Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

jedoch verschieben sie die Mitte meist in den intakten, ipsiläsionalen Halbraum, also

genau entgegengesetzt zu einem Patienten mit linksseitiger Hemianopsie (Heilman,

et al., 1985). Verschiebt der Patient die Mitte in das ipsiläsionale Halbfeld, so

spricht dies für einen Neglect. Dies schließt jedoch nicht aus, daß zusätzlich eine

Hemianopsie besteht, da beim Vorliegen beider Störungen in der Akutphase der

Neglect ausschlaggebend ist und die Abweichungsrichtung in der Linienhalbierung

determiniert.

• Modulation durch aufmerksamkeitsfördernde Reize (Cueing): Die Ausdehnung

einer Hemianopsie verändert sich in der Regel nicht, wenn der Untersucher den

Patienten bittet, seine hemianope Seite besonders zu beachten. Beim Neglect-

Patienten dagegen führt die explizite Aufforderung, die vernachlässigte Seite so weit

wie möglich abzusuchen, meist zu einer deutlichen Verbesserung der visuellen

Exploration im vernachlässigten Halbraum. Dies kann durch verbale, akustische

oder auffällige optische Reize passieren, die die Aufmerksamkeit in das

vernachlässigte Halbfeld lenken. Solche aufmerksamkeitsrichtenden Reize

verbessern die Neglectsymptomatik allerdings nur für die Zeit ihrer Darbietung. Die

Grenze zwischen vernachlässigtem und intaktem Halbraum verläuft bei Neglect-

Patienten damit fließend im Sinne eines Gradienten und kann durch vielfältige Reize

moduliert werden. Dagegen ist die Grenze zwischen intaktem und blindem

Gesichtsfeldbereich eher eine physikalische Grenze bezüglich der Wahrnehmung

visueller Reize.

• Perimetrische Untersuchungstechniken: Neglect-Patienten fallen in der

perimetrischen Untersuchung dadurch auf, daß sie häufig Probleme haben, die

Fixation über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten, insbesondere, wenn die

Läsion in den dorsolateralen Frontallappen reicht. Dann können Regionen der

frontalen Augenfelder mitgeschädigt sein, so daß den Patienten die Unterdrückung

reflektorischer Sakkaden insbesondere zu bewegten Reizen in der

Gesichtsfeldperipherie schwer fällt (Butter et al., 1988). Demgegenüber können

Patienten mit einer Hemianopsie in der Regel für die Dauer einer Untersuchung gut

fixieren und solche Reflexsakkaden gut unterdrücken. Eine weitere Unterscheidung

ist hier die Auswirkung von Cueing. Bei einer reinen Hemianopsie stellt die

Gesichtsfeldgrenze eine physikalische Grenze dar, die von geringen

Meßwertabweichungen abgesehen immer gleich ausgeprägt ist. Bei Hemianopikern

findet sich ein nahezu identisches Ergebnis, wenn der Untersucher in der kinetischen

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