Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

In einem dritten Experiment zeigte sich, daß eine Stimulation der linken Hand und des

linken Nacken vergleichbare positive Effekte hatte. Die Autoren schlußfolgerten, daß

die Stimulation im linken Nackenbereich oder der linken Hand den linksseitigen

visuellen Neglect möglicherweise durch eine nonspezifische Aktivierung der

kontralateralen rechten Hemisphäre verbessert.

Dennoch ist nach Ansicht der Autoren auch eine Erklärung im Sinne eines spezifischen

Effekts möglich. Dies wäre kompatibel mit neurophysiologischen Studien von Grüsser

et al. (1990 a, b). Die Autoren fanden beim Affen vestibuläre Neuronen im parieto-

insularen vestibulären Cortex, die auch auf somatosensorische Stimulation reagieren.

Diese polymodalen vestibulären Einheiten partizipieren an der Verarbeitung und

Integration verschiedener Inputquellen und tragen zum Aufbau und zur Erneuerung

internaler Repräsentationen des Körpers und der Kopfposition im Raum bei.

In diesem Sinne könnte die somatosensorische Stimulation spezifische direktionale

Effekte auf die egozentrischen Koordinaten des extrapersonalen Raumes haben,

möglicherweise auch zusätzlich zu einer non-spezifischen Aktivierung der rechten

Hemisphäre. Als mögliche neuronale Basis geben die Autoren linkshemisphärische

Einheiten mit bilateralen rezeptiven Feldern an, die durch die linksseitige

somatosensorische Stimulation aktiviert werden.

Vallar et al. (1996) untersuchten in einer weiteren Studie die Effekte von TENS auf

Defizite in der taktilen Wahrnehmung kontralateral zur hemisphärischen Läsion bei

zehn rechtshemisphärisch geschädigten und vier linkshemisphärisch geschädigten

Patienten. Die somatosensorischen Defizite erholten sich vorübergehend und teilweise

nach kontralateraler TENS-Stimulation im Nackenbereich bei allen rechtshemisphärisch

geschädigten Patienten mit und ohne Neglect, bei einem linkshemisphärisch

geschädigten Patienten mit Neglect, jedoch nicht bei Patienten mit linksseitiger

Schädigung ohne Neglect. Neben der defizitären takilen Wahrnehmung verbesserte sich

auch der visuell-räumliche Neglect.

Bei ipsilateraler Stimulation eines rechtshemisphärisch geschädigten Patienten

verschlechterte sich das Defizit.

Als Erklärung gaben die Autoren an, daß das Treatment über einen afferenten

sensorischen Pfad räumliche Repräsentationen des Körpers moduliert, welche

pathologisch zur Läsionsseite verzerrt sind. Der modulatorische Effekt ist

richtungsspezifisch: die defekte interne Repräsentation der kontraläsionalen Seite wird

teilweise wiederhergestellt und führt damit zu einer Verbesserung der gestörten taktilen

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