Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Zusammenfassung

und optokinetische Stimulation (OKS-Gruppe). Die diagnostische Einschätzung der

visuellen Neglectsymptomatik erfolgte zu vier Zeitpunkten, vor der Therapie, innerhalb

der Therapie (nach 10 Therapieeinheiten), nach der Therapie sowie eine Woche nach

Beendigung der Therapie, und zwar anhand von Untertests aus dem Neglect-Test

(NET), dem Untertest Neglect aus der TAP sowie Lesen und Schreiben als

alltagsrelevanten Leistungen.

Die Studie führte zu folgenden Ergebnissen: Es konnte kein Therapieeffekt des

Explorationtrainings (Kontrollgruppe) dokumentiert werden. Auch alltagsrelevante

Leistungen verbesserten sich in der Kontollgruppe nicht. Diskutiert wurde hier als

Ursache vor allem die zu kurze Therapiedauer.

Dagegen konnte ein eindeutiger Therapieeffekt der kombinierten Behandlung aus

Explorationstraining und TENS-Stimulation (TENS-Gruppe) wie auch der

kombinierten Behandlung aus Explorationstraining und optokinetischer Stimulation

(OKS-Gruppe) dokumentiert werden, der in beiden Gruppen auch überdauernd war und

sich auch in den alltagsrelevanten Leistungen zeigte.

Als ein mögliches Erklärungsmodell für den Effekt der TENS-Stimulation wurde eine

Aktivierung der rechten Hemisphäre durch die sensorische Stimulation im Rahmen der

Cerebrale-Balance-Theorien diskutiert, wonach unilateraler visueller Neglect aus einem

Ungleichgewicht der Aktivität in den beiden Hemisphären auf kortikaler oder

subkortikaler Ebene resultiert (Lomber und Payne, 1996; Payne et al., 1996).

Als weiteres mögliches Erklärungsmodell für die Wirkung der TENS-Stimulation

wurde eine Modulation der gestörten Generierung eines egozentrischen

Koordinatensystems (Transformationsansatz) diskutiert. Im Rahmen der

Transformationshypothese wird angenommen, daß die neuronale Transformation der

sensorischen Information in eine egozentrisch-körperbezogenes Koordinatensystem bei

Neglect mit einem systematischem Fehler einhergeht, der zu einer Abweichung des

egozentrischen Referenzsystems zur ipsiläsionalen Seite führt (Karnath, 1994 a, 1997 a;

Ventre et al., 1984).

Als eine mögliche Erklärung für die Effektivität von OKS wurde diskutiert, daß die

nach links gerichtete Hintergrundbewegung die Ausrichtung der Aufmerksamkeit nach

links fazilitiert.

Als weitere alternative kompatible Hypothese wurde diskutiert, daß die Bewegung die

Generierung einer egozentrischen Raumrepräsentation faziliert, indem sie einen

direktionalen visuellen Input zur gestörten Repräsentation liefert.

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