Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

überein, daß die ipsiläsionale Verschiebung der mittelsagittalen Ebene mit extensiven

rechtsseitigen parietalen Schädigungen einhergeht. Begrenztere parietale Läsionen

können dagegen komplett das allozentrische System verschlechtern, das egozentrische

Netzwerk jedoch aussparen.

Zusammenfassend läßt sich feststellen, daß sich unter Neglect subsumierte Defizite im

Hinblick auf unterschiedliche, oben dargestellte Referenzsysteme unterteilen lassen.

Dabei kann es zu Dissoziationen von Neglectphänomenen in den einzelnen

Referenzrahmen kommen (vgl. auch Kerkhoff, 2004).

2.8 Assoziierte Störungen

2.8.1 Anosognosie

Der Begriff der Anosognosie wurde von Babinski (1914) eingeführt und bezieht sich

auf die fehlende Einsicht (Awareness) in eine Erkrankung des eigenen Körpers, die die

Folge einer Hirnschädigung darstellt (vgl. Poeck, 1989; v. Cramon et al., 1995). Zum

Neglect gehört die Störung der Awareness als Kernmerkmal dazu (Kerkhoff, 1999,

2001, 2004). Anosognosie tritt aber nicht ausschließlich bei Neglect, sondern z.B. auch

bei einer Wernicke-Aphasie oder einer schweren Amnesie auf.

Nach Poeck (1997) beklagen sich Patienten mit Anosognosie nicht über ihren

Funktionsausfall. Auf Befragung geben sie bagatellisierende Antworten oder bewerten

z.B. eine nur halb abgezeichnete Abbildung als vollständig und zeigen sich durchaus

zufrieden mit ihrer Kopie (Müller-Oehring und Schulte, 1998).

2.8.2 Extinktion

Extinktion bezeichnet ein Phänomen, bei dem unter doppelt simultaner Stimulation

(DSS) der linken und rechten Körper- oder Gesichtshälfte ein Reiz im kontraläsionalen

Halbraum nicht mehr beachtet wird, der bei einseitiger Darbietung dort richtig

wahrgenommen wird (Kerkhoff, 1999, 2004).

In der visuellen Modalität äußert sich Extinktion dadurch, daß von zwei visuellen

Reizen oft nur der weiter in der intakten Raumhälfte gelegene Reiz beachtet wird. In der

akustischen Modalität äußert sich dies dadurch, daß der Patient sich bevorzugt zur

Schallquelle in der intakten Raumhälfte wendet, etwa wenn mehrere Personen sprechen.

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