Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

beidhändigen Aktivitäten kaum den kontraläsionalen Arm einsetzen, den Arm selten für

Schutzreaktionen, z.B. bei einem drohenden Sturz einsetzen, der Arm beim Gehen nicht

mitschwingt und der vernachlässigte Fuß beim Treppensteigen nicht aktiv mitbewegt,

sondern nachgezogen wird (Kerkhoff, 1999). Da die linken Körpergliedmaßen nicht

spontan bewegt werden, kann der Eindruck einer Hemiparese entstehen (Karnath und

Hartje, 1997). Es ist daher bisweilen schwierig, einen motorischen Negelct von einer

schweren Hemiparese bzw. Hemiplegie zu unterscheiden. Ein

Unterscheidungskriterium besteht darin, daß sich bei einer schweren Hemiparese oder

Hemiplegie eine konstante erhebliche motorische Beeinträchtigung findet, während

beim motorischen Neglect im Spontanverhalten immer wieder auffällt, daß der Patient

seine Gliedmaßen für kurze Momente gut bewegen kann. Einen motorischen Neglect zu

erkennen, der eine schwere Hemiparese oder Hemiplegie begleitet, ist dagegen nahezu

unmöglich (Prosiegel, 1991).

2.7 Neglect innerhalb verschiedener Referenzrahmen

Neglectphänomene treten bevorzugt innerhalb von raumbezogenem Verhalten auf.

Dabei existieren jedoch multiple Referenzrahmen, innerhalb von denen

Neglectphänomene auftreten können (Bisiach et al., 1986). Betroffen ist in der Regel

die linke Hälfte des Raumes, was aber als linksseitig definiert wird, ist abhängig von

dem Referenzrahmen, auf den man sich bezieht.

Kerkhoff (2001) unterteilt unter Neglect subsumierte Defizite im Hinblick auf

verschiedene Aspekte der räumlichen Kognition. Dabei unterscheidet er allozentrische,

egozentrische und objektzentrierte Defizite.

Allozentrischer Raum ist definiert durch die räumliche Beziehung zwischen zwei oder

mehr Reizen im dreidimensionalen Raum. Eines der am häufigsten untersuchten

allozentrischen Defizite ist die Linienhalbierung. Hierbei zeigt sich eine Abweichung

zur ipsiläsionalen Seite.

Egozentrische Defizite beziehen sich dagegen auf räumliche Defizite in Bezug zum

Körper oder bestimmten Körperteilen (z.B. die subjektive Einschätzung der taktilen

Körpermitte). Patienten mit Neglect zeigen eine ipsiläsional verschobene subjektive

Mitte. Das visuelle und taktile Suchfeld sind zur ipsiläsionalen Seite verschoben, sogar,

wenn kein externer Reiz vorhanden ist.

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