Notwendigkeit mentaler Verarbeitung.

Konfliktlösung kommen wird. Immer nung ist eine Voraussetzung dafür,

Man geht auch davon aus, dass es auf die Prozesse des wieder betont er seinen Respekt für dass sich Beziehungen zwischen Kon-

Gehirnes zurückwirkt und Einfluss auf die Verarbeitung das Grauen, das dem jüdischen Volk fliktparteien verändern. Die Erkennt-

kognitiver und emotionaler Informationen hat.

widerfahren ist. und unterstreicht nis, dass als störend und konflikwer-

Quelle: Doc Childre, Howard Martin, Herzintelligenz-Methode"; VAK

"Die

Verlag Kirchzarten bei Freiburg 2000

gleichzeitig das Schicksal seines Volkes.

Er führt aus, dass Berichterstattung

stärkend empfundene Aspekte und

Personen zum eigenen System gehö-

über Palästina in den internationalen ren, kann Klarheit und Entspannung

Medien, sehr unterrepräsentiert sei. bewirken (Schattenintegration). Auftes

an." Dies sei der Grund dafür, dass nach stellende können mehr Verständnis ge-

einer Studie 50 Prozent der Amerikawinnen und eine größere Bereitschaft,

ner glauben, dass Palästinenser Isra- loszulassen und zu vergeben.

el besetzt halten. Er spricht über den Eine politische Aufstellung benötigt

,,Zaun", die 850 Kilometer lange Mau- immer jemanden, der mit dem Proer,

die die Höhe eines zweistöckigen blem unmittelbar verbunden ist. der

Hauses hat, Dörfer und Häuser durch- sozusagen die ,,Eingangstür" darschneidet

und Palästinenser von Palässtellt. Politische Aufstellungen sind

tinensern trennt, über Restriktionen ,,Alles"-Aufstellungen, sie berühren

und Zielrichtung der israelischen Po- die persönliche Ebene, die nationale

litik, vergleicht sie mit der Apartheits- Ebene sowie die internationale Ebe-

Politik der früheren südafrikanischen ne. Daher können in einer Gruppe,

Regierung in ihren Bantustans. die sich als Resonanzkörper versteht,

Und dann erfolgt vehementer Protest große Resonanzen auftreten und pha-

einer israelischen Teilnehmerin, die senweise chaotisch wirken.

den Raum zu einer Gegendarstellung Systemische Aufstellungen eröffnen

vermisst. Dabei wird bedrohlich fühl- aber auch einen höheren Raum, wie

bal dass üotz guten Willens beider Par- Dürr ihn beschrieben hat. In ihm darf

teien, aller versöhnlichen Worte, der alles sein, hier gibt es ein ,,Sowohl-als-

ausgesprochenen Empathie für den auch". Die Verbundenheit allen Seins

,,anderen" auf der,,normalen" Kommu- wird hier fühlbar. Konflikte können

nikationsebene offtnals keinerlei Bni- hier leichter gelöst werden.

ckenschlag erfolgen kann.

Im Anschluss noch ein Beispiel für eine

Politische Aufstellungen

erfolgreiche politische Aufstellung von

Albrecht Mahr, wie er es mfukurzeZnlt

Albrecht Mahr hat imJahre 2002 das

internationale Forum Politische Aufstellungen

iFPA gegründet. 2005 übernahm

Prof. Dr. Wolfgang Dietrich von

nach dem Kongress geschüdert hat:

Konflikte bei einem multinationalen

Bewässerungsprojekt

der Universität Innsbruck diese Me- 1998 wandte sich der deutsche Koopethode

in sein ,,Peace Studies"-Prorationspartner eines Bewässerungsgramm,

das von der UNESCO am 4. projektes in Ghana an Albrecht Mahr.

Juii 2008 zum Lehrstuhl für Friedens- Er suchte Hilfe, weil es immer wieforschung

erhoben wurde.

der Konflikte bei der Umsetzung des

Ziel der politischen Aufstellungen ist Projektes gab, an dem die USA, Frank-

es, Konflikte zu transformieren. Polireich, Italien, die BRD und Ghatische

Aufstellungen können die Wirknaische Kooperationspartner aus vier

iichkeit nicht unmittelbar verändern unterschiedlichen Ethnien des Landes

oder Konflikte direkt lösen. Sie kön- beteiligt waren. Der Vertreter der deutnen

jedoch die Perspektiven veränschen Seite beschrieb das Problem foldern

und dadurch lösungsorientierte, gendermaßen: Wegen des unkoope-

- ,,Was heißt diese Vision heute

konkret für uns?"fragten Pia Gyger und

Niklaus Brantschen auf dem Kongress.

Diese Frage stellen sie auch palästinensischen

und israelischen Führungspersönlichkeiten,

Studenten und Politikern.

Die Menschen beider Lager und Religionen

haben ihrer Ansicht nach die Aufgabe,

der Prophezeiung zu ihrer Realisierung

zu helfen. Jerusalem sei dazu

bestimmt, ein Vorbild für eine Frieden

schaffende Stadt zu sein. Große Hoffnung

setzen sie auf Rami Nasrallah

und Prof. Shlomo Hasson, einen Palästinenser

und einenJuden. Beide sind in

Jerusalem geboren und haben innerhalb

der letzten zehn Jahre ein Werk

erarbeitet, das laut Pia Gyger ,,heraorragend

ist" und das ,,bisher konkreteste

Konzept fitr eine Zweistaatenlösung" dar

stellt. Dieses wollen Gyger und Brantschen

mithilfe ihrer guten Kontakte

an die UNO und europäische Universitäten

herantragen, damit es die Road

Map erweitern kann.

Tiefe Gräben

Die Explosivität des Konflikts Israel-

Palästina kommt auf der Tagung in

Würzburg nach dem Vortrag Dr. Mustafa

Barghoutis, der 2005 für die palästinensische

Präsidentschaft kandidierte

und der palästinensischen

Al-Mubadara-Bewegung angehört, für

alle Anwesenden nochmals schmerzlich

fühlbar und hörbar ans Tageslicht.

Die Al-Mubadara-Bewegung, eine Allianz

von progressiven und säkularen

Poiitikern, unterstützt den gewaltfreien

Widerstand. Dr. Bargouti, Arzt,Internist

und Kardiologe, Ieistet bemer-

20 rqum&eit 1ss/2oog


ativen, zögerlichen Verhaltens der

ghanaischen Partner gerate das Vorhaben

immer wieder ins Stocken.

Albrecht Mahr stellte das System der

Beteiligten auf. Sofort nahm der amerikanische

Projektverueter die Haltung

der Freiheitsstatue ein. Die europäischen

Partner gruppierten sich bestätigend

um ihn, während die ghanaischen

Parbrer etwas ratlos-irritiert auf Distanz

blieben. Damit zeigte sich das Grundproblem

der Projektgruppe: Die Geberländer

gefielen sich in der typischen

woilmeinend-kolonialistischen Haltung

berücksichtigen aber nicht landesspezifische

Gesidrtspunkte. Sie ließen lokale

Wertesysteme außen vor, beispieisweise

die unterschiedlichen Beziehungen der

beteiliglen vier ethnischen Gruppen aus

Ghana zu Land, Wasser etc.

Dieser neue Blick auf die Schwierigkeiten

bei dem Projekt ließ die idee

entstehen, die Struktur der weiteren

Projekttreffen zu verändern. Aile Beteiligten

waren damit einverstanden.

Die Unterschiede der Wertesysteme

(westlich-afrikanisch, innerafoikanisch./

interethnisch) wurden genauer untersucht

und im Weiteren besser wahrgenommen.

Man legte fest, dass die

Die Autorin,

Dorothea Juliane Ariioehou May, Studium Theaterwissenschaft und Germanistik,

Schauspielschule Hamburg & New York, Theaterarbeit, Schauspielerin, TV-Moderatorin, TV-

Redakteurin, Seminarleiterin & Coach. Ausbildung zur psycholog. Beraterin, NowoBalance

Practitioner@, Neue Homöopathie nach Körbler LEB@/NH, Healing Touch Practitioner,

Avatar@ MA./Nizz, MET Practitioner, staatl. gepr. Gesundheitsberaterin. Familien-,

Organisations- und Drehbuchaufstellung Or. Kutschera, H. Eichenmüller, Dr. D. Weth,

B. Hellinger, Varga von Kibed, Insaa Sparrer), Mentaltraining u. Bewusstseinstraining

(Ackermann, SILVA Mind, Harry Palmer, Tom Kenyon, Drunvalo Melchizedek, Yasmuheen), Meditation und

spirituelle Wahrnehmungsschulung bei Pater Enomiya Lassalle, Bede Griffith, Ulrike Scharner-Hobbs. Seit i5

Jahren ganzheitliche Beraterin, Coach, Mentaltrainerin und Systemische Aufstellerin in ganz Europa.

verschiedenen Werte und Wahrheitsanspniche

als gleichrangig angesehen

werden. Außerdem gab man den Zusammenkünften

einen größeren zeitlichen

Rahmen, mit der Möglichkeit,

sich ausführlicher zu besprechen.

Das Resultat war, dass das Projekt in-

nerhalb weniger Monate erfolgreich

abgeschlossen werden konnte. Es ging

ganz in ghanaische Hände über und

erwies sich bei einer Überprüfung ein

Jahr nach Abschluss des Projekts als

stabil funktionsfähig.

Viele weitere interessante Referenten

der Tagu4g wären noch vorzustellen

wie der philippinische Soziologe und

Philosoph Prof. Nicanor Perlas, der

verschiedene ökologische und soziale

Projekte erfolgreich umsetzte. Oder

Jim Rough, der eine Methode vorstellte,

Gruppendialoge mit hoher Herzintelligenz

zu führen, und noch viele andere,

für die jedoch der Rahmen nicht

ausreicht. Eine Vielfalt von Workshops

ermöglichte den Teilnehmern außerdem,

zum Beispiel politische Aufstellungsarbeit

zu erfahren (Dr. Albrecht

Mahr), mythologische Aufstellungen

(Dr. Dimitri Stavropoulos) oder spirituelle

Psychotherapie (Hunter Beaumont),

um nur einige zu nennen.

Beim Kongress in Würzburg sprachen

alle Vortragenden übereinstimmend

über neue,,Begegnungsräume",

einen ,,höheren" Raum, einen ,,Herzensraum",

in dem Konfliktlösung,

fühlendes und denkendes Erkennen,

mögiich ist. Interdisziplinär waren sich

alle Referenten einig, dass über unsere

,,normale" Nltags-Sprache, in alten

Alltagsidentitäten, Gruppenidentitäten

und Definitionen gefangen, globale

Probleme nicht gelöst werden können.

Sie plädieren ftir die kreativen Kräfte

des Wandels in einer Zukunft, die ftir

alle Möelichkeiten offen ist. r

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