Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

Eine unspezifische Stimulation der linken Seite in Form einer Vibration der linken

Handmuskeln führte dagegen zu keinem Effekt. Damit konnten die Autoren zeigen, daß

die durch Vibration erzeugte Entladung, die als Verlängerung der Nackenmuskeln

gedeutet wird, zu einer Remission des visuellen Neglects führt. Als zugrundeliegenden

Mechanismus nahmen die Autoren eine Verschiebung der subjektiven räumlichen

Lokalisation der sagittalen Mittelebene in kontraläsionaler Richtung und eine

korrespondierende Veränderung des egozentrischen Koordinatensystems, das für die

visuomotorische Koordination und die Raumexploration notwendig ist, an.

Eine Studie von Karnath (1994 b), die kalorische Stimulation und

Nackenmuskelvibration kombinierte, wurde bereits im Kapitel 2.13.6.3 dargestellt.

Karnath (1995a) verglich in einer weiteren Studie an 4 Neglect-Patienten die Effekte

von Vibration im linken Nackenbereich, TENS im linken Nackenbereich und einer

Vibration der Handmuskeln der linken Hand. Karnath untersuchte die Leistungen in

einer Durchstreich- und in einer Kopieraufgabe vor, während und nach der Stimulation.

Als Ergebnis zeigte sich bei allen Patienten eine Verbesserung aufgrund der

Nackenmuskelvibration, während TENS und die Vibration der linken Hand nur geringe

oder gar keine Effekte hatten. Das Ergebnis bestätigte nach Ansicht von Karnath, daß

der Effekt der Nackenmuskelvibration nicht als Arousal oder Aktivierung aufgrund

unspezifischer sensorischer Stimulation der kontraläsionalen Seite gewertet werden

kann. Vielmehr bestätigte es seiner Ansicht nach die Annahme, daß der Effekt der

Nackenmuskelvibration durch die vorherrschende Aktivierung von Ia- Nervenfasern

(Muskelspindeln) und ihr spezifisches Mitwirken bei der zentralen Repräsentation des

egozentrischen Raumes induziert wird.

Theoretisch erklärte Karnath die Auswirkungen der Nackenmuskelvibration anhand

seines im Kapitel 2.10.3 erläuterten Ansatzes, wonach Neglect als eine Störung der

Generierung eines körperzentrierten Koordinatensystems verstanden wird. Der

kompensatorische Effekt der Nackenvibration ist damit auf den Einfluß dieser auf die

zentrale Repräsentation des egozentrischen Raumes zurückzuführen.

Karnath et al. (1996) untersuchten den Einfluß von linksseitiger Nackenmuskelvibration

(neben linksgerichteter kalorischer Stimulation, vgl. auch Kap. 2.13.6.3) auf die

Augenbewegungen von gesunden Kontrollpersonen und von drei Neglectpatienten mit

rechtshemisphärischer Schädigung, während diese in kompletter Dunkelheit nach einem

nicht existierenden Stimulus suchten. Bei den Neglect-Patienten zeigte sich ein Bias

nach rechts und eine Begrenzung der ocularen Raumexploration fast ausschließlich auf

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