Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Diskussion der Untersuchung

alltäglichen Lebens ähnelten. Auch hier fand die Therapie allerdings über einen

Zeitraum von 8 Wochen statt.

Im Gegensatz dazu stehen allerdings die Ergebnisse von Wagenaar et al. (1992): Bei

vier von fünf behandelten Patienten zeigte sich ein positiver Effekt eines visuellen

Explorationstrainings auf das visuelle Explorationsverhalten. Dieser Effekt war jedoch

begrenzt auf die Aufgabe, die trainiert wurde. Über die Gruppe zeigte sich keine

Evidenz für einen Transfer der Effekte des visuellen Explorationstrainings auf die

Leistung in weiteren Diagnostikaufgaben bzw. auf das Fahren mit dem Rollstuhl. Damit

zeigte sich kein Transfer des visuellen Explorationstrainings auf ADLs (Activities of

daily living).

Ein Transfer des Explorationstrainings auf alltagsrelevante Leistungen (hier: Lesen und

Schreiben) konnte in der vorliegenden Untersuchung ebenfalls nicht dokumentiert

werden. Der vorhandene Verbesserungstrend, der zudem nicht um Effekte der

Spontanremission bereinigt ist, war nicht signifikant. Einen möglichen Grund für die

fehlenden Effekte stellt gerade auch vor dem Hintergrund der oben erwähnten Studien

die Therapiedauer dar: in der vorliegenden Therapiestudie bekamen die Patienten über

einen Zeitraum von 4 Wochen 20 halbstündige Therapieeinheiten Explorationstraining.

Möglicherweise ist eine längere bzw. intensivere Behandlung mit einem

Explorationstraining notwendig, um therapeutische Effekte auch im Sinne einer

Verbesserung alltagsrelevanter Leistungen zu erzielen. Gerade dies scheint aber vor

dem Hintergrund knapper zeitlicher wie auch therapeutischer Ressourcen im Bereich

der stationären und ambulanten Behandlung problematisch (vgl. auch Kerkhoff, 2003).

Eine alternative Erklärung wäre, daß das Explorationstraining nur eine Verbesserung

der visuellen Exploration in Aufgaben bewirkt, die dem Training ähneln, also

tatsächlich keinen Transfereffekt auf alltagsrelevante Leistungen hat (vgl. auch

Wagenaar et al., 1992).

Zusammenfassend konnte damit bezogen auf die Fragestellung 4 keine signifikante

Verbesserung von Lese- und Schreibleistungen, also kein Transfer der Therapieeffekte

des Explorationstrainings (Kontrollgruppe) auf alltagsrelevante Leistungen

dokumentiert werden.

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