Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Diskussion der Untersuchung

Zwar wird der Patient mit der Aufgabenstellung vertrauter, bearbeitet diese aber

dadurch nicht in dem Sinne besser, daß er mehr auf den vernachlässigten Bereich achtet.

Zusammenfassend sind Retest-Effekte daher für die vorliegende Untersuchung

vernachlässigbar.

5.13.3 Primär sensorische Defizite

Aufgrund der anatomisch engen Nachbarschaft der zerebralen Regionen, deren Läsion

typischerweise zu einer Neglectsymptomatik bzw. zu primären sensorischen Defiziten

führt, treten beide Arten von Störungen häufig gemeinsam auf. Bei einem erheblichen

Teil der Patienten mit Neglect bestehen daher z.B. gleichzeitig hemianopische

Gesichtsfelddefekte (ca. 70% nach Vallar und Perani, 1986).

Eine Gesichtfelduntersuchung zur Differenzierung zwischen Patienten, die nur einen

visuellen Neglect aufweisen, und Patienten, die zusätzlich zum Neglect eine

Hemianopsie aufweisen, erfolgte für die vorliegende Untersuchung nicht.

Grund hierfür ist zum einen, daß in den ersten Wochen nach der Hirnschädigung eine

genaue Untersuchung des Vorliegens bzw. des Anteils einer solchen Basisstörung in der

Regel nicht möglich ist, da der visuelle Neglect die mögliche Hemianopsie überdeckt.

Zum anderen sind standardperimetrische Untersuchungen mit einem konstanten

Fixationspunkt, wie sie in der Regel zur Abklärung einer Hemianopsie eingesetzt

werden, nicht geeignet, da diese ein Disengagement der Aufmerksamkeit vom

Fixationspunkt erfordern, was eine Vernachlässigung linksseitiger Stimuli hervorruft

und nicht auf eine Hemianopsie zurückzuführen ist (vgl. auch Kap. 2.8.3). Weiter sind

Neglect-Patienten häufig nicht in der Lage, einen Punkt über längere Zeit zu fixieren.

Halligan et al. (1990) kamen in einer Studie jedoch zu dem Schluß, daß

Gesichtsfeldausfälle die Stärke des visuellen Neglects nicht beeinflussen und

Alltagsprobleme von Personen mit Gesichtsfeldausfällen und Neglect zumeist identisch

sind.

Auch Rustenbach et al. (2000) kamen in einer Metaanalyse zur Effektivität

experimenteller und rehabilitativer Interventionen bei visuellem Neglect zu dem Schluß,

daß die Behandlungseffizienz bei visuellem Neglect unabhängig vom Bestehen primärer

visueller Defizite ist.

Die fehlende Differenzierung in der vorliegenden Studie erscheint daher nicht kritisch.

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