Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

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Experimentelle Untersuchung zur Wirksamkeit einer kombinierten ...

Theoretische Einführung

Effekte der Nackenvibration, die die Autoren in dieser Studie ebenfalls nachweisen

konnten (vgl. Kapitel 2.13.6.4), führen die Autoren die Reduktion des Neglects durch

die Rumpfdrehung auf eine Verschiebung der subjektiven räumlichen Lokalisation der

sagittalen Mittelebene in kontraläsionaler Richtung und eine korrespondierende

Veränderung des egozentrischen Koordinatensystems zurück.

Schindler und Kerkhoff (1997) untersuchten 5 Patienten mit linksseitigem visuellen

Neglect nach rechtshemisphärischer Schädigung mit einer Linienhalbierungs- und einer

Leseaufgabe unter 5 verschiedenen Bedingungen: Kopf und Rumpf nach geradeaus

gerichtet, Kopf oder Rumpf um 20° nach links gedreht und Kopf oder Rumpf um 20°

nach rechts gedreht. Der Blick war dabei jeweils nach geradeaus gerichtet. 5 Patienten

mit rechtshemisphärischer Läsion ohne Neglect und 5 Normalpersonen dienten als

Kontrollgruppen. Als Ergebnis zeigte sich bei allen Neglectpatienten im Gegensatz zu

der oben beschriebenen Studie von Karnath et al. (1993) sowohl aufgrund einer

linksseitigen Rumpf- wie auch einer Kopfdrehung eine signifikante Reduktion der

Linienhalbierungs- und Lesefehler im Vergleich zu den anderen 3 Bedingungen und den

Kontrollpersonen. Die Autoren interpretierten die Modulation des Neglects durch die

Kopf- oder Rumpfrotation als Bestätigung der Hypothese, daß eine gestörtes

egozentrisches Koordinatensystem zum Neglect führt. Neglect wird damit moduliert

durch Kopf- und Rumpforientierung im Raum. Dies steht in Einklang mit einer

polysensorischen Raumkodierung in kopf- und rumpfzentrierten Koordinatenrahmen im

parietalen und parieto-occipitalen Cortex des Affen. Die Ergebnisse zeigen nach

Ansicht der Autoren, daß bei Neglect-Patienten die Grenze zwischen intaktem und

zerstörtem Halbraum nicht nur durch die internale Repräsentation der Körpermittellinie,

sondern auch durch die Mittellinienebene des Kopfes determiniert wird.

Wiart et al. (1997) untersuchten, inwiefern eine Kombination aus einem herkömmlichen

Explorationstraining und einer Rumpfdrehung während der Durchführung des Trainings

einen effektiven Rehabilitationsansatz darstellt. Die Autoren untersuchten Patienten, bei

denen das Krankheitsereignis vor weniger als drei Monaten stattgefunden hatte sowie

Patienten mit chronischem Neglect (Zeit seit Läsion > 6 Monate). Die Patienten wurden

randomisiert der Experimental- und der Kontrollgruppe zugeordnet. Die

Experimentalgruppe (11 Patienten) erhielt einen Monat lang jeden Tag 1 Stunde lang

ein Explorationstraining mit zusätzlicher Rumpfdrehung, während die Kontrollgruppe

(11 Patienten) an einem herkömmlichen neurorehabilitativen Programm teilnahm

(Ergotherapie etc.), so daß die Therapiedauer gleich war. Eine Einschätzung der

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