Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Diskussion der Untersuchung

TENS im Rahmen einer Neglecttherapie, auch in Kombination mit traditionellen

Behandlungsansätzen wie dem Explorationstraining, zu einer überdauernden

Verbesserung der Neglectsymptomatik führen kann. Insofern behandelt die vorliegende

Studie einen neuen Aspekt, nämlich die Frage, inwiefern TENS nicht nur zu einer

kurzfristigen Verbesserung der Neglectsymptomatik führt, sondern durch einen

repetitiven Einsatz (in Kombination mit einem Explorationstraining) langfristige

Effekte zu erzielen sind. Diese konnten eindeutig dokumentiert werden.

Wie läßt sich der Effekt der TENS-Stimulation erklären?

Bei TENS handelt es sich um einen sensorischen Input, der afferente Nervenfasern

aktiviert. TENS stellt dabei einen propriozeptiven Input für Afferenten mit großem

Durchmesser dar. Der Wirkung einer TENS-Stimulation im kontraläsionalen

posterioren Nackenbereich auf die Neglectsymptomatik zugrundeliegende

Mechanismen werden in der Literatur unterschiedlich diskutiert. So geben Vallar et al.

(1995 b) als mögliche Erklärung eine unspezifische Aktivierung der kontralateralen

rechten Hemisphäre an, da sie ähnliche Effekte wie bei der linksseitigen

Nackenstimulation auch bei einer Stimulation der linken Hand fanden. Die Autoren

schließen aber auch einen spezifischen Effekt im Sinne eines direktionalen Effekts auf

die egozentrischen Koordinaten des extrapersonalen Raums nicht aus. Dies wäre

kompatibel mit neurophysiologischen Studien von Grüsser et al. (1990 a, b).

Vallar et al. (1996) konnten in einer weiteren Studie zeigen, daß eine kontraläsionale

TENS-Stimulation Defizite in der taktilen Wahrnehmung und den visuell-räumlichen

Neglect bei Neglect-Patienten verbesserte, während eine ipsilaterale Stimulation das

Defizit verschlechterte. Als Erklärung nahmen die Autoren an, daß das Treatment über

einen afferenten sensorischen Pfad räumliche Repräsentationen des Körpers moduliert,

welche pathologisch zur Läsionsseite verzerrt sind. Der modulatorische Effekt ist

richtungsspezifisch: die defekte interne Repräsentation der kontraläsionalen Seite wird

teilweise wiederhergestellt und führt damit zu einer Verbesserung der gestörten taktilen

Wahrnehmung oder aber weiter verschlechtert und führt zu einer Verschlechterung des

Defizits.

Die Autoren gingen damit davon aus, daß die Stimulation räumliche Repräsentationen

höherer Ordnung beeinflußt und es sich nicht um eine nonspezifische und generelle

Aktivierung der ungeschädigten Regionen der betroffenen Hemisphäre handelt. Grund

für diese Annahme war, daß die positiven Effekte nur auf den extrapersonalen Neglect

und damit verbundene Störungen begrenzt waren, sich aber nicht auf andere Defizite

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