Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

Die Autoren schlußfolgerten, daß Neglect einen gravierenden Einfluß auf die

Körperstabilisierung entgegen der Schwerekraft hat. Diese Haltungsinstabilität ist durch

eine geeignete somatosensorische Manipulation vorübergehend (für ca. 20 Minuten) zu

beeinflussen. Der Gewinn an Körperstabiliät, der systematisch bei Neglectpatienten,

nicht aber bei Personen ohne Neglect auftrat, legte nach Ansicht der Autoren eine

neglectbezogene Komponente der Haltungsinstabilität nahe.

Insgesamt gibt es damit eine Reihe von Untersuchungen, die einen positiven Effekt von

TENS auf die Neglectsymptomatik bzw. mit Neglect assoziierte Störungen belegen

konnten. Daneben gibt es aber auch vereinzelte Untersuchungen, die keinen Effekt einer

transcutanen Nervenstimulation nachweisen konnten. Inwiefern TENS einen positiven

Effekt auf Neglect hat, wird daher kontrovers diskutiert. Auch zugrundeliegende

Mechanismen werden unterschiedlich diskutiert (z.B. unspezifische Aktivierung vs.

Modulation der gestörten Generierung des egozentrischen Koordinatensystems). Bei

den hier dargestellten Untersuchungen wurden zudem nur kurzfristige Effekte

untersucht. Keine Studie hat sich bisher damit beschäftigt, ob ein wiederholter Einsatz

von TENS im Rahmen einer Neglecttherapie zu einer überdauernden Verbesserung der

Neglectsymptomatik führen kann, wie es bei anderen sensorischen

Stimulationsverfahren bereits vereinzelt untersucht wurde (vgl. Kapitel 2.13.6.2;

2.13.6.4; 2.13.6.5).

2.13.6.2 Optokinetische Stimulation (OKS)

Eine optokinetische Stimulation findet anhand homogener, aus vielen gleichen

Einzelsymbolen bestehender Muster statt, die sich in horizontaler Richtung kohärent in

eine Richtung bewegen. Ab einer bestimmten Bewegungsgeschwindigkeit lösen diese

einen optokinetischen Nystagmus mit der langsamen Phase in Bewegungsrichtung aus.

Pizzamiglio et al. (1990) untersuchten die Auswirkung eines sich bewegenden

Hintergrundmusters auf die Leistung in einer Linienhalbierungsaufgabe bei Patienten

mit rechtshemisphärischer Hirnschädigung mit und ohne Neglect und bei gesunden

Kontrollpersonen. Ziel war es, eine Modifikation der räumlichen Koordinaten bei

gesunden Personen und bei rechtshemisphärisch geschädigten Patienten ohne Neglect

zu induzieren wie auch eine Kompensation des räumlichen Bias bei Neglect

herbeizuführen. Die Reize des Hintergrundmusters bewegten sich horizontal nach rechts

oder links und induzierten einen optokinetischen Nystagmus mit der langsamen Phase

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