Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

Es scheint daher unerläßlich und dringend erforderlich, möglichst früh mit einer

fundierten und effektiven Rehabilitation der Neglectsymptomatik anzusetzen. Dies kann

dazu führen, daß in anderen Bereichen eine Rehabilitation günstig beeinflußt, ein

höheres Ausmaß an Lebensqualität erreicht und größtmögliche Selbständigkeit

wiedererlangt werden (Rustenbach et al., 2000).

Eine explizite Bereinigung um Spontanremissionseffekte hat in den bisherigen Studien

nicht stattgefunden. Es ist ethisch jedoch auch nicht zu vertreten, Patienten mit

schwerwiegenden Störungen, wie sie nach Hirnschädigung beobachtet werden,

unbehandelt zu lassen (Wilson, 1993). Hierzu sollte außerdem bedacht werden, daß die

Wirkungsweise neuropsychologischer Rehabilitation sich auch und gerade auf die

Unterstützung und Maximierung von Spontanremission bezieht (Bochmann, 1998), eine

Bereinigung um diesen Faktor also zu einer Unterschätzung der Effektivität

neuropsychologischer Interventionen führen würde (vgl. auch Rustenbach et al., 2000).

2.13 Rehabilitation

Neglect gehört mit zu den am schwersten zu behandelnden Störungsbildern, unter

anderem wegen der fehlenden Awareness der Patienten und der vielfältigen

Begleitstörungen (Kerkhoff, 1999). Ein einschränkender Faktor ist u.a. die häufig

deutlich eingeschränkte Dauerbelastbarkeit, der Patient kann oft nicht länger als 15-20

Minuten beansprucht werden. Zusätzlich sind die Patienten meist durch äußere Reize in

der nicht vernachlässigten Hälfte erhöht ablenkbar. Daneben liegt häufig eine deutliche

Beeinträchtigung selbstgenerierten Verhaltens vor, die eine kontinuierliche

Fremdanregung erfordert (Säring, 1988). Daher weisen Neglectpatienten ein

schlechteres Rehabilitationsergebnis als andere Patientengruppen auf (Paolucci et al.,

1998).

Säring (1988) sowie Prosiegel (1991) nennen als Grundprinzip für den Umgang mit

Neglect sowie für die Neglecttherapie zwei Stichwörter:

• Multimodale Stimulation der betroffenen Raum- und Körperhälfte

• Anregung zur aktiven Exploration der betroffenen Raum- und Körperhälfte

Dies sollte bereits bei pflegerischen Aktivitäten beginnen: Das Bett eines Neglect-

Patienten sollte so stehen, daß interpersonale Aktionen wie auch Interaktionen mit

Objekten auf der betroffenen Seite stattfinden (Heilman, 1979). Alle pflegerischen

Aktivitäten sollten von der betroffenen Seite her erfolgen.

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