Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

brs.ub.ruhr.uni.bochum.de

Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

Viele therapeutische Strategien in der neuropsychologischen Rehabilitation beruhen

darauf, mit dem Patienten Übungen durchzuführen, die eine vermehrte und aktive

Hinwendung der Aufmerksamkeit zur kontraläsionalen Seite verlangen (Karnath,

1997b, 2000).

Für eine differenzierte Neglecttherapie erscheint es darüberhinaus sinnvoll, visuelle von

motorischen Vernachlässigungsphänomenen zu trennen und ein modalitätsspezifisches

Training einzuleiten (Müller-Oehring und Schulte, 1998).

Im folgenden werden Therapieverfahren zur Behandlung des visuellen Neglects

vorgestellt.

2.13.1 Explorationstraining

Das Training des räumlichen Absuchens der extrapersonalen Welt, sogenanntes

Scanning, kann als der älteste und verbreitetste Interventionsansatz angesehen werden.

Ein derartiges Training verbindet kompensatorische Strategien zur Reorientierung der

Aufmerksamkeit in die kontraläsionale Raumhälfte mit behavioralen Interventionen.

Der Vermittlung einer systematischen und geordneten Explorationsstrategie kommt

dabei eine zentrale Rolle zu (Rustenbach et al., 2000). Verschiedene visuelle

Explorationsverfahren werden in vielen Kliniken als Standardverfahren mit dem Ziel

der Verbesserung der Suchstrategien, einer Verminderung der Auslassungen und einer

Steigerung des Suchtempos (Kerkhoff, 2002) durchgeführt.

Im folgenden soll eine Auswahl von Studien zu diesem Behandlungsansatz dargestellt

werden.

Eine der ersten Studien, die sich mit dieser Behandlungsstrategie beschäftigte, war von

Weinberg und Mitarbeitern (1977). Als Trainingsmaterial verwendeten die Autoren

Texte, die am linken Rand mit einer Ankerlinie, d.h. einer vertikalen Markierung

entlang des Textrandes versehen waren. Die Patienten sollten beim Lesen des Textes

mit Hilfe dieser Ankerlinie den Beginn jeder Zeile aufsuchen. Ein weiteres Hilfsmittel

war, daß jede Zeile am Beginn und am Ende mit einer Zeilennummer versehen war.

Durch die Nummerierung sollte ein Überspringen von Zeilen vermieden werden.

Während des Trainings wurden die Hilfen sukzessive reduziert. Ziel war, das gestörte

Explorationsverhalten zu trainieren, indem die Patienten den Kopf und die Augen

vermehrt zur vernachlässigten Seite wenden mußten. Eine Kontrollgruppe erhielt ein

unspezifisches Training. Als Ergebnis zeigten sich signifikante Verbesserungen über

56

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine