Ambulante Pflege - Kreis Soest

kreissoest

Ambulante Pflege - Kreis Soest

Geschäftsstelle der Pflegekonferenz, Kreis Soest

Arbeitsgruppe „Ambulante Pflege

Qualitätsstandard

Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI

einschließlich

Kommentierung

Januar 2002

Aktualisiert Dezember 2009

� 2002/2009 Kreis Soest


Gliederung

1. Mitglieder der Arbeitsgruppe „Ambulante Pflege“ 1

2. Einführung 2

3. Qualitätsstandard 6

4. Kommentierung zum Qualitätsstandard 7

Seite

5. Beratungsleitfaden A 13

6. Erläuterung zum Beratungsleitfaden A 15

7. Beratungsleitfaden B (Menschen mit eingeschränkter

Alltagskompetenz) 20

8. Begleittext /Erläuterung zum Beratungsleitfaden B 21

9. Beratungsleitfaden C (Menschen mit Behinderung) 24

10. Begleittext /Erläuterung zum Beratungsleitfaden C 25

11. Informierende Terminbestätigung 28

12. Literaturverzeichnis 29


Qualitätsstandard: Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI

Mitglieder der Arbeitsgruppe „Ambulante Pflege“ (2002/2009)

Frau Ruth Kellermann-Albers (Moderation)— Heimaufsicht, Kreis Soest

Frau Monika Brink-Neufing — Privater Ambulanter Pflegedienst

Sprenger, Lippstadt

Frau Almut Hartenstein — Studentin Pflegewissenschaft (2002)

MSCN (2009)

Universität Witten/Herdecke

Frau Dr. Edelgard Heering — Medizinischer Dienst der

Krankenkassen, Lippstadt (2002)

Bezirksleitende Ärztin, Gütersloh,

MDK Westfalen- Lippe (2009)

Herr Dr. Walter Jesse — Vertreter Kassenärztliche

Vereinigung Westfalen-Lippe

Frau Rita Kunze — Ambulanter Pflegedienst

Diakoniestation, Soest (2002)

Frau Brigitte Piepenbreier — Vertreterin Behinderten-Arbeits-

gemeinschaft Kreis Soest

Herr Manfred Sauerland — Vertreter Behinderten-Arbeits-

(verstorben 2003) gemeinschaft Kreis Soest

Fachliche Begleitung:

Herr Andreas Büscher __ Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Institut für Pflegewissenschaft

Universität Witten/Herdecke

(2002)

Unterstützende Begleitung

Herr Roland Wachendorf __ Geschäftsführer der Pflegekonferenz,

Kreis Soest (2002)

Weitere Mitglieder der Arbeitsgruppe 2009

Frau Claudia Bräutigam __ Ambulanter Pflegedienst

Diakoniestation, Soest

Frau Bettina Wiebers __ Ambulanter Pflegedienst

Caritas, Kreis Soest

1


Qualitätsstandard : Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI

Inhaltliche Einführung

Der Qualitätsstandard basiert auf

a. der Expertise der Mitglieder der Arbeitsgruppe „Ambulante Pflege“, Kreis Soest

b. dem Gesetzestext § 37.3 SGB XI, erweitert durch das Pflegeleistungsergänzungsgesetz

(in Kraft seit 01.01.2002) und in der aktualisierten Fassung durch das

Pflegeweiterentwicklungsgesetz PfWG (in Kraft seit 01.08.2008)

c. Veröffentlichungen ambulanter Pflegefachzeitschriften der Jahre 1995 – 2000 sowie

einer Literaturübersicht zu § 37.3 SGB XI (siehe Literaturverzeichnis)

d. der Berücksichtigung von Publikationen zu § 37.3 SGB XI ab 2001 (siehe

Literaturverzeichnis)

Zu a. Die Zusammensetzung der Teilnehmer/innen der Arbeitsgruppe „Ambulante Pflege

gewährleistet eine Vielfalt an relevanten Perspektiven, die sich im Ergebnis des

Qualitätsstandards niederschlägt. Eine Vertretung der unabhängigen Beratungsstellen

wäre zusätzlich bereichernd gewesen.

Zu b. In § 37.3 Satz 3 SGB XI werden Pflegebedürftige dazu verpflichtet, einen

Beratungseinsatz in der eigenen Häuslichkeit durch eine zugelassene Pflegeeinrichtung

oder eine von der Pflegekasse beauftragte Pflegefachkraft (nicht bei der Pflegekasse

angestellt) abzurufen. Seit 01.08.2008 kann der Beratungsbesuch auch durch eine von

den Landesverbänden der Pflegekassen nach § 7 PfWG zugelassene Beratungsstelle mit

nachgewiesener pflegefachlicher Kompetenz vor Ort erfolgen. Bei Pflegestufe I und II

muss dies halbjährlich, bei Pflegestufe III vierteljährlich erfolgen. Es besteht für

Pflegebedürftige mit erheblichem Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung

nach §45a SGBXI die Möglichkeit, den Beratungseinsatz zweimal im gleichen Zeitraum

in Anspruch zu nehmen.

Die Beratungseinsätze dienen der Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege und der

regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung der häuslich

Pflegenden.

Die Vergütung für den Berstungseinsatz beträgt seit 01.08.2008 in den Pflegestufen I

und II bis zu 21 Euro, in der Pflegestufe III bis zu 31 Euro. Diese Beträge werden

anteilig bei Beihilfeberechtigung auch von den Beihilfefestsetzungsstellen übernommen.

Versicherte, die bisher keiner Pflegestufe zugeordnet sind, jedoch zusätzliche

Betreuungsleistungen nach § 45b SGBXI erhalten, können halbjährlich einmal einen

Beratungsbesuch in Anspruch nehmen. Die Vergütung entspricht hier den Pflegestufen I

und II. In diesen Beratungssituationen ist keine pflegefachliche Kompetenz

nachzuweisen.

In § 37.3 Satz 4 SGB XI werden die Pflegedienste, die anerkannten Beratungsstellen

bzw. beauftragten Pflegefachkräfte dazu verpflichtet, der Pflegekasse mittels eines

einheitlichen Formulars der Versicherungsunternehmen die Durchführung des

Beratungseinsatzes zu bestätigen. Die gewonnenen Erkenntnisse über Möglichkeiten zur

Verbesserung der häuslichen Pflegesituation müssen der pflegebedürftigen Person und

mit deren Einwilligung der Pflegekasse sowie im Fall der Beihilfeberechtigung der

zuständigen Beihilfefestsetzungsstelle mitgeteilt werden.

Rufen pflegebedürftige Personen den Beratungseinsatz nicht ab, hat die Pflegekasse das

Pflegegeld angemessen zu kürzen und im Wiederholungsfall zu entziehen (§ 37.3 Satz 4

SGB XI).

2


Die Landesverbände der Pflegekassen haben neutrale und unabhängige

Beratungsstellen zur Durchführung der Beratung nach den Absätzen 3 und 4

anzuerkennen. Dem Antrag auf Anerkennung ist ein Nachweis über die erforderliche

pflegefachliche Kompetenz der Beratungsstelle und ein Konzept zur Qualitätssicherung

des Beratungsangebotes beizufügen. Für die Durchführung von Beratungen nach Absatz

3 Satz 6 können die Landesverbände der Pflegekassen geeignete Beratungsstellen

anerkennen, ohne dass ein Nachweis über die pflegefachliche Kompetenz erforderlich ist

(§ 37.3. Satz 7).

Nach § 37.3 Satz 8 können Pflegeberater oder Pflegeberaterinnen (§ 7a) die

vorgeschriebenen Beratungseinsätze durchführen und diese bescheinigen.

Zu c. Seit Einführung der anfangs noch als „Pflegeeinsatz“ genannten Beratungen, gab es

vielfältige Kritik- und Diskussionspunkte. Einige fanden im

Pflegeleistungsergänzungsgesetz bereits Berücksichtigung, andere nicht.

So wurde der „Kontrollcharakter“ entschärft, indem der Pflegedienst lediglich die

Durchführung der Beratung für die Pflegekasse bestätigen muss. Weiterhin muss er

zuerst dem Pflegebedürftigen die gewonnenen Erkenntnisse über

Verbesserungsmöglichkeiten zur häuslichen Pflegesituation mitteilen, die dann mit

dessen Einverständnis an die Pflegekasse weitergeleitet werden. Die bisherige

Einschätzung zu einer gesicherten oder nicht gesicherten Pflege erscheint damit hinfällig

und lässt eine vertrauensvollere Beratungssituation zu, die eindeutiger auf

Unterstützung ausgerichtet werden kann.

Weiterhin sind in § 37.3. Satz 4 konkrete Anforderungen an eine Pflegefachkraft

benannt. Sie benötigt eine besondere Beratungskompetenz, spezifisches Wissen zum

Krankheits- oder Behinderungsbild sowie des sich daraus ergebenden Hilfebedarfs des

Pflegebedürftigen. Pflegefachkräfte haben einerseits die Aufgabe, pflegende Angehörige

und Pflegebedürftige über Pflegehandlungen und pflegetechnische Belange zu beraten,

und sie sind zugleich für die psychosoziale Beratung gerade auch der Angehörigen

zuständig. Es handelt sich also um Fachberatung und psychosoziale Beratung. Das Ziel

psychosozialer Beratung liegt dabei in der Förderung von Selbsterkenntnis und

Situationserkenntnis, das Ziel der Fachberatung in der Förderung der Sachkenntnis und

der pflegerischen Situationserkenntnis (in Anl. an Emmrich, 2006). Beides soll in der

häuslichen Situation unterstützend wirken. Die Verantwortung zur Umsetzung der

Vorgaben und zur Gewährleistung von Qualität (Konzept zur Qualitätssicherung) und

Kontinuität in Folgeberatungen wird dem jeweils beauftragten Pflegedienst bzw. der

anerkannten Beratungsstelle übertragen. Dies ist durchaus zu begrüßen, eine zufrieden

stellende Umsetzung für die Pflegebedürftigen und Angehörigen kann unter den

gegebenen Bedingungen jedoch nicht als flächendeckend gewährleistet erachtet

werden.

Mit dem Pflegeweiterentwicklungsgesetz wurden die Vergütungssätze angehoben und

zwar von 16 € in den Pflegestufen I und II (auch Stufe O) auf 21 € und in der

Pflegestufe III von 26 € auf 31 €.

Die Praxis zeigt, dass sich häusliche Pflegesituationen sehr unterschiedlich darstellen.

Um in einem gemeinsamen Beratungsprozess geeignete Unterstützungsangebote zu

finden, bedarf es einer umfassenden Einschätzung seitens der Pflegefachkräfte. Selbst

Gewaltsituationen sind nicht immer direkt erkennbar. Es zeigt sich weiterhin, dass

Angehörige häufig psychosoziale Probleme in der erlebten (meist länger andauernden)

Pflegesituation äußern. Die Orientierung an der Lebenssituation der pflegebedürftigen

Personen und ihrem Unterstützungsnetz wird als wesentliche Voraussetzung benannt.

Die Verpflichtung auf den Abruf der Beratungseinsätze bleibt bestehen, der

Pflegebedürftige muss den Zugang in seine Häuslichkeit gewähren, was nach wie vor als

ein Eingriff in die Privatsphäre zu betrachten ist.

Die Bundesvereinigung Lebenshilfe vermisst weiterhin eine Öffnungsklausel für Familien

mit behinderten Kindern oder auch Erwachsenen, die häufig bereits fachliche

Unterstützung z.B. durch teilstationäre oder familienentlastende Dienste erhalten. In

3


diesen Situationen sei eine Verlängerung der Zeitabstände oder sogar eine Befreiung

der Verpflichtung wünschenswert. Die gesetzlich vorgegebene Qualifikation der

Pflegefachkräfte könne unter den gegebenen Bedingungen gerade für Menschen mit

Behinderung bei weitem nicht gewährleistet werden (Wendt, S., Stellungnahme der

Bundesvereinigung der Lebenshilfe, 15.6.01).

zu d. Eine Evaluation des Beratungsstandards Soest (Fringer 2006) hat ergeben, dass die

ambulanten Pflegedienste den Standard insgesamt als gelungen und hilfreich beurteilen.

Gleichzeitig wird kritisiert, dass er bestimmte Personengruppen zu wenig berücksichtigt:

Menschen mit Behinderungen, an Demenz erkrankte Personen und Menschen mit

chronischer Erkrankung. Auch pflegende Angehörige würden im Standard zu wenig

Beachtung finden. Diesem Bedarf wird mit der aktualisierten Fassung begegnet, um der

Zielsetzung des Standards gerecht zu werden.

Formale Einführung

Der vorliegende Standard orientiert sich in seiner formalen Gestaltung am „Expertenstandard

Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ (Deutsches Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege,

August 2000), das heißt, er beinhaltet:

� eine kurze Standardaussage

� messbare Struktur-, Prozess-, Ergebniskriterien

� eine inhaltliche Begründung im Kommentar

Da die Beratungseinsätze nach § 37.3 SGB XI von qualifizierten Pflegefachkräften durchgeführt

werden bzw. seit 01.08.2008 in Beratungseinrichtungen pflegefachliche Kompetenz

nachgewissen werden muss, richtet sich der vorliegende Qualitätsstandard an

Altenpfleger/innen, Gesundheits- und (Kinder)Krankenpfleger/innen und an zugelassene

Pflegeeinrichtungen sowie anerkannte Beratungsstellen. Im Standard werden die Mitglieder der

verschiedenen Pflegeberufe und Beratungsberufe übergreifend als „Pflegefachkraft“

angesprochen.

Für die Personen, die nach § 37 SGB XI Pflegegeld für selbst beschaffte Pflegehilfen erhalten,

wurde das Begriffspaar „pflegebedürftige Person und/oder Angehörige“ gewählt, da sich der

Beratungseinsatz ausdrücklich auch auf die Hilfestellung der häuslich Pflegenden bezieht.

In der Entwicklungsphase des Standards (Februar 2001 – Januar 2002) wurden folgende

Vorlagen und Materialien erstellt:

� Literaturübersicht zum Pflegeeinsatz nach § 37.3 SGB XI

� Qualitätsstandard mit Struktur-, Prozess-, Ergebniskriterien

� Kommentierung zu den Kriterien des Qualitätsstandards

� Beratungsleitfaden (A)

� Erläuterung zu den Inhalten des Beratungsleitfadens (A)

� Informierende Terminbestätigung

� Angeregt wurde eine Erweiterung der Aufstellung der Angebotsstruktur für das Sozial-

und Gesundheitswesen im Kreis Soest

� In der aktualisierten Fassung (2009) wurden folgende Vorlagen erstellt:

o Leitfaden B für Menschen mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz,

exemplarisch am Beispiel Demenz

o Leitfaden C für Menschen mit Behinderung (Kinder, Jugendliche, junge

Erwachsene, Ältere)

4


o Übersicht über wohnortnahe Angebote speziell für Menschen mit Demenz

o Übersicht über wohnortnahe Angebote für Familien mit behinderten

Familienmitgliedern

Die Verantwortung für die Bereitstellung von Wissen und Materialien liegt bei der

Geschäftsstelle der Pflegekonferenz und den zugelassenen Pflegeeinrichtungen bzw.

Beratungseinrichtungen:

� Einführungsveranstaltung in die aktualisierte Fassung für ambulante Pflegedienste,

Beratungsstellen und Interessierte

� Organisatorische Umsetzung des Standards

Pflegefachkräfte tragen Verantwortung für den Erwerb von Wissen und die Umsetzung des

Standards im beruflichen Alltag:

� Teilnahme an Einführungsveranstaltung zum Standard

� Durchführung der Beratungseinsätze nach Vorgaben des Standards

Zur Implementierung der aktualisierten Fassung des Standards bedarf es gemeinsamer

Anstrengungen der Geschäftsstelle der Pflegekonferenz und der beteiligten zugelassenen

Pflege- bzw. Beratungseinrichtungen sowie der Pflegefachkräfte.

In der aktualisierten Fassung des Beratungsstandards wird weiterhin der Begriff ambulanter

Pflegedienst beibehalten. Sowohl die beauftragten Pflegefachkräfte, die Pflegeberater/innen

nach § 7 PfWG sowie die anerkannten Beratungseinrichtungen sind hierbei gleichermaßen

angesprochen.

5


Qualitätsstandard: Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI

Standardaussage: Jede pflegebedürftige Person und ihre Angehörigen erhalten eine situationsgerechte Beratung,

die in der häuslichen Pflege unterstützend wirkt.

Struktur

S1 Der ambulante Pflegedienst stellt die

organisatorische Umsetzung der Beratungs-

einsätze sicher.

S2 Die Pflegefachkraft

- verfügt über aktuelles, anerkanntes

pflegerisches Wissen und Einschätzungs-

kompetenz für häusliche Pflegesituationen.

S3 - verfügt über aktuelles, anerkanntes

Wissen zu Beratung.

S4 - verfügt über die Beratungsleitfäden A, B, C.

S5 - verfügt über fundierte Berufserfahrung

in häuslichen Pflegesituationen und über

Kenntnisse der Angebotsstruktur des Sozial-

und Gesundheitswesens im Kreis Soest.

S6 - verfügt über ein einheitliches Mitteilungs-

formular der Pflegekassen.

P1 Der ambulante Pflegedienst plant

situationsgerechte Beratungseinsätze.

Prozess Ergebnis

P2 Die Pflegefachkraft

- schätzt mit der pflegebedürftigen Person

und/oder ihren Angehörigen auf der Grund-

lage ihrer pflegerischen Kenntnisse die

häusliche Pflegesituation ein.

P3 - führt mit der pflegebedürftigen Person

und/oder ihren Angehörigen ein

Beratungsgespräch.

P4 - dokumentiert den Beratungseinsatz anhand

des jeweiligen Beratungsleitfadens.

P5 - orientiert sich an der häuslichen Pflege-

situation und zeigt situationsgerechte

Angebote im Kreis Soest auf.

P6 - füllt mit informiertem Einverständnis der

pflegebedürftigen Person das Mitteilungs-

formular der Pflegekassen aus.

6

E1 Die Beratungseinsätze sind situationsgerecht

erfolgt.

E2 Eine Einschätzung der häuslichen

Pflegesituation ist gemeinsam erfolgt.

E3 Ein gemeinsames Beratungsgespräch ist

erfolgt.

E4 Der ausgefüllte Beratungsleitfaden des

erfolgten Beratungseinsatzes liegt vor.

E5 Die pflegebedürftige Person und/oder

ihre Angehörigen erleben den Beratungs-

einsatz als Unterstützung und kennen die

für ihre Pflegesituation relevanten

Angebote im Kreis Soest.

E6 Das Mitteilungsformular liegt nach erfolgtem

Beratungseinsatz datenschutzrechtlich korrekt

ausgefüllt vor.


Qualitätsstandard: Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI

Kommentierung (K)

Die Kriterien sind in ihrer Abfolge in Struktur (S), Prozess (P) und Ergebnis (E) dargestellt

S1 Der ambulante Pflegedienst stellt die organisatorische Umsetzung

der Beratungseinsätze sicher.

K Die zuständige Einsatzleitung stellt sicher, dass Pflegefachkräfte, die die

Kriterien des Standards erfüllen und in diesen eingeführt wurden, die

Beratungseinsätze durchführen.

P1 Der ambulante Pflegedienst plant situationsgerechte

Beratungseinsätze.

K Die zuständige Einsatzleitung entscheidet gemeinsam mit der PFK, ob je

nach häuslicher Pflegesituation ergänzend eine spezielle fachliche

Kompetenz benötigt wird.

Als Beispiel seien hier Fachdienste für Menschen mit psychischen

Erkrankungen genannt. Ein weiteres Beispiel wäre eine Beratung bei

Migranten und Migrantinnen.

Bei Folgeeinsätzen plant sie möglichst dieselbe PFK ein, um durch

Kontinuität einen vertrauensfördernden Beziehungsprozess zu ermöglichen.

In Pflegesituationen, die mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz

einhergehen bzw. bei Familien mit einem behinderten Familienmitglied

kommen Beratungsleitfäden B bzw. C zur Anwendung.

E1 Die Beratungseinsätze sind situationsgerecht erfolgt.

Die Organisation und Umsetzung der Beratungseinsätze ist durch den

ambulanten Pflegedienst unter den genannten Vorgaben erfolgt.

S2 Die PFK verfügt über aktuelles, anerkanntes pflegerisches Wissen

und Einschätzungskompetenz für häusliche Pflegesituationen.

K Der pflegerische und pflegewissenschaftliche Kenntnisstand erweitert bzw.

verändert sich fortlaufend, auch in Bezug auf häusliche Pflegesituationen.

Als Beispiele seien Erkenntnisse über Belastung und Entlastung von

Angehörigen genannt, die Erstellung nationaler Expertenstandards oder

Bewegungskonzepte wie Kinästhetik.

Spezifische Kenntnisse zum SGB XI, die eine Unterstützung oder

Entlastung für die Angehörigen ermöglichen, muss die PFK kennen, z.B:

� Häusliche oder stationäre Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson,

§ 39

Pflegehilfsmittel und technische Hilfen, § 40

� Tagespflege und Nachtpflege, § 41

� Kurzzeitpflege, § 42

7


Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen, §

45c

� Beratungsangebote (§ 7a, Pflegestützpunkte, trägerunabhängige

Beratungsstellen...)

� zusätzliche Betreuungsleistungen (§ 45b)

Die PFK muss in der Lage sein, häusliche Pflegesituationen gemeinsam mit

der pflegebedürftigen Person und/oder ihren Angehörigen einzuschätzen.

Als leitender Gedanke kann hier stehen: „Wie gestaltet sich die Pflege, wie

kommen die Beteiligten zurecht? Wo besteht Beratungsbedarf?“.

Die PFK weiß, welche Maßnahmen bei einer aktuellen Gefährdung der

pflegebedürftigen Person oder der Angehörigen eingeleitet werden müssen.

Die PFK muss sich durch regelmäßige Fortbildung den aktuellen

pflegerischen Kenntnisstand aneignen. Der ambulante Pflegedienst

gewährleistet für die PFK eine regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen zur

Aktualisierung pflegerischer Kenntnisse.

P2 Die PFK schätzt mit der pflegebedürftigen Person und/oder ihren

Angehörigen auf der Grundlage ihrer pflegerischen Kenntnisse die

häusliche Pflegesituation ein.

K Die pflegebedürftige Person und/oder ihre Angehörigen sind „Experten“

ihrer eigenen Lebenssituation. Die PFK knüpft daran an und integriert

zielgerichtet ihre pflegerischen Kenntnisse. Sie erkennt Pflegeprobleme und

förderliche Faktoren für die Pflegesituation.

Als Beispiel seien das Einschätzen von Gefährdungssituationen, wie z.B. für

einen Dekubitus bei der pflegebedürftigen Person. genannt oder das

Erkennen von Belastungen der Angehörigen.

In der Fachliteratur wird beschrieben, dass zu Beginn einer Pflegesituation

meist ein höherer Informationsbedarf zu pflegerischen Grundkenntnissen,

Hilfsmitteln oder Möglichkeiten der Pflegeversicherung bestehe. Im

weiteren Pflegeverlauf sei ein größerer Bedarf der Angehörigen an

psychosozialer Unterstützung zu erkennen (Buhl 1/1997, Siedhoff 8/1996).

Die PFK leitet bei einer aktuellen Gefährdung der pflegebedürftigen Person

oder der Angehörigen angemessene Maßnahmen ein.

Die PFK eignet sich durch regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen den

aktuellen pflegerischen Kenntnisstand an. Der ambulante Pflegedienst

informiert die PFK über Fortbildungsangebote zu Pflege und Beratung und

unterstützt die Teilnahme.

E2 Eine Einschätzung der häuslichen Pflegesituation ist gemeinsam

erfolgt.

K Die Einschätzung ist anhand der situativ angesprochenen Themen des

Beratungsleitfadens erfolgt. Daraus lässt sich für alle Beteiligten der

Beratungsbedarf ableiten.

Die „Expertise“ der pflegebedürftigen Person und/oder ihrer Angehörigen

ist Ausgangspunkt der Einschätzung und die PFK hat ihre fachpflegerische

Perspektive daran ausgerichtet.

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Bei einer aktuellen Gefährdung der pflegebedürftigen Person oder ihrer

Angehörigen ist eine Einleitung angemessener Maßnahmen durch die PFK

erfolgt.

Die PFK hat sich unter Beteiligung des ambulanten Pflegedienstes durch

regelmäßige Fortbildungen aktuelle pflegerische Kenntnisse angeeignet.

S3 Die PFK verfügt über aktuelles, anerkanntes Wissen zu Beratung.

K Beratung als Handlungsfeld der Pflege gewinnt zunehmend an Bedeutung,

wurde und wird in den Grundausbildungen zur PFK zunehmend mehr

berücksichtigt. Um die Hilfestellung und Beratung gerade auch für

Angehörige zu gewährleisten, benötigt die PFK hierfür eine besondere

Kompetenz.

Als Beispiel seien die gemeinsame Suche nach Unterstützungsmöglichkeiten

genannt, Gesprächsführung, Informationsvermittlung,

praktische Anleitung oder auch das Verhalten in Konfliktsituationen.

Die PFK muss sich durch regelmäßige Fortbildung Kenntnisse zu Beratung

aneignen. Der ambulante Pflegedienst gewährleistet für die PFK eine

regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen zu Beratung.

P3 Die PFK führt mit der pflegebedürftigen Person und/oder ihren

Angehörigen ein Beratungsgespräch.

K Die PFK bespricht mit der pflegebedürftigen Person und/oder ihren

Angehörigen die Themen des Beratungsleitfadens, bei denen in der

Einschätzung Beratungsbedarf erkannt wurde. Gemeinsam suchen die

Beteiligten nach Möglichkeiten zur Unterstützung.

Als Beispiel sei die Erläuterung zu prophylaktischen Maßnahmen genannt,

die Information zu Hilfsmitteln und anderen unterstützenden Leistungen

der Pflegeversicherung oder Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige auch

außerhalb des SGB XI wie Selbsthilfegruppen, Gesprächskreise,

Rechtsberatung.

Die PFK eignet sich durch regelmäßige Teilnahme an Fortbildungen aktuelle

Kenntnisse zu Beratung an. Der ambulante Pflegedienst informiert die PFK

über Fortbildungsangebote zu Beratung und unterstützt die Teilnahme.

E3 Ein gemeinsames Beratungsgespräch ist erfolgt.

K Je nach Pflegesituation hat die PFK ein gemeinsames Gespräch oder

Einzelgespräche mit den Beteiligten geführt.

Die Anliegen der pflegebedürftigen Person und/oder ihre Angehörigen sind

aufgegriffen und mögliche Unterstützungsangebote aufgezeigt worden.

Die PFK hat sich unter Beteiligung des ambulanten Pflegedienstes durch

regelmäßige Fortbildungen aktuelle Kenntnisse zu Beratung angeeignet.

S4 Die PFK verfügt über die Beratungsleitfäden A, B, C.

K Die PFK kennt die Beratungsleitfäden A, B, C mit den jeweiligen

Erläuterungen. Leitfaden A beinhaltet Themen und mögliche

Unterstützungsangebote zur häuslichen Pflegesituation als

9


Gesprächsgrundlage. Leitfäden B und C richten sich auf spezifische

häusliche Pflegesituationen: Menschen mit erheblich eingeschränkter

Alltagskompetenz am Beispiel Demenz (B) und Menschen mit Behinderung

(C). Es werden nicht nur die Vorgaben der Pflegeversicherung aufgegriffen,

vielmehr sollen sie den Beteiligten als Hilfe dienen, einen tatsächlichen

Beratungsbedarf zu erkennen und gemeinsam situationsgerechte

Unterstützungsmöglichkeiten zu finden.

Die PFK weiß, dass die Situation der Angehörigen eine besondere

Aufmerksamkeit verlangt.

Die PFK muss sich unter Beteiligung des Arbeitgebers im Rahmen einer

Einführung Wissen zu den Beratungsleitfäden A, B, C aneignen und sich mit

seinem Umgang vertraut machen.

P4 Die PFK dokumentiert den Beratungseinsatz anhand der

Beratungsleitfäden A, B, C.

K Um Transparenz für alle Beteiligten zu gewährleisten, verwendet die PFK

die Beratungsleitfäden A,sowie B oder C zur Dokumentation. Die

Einschätzung der Pflegesituation und daran orientierte Beratungsinhalte

hält die PFK in Absprache mit der pflegebedürftigen Person und/oder ihren

Angehörigen fest.

Die PFK eignet sich unter Beteiligung des Arbeitgebers im Rahmen einer

Einführung Wissen zu den Beratungsleitfäden A, B, C an und macht sich

mit ihrem Umgang vertraut.

E4 Der ausgefüllte Beratungsleitfden A, sowie B oder C des erfolgten

Beratungseinsatzes liegt vor.

K Alle Beteiligten haben am Ende des Beratungseinsatzes ein Exemplar des

ausgefüllten Beratungsleitfadens A, sowie B oder C erhalten. Daran kann

einerseits bei einem weiteren Beratungseinsatz angeknüpft werden, zum

anderen dient er als Nachschlagedokument.

Die PFK hat sich unter Beteiligung des Arbeitgebers im Rahmen einer

Einführung Kenntnisse zum Beratungsleitfaden A, B, C angeeignet und sich

mit dem Umgang vertraut gemacht.

S5 Die PFK verfügt über fundierte Berufserfahrung in häuslichen

Pflegesituationen und über Kenntnisse der Angebotsstruktur des

Sozial- und Gesundheitswesens im Kreis Soest.

K Durch eine mindestens 2 - jährige Berufserfahrung in der ambulanten

Pflege soll gewährleistet sein, dass die PFK durch unterschiedlichste

Einsätze im ambulanten Bereich mit den vielfältigen Anforderungen

häuslicher Pflegesituationen vertraut ist.

Die PFK muss die Angebotsstrukturen des Gesundheitswesens im Kreis

Soest kennen, um situationsgerechte Beratung und Hilfestellung geben zu

können.

Als Beispiel seien hier trägerunabhängige Beratungsstellen, komplementäre

Dienste oder wohnortnahe Entlastungsangebote genannt.

10


Die PFK verfügt hierzu über eine schriftliche Aufstellung der wohnortnahen

Angebote des Kreises Soest, die über die Geschäftsstelle der

Pflegekonferenz zur Verfügung gestellt wird.

P5 Die PFK orientiert sich an der häuslichen Pflegesituation und zeigt

situationsgerechte Angebote im Kreis Soest auf.

K Die PFK verfolgt das Ziel, die pflegebedürftige Person und/oder ihre

Angehörigen durch Beratung in ihrer Pflegesituation zu unterstützen. Sie

schafft eine vertrauensbildende Gesprächsatmosphäre und orientiert sich

am Bedarf der pflegebedürftigen Person und/oder ihrer Angehörigen.

Sie zeigt situationsgerechte Angebote im Kreis Soest auf und gibt z.B. auch

Hinweise auf Ansprechpartner und Broschüren des Kreises Soest.

E5 Die pflegebedürftige Person und/oder ihre Angehörigen erleben

den Beratungseinsatz als Unterstützung und kennen die für ihre

Pflegesituation relevanten Angebote im Kreis Soest.

S6 Die PFK verfügt über ein einheitliches Mitteilungsformular der

Pflegekassen.

K Das einheitliche Mitteilungsformular der Pflegekassen dient der

Einschätzung der häuslichen Pflegequalität durch die PFK für die

Pflegekasse und lässt Verbesserungsvorschläge im Rahmen des SGB XI zu.

Die PFK muss im Umgang mit diesem Formular die Datenschutzrechte

kennen. Als Beispiel sei das informierte Einverständnis der

pflegebedürftigen Person genannt.

Die PFK muss sich ihrer Rolle in der Verknüpfung von Beratung und

Qualitätsnachweis („Kontrolle“) im Rahmen der Pflegeeinsätze bewusst

sein.

In der Fachliteratur findet sich ein Hinweis, dass ein Formular Unbehagen

auslösen kann (Legl, 4/1996). Daher benötigt die PFK Kenntnisse für einen

vertrauensfördernden Umgang mit dem Formular, aber auch mit dem

Beratungsleitfaden.

Die PFK muss sich unter Beteiligung des Arbeitgebers den Umgang mit dem

Mitteilungsformular aneignen.

P6 Die PFK füllt mit informiertem Einverständnis der pflegebedürftigen

Person das Mitteilungsformular der Pflegekassen aus.

K Die PFK füllt am Ende des Beratungseinsatzes das Mitteilungsformular aus.

Die pflegebedürftige Person entscheidet sich im Rahmen des informiertem

Einverständnisses für oder gegen eine Unterschrift zur Weiterleitung an die

Pflegekasse bzw. an die Beihilfefestsetzungsstelle.

Bei Bedarf macht die PFK das Spannungsfeld zwischen Qualitätsnachweis

und Beratung transparent und verdeutlicht das Hauptziel der

unterstützenden Beratung.

11


Die PFK eignet sich unter Beteiligung des Arbeitgebers den Umgang mit

dem Mitteilungsformular an.

E6 Das Mitteilungsformular liegt nach erfolgtem Beratungseinsatz

datenschutzrechtlich korrekt ausgefüllt vor.

Die Datenschutzrechte sind beim Ausfüllen des Mitteilungsformulares

berücksichtigt. Die PFK wird es, sofern das informierte Einverständnis der

pflegebedürftigen Person vorliegt, an die Pflegekasse bzw.

Beihilfefestsetzungsstelle weiterleiten.

Die PFK hat sich unter Beteiligung des Arbeitgebers den Umgang mit dem

Mitteilungsformular angeeignet.

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Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI gemeinsam erfolgt mit:

Pflegebedürftige Person

Name

Vorname

Straße

Wohnort

Telefon

Bitte

Beteiligte

angeben

Name

Vorname

Straße

Wohnort

Telefon

Hauptpflege-

person

freiwillige Angabe

andere

Angehörige

freiwillige Angabe

Pflegekasse Erstbesuch Folgebesuch Anzahl

Pflegestufe

Pflegefachkraft

Hausarzt Datum Unterschrift

Beratungsleitfaden A zur häuslichen Pflegesituation

Inhalte Situation Beratung

Gibt es von Ihrer Seite etwas,

das Sie wissen möchten oder

für Sie im Vordergrund steht?

Wie gestalten sich der Tag

und die Nacht?

Gibt es Besonderheiten in den

Vitalfunktionen?

Wie gestaltet sich das

Essen und Trinken?

Wie gestaltet sich der

Bereich der

Ausscheidungen?

Wie gestaltet sich die

Körperpflege?

Wie gestaltet sich das An-

und Auskleiden?

Wie gestaltet sich die

Kommunikation?

gesetzl.

Betreuer/in

13


Inhalte

Bestehen Veränderungen im

Verhalten?

Wie gestaltet sich der

Bereich der Mobilität?

Werden vorbeugende

Maßnahmen durchgeführt?

Welche ärztlich verordneten

Maßnahmen werden

durchgeführt?

Wie ist der Wohnbereich

ausgestattet?

Wie gestaltet sich die

hauswirtschaftliche

Versorgung?

Werden Kontakte außerhalb

der Wohnung gepflegt?

Wie kann Hilfe im Wohnbereich

und von außerhalb

herbeigeholt werden?

Was ist geplant, wenn die

Pflegeperson ausfallen sollte?

Möchten Sie sonst noch etwas

wissen?

Situation Beratung

Unterstützungsangebote

Verhinderungspflege § 39 Pflegehilfsmittel / technische

Hilfen § 40

Tagespflege / Nachtpflege § 41

Kurzzeitpflege § 42 Pflegekurs § 45 Pflegedienst

Familienentlastender Dienst Praktische pfleg. Hinweise Ärzte

Gesetzliche Betreuung Betreuungsangebote Erneute Begutachtung durch MDK

Komplementäre Dienste

Selbsthilfegruppe /

Situationsgerechte

Gesprächskreis

Beratungsangebote

Trägerunabhängige Beratung

Pflegestützpunkte

Broschüren Internethinweise

Hospiz / Palliativpflege Ehrenamtliche Hilfen Hilfen im Alltag: Friseur, Fußpflege

Zusätzliche

Betreuungsleistungen

Bemerkungen:

Therapeutische Hilfen Sonstiges

15


Beratungsleitfaden A für Beratungseinsätze nach § 37.3 SGB XI

Erläuterung

Allgemeine Anmerkungen

� Die Fragen beziehen sich auf die häusliche Pflegesituation, betreffen also sowohl

die pflegebedürftige Person als auch ihre Angehörigen.

� Je nach Situation können Einzelgespräche wichtig sein, um z.B. Belastungen bei

den Angehörigen zu erkennen und mögliche Unterstützungsangebote aufzuzeigen.

Einige Themen sollen hier der Verdeutlichung dienen:

was wird vermisst, was musste aufgegeben werden, eigene Einschätzung der

körperlichen Gesundheit, soziales Leben, Urlaub, Motivation, positive Erlebnisse,

Ängste, Grenzen des Wollens und Könnens, Erwartungen anderer,

Zukunftsvorstellungen, Wünsche ...

� Der Leitfaden dient der Einschätzung der häuslichen Pflegesituation und der

Beratung der pflegebedürftigen Person und/oder ihren Angehörigen.

� Mit der Einstiegsfrage wird die Sicht der pflegebedürftigen Person und/oder ihrer

Angehörigen in den Mittelpunkt gestellt.

� Mit den weiteren Fragen nach der „Gestaltung“ wird die Grundlage zu einem freien

Gesprächsverlauf gelegt. Der Leitfaden soll demnach als Anhalt dienen, nicht als

abzuarbeitende Checkliste.

� In der Fachliteratur wird beschrieben, dass zu Beginn einer Pflegesituation meist

ein höherer Informationsbedarf zu pflegerischen Grundkenntnissen, Hilfsmitteln

oder anderen Möglichkeiten der Pflegeversicherung bestehe. Im weiteren

Pflegeverlauf sei ein größerer Bedarf der Angehörigen an psychosozialer

Unterstützung zu erkennen (Buhl 1/1997, Siedhoff 8/1996).

� Die Fragen des Leitfadens gehen weit über das Pflegeverständnis der

Pflegeversicherung hinaus und sollen einen Beitrag zum umfassenden Verständnis

der Pflegesituation und zu angemessenen Beratungsangeboten eröffnen.

� Die Liste der Unterstützungsangebote am Ende des Leitfadens zeigt wesentliche

Beratungs- und Entlastungsmöglichkeiten auf. Sie ist keinesfalls vollständig.

Je nach Pflegesituation können andere Angebote wichtig sein, wie z.B.,

Freizeitmöglichkeiten, Besuchsdienste,, Fahrdienste, mobile Dienste etc..

Diese können und sollen unter Sonstiges bzw. als Bemerkung notiert werden.

Die fett gedruckten Bereiche verweisen auf die momentan gültigen

Pflegebedürftigkeitsrichtlinien des SGB XI: Ernährung, Körperpflege mit Ausscheidung,

Mobilität, Hauswirtschaftliche Versorgung, evtl. prophylaktische Maßnahmen in Bezug auf

die pflegebedürftige Person.

16


Erläuterungen der Inhalte des Beratungsleitfadens A Stand Januar 2002

1. Gibt es von Ihrer Seite etwas, das Sie wissen möchten oder für Sie im

Vordergrund steht?

Hier wird von Vornherein die Sicht der pflegebedürftigen Person bzw. der

Angehörigen in den Mittelpunkt des Besuches gerückt. Die Beratung orientiert sich

zuerst einmal an deren Bedarf.

2. Wie gestalten sich der Tag und die Nacht?

Mit dieser freien Frage kommen Themen zur Sprache, die im alltäglichen Verlauf

für die pflegebedürftige Person und ihre Angehörigen relevant sind. Es können

Gewohnheiten und Probleme erkannt werden, und es entwickelt sich dadurch ein

Verständnis für die Gesamtsituation.

Bsp: Befindlichkeit der Beteiligten, soziale Kontakte, Isolation, Arbeitssituation,

Aufwand der Pflege, Belastungen und Entlastungen, Orientierung,

Realitätsbezug, Planungs-, Entscheidungs-, Problemlösungsfähigkeit,

Informationsbedarf, Verhalten, Verständigung, Schlaf- Wachrhythmus ...

3. Gibt es Besonderheiten in den Vitalfunktionen?

Es gibt Situationen, in denen Veränderungen der Vitalfunktionen einen

beträchtlichen Einfluss auf die Pflegesituation haben.

Bsp: Schmerzen, Schwierigkeiten bei der Atmung, Kreislaufprobleme,

Schwindel, Stoffwechselstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit,

Erschöpfung ...

4. Wie gestaltet sich das Essen und Trinken?

In beiden Bereichen wird es unterschiedliche Gewohnheiten und evtl.

Schwierigkeiten geben. Mit dem Begriff Gestaltung wird nicht nur die

direkte Nahrungsaufnahme und Gabe von Getränken verstanden.

Bsp: Vorbereiten des Essens, Ort des (gemeinsamen) Essens,

Körperhaltung, Unverträglichkeiten, Schluckstörungen, Hilfsmittel,

künstliche Ernährung, Appetit, Mengenangaben, Flüssigkeitsaufnahme,

Diäten, Bestecknutzung, Unterstützung, Zeitaufwand ...

5. Wie gestaltet sich der Bereich der Ausscheidung?

Diese Frage berührt einen sehr intimen Bereich, hat aber häufig einen

wichtigen Stellenwert in der Pflegesituation.

Bsp: Gewohnheiten, Regelmäßigkeiten, abführende Mittel, Hilfsmittel,

Inkontinenz, Verstopfung oder Durchfälle, Intimpflege,

Toilettenbenutzung in Verbindung mit an- und auskleiden,

Monatshygiene bei Frauen, Befindlichkeit der Beteiligten, Hygiene,

Hilfen wie Dauerkatheter oder Stoma, Erbrechen, Zeitaufwand ...

17


6. Wie gestaltet sich die Körperpflege?

Körperpflege ist stets mit Nähe und Berührung verbunden und erfordert

in der Pflegesituation eine hohe Aufmerksamkeit.

Bsp: Wohlbefinden, Gewohnheiten, Regelmäßigkeiten, Zeiten,

Hautbeobachtung, Hilfsmittel, Pflegemittel, Pflege von Haaren,

Mund, Nägeln, Haut, Füßen etc., hygienisches Vorgehen, Duschen,

Baden, Waschen, Ort, Befindlichkeit der Beteiligten ...

7. Wie gestaltet sich das An- und Auskleiden?

Das An- und Auskleiden ist nicht nur in Verbindung mit der Körperpflege

zu sehen und nimmt im Alltag häufig großen Einfluss.

Bsp: Gewohnheiten, Regelmäßigkeiten, Wahl der Kleidung, Zeitaufwand,

Repräsentation, Erschwernis durch Bewegungseinschränkung oder

Ausziehtendenz, Ausmaß der Anstrengung für die Beteiligten,

Wohlbefinden ...

8. Wie gestaltet sich die Kommunikation?

Miteinander in Beziehung zu treten, Kontakt aufzunehmen, sich zu verständigen

ist die Basis jeglichen pflegerischen Handelns. Unterschiedliche Elemente können

Einfluss auf den Lebensalltag nehmen und erfordern einen bewussten Umgang mit

der Kommunikation.

Bsp: Veränderungen des Gedächtnisses, Denkstörungen, Erinnerungen,

Orientierung, Sprachverständnis, Ausdrucksvermögen, sich verständlich

machen können, Entscheidungen treffen, sich in Situationen anpassen

können, Überforderung, Aggression, Sinneseinschränkungen, nonverbale

Verständigung ...

9. Bestehen Veränderungen im Verhalten?

Sowohl in lange bestehenden als auch in neu eingetretenen Pflegesituationen

treten Veränderungen auf.. Manche erfordern einen neuen Umgang miteinander.

Bsp: Betreuung, zunehmende Aufsicht oder Anleitung, Ablöseprozesse in der

Familie, Isolation, Kommunikation miteinander, Pubertät, Selbstverletzung,

Aggresivität gegen andere Menschen oder gegen Dinge, Vernachlässigung,

Abwehr gegen bestimmte Handlungen, Kontrolle der Ausscheidung,

Orientierung, Rückzug, weniger oder mehr Eigenständigkeit ...

10. Wie gestaltet sich der Bereich der Mobilität?

Einschränkungen oder Veränderungen in der Beweglichkeit stellen an alle

Beteiligten hohe Anforderungen, gerade durch die Häufigkeit vielfältigster

Bewegungsabläufe im Alltag.

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Bsp: Lähmungen, Überaktivität, Weglauftendenz, Bettlägerigkeit,

Schwäche, Spastik, Hilfsmittel, Wohnungseinrichtung, Bewegung

im öffentlichen Bereich, Gehen, Stehen, Sitzen, Treppensteigen,

Rollstuhlnutzung, Eigenbeweglichkeit z.B. nachts im Bett, Wechsel

der Bettwäsche, Transfers,. Schmerzen, Unsicherheit, Angst,

Müdigkeit, Erschöpfung, Mobilität außerhalb der Wohnung ...

11. Werden vorbeugende Maßnahmen durchgeführt?

Prophylaktische Maßnahmen im engeren Sinne beziehen sich auf die

Vermeidung zusätzlicher körperlicher Beschwerden, die bei Menschen mit

erhöhtem Pflegebedarf auftreten können.

Es können aber natürlich auch andere zusätzliche Beschwerden auftreten,

durchaus auch bei den Angehörigen. Hier werden exemplarisch mögliche

Beschwerden genannt.

Bsp: Kontrakturen, Dekubitus, Pneumonie, Thrombose, Soor/Parotitis,

Blasenentzündung, Verstopfung, Stürze, Hautreizungen,

Austrocknung ...

verminderte Konzentration, soziale Isolation, Hilflosigkeit,

Vernachlässigung, Rückenbeschwerden, Überforderung ...

12. Welche ärztlich verordneten Maßnahmen werden durchgeführt?

Immer wieder sind solche Maßnahmen fester Bestandteil des Alltags und nehmen

entsprechend Einfluss auf dessen Gestaltung.

Bsp: Medikamenteneinnahme, Krankengymnastik, Heilpädagogik, Inhalationen,

Injektionen, Verbände, Prothesen, Bewegungsübungen, weitere

Therapiemöglichkeiten wie Ergotherapie, Logopädie, Frühförderung ...

13. Wie ist der Wohnbereich ausgestattet?

Für die Pflegesituation spielt die Ausstattung des Wohnbereichs eine wesentliche

Rolle. Sie kann erleichternd oder erschwerend sein.

Bsp: Treppen, Schwellen, Bodenbeläge, Türen, Bad, Dusche, Bett, Hilfsmittel,

Rufanlage, Telefon, Internet, Uhr, Haltegriffe, Zugang zum Garten oder

Balkon, Toilette, Küche, Zugang zur Wohnung ...

14. Wie gestaltet sich die hauswirtschaftliche Versorgung?

Dieser Bereich ist sehr umfassend und erfordert u.a. organisatorische

Fähigkeiten.

Bsp: Einkaufen, Kochen, Reinigung der Wohnung, Spülen,

Wäschereinigung, Beheizen der Wohnung ...

Alltagsorganisation wie Geldverwaltung, Telefonieren, Besuch von Ämtern,

Schriftverkehr, Antragstellung bei Kostenträgern, Zeitaufwand ...

19


15. Werden Kontakte außerhalb der Wohnung gepflegt?

Das Leben und somit die Pflegesituation spielt sich nicht nur innerhalb der

Wohnung ab. Kontakte zu Menschen und zur Öffentlichkeit sind für das eigene

Lebensgefühl genauso wichtig.

Bsp: Kindergarten, Schule, Werkstatt, Arbeitsstelle, Vereine, Treffen,

Freizeitangebote, Sport, Besuche, Familie, Bekannte, Freunde, Lesungen,

Kulturveranstaltungen, gemeindenahe Veranstaltungen, politische oder

weltanschauliche Kontakte, Selbsthilfegruppen ...

16. Wie kann Hilfe im Wohnbereich und von außerhalb herbeigeholt werden?

Eine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme sowie Kenntnisse über entsprechende

Angebote, auch z.B. in akuten Situationen, vermitteln allen Beteiligten eine

gewisse Sicherheit.

Bsp: Klingel, Telefon, Klopfen, Rufen, Rufanlage, Hausnotruf...

Notarzt, Bereitschaftsdienste der Pflege, Nachbarn, Bekannte, Familie ...

17. Was ist geplant, wenn die Hauptpflegeperson ausfallen sollte?

Diese Überlegung spielt aktuell häufig keine Rolle. Das Ansprechen und in

Erwägung ziehen vermitteln aber auch Sicherheit für diese Eventualität.

Bsp: Kurzzeitpflege, Familie, stationäre Unterbringung, Bekannte, Pflegedienste,

Verhinderungspflege ...

18. Möchten Sie sonst noch etwas wissen?

Im Verlauf des Gespräches können neue Fragen entstehen, die vor Beendigung

des Besuches angesprochen oder als Thema für einen nächsten Besuch oder eine

andere Beratungsform vereinbart werden können.

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Beratungsleitfaden B in häuslichen Pflegesituationen mit

Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, exemplarisch

für Menschen mit Demenz

Aktuelles Befinden:

� der Familienmitglieder

� des Pflegebedürftigen

Inhalte Situation Beratung

Subjektive Einschätzung:

� Gelingen des Alltags und der

Nacht?

� Wer trägt die

Hauptverantwortung?

� Wer trifft die Entscheidungen?

� Familie: Wer macht was?

� Umfeld: Wer macht was?

� Belastung der Angehörigen, z.B.

anhand der Häusl. Pflegeskala

� Hoffnung und Humor

� Gutes für die Seele und den

Körper? Woher kommt die Kraft?

Was hilft, unterstützt bisher?

Wissen um die Krankheit

und was noch kommen kann:

� Behutsam auf mögliche konkrete

Auswirkungen der Krankheit

vorbereiten, z.B Weglaufen,

Schlafprobleme, kein

Sättigungsgefühl, motorische

Unruhe, Zusperren der Haustüre,

Beschimpfungen, sozial

ungeeignete Orte der

Ausscheidung, Scham...

� Wandel/Verlust der bisherigen

Beziehung durch Verhaltensauffälligkeiten

und

Persönlichkeitsveränderungen

� Einsatz und Wirkung von

Medikamenten

Professionelle Unterstützung:

� Neurologe mit Hausbesuch?

� Praktische Hilfen hinsichtlich der

Krankheitsauswirkungen

� Demenz-Angebote im Kreis

� Hilfen im Notfall bekannt? Was

tun bei akuter Überforderung?

� Wissen um sozialrechtliche

Leistungen?

� Alternative Wohnformen bekannt?

Was sollte sofort verändert

werden, wenn es möglich wäre?

21


Begleittext zum Beratungsleitfaden B

Was es als beratende Pflegefachkraft zu berücksichtigen gilt

� Rolle der pflegenden Angehörigen anerkennen: Übernahme von Verantwortung und

Notwendigkeit Entscheidungen treffen, wie es weiter gehen soll

� Wissen um anfängliche Hilflosigkeit, um Wandel/Verlust der bisherigen Beziehung

durch Verhaltensauffälligkeiten und krankheitsbedingte Persönlichkeitsveränderungen

� Trauerarbeit neben den Anforderungen des Alltags

� Scham wahrnehmen hinsichtlich anderer Menschen oder bei der Inanspruchnahme

sozialrechtlicher Ansprüche

� Befinden der pflegenden Angehörigen, Erkennen der Belastung, eine gezielte

Einschätzung erfassen (mit Hilfe der HPS-Skala, dem Zorg-Kompass...), um dann

individuelle Möglichkeiten zur Entlastung zu suchen unter Berücksichtigung des

sozialen Umfeldes, der Familie und professioneller Angebote

� Um den Krankheitsverlauf wissen und welche Konsequenzen dieser im Alltag haben

kann – hierbei behutsame begleitende Informationen, sonst zusätzliche

Überforderung möglich

Was erfragt werden sollte

� Das konkrete Gelingen des Alltags und vor allem der Nacht

� Familienzusammenhalt, Unterstützung durch Bekannte, Freunde, Nachbarn

� Finanzielle Situation

� Welche Informationen helfen könnten

� Wo der größte Veränderungswunsch liegt: Was sollte sofort verändert werden, wenn

es möglich wäre

Möglichkeiten der Entlastung und Unterstützung situativ ansprechen

� Leistungen der Pflegeversicherung und andere sozialrechtliche Leistungen

� Hinweise auf Beratungsstellen, Pflegestützpunkte, Internethilfen,

Informationsbroschüren (z.B. BMG: „Wenn das Gedächtnis nachlässt“),

Selbsthilfegruppen, niederschwellige Angebote, Tagespflege, Kurzzeitpflege,

Alzheimergesellschaft etc.

� Es gibt eine anschauliche Übersicht vom Kreis Soest, damit die pflegenden

Angehörigen nicht von „Pontius zu Pilatus“ laufen müssen, was sonst zusätzlich

belastet statt entlastet

� Hinweis auf Initiativen, die sich direkt auf die Situation Angehöriger richtet: Alzheimer

Angehörigen-Initiative, Landesstelle für pflegende Angehörige NRW, Pflegebegleiter

Zukunftsszenarien eröffnen

� Alternative Wohnformen wie Wohngemeinschaften, Altenheime mit

Demenzbetreuung, rechtliche Informationen zu gesetzlicher Betreuung und

freiheitsentziehenden Maßnahmen

� Durchspielen dieser Möglichkeiten und die weitere Rolle andenken

� Begleitende Informationen zu konkreten Auswirkungen der Krankheit im Alltag:

Weglauftendenz, Schlafprobleme, motorische Unruhe im Alltag, kein

Sättigungsgefühl, das Zusperren der Haustüre, Inkontinenz, Orte zur Ausscheidung,

die sozial nicht geeignet sind, Scham, kein Erkennen vertrauter Personen...

Unterstützung im Umfeld suchen und eigene Gesundheit beachten

� Musik, Ruhe, Gefühle aufgreifen, schöpferische Tätigkeiten, Gemeinschaft

� Ersatzpersonen, die mithelfen, zur Entlastung

� 24 Stunden - Präsenz und ihre Auswirkungen aufzeigen, um Freiräume zu finden

� Einsatz und Wirkung von Medikamenten aufzeigen

� Hilfe bei der Suche eines guten Hausarztes bzw. Neurologen oder Gerontopsychiaters

Hoffnung geben und für Überforderungssituationen ein Notfalltelefon anbieten

22


In Anlehnung an: Büscher, A. (2008): „Die Kraft und die Last des Tragens“. Pflegende

Angehörige und Demenz. In: „pflegen: Demenz,“ 9, 4. Quartal 2008, 7-11

Erläuterung, Hintergrund zu Beratungsleitfaden B

Beratung in häuslichen Pflegesituationen, wenn die pflegebedürftige Person (erheblich) in

ihrer Alltagskompetenz eingeschränkt ist.

Demenzerkrankte Personen als exemplarische Personengruppe

Die Auswirkungen von Erkrankungen wie beispielsweise Demenz, Parkinson, Depression

führen oftmals dazu, dass die Gestaltung des Alltags aufgrund kognitiver oder

psychischer Einschränkungen nicht mehr selbständig möglich ist. Im Sozialgesetzbuch XI

wird dann von (erheblich) eingeschränkter Alltagskompetenz gesprochen, die in § 45a

Berücksichtigung erfährt. Den Angehörigen kommt in derartigen Pflegesituationen eine

zusätzliche Betreuungsaufgabe zu, wobei das zeitliche Ausmaß und das subjektive

Belastungsempfinden sehr verschieden sein kann.

In diesen Pflegesituationen muss sich der Blick in den Beratungseinsätzen verstärkt auf

die Angehörigen richten: Wie sehen die Nächte aus, wie verhält sich der Pflegebedürftige,

wie der Angehörige bei Stimmungsschwankungen, wie häufig ist es noch möglich, das

Haus zu verlassen, kommen noch Besuche, gibt es Streit und wie wird damit

umgegangen. Wie wirkt sich die Erkrankung auf das Familiengefüge aus? Dies ist nur ein

kleiner Ausschnitt potentieller Problemlagen. Es gilt vielmehr in systematischer Art und

Weise, aktuelle und potentielle Belastungen der Angehörigen zu erfassen (z.B. mit der

Häuslichen Pflegeskala nach Grässel, 2002 oder umfassender über den Pflegekompass

nach Blom, Duijnstee, Schnepp, 1999).

Mit Einführung der Pflegereform zum 01.08.2008 stehen der oben genannten

Versichertengruppe zahlreiche Verbesserungen seitens des SGB XI zu. Nach Einschätzung

des MDK mit dem so genannten PEA Assessment (Personen mit eingeschränkter

Alltagskompetenz) können folgende und andere Leistungen in Anspruch genommen

werden:

� § 45 a/b statt 460 € bis zu 2400€ im Jahr, auch bei Pflegestufe 0 – dies stellt

einen zusätzlichen Betreuungsbetrag dar, der flexibel eingesetzt werden kann

(Tagespflege, Nachtpflege, soziale Betreuung durch amb. Pflegedienste,

niedrigschwellige Betreuungsangebote u.a.)

� § 45 c/d Mehr Geld für die Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen:

Ausbau niederschwelliger Betreuungsangebote insbesondere für demenzerkrankte

Pflegebedürftige (ehrenamtliche, bürgerschaftlich engagierte Personen;

Selbsthilfegruppen, -kontaktstellen, -organisationen), was den betroffenen

Familien zugute kommen soll

� § 36 Abs.1 Poolen von Leistungen durch mehrere Pflegebedürftige: z.B. in einer

Wohngemeinschaft, in einem Haus oder einer Straße

� § 41 Abs.3-6 Kombination Tagespflege mit weiteren Leistungen, wodurch sich der

Gesamtanspruch von 100% auf 150% erhöht

Literaturverzeichnis:

� Blom, M.; Duijnstee, M.; Schnepp, W. (1999): „Wie soll ich das nur aushalten?“: Mit

dem Pflegekompass die Belastung pflegender Angehöriger einschätzen. Verlag Hans

Huber

23


� Grässel, Elmar (2002): Häusliche-Pflege-Skala HPS: „Zur Erfassung der Belastung bei

betreuenden oder pflegenden Personen“. VLESS

� Sozialgesetzbuch (SGB), Elftes Buch (XI), Soziale Pflegeversicherung

Stand: Zuletzt geändert durch Art. 2a G v. 15.12.2008 I 2426

Fachliteratur für die Praxis zu Demenz:

Zeitschrift pflegen: „Demenz“ http://www.pflegen-demenz.de/

Mit pflegen: „Demenz“ erscheint die erste deutschsprachige Pflegezeitschrift, die sich

ausdrücklich der wachsenden Herausforderung bei der Betreuung Demenzerkrankter

widmet. Schon nach den ersten Ausgaben können wir feststellen: Dieses Magazin hat

gefehlt! Das Verhalten von Personen mit Demenz ist für Pflegende eine wachsende

Herausforderung. Gleichzeitig entstehen in der Pflegewissenschaft, in

Qualitätsnetzwerken und der Fortbildung Konzepte und Hilfen für eine verbesserte Praxis.

pflegen: Demenz trägt diese Ansätze systematisch zusammen, bewertet sie objektiv,

pointiert und vor allem praxisorientiert.

Alzheimer-Telefon der Alzheimer Gesellschaft auf Bundesebene:

Telefon: 01803 / 171017 (9 Cent pro Minute)

Alzheimer-Gesellschaft Landesverband NRW:

Landesverband der Alzheimer Gesellschaften Nordrhein-Westfalen e.V.

Bergische Landstraße 2

40629 Düsseldorf

Telefon: 0211 / 24 08 69 10

Telefax: 0211 / 22 08 69 11

E-mail: info@alzheimer-nrw.de

Internet: www.alzheimer-nrw.de

Broschüre BMGS

„Wenn das Gedächtnis nachlässt“. Ein Ratgeber für die häusliche Betreuung

demenzkranker älterer Menschen

Schwerpunkt Pflege - BMG-P-G504 - Oktober 2008

Die Broschüre soll Ihnen Unterstützung im Umgang mit der Krankheit Demenz bieten -

von der Diagnose bis zur Betreuung. Erläutert werden Krankheitsbild und -verlauf. Für

die Angehörigen werden Ratschläge zur Gestaltung des Betreuungsalltags gegeben und

Hilfen durch die Pflegeversicherung genannt.

Anschrift Netzwerk Pflegebegleitung NRW

Marlies Schaefer und Monika Leifels

Haus der Diakonie

Rolandstr. 10

44145 Dortmund

netzwerk.pflegebegleitung-nrw@gmx.de

Das Projekt „Pflegebegleiter“ zielt auf eine Stärkung pflegender Angehöriger und ihre

Vernetzung mit Unterstützern vor Ort, und zwar durch speziell dazu qualifizierte

Freiwillige. Unter dem Motto „Entlastung allein genügt nicht...“ wird davon ausgegangen,

dass pflegende Angehörige nicht nur Freiräume zum Erholen und deshalb nicht nur

Entlastungsangebote brauchen. Sie haben im Rahmen ihrer Sorgetätigkeit schon viele

Kompetenzen erworben. Dennoch sind sie oftmals sehr daran interessiert, die Situation –

auch im Hinblick auf das Zusammenleben der Gesamtfamilie – noch weiter zu verbessern

und auftretende Schwierigkeiten „in den Griff zu bekommen“.

24


Beratungsleitfaden C in häuslichen Pflegesituationen mit

Menschen mit Behinderung (Kinder, Jugendliche, junge

Erwachsene, Erwachsene, Ältere)

Aktuelles Befinden:

� der Familienmitglieder

� des Pflegebedürftigen

Inhalte Situation Beratung

Subjektive Einschätzung:

� Gelingen des Alltags und der Nacht?

� Wer trägt die Verantwortung?

� Wer trifft die Entscheidungen?

� Familie: Wer macht was?

� Umfeld: Wer macht was?

� Empfindung von Belastung?

� Zuversicht, Humor, Mut...

� Gutes für die Seele und den Körper?

Woher kommt die Kraft? Was hilft,

unterstützt bisher?

� Befähigung, Ermöglichung

Aktuelle und zukünftige Bedarfe je

nach Lebensphase:

� Entwicklung hin zu Selbständigkeit?

� Behutsam konkrete Auswirkungen

der Behinderung besprechen:

Kommunikation, Bewegung,

Ernährung, Mundhygiene,

Ausscheidung, vorbeugende

Interventionen zur Vermeidung von

Zweiterkrankungen wie Dekubitus,

Kontraktur, Pneumonie...

� alltagsbezogene Themen wie Nächte,

Freizeit, Sexualität,

Selbstbestimmung, persönliche

Assistenz, Mobilität, persönliches

Budget, Familienplanung etc.

� Bildung, Förderung, Integration,

Schule, Beruf, Wohnmöglichkeiten,

Ruhestand, Werkstatt

Professionelle Unterstützung:

� Praktische Hilfen hinsichtlich der

Beeinträchtigungen

� Einsatz von technischen Hilfsmitteln

� Ärztliche Versorgung

� Angebote für Menschen mit

Behinderung im Kreis Soest

� Hilfen im Notfall bekannt? Was tun

bei akuter Überforderung?

� Sozialrechtliche Leistungen bekannt?

� Wohnformen bekannt?

25


Was sollte sich sofort verbessern,

wenn es möglich wäre?

Begleittext zum Beratungsleitfaden C

Was es als beratende Pflegefachkraft zu berücksichtigen gilt

� Rolle der Familienmitglieder anerkennen: Übernahme von Verantwortung, zwischen

Fürsorge und Loslassen, zuständig für das Wohl des „Kindes“.

� Eltern sind nach der Geburt und in den frühen Kinderjahren damit befasst, ihre

Situation emotional und rational zu verarbeiten, und sie müssen gleichzeitig

Verantwortung übernehmen und Entscheidungen treffen, wie es für ihr Kind weiter

gehen soll.

� Bei einer geistigen Behinderung sind die Anforderungen an die Familien offenbar noch

ausgeprägter als bei einer körperlichen, da es zahlreiche gesellschaftliche Vorurteile

auszuhalten gilt.

� Eltern leben in einer anhaltenden Spanne zwischen Normalität und Sondersituation.

Sie sind gefordert, alles „richtig“ zu machen zum Wohle ihres Kindes.

� Am besten als Pflegefachkraft „frei“ in die Situation gehen – Wissen um

Einzigartigkeit jeder Behinderung und der Familie, und wie sie damit umgeht

� Sich vor Augen führen, mit welchen „Fachdiensten“ die Familien konfrontiert waren,/

sind/sein/ werden: Familienentlastende Dienste, Werkstätten, Ärzte, Sonder-,

Behinderten-, sonstige Pädagogen, Sachbearbeiter, Krankenkassen,

Landschaftsverband, Therapeuten, Pflegekräfte, Versorgungsamt, Arbeitsamt,

Sozialamt, Rentenversicherung, Pflegekassen; ... um nur einige zu nennen.

� Hierbei gibt es die unterschiedlichsten Erfahrungen von tatsächlichem Verständnis

und Unterstützung bis hin zu diskriminierendem Verhalten.

� Sozialrechtliche Leistungen müssen oftmals erstritten werden (auch vor Gericht):

� Begriffe kennen: barrierefrei, persönliches Budget, persönliche Assistenz, Teilhabe,

Integration, Inklusion, Nachteilsausgleich...

� Lebenslanges Ausbalancieren zwischen Fürsorge und Selbständigkeit:

Was erfragt werden sollte

� Was sind aktuelle Problemfelder, wo stehen Entscheidungen an

� Konkrete Pflegethemen: PEG, Essen reichen, Schluckstörungen, Sprachstörungen,

Bewegungsmöglichkeiten, Sehbeeinträchtigungen, Ausscheidungshilfen, klassische

Prophylaxen, Krampfanfälle, Spastiken, Schmerzen, Atemprobleme, Hygiene, ...

� Unterstützung der Familie durch Bekannte, Freunde, Nachbarn

� Finanzielle Situation auch hinsichtlich Rente

� Welche Informationen helfen könnten

� Wo der größte Veränderungs- oder Entwicklungswunsch liegt: Was sollte sofort

verändert, verbessert werden, wenn es möglich wäre

Möglichkeiten der Entlastung und Unterstützung situativ ansprechen

� Leistungen der Pflegeversicherung und andere sozialrechtliche Leistungen

� Hinweise auf Beratungsstellen, Internethilfen, Informationsbroschüren (z.B. BAG:“

Die Rechte behinderter Menschen und ihrer Angehörigen“), Selbsthilfevereinigungen,

niederschwellige Angebote, spezialisierte Anwälte,...

� Es gibt eine Übersicht vom Kreis Soest, einen Wegweiser für Behinderte, damit die

Betroffenen nicht von „Pontius zu Pilatus“ laufen müssen

� Elterngruppen geben gerade in den ersten Jahren Raum, Halt, Verständnis zum

Einleben in die Familiensituation

� Auszeiten für beide Seiten: Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, entlastende Dienste,

Freizeitmaßnahmen, Reiseangebote,...

Zukunftsszenarien eröffnen

� Wohn und Arbeitsformen durchspielen und die weitere Rolle andenken

26


� Wie viel Selbständigkeit wird angestrebt? So normal wie möglich?

� Begleitende Informationen zu pflegerischen Aspekten: technische Möglichkeiten,

Hilfsmittel, präventive Maßnahmen...

� größtmögliche Teilhabe und Normalität in der Balance zu Fürsorge und Versorgung

Erläuterung, Hintergrund zu Beratungsleitfaden C

Beratung in häuslichen Pflegesituationen, wenn die pflegebedürftige Person mit einer

Behinderung lebt.

Familien, in denen ein behindertes Familienmitglied lebt, sehen sich mit zahlreichen

Anforderungen konfrontiert. Neben der emotionalen Bewältigung gilt es, den Umgang mit

Behörden, Kostenträgern, professionellen Fachdiensten zu erlernen und auszuhalten. Die

Familien stehen in der Regel bereits in direktem Kontakt mit Fachpersonal und erhalten

pädagogische, medizinische und teils auch pflegerische Informationen.

Dies setzt sich fort, wenn das behinderte Familienmitglied in die Schule kommt, einer

Arbeitstätigkeit nachgeht, eine Familie gründen will, eine eigene Wohnform zu suchen ist,

später der Wechsel in den Ruhestand ansteht.

Sozialrechtliche Fragen nehmen in den Familien viel Raum ein. Hierfür empfiehlt sich der

Hinweis auf eine Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung, da im Behindertenrecht

eine Vielzahl an Veränderungen erfolgt ist, die eine spezifische Beratungsexpertise

benötigt. Hier gilt es, geeignete Ansprechpartner im Kreis Soest benennen zu können,

damit die Familien nicht von „Pontius zu Pilatus“ laufen müssen. Zur Veranschaulichung

sei ein Auszug aus einer spezialisierten Anwaltskanzlei angeführt:

„Behindertenrecht ist so vielfältig wie das Leben von Menschen mit Behinderungen. Seit

einigen Jahren verändert sich diese Materie, in der es um sozialrechtliche,

verfassungsrechtliche, verwaltungsrechtliche, zivilrechtliche und strafrechtliche Probleme

geht, tiefgreifend. Einerseits hat der Umbau des Sozialstaates gerade hier erhebliche, oft

nachteilige Folgen für die Betroffenen. Die Veränderungen des Bundessozialhilfegesetzes

durch das SGB XII und die Einschränkungen im Leistungsangebot der Krankenkassen

sind nur besonders bekannte Beispiele. Andererseits wandelt sich das Recht an vielen

Punkten von einem Fürsorgerecht, in dem Behinderten selbst als Adressaten von

Behördenentscheidungen nur eine passive Rolle zukommt, zu einem Rechtsgebiet, das

Menschen mit Behinderung auch weitreichende eigene Gestaltungsmöglichkeiten

eröffnet. Das persönliche Budget, wie es das Sozialgesetzbuch IX und das

Sozialgesetzbuch XII vorsehen, ist dafür ein Beispiel. Aber auch die neuen Regelungen

der Gleichstellungsgesetze auf Länder- und Bundesebene oder das Allgemeine

Gleichbehandlungsgesetz, das auch die Benachteiligung von Behinderten verbietet, sind

Teil dieser Entwicklung. Im Behindertenrecht müssen oftmals Sozialleistungen erstritten

werden. Vielfach ist es aber auch wichtig, mit Hilfe des Rechts Barrieren zu beseitigen

und gegen Benachteiligungen vorzugehen. Menschen mit Behinderungen, die eigene

Assistenten beschäftigen, benötigen zum Beispiel Rat, wie sie sich als Arbeitgeber

verhalten sollen. Für Menschen, die in Werkstätten für Behinderte arbeiten, geht es

dagegen um die besonderen Rechte, die sie an ihrem Arbeitsplatz haben.“

(http://www.menschenundrechte.de)

Zahlreiche Selbsthilfeorganisationen bieten Unterstützungs- und Austauschmöglichkeiten,

sie begleiten emotional, rechtlich und halten oftmals ein Expertennetz vor, das bis in den

praktischen Alltag hineinwirken kann. Die Initiativenvielfalt zeigt sich zum Beispiel auch

auf Fachmessen wie der Rehacare, wo für die Selbsthilfevereinigungen eine eigene Halle

vorgehalten wird.

27


Fachliteratur für die Praxis und für Betroffene zu Behinderung:

http://www.familienratgeber.de/

Der Online-Service für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen.

Deutsche Behindertenhilfe - Aktion Mensch e.V.

Heinemannstraße 36, 53175 Bonn

Telefon: (0228) 2092 – 0, Telefax: (0228) 2092 - 333

Internet: www.aktion-mensch.de, E-Mail: info@aktion-mensch.de

http://www.einfach-teilhaben.de/

Einfach teilhaben: Das Webportal für Menschen mit Behinderungen, ihre Angehörigen,

Verwaltungen und Unternehmen

http://www.stiftung-leben-pur.de/

Die Stiftung will die Anliegen von Menschen mit schwersten und mehrfachen

Behinderungen in die wissenschaftlich-fachliche, aber auch in die breite Öffentlichkeit

tragen. Stiftung Leben pur will so die Wahrnehmung und Integration von

schwerstbehinderten Menschen stärken. Betroffene, Angehörige, Betreuer und Fachkräfte

können hier Erfahrungen austauschen und Informationen zu allen Bereichen des

täglichen Lebens mit Schwerstbehinderung erhalten.

http://www.bvkm.de

Bundesverband für Körper- und Mehrfachbehinderte

Zeitschrift DAS BAND

DAS BAND ist die Zeitschrift des Bundesverbandes für Körper- und Mehrfachbehinderte.

In ihrem Selbstverständnis als Mischung aus Elternzeitschrift, Fachorgan,

Diskussionsforum und Betroffenenmagazin greift sie Themen auf, die in der allgemeinen

Diskussion stehen oder für behinderte Menschen von besonderer Bedeutung sind. Sie will

umfassend informieren und auf diese Weise die Kompetenzen von Eltern und

Angehörigen stärken.

HANDICAP ist Deutschlands führendes Informations- und Lifestylemagazin für

mobilitätsbehinderte Menschen.

http://www.lebenshilfe-nrw.de/

Ziel der Lebenshilfe ist die Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung und ihrer

Familien in unserer Gesellschaft. Sie setzt sich dafür ein, dass jeder Mensch mit geistiger

Behinderung so selbstständig wie möglich leben kann, und dass ihm soviel Schutz und

Hilfe zuteil wird, wie er für sich braucht. Maßgebend sind die individuelle Persönlichkeit

und die Bedürfnisse, die sich aus Art und Schwere der Behinderung ergeben.

http://www.kobinet-nachrichten.org/

Hier finden sich von Behinderten für Behinderte aktuelle Nachrichten und Informationen

zum Thema Behinderung und Alter.

http://www.basale-stimulation.de/seiten/BJ.HTM

Publikationen, die sich mit dem Konzept Basale Stimulation und Behinderung befassen

28


Qualitätsstandard: Beratungseinsatz nach § 37.3 SGB XI

Informierende Terminbestätigung

Sehr geehrte Frau ...... / sehr geehrter Herr ......, Datum

vielen Dank für Ihren Auftrag, den Beratungseinsatz nach § 37.3 des Pflegeversicherungsgesetzes

von uns ausführen zu lassen. Wir freuen uns über das

Vertrauen, das Sie uns entgegen bringen.

Für diesen Beratungseinsatz sind in § 37.3 Pflegeversicherungsgesetzes folgende

Ziele beschrieben:

„Die Beratung dient der Sicherung der Qualität der häuslichen Pflege und der

regelmäßigen Hilfestellung und praktischen pflegefachlichen Unterstützung der

häuslich Pflegenden.“

Obwohl es sich um einen vorgeschriebenen „Pflichteinsatz“ handelt, sehen wir

unsere Aufgabe darin, mit Ihnen und Ihren Angehörigen gemeinsam nach

Unterstützungsmöglichkeiten zu suchen. Daher ist es aus unserer Sicht

wünschenswert, dass die anerkannte Pflegeperson bei diesem Gespräch mit

anwesend ist.

Unsere erfahrenen Pflegefachkräfte verfügen über aktuelles Wissen und kennen

die für Sie wichtigen Angebote im Kreis Soest.

In der Anlage erhalten Sie noch einige Informationen zu unserem Pflegedienst.

Wie bereits telefonisch vereinbart, werden wir Sie am … um … Uhr besuchen.

Bis dahin verbleiben wir

mit freundlichen Grüßen

29


Literaturverzeichnis

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Sozialstation 10/1998: 24-27

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Weinberger-Akademie der Arbeiterwohlfahrt: Entwicklung einer lebensweltlichen

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� Buhl, A.: Pflegeberatung kann die Visitenkarte des Pflegedienstes sein. Pflegen

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dienen“. Forum Sozialstation 2/1996: 21

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Machtanspruch von Experten, sich die Pflege zu Hause untertan zu machen. Forum

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Prüfstein für professionelle Pflege. Forum Sozialstation 4/1996: 14-16

� Klie, T.: Der Hausbesuch gemäß § 37 Abs.3 SGB XI und Datenschutz. PflegeRecht

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� Klie, T.: Dilemma von Kontrolle und Beratung bleibt: Pflegepflichteinsätze nach dem

ersten Änderungsgesetz. Forum Sozialstation 12/1996: 28-30

� Klie, T.: 1111 Tage danach: Veränderungen durch die Pflegeversicherung – ein

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um das Verhältnis von Fachpflege zu Laienpflege neu entfacht. Altenpflege 4/1997:

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� Wünsche, H.: Pflegeeinsatz nach § 37.3 Pflegeversicherungsgesetz: Zusammenarbeit

mit pflegebedürftigen Menschen und ihren pflegenden Bezugspersonen. Pflege Aktuell

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Ergänzung:

� Bundesministerium für Gesundheit: Entwurf zur Änderung des Elften

Sozialgesetzbuches durch das Pflegeleistungsergänzungsgesetz; verabschiedet am

30.11.2001, trat in Kraft am 01.01.2002

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Büscher, A. et al. (2008) Qualität und Beratung in der ambulanten Pflege und den

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mit dem Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke (2005-2007)

Emmrich, D.; Hotze, E.; Moers, M. (2006): Beratung in der ambulanten Pflege:

Problemfelder und Lösungsansätze. Kallmeyer bei Friedrich in Velber, Seelze.

Fringer, A.; Büscher, A. (2006): Beratungsbesuche nach § 37 Abs. 3 SGB XI - Empirische

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der Universität Witten-Herdecke.

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zu Bonn am 30. Mai 2008

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