Sitzung/Begehung Holzheizkraftwerk Ilanz - Castrisch

castrisch

Sitzung/Begehung Holzheizkraftwerk Ilanz - Castrisch

SITZUNGSPROTOKOLL

Sitzung/Begehung Holzheizkraftwerk Ilanz

Datum: Dienstag, 7. Dezember 2010

Ort: Ilanz, Repower

Dauer: 08:45 - 11:00 Uhr

Anwesend: Tanja Bischofberger, ARE (TB)

Daniel Güttinger, ANU (DG)

Ueli Eggenberger, AfW (UE)

Armin Tanner, AEV (AT)

Roman Cantieni, AEV (RC)

Oliver Frei, ARE (OF)

Rahel Hohl, Gemeindepräsidentin Castrisch (RH)

Urs Giezendanner, Regiun Surselva (UG)

Anita Mazzetta, WWF (AM)

Jacqueline von Arx, Pro Natura (JA)

Madeleine Grob, Planungsbüro (MaG)

Gery Hafner, Stadtrat, Ilanz (GH)

Franco Hübner, Spitalverband Surselva (FH)

Martin Montalta, Martin Montalta Ilanz (MM)

Marcus Gall, Repower AG, Landquart (MG)

Philipp Mattle, Repower AG, Landquart (PM)

Entschuldigt: Res Cabalzar, ANU

Urban Maissen, AfW

Geht an: Anwesende, Entschuldigte

Protokoll: Philipp Mattle, Repower AG, Landquart (PM)

Traktanden:

Thema Verantw.

1. Begrüssung TB

2. Vorstellung Projekt MM, PM

3. Diskussion, Fragen PM

4. Begehung vor Ort, Fazit MaG, TB, PM

Bemerkungen:

Sitzungsprotokoll_10-12-07_2.doc gedruckt am: 10.12.2010 Seite 1 von 5


PROTOKOLL Was Wer Termin

1 Begrüssung

Tanja Bischofberger begrüsst die Anwesenden, welche sich kurz

selbst vorstellen. Info TB

2 Vorstellung Projekt

Martin Montalta und Philipp Mattle stellen das Projekt kurz vor.

Gemäss der Standortevaluation wird der Standort Ost aufgrund der

möglichen Anbindung der Wäscheria, der kurzen Distanzen für die

Fernwärmeleitungen, sowie des Abstands zur Wohnzone favorisiert.

Für das Holzkraftwerk ist ein Treppenrost mit Holzschnitzelfeuerung,

Thermo-Ölkessel, Rauchgasreinigung und ORC-Modul vorgesehen.

Die genauen Angaben zur vorgesehenen Technik finden sich in

den verteilten Unterlagen. Info PM

3 Diskussion Fragen

Während die Technik und Holzressourcen kaum bewilligungstechnische

Probleme verursachen werden, ist die Umzonung, die Luftschadstoff-Emissionen

und der Ver- und Entsorgungsverkehr genauer

zu untersuchen.

Frau Mazzetta (WWF) erkundigt sich warum soviel Energie des Holzes

nicht genutzt wird.

Bei Holzfeuerungen nach dem neuesten Stand der Technik wird ein

Wirkungsgrad von rund 85% erzielt, was bedeutend höher ist als

noch vor ein paar Jahren. Ein Grossteil der Wärme geht in Form

von latenter Wärme verloren und könnte nur mit einer Kondensation

der Rauchgase genutzt werden. Diese tiefe Energie-Form kann

aber nicht für das ORC-Modul genutzt werden. Es wird geprüft, diese

latente Wärme für die Trocknung des Holzbrennstoffes einzusetzen.

Hier werden jedoch verbrennungstechnische Vorgaben der

Hersteller einzuhalten sein. Es kann aber versichert werden, dass

sowohl die Verluste beim Verbrennen als auch beim Transport so

klein wie möglich gehalten werden, nur schon um die Holzkosten

Anfrage AM

zu minimieren

Frau Mazetta (WWF) möchte wissen, welche weiteren Optionen anstelle

des Spitzenlast Heizölkessels geprüft wurden, wurde Gas

Antwort PM

oder Altöl geprüft? Wie könnte diese Spitze gebrochen werden? Anfrage AM

Die erforderliche Heizlast folgt ziemlich genau der Temperatur der

Aussenluft. Die erforderliche Heizspitze kann somit nur durch eine

tiefere Raumtemperatur in Kälteperioden gebrochen werden, was

jedoch nicht realistisch ist. Als weitere Optionen wurde ein zusätzlicher

Holzkessel geprüft. Aufgrund der hohen Investitionskosten

für eine sehr kurze Nutzperiode (17 Tage pro Jahr) und die hohe

Minimal-Last (30%) eines Holzkessels wurde dies Variante verworfen.

Ein Wärmepumpe ist leider im Winter sehr wenig effizient. In

einer so kleinen Anlage wäre es schwierig Altöl genug sauber zu

verbrennen, weshalb dies Option nicht geprüft wurde. Altöl wird

aber bereits heute zu 100% z.B. in Zementwerken als Ersatzbrenn-

Protokoll: Sitzung/Begehung Holzheizkraftwerk Ilanz Seite 2 von 5


stoffe energetisch genutzt. In Ilanz gibt es zudem keine Gasleitung,

womit Gas per Lastwagen angeliefert werden müsste, was wenig

Sinn machen würde. Wäre ein Gasanschluss vorhanden, würde einem

Gas-Spitzenlastkessel den Vorrang gegeben. Zusätzlich dient

der Heizölkessel auch der Abdeckung des Bedarfs während der Revision

und während möglicher Ausfälle des Hauptkessels. Eine solche

bivalente Anlage ist übrigens weit verbreitet und wird z.B auch

in Nesslau angewendet. Es wird nochmals auf den geringen Anteil

des Heizöls an der gesamten Energiemenge von nur 2% hingewiesen.

Gemäss Herrn Tanner ist dies durchaus Stand der Technik, z.B.

nutzt auch die Kehrrichtverbrennungs-Anlage Heizöl als Stützener-

Antwort PM, MG

gie.

Das ANU (Daniel Güttinger) fordert eine genauere Präsentation der

Standort-Evaluation. Insbesondere erkundigt er sich ob auch Standorte

mit Bahnanschluss oder ein Standort bei der geplanten West-

Anmerkung AT

umfahrung evaluiert wurden.

Eine genauere Präsentation der Standort-Evaluation wird erstellt.

In Bezug auf den Bahnanschluss kann festgehalten werden, dass je

Tag lediglich 1 LKW erforderlich sein wird um den Brennstoff anzutransportieren

und 1 LKW pro Monat für den Ascheabtransport. Das

Altholz wird zur Regiun Surselva sowie zum Recyclinghof Salavras

der Firma MM Aufbereitung+Recycling AG angeliefert und dort zerkleinert.

Das Frischholz wird per LKW aus den Wäldern zu einem

zentralen Punkt transportiert. Das Holz wird aus einer Umgebung

von rund 20 km und aus Seitentälern stammen und könnte somit

ebenfalls nur kurz vor dem Heizkraftwerk auf die Bahn verladen

werden. Bei der Standortwahl darf zudem nicht vergessen werden,

dass ein Standort weit weg von der Wäscheria die Anbindung dieses

Betriebs verunmöglicht und ein Standort weit weg von den Wärmebezügern

die Leitungskosten erheblich verteuert und die Leitungsverluste

erheblich vergrössert. Diese Punkte als auch die genauere

Abwägung der Standortwahl wird dem ANU in Form eines Berichts

Stellungnahme DG

ausführlich aufgezeigt.

Herr Güttinger weist auf die Feinstaubproblematik von Holzfeuerungen

hin und verlangt eine genaue Abklärung insbesondere wie

sich das geplante Werk auf die Luftqualität in Ilanz (Kaltluftsee)

auswirkt. Die Verkehrsbilanz soll hier auch berücksichtigt werden.

Ein Standort im Bereich der Westumfahrung soll überprüft werden,

denn hier könnte die Anbindung an den Verkehr deutlich besser

bewerkstelligt werden. Die Fahrt durch die Stadt zur Belieferung

Antwort PM

des Heizkraftwerks wird vom ANU ebenfalls kritisch beurteilt.

Die Leitungslänge je Variante hat enormen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit,

der Feinstaub-Problematik sind sich die Projektverantwortlichen

bewusst. Dies wird ebenfalls bei der Erstellung des

Stellungnahme DG

Berichts berücksichtigt.

Das ANU (Daniel Güttinger) weist darauf hin, dass die Ascheproblematik

(und Kosten) nicht vergessen werden dürfen und bemerkt,

dass CO2-Einsparungen nicht um jeden Preis, wie erhöhten Emissio-

Anmerkung PM

nen von Feinstaub erkauft werden dürfen. Stellungnahme DG

Die Ascheproblematik ist den Projektentwicklern durchaus bewusst

und wurde in der Kostenrechnung bereits berücksichtigt. Die Asche

wird gemäss dem Stand der Technik korrekt entsorgt werden. Antwort PM

Protokoll: Sitzung/Begehung Holzheizkraftwerk Ilanz Seite 3 von 5


Herr Cantieni (AEV) weist darauf hin, dass die generellen Windverhältnisse

einen Standort im Osten favorisieren würden. Anmerkung RC

Herr Eggenberger (AfW) erkundigt sich, woher das Holz kommt.

Das Altholz stammt von der Firma MM Aufbereitung+Recycling AG

und der Regiun Surselva. Frischholz wird aus einem Umkreis von

rund 20 km von einem Forstunternehmen angeliefert werden. Der

genaue Herkunftsort ist nicht bekannt, dürfte aber aus Wäldern

Anfrage UE

beidseits des Rheins stammen (je nach Holznutzung).

Es wird gefragt, ob damit nicht die Holzlieferung an das Werk in

Domat/Ems gefährdet wird?

Die Holzmengen, welche in Domat/Ems verbrannt werden sind bedeutend

grösser als die Mengen, welche in Ilanz genutzt würden

(knapp 10% des Altholzes, welches bei der Tegra verbrannt wird).

Die Versorgungssicherheit von der Tegra wird nicht gefährdet, viel-

Antwort MM

leicht wird das Einzugsgebiet etwas verschoben.

Es muss jedoch auch darauf hingewiesen werden, dass die Tegra

immer wieder Annahmestopps verhängt und die Lieferungen somit

schwer planbar sind. Ein Abnehmer in der Region wäre somit wün-

Antwort PM

schenswert.

Der WWF fordert eine kantonale Energieplanung in Bezug auf Holz-

Antwort MM

und insbesondere auch Windenergieanlagen.

Diese Forderung ist nicht neu und wird vom ARE zur Kenntnis ge-

Forderung AM

nommen

Gemäss Information des Amtes für Wald ist in der Surselva allein

ein zusätzliches Energieholzpotential aus Frischholz von

30'000 MWh/a vorhanden, mehr als genug für das geplante Kraft-

Antwort TB

werk in Ilanz.

Pro Natura möchte sich versichern, dass diese zusätzliche Nutzung

des Holzes nicht die heutigen Funktionen des Waldes, insbesondere

Antwort PM

das Belassen von Totholz in den Wäldern negativ beeinflusst.

Herr Eggenberger versichert, dass es sich hier um ein kleines lokales

Werk handelt, welches keinen grossen Einfluss auf die Waldnut-

Forderung JA

zung als solche hat.

Das Amt für Wald, auch wenn es die Beanspruchung von Waldfläche

für das Kraftwerk kritisch beurteilt, ist dem Projekt positiv gesinnt,

Antwort UE

weil die nachhaltige Nutzung des Waldes gefördert werden kann.

Herr Tanner (AEV) weist darauf hin, dass bei der Planung nicht vergessen

werden darf, dass neue Gebäude weniger Energie verbrauchen

werden, denn die Vorschriften an neue Gebäude wurden er-

Stellungnahme UE

heblich verstärkt. Anmerkung AT

Das Amt für Energie bestätigt, dass dieses Projekte zur Stärkung

der Nutzung der erneuerbaren Energien unterstützt, insbesondere

soll die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen durch den Einsatz

von einheimischen Energieträgern gefördert werden. Das Amt für

Energie steht dem Projekt positiv gegenüber.

Bei der Standortwahl muss jedoch auch berücksichtigt werden,

dass je km Leitung auch die Verluste durch den Wärmetransport

ansteigen, was für eine rationelle Energienutzung auch zu berücksichtigen

ist. Stellungnahme AT

Protokoll: Sitzung/Begehung Holzheizkraftwerk Ilanz Seite 4 von 5


Weitere Anmerkungen, Vorbehalte oder konstruktive Vorschläge

sind bis am Freitag 10. Dezember an die Repower zuhanden von

Philipp Mattle (philipp.mattle@repower.com) zu senden Entscheid TB

4 Begehung vor Ort, Fazit

Bei der Begehung vor Ort konnten sich die Anwesenden ein Eindruck

über den vorgeschlagenen Standort und die aktuelle Nutzung

verschaffen.

Fazit:

Der von den Initianten favorisierte Standort liegt teilweise in der

Gewerbezone der Firma Coray und teilweise im Waldareal. Im Westen

liegt die Zufahrtstrasse zur Gewerbezone, im Norden die

Hauptstrasse Ilanz-Castrisch (mit Bushaltestelle). Weiter östlich

finden sich im Waldareal und angrenzend daran ein Flachmoor und

ein Bächlein (Grava) welches durch einen Auenwald in einen Weiher

mündet. Diese Bereiche werden vom aktuellen Projekt nicht

tangiert. Der betroffene Waldbereich ist zurzeit teilweise unbestockt

(temporäre Rodung für den Bau der Bushaltestelle an der

Kantonsstrasse).

Die Anwesenden, insbesondere die Vertreter des Amt für Wald, des

WWF und der Pro Natura sind sich einig, dass sich der Standort,

aufgrund der dreiseitigen klaren räumlichen Abgrenzung, grundsätzlich

für ein solches Vorhaben eigenen kann. Weiter wurde festgehalten,

dass eine Ausdehnung östlich über die Verlängerung des

heutigen Gewerbelandes bis zur Strasse nicht zur Debatte stehen

darf, denn dieser Korridor ist einerseits für Fledermäuse wichtig

und soll als Puffer zwischen den Naturschutzgebieten weiter im Osten

und der Gewerbezone unbedingt erhalten bleiben. Für den

WWF ist es wichtig, dass im Gegenzug mit der Anpassung der

Ortsplanung auch der Gewässerraum entlang des Glenners und

nördlich der Kantonsstrasse raumplanerisch gesichert wird. Vorgabe UE, JA, AM

Unter diesen Vorgaben sind die Anwesenden nicht gegen eine Umzonung

für ein Holzkraftwerk. Weitere Diskussionspunkte wie Feinstaubbelastung,

Standortevaluation etc. (siehe oben) müssen unabhängig

davon näher betrachtet werden. Info alle

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