„Sicher leben 1/2011“ Projekt Seetalplatz. - Emch+Berger WSB AG

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„Sicher leben 1/2011“ Projekt Seetalplatz. - Emch+Berger WSB AG

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UMBAU SEETAL-

PLATZ LUZERN

Optimale Sicherheit

dank Safety Audit

POLITIK

Nationalrätin fordert

Helmtragpflicht auf

schnellen E-Bikes

1/2011


Seetalplatz Luzern: Geplanter

Umbau bringt mehr Sicherheit

saFEtY audit bfu-Verkehrsingenieure beurteilen als Sicherheitsauditoren, wie

sich geplante Bauprojekte auf die Sicherheit einer Verkehrsanlage auswirken würden.

Damit geben sie wichtige Hinweise für die weitere Planung. Kantone und Gemeinden

nutzen dieses neue Angebot zunehmend, wie das Beispiel von Luzern zeigt.

Der Seetalplatz von Luzern ist massiv überlastet. Ein kompletter Umbau soll ihn leistungsfähiger und sicherer machen.

Seit etwa 2 Jahren gibt es in der Schweiz

ein neues Instrument für die Unfallprävention:

das Sicherheitsaudit, auch

Safety Audit genannt. Bei diesem Verfahren

werden Ausbau- oder Sanierungsprojekte

von Strassenverkehrsanlagen

systematisch auf Sicherheitsaspekte hin

überprüft und beurteilt. Damit will man

erreichen, dass allfällige Sicherheitsdefizite

bereits in der Phase der Projektierung

zum Vorschein kommen und noch

rechtzeitig korrigiert werden können.

Die bfu hat die Einführung von Sicherheitsaudits

stets befürwortet und stellt

ihr Wissen und ihre Erfahrung auf diesem

Gebiet nun auch in der Praxis zur

Verfügung, indem bfu-Ingenieure der

Abteilung Verkehrstechnik als Auditoren

engagiert werden können. Der

Kanton Luzern hat kürzlich von dieser

Möglichkeit Gebrauch gemacht.

«Das Umbauprojekt Seetalplatz nörd-

lich von Luzern ist das bisher grösste

und komplexeste Audit, das wir durch-

NEtZWErK KANTONE

geführt haben», erzählt bfu-Verkehrsingenieur

Patrick Eberling. «Es umfasst

verschiedene Knoten und Durchfahrten

mit Lichtsignalanlagen. Dazu kommen

viele Bus- und Velo streifen sowie

Fussgängerverbindungen – keine einfache

Sache.»

Notwendig wurde die geplante Umgestaltung

des Platzes, weil die jetzige

Anlage massiv überlastet ist. Gleichzeitig

soll der Umbau auch genutzt werden,

um die Umgebung rund um den

sicher leben 1 / 2011 11


NEtZWErK KANTONE

Kanton: der Auftraggeber

Pierre Burkhart arbeitet in der Abteilung

«Planung Strassen» des Kantons

Luzern und ist als Projektleiter

zuständig für die Auflage und Bewilligung

des Bauvorhabens.

«Die Umgestaltung des Seetalplatzes ist

ein umfassendes Projekt, das vom Kantonsparlament

initiiert wurde. Die Nachfrage

nach Verkehrsfläche für Autos,

Linienbusse und Langsamverkehr hat

dermassen zugenommen, dass eine neue

Lösung gesucht werden muss – die bestehenden

Strassen können nicht einfach

verbreitert werden. Um den Busverkehr

zu fördern und seine Zuverlässigkeit zu

verbessern, erhalten die vielen Buslinien

ein eigenes Trassee, ohne dass der motorisierte

Individualverkehr eingeschränkt

wird. Trotz des engen Korridors ist uns

dieses Kunststück gelungen. Dazu bauen

Seetalplatz städtebaulich zu entwickeln

und besser vor Hochwasser der Kleinen

Emme zu schützen.

«Für die Durchführung des Sicherheitsaudits

haben wir das Projekt in

3 Abschnitte gegliedert, die von je einem

bfu-Ingenieur überprüft wurden»,

sagt Patrick Eberling. «Denn neben

dem eigentlichen Seetalplatz mussten

auch die beiden zuführenden Strecken

– die Ortsdurchfahrten Emmenbrücke

und Reussbühl – auditiert werden. Zu

dritt konnten wir den vom Kanton Luzern

gesetzten Termin einhalten.» Die

Sache eilt, denn der Umbauplan soll im

Herbst 2011 öffentlich aufgelegt werden.

Die 3 Ingenieure fuhren die Strecke

gemeinsam ab und nahmen die

Fahrten auf Video auf. Danach erarbeiteten

sie aufgrund der Projektdokumentation

das Audit. Dieses beinhaltet

2 Teilschritte: Als Erstes werden sicherheitsrelevante

Abweichungen von den

Normen und Richtlinien festgehalten.

Danach wird aufgelistet, welche Sicherheitsgewinne

und -verluste das neue

12 sicher leben 1 / 2011

wir den Seetalplatz komplett um.

Wir betrachten heute den Velo- und

Fussverkehr als gleichberechtigte Partner.

Mit der Umgestaltung soll es auch für sie

eine deutliche Aufwertung geben. Velospezialisten

von Kanton und Stadt Luzern

arbeiten seit Beginn am Projekt mit.

Die Sicherheit – und zwar für alle

Verkehrsteilnehmenden – nehmen wir

sehr ernst. Deshalb haben wir ein Safety

Audit des Vorprojekts bei der bfu in Auftrag

gegeben. Vom Resultat bin ich

beeindruckt; es ist eine seriöse und detaillierte

Auseinandersetzung mit dem gesamten

Verkehrssystem, das recht komplex

ist. Aufgrund der Rückmeldungen

aus dem Mitwirkungsverfahren haben wir

einige Teile der Anlage neu geplant. Nun

geben wir der bfu auch für das detaillierte

Bauprojekt ein Audit in Auftrag.»

Projekt gegenüber dem Ist-Zustand mit

sich bringt.

Die Auditoren der bfu kommen zum

Schluss, dass das vorliegende Projekt

deutlich mehr Sicherheit bringen wird.

Gründe dafür sind insbesondere die

Vereinfachung der Verkehrsbeziehungen

sowie die konsequente Entflechtung

des öffentlichen Verkehrs und des leichten

Zweiradverkehrs vom motorisierten

«die grösste Knacknuss

bei diesem projekt ist die

Veloführung.»

Individualverkehr. Insgesamt wurden

81 Punkte überprüft: 67 Mal resultierte

ein Sicherheitsgewinn, 14 Mal ein Sicherheitsverlust.

Die Verkehrsingenieure der bfu belassen

es aber nicht nur bei der Beurteilung

des Projekts, also des eigentlichen

Audits. Sie geben ihren Auftraggebern

auch Empfehlungen zur Verbesserung

der kritischen Stellen ab. Im Fall des Luzerner

Projekts sind das beispielsweise

Änderungen bei den Radstreifen, Verschiebungen

von Fussgängerstreifen,

das Erstellen oder Verlängern einer Mittelinsel.

«Die grösste Knacknuss bei diesem

Projekt ist die Veloführung», bilanziert

Patrick Eberling, «denn bei so

komplexen Anlagen muss der Veloverkehr

viele Fahrstreifen überqueren und

sich den beschränkten Raum oft mit

dem Bus teilen.»

Was geschieht nach Abschluss des

Audits? Die Auftraggeber sind weder

verpflichtet, die Empfehlungen der bfu

umzusetzen, noch Rechenschaft abzulegen.

Im vorliegenden Fall erhielten

die bfu-Verkehrstechniker aber erfreulicherweise

ein detailliertes Feedback:

Ihre Sicherheitsempfehlungen wurden

praktisch alle ins Projekt integriert. Sie

erhielten auch bereits einen Folgeauftrag:

Sie werden das nun konkret ausgearbeitete

Bauprojekt ebenfalls auditieren

– auf dass der neue Seetalplatz so

sicher wie möglich werde.

Ursula Marti


Ingenieurgemeinschaft: die Projektleitung

Pius Suter arbeitet bei der Emch+

Berger WSB AG und hat als Gesamtleiter

der Ingenieurgemeinschaft

«Epsilon plus» die Federführung für

das ganze Projekt.

«Die Ingenieurgemeinschaft wurde vom

Kanton mit der Erarbeitung des Vor- und

des Bauprojekts bis hin zur Planauflage

und der Projektgenehmigung durch den

Regierungsrat beauftragt. Wir sind ein

ganzes Team, das am Projekt arbeitet,

mit Fachpersonen aus 5 verschiedenen

Ingenieurbüros und einem Architekturbüro.

Denn das Ziel ist ambitiös: den

öffent lichen Verkehr und den Langsamverkehr

zu fördern und gleichzeitig die

Verkehrsanlage leistungsfähiger zu

machen. Hinzu kommen verschiedene

Randbedingungen aus den Projekten

«Hochwasserschutz Kleine Emme» und

«Masterplan Stadtzentrum Luzern Nord».

Der Kanton als Bauherr verlangte ein

Safety Audit. Wir haben das begrüsst,

denn es ist sehr wertvoll, wenn aussenstehende

Fachleute auch noch ein Auge

auf das Projekt werfen. Bis jetzt haben

wir für Safety Audits jeweils mit der bfu

zusammengearbeitet, ihre Fachleute haben

die nötige Erfahrung dafür. Andere

Auditoren gibt es noch gar nicht viele,

auch das Safety Audit selber ist noch wenig

bekannt. Die Zusammen arbeit mit

der bfu ist angenehm und konstruktiv. Es

ist uns gelungen, deren Verbesserungsvorschläge

zu etwa 95 % umzusetzen.

Ich denke, dass wir nun alle wesentlichen

Punkte berücksichtigt haben und bin

überzeugt, dass – auch dank Safety Audit

– eine qualitativ hochstehende Anlage

entsteht.»

bfu: die Auditoren

Patrick Eberling ist stellvertretender

Leiter der Abteilung Verkehrstechnik

der bfu und hat mit zwei weiteren

bfu-Ingenieuren das Safety Audit

durchgeführt.

«Wir wurden von der Ingenieurgemeinschaft

im Auftrag des Kantons Luzern mit

dem Safety Audit beauftragt. Unsere Aufgabe

ist lediglich die Überprüfung der Sicherheit,

an der Planung arbeiten wir nicht

mit. Als unabhängige Fachstelle geben wir

Empfehlungen ab, haben aber keine Entscheidungs-

oder Weisungs befugnis.

Zu Beginn unserer Arbeit nahmen wir

an einem Infoanlass zum Projekt teil, zu

dem auch alle anderen Organisationen

eingeladen waren, die sich am Mitwirkungsverfahren

beteiligten. Etwa 40 bis

50 Leute waren anwesend: Velobeauftragte,

Umweltschützer, Polizei usw. In-

dem die bfu an diesem Anlass dabei war,

konnte man etwas ‹Feuer aus dem Dach

nehmen›. Die Bauherrschaft konnte von

Anfang an darauf hinweisen, dass wir

das Projekt auf die Sicherheit hin überprüfen

würden.

Abgesehen von diesem Anlass und

einigen telefonischen Nachfragen hatten

wir während des Audits wenig Kontakt

mit den Auftraggebern. Wir hatten alle

nötigen Informationen – es ist nicht vorgesehen,

zusammen über den Plänen

zu brüten.

Die Zusammenarbeit empfinden wir

als sehr angenehm. Besonders schätzen

wir die schriftliche Rückmeldung der

Auftraggeber. Das hilft uns, unsere Arbeit

weiter zu optimieren.»

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