Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Diskussion der Untersuchung

gesamten Zeitraumes erhielten die Patienten auch hier zusätzlich

Standardneglecttherapie (visuelles Explorationstraining 3x pro Woche).

Die Autoren konnten dabei einen multimodalen Stimulationscharakter der Methode

nachweisen und langfristige Effekte erzielen. Als Mechanismus nahmen die Autoren an,

daß OKS zahlreiche kortikale (temporoparietaler und vestibulärer Kortex, Insel) und

subkortikale Hirnregionen (Basalganglien) aktiviert, die mit multimodaler sensorischer

Integration befaßt sind. Kerkhoff (2003) diskutiert als mögliche Mechanismen für die

Verbesserungen, daß ein Teil des neuronalen Netzwerks, das durch OKS aktiviert wird,

nicht von der Läsion betroffen ist und durch repetitive OKS aktiviert werden konnte.

Bildgebende Studien stützen die Auffassung, daß nicht geschädigte Regionen im

rechtshemisphärischen kortikalen Netzwerk eine behaviorale Erholung vom Neglect

bewirken (z.B. Pizzamiglio et al., 1998). Als wichtigen Aspekt der Behandlung führt

Kerkhoff (2003) weiter auf, daß die Durchführung langsamer Augenfolgebewegungen

den rechten parieto-temporalen Cortex aktiviert. Die beobachtete Verbesserung könnte

daher aus der Stimulation mit multiplen, sich bewegenden Reizen, der Durchführung

langsamer Augenfolgebewegungen oder aus beiden Komponenten resultieren.

Die hier durchgeführte Kombinationsbehandlung aus Explorationstraining und OKS

könnte dabei einen synergistischen Effekt zwischen OKS, die eine spezifische

Aktivierung nicht von der Läsion betroffener kortikaler und subkortikaler Regionen

hervorruft, und klassischer explorativer Reorientierung, welche das kognitive und

visuelle System aktiviert, bewirken.

Abschließend soll auch hier der Verlauf innerhalb der Therapie kurz beleuchtet werden:

sowohl von Therapiesitzung 1 bis 10 wie auch von Therapiesitzung 11 bis 20 zeigte

sich eine signifikante Verbesserung. Das bedeutet, daß die Therapiedauer nicht kürzer

gewählt werden sollte, da dann wichtige Therapieeffekte, die sich in der zweiten

Behandlungshälfte zeigten, verloren gehen würden. Inwiefern eine noch längere

Therapiedauer weitere Verbesserungen mit sich bringen könnte, kann auch hier

aufgrund der vorliegenden Ergebnisse nicht beurteilt werden.

Zusammenfassend konnte damit bezogen auf die Fragestellung 1 ein Therapieeffekt

der kombinierten Behandlung aus Explorationstraining und optokinetischer Stimulation

(OKS-Gruppe) dokumentiert werden.

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