Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

die gleichen Raumbereiche ab und können ihren Blick nur schwer in die kontraläsionale

Raumhälfte richten. Viele Patienten in der Akutphase weisen auch eine nach ipsiläsional

verschobene Augenposition (konjugierte Blickabweichung) im Ruhezustand auf

(Kerkhoff, 2004).

2.6.1.2 Lesen

Huber et al. (1988) führten eine detaillierte Untersuchung des lauten Lesens von Texten

bei linksseitiger Hemianopsie und linksseitigem Hemineglect durch. Die untersuchten

Patienten zeigten trotz unterschiedlicher neuropsychologischer Störungsbilder ähnliche

Such- und Lesestrategien auf. Lange Sakkaden zum linken Rand des Textes traten

weder beim Suchen nach dem Satzanfang noch beim Zeilenwechsel auf. Der Wechsel

von einer Zeile zur anderen erfolgte vielmehr als stereotyp verkürzte Sakkade, die auf

die Mitte der nächsten Zeile gerichtet war. Daran schlossen sich nach links gerichtete

Tastbewegungen an, d.h. Ketten kurzer Sakkaden und langer Fixationen. Der Rest der

Zeile wurde damit solange rückwärts abgetastet, bis ein sprachlich plausibler Anschluß

gefunden wurde, unabhängig vom tatsächlichen Beginn der Zeile.

Die Neglectdyslexie äußert sich nach Karnath und Huber (1992) im folgenden

Erscheinungsbild: Beim Lesen werden Wörter auf der kontralateralen Seite, in der

Regel Zeilenanfänge ausgelassen. Daneben zeigen sich eine Vernachlässigung einzelner

Wortteile, Wortersetzungen sowie Buchstabenauslassungen und -ersetzungen. Oft fallen

auch Probleme beim Zeilensprung auf.

2.6.2 Akustischer Neglect

Ein akustischer Neglect äußert sich darin, daß bei fehlendem primären sensorischen

Defizit aus der linken Raumhälfte kommende Umweltgeräusche, Laute oder Stimmen,

die bei Gesunden eine Orientierungsreaktion der Augen, des Kopfes und des

Oberkörpers zur Schallquelle hin auslösen, nicht beachtet werden oder eine

Orientierungsreaktion zur falschen rechten Seite auslösen (Karnath und Hartje, 1997;

Kerkhoff, 1999, 2004). Eine Richtung der Reaktion von der Tonquelle weg zur anderen

Raumhälfte wird als akustische Allästhesie bezeichnet (Säring, 1988).

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