Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Diskussion der Untersuchung

Insgesamt gibt es zahlreiche Untersuchungen, die einen positiven Effekt einer

optokinetischen Stimulation auf die Neglectsymptomatik bzw. mit Neglect assoziierte

Störungen belegen konnten (vgl. hierzu Kapitel 2.13.6.2).

Bei den existierenden Untersuchungen wurden bisher fast ausschließlich kurzfristige

Effekte untersucht. Nur eine Pilotstudie an drei Patienten (Kerkhoff et al., 2001) hat

sich bisher damit beschäftigt, ob ein wiederholter Einsatz von OKS im Rahmen einer

Neglecttherapie zu einer überdauernden Verbesserung der Neglectsymptomatik führen

kann. Insofern behandelt die vorliegende Studie einen relativ neuen Aspekt, nämlich die

Frage, inwiefern OKS kombiniert mit einem Explorationstraining nicht nur zu einer

kurzfristigen Verbesserung der Neglectsymptomatik führt, sondern durch einen

repetitiven Einsatz langfristige Effekte zu erzielen sind. Diese langfristigen Effekte

konnten in der vorliegenden Untersuchung eindeutig dokumentiert werden.

Wie läßt sich der Effekt der optokinetischen Stimulation erklären?

Eine optokinetische Stimulation findet anhand von visuellen Reizen statt, die sich in

horizontaler Richtung kohärent in eine Richtung bewegen. Ab einer bestimmten

Bewegungsgeschwindigkeit lösen diese einen optokinetischen Nystagmus mit der

langsamen Phase in Bewegungsrichtung aus.

Ein Großteil der bisher veröffentlichten Studien zur Wirksamkeit einer optokinetischen

Stimulation bei Neglect nutzt OKS in einer Geschwindigkeit, die einen optokinetischen

Nystagmus auslöst (vgl. auch hierzu Kap. 2.13.6.2). Als Erklärung für die Effektivität

der OKS wird dabei die Transformationshypothese favorisiert (vgl. Kap. 2.10.3).

Danach wird der optokinetische Reflex als ein visuovestibulärer Mechanismus

angesehen, der zur Generierung eines körperzentrierten Koordinatensystems beiträgt

und damit den systematischen Fehler und die Abweichung des räumlichen

Referenzrahmens durch linksseitige OKS bei den Neglect-Patienten ausgleicht (z.B.

Pizzamiglio et al., 1990; Karnath, 1995a; Vallar et al. 1997). Als mögliche neuronale

Basis betrachten Vallar et al. (1997) eine Aktivierung von Zellen im parieto-insulären

Cortex und im somatosensorischen Cortex über vestibuläre Kerne und die Pulvinar.

Es existieren jedoch auch Studien, die belegen konnten, daß OKS auch dann effektiv ist,

wenn die Bewegung der Reize in einer langsamen Geschwindigkeit stattfindet, die

keinen optokinetischen Nystagmus auslöst (vgl. auch hier Kap. 2.13.6.2)

So konnten z.B. Kerkhoff et al. (1999) in einer Studie zur Auswirkung von visueller

Hintergrundbewegung auf Störungen der Längenwahrnehmung bei Neglect-Patienten

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