Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

Ansicht von Eskes et al. auf aktiven motorischen Output, propriozeptiven Input oder

beides zurückzuführen sein.

Einen verbalen Hinweisreiz kann auch die eindringliche und anhaltende verbale

Instruktion darstellen, sich der zuvor vernachlässigten Seite zuzuwenden und sich auf

die Bearbeitung der dort gestellten Aufgaben zu konzentrieren. Die

Neglectsymptomatik läßt sich so aber nur für kurze Zeit kompensieren. Unmittelbar

nach Beendigung der externen Stimulation stellt sich der pathologische Zustand wieder

ein (Karnath, 2000).

2.13.4 Behandlung des Neglects durch monokulare Abdeckung

Die Abdeckung des ipsilateralen Auges basiert auf der Annahme, daß retinale Einflüsse

auf den Colliculus Superior hauptsächlich durch das kontralaterale Auge moduliert

werden (Posner und Rafal, 1987). Die Abdeckung sollte somit die Einflüsse des linken

Auges auf den linken Colliculus Superior stärken. Diese Aktivierung würde die

Hemmung durch den rechten Colliculus Superior aufheben und dadurch eine stärkere

kontraläsionale Zuwendung der Augenbewegungen und der Aufmerksamkeit bewirken.

Butter und Kirsch (1992) konnten anhand dieser Technik eine Reduktion der

Neglectsymptomatik beobachten, die jedoch nicht überdauernd war.

2.13.5 Behandlung des Neglects durch Fresnel-Prismen

Rossetti et al. (1998) untersuchten die Effekte einer Prismen-Adaptation auf

verschiedene Neglectsymptome. Die Prismen induzierten eine Verschiebung des

visuellen Feldes um 10° nach rechts. Alle Patienten waren bei einer solchen optischen

Verschiebung des visuellen Feldes nach rechts beim Zeigen der Körpermittellinie mit

der Hand sowie in klassischen neuropsychologischen Testverfahren (Linienhalbierung,

Durchstreichaufgaben, Kopieraufgaben) verbessert. Vor der Adaptation war die

subjektive Geradeauslinie bei den Neglect-Patienten nach rechts verschoben, nach der

Adaptation war die pathologische Abweichung deutlich verbessert. Die Verbesserung

dauerte noch mindestens 2 Stunden nach der Entfernung der Prismen an.

Frassinetti et al. (2002) untersuchten weiter, ob diese kurzfristige Verbesserung, die

infolge von Prismenadaptation gefunden wurde, in eine langfristige Verbesserung

überführt werden kann. Als Vorteil der Prismen-Adaptation gaben die Autoren an, daß

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