Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

die Behandlung auf einem Bottom-Up-Mechanismus basiert, welcher keine Awareness

der Schwierigkeiten bei den Patienten erfordert.

Genutzt wurde dabei, daß eine anfänglich bestehende Desorganisation des

visuomotorischen Verhaltens nach der Prismenanbringung durch einen Prozess einer

visuomotorischen Adaptation korrigiert wird. Die kompensatorische Konsequenz dieser

Adaptation ist eine Verschiebung visueller und propriozeptiver Repräsentationen, die

sich in einem typischen visuomotorischen Bias zeigt, dem sogenannten Nacheffekt.

Personen weichen dabei systematisch mit den adaptierten Gliedmaßen in Richtung

entgegen der Verschiebung durch die Prismen ab.

Sieben Patienten mit rechtshemisphärischer Läsion und linksseitigem Neglect wurden 2

mal pro Tag für einen Zeitraum von 2 Wochen mit Prismen behandelt. Die Behandlung

setzte sich zusammen aus Zeigeaufgaben, bei denen die Patienten auf Zielreize an drei

verschiedenen Lokalisationen (links, rechts, Mitte) mit und ohne visuelle Kontrolle

(Hand und Arm nicht verdeckt/ verdeckt) mit dem Finger zeigen sollten. Die Patienten

trugen Prismen, die eine Verschiebung des visuellen Feldes um 10° nach rechts

induzierten. Eine diagnostische Einschätzung fand vor dem Treatment sowie zwei Tage,

eine Woche und fünf Wochen nach der Behandlung anhand verschiedener Neglecttests

statt. Eine Kontrollgruppe aus nicht behandelten Patienten wurden zu denselben

Zeitpunkten untersucht. Als Ergebnis zeigte sich eine Verbesserung infolge der

Prismenadaptation, die sich auch 5 Wochen nach der Behandlungsperiode noch zeigte.

Die Verbesserung zeigte sich in Standardtests wie auch behavioralen Tests (BIT,

Durchstreich-, Leseaufgaben, Raumbeschreibung). Die Kontrollpatienten zeigten

dagegen keine Verbesserung. Die Verbesserung zeigte sich nur bei Patienten, die einen

Adaptationseffekt sowie einen Nacheffekt in der Zeigeaufgabe aufwiesen. Damit zeigte

sich, daß die Prismenadaptation eine produktive Form darstellt, um langandauernde

Verbesserungen in der Neglectbehandlung zu erreichen.

2.13.6 Behandlung des Neglects durch kontraläsionale, sensorische Stimulation

In den letzten Jahren wurden vielversprechende sensorische Stimulationstechniken zur

Manipulation und Reduktion des Neglects entwickelt. Diese Stimulationsformen haben

gemeinsam, daß kontraläsional jeweils ein zusätzlicher afferenter Input gegeben wird.

Die Beobachtung, daß z.B. während vestibulärer, optokinetischer und propriozeptiver

Stimulation der posterioren Halsmuskulatur sowohl die Fehlbestimmung der

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