Ausgabe 02/2010 - Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg eV

lsr.bw.de

Ausgabe 02/2010 - Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg eV

Informationen vom Landesseniorenrat Baden-Württemberg

Demografi e

Im Ländle

angekommen?

Migration

Zusammen

älter werden

Internet

Digitale

Kompetenz

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Pflege –

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Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

zwischenzeitlich ist der personelle Wechsel im Amt des

Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg

vollzogen. Der Landesseniorenrat bedankt sich bei dem

bisherigen Ministerpräsidenten Günther Oettinger für die

konstruktive, vertrauensvolle und respektvolle Zusammenarbeit.

Die Seniorinnen und Senioren waren nach unseren

Erfahrungen ein anerkannter Faktor in der abgelaufenen

Regierungszeit. Die grundsätzliche politische Haltung „Politik

für Ältere kann nur mit Älteren gestaltet werden“ war

für uns eine gute politische Leitplanke.

Dem neuen Ministerpräsidenten Stefan Mappus wünschen wir eine glückliche

Hand und bieten weiterhin der Landesregierung von Baden-Württemberg eine

gute und konstruktive Zusammenarbeit an. Vor der Regierungsneubildung gab

es im Staatsministerium die von Staatsrätin Prof. Dr. Claudia Hübner wahrgenommene

Stelle „Demografi scher Wandel“; diese ist jetzt entfallen und Prof. Dr.

Hübner ist aus der Regierung ausgeschieden. Für uns als Seniorenvertretung

gibt es jedoch die erfreuliche Mitteilung, dass wir als Senioren künftig im Namen

des Sozialministeriums wie folgt erscheinen: „Ministerium für Arbeit, Sozialordnung,

Familien und Senioren“. Der dokumentierte Stellenwert ist sichtbar,

wobei wir zuversichtlich sind, dass sich dies auch in der praktischen Politik für

die Seniorinnen und Senioren auswirken wird. In der Regierungserklärung des

Ministerpräsidenten Stefan Mappus wird im Übrigen ausgeführt, dass er unter

anderem die Seniorinnen und Senioren von Baden-Württemberg insgesamt mitnehmen

und auf die Erfahrung und Teilhabe der Seniorinnen und Senioren im

Land Baden-Württemberg auch künftig nicht verzichten will. Diese Grundorientierung

begrüßen wir nachhaltig.

Um die demografi schen Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen, braucht

es technischer Hilfen für Menschen, die in der eigenen Häuslichkeit ein selbst

bestimmtes Leben im Alter führen möchten. Solche technischen Hilfen sind in der

Entwicklung und wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass diese Entwicklungen

gefördert und im praktischen Alltag auch angewandt werden können. Deshalb

möchten wir in Baden-Württemberg einen Kongress organisieren, der sich

speziell mit der Thematik „Telemedizin und Telemonitoring für Ältere“ befassen

soll. Dieser Kongress wird voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2011 stattfi

nden. Die notwendigen Vorbereitungen dazu sind bereits angelaufen.

Durch eine beispielhafte Unterstützung der Stadt Friedrichshafen wird es uns in

diesem Jahr wieder möglich sein, einen Landesseniorentag mit einer großen Besucherzahl

durchführen zu können. Für den 14.10.2010 haben wir von der Stadt

Friedrichshafen das Graf Zeppelin Haus zugesagt bekommen. Dem Oberbürgermeister

Andreas Brand und allen Verantwortlichen danken wir bereits heute für

dieses Zeichen der Verbundenheit mit den Seniorinnen und Senioren im Land

Baden-Württemberg.

Ihr

Roland Sing

Einen Augen „blick“, bitte!

Unsere Themen

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Titel

Recht und Gesetz rund um die Pfl ege

KSR Tübingen will Heimbeiräte unterstützen

Startschuss für Pfl egestützpunkte gefallen

Bei Anruf Pfl egeberatung

Stichwort: Pfl egebedürftigkeit

Mehr „Pfl ege“ für die „Internetpfl ege“ –

die Redaktion im Selbstversuch

Bewertungssystem für Pfl egeheime optimieren!

Auf gut Glück: BELA III

Die hausärztliche Versorgung älterer Menschen.

Von Prof. Dr. Hermann Brandenburg

Wir brauchen mehr Pfl egekräfte!

Bericht über Horizonte, das Stuttgarter Pfl egeforum

Vom Gast zum Nachbarn. Interkulturelle Altenhilfe

„Das hätte ich fast vergessen.“ Über Demenz im Lande

Pfl ege engagiert!

Mobilität

Service für Ältere bei der Deutschen Bahn?

Migration

„Altern und Lebensgestaltung“

Internet

Die digitale Kompetenz macht’s

Internet goes Ländle

Tagung

Drei Ruiter Erklärungen

RUBRIKEN

Aktuell

Termine

Blick ins Land

Seniorenfreundliche Hotels

Impressum

2/2010

3


Aktuell

„Demographischer Wandel“ im Ländle

Die „Räte“ und der „Ring“ im Landtag

Aber nicht nur die erste Frage

nach der künftigen Zuständigkeit

ist am 4. März

auch vom „Ständigen Ausschuss“

des Landtags gestellt worden.

Vorrangig wollte dieses Gremium

wissen, was aus den Erkenntnissen

der Enquetekommission geworden

ist und den dazu im Jahre 2006 vom

Parlament beschlossenen Handlungsempfehlungen.

Deshalb hatte

man die drei „Landesräte“ (Frauen-

, Familien- und Seniorenrat) sowie

den „Ring“ (Landesjugendring) zu

einer öffentlichen Anhörung gebeten.

Auch die Kommunalen Landesverbände

der Gemeinden, Städte und

Landkreise waren eingeladen worden.

Damit man der Politik konzentriert

gegenüber treten und auf Wiederholungen

verzichtet, hatten sich

die sowieso stets im Gespräch miteinander

befindlichen Räte und der

Ring im Vorfeld getroffen, eine gemeinsame

Stellungnahme erarbeitet

und schriftlich eingebracht. Deshalb

konnte man sich in der mündlichen

Anhörung jeweils auf einige wenige

Punkte aus der speziellen Sicht beschränken.

Die Generalaussage: Es

ist einiges vorangebracht worden, es

bleibt aber noch viel zu tun.

Selbstbestimmtes

Leben und Teilhabe

Für den LSR stellte Vorsitzender

Roland Sing als allerwichtigsten

Punkt für die Älte-ren heraus: das

selbstbestimmte Leben und die ge-

sellschaftliche Teilhabe für die Senioren.

Zum Beispiel sollten und

müssten auch die Sozialhilfeträger

das „selbstbestimmt“ achten, wenn

es um den Platz im Heim gehe, der

inzwischen teilweise „zugewiesen“

werde. Für manche Parlamentarier

war es auch nicht so klar oder sogar

neu gewesen, als Sing auf die unterschiedlichen

Anforderungen an das

Pflegepersonal in den verschiedenen

Bereichen der Pflege (ambulant, teilstationär

und stationär) hingewiesen

hat. Teilweise lasse sich die Situation

dort nur noch mit Ehrenamtlichen

verbessern bzw. würdig gestalten.

Man dürfe mit Blick auf die Zukunft

und die zunehmende Zahl an Pflegebedürftigen

nicht nur nach mehr

Pflegekräften rufen. Diese müssten

auch von pflegefernen Tätigkeiten

entlastet werden. Dazu gelte es, die

Prozesse in den Pflegeheimen organisatorisch

stark zu verändern. Die

Gesundheitsberufe müssten alle zusammen

eine gemeinsame Arbeitskultur

entwickeln.

Mehr technische Hilfen

Für das selbstbestimmte Leben auch

zu Hause müssten verstärkt technische

Hilfen genutzt werden. Hier

band er auch die Abgeordneten in

seinen Vorstoß beim Lan-desseniorentag

2009 ein, dass man mit einem

Kongress zur Telemedizin und Telemonitoring

neue Wege beschreiten

könnte und sollte. Ausdrücklich bemängelte

er, dass es nun aus Berlin

kein Präventionsgesetz geben werde

und mahnte an, dass man deshalb

auf Landesebene was bewegen müsse.

Mit Blick auf das immer wieder

propagierte lebenslange Lernen informierte

er über die geplante neue

Kampagne „Internet für Ältere“, bei

der auch die Landesregierung unterstützen

sollte.

„Gute Anregungen“ von

Sing und wer ist „zuständig“?

In der abschließenden allgemeinen

Fragerunde für die Abgeordneten

wurde Sing mehrfach Lob dafür gezollt,

wie er die Probleme dargestellt

und neue Weg aufge-zeigt habe.

Breiten Raum nahm jedoch auch die

Frage ein, wer künftig für die ressortübergreifenden

Themen beim

Demographischen Wandel zuständig

ist. Denn diese Querschnitts-Aufgaben

könne ein einzelnes Ministerium

wohl kaum wahrnehmen. Dazu

erklärte Sing, dass sich die Senioren

nun erstmals im Titel des Sozialministeriums

wieder finden. Wie es inhaltlich

ausgefüllt werde, dazu müsse

man wohl die Regierungserklärung

abwarten.

Auch das Thema Pflege

muss gepflegt werden

Weil es von der Politik extra angesprochen

war, wies der Vorsitzende

erneut darauf hin, dass die 50 geplanten

Pflegestützpunkte zu wenige

seien und ihr Aufbau zu lange dauere.

Ein Mangel für ihn sei auch, dass

diese Dienste nicht „ganzheitlich“

beraten könnten, weil die ärztlich

Seite, also deren Fachlichkeit fehle.

Mit den 50 Stützpunkten könne man

der angestrebten Wohnortnähe nicht

entsprechen. Man würde das Verfahren

jedoch akzeptieren, weil es sich

jetzt um die Modellphase handle.

Der Demographische

Wandel ist überall

„angekommen“

Das abschließende Wort von Sozial-

und Seniorenministerin Stolz stellt

klar: Das Thema sei inzwischen überall

im Lande „angekommen“. Nicht

nur bei der Bevölke-rung und den

Verbänden. Auch in sämtlichen Ressorts

der Landesregierung. Des-halb

werde es gelingen, dass die Aufgaben

überall konsequent wahrgenommen

werden. Denn alle seien nun sensibilisiert.

Die Stellungnahme des Landesseniorenrates

ist nachzulesen auf der

Homepage www.lsr-bw.de / Veröffentlichungen

/ Stellungnahmen.

Hans-Jörg Eckardt

Kurz gemeldet!

Senioren waren mit dabei

Mappus verabschiedet Oettinger

Mit einer Feier im voll besetzten Stuttgarter

Opernhaus ist Ex-Ministerpräsident Günther

Oettinger am 21. März offiziell verabschiedet

worden. Mit warmen Worten würdigten sein

Nachfolger Stefan Mappus (CDU), Daimler-Chef

Dieter Zetsche und Ex-Bundesverteidigungsminister

Peter Struck (SPD) die Verdienste des

frischgebackenen EU-Energiekommissars um

Baden-Württemberg.

Die Senioren waren mit dabei. Der Vorsitzende

des LSR Roland Sing hatte eine Einladung erhalten

und war einer der rund 1 000 Gäste aus

Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.

2/2010 2/2010

fai

Wo, wann, was?

Senioren aktiv – Potenziale älterer Menschen in

Betrieben und im Ehrenamt fördern

GRÜNEN-Fachtagung

24. April, 10.30 – 15.30

Stuttgart, Landtag

HotelFuture

Potenziale im demografischen Wandel

Seniorenfreundliche Hotels und Gaststätten

DEHOGA, Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg, LSR

17. Mai, 9.00 – 17.30

Böblingen, Altes Flugfeld

„Dann holen wir halt eine Polin“

Haushaltsnahe Dienstleistungen grenzüberschreitend

aus Osteuropa

Fachtagung

18./19. Juni

Evangelische Akademie Bad Boll

„Mobil im Alter - Gesund und fit“

Liberaler Seniorenkongress

26. Juni, 10.00 – 16.00

Stuttgart, Landtag

„Leben mit Demenz“

Kongress des Sozialministeriums Baden-Württemberg in Kooperation

mit der Alzheimer Gesellschaft und dem Landesseniorenrat

8. September, 9.00 – 17.00

Fellbach, Schwabenlandhalle

Landesgeriatrietag

22. September, 10.00 – 11.00

Ettlingen, Schlossgarten

Landesseniorentag 2010

14. Oktober, 10.00 – 16.00

Friedrichshafen, Graf-Zeppelin-Haus

Mitgliederversammlung des Landesseniorenrates

16. November, 10.00 – 16.00

Schorndorf, Barbara-Künkelin-Halle


Titel

Für die Pfl ege und Betreuung

älterer, pfl egebedürftiger und

behinderter Menschen sowohl

zuhause als auch in Heimen gelten

unterschiedliche gesetzliche Bestimmungen.

Dazu gehört das Heimgesetz,

welches dem Schutz und der

Partizipation der Bewohnerinnen

und Bewohner von Heimen dient.

Mit der Föderalismusreform 2006

ist die Zuständigkeit für die ordnungsrechtlichen

Vorschriften der

Heimgesetzgebung vom Bund auf

die Länder übergegangen. Baden-

Württemberg hat deshalb ein eigenes

Landesheimgesetz erlassen, das

im Juli 2008 in Kraft trat.

Seit Herbst 2009 gilt daneben auch

das Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz

(WBVG) des Bundes, das

Vorgaben für heimvertragliche Regelungen

beinhaltet. Es regelt Ver-

§

Recht und Gesetze rund um die Pfl ege

Landesheimgesetz und Wohn- und Betreuungsvertragsgesetz

träge älterer, pfl egebedürftiger oder

behinderter volljähriger Menschen,

wenn diesen Wohnraum überlassen

wird und Pfl ege- und Betreuungsleistungen

erbracht werden.

Das WBVG trägt dem Verbraucherschutzgedanken

Rechnung unter

anderem durch eine größtmögliche

Transparenz im Leistungsbereich.

So wurden im WBVG beispielsweise

umfassende vorvertragliche Informationspfl

ichten für die „Unternehmer“

- also Anbieter von Wohnraum

und Pfl ege- und Betreuungsleistungen

- normiert.

Da das Landesheimgesetz Baden-

Württemberg ebenfalls heimvertragliche

Regelungen enthält, hat die

Landesregierung beschlossen, diese

aufzuheben und so eine eindeutige

Rechtslage herzustellen. Rückwirkend

gelten nun auch die Regelungen

§

des Wohn- und Betreuungsvertragsgesetzes

für alle Heime im Land. Das

Landesheimgesetz von 2008 wird

derzeit entsprechend geändert.

Auf der Internetseite des Ministeriums

für Arbeit, Sozialordnung,

Familien und Senioren ist unter

„Infomaterial und Downloads“ das

Landesheimgesetz Baden-Württemberg

nachzulesen:

www.sozialministerium-bw.de/de/

Senioren/82096.html.

Heimmitwirkung und

Interessenvertretung –

per Verordnung geregelt

Parallel dazu hat das Sozialministerium

Baden-Württemberg einen

Entwurf einer Heimmitwirkungsverordnung

in das Anhörungsverfahren

gegeben. Der Landesseniorenrat

Baden-Württemberg (LSR) hat dazu

Stellung genommen.

Die Heimmitwirkungsverordnung

regelt die Beteiligung der Bewohnerinnen

und Bewohner u.a. in Pfl egeeinrichtungen

an der Alltags- und

Lebensgestaltung. Sie formuliert die

„Spielregeln“ der Interessenvertretung

in eigener Sache.

Die Mitwirkung ist durch die aktuelle

und auch künftige Situation der Heimbewohnerinnen

und Heimbewohner

erschwert und bedarf immer mehr der

Unterstützung durch bürgerschaftliches

Engagement. Die Mitwirkung

und Mitgestaltung in Pfl egeheimen

kann nur gelingen, wenn dies gewollt

und ermöglicht wird. Dies muss die

Heimmitwirkungsverordnung kräftig

und nachhaltig unterstützen.

Als wählbar in den Heimbeirat sind

auch die örtlichen Seniorenvertretungen

genannt. Der LSR wird

die Seniorenräte bei diesem Engagement

weiterhin begleiten. Die

Heimmitwirkung und die Unterstützung

von Externen im Heimbeirat

sind wichtige Themen des LSR

und der Seniorenräte in Baden-

Württemberg.

Der LSR begrüßt es, dass in der

Verordnung das Ersatzgremium an

Bedeutung gewinnt. In immer mehr

Pflegeeinrichtungen sind Heimbewohnerinnen

und Heimbewohner

nicht mehr in der Lage, Aufgaben

eines Heimbeirates wahrzunehmen.

Hier hat das Ersatzgremium

für die erforderliche Interessenvertretung

große Bedeutung. Seine

Aufwertung unterstützt das Bemühen,

Pflegeeinrichtungen in die

Gemeinden zu öffnen und bürgerschaftliche

Mitverantwortung und

Beteiligung zu ermöglichen.

Nachzulesen ist die Stellungnahme

des LSR hier:

www.lsr-bw.de > Veröffentlichungen

> Stellungnahmen

Kreisseniorenrat Tübingen

will Heimbeiräte unterstützen

Der Vorstand des KSR hat im

Februar den Entwurf einer

Verordnung des Sozialministeriums

über die Mitwirkung der

Heimbewohner in Angelegenheiten

des Heimbetriebs (Landesheimmitwirkungsverordung)

beraten.

Das Heimgesetz des Landes räumt

den in Pfl egeheimen Wohnenden

das Recht auf eine Mitwirkung bei

der Gestaltung ihrer persönlichen

Lebensverhältnisse und eine Interessenvertretung

ein. Die Verordnung

formt dieses Recht aus.

Danach erfolgt die Interessenvertretung

der Heimbewohner durch einen

Heimbeirat. Da wegen hohen Alters,

zunehmender Pfl egebedürftigkeit

und Mehrfacherkrankungen der Bewohner

die Bildung von Heimbeiräten

nicht immer gewährleistet ist,

sieht die Verordnung als Ersatzlösung

ein Ersatzgremium oder - falls

auch dieses nicht zustande kommt

- die Bestellung eines Heimfürsprechers

durch die Aufsichtsbehörde

(im Kreis Tübingen das Landratsamt)

vor.

Der KSR begrüßt die vorgesehenen

Regelungen zur Umsetzung und Sicherung

der Mitwirkungsrechte der

Bewohner. Er betont den großen

Schritt vom einstigen „Insassen einer

Anstalt mit vorgegebener strenger

Hausordnung“ hin zum Heimbewohner

mit gesetzlich garantierten

partizipatorischen Rechten.

Der KSR verkennt nicht die Probleme,

die sich bei der Wahrnehmung

dieser Rechte auf Grund von

altersbedingten Einschränkungen

vieler Bewohner ergeben. Umso

wichtiger ist es deshalb, dass sich

Angehörige oder Vertrauensper-

sonen der Interessen der Heimbewohner

annehmen. Die Verordnung

lässt es jedenfalls zu, dass Personen

aus diesem Kreis für den Heimbeirat

kandidieren und gewählt werden

können. Die Seniorenvertretungen

im Kreis Tübingen sind bereit, sich

dieser Aufgabe zu stellen.

Der KSR sieht in den Beiräten bzw.

auch in Ersatzgremien und Heimfürsprechern

wichtige Mitgaranten

der Heim- und Pfl egequalität. Nicht

zuletzt können durch sie hausinterne

Probleme frühzeitig geklärt und

bereinigt werden. Sie tragen damit

dazu bei, Missstände in einzelnen

Heimen zu vermeiden. Die Leitungen

und die Träger sollten deshalb

schon von sich aus ein großes

Interesse an arbeitsfähigen Beiräten,

Ersatzgremien und Heimfürsprechern

haben.

Allerdings sind Konfl ikte zwischen

ihnen und der Leitung nicht auszuschließen.

Für solche Fälle empfi ehlt

der KSR zur Schlichtung die Einrichtung

einer Ombudsstelle.

Heimbeiräte sind oft mit Fragen und

Problemen befasst, für deren Lösung

Informationen oder ratgebende Unterstützung

von einer externen, unabhängigen

und fach- und sachkundigen

Stelle hilfreich sein können. Die

Verordnung weist hierauf ausdrücklich

hin. Der KSR will die Beiräte bei

ihrer verantwortungsvollen Aufgabe

unterstützen. Er hat hierzu eine Beratungsstelle

mit Sachverständigen aus

der Medizin und Gerontopsychiatrie

sowie dem kaufmännischen und juristischen

Bereich eingerichtet.

Hansjürgen Stiller

(kreisseniorenrat_tuebingen@

t-online.de)

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Der Weg ist frei – 50 Pfl egestützpunkte

nehmen 2010 ihre Arbeit auf

Pfl egestützpunkte bündeln die Beratung zu pfl egerischen, medizinischen und sozialen

Leistungen und deren Vernetzung unter einem Dach – vorerst ein Pfl egestützpunkt pro

Stadt- und Landkreis

Aufgrund der Pfl egereform 2008

richten die Pfl ege- und Krankenkassen

nach § 92c Sozialgesetzbuch

(SGB) XI Pfl egestützpunkte ein,

sofern die zuständige oberste Landesbehörde

dies bestimmt. Somit haben

die Länder das Initiativ- und Entscheidungsrecht,

ob Pfl egestützpunkte im

Land eingeführt werden.

Die Pfl egekassen haben darauf hinzuwirken,

dass sich insbesondere die

nach Landesrecht zu bestimmenden

Stellen für die wohnortnahe Betreuung

im Rahmen der örtlichen Altenhilfe

und für die Gewährung der Hilfe

zur Pfl ege nach dem SGB XII, die im

Land zugelassenen und tätigen Pfl egeeinrichtungen

sowie die im Land

tätigen Unternehmen der privaten

Kranken- und Pfl egeversicherung an

den Pfl egestützpunkten beteiligen.

Die Krankenkassen haben sich an den

Pfl egestützpunkten zu beteiligen.

Das Ministerium für Arbeit, Sozialordnung,

Familien und Senioren

(Sozialministerium) Baden-Württemberg

räumt der Beratung von

Menschen mit Pfl egebedarf und der

Koordinierung passgenauer Hilfen

einen zentralen Stellenwert ein. Die

Pfl egestützpunkte sind hierfür geeignete

und wichtige Instrumente.

Sie können dazu beitragen, dass auf

der örtlichen Ebene die Beratungs-

und Begleitungsstrukturen wirksamer

vernetzt werden. Trotz der Gliederung

des sozialen Hilfesystems kann

den pfl egebedürftigen Menschen somit

Hilfe aus einer Hand ermöglicht

werden.

Da in Baden-Württemberg jedoch bereits

auf kommunaler Ebene vielfach

Institutionen vorhanden sind, wie

z. B. die Informations-, Anlauf- und

Vermittlungsstellen (IAV-Stellen),

die kompetent Beratungs- und Koordinierungsaufgaben

wahrnehmen,

sind nach Auffassung des Sozialministeriums

Baden-Württemberg die

Aufgaben der Beratung der hilfe- und

pfl egebedürftigen Menschen, der Koordinierung

der Hilfen im Einzelfall

und der Koordinierung des regionalen

Versorgungssystems gemeinsam und

gleichberechtigt von Sozialversicherungs-

und Sozialhilfeträgern und

den Kommunen zu gestalten und zu

verantworten, mit dem Ziel, Doppelstrukturen

zu vermeiden.

In den Pfl egestützpunkten sollen die

pfl egerischen, sozialen und umfeldbezogenen

Anfragen, auch im Vor- und

Umfeld der Pfl ege, aufgenommen und

nach Möglichkeit beantwortet werden.

Sie sollen ein von Träger- und Leistungserbringerinteressenunabhängiges,

neutrales wohnortnahes

Beratungsangebot anbieten. Leistungsentscheidungen

werden jedoch

nicht im Pfl egestützpunkt getroffen.

Pfl egestützpunkte werden auch zur

Vernetzung eines Angebotes für hilfesuchende

Menschen beitragen, das

möglichst alle pfl egerischen, sozialen,

hauswirtschaftlichen und niedrigschwelligen

Angebote vor Ort umfasst.

Träger der Pfl egestützpunkte

sind die beteiligten Kosten- und Leistungsträger.

Für die Errichtung von Pfl egestützpunkten

in Baden-Württemberg sind

zwischenzeitlich einige Meilensteine

auf den Weg gebracht.

So haben die Landesverbände der

Pfl ege- und der Krankenkassen sowie

die Kommunalen Landesverbände am

15. Dezember 2008 eine Kooperationsvereinbarung

über die Einrichtung

und den Betrieb von Pfl egestützpunkten

in Baden-Württemberg abgeschlossen.

Diese beinhaltet insbesondere

folgende Punkte:

• Errichtung von 50 funktionsfähigen

Pfl egestützpunkten, zunächst

ein Pfl egestützpunkt je Stadt- und

Landkreis.

Der sukzessive Aufbau eines fl ächendeckenden

Netzes ist nach Abschluss

der wissenschaftlichen Evaluation

möglich.

• Über die Trägerschaft von Pfl egestützpunkten

entscheidet die

Landesarbeitsgemeinschaft (LAG)

Pfl egestützpunkte. Dabei sind vorhandene

kommunale Beratungs-

und Betreuungsangebote vorrangig

zu berücksichtigen.

• Die Gründung der LAG Pfl egestützpunkte

erfolgt in der Rechtsform

eines eingetragenen Vereins.

Gründungsmitglieder sind die Landesverbände

der Pfl ege- und Krankenkassen

und die Kommunalen

Landesverbände. Das Sozialministerium

Baden-Württemberg arbeitet

beratend und moderierend in

der LAG Pfl egestützpunkte mit. Es

besteht das Angebot an die Verbände

der Leistungserbringer und der

Verbände der von Pfl egebedürftigkeit

Betroffenen in der LAG Pfl egestützpunkte

mitzuwirken.

• Die Dauerfi nanzierung des Pfl egestützpunktes

wird mit 80 000 Euro

(1/3 Pfl egekassen, 1/3 Krankenkassen

und 1/3 kommunale Seite) veranschlagt.

Die LAG Pfl egestützpunkte ist zwischenzeitlich

im Vereinsregister eingetragen.

Sie hat sich landesweit gültige

und einheitliche Vorgaben zur

personellen und sächlichen Ausstattung

der Pfl egestützpunkte gegeben.

Ferner wurde von der LAG Pfl egestützpunkte

e.V. eine Prüfungscheckliste

erarbeitet, die den Verhandlungspartnern

„vor Ort“ Hinweise zur

Erstellung der Konzeption und des

Stützpunktvertrages geben.

Die LAG Pfl egestützpunkte e.V. wird in

einer der nächsten Mitgliederversammlungen

über die vorliegenden Anträge

von Verbänden der Leistungserbringer

und der Verbände der von Pfl egebedürftigkeit

Betroffenen auf Mitwirkung

bzw. Aufnahme in der LAG Pfl egestützpunkte

e.V. beraten. Der Landesseniorenrat

hat bereits frühzeitig seine Mitwirkung

in der LAG Pfl egestützpunkte

e.V. angeboten.

Die vom Sozialministerium Baden-

Württemberg noch formal zu veröffentlichende

Allgemeinverfügung

gemäß § 92c SGB XI zur Einrichtung

von Pfl egestützpunkten (Ausübung

des Entscheidungsrechts) wurde auf

den Weg gebracht.

Nachdem nunmehr der Weg bereitet

ist, die Pfl egestützpunkte in Baden-

Württemberg zu errichten, werden „vor

Ort“ mit Hochdruck die Konzeptionen

und Stützpunktverträge erarbeitet.

Es liegen der LAG Pfl egestützpunkte

e.V., die letztlich über die Trägerschaft

entscheidet, bereits zehn Anträge auf

Errichtung eines Pfl egestützpunktes

vor. Der Vorstand der LAG Pfl egestützpunkte

e.V. hat in seiner Sitzung am 1.

Februar 2010 im Grundsatz den Anträgen

der Landkreise Rottweil, Bodenseekreis,

Ostalbkreis, Enzkreis, Karlsruhe

und Schwarzwald-Baar-Kreis sowie der

Stadt Ulm zugestimmt. Dort werden

die Pfl egestützpunkte in den nächsten

Monaten in Betrieb gehen. Weitere

Stadt- und Landkreise werden folgen.

Nachdem mit der Errichtung von

Pfl egestützpunkten neue Pfl egeberatungsangebote

geschaffen werden und

folglich keine Erfahrungswerte vorliegen

können, in welchem Umfang die

Pfl egestützpunkte in Anspruch genommen

und die Errichtung von Pfl egestützpunkten

in einem „lernenden

System“ vollzogen werden, haben sich

die Landesverbände der Pfl ege- und

Krankenkassen und die Kommunalen

Landesverbände auf 50 Pfl egestützpunkte,

zunächst ein Pfl egestützpunkt

je Stadt- und Landkreis, verständigt.

Die Frage einer Weiterentwicklung

der Pfl egestützpunkte hin zu einem

sukzessiven Aufbau eines fl ächendeckenden

Netzes wird nach Abschluss

der vorgesehenen wissenschaftlichen

Evaluation zu beantworten sein.

8 2/2010 2/2010 9

Peter

Schmeiduch

Mitarbeiter im

Referat „Pfl ege

und Altenhilfe,

Pfl egeversicherung“

des

M i n i s t e r i u m s

für Arbeit, Soz

i a l o r d n u n g ,

Familien und

Senioren Baden-

Württemberg


Titel

Bei Anruf Pfl egeberatung

Private Pfl egekasse „COMPASS“ will auch

den „Gesetzlichen“ die richtigen Wege zur

Pfl ege zeigen

Mit dem Slogan „Einfach.

Immer.Näher.“ haben die

privaten Pfl egekassen ihre

hundertprozentige Tochter „COM-

PASS“ gegründet. Im Südwesten ist

sie derzeit mit 18 Pfl egeberaterinnen

und zwei Beratern tätig. Wer die

bundesweit gebührenfreie Servicenummer

08 00 – 10 18 00 anruft,

wird soweit wie möglich am Telefon

beraten und bekommt auf Wunsch

eine Pfl egeberatung in seiner Region

vermittelt. Diese „aufsuchende“

Beratung reicht vom einmaligen

Gespräch bis zu einer umfassenden

Begleitung der Anfragenden. Die Beratungskräfte

kommen nach Hause,

ins Krankenhaus oder in eine Pfl ege-

oder Rehabilitationseinrichtung.

Innerhalb von 24 Stunden melden

sich die Pfl egeberater in der Region

bei den Ratsuchenden zur Terminvereinbarung.

Das ist das Serviceversprechen

von COMPASS.

Stichwort: Pfl egebedürftigkeit

Unterschiedliche Vorstellungen von Bundesregierung,

Deutscher Pfl egeverband und LSR

Im Koalitionsvertrag von CDU,

CSU und FDP steht: „Die Pfl ege

muss sich noch mehr an den

Bedürfnissen der Pfl egebedürftigen

orientieren. Wir wollen eine neue,

differenziertere Defi nition der Pfl e-

Alle dürfen anrufen!

Erfreut hat man beim „im blick“

registriert, dass nicht nur die zehn

Prozent der Privatversicherten aus

der Bevölkerung anrufen können.

Die telefonische Pfl egeberatung von

„COMPASS“ steht allen Ratsuchenden

offen. Bei den persönlichen Besuchen

und Gesprächen ist es für

„COMPASS“ wichtig und vorrangig,

wie das Netzwerk vor Ort aktiviert

und in den „Fall“ einbezogen werden

kann.

Seniorenräte als Partner!?

Damit man bei Arbeiten und dem

Bemühen um Netzwerke, die genutzt

werden können, noch besser

und erfolgreicher wird, hatte Heike

Schönthal, Teamleiterin des Regionalbüros

Stuttgart, auch mit Geschäftsführerin

Birgit Faigle vom

Landesseniorenrat gesprochen. Kontakte

zu und mit den Kreis-, Stadt-

gebedürftigkeit. Damit schaffen wir

mehr Leistungsgerechtigkeit in der

Pfl egeversicherung. Es liegen bereits

gute Ansätze vor, die Pfl egebedürftigkeit

so neu zu klassifi zieren, dass

nicht nur körperliche Beeinträchti-

und Ortsseniorenräten könnten und

sollten zusätzliches Wissen eröffnen

und ein ersprießliches Miteinander

ermöglichen. Für den Landesseniorenrat

ist es sicherlich wichtig, dass

„COMPASS“ sich auch konzeptionell

in das Thema „Pfl ege“ einbringen

möchte. Die „aufsuchende“ Beratung

könnte vielleicht oder möglichst,

oder sogar hoffentlich, Denkanstöße

für die neuen Pfl egestützpunkte im

Ländle geben.

Hans-Jörg Eckardt

gungen, sondern auch anderweitiger

Betreuungsbedarf (z. B. aufgrund

von Demenz) berücksichtigt werden

können. Wir werden die Auswirkungen

dieser Ansätze auf die Gestaltung

der Pfl egeversicherung und

auch die Zusammenhänge mit anderen

Leistungssystemen überprüfen.

Spiegelbildlich zu der besseren Abbildung

des Leistungsbedarfes müssen

Wohn- und Betreuungsformen

zur Verfügung stehen, die an den Bedürfnissen

der Pfl egebedürftigen orientiert

sind, wie z. B. Wohngemeinschaften

für Demenzkranke. Unser

Ziel ist eine ergebnisorientierte und

an den Bedürfnissen der Menschen

orientierte, selbstbestimmte

Pfl ege.

Eine interministerielleArbeitsgruppe

wird dazu

zeitnah einen

Vorschlag ausarbeiten.“

Die Umstellung

auf einen neuen

Pflegebedürftigkeitsbegriff

wird

kommen. Das

kündigte der pfl egepolitischeSprecher

der CDU/

CSU-Bundestagsfraktion,

Willi

Zylajew, auf dem

Kongress Pfl ege

2010 in Berlin an.

Was meint

die Praxis?

Auf eine rasche

Umsetzung drängt

Rolf Höfert, Geschäftsführer

des

Deutschen Pfl egeverbands

(DPV)

e.V. „Solange der

neue Pfl egebegriff

nicht gesetzlich implementiert

ist, gleicht die Situation einem Schiff

mit aufgeblähten Segeln, dessen Kiel

morsch ist.“ Den bisherigen Pfl egebedürftigkeitsbegriff

kritisierte der Pfl egerechtsexperte

als zu verrichtungsbezogen

und somatisch ausgerichtet.

„Wir müssen endlich weg von der Minutenpfl

ege.“

Der noch von der Vorgängerregierung

eingesetzte Beirat zur Überprüfung

des geltenden Pfl egebegriffs

empfi ehlt in seinem Gutachten, die

bisherigen drei Stufen auf fünf Bedarfsgrade

zu erweitern, um den

komplexen Pfl egebedarf genauer abzubilden.

Ein neues Begutachtungsverfahren

soll nicht nur die körperlichen,

sondern auch die kognitiven

und kommunikativen Fähigkeiten

des Menschen einschätzen. Damit

möchte man vor allem den vielen

Demenzkranken gerecht werden.

Was erwartet der LSR?

Mit den Vorschlägen des vom Bundesministerium

für Gesundheit eingesetzten

Beirates liegen konkrete

Vorschläge auf dem Tisch, wie Men-

schen mit Demenz besser berücksichtigt

und der Zugang zu Leistungen

durch die Schaffung eines neuen Bedarfsgrads

erleichtert werden kann.

Die Verbesserung für Demenzkranke

ist nicht zum Nulltarif zu haben. Eine

auch nur annähernd kostenneutrale

Umsetzung führt entweder zu neuen

Benachteiligungen für Menschen mit

körperlichen Einschränkungen oder

die Leistungen der Pfl egekassen an

die Pfl egebedürftigen selbst werden

reduziert und diese müssen die dann

noch höheren Pfl egekosten selbst

zahlen. Dies ist jedoch inakzeptabel.

Entscheidend ist für den LSR: Niemand

darf durch die Reform des

Pfl egebedürftigkeitsbegriffs schlechter

gestellt werden. fai

10 2/2010 2/2010 11


Titel

Mehr „Pflege“ für die „Internetpflege“?

Auch durch Kommunen, Verbände und Seniorenräte? Ein Selbstversuch der Redaktion

Die Suche nach einem Pflegeplatz

mit Hilfe des Internets

bringt unterschiedliche Ergebnisse.

Vielleicht bekommen Internetfreaks

schneller aussagekräftigere

Informationen als der Autor.

Jedoch: Die Personen, die akut oder

demnächst auf der Suche nach Informationen

sind für einen Heimplatz,

für ambulante Pflege oder Hilfe zu

Hause, das dürften ebenfalls nicht

immer PC-Fans sein.

Vorab gleich ein kurzes Fazit:

Rund um das Thema Pflege bietet

das Internet eine Fülle wichtiger Informationen,

teilweise hervorragend

und umfassend. Bei der Suche nach

einem Heimplatz, ambulanter Pflege

oder einer Tagespflege gibt es große

Unterschiede und deshalb wohl noch

viel zu tun. Vielleicht (hoffentlich)

wird alles besser, wenn Pflegestütz-

punkte vorhanden sind. Orientieren

im eigenen Bemühen um die richtige

Information und die Hilfe kann man

sich an einigen Diensten und Angeboten.

Vieles dürfte dem

Verfasser bei seinem „Ausflug“

in die mediale Pflegewelt

entgangen sein. Es

sollte jedoch nur „hineingeschnuppert“

werden.

Auf die Plätze,

fertig, los!

Wie beginne ich meine Suche

nach dem Pflegeplatz?

Hier finden die Profis sicher

schon bei der (hauptsächlichen)

Google-Suche

andere und bessere Infos

als der Autor. Jedoch nicht

alle Suchenden wissen, dass es beispielsweise

den „aok-pflegeheimnavigator.de“

und den „pflegelotse.

www.pflege-shv.de

de“ (Verband der Ersatzkassen)

gibt. Woher auch, wenn der Pflegefall

ganz überraschend ansteht oder

gerade eingetreten ist. Beide Webseiten

sind hilfreich und bieten gute

Infos und Broschüren. Bei der AOK

wurde der eigene Wohnort Schwaikheim

eingegeben und schon kam die

Information, dass man jetzt unter

12 623 Pflegeheimen wählen könne,

um das Richtige zu finden. Als erstes

wurde das heimische „Haus Elim“

angezeigt. Weitere Klicks brachten

eine Fülle an Informationen und haben

sogar den Kontakt zur „Interessensvertretung

der Heimbewohner“

eröffnet. Es sind die Pflegesätze, die

Zuzahlung, aber auch viele andere

Informationen hinterlegt, bis zu den

religiösen Angeboten im Heim, dem

Qualitätsmanagement oder dem

Gespräch beim Einzug mit Biografiearbeit.

Für die Aktualität zeugen

die Hinweise, wann diese Seite vom

Heim zuletzt aktualisiert worden

ist. Man ist aber nicht nur auf das

Heim am Ort angewiesen, sondern

kann sich die Möglichkeiten in fünf,

zehn oder fünfzig Kilometer Umkreis

aufrufen. Allerdings: Es ist recht unterschiedlich,

was die Heime hier

einstellen. Und das spricht dann für

oder gegen die Anbieter.

Gute und gutes „Lotsen“

(auch bei den Ersatzkassen)

Beim „Pflegelotse.de“ wird zuerst

angeboten, die individuelle Versorgungsform

zu finden (ob ambulant,

stationär, Tagespflege, Nachtpfle-

ge oder Kurzzeitpflege). Wenn die

Heime vom MdK (Medizinischen

Dienst der Krankenkassen) bereits

bewertet sind, erhält man auch dazu

Informationen, sogar wie viele Bewohner

für das Urteil befragt worden

sind. Automatisch gibt es Infos zur

Frage: Wie weit sind die Pflegeheime

vom Heimatort entfernt? Und man

kann sich Listen der Heime ausdrucken

lassen. Es ist der Vergleich zwischen

drei Heimen möglich.

„Pflegeselbsthilfeverband“

sucht

wohl vorrangig noch Heime, die sich

bei ihm zertifizieren lassen. Da gibt

es bisher aber offensichtlich nur

wenige. Zumindest hat sich bei der

Eingabe „Pflegeheime Rems-Murr-

Kreis“ im Dienst von „pflege-shv.de“

kein zertifiziertes offenbart. Beim

Knopf „Freie Pflegeplätze“ heißt es:

„Vielleicht treffen Sie hier auf die

beste Einrichtung Ihres Lebens.“ Das

klingt recht vollmundig und für die

„wohl letzte Station im Leben“ nicht

ganz passend. Bei allem Bemühen,

nun ein Heim zu finden, gibt es bei

nur sieben zertifizierten Häusern

eines bei Wiesbaden. Beim „Ratgeber

für Heimplatzsuche“ wird lediglich

über eine Veranstaltung vom 27.

April 2006 informiert.

Im „heimverzeichnis.de“ von „biva.

de“ (Bundesverband der Nutzerinnen

und Nutzer vom Wohn- und

Betreuungsplätzen im Alter

und bei Behinderten) sind

die Ergebnisse ebenfalls

„mager“. Beim Haus Elim

in Schwaikheim finden sich

lediglich die Adresse und

der Hinweis auf die Mappe

„Strukturdaten“ (in der jedoch

nichts enthalten ist).

(Nur einige) Landkreise

und Städte

vorbildlich

Sind dabei die

„Räte“ gefordert?

Wider Erwarten gab es gute

Erkenntnisse bei den „Öffentlichen

Diensten“: Der Pflegeführer Ostalbkreis

(www.ostalbkreis.de/pflege)

vom Landratsamt in Aalen offerierte

vieles zur Pflege und Gesundheitsangebote.

Auf

der Kreiskarte sind die

„Pflege-Orte“ markiert.

Klickt man die Übersicht

dazu an, werden die

Heime sichtbar und beim

Klick darauf viele Einzelinfos,

die Ansprechpartner

sowie die Pflegesätze.

In Karlsruhe klappte

es mit der angegebenen

Web-Seite „karlsruhe.

de/fb4/personengruppen/senioren/wegweiser/pflege/pflegeheimplatz.de“

auf Anhieb. Beim Knopf

„oft gefragt“ gibt es Rubriken auch

zur „Unterstützung zu Hause“ oder

die „Freien Pflegeplätze“. Und dabei

ist jeweils vermerkt, von wann dieser

Zusatzeintrag stammt (und damit

wird klarer, ob dort wohl noch

Plätze frei sein dürften). Sogar zu

Wohnpartnerschaften zwischen Äl-

teren und Studierenden lässt sich

manches nachlesen.

Heime in Heilbronn (meist

auf dem Stand April 2008)

Auch im Stadt- und Landkreis

Heilbronn kann man sich gut informieren

(„landkreis-heilbronn.

de/lra/service/info/pflege/pflegeh.

php?n1=3&n2=19&n3=148&bf=“)

und erfährt u.a., ob eigene Möbel

mitgebracht werden können. Meistens

wird darauf hingewiesen, dass

die Angaben schon Ende April 2008

eingestellt worden sind. Bei der

Stadt Mannheim „heimplatzinfo.

mannheim.de“ sind die Verkehrsverbindungen

zu den Heimen gleich

enthalten und die Daten können per

pdf-Datei verschickt werden. Dann

gibt es acht verschiedene Rubriken,

in denen Infos und Vordrucke zu

den Pflegeheimen, zur Anmeldung,

Sozialleistungen, Heimvertrag usw.

abrufbar sind.

Und die Landeshauptstadt?

Bei ihr scheint der Weg etwas umständlicher.

Über die „stadt-stuttg-

art.de“ tauchen die Älteren nirgends

direkt auf. Man muss den „Bürgerservice“

anklicken, dort acht Rubriken

durchschauen. Man versucht

es am besten über „Soziale Dienste,

Leistungen, Beratungsangebote“.

Unter „Bürgerservice“ taucht dann

„Leben im Alter“ (LiA) auf. Wir kommen

den Heimen näher – jedoch erst

12 2/2010 2/2010 13

www.pflegelotse.de

www.aok-pflegeheimnavigator.de


Titel

dem Kompetenz-Zentrum-Hilfe im

Alter. Im rechten Teil der Webseite

kann man über das Schlagwort „stationäre

Altenpflege“ weiterkommen.

Zuerst tauchen jedoch „Themen“

auf. Dort sind verschiedene

„Anlagen“ wie „4/2-Heimkosten

bei den Alten- und Pflegeheimen“

sowie „0/4 Satzung der Stadt für

die Erhebung der Gebühren für öffentliche

Leistungen“ einzusehen.

Unter dem Titel „Organisationseinheiten“

folgen endlich die gelisteten

Heime, jedoch lediglich mit der

Adresse und einem Link um eine

E-Mail dorthin senden zu können.

Also kein umfassendes Infoangebot

zu den Heimen. Jedoch ist auch

etwas über die Beschwerde- und

Beratungsstelle des SSR Stuttgart

dort zu erfahren.

Pfl egeheime in Reutlingen

fast ganz verborgen

Bei der „Stadt Reutlingen“ ist die

Suche ebenfalls recht schwierig.

Beim Klicken über das „Bürgeramt“,

„Politik und Verwaltung“ gelangt

man zu „Lebenslagen“ und versucht

dort evtl. „Gesundheit“, erhält dort

jedoch keine Informationen. Man

muss bei den „Lebenslagen“ weitergehen

zum „Ruhestand“ und dort ist

unter Ziffer 6 versteckt „Gesundheit

im Alter“. Aber erst ganz weit unten

im Text gibt es einen Hinweis auf die

Pfl ege, der jedoch lediglich einige

Zeilen aus einer Broschüre des Sozialministerium

enthält. Hier empfi

ehlt es sich, anders vorzugehen und

nachzuschauen in einem weiteren

Verzeichnis der Stadt und zwar unter

den „Dienstleistungen von A-Z“.

Dort muss man das Stichwort „Pfl ege“

eingeben und erfährt endlich

mehr.

Fazit: Es gibt viele Wege, die nach

Rom führen, manche sehr rasch,und

komfortabel. Andere sind arg verschlungen

und bei einigen kann man

in der Irre landen.

Hans-Jörg Eckardt

Bewertungssystem für Pfl egeheime

muss optimiert werden –

LSR fordert Transparenz

Bis Ende 2010 sollen bundesweit alle Heime und Dienste nach einem neuen

Bewertungsschema überprüft werden. Seit 1. Dezember 2009 liegen die ersten

Transparenzberichte mit Noten für die Qualität der Pfl ege in Heimen und

ambulanten Diensten vor.

Die Resonanz:

AOK Baden-Württemberg 02.03.2010

Bestnoten bei der Pfl egeheimbewertung

Pfl egeheime in Baden-Württemberg vom Start weg auf Platz 1

Reutlinger General-Anzeiger 27.02.2010

Miserable Einrichtungen schneiden zum Teil mit „gut“ ab

Schlechte Noten für Pfl ege-Noten

Kuratorium Deutsche Altershilfe 11.02.2010

Pfl egenoten nicht grundsätzlich in Frage stellen!

Stuttgarter Nachrichten 12.01.2010

Ist die Pfl ege im Südwesten zu gut bewertet?

Eine Note soll Auskunft über die Qualität von Altenheimen geben –

doch was ist sie wert?

Stuttgarter Zeitung 05.01.2010

Pfl ege-TÜV: Verbände klagen gegen Prüfverfahren

Süddeutsche Zeitung 09.10.2009

„Groteske“ Ergebnisse beim Pfl ege-TÜV

Fast 70 Prozent der Altersheime erhalten beste Noten

Kritiker sehen dagegen schwerwiegende Mängel

Kölner Stadtanzeiger 05.10.2009

Gute Noten für durchgefallene Pfl egeheime?

Report Mainz 05.10.2009

Pfl ege-TÜV absurd

Warum die ersten Bewertungen von Pfl egeheimen völlig nutzlos sind

Der LSR meint, dass die Benotung von Pfl egeleistungen ein Meilenstein für den

Verbraucherschutz ist und die Qualität der Pfl egeheime verbessern kann. Nur

müssen die Noten auch stimmen. Es kann nicht sein, dass die Pfl egedokumentation

auf dem Papier stärker bewertet wird als die tatsächliche Umsetzung in

der Praxis. Für die pfl egebedürftigen Menschen und deren Angehörige ist es

wichtig, dass sie daran eine gute Wohn-, Betreuungs- und Pfl egequalität erkennen

können. Dafür muss wohl noch etwas am Notensystem gefeilt werden!

fai

Auf gut Glück

BELA III macht’s möglich – dank rühriger Regionalgruppen

und entschlossener Seniorenräte

In der Region Esslingen des BELA

III-Netzwerks treten die Mitgliedseinrichtungen

mit der Aktion

„Auf gut Glück“ für Lebensqualität

an die Öffentlichkeit: In Kürze

winken Bewohnerinnen und Bewohnern

von BELA-Einrichtungen

glückliche Stunden: Herzenswünsche

gehen ab dem Frühjahr mit der

Unterstützung tatkräftiger

Bürgerinnen und

Bürger in Erfüllung.

Mit dem Motto „Glück

aus der Dose“ sind in

Köngen z.B. besonders

Gemeinderäte als Paten

gefragt.

Zwei Beispiele geben

einen kleinen Vorgeschmack:

Eine Bewohnerin

ist Fan von Hansi

Hinterseer. Über Paten

wird der Kontakt gesucht

und ein Besuch

oder ein Gespräch über

Webcam hergestellt.

Ein Bewohner möchte

gerne ins VfB-Stadion.

Es wird ein Besuch organisiert

und von VfB-

Seite wird der Kontakt

zu einem aktuellen

oder ehemaligen Spieler

hergestellt.

Das Netzwerk wird verknüpft.

Mit BELA III geht vieles leichter,

wenn es um Bürgerengagement geht.

Chancen schaffen und Chancen nutzen

– so lautet das Jahresmotto des

Qualitätsverbundes 2010. Die zwölf

Regionen entscheiden eigenständig,

wie sie dieses Motto angehen.

Gemeinsam lässt sich mehr umset-

zen und das gibt neuen Schwung.

Der Blick in das diesjährige Fortbildungsprogramm

verheißt einiges:

... der Austausch unter Einrichtungen,

die wissen, wie sich Esskultur

mit Freiwilligen weiterentwickeln

lässt;

... neugierige Leitungskräfte wollen

Dialoge zu Lebensqualität mit allen

Beteiligten starten;

… praktische Anleitung für Zielgruppenkommunikation

nach innen

und außen, um mit Freiwilligen wirkungsvoll

in Kontakt zu kommen;

... Ideen von Engagierten, die Musik

ans Bett von Bewohnern bringen;

… Projektwerkstatt mit Studenten,

die Einrichtungen unterstützen in

der Quartiersarbeit;

… Einführung in Wohn-, Arbeits-

und Kommunikationskonzepte, die

auf Zusammenarbeit mit Freiwilligen

setzen.

Auch in andern Regionen boomt

es. So hat der Landkreis Göppingen

als erster BELA III in den neuen

Seniorenratgeber aufgenommen.

Dort heißt es: „Der Qualitätsverbund

BELA III will das freiwillige

Engagement in Pflegeeinrichtungen

systematisch fördern und

mit einem umfangreichen Fortbildungsprogramm

die Kompetenzen

von Fachkräften und Frei-

1 2/2010 2/2010 1


Titel

willigen stärken.“ Im Ratgeber sind

BELA-Einrichtungen für Nutzer

besonders gekennzeichnet. BELA

als Orientierungs- und Qualitätsmerkmal

etablieren – eine mögliche

Zukunftsperspektive: Für den

Landesseniorenrat wird damit ein

wichtiges Motiv für die Beteiligung

bei BELA III eingelöst.

„Nette Nachbarn“ werden sich in Zukunft

in Göppingen um Menschen

mit Demenz kümmern. BELA–Pfl egeheime

bieten gemeinsam mit dem

Landkreis eine kostenlose Qualifi zierungsreihe

zum Umgang mit Menschen

an, die an Demenz erkrankt

sind. Sie soll helfen, die Krankheit

zu verstehen, Unsicherheit abzubauen

und Interesse an der ehrenamtlichen

Begleitung Demenzkranker in

Pfl egeheimen wecken. Mit über 100

Interessierten kamen die Veranstalter

am 20. Januar bei der Infoveranstaltung

ins Schwitzen. „Auf gute

Nachbarschaft“ wird gemeinsam von

der Wilhelmshilfe e.V., dem Samariterstift

Geislingen, dem Pfl egestift

Ebersbach/Fils, dem DRK-Seniorenzentrum

Hattenhofen, dem Altenzentrum

St. Elisabeth in Eislingen

und der Vinzenz-von-Paul gGmbH

zusammen mit der Altenhilfe-Fachberatung

des Landkreises Göppingen

getragen.

Ein Dankeschön für Freiwillige

aus BELA-Einrichtungen landesweit

wird es am 8. Dezember 2010

geben. Der Verband Württembergischer

Busunternehmer (WBO)

sponsert eine Busfahrt mit Vergnügungen

zum Weihnachtsmarkt im

Europapark Rust. Für das BELA III-

Netzwerk kommt diese Aktion zur

rechten Zeit. Sie dokumentiert, wie

neue Partnerschaften entstehen.

Man muss sichtbar und bekannt

sein mit Zielen und Absichten. Sie

beweist, was eine Mitgliedschaft im

Netzwerk bringt. Trägerübergreifend,

landesweit und doch regional

verankert, ist man attraktiv als Aktionspartner.

Beim WBO haben solche Aktionen

bereits Tradition. Bisher standen

Kinder und Jugendliche aus Einrichtungen

im Mittelpunkt. Zum ersten

Mal sind nun Freiwillige aus stationären

Einrichtungen Gäste. BELA

III als landesweit ausgerichtetes

Netzwerk erwies sich als geeigneter

Partner.

Mit BELA III haben Pfl egeeinrichtungen

Freiwilligen etwas zu bieten.

Lebensqualität von Bewohnerinnen

und Bewohnern betrachten die Mitglieder

als anregenden Ausgangspunkt

für die Zusammenarbeit.

Darin möchten sie vielseitiger und

interessanter werden.

Mit BELA III setzen Pfl egeeinrichtungen

auf organisierten und fortlaufenden

Erfahrungsaustausch. Sie

zählen auf Wissenstransfer und Ko-

Land stellt Ende 2010 Pfl egeheimförderung ein

LSR befürchtet höhere

Pfl egekosten

Der Verzicht auf die Pfl egeheimförderung

wird die Kosten einer

stationären Pfl ege erhöhen. Denn

dann müssen die Heime ihre Investitionskosten

bei Neubau und

Umbau voll über den Pfl egesatz fi -

nanzieren. Die deshalb in Zukunft

weiter steigenden Pfl egesätze zwingen

einen zunehmenden Teil der

Pfl egebedürftigen dazu, Sozialhilfe

in Anspruch zu nehmen. Der Grund

operation in zentralen Fragen der

Freiwilligenarbeit – von der Konzeptentwicklung

bis zur Qualifi zierung.

Mit BELA III gelingen Pfl egeeinrichtungen

Schritt für Schritt neue Partnerschaften

und sie beteiligen sich

gemeinsam am gesellschaftlichen

Dialog.

Seniorenräte haben durch ihr Engagement

bereits einige Einrichtungen

als Mitglieder gewonnen.

Seit kurzem steht auf der BELA-

Homepage

www.bela3.de eine Liste aller

BELA III-Mitglieder zum Download

zu Verfügung.

Iren Steiner

dafür: Die teilweise derzeit schon

bei über 3 000 Euro pro Monat liegenden

Pfl egekosten werden weiter

steigen. Das kann vom größten Teil

der derzeitigen Selbstzahler „nicht

geschultert“ werden. So werden

noch mehr Menschen, wenn sie alt

und pfl egebedürftig sind, zu Taschengeldempfängern

gemacht.

Der LSR hat bereits in der Vergangenheit

gegen die Abschaffung der

Pfl egeheimförderung durch das

Land protestiert. fai

Hausärztliche Versorgung älterer Menschen aus

gerontologischer und pfl egewissenschaftlicher Sicht

Von Prof. Dr. Hermann Brandenburg

Der Beitrag beschäftigt sich

mit Fragen der hausärztlichen

Versorgung alter Menschen.

Im ersten Schritt werden einige

allgemeine Erkenntnisse zu

Altern, Prävention und Multimorbidität

angesprochen. Zwar ist die

überwiegende Mehrheit der alten

Menschen gesund und weder hilfe-

noch pfl egebedürftig. Allerdings

nehmen die Herausforderungen an

eine gute medizinische, pfl egerische

und soziale Versorgung zu. Dies

nicht zuletzt deswegen, weil durch

den demographischen Wandel mit

einer Zunahme von pfl egebedürftigen

alten Menschen zu rechnen ist.

In einem zweiten Schritt wird dann

auf die medizinische Versorgung im

Pfl egeheim Bezug genommen. Dies

ist vor allem damit begründet, weil

in diesem Bereich ein erhebliches

Verbesserungspotential besteht. Die

geäußerte Kritik betrifft u.a. das Defi

zit an fachärztlicher Begleitung der

Heimbewohnerinnen und Heimbewohner.

Zu thematisieren ist aber

auch die mangelnde Kooperation der

Berufsgruppen vor allem zwischen

Ärzten und Pfl egenden oder die noch

zu geringe Anwendung eines geriatrischen

Assessments zur Identifi -

zierung von Potentialen einer selbstständigen

Lebensführung – auch

im Heim! Schließlich muss auch die

stärkere Einbindung der Ärzte in

konzeptionelle Entscheidungen in

den Heimen verbessert werden.

Vier Bemerkungen zur Gesundheit

/ Krankheit im Alter:

1. Altern ist keine Krankheit, sondern

ein natürlicher Prozess. Ziel

der gerontologisch-geriatrischen

Interventionen ist nicht die Veränderung

des Alterns an sich,

sondern ausschließlich die Verbesserung

der gesundheitlichen,

sozialen und psychischen Bedingungen

des Alterns. Es geht also

um ein gelingendes Altern, nicht

um die Verlängerung des Lebens

als Selbstzweck.

2. Der Gesundheitszustand der alten

Menschen hat sich insgesamt verbessert.

Ursachen dafür sind beispielsweise

ein Trend zu stärkerem

Körper- und Präventionsbewusstsein,

eine bessere Ernährung oder

Lebensstilveränderungen.

3. Die positiven Wirkungen der Prävention

auch im Alter sind durch

viele Studien belegt. Nur zwei Beispiele

seien genannt. Es wurde

gezeigt, dass das Gehen über 3,5

Kilometer und mehr pro Tag die

Lebenserwartung von älteren gesunden

Männern um fünf Jahre

erhöhen konnte. Oder: Mit mindestens

drei Stunden Walking

in der Woche konnte das Herzinfarktrisiko

von 40- bis 65-jährigen

Frauen gegenüber inaktiven

Frauen um 30 Prozent verringert

werden.

4. Im hohen Alter kann Mehrfacherkrankung

(Multimorbidität) zur

Einschränkung bzw. zum Verlust

der Selbständigkeit führen. Es wird

davon ausgegangen, dass jeder

Dritte über 70-jährige Bundesbürger

an fünf mittelgradig schweren

und fast jeder vierte an fünf gleichzeitig

behandelten Erkrankungen

leidet. Bei einer Befragung von

Personen ab einem Alter von 40

Jahren sagen 24 Prozent der über

70-Jährigen, dass sie an fünf und

mehr Erkrankungen leiden, während

lediglich sieben Prozent keine

Erkrankung angaben.

Medizinische Versorgung

in Pfl egeheimen

Bezogen auf die hausärztliche Versorgung

möchte ich mich auf die

medizinische Versorgung im Pfl egeheim

konzentrieren. Und dies aus

zwei Gründen. Erstens überblicke

ich den Bereich am ehesten, da ich

selbst als Altenpfl eger in Heimen

gepfl egt habe. Zweitens befasse ich

mich seit Jahren mit der Frage, wie

die Lebenssituation von Heimbewohner

verbessert werden kann.

Auf drei Problembereiche möchte

ich hinweisen:

1. Es besteht nachgewiesenermaßen

ein Mangel an fachärztlicher Betreuung:

• In fast jedem vierten Pfl egeheim

fand keine psychiatrische Betreuung

statt.

• Bei mehr als der Hälfte von untersuchten

782 Heimen wurde festgestellt,

dass diese nie von einem Orthopäden

besucht worden sind.

• Etwa ein Drittel der untersuchten

782 Heime wurde nie von einem

Frauenarzt, HNO-Arzt, Augen-

oder Zahnarzt besucht.

Zu betonen ist, dass sich die Kritik

primär an Fachärzte richtet. Die

hausärztliche Versorgung erscheint

dagegen insoweit sachgerecht, als zumindest

annähernd in jedem Quartal

16 2/2010 2/2010 17


Titel

ein Behandlungsfall pro Pflegeheimbewohner

gemessen werden konnte.

2. Es gibt Tendenzen einer Über-

und Unterversorgung mit Arzneimitteln:

• Heimbewohner erhalten im Vergleich

zu Nicht-Pflegedürftigen

bei Kontrolle der Erkrankungen

deutlich mehr Psycholeptika (Antipsychotika,

Anxiolytika, Hypnotika

und Sedativa). Dieser Befund

deutet auf „ein Ruhigstellen“ von

pflegebedürftigen Heimbewohnern.

Und umgekehrt gilt es festzustellen,

dass insbesondere bei der

Demenz eine zu geringe Menge an

verordneten Dementiva als Unterversorgung

interpretiert werden

könnte.

Insgesamt scheint die Medikamentenversorgung

weniger ein quantitatives,

sondern vielmehr ein qualitatives

Problem darzustellen. Das gilt

auch für den ambulanten Bereich.

Denn diesbezüglich konnte bereits

in der bekannten Berliner Altersstudie

gezeigt werden, dass - obwohl 90

Prozent der über 70-Jährigen mit

mindestens einem Medikament versorgt

wurden - etwa bei 24 Prozent

eine Untermedikation im Sinne unbehandelter,

mittel- und schwergradiger,

körperlicher Erkrankungen

festgestellt wurde.

3. Bei der Problematik der Krankenhauseinweisungen

ist zu beachten:

• Die Zahl der Krankenhauseinweisungen

bei Pflegeheimbewohnern

ist insgesamt geringer als bei häuslich

gepflegten Personen; aber höher

als bei nicht pflegebedürftigen

Menschen – bei Kontrolle des

Krankheitsspektrums.

Handlungsoptionen

Interventionsstudien zeigen die

Bedeutung der Reduktion von klinischen

Problemfeldern, vor allem

18 2/2010

durch qualifiziertes und engagiertes

Pflegepersonal in den Bereichen:

Dekubitus, freiheitsentziehende

Maßnahmen, Ernährung und Verhinderung

von Stürzen. Die Zusammenarbeit

von Medizin und Pflege

war ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Konkret bedeutet dies, dass die

gesundheitliche Situation alter Menschen

in den Heimen verbessert und

damit ein Beitrag zur Lebensqualität

und Würde im Alter geleistet werden

kann.

Verbesserungen erfolgen aber nicht

wie das Morgenrot nach durchschlafener

Nacht, sondern unter Beachtung

von folgenden gesundheitspolitischen

Erwägungen. Hierzu hat das

Diakonische Werk der Ev. Kirche in

Deutschland in einem Positionspapier

Stellung genommen:

1. Alle Heimbewohner sollten ein

geriatrisches Assessment erhalten,

welches gezielt die Potentiale einer

selbständigen Lebensführung

erhebt. Entscheidend dabei ist

u.a. die Evaluation des Therapieerfolgs.

Die Zusammenarbeit mit

qualifizierten Pflegenden halte ich

für zwingend, vor allem wenn es um

die Identifizierung, Förderung und

Unterstützung von Potentialen der

selbständigen Lebensführung geht.

Das geriatrische Assessment ist ein

wesentlicher zentraler Punkt, der

natürlich für die ambulante ärztliche

Versorgung gilt. Bei Studien

konnte festgestellt werden, dass

ein geriatrisches Assessment wesentlich

zur Verhütung schwerwiegender

Komplikationen (Demenz,

Delirium, Schenkelhalsfrakturen

usw.) sowie zur Verminderung von

Krankenhaus- und Pflegeheim-

Einweisungen beitragen kann.

2. Die akutgeriatrische Versorgung

muss ausgebaut werden. Bekannt

ist, dass die akutstationäre Versorgung

im Bereich der Geriatrie nicht

flächendeckend sichergestellt ist

und eine ambulante existiert in der

Fläche nicht. Wichtig ist die Aufwertung

des Faches Geriatrie im

Medizinstudium, die Einrichtung

von geriatrischen Lehrstühlen an

allen medizinischen Fakultäten

des Landes. Wichtig ist auch der

Ausbau des Fortbildungsangebots

durch die Landesärztekammern.

3. Die Versorgung pflegebedürftiger

alter Menschen mit integrierten

Versorgungsmodellen muss verbessert

werden. Der Patient muss

künftig im Mittelpunkt stehen und

die Versorgungsstrukturen sind so

zu gestalten, dass sektorenübergreifende

Behandlungsformen das

Maß der Dinge sein müssen.

4. Ärztliche Besuche bei pflegebedürftigen

Menschen müssen budgetunabhängig

und gesondert

vergütet werden. Entscheidend

ist hier nicht nur der Blick auf

die Höhe der Vergütung, sondern

auf die Budget-Restriktionen, die

dazu führen, dass eine Leistung

nur noch in geringerem Umfang

honoriert wird, wenn das Praxisbudget

ausgeschöpft ist. Optionen

sind z.B. besondere Verträge, in

denen die Vergütung außerhalb

des Praxisbudgets geregelt wird.

Auch die Heime sind gefragt

Aber nicht nur die Gesundheitspolitik

ist gefordert, auch die Einrichtungen

selbst - und hier vor allem die

Berufsgruppen der Medizin und der

Pflege - sind in hohem Ausmaß in die

Pflicht genommen:

Die ärztliche Versorgung kann und

muss seitens des Heims besser strukturiert

werden!

Kriterien guter Zusammenarbeit

sind u.a. folgende Punkte:

• Koordination der medizinischen

Versorgung als Aufgabe des Pflegemanagements

• Zusammenarbeit mit wenigen,

dafür aber engagierten Ärzten

(Gratwanderung zwischen freier

Arztwahl und einem Team von engagierten

Ärzten/ Fachärzten)

• Systematische Vorbereitung der

Arztbesuche in Heimen

• Regelmäßig Visitentage

• Erweiterte ärztliche Bereitschaftszeiten

• Qualifizierung von Ärzten und Pflegenden

Darüber hinaus ist die Kooperationsfrage

zwischen den Berufsgruppen

eine zentrale Frage, bei der

noch über ganz andere Innovationen

nachgedacht werden muss, die aus

meiner Sicht zwingend sind. Zu nennen

sind z.B.:

• Gemeinsames geriatrisches Assessment

bei Neuaufnahmen

• Interdisziplinäre Fallbesprechungen

mit wechselnder Moderation

• Einbeziehung von Ärzten in konzeptionellen

Fragen (integrierte und / oder

segregative Demenzversorgung).

Die Zukunft wird ohnehin eine Entwicklung

mit weiterer Spezialisierung

bedeuten, insbesondere für den

Demenzbereich: Spezialpflegebereiche,

etc.

Zu guter Letzt:

Für mich gibt es keinen Zweifel, dass

die medizinische Versorgung alter

Menschen im Heim wie auch zu Hause

verbessert werden muss und kann.

Panik ist völlig unangebracht, aber

Mängel müssen konkret benannt werden.

Dabei ist die Erkenntnis schmerzhaft,

dass unser Gesundheits- und

Versorgungssystem immer noch sehr

stark auf Akutmedizin, weniger auf

Chronikermedizin und damit auf die

Bedürfnisse alter und hochbetagter

Menschen ausgerichtet ist.

Aber bei allen Innovationen und notwendigen

Verbesserungen sollten

auch die Grenzen der Medizin und

des Machbaren nicht aus dem Auge

verloren werden. Der deutsche Philosoph

Hans Georg Gadamer hat einmal

von der „Verborgenheit“ der Gesundheit

gesprochen. Letzten Endes ist sie

ein Geschenk, welches in einer Welt

der Machbarkeit, der Beschleunigung

und des technischen Fortschritts den

Menschen an

Grenzen führt.

Meiner Auffassung

nach sollten

diese Grenzen

beachtet,

respektiert und

nicht überschritten

werden.

Kontakt

Prof. Dr. Hermann Brandenburg

Pflegewissenschaftliche

Fakultät, Philosophisch-

Theologische Hochschule

Vallendar;

hbrandenburg@pthv.de

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Fotos: Raab

Titel

Die Pflege braucht mehr Fachkräfte –

woher nehmen und nicht stehlen?

Mit diesem etwas provokanten

Titel hatte auch

dieses Jahr HORIZONTE,

das Stuttgarter Pflegeforum der

Evangelischen Heimstiftung, zahlreiche

Interessenten bei der Messe

Reha & Pflege angelockt. Der Unterhaltungswert

war hoch und mancher

Denkanstoß ist sicher davon ausgegangen.

Auch ein Mitverdienst des

bewährten Moderators Jo Frühwirth

vom SWR Fernsehen, der vom üblichen

Podium abgewichen war und

dafür viel Lob erntete.

Der Experte Roland Sing wird gehört.

Bei seiner Begrüßung hatte Helmut

Mäule, Aufsichtsratsvorsitzender der

Heimstiftung, dem größten kirchlichen

Träger der Altenhilfe im Lande,

aufgezeigt, dass die Pflege vor großen

Aufgaben steht. Der Wettstreit um die

jungen Pflegekräfte habe begonnen.

Paradox: Alter ein

„Jungbrunnen“?

Dass man aber nicht nur auf den

Nachwuchs schauen sollte, bestä-

tigte sich sofort beim Thema „Altenpflege

im Wandel – ein Blick in

die Zukunft“ von Prof. Dr. Ursula

Lehr, Bundesministerin a.D. Das

machte die engagierte PowerPoint-

Präsentation mit einer Fülle an Wissenswertem

in der ihr eigenen Art

mehr als deutlich. Sie begeisterte.

Das Spannungsfeld reichte von der

ursprünglichen „Versorgung alter

Menschen als Aufgabe für die Familie“

bis zu „Pflegebedürftigkeit vermeiden

durch ausbauen der Prävention,

ändern des Lebensstils und der

Produkte bis zur Umweltgestaltung“.

Moderator Frühwirth trifft bei seiner

Überleitung voll die Stimmung

der Zuhörenden: „Das Thema Alter

scheint für Frau Lehr ein wahrer

Jungbrunnen zu sein.“

Wo ist (Wo bleibt?) der

Generalplan für das Alter?

Als erster danach stellt sich Roland

Sing, der LSR-Vorsitzende, der Frage

nach der Gestaltung unseres Le-

bens im weitesten Sinne. Die Fakten

für die Zukunft, sie seien alle klar,

auch durch die Arbeit der hervorragenden

Altenberichte für die Bundesregierungen.

Ihm fehle jedoch

ein darauf basierender Generalplan.

So was gebe es wohl beispielsweise

nur für den Straßenverkehr. In der

neuen Koalitionsvereinbarung stehe

zwar einiges drin, der „große Wurf“

fehle jedoch. Das verstärkte Lehr

noch: In der Politik würde das Altern

verdrängt, sich für Kindergärten einzusetzen,

das sei angenehmer. Sing:

Die Politik mache Tagesgeschäft, reagiere

auf jeden hingeworfenen Brocken.

In seinen früheren AOK-Zeiten

sei er nach Besuchen im Sozialministerium

noch stolz darauf gewesen,

wie man dort schon an die Zukunft

gedacht habe. Mit Blick auf das heutige

HORIZONTE-Thema müsse der

jetzt schon geltende Grundsatz „ambulant

vor stationär“ noch konkreter

ausgestaltet und gefördert werden.

Die von Lehr klar aufgezeigten unterstützenden

Systeme stünden noch

aus. Auch deshalb habe er beim Landesseniorentag

2009 einen Kongress

zur „Telemedizin“ gefordert und sei

bei Ministerin Dr. Stolz gleich auf

Zustimmung gestoßen. Maxime für

die langfristige Betrachtung sei: Wie

organisieren es die Politik, die Gesellschaft

und die Einzelnen, dass die

Älteren so lange wie möglich selbstbestimmt

(mit technischer Unterstützung)

zu Hause leben können. Spontaner

Beifall war ihm dafür sicher.

Pflege – meistens

ein Karrierebruch

Auch Klaus. D. Wanning, Hauptgeschäftsführer

der Heimstiftung, unterstützt

diese Argumentation und

dass man mehr häusliche Pflege ermöglichen

solle. Allerdings bedeute

das für die Betroffenen - meistens

pflegen Frauen - einen deutlichen

Karrierebruch. Absehbar sei jedoch

auch, dass man für die stationäre

Pflege noch Personen gewinnen

müsse. Da gibt es für ihn aber ein

riesiges Potenzial an Frauen nach

der Familienphase. Es gelte, mehr

Kräfte mit Migrationshintergrund

in das Personal einzubeziehen. Auch

junge Menschen ohne Hauptschul-

„Jungbrunnen“ Prof. Lehr

abschluss dürften nicht ausgegrenzt

werden. Als Heimträger habe man

gute Erfahrungen mit Aufstiegswilligen

und -fähigen gemacht. Ein

großes Problem sieht er aber darin,

dass man in der Pflege genau so viele

Menschen wie in der Automobilindustrie

beschäftige, es jedoch einen

großen Unterschied gebe: die Bezahlung.

Ministeriale Sicht

Als nächster befragter „Experte“ machte

Thomas Halder, Ministerialdirektor

im Sozialministerium, klar: Man

möchte in der Pflege alle Professionen

vertreten sehen, vom Hauptschüler

bis zum Akademiker. Wichtig seien jedoch

auch die inzwischen geschaffenen

neuen Berufe und Tätigkeitsfelder der

Alltagsbetreuer, der Pflegehelfer sowie

der Altenpflegehelfer (bei denen der

berufliche Teil der zweijährigen

Ausbildung auch mit 200 Stunden

Deutsch ergänzt werde).

Zusätzlich müsse man versuchen,

mehr Männer in die Pflege

zu bringen. Diese Berufe dürften

aber nicht ständig „schlecht geredet“

werden. Es gelte, Positives

heraus zu stellen: die guten

Aufstiegsmöglichkeiten und die

Sicherheit der Arbeitsplätze.

Nicht konjunkturabhängig

Das konnte Eva Strobel, Vorsitzende

der Geschäftsführung

der Regionaldirektion der Bundesagentur

für Arbeit, unterstreichen

mit ihren Statistiken.

Während das Stellenangebot

insgesamt stark geschrumpft

sei, hätte es in den sozialen Berufen

30 Prozent mehr gegeben.

Die Stellen für die Altenpflege

hätten sich verdoppelt. Aber:

Hemmnisse, den Bedarf an qualifizierten

Kräften zu decken,

seien die geringe Bezahlung, die

unregelmäßigen Arbeitszeiten

(Schicht) sowie die geforderte,

außerordentliche körperliche

Fitness. Entgegen käme dem,

dass 40 Prozent der Frauen

Teilzeitstellen suchten, wofür

es jedoch an ausreichender Kinderbetreuung

fehle. Das brachte Wanning

auf den Plan, der möglichst für jedes

Heim eine eigene Kindertagesstätte

möchte. Bei der Gehaltsfrage sei man

auf gutem Wege, weil für die Jüngeren

nun mehr gezahlt werden könne.

Gemeinsam agieren

Gleich war auch geboren, dass man

zusammen mit den Arbeitsagenturen

Veranstaltungen und Info-Märkte,

auch in den Schulen durchführen

sollte. Für Strobel ist es zusätzlich

notwendig, dass es mehr zertifizierte

Pflegeschulen im Lande gibt, bei denen

Arbeitslose qualifiziert und umgeschult

werden können. Das stößt

allerdings auf Widerspruch bei Peter

King, dem Geschäftsführer des Diakonischen

Instituts für soziale Berufe.

Dort hat man großen Erfolg dabei, auf

Messen und in Schulen den Berufsnachwuchs

anzusprechen und zu gewinnen.

Dort werde über das Image

der Pflegeberufe mit entschieden.

Aufmerksamkeit sogar noch

für das „Pontifikalamt“

Sing sieht das Pflegeimage differenziert,

denn es gebe unterschiedliche

Aufgabenstellungen für die ambulante,

die stationäre und die teilstationäre

Pflege. Die Organisation in den

Heimen ließe sich teilweise verändern.

Müsse die kostbare Zeit der Fachkräfte

wirklich dafür verwendet werden, die

Arzneimittel selbst zu „stellen“? Dafür

könnte man auch Apotheken oder

„Bliesterdienste“ nutzen. Ähnliches

gelte für teilweise „vorsintflutliche“

Techniken bei der Dokumentation. Da

gäbe es Potenziale. Ein Dorn im Auge

ist Sing auch, wenn Hausärzte ins

Heim kommen und mancherorts der

Arbeitsablauf eine Eigendynamik erhält.

Sein Vergleich, dass das teilweise

einem Pontifikalamt ähnle (für Nichtkatholiken:

ein besonders festlicher

Gottesdienst mit viel begleitendem

Personal), löste beifälliges Kopfnicken

aus. Wanning erklärte in diesem Kontext,

dass man daran gehe, Ärzte für

die eigenen Heime einzustellen.

Zu diesem recht bunten Strauß der

aufgezeigten Möglichkeiten und Probleme

passte das Schlusswort von

Moderator Frühwirth zur zukunftsorientierten

Gestaltung unseres Lebens:

„Seien wir realistisch und versuchen

wir das Unmögliche“.

Hans-Jörg Eckardt

20 2/2010 2/2010 21


Titel

Vom Gast zum Nachbarn

Interkulturelle Altenhilfe notwendig

Von Marcel Faißt

Ende der 50er-Jahre kamen

die ersten Ausländer als Gastarbeiter

nach Deutschland.

Damals wurde angenommen, dass

sie nach einigen Jahren wieder in

ihr Heimatland zurückgehen würden.

Doch viele blieben und gründeten

Familien. Mittlerweile lebt in

Deutschland die dritte Migrantengeneration,

die erste befindet sich

längst im Rentenalter. Die ehemaligen

Gastarbeiter sind entgegen ihrer

ursprünglichen Planung zu Einwanderern

geworden.

Jeder Vierte mit

Migrationshintergrund!

Nach dem Mikrozensus aus dem Jahr

2006 haben von den 10,7 Mio. Baden-

Württembergern 2,7 Mio. – also rund

jeder Vierte – einen Migrationshintergrund.

Etwa eine halbe Million ist älter

als 60 Jahre. Laut Prognosen wird ihre

Zahl in den nächsten zwanzig Jahren

auf 2,8 Mio. steigen. Die älteren MigrantInnen

sind die am schnellsten

wachsende Bevölkerungsgruppe. Dadurch

stehen Anbieter von sozialen

Dienstleistungen in der Altenhilfe immer

mehr vor der Herausforderung,

sich interkulturell zu öffnen. Doch wie

sehen die Lebenssituationen älterer

MigrantInnen in Deutschland aus?

Oft schwierige Lebenslagen

Selbstverständlich lässt sich die Be-

schreibung nicht verallgemeinern.

Dennoch ist häufig die Lebenslage

vieler älterer MigrantInnen durch

diese Merkmale gekennzeichnet:

Ihr Gesundheitszustand ist oftmals

schlechter als bei den gleichaltrigen

Deutschen. Dies liegt zum einen an oft

gesundheitlich belastenden Arbeitsbedingungen

(Akkord- und Schichtarbeit

oder körperlich schwere Arbeit).

Aber auch an stark prägenden,

oft traumatischen persönlichen

Lebenserfahrungen wie politischer

Verfolgung, Vertreibung oder Diskriminierung.

Dazu kommen in vielen Fällen Defizite

im Beherrschen der deutschen

Sprache. Deshalb sind sie oft unzureichend

über Angebote und Leistungen

des Gesundheitssystems und

der Altenhilfe informiert. Sprachliche

Verständigungsschwierigkeiten

führen des Öfteren zu Fehldiagnosen

und Fehlbehandlungen, da z. B.

Krankheitssymptome dem behandelnden

Arzt nicht eindeutig erläutert

werden können. Häufig bestehen

aufgrund von negativen Erfahrungen

Vorbehalte gegenüber Institutionen

und Behörden.

Aufgrund des eher niedrigen Einkommens

und der bescheidenen

Renten stehen oftmals nicht die finanziellen

Ressourcen zur Verfügung,

die das Gesundheitssystem

heute von den Versicherten abverlangt.

Außerdem ist zu bedenken,

dass viele MigrantInnen Unterhalt

an Verwandte leisten, die noch im

Herkunftsland leben, sodass sich das

verfügbare Einkommen noch weiter

reduziert.

Ein weiteres Merkmal der Lebenssituation

ist die ursprüngliche

Rückkehrorientierung. Diese hat

dazu geführt, dass man sich auf

das Leben im Aufnahmeland nur

provisorisch eingerichtet hat. Allerdings

bleiben zwischenzeitlich

viele im Alter in Deutschland. Auch

die Familienstrukturen wandeln

sich zunehmend. Die Annahme,

dass MigrantInnen im Alter von

ihren Familien versorgt werden, ist

längst überholt. Der Anteil Alleinstehender

steigt auch dort kontinuierlich.

Zugangsbarrieren

erschweren Inanspruchnahme

Das alles führt oft dazu, dass die Inanspruchnahme

von Angeboten der

Altenhilfe erschwert oder gar verhindert

wird. Aber auch auf Seiten der

Altenhilfe gibt es oftmals mangelnde

Kenntnisse über die Bedürfnisse

dieser Bevölkerungsgruppe. Einrichtungen

der Altenhilfe stehen zunehmend

vor der Aufgabe, sich interkulturell

zu öffnen, um die Zielgruppe

der MigrantInnen anzusprechen und

zu integrieren.

Was können

Einrichtungen tun?

Um diese interkulturelle Öffnung (im

Folgenden IKÖ genannt) in der Altenhilfe

anzustoßen bzw. fortzuentwickeln,

hat die Arbeiterwohlfahrt

im Jahr 2008 die Rahmenkonzeption

„Interkulturelle Öffnung der ambulanten

und stationären Angebote

für ältere Menschen“ verabschiedet.

Sie dient als Orientierungshilfe für

die Praxis und beschreibt relevante

Bausteine für Konzepte kultursensibler

Altenhilfeangebote:

Der Prozess der IKÖ ist eine Managementaufgabe.

Sie muss von der

Leitungsebene verantwortet und von

den Beschäftigten getragen werden.

Die Steuerung der konkreten Umsetzung

wird von der mittleren und

unteren Führungsebene übernommen.

So kann sichergestellt werden,

dass der langfristige Prozess der IKÖ

verankert wird. Dies muss auch im

Leitbild der Einrichtung sichtbar

werden. Durch diese bewusste Positionierung

nach innen und außen

wird die Identifikation der Beschäftigten

sowie der KundInnen mit der

IKÖ gestärkt.

In Pflegeeinrichtungen ist empfehlenswert,

dass neben der Biografieorientierung

auch kulturelle Aspekte

der Pflegebeziehung integriert werden.

Die Biografiearbeit ist wichtig

um Verhaltensweisen und Vorstellungen

von Lebensgestaltung zu

verstehen und auf dieser Grundlage

z. B. religiöse Bedürfnisse, Essenswünsche,

Angehörigenarbeit etc. zu

beachten. Eine Erhebung der Arbeiterwohlfahrt

hat ergeben, dass

42 Prozent der Beschäftigten in der

Altenhilfe selbst eine Migrationsgeschichte

haben. Diese Multikulturalität

im Team muss als Chance für den

Prozess der IKÖ genutzt werden, um

kultursensibles Miteinander und gegenseitige

Lernprozesse zu fördern.

Ein multikulturelles Team braucht

allerdings auch Reflexionszeit um

sich so zu entwickeln.

Um Leistungen in hoher Qualität

anbieten zu können, ist qualifiziertes

Personal erforderlich. Hierzu

sind Qualifizierungen zum Erwerb

interkultureller Kompetenz unabdingbar.

Das Ziel solcher Seminare

ist es, eigene Einstellungen zu reflektieren

und die Kompetenzen für

interkulturelle Situationen durch

Begegnungen mit Einwanderern

und durch Vermittlung von Hintergrundwissen

zu stärken. Mit der

Entscheidung zur IKÖ müssen die

Angebote der Einrichtung angepasst

werden. Mit am Wichtigsten ist das

Sicherstellen der Kommunikation,

aber auch die Themen Ernährung,

Feste und Bräuche sowie religiöse

Bedürfnisse.

In Kooperation mit den öffentlichen

Stellen sowie Kranken- und

Pflegekassen müssen neue Wege

der Öffentlichkeitsarbeit entwickelt

werden (z. B. durch mehrsprachige

Faltblätter). Die „Warten-auf-Nachfrage-Struktur“

ist längst überholt

– aufsuchende und gemeinwesenbezogene

Ansätze müssen das Ziel sein.

Hierbei sollten Schlüsselpersonen

aus dem Umfeld der MigrantInnen

mit einbezogen werden. Als wichtige

Mittler tragen sie dazu bei, Vertrauen

zur Institution aufzubauen.

Details unter www.awo-wuerttemberg.de,

Rubrik Informationen >

AWO-Standpunkte.

Marcel Faißt

Referent Altenhilfe bei der

Arbeiterwohlfahrt

Bezirksverband Württemberg e.V.

22 2/2010 Praktizierende „Nachbarn“

2/2010 23


Titel

Auch deshalb war dem „im

blick-Team“ klar, dass beim

Schwerpunkt „Pfl ege“ in dieser

Ausgabe viele Informationen

zum Thema Demenz enthalten sein

sollten. Gleichzeitig ist beschlossen

worden, dass es auch künftig nicht

vergessen werden darf und mindestens

mit einem Beitrag pro Heft vertreten

sein muss.

Alzheimerwitze sind verfehlt

Damit wird nur etwas verdrängt, das

jede/jeden „erwischen“ kann. Denn:

Bei den über 75-Jährigen ist das Ri-

„Das hätte ich jetzt doch

fast vergessen!“

siko, an Alzheimer zu erkranken,

höher als das, einen Schlaganfall zu

erleiden. In naher Zukunft wird es

in jeder dritten Familie einen Demenzkranken

geben. Deshalb sind

einige Informationen zur Alzheimer

Krankheit angebracht.

Demenz – Alzheimer,

was ist schlimmer?

Das ist die falsche Frage. Insgesamt

etwa 1,3 Mio. Menschen in

Deutschland leiden an „Demenzerkrankungen“,

an einer meist unaufhaltsam

fortschreitenden Hirn-

„im blick“- Lesende sollten

das möglichst nicht so

schnell sagen müssen

leistungsschwäche. Mit 70 bis 75

Prozent Anteil ist dabei die „Alzheimer

Krankheit“ die häufi gste Form

der Demenz. Allerdings gibt es auch

viele vaskuläre, also gefäßbedingte

Demenzen, zum Teil auch als Mischformen

in Kombination mit der

Alzheimer Krankheit. Zunehmend

werden frontotemporale Demenzen

wahrgenommen. Dazu kommen

noch unzählige andere, aber seltener

festgestellte Demenzerkrankungen,

darunter sogar welche, die zu einem

kleinen Prozentsatz bereits heilbar

sind.

Schon mit 45 Jahren dement?

Am häufi gsten treten diese Erkrankungen

ab dem 65. Lebensjahr auf.

Es trifft aber auch schon Menschen

im mittleren Alter, in Ausnahmefällen

sogar in jungen Jahren.

Dann kann man zunehmend nur

noch sehr schwer neue Informationen

und Erfahrungen aufnehmen

oder Erinnerungen abrufen. Es fällt

auch schwer, sich räumlich und

zeitlich zu orientieren und sich im

eigenen Umfeld selbstständig zurechtzufi

nden.

Schon bald nach dem Auftreten der

ersten Symptome wird man rasch

von der Hilfe anderer Menschen

abhängig, kann aber oft die eigenen

Interessen noch selbst vertreten.

Im weiteren Verlauf kommt es zur

völligen Hilfl osigkeit und Schwerstpfl

egebedürftigkeit sowohl in psychischer

wie körperlicher Hinsicht.

In der mittleren und späten Phase

sind die Betroffenen weitgehend auf

Hilfe und Pfl ege rund um die Uhr

angewiesen. Das bringt auch bei den

Pfl egenden enorme psychische und

physische Belastungen. Oft entstehen

massive Familienkonfl ikte. Wichtig

ist daher eine frühe Information,

Beratung und die Inanspruchnahme

von Entlastungsangeboten wie z.B.

Angehörigengruppen oder niedrigschwellige

Betreuungsangebote.

Was sind „niedrigschwellige“

Betreuungsangebote?

Mit Betreuungsgruppen, Häuslichen

Betreuungsdiensten bzw. Helfer-/

Helferinnenkreisen sollen die pfl egenden

Angehörigen entlastet und

ihnen ein wenig freie Zeit verschafft

werden, damit sie auch mal unbelastet

„aufatmen“ können.

Die erste dieser „Betreuungsgruppen“

in ganz Deutschland ist 1991

in Stuttgart-Birkach von ehemals

pfl egenden Angehörigen geschaffen

worden. Sie hatten sich während den

langen Pfl egejahren völlig allein gelassen

gefühlt. Diese Frauen haben

bald – unter Mitwirkung einer Fachkraft

– zunächst an einem Nachmittag

pro Woche Betreuung für

Demenzkranke angeboten. In dieser

Zeit konnten die pfl egenden Angehörigen

eine „Auszeit“ für sich oder zu

erledigende Dinge nehmen.

Der erste „Helferinnenkreis“ entstand

1995 in Nürnberg. Auslöser dafür war

die Anfrage „Hätten Sie nicht jemand,

der mal für ein paar Stunden bei meiner

Mutter (oder meinem Vater) bleibt?“

Die dortige Beratungsstelle gründete

daraufhin einen Helfer/innenkreis

zur stundenweisen Betreuung von Demenzkranken

im häuslichen Bereich

und zwar durch geschulte und fachlich

begleitete „Helferinnen“. Bei beiden

Angebotsformen war von Anfang

an klar, dass sie nur mit ehrenamtlich

bzw. bürgerschaftlich engagierten

Menschen zu verwirklichen sind.

Noch zum Begriff „niedrigschwellig“:

Es sollen keine Hürden (z.B. durch

hohe Kosten) geschaffen werden, die

es den Angehörigen erschweren, diese

Hilfe anzunehmen.

Betreuungsgruppen für

Menschen mit Demenz

Betreuungsgruppen fi nden meistens

nachmittags, oft in Mehrzweckräumen

von öffentlichen Einrichtungen

statt, in jedem Fall aber außer Haus.

Die Kosten dafür sind meistens 15,-

Euro pro Nachmittag. Viele Betreuungsgruppen

haben einen eigenen

Fahrdienst, der die demenzkranken

Menschen gegen ein geringes

Entgelt daheim abholt und wieder

dorthin bringt. Die Besucher, auch

gerne Gäste genannt, werden von

einer Fachkraft und mehreren ehrenamtlich

Mitarbeitenden freundlich

in Empfang genommen. Für die

Begrüßung lassen die Betreuenden

sich und den Gästen genügend Zeit.

Dann begleiten sie diese an ihre (oft

mit Namensschildern versehenen)

Plätze. Beides trägt zur Orientierung

in der Gruppe und im Raum

bei. Auftakt zum eigentlichen Betreuungsnachmittag

ist in der Regel

ein Begrüßungsritual, beispielsweise

ein immer gleiches Lied oder/

und eine Vorstellung der Gäste

durch die Gruppenleitung oder einer

Betreuerin. Es folgt eine gemütliche

Kaffeerunde an einem jahreszeitlich

schön dekorierten Tisch mit

Gesprächen über Themen, die den

Betroffenen möglichst zugänglich

sind. Im Anschluss sitzt die Gruppe

in einem Stuhlkreis und bewegt

sich zu anregender Hintergrundmusik.

Später werden verschiedene

Beschäftigungen angeboten, wie

z. B. vertraute Spiele, Ergänzen von

Sprichwörtern, das gemeinsame

Zubereiten eines Abendbrotes oder

die Beschäftigung mit vertrauten

alten Gegenständen, die an frühere

Zeiten erinnern und Gespräche anregen.

Zum Abschluss singen alle

Beteiligten alt bekannte Lieder und

beenden den Nachmittag mit einem

immer gleichen Abschiedsritual.

Häusliche Betreuungsdienste

sind sehr fl exible Angebote. Die Angehörigen

sprechen die gewünschten

Betreuungszeiten mit der Einsatzleitung

bzw. den Betreuenden

ab. Es können auch Demenzkranke

betreut werden, die z.B. nicht mehr

gehfähig sind, die nie gesellig waren,

oder auch solche, die z.B. durch unkontrolliertes

Schreien oder Rufen

eine Gruppenatmosphäre bzw. die

anderen Gäste einer Betreuungsgruppe

massiv stören würden.

Im häuslichen Bereich betreuen meistens

geschulte Laienkräfte, teils auch

Frauen mit pfl egefachlicher Ausbildung

und Berufserfahrung, die sich

hier ehrenamtlich engagieren. Bei

ihren Einsätzen widmen sie sich ausschließlich

der Betreuung der Kranken.

Sie übernehmen keine hauswirtschaftlichen

oder pfl egerischen Tätigkeiten,

es sei denn, dass diese mit der Betreuung

in unmittelbarem Zusammenhang

stehen und sich daraus herleiten

(z.B. Beschäftigungsangebot Wäsche

zusammenlegen; Toilettengang).

Und wer zahlt?

Mit dem Pfl egeweiterentwicklungsgesetz,

das im Juli 2008 in Kraft getreten

ist, erhalten alle Menschen,

bei denen der Medizinische Dienst

der Pfl egekassen eine Demenz festgestellt

hat, sogenannte zusätzliche

Betreuungsleistungen. Sie betragen

bis zu 100 bzw. 200 € im Monat und

können geltend gemacht werden,

wenn der demenzkranke Mensch ein

anerkanntes Betreuungsangebot in

Anspruch nimmt (z.B. eine Betreu-

2 2/2010 2/2010 2


Titel

ungsgruppe, eine häusliche Betreuung,

eine Tagespfl ege)

Aktuell gibt es landesweit mehr als

280 Betreuungsgruppen. Häusliche

Betreuungsdienste, die im Wesentlichen

auf das Konzept der „Helferinnenkreise“

zurückgehen, werden seit

dem Pfl egeleistungsergänzungsgesetz

im Jahre 2002 zunehmend gegründet.

Von ihnen gibt es derzeit in Baden-

Württemberg weit über hundert. Das

Land Baden-Württemberg, die Kommunen

und die Pfl egekassen fördern

die niedrigschwelligen Betreuungsangebote

jeweils nach ihren Regelungen.

Noch mehr Möglichkeiten?

Der Bedarf an niedrigschwelligen Betreuungsangeboten

ist besonders mit

dem Pfl egeweiterentwicklungsgesetz

vom Juli 2008 deutlich gewachsen.

Aufgrund der großen Nachfrage bauen

viele Träger diese Möglichkeit aus:

Mit einem zweiten Betreuungsnachmittag,

einer ganztägigen Betreuung

z.B. am Wochenende oder – ganz im

Sinne eines wohnortnahen Angebotes

– mit weiteren Gruppen in der

eigenen oder in anderen Gemeinden

des Einzugsgebiets. Vor allem in

Städten, in denen es schon mehrere

Betreuungsgruppen gibt, zeigt sich

eine Tendenz zur Differenzierung.

Es werden spezielle Gruppen für

Menschen gegründet, die sich z.B.

in der frühen Phase einer Demenz

befi nden. Sie unterscheiden sich

von den herkömmlichen Gruppen

Wer hilft „im Ländle“?

Hier ist besonders die Alzheimer

Gesellschaft Baden-

Württemberg e.V. zu nennen, die

1994 von pfl egenden Angehörigen

und Fachleuten gegründet wurde.

Sie versteht sich als Selbsthilfeverband

für Betroffene und Angehörige

und bietet einen umfangreichen

Informationsservice, klärt

auf, berät, vermittelt Hilfen für

pfl egende Angehörige, veranstaltet

Vorträge und Fortbildungen und

vermittelt Referentinnen und Referenten.

Außerdem unterstützt,

darin, dass sie je nach Konzept z.B.

eine Auseinandersetzung mit der

Krankheit durch Gespräche anbieten,

Erlebnismöglichkeiten auch im

öffentlichen Raum (Museums- und

Kaffeebesuche, Kegeln, etc.) schaffen

und/oder einen Schwerpunkt auf

körperliche Bewegung setzen.

Hans-Jörg Eckardt

begleitet und koordiniert sie die regionalen

Angehörigen- und Betreuungsgruppen

sowie die Häuslichen

Betreuungsdienste, entwickelt und

fördert neue Betreuungs- und Versorgungsangebote,

arbeitet mit Politik-

und Fachkreisen zusammen

und kooperiert mit Wissenschaft Freiwilligen-Gruppen

und Forschung. Sie ist also runden eine Profiarbeit ab

„erste Adresse“ zu diesem (leider)

Begegnung, Begleitung,

immer wichtiger werdenden Unterstützung The- wird leichter

ma, das uns alle angeht.

Erstes „genossenschaftliches“ Wohn- und Pfl egezentrum

Kann und wird das (hoff entlich) Schule machen?

In Pfullendorf entsteht derzeit

das erste „genossenschaftliche“

Wohn- und Pfl egezentrum im

Südwesten. Diesen völlig neuen

Weg hat die WoGA eröffnet. Diese

erste kleine Sozialgenossenschaft

(Wohnen und Gesundheit im Alter)

ist extra dafür gegründet worden.

Während der Bauphase gehören besonders

die überwiegend aus Pfullendorf

stammenden Unternehmen

dazu. Seit dem Richtfest können

sich auch die Bürgerinnen und Bürger

der Stadt an der Genossenschaft

beteiligen. Thomas Göbel, Vorstand

der WoGA, hatte bei diesem Anlass

betont: „Nicht die Investoren soll-

Bedingungen die Menschen im Alter

leben, sondern die Bürgerinnen und

Bürger selbst.“

Wohlfahrtswerk für Baden-

Württemberg und Volksbanken

stehen dahinter

So ist auch bei den äußeren Bedingungen

entschieden worden, dass der

Neubau als so genanntes KfW-Energiesparhaus

40 gebaut und fi nanziell

gefördert wird, weil er höchsten ökologischen

Anforderungen entspricht.

Für die Heizung ist beispielsweise

eine Holzpellet-Kesselanlage vorgesehen.

Eine besondere Dämmung

und eine Entlüftungsanlage sorgen

eck

Wärme. Betrieben werden soll das

Zentrum für 53 pfl egebedürftige

Menschen auf drei Etagen dann vom

Wohlfahrtswerk für Baden-Württemberg.

Zwei weitere Ebenen sind

für Ladenfl ächen, Ärzte und Gesundheitsdienstleistungen

vorgesehen.

Und fi nanziell haben sich die Volks-

und Raiffeisenbanken mit engagiert.

Bei diesem Vorhaben interessiert es

den „im blick“ natürlich, wie für die

dort später Wohnenden und zu Pfl egenden

gesorgt wird. Voraussichtlich

schon im nächsten Heft dürften

Sie dazu einen weiteren Beitrag „blicken“.

Initiativen oder Gruppen, die sich für im Alltag

erheblich eingeschränkte Mitbürger

engagieren, können ihre geplanten Vorhaben

nun einfacher verwirklichen oder ihre Initiative

nachhaltig stärken. Denn mit Förderung

nach § 45d SGBXI erhalten bürgerschaftlich,

ehrenamtlich, kirchlich oder vereinsnah

organisierte Gruppen finanzielle Unterstützung

zur Durchführung ihrer Angebote –

oder zum Aufbau neuer Dienste für ein

Leben zu Hause, wenn es alleine nicht mehr

geht.

Die Agentur, die Ihren Förderantrag

unterstützt

„Pflege engagiert“ heißt die Agentur im Paritätischen

Bildungswerk, die Ihnen im Auftrag

des Landesseniorenrats und des Sozialministeriums

Antworten zu Ihrem Förderantrag

nach § 45d gibt. Sind Sie antragsberechtigt?

Wie geht man vor, um die Förderung zu erhalten?

Ist Ihr Antrag formal korrekt verfasst?

Solche und weitere Fragen beantwortet die

Agentur Pflege Engagiert gerne im Internet

oder per Telefon.

Pfl ege engagiert!

Ein Jahr fi nanziell gefördertes Bürgerengagement im

Umfeld von Pfl ege: einfach dran bleiben!

Baden-Württemberg ist erneut

Vorreiter bei der Umsetzung

von Bürgerengagement im

Feld häuslicher Betreuung: 2009 ergriffen

bereits 37 Initiativen auf der

Grundlage fi nanzieller kommunaler

Mitförderung die verbesserten Ressourcen

durch die Pfl egekasse. Das

ergab die Bilanz des Sozielministeriums,

das den zuständigen Koordinierungsausschuss

leitet. Seit 2002

wurden dort bereits erfolgreich 439

Betreuungsgruppen für Menschen

mit Demenz genehmigt.

„Wir werten die Entwicklung beim §

45d SGB XI als einen Erfolg. Hinter

Beratungs- und

den neu geförderten Vermittlungsagentur Initiativen stehen

„Pflege engagiert“

ca. 450 Freiwillige. c/o Paritätisches Sie alle Bildungswerk tragen dazu

Baden-Württemberg

bei, dass die Haußmannstr. Pfl egelandschaft 6 bunter

70188 Stuttgart

wird“, meint Tel.: Dr. (0711) Andreas 2155-188Marg,

im So-

E-Mail: info@pflege-engagiert.de

zialministerium www.pflege-engagiert.de zuständig für die ambulante

Altenhilfe. „Wir können damit

Wir freuen uns auf Ihren Anruf und darauf,

den Weg, den Ihre wir Fragen mit zu dem beantworten Aufbau und und

Ihren Förderantrag vor zu prüfen:

der Begleitung von Seniorennetzwer-

Iren Steiner: (07023) 74 12 48

ken 2007 begonnen Dienstags haben, 13 – 18 Uhr ausbauen

und nach Vereinbarung

und jetzt verstärkt Sabine Reiber: auch (0711) für 21 55-184 pfl egende

Donnerstags 14 – 16.30 Uhr

Angehörige aktiv werden.“

Das Spektrum der nach § 45d geförderten

Initiativen ist bereits umfangreich:

Zum Beispiel stehen 17

Seniorennetzwerke am Start. Das

sind Vereinigungen und Zusammenschlüsse

für betreutes Wohnen zu

Hause, in denen Profi s und Freiwillige

eng zusammenarbeiten.

Zum Beispiel haben 15 Pfl egebegleitergruppen

und Initiativen im Aufbau

die Förderung wahrgenommen.

Das sind Freiwillige, die als Vertrauenspersonen

pfl egenden Angehörigen

zur Seite stehen.

Interessantes fi ndet sich sowohl bei

rein kommunal geförderten Initiativen

als auch bei landesgeförderten

Seniorennetzwerken. Sie gehen

meistens auf aktive Bürgerinnen

und Bürger zurück, die mit andern

gemeinsam patente Lösungen für

einen lebenswerten Alltag trotz Einschränkung

gesucht haben.

Lebenswerter Alltag

trotz Einschränkungen

Finanziell gefördertes Bürgerengagement

im Umfeld von Pflege.

Kümmerer im Besuchsdienst:

In N. hat sich ein Gruppe von Mitgliedern

der Kirchengemeinde entschlossen,

Hochbetagte, die nicht

mehr aus dem Haus kommen, regelmäßig

zu besuchen.

Einkaufen auch bei Behinderung:

In F. haben mit Unterstützung

der Gemeinde einige Bürgerinnen

und Bürger das Susemobil gegründet:

Es fährt mehrmals pro Woche

Einkaufstouren – wenn Wege zu Fuß

oder im Bus beschwerlich oder unmöglich

sind.

Für Pfl egende engagiert: In B.

hat sich eine Gruppe von ehemals

pfl egenden Angehörigen zusammengetan.

Sie wollen Wohlfühlnachmittage

für Pfl egende ins Leben rufen.

Mit der Förderung nach § 45d können

sie diese Idee verwirklichen und

zudem durch eine Ausbildung als

Pfl egebegleiterinnen für Angehörige

ihren Horizont erweitern.

Paten für den Schreibkram: In E.

bietet eine Gruppe von Freiwilligen, die

sich mit Formularen und Bürokratie

auskennt, Hilfestellung bei jeglichem

„Verwaltungsgeschäft im Alltag“.

Meilensteine der Agentur

Pfl ege engagiert 2010

Noch längst nicht alle Landkreise

weisen geförderte Initiativen auf:

Die 37 Anträge konzentrieren sich

in 16 Landkreisen. Bei 28 Landkreisen

gibt es noch keine Förderungen.

Deutlich mehr Initiativen könnten

2010 die Zuschüsse nützen, vorausgesetzt

sie erreichen eine kommunale

Mitförderung. Initiativen oder

Gruppen, die sich für im Alltag erheblich

eingeschränkte Mitbürger engagieren,

können ihre geplanten Vorhaben

nun einfacher verwirklichen oder

ihre Initiative nachhaltig stärken.

Denn mit der Förderung nach § 45d

SGB XI erhalten bürgerschaftlich, eh-

ten darüber bestimmen, zu welchen für einen effi zienten Nutzen der Hans-Jörg Eckardt

26 2/2010 2/2010 27


Titel

Testen Sie Ihre Initiative auf Förderfähigkeit

1. Geht Ihre Unterstützung für Betagte

von einer Initiative, einem

Verein oder einem gemeinnützigen

Träger aus?

2. Bieten Sie unterstützende Hilfen

für Menschen, die Betreuung

und Begleitung im Alltag

benötigen?

3. Entlastet Ihr Angebot pfl egende

Angehörige und soll es deren

Lebensqualität erhöhen?

4. Wird Ihre Leistung durch Freiwillige,

also ehrenamtlich erbracht?

renamtlich, kirchlich oder vereinsnah

organisierte Gruppen fi nanzielle Unterstützung

zur Durchführung ihrer

Angebote – oder zum Aufbau neuer

Dienste für ein Leben zu Hause, wenn

es allein nicht mehr geht.

Deshalb sollen 2010 die Möglichkeiten

der Förderung von bürgerschaftlich

gestützter sozial Betreuung,

Begleitung und Unterstützung von

pfl egebedürftigen Personen und pfl egenden

Angehörigen in der Gemeinde

für Gruppen und Organisationen

regional besser bekannt gemacht und

zum Einstieg ermutigt werden.

Ein Kurs zum Aufbau von Pfl egebegleiterinitiativen

für zehn neue

Standorte bietet das Paritätische

Bildungswerk ab 8. Juli 2010. Den

neuen Infofl yer erhalten Sie bei der

Agentur Pfl ege engagiert.

Beratungs- und

Vermittlungsagentur

„Pfl ege engagiert“

E-Mail: info@pfl ege-engagiert.de

www.pfl ege-engagiert.de

Iren Steiner: (07023) 74 12 48

Sabine Reiber: (0711) 21 55-184

5. Unternehmen Sie Aktivitäten

zur sozialen Betreuung Älterer

daheim, sorgen Sie dort für Erleichterungen

im Alltag?

6. Helfen Sie beim Aufrechterhalten

von Kontakten oder bei der

Teilhabe Älterer am kulturellen

oder am öffentlichen Leben?

7. Machen Sie Älteren Angebote

zur Gesunderhaltung oder zur

Gesundheitsförderung?

8. Wird Ihre Initiative von der Gemeinde

gefördert oder besteht

Aussicht darauf?

Überwiegend mit „ja“ geantwortet?

Dann jetzt im Internet auf

www.pfl egeengagiert.de gehen,

Ihren Förderantrag nach § 45d

herunterladen und ausfüllen.

Gehen Sie zunächst auf Ihre Kommunalbehörde

(Sozialamt) wegen

der Bestätigung einer Mitförderung

zu und lassen Sie anschließend

Ihren Antrag durch die

Agentur prüfen. Hier berät man

Sie auch telefonisch.

Wir wachsen mit

erneuerbaren

Enegien

Mehr Informationen unter:

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Die Energiefragen der Zukunft stellen

uns vor große Herausforderungen - die

wir gerne annehmen. Die EnBW plant, in

den nächsten Jahren insgesamt rund

drei Milliarden Euro in den Ausbau der

Erneuerbaren Energien zu investieren.

Aktuell laufen die Vorbereitungen zum

Bau von EnBW Baltic I, dem ersten

kommerziellen Windpark in der deutschen

Ostsee. Drei weitere Offshore-

Projekte sollen folgen. Darüber hinaus

hat die EnBW im letzten Jahr ihre

Stromerzeugung mit Onshore-Windparks

deutlich ausgebaut, in den Bau

von Photovoltaik- und Biogasanlagen

investiert und unter anderem mit dem

Neubau des Wasserkraftwerks in Rheinfelden

und dem Ausbau des Wasserkraftwerks

in Iffezheim Zeichen gesetzt.

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Wie möchte und kann ich im

Alter wohnen und leben?

Informationen und Checklisten auf 162 Seiten

„Wie möchte und kann ich im Alter

wohnen und wie soll mein Zuhause

einmal aussehen? Diese für ältere

Menschen und ihre Angehörigen

wichtigen Fragen lassen sich jetzt

besser beantworten. Die neue 162seitige

DIN A4-Broschüre („Auf der Suche

nach der passenden Wohn- und

Betreuungsform – ein Wegweiser

für ältere Menschen“), die gerade

vom Bundesministerium für Familie,

Senioren, Frauen und Jugend

(BMFSFJ) herausgegeben wurde, ist

dabei eine große Hilfe. Der Landesseniorenrat

Baden-Württemberg hat

dieses Heft entwickelt. Neben dem

BMFSFJ haben sich auch das Sozielministerium

des Landes sowie die

Robert Bosch Stiftung an der Entwicklung

fi nanziell beteiligt.

Hilfreiche Broschüre

Die Broschüre „Das Wichtigste

über die Alzheimer-Krankheit

und andere Demenzformen“ informiert

in 17 kurzen Abschnitten über

die Alzheimer-Krankheit und andere

Demenzformen, deren Ursachen

und Risikofaktoren, Verläufe und

Stadien. Diagnose und ärztliche

Behandlungsmöglichkeiten sowie

Damit der Weg zum Wohnen und

Leben im fortgeschrittenen Alter

etwas leichter ist, werden dafür

drei einfache Schritte empfohlen:

Informieren, sich für eine Wohn-

und Betreuungsform entscheiden,

Angebote suchen und auswählen.

Dabei ist man jedoch nicht alleine

gelassen. Die Broschüre enthält

umfangreiche Checklisten für Ambulante

Pflegedienste, Betreutes

Wohnen/Betreute Wohnanlagen,

Betreute Wohngemeinschaften

und Pflegeheime, die man nutzen

kann. Auch die finanziellen Leistungen

sind darin aufgezeigt. Ein

38seitiges Glossar erläutert die

wichtigsten Begriffe. Das reicht

beispielsweise von Aktivierender

Pflege über den Hausnotruf, Nied-

nicht-medikamentöse Therapien

werden in einer für medizinische

Laien verständlichen Sprache dargestellt.

Angesprochen wird, was

Angehörige für das Wohlbefi nden

Demenzkranker tun können, welche

Unterstützung es für Angehörige gibt

und welche rechtlichen und fi nanziellen

Fragen zu bedenken sind.

Der kompakte Ratgeber (48 Seiten) ist

gerade in der 16. aktualisierten Aufl a-

rigschwellige Hilfen, Pflegestufen

und Sturzprophylaxe bis zu den

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Die Broschüre kann über den Publikationsversand

der Bundesregierung

bezogen werden:

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28 2/2010 2/2010 29


Mobilität

Wo bleibt der Service für Ältere?

Deutsche Bahn beharrt auf Fahrkartenverkauf am Automaten

Mit diesen Kernaussagen hat

Rüdiger Grube, der neue

Vorsitzende des Vorstands

der Deutschen Bahn, auf einen weiteren

Vorstoß des LSR reagiert.

„Aus wirtschaftlichen Gründen ist es

nicht möglich spezielle Fahrkartenautomaten

für Senioren zu entwickeln,

zumal die „Buchungsschritte“

die gleichen bleiben würden. Ich

kann allen Bahnkunden nur empfehlen,

sich einmal ohne Zeitdruck

mit den Automaten zu befassen

und die einzelnen Schritte für den

Fahrkartenkauf zu „üben“, ein Abbruch

ist dabei jederzeit möglich.“

Das war jedoch nicht in unserem

Sinne. Nachdem er diesen Brief

aber persönlich unterzeichnet hat,

dürften die Probleme der Älteren

mit den Fahrkartenautomaten und

den reduzierten Reisezentren bzw.

Foto: Raab

geschlossenen Fahrkartenschaltern

zumindest direkt bei ihm angekommen

sein.

Immer wieder:

Automaten und Schalter

Roland Sing hatte für den LSR zum

Jahresende nochmals darauf hingewiesen,

dass bei der Interessensvertretung

der Älteren immer wieder

über die Automaten, die sogar für

Jüngere teilweise schwierig seien,

und geschlossene Fahrkartenschalter

geklagt wird. Auch darüber, dass

die Züge für viele Ältere das einzige

Verkehrsmittel darstellen. In seiner

Antwort betonte Grube, dass „Reisezentren

und Fahrkartenschalter

auch künftig ein wichtiger Teil unseres

Vertriebswegmixes sind.“ Um

deren Fortbestand aber langfristig zu

sichern, sei es notwendig, wirtschaft-

lich tragfähige Konzepte zu entwickeln,

die sich an den geänderten

Kundenbedürfnissen ausrichten. Allein

die Nutzung der Automaten sei

in den letzten Jahren um zwölf Prozent

gestiegen.

Im Internet lernen, Fahrkartenautomaten

zu bedienen?

Der LSR bleibt gegenüber einem weiteren

Argument von Grube jedoch

völlig verschlossen. Er hatte darauf

hingewiesen, dass die Internetseite

www.bahn.de eine der meist frequentierten

in Europa sei und einen

hohen Anteil von Nutzern über 60

Jahre habe. „In dem eigens für ältere

Kunden gestalteten Bereich ‚55plus’

wird unter anderem auch die Bedienung

der Fahrkartenautomaten anschaulich

erklärt.“ Der LSR und „im

blick“ müssen dazu leider feststellen,

dass die meisten der noch jüngeren

„Internet-Senioren“ nicht die „Masse

der Älteren“ ausmachen, für die

man sich besonders eingesetzt habe.

Wer weder über einen PC noch über

Kenntnisse im Internet verfüge, könne

das natürlich auch nicht dort und

auf die von Grube vorgeschlagene

Weise lernen und üben.

Hans-Jörg Eckardt

Unsere Bahn wird wieder

„deutsch“ (und vorbildlich?)

Der LSR hat –wie daneben gedruckt- zwar

gelegentlich Kummer mit der DB. Man

sollte aber auch mal Lob spenden. Bei der

Bahn muss jetzt nicht mehr nur deutsch

geredet, sondern sogar (wieder) so geschrieben

werden. Das hat der (schwäbische)

Chef Grube entschieden.

Statt Flyer gibt es nun wieder Handzettel,

die Counter heißen Schalter, aus Hotlines

werden Servicenummern und Service-

Points zu Treffpunkten.

Die „sonorigen“ Nutzer der Bahn dürften

das sicher gut verstehen.

30 2/2010 2/2010 31

eck

Doch wohl nur ein schlechter Aprilscherz:

am Wochenende geschlossene Reisezentren

„Das kann doch wohl nur ein äußerst

schlechter Aprilscherz sein, wenn

die Deutsche Bahn zum 1. April an

Wochenenden weitere Reisezentren

schließen will.“ So kritisierte Roland

Sing, Vorsitzender des Landesseniorenrates

(LSR), der die Interessen

von 2,5 Mio. Älteren im Südwesten

vertritt, das Vorhaben der Bahn.

„Das ist ein nicht mehr wieder gut

zu machender Vertrauensverlust

der Bahn. Auf unsere verschiedenen

Vorstöße bis zur Spitze in Berlin hatte

man uns versprochen, dass die

Die Notfall- und Nachlaß-Mappe –

Ein Dienst für die Familie

Man soll ruhig darüber sprechen:

Jedem von uns kann

jederzeit etwas zustoßen.

Und wer sich schon einmal mit dem

Thema Vorsorge befasst hat, weiß,

welche Probleme im Krankheits-

oder Todesfall auf die Angehörigen

zukommen. Zu dem Schmerz kommt

oft noch die Ratlosigkeit. Die Notfall-

und Nachlaß-Mappe bietet dabei

die schon lange gesuchte Hilfe:

Zum sicheren Ordnen und Aufbewahren

aller wichtigen Papiere und

Anweisungen! Vorgedruckte Formulare

und Meldungen an staatliche

Stellen und private Versicherungen

helfen bei der Wahrung von Fristen

und Ansprüchen. Mit praktischen

Beispielen für das Abfassen eines

Testamentes. Anweisungen zum

Geld- und Immobilienvermögen

und Übersichten über Kapitalanlagen

schaffen Klarheit und Ordnung.

Für Selbstständige, Freiberufler und

Hauseigentümer sind die Besonderheiten

berücksichtigt. Der Innenteil

Senioren nicht „abgehängt“ werden.

So verliere man den letzten Rest an

Glaubwürdigkeit“.

Sing wiederholt die frühere Argumentation

des LSR: „Gerade für die

Senioren ist der Besuch von Kindern,

Enkeln, Verwandten und Freunden

oft nur noch mit der Bahn möglich.“

Und dabei sind sie an den Sonntagen

ab April an vielen Orten auf die nicht

gerade bedienungsfreundlichen Ticket-Automaten

angewiesen. Und

85-Jährige könne man für den Fahr-

setzt sich zusammen aus über 80 prägung. Mit Klarsichttasche innen.

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kartenkauf wohl auch kaum generell

auf das Internet verweisen. „Will die

Bahn denn diese Personengruppe,

die zu ihren treuesten Kunden zählt,

aufs Abstellgleis rangieren?“, fragt

Sing. Das sei der Gipfel an Unfreundlichkeit

gegenüber den Kunden.

Man habe bei der Politik, aber auch

bei Bahnchef Wolfgang Grube erneut

heftig protestiert, so Sing. Das

ist aber kein Aprilscherz!

eck


Blick ins Land

Abkürzungen

KSR = Kreisseniorenrat

LSR = Landesseniorenrat

OSR = Ortsseniorenrat

SSR = Stadtseniorenrat

Stadtseniorenrat

Biberach

Haushaltshilfen aus

Osteuropa?

Auf der Mitgliederversammlung hat der

Vorstand eine positive Bilanz des ersten

Jahres nach Vereinsgründung gezogen.

Harald Hinderberger von der Agentur

für Arbeit referierte außerdem über legale

Beschäftigungsmöglichkeiten für

Haushaltshilfen aus Osteuropa in Familien

mit pflegebedürftigen Personen.

Herausragende Themen im vergangenen

Jahr waren, so die Vorsitzende Marlene

Goeth, das Projekt „seniorenfreundlicher

Service im Einzelhandel“ und die Bestandsaufnahme

der in Biberach vorhandenen

Angebote für ältere Menschen. In

einem dreiteiligen Maßnahmenplan erarbeitet

der SSR derzeit Vorschläge zur

weiteren Verbesserung der Lebenssituation

der älteren Menschen in Biberach.

Der erste Teil des Plans mit den kurzfristig

realisierbaren Maßnahmen sei fertig

und werde in Kürze dem Gemeinderat

vorgestellt.

Im Jahr 2010 besteht für die Biberacher

Dienstleister die Möglichkeit, sich als seniorenfreundlich

zertifizieren zu lassen.

Ein zentraler Punkt war der Vortrag über

Mannheim

Karlsruhe

Kornwest-

Enzkreis heim

Ostalbkreis

Waiblingen

Ludwigs-

Weinstadt

Rastatt burg

Rottweil

Herrenberg

Tuttlingen

Biberach

Bodenseekreis

Haushaltshilfen aus Osteuropa. Hinderberger

erklärte, wie Haushaltshilfen

legal über die Arbeitsagentur vermittelt

werden können. Die große Zahl der Zuhörer,

die speziell wegen dieses Vortrags

gekommen waren, zeigte, welche Bedeutung

dieses Thema für viele Menschen

in Biberach hat. Informationen zum

Verfahren sind unter der Adresse www.

arbeitsagentur.de > Bürgerinnen und

Bürger > Arbeit und Beruf > Vermittlung

> Haushaltshilfen > Formulare Haushaltshilfen

> Merkblatt abrufbar. Der

Tariflohn beträgt in Baden-Württemberg

derzeit 1 302 €. Hinzu kommen 20

Prozent Sozialabgaben. Für Unterkunft

dürfen 173,40 €, für Verpflegung 210 €

abgezogen werden.

Marlene Goeth

(marlene.goeth@gmx.de)

Kreisseniorenrat

Bodenseekreis

Näher an ältere Menschen!

Um mehr Transparenz zu schaffen und

nach dem Motto: „Sehen – Hören – Sprechen“

und dem Wunsch, näher an den älteren

Menschen vor Ort zu sein, hat der

KSR sein Netzwerk in Städten und Gemeinden

erweitert.

Indem „Außenvertretungen“ eingesetzt

werden, geht man einen neuen Weg im

Zusammenspiel des KSR und den älteren

Bürgern. Sie sollen generationenübergreifend

tätig, aber keine Konkurrenz für

andere soziale Einrichtungen sein. Als

Bindeglied zwischen dem KSR und den

Bürgern einerseits und den Trägern der

kommunalen Verwaltungen anderseits

können die „Außenvertreter“ vor Ort

wichtige, die Bürger drückende Probleme

und Anliegen erkennen, aufgreifen und

in den Vorstand bringen. Dort sollen sie

beraten und geeignete Lösungen erarbeitet

werden.

Die Aufgabe aller Beteiligten wird ein reger

Erfahrungsaustausch sowie die Weitergabe

von Informationen, Gedanken

und Überlegungen auf sozialem, kulturellem

und politischem Gebiet sein.

Mit dem erweiterten Aufgabengebiet

will der KSR auch deutlich machen, dass

die ältere Generation in den Gemeinden

einen festen Platz hat und zudem noch

wichtige unverzichtbare Erfahrungen

einbringen kann.

Wolfgang Seiffert

(seiffert.greiner@t-online.de)

Kreisseniorenrat

Enzkreis-Stadt Pforzheim

Aktion Lesepaten

Der KSR betreibt gemeinsam mit der

Volkshochschule die Freiwilligen-Agentur

Pforzheim-Enzkreis (FRAG) mit dem

Ziel, Bürgerinnen und Bürger, die sich

ehrenamtlich engagieren wollen, an gemeinnützige

Einrichtungen zu vermitteln.

Man könnte die FRAG auch als eine

„Jobbörse für das Ehrenamt“ bezeichnen.

Im Herbst 2009 ist die FRAG mit einer

Aktion zur Gewinnung von Lesepaten

über die Presse, Plakate und Lesepaten-

Karten (s.Bild) an die Öffentlichkeit gegangen.

Bis Februar 2010 wurden insgesamt

55 Lesepaten gefunden. Besonders

erfreulich: Über die Hälfte sind Seniorinnen

und Senioren, die sich für Kinder

engagieren wollen.

Anlass der Aktion: Immer mehr Kinder

haben heute Probleme beim Lesen und

ihnen fehlt damit eine wichtige Voraus-

setzung, auch die anderen Schulfächer

bewältigen zu können. Im ersten Schritt

verschaffte sich die FRAG einen groben

Überblick über den Bedarf an Lesepaten.

Befragt wurden die Familienzentren sowie

einige Schulen und Kindergärten in

Pforzheim und im Enzkreis. Ergebnis:

Bedarf ist reichlich vorhanden.

Würde es Ihnen

Spaß machen,

Kindern beim

Lesen zu helfen?

Werden Sie Lesepate!

Stadtseniorenrat

Herrenberg

mit Kindern lesen

Wörter erklären

sich vorlesen lassen

über Gelesenes sprechen

Wir suchen Ehrenamtliche.

Danach konzentrierten sich die Aktivitäten

auf die Akquisition geeigneter

Lesepaten und deren Vermittlung an

Einrichtungen, die Lesepaten suchen.

Dabei wurden die Wünsche der Ehrenamtlichen

und der Organisationen hinsichtlich

Zeit, Einsatzort und Inhalt der

Tätigkeit berücksichtigt. Denn je nach

Alter der Kinder liegt der Schwerpunkt

auf Vorlesen, Vorlesen lassen, schwierige

Wörter erklären und Gelesenes nacherzählen

lassen. In jedem Fall soll das Interesse

an Büchern und die Freude am

Lesen geweckt werden.

Die FRAG erhält allgemein positive Resonanz

auf die „Aktion Lesepaten“ und

viele wünschen dieser Aktion viel Erfolg:

Denn jeder Lesepate verbessert die

Chancen eines Kindes - die Chancen auf

einen erfolgreichen Schulabschluss und

auf eine qualifizierte Berufsausbildung.

Bärbel Grötzinger

(info@kreisseniorenrat-pf.de)

Neu: Schnupperwoche

Zum ersten Mal fand in Herrenberg die

Schnupperwoche für bürgerschaftliches

Engagement statt. Sie gab Gelegenheit,

zu entdecken, wo und wie man freiwillig

aktiv werden könnte und dass es Spaß

macht, dort zu helfen, wo Unterstützung

in unserer Gesellschaft nötig ist.

Mit dem Programm „Aktiv im Alter“ des

Bundesministeriums für Familie, Senioren,

Frauen und Jugend wollte die Stadt

in Kooperation mit dem SSR und der

Gäu-Agentur für bürgerschaftlichesEngage-

ment dafür sorgen, dass

sich Bürgersinn über die

Generationen hinweg

weiter entwickelt.

Nahezu 3 000 Broschüren

wurden in der Stadt

und in den Teilgemeinden

verteilt und die

Gäu-Agentur freute sich

über zahlreiche Anrufe.

Selbst am Freitag war

die Sprechstunde noch

gut besucht, insgesamt

fast 50 Bürgerinnen

und Bürger hatten sich

für ein Schnupperangebot angemeldet.

Spontan, also ohne Anmeldung interessierten

sich annähernd 200 Menschen

für die Möglichkeit, in das bürgerschaftliche

Engagement bei verschiedenen

Organisationen herein zu schnuppern.

Für einige war bereits das erste „Schnuppern“

ausreichend, so dass sie sich entschlossen,

bei der ausprobierten Aufgabe

zu bleiben. Andererseits gab es einzelne

Angebote, die eine bessere Resonanz

verdient gehabt hätten. Nach Auffassung

der Initiatorinnen der Schnupperwoche,

Rita Pehlke-Seidel, Koordinatorin Bürgerschaftliches

Engagement der Stadt,

Angelika Severin und Gabriele Wagner

vom SSR und zuständig für das Projekt

„Aktiv im Alter“ des Bundesministeriums

war die Schnupperwoche zumindest

ein erfolgreicher Startschuss für

die Weiterentwicklung. „Wir sind insgesamt

sehr zufrieden, denn wir haben

ein solides Fundament geschaffen, auf

das die Weiterentwicklung des bürgerschaftlichen

Engagements in Herrenberg

bauen kann. Und wenn einige Angebote

gar nicht oder zu wenig genutzt wurden,

dann ist das für uns ein Ansporn, solche

Themen mit Überzeugungskraft und

Nachdruck zu unterstützen“, so das Fazit

von Rita Pehlke-Seidel.

Ziel der Schnupperwoche war es, so Angelika

Severin, die Leute neugierig zu

machen auf mögliche Tätigkeiten bei

verschiedenen Organisationen und Initiativen.

Sie selbst hat Organisationen

besucht, die sie bisher noch nicht persönlich

kannte, wie etwa die Tagesstätte

Lichtblick und das Jugendzentrum

LOGO. Aus ihrer Sicht ist es nicht allein

ausschlaggebend, ob jemand in die

angebotenen Aufgaben tatsächlich „geschnuppert“

hat, sondern auch, ob die

Möglichkeiten bewusst wurden, die darin

stecken könnten.

Die Organisatorinnen sind sich einig,

dass auf Basis der Schnupperwoche weitere

Schritte unternommen werden können.

Dazu gehören neben der Entwicklung

einer Informationsdatenbank über

das bürgerschaftliche Engagement eine

klare Aufgabenbeschreibung gemeinsam

mit den Organisationen sowie die Definition

des Bedarfes der Organisation. Häufig

wird nur an Betreuung von Menschen

und weniger an Themen wie Büroarbeit,

Buchhaltung oder Öffentlichkeitsarbeit

gedacht, wenn es um bürgerschaftliches

Engagement geht.

Gabriele Wagner

(kontakt@stadtseniorenrat-herrenberg.de)

An diesem Schreibtisch im Klosterhof laufen alle Fäden

zusammen. Hier gehen die schriftlichen, telefonischen

und mündlichen Anmeldungen für die Schnupperwoche

ein. Karin Hellmann, Mitarbeiterin für die Gäu-Agentur

für Bürgerschaftliches Engagement ist begeistert: Eine

neue Mitarbeiterin hat sich für das Team gemeldet und

wird künftig dazu beitragen, dass ein kompetentes Team

viermal pro Woche als Ansprechpartner für Engagierte zur

Verfügung steht.

32 2/2010 2/2010 33


Blick ins Land

Stadtseniorenrat

Karlsruhe

SSR will zur Schönheit

Karlsruhes beitragen

Trotz Streik im öffentlichen Nahverkehr

und Demonstration auf dem Marktplatz

sind zahlreiche Teilnehmer zur ersten

Versammlung des SSR im neuen Jahr

ins Rathaus gekommen. „Was haben Senioren

mit der Zukunft zu tun?“ Mit dieser

provokativen Frage leitete der Vorsitzende

Gustav Betz auf das Thema der

Versammlung „Der Start in die Zukunft

von Karlsruhe“ hin und beantwortete sie

auch sogleich: „Sehr viel, denn wir alle

wollen doch, dass es unsere Kinder einmal

besser haben als wir.“

Damit seien nicht nur die individuellen

Lebensumstände gemeint, sondern auch

das allgemeine Lebensumfeld, die Stadt,

so Betz weiter. „Unsere Fächerstadt soll

schön sein und auch schön bleiben, obwohl

sich die Lebensumstände permanent

verändern.“ Hier konnte Oberbürgermeister

Heinz Fenrich, der als Gast

referierte, nur zustimmen und betonte

die große Bedeutung der Senioren in diesem

Prozess: „Sie leben vor, wie man die

dritte Lebensphase konstruktiv gestalten

kann und bringen sich in den Alltag

und damit auch in die Zukunft ein.“ Die

Kombination aus Lebenserfahrung und

dem Willen mitzugestalten, habe den

SSR in den vergangenen Jahren zu einer

gern gehörten Institution gemacht.

„Sie liefern immer wieder wichtige Impulse“,

lobte Fenrich und hob Projekte

wie das Zertifikat „Seniorenfreundlicher

Service“, oder die „Karte ab 60“ für den

Nahverkehr hervor.

Beim Thema „Zukunft von Karlsruhe“

kam Fenrich natürlich nicht umhin,

ausführlich über das Großprojekt Kombilösung

zu sprechen, Auch hier werde

an die Bedürfnisse der Senioren gedacht

und unterirdische Haltestellen barrierefrei,

hell und mit kurzen Wegen geplant.

Ein weiteres Thema war der im Jahr

2015 bevorstehende Stadtgeburtstag.

Auch hier hoffe er auf das Engagement

des Seniorenrats, denn Ziel sei es, „eine

Veranstaltung von Bürgern mit Bürgern

für Bürger“ zu organisieren.

Passend hierzu stellte die Leiterin des Seniorenbüros,

Kerstin Safian, das Projekt

„Kulturbegleiter“ vor, das derzeit, gemein-

sam mit dem Kulturamt entwickelt wird.

Es geht davon aus, dass es viele ältere

Menschen gibt, die aus Mangel an einer

passenden Begleitung nicht mehr aktiv

am Kulturleben teilnehmen. „Wir wollen

nun herausfinden, wie groß der Bedarf tatsächlich

ist und ob es genügend Menschen

gäbe, die sich als Begleitung zur Verfügung

stellen würden“, erklärte Safian und bat

um die Unterstützung des Seniorenrats, in

dem 36 Vereine und Institutionen aus der

Seniorenarbeit vertreten sind.

Gustav Betz

(h-c@heyer-stuffer.eu)

Ortsseniorenrat

Kornwestheim

Neu: Seniorenakademie

Die Tatsache, dass die Menschen heute

zunehmend älter werden, als dies noch vor

Jahrzehnten der Fall war, bedingt auch,

dass sie länger jung und vital bleiben. Geistige

und körperliche Rüstigkeit im sechsten,

siebten oder achten Lebensjahrzehnt

sind durchaus keine Seltenheit mehr.

Diese mentale Bereicherung unserer Gesellschaft

fordert sie aber gleichermaßen

heraus, sinnstiftende, anregende und bereichernde

Angebote vorzuhalten.

Der OSR Kornwestheim hat diesen Bedarf

aufgegriffen und eine Seniorenakademie

ins Leben gerufen.

Von ihr werden interessante Bildungsangebote

aus den Bereichen Biologie, Physik,

Musik, Literatur, Ernährungswissenschaften,

Religion usw. offeriert.

Die Bildungsreihen haben ein anspruchsvolles

Niveau und bestehen aus vier bis

fünf Einheiten.

Die erste Bildungsreihe befasste sich mit

der Faszination der Vögel. Die zweite hatte

ab Mitte Februar „Jesus von Nazareth -

seine Zeit, sein Leben und seine Bedeutung

für heute“ zum Inhalt. Koordinator der Seniorenakademie

ist Guido Hirschbühl.

Sigrid Nothofer

(sigrid.nothofer@wohlfahrtswerk.de)

LSI Ludwigsburg

Liberale Senioren Initiative und

Senior-Expert-Service (SES)

Die Vorsitzende des Kreisverbandes

Ludwigsburg der Liberalen Senioren Initiative,

Nora Jordan-Weinberg, hatte zu

dieser Veranstaltung eingeladen.

Der Referent des SES, Hermann Beck,

berichtete über die Einsätze der von der

Regierung unabhängigen Stiftung der

Deutschen Wirtschaft für internationale

Zusammenarbeit.

Dabei geht es um Hilfe zur Selbsthilfe für

kleinere und mittlere Unternehmen. So

wurden 2008 z.B. 900 Einsätze geleistet.

Allein in Baden-Württemberg sind 1 148

Senior-Experten registriert. Davon sind

10 Prozent Frauen.

Wer in seinem Ruhestand noch etwas bewegen

möchte (mit Kost, Logis und Aufwandsentschädigung),

kann sich bewerben.

Gesucht werden Fachleute aus rund

42 Branchen, vom Fachkundigen bis zum

Manager, von Agrar bis Zellstoff.

Darin steckt auch ein Angebot, das sich Firmen

unbedingt zunutze machen sollten. Es

können Ausbildungsbetreuer gestellt werden,

die Auszubildende auf Anfrage begleiten

und so eine Brücke schlagen zwischen

Betrieb und Elternhaus auf dem Weg des

Jugendlichen in die Gesellschaft.

Günther Hammer

(g.reinholdhammer@gmx.de)

Stadtseniorenrat

Mannheim

20 Jahre Mannheimer

Seniorenrat e. V.

Die Jugend hatte einen Jugendvertreter,

die Ausländer einen Ausländervertreter,

nur wir Senioren hatten noch Niemanden,

der uns anhörte und unsere

Rechte vertreten hätte, so Elisabeth Magnussen,

Frau der ersten Stunde auf der

Gründungsversammlung des Mannheimer

Seniorenrates.

Am 12. Februar 1990 als Interessenvertretung

von Bürgern ab 60 Jahre in

der Galerie der „Alten Feuerwache“ gegründet,

blickt man heute auf 20 Jahre

erfolgreiche Jahre Arbeit zum Wohle ältere

Mitbürger zurück. Vorsitzende des

neu gegründeten Vereins wurde Friedel

Kranz. Erste Anlaufstelle für die Senioren

war die Tagesstätte in H 5. Schon

bald machte der damalige OB das Angebot,

nach N1 in das Stadthaus umzuziehen,

wo der Seniorenrat bis heute noch

in den beiden Pavillons im Podiumsgeschoss

seine Bleibe hat.

Auf Friedel Kranz folgten Ursula David

und Anita Gentgen als Vorsitzende. Durch

jeweils kontinuierliche Arbeit der Vorsitzenden

mit ihren Vorständen und den

wachsenden Aufgaben durch den demografischen

Wandel, ist der Mannheimer

Seniorenrat inzwischen zu einer der ersten

Anlaufstellen für Senioren geworden. Nicht

wenige Menschen suchen oftmals nur ein

Gespräch und ein Ohr, das ihnen zuhört.

Brunhilde Jackl

(mannheimer-seniorenrat@web.de)

Kreisseniorenrat

Ostalbkreis

Wechsel der Vorsitzenden

Im Rahmen der Mitgliederversammlung

verabschiedete der KSR die bisherige

Vorsitzende Monica Lindenberg-Kaiser.

Landrat Klaus Pavel dankte ihr für ihre

hervorragende Tätigkeit seit dem Jahr

2002 zum Wohl der älteren Menschen im

Ostalbkreis. Unter den zahlreichen Aktivitäten

erwähnte er große Ausstellungen

und Veranstaltungen, darunter zuletzt

den „Glückstag“ als Höhepunkt. Besondere

Verdienste von Monica Lindenberg-Kaiser

seien die sehr erfolgreichen

Projekte wie zum Beispiel die Lesepaten

gewesen. Außerdem wurden Gertrud

Kolbe-Lipp, die Leiterin der Gmünder

Spitalmühle, und Sylvia Schütz-Fatum,

Vertreterin der Liga der freien Wohlfahrtsverbände,

mit Dankesworten für

ihre langjährige Tätigkeit im Vorstand

verabschiedet.

Auf Vorschlag von Dekan Werner Frank

(Schwäbisch Gmünd), der selbst den

KSR viele Jahre leitete, wurde Monica

Lindenberg-Kaiser zur Ehrenvorsitzenden

ernannt. Zu ihrer Nachfolgerin wurde

einstimmig Heidi Schroedter gewählt.

Sie kann auf eine 23jährige Tätigkeit als

Mitglied des Kreistags zurückblicken,

wobei sie wertvolle Erfahrungen besonders

im Sozialbereich sammeln konnte.

„Nach den Jungen sind die Senioren die

Aktivsten in unserer Gesellschaft“, versicherte

sie nach ihrer Wahl. Es sei ihr eine

Freude, die Aktivitäten und die Projekte

des KSR fortzuführen.

In ihren bisherigen Vorstandsämtern

bestätigt oder neu dazu gewählt wurden

Albert Borzel (Schwäbisch Gmünd) und

Sieghard Dreher (Lorch) als stellvertretende

Vorsitzende, Monika Nubert

(Aalen) als Kassiererin, Hermann Betz

(Ellwangen) als Schriftführer, Johannes

Müller (Aalen) als Pressewart, Margarete

Schmid (Schwäbisch Gmünd) und Natalie

Pfeffer (Aalen) als Beisitzerinnen.

Große Anliegen des KSR sind die Integration

von Menschen mit Migrationshintergrund,

weil immer mehr von ihnen

hier bleiben und Betreuung brauchen, das

Thema Wohnen für Senioren und körperlich

Beeinträchtigte sowie die Zusammenarbeit

mit Jugendlichen im vielfältigen

Einsatz für die ältere Generation.

Johannes Müller

(johannes_mueller@gmx.at)

Kreisseniorenrat

Rastatt

Palliativmedizin - weit mehr

als nur Schmerztherapie

Auf Einladung des Palliativcentrums im

Weinbrennerhaus Klinikum Mittelbaden

in der Hub traf sich der Vorstand des

KSR dort zur Sitzung.

In seinem umfassenden und detaillierten

Vortrag informierte Oberarzt Dr. med.

Bernhard Kern über Aufgabe und Ziele

des Klinikzentrums. Ein Tabuthema, aber

hinsichtlich des Informationsdefizits ein

besonders wichtiges Thema in der immer

älter werden Gesellschaft.

Die Weltgesundheitsbehörde formulierte

2002: „Die Palliativbetreuung dient

der Verbesserung der Lebensqualität

von Patienten und ihren Familie, die mit

einer lebensbedrohlichen Erkrankung

konfrontiert sind.“ Dies geschehe durch

Vorbeugung und Linderung von Leiden

mittels frühzeitiger Erkennung, eindeutiger

Diagnose und Behandlung von

Schmerzen und anderen Problemen physischer,

psychosozialer und spiritueller

Natur. Dieses Angebot bejahe das Leben

und sehe das Sterben als einen normalen

Prozess. Das Sterben werde weder beschleunigt

noch hinausgezögert. In der

Betreuung erfahren die Patienten die

Unterstützung, die sie in die Lage versetzt

bis zum Tod so aktiv wie möglich

zu leben. Im Klinikum werde diese letzte

Phase des Menschen ärztlich betreut.

Leider sei das Wissen um die Möglichkeiten

der Palliativmedizin bei Krankenhaus-

und niedergelassenen Ärzten und

insbesondere bei den Gerichten oft unterentwickelt.

Da schaffe die Änderung

der Medizinstudieninhalte ab 2010 Abhilfe,

wenn für jeden Studenten Palliativmedizin

zum Pflicht- und Prüfungsfach

wird. Dann dürfte auch die begriffliche

Unterscheidung zwischen „indirekter,

passiver und aktiver Sterbehilfe (wobei

nur letztere strafbar ist) zum Allgemeingut

von Ärzten und Richtern gehören.

Wie kommt nun ein Patient in den Genuss

einer stationären Palliativversorgung?

Die Möglichkeiten: Die niedergelassenen

Ärzte oder Krankenhäuser können Patienten

in das Palliativcentrum einweisen.

Aber auch der Patient selbst oder Angehörige

können den ersten Kontakt aufnehmen.

Die Dringlichkeit der Aufnahme

werde von einem interdisziplinären

Leitungsteam festgelegt. Die Kosten der

Behandlung und Unterbringung auf der

Palliativstation übernehmen die Krankenkassen.

Ein Rundgang durch die Station vertiefte

den Eindruck, wie sehr sich das Klinikteam

von den Bedürfnissen der Patienten

leiten lässt.

In ihrem Dank an den Vortragenden

sprach Vorsitzende Marianne Fischer von

dem gefühlten Eindruck, dass in dieser

Station nicht medizintechnische Geräte,

3 2/2010 2/2010 3


Blick ins Land

sondern der Patient im Mittelpunkt aller

Bemühungen stehe. Diese Einschätzung

und die Notwendigkeit der Information

zu diesem Thema wurden auch von dem

an der Mitliederversammlung teilnehmenden

Landrat Jürgen Bäuerle geteilt.

Marianne Fischer

(marianne.fischer@kreisseniorenratrastatt.org)

Kreisseniorenrat

Rottweil

Schmerzfreier Sterben?

Eigentlich könnte man im Kreis mit der

Betreuung, Begleitung und Versorgung

Schwerkranker und Sterbender zufrieden

sein. Sowohl die Krankenhäuser, wie die

Ärzteschaft und die Pflegeheime haben

erkannt, dass schmerzlindernde Maßnahmen

zu den wichtigsten Aufgaben in

der Altenpflege gehören. Dennoch gibt

es immer wieder Probleme, insbesondere

dann, wenn die Patienten etwa vom

Krankenhaus in ein Pflegeheim oder in

die Familie zurück überwiesen werden.

Ein Vortrag von Apotheker Dr. Eckhard

Sailer vor dem KSR zeigte, welch vielfältige

Aufgaben und Ziele sich ein im letzten

Jahr gegründeter „Verein zur Palliativversorgung

im Landkreis“ vorgenommen

hat. Dem Verein gehören neben Ärzten,

Apothekern, Pflegediensten und Sterbebegleitern,

auch Privatpersonen an. Die

Mitglieder haben es sich zur Aufgabe

gemacht, die palliativ-medizinische und

die palliatv-pflegerische Behandlung der

Patienten nicht nur zwischen den verschiedenen

Beteiligten zu koordinieren.

Sie wollen die betroffenen Angehörigen

beraten und informieren, Verträge mit

Krankenkassen abschließen und dazu

beitragen, dass der Übergang vom Krankenhaus

in das Pflegeheim oder in die

Heimpflege möglichst störungsfrei erfolgen

kann. Die Patienten hätten Anspruch

auf eine optimale Versorgung und es sei

Aufgabe der Pflegenden, ihnen die letzten

Tage oder Monate so angenehm wie

möglich zu machen, getreu dem Grundsatz

von Cicely Saunders, der Begründerin

der Hospizbewegung: „Es geht nicht

darum, dem Leben mehr Tage, sondern

den Tagen mehr Leben zu geben.“ Ganz

wichtig sei das Überleitungsmanagement

zwischen den einzelnen Pflegestationen.

An diesem Punkt setzte die Kritik einiger

Mitglieder an, die berichteten, dass hier

Dr. Eckhard Sailer stellt den Verein zur

Palliativversorgung vor

hin und wieder Probleme entstehen. Patienten,

die an einem Freitagnachmittag

ohne Rezepte und Behandlungspapiere

entlassen würden, müssten bis zum

Montag auf Medikamente warten, da

am Freitag meist kein Arzt mehr zu erreichen

sei. Hier wünsche man sich eine

bessere Zusammenarbeit.

Deutlich ausgesprochen wurde, dass

der Mangel an Zeit eines der größten

Probleme nicht nur in der Palliativpflege,

sondern auch bei der Betreuung Demenzkranker

ist. In elf Minuten sei eine

sinnvolle Betreuung nicht zu leisten.

Geklagt wurde über den zunehmenden

Bürokratismus, der „nicht mehr zu überbieten

ist“, so ein Heimleiter. Der Anteil

der Kosten für die Dokumentation stehe

in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Im Anschluss daran führte Carmen Conrad,

Heimleiterin des Altenzentrums St.

Elisabeth, die Räte durch ihr Haus und

erläuterte die neue Konzeption. Beeindruckend

dabei war die liebevolle und

freundliche Atmosphäre in den Aufenthaltsräumen

dieses grundlegend umgebauten

Hauses.

Julius Wilbs

(Julius.Wilbs@t-online.de)

Kreisseniorenrat

Tuttlingen

KSR jetzt online

Umfangreichere Informationen, verbesserte

Kommunikation und ein modernes

Erscheinungsbild bietet die Internetplattform

des KSR allen Senioren im

Landkreis.

Die Idee zu einer eigenen Homepage

entstand bereits im Jahr 2008, welches

im Landkreis unter dem Motto „Jahr der

Senioreninitiativen“ stand.

Da die Begegnung und der Dialog von

„Jung und Alt“ dem KSR und seinem

Vorsitzenden Martin Stützler ein ganz

besonderes Anliegen ist, lag es nahe,

speziell dieses Projekt zusammen mit Jugendlichen

anzugehen. Für den Kontakt

mit der Schülerfirma adiuserv des Otto-

Hahn-Gymnasiums Tuttlingen sorgte

der Beauftragte für Bürgerschaftliches

Engagement im Landratsamt, Wolfgang

Hauser, der maßgeblich an der Umsetzung

beteiligt war. Die eigentliche Internetplattform

wurde vom Vorstandsvorsitzenden

des Schülerunternehmens,

Matthias Villing, und dem Pressewart

des KSR, Rüdiger Daus, konzipiert und

aufgebaut. Bereits jetzt kann sie, obwohl

sie noch in den Kinderschuhen steckt,

unter www.ksr-tut.de besucht werden

und enthält schon wichtige Informationen

zum KSR, Kontaktdaten der einzelnen

Ansprechpartner und vieles mehr.

Das für den Umgang mit der Internetplattform

notwendige Wissen erwarben

die ca. 15 im KSR engagierten Senioren

in zwei Schulungen, die sich jeweils über

sechs abendliche Treffen zu je zwei Stunden

erstreckten. Dabei erlernten sie die

Grundlagen zum Umgang mit Computern

und den Umgang mit dem Internet,

dem Kommunikationsmittel „E-Mail“

und insbesondere mit der eigenen Internetplattform.

Begeisterung bei den Seniorinnen

und Senioren fand vor allem

die Geduld der beiden Ausbilder, die sie

Schritt für Schritt zum Erfolg führten

und ihnen die unnütze Angst vor dem

Computer und dem Umgang mit den

verschiedensten Programmen nahmen.

Die Schülerfirma adiuserv wurde bereits

2007 von interessierten Schülerinnen

und Schülern der Jahrgangsstufen 10 bis

13 des Otto-Hahn-Gymnasiums Tuttlingen

gegründet, agiert mittlerweile unter

dem Dach des Vereins der Freunde und

Förderer der Gymnasien und bietet ne-

ben Computerkursen für Senioren auch

Dienstleistungen rund um die Schule an.

Rüdiger Daus

(ruedigerdaus@t-online.de)

Stadtseniorenrat

Waiblingen

Im Tode noch anderen helfen?

Zusammen mit der AOK Ludwigsburg-

Rems-Murr hat der SSR erreicht, dass

im Bürgerzentrum Waiblingen ein viel

beachteter Vortrag mit anschließender

Podiumsdiskussion Wirklichkeit werden

konnte. Über 90 Besucher verfolgten die

Veranstaltung mit großem Interesse. Das

Thema „Organspenden, die Leben retten“

ist hochaktuell und äußerst wichtig, da es

in Deutschland leider rückläufige Zahlen

bei den Menschen mit Organspendeausweis

gibt.

Referenten waren Prof. Dr. Werner

Lauchart von der Deutschen Stiftung Organspenden

(DSO) und Dr. Dieter Hummel

von der Dialysestation Waiblingen.

Im Moment warten über 12 000 Menschen

in Deutschland zwischen sechs

und acht Jahren darauf, ein dringend

benötigtes Organ wie Niere, Lunge, Herz

oder Bauchspeicheldrüse zu erhalten.

Da die Wartezeiten so lang sind, sterben

jährlich 267 Menschen allein an Nierenversagen,

weil nicht rechtzeitig eine Niere

transplantiert werden konnte! Danach

sind die Überlebenschancen sehr gut, um

viele Jahre ein neues Leben geschenkt zu

bekommen.

Lauchart betonte, dass in Deutschland

immer zwei unabhängig voneinander

arbeitende Ärzte den Hirntod (eine unumkehrbare

Todesursache) feststellen

müssen, bevor Organe entnommen werden

können. Die Spender können also

ganz sicher sein, dass ihre Organe erst

nach dem Tode „gespendet“ werden. Ein

weit verbreiteter Irrtum ist auch die Ansicht,

ältere Menschen seien nicht mehr

als Spender geeignet. Die Organe eines

80-Jährigen können besser geeignet sein

als die eines 30-Jährigen, der sie schon

in jungen Jahren geschädigt hat.

In einem Round-Table-Gespräch mit

Frank Nipkau, dem Redaktionsleiter der

Waiblinger Kreiszeitung, kamen drei

betroffene Patienten (Niere, Leber und

Herz) zu Wort, die übereinstimmend

aussagten, dass sie nach langer Wartezeit

ein zweites Leben mit ihrem neuen

Organ erhalten haben.

Wir fordern Sie als Leser auf, darüber

nachzudenken, ob nicht auch Sie in Zukunft

zu den Menschen gehören wollen,

die einen unterschriebenen Organspendeausweis

bei sich tragen, um so anderen

Menschen noch im Tode helfen zu können.

Die Organspendeausweise erhalten

Sie über die Bundeszentrale für gesundheitliche

Aufklärung (BZgA) unter der

gebührenfreien Rufnummer 08 00 / 90

40 400.

Alfred Sparhuber

(Alfred.Sparhuber@gmx.de)

Stadtseniorenrat

Weinstadt

Seniorenfreundlicher

Einzelhandel

OB Jürgen Oswald durfte im Beutelsbacher

Stiftskeller Vertreter der 90 Einzelhandelsgeschäfte

Weinstadts begrüßen,

die an der Zertifizierungsaktion „Seniorenfreundlicher

Service“ teilgenommen

haben. Ein herzliches Willkommen galt

auch den Rednern des Abends: Helmut

Feskorn (Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands

Baden-Württemberg),

Werner Schüle (Vorstandsmitglied im

LSR), Bernd Rühle (Verband Weinstädter

Unternehmer/VWU). Grund für diese

Feierstunde war die Überreichung

der Zertifizierungsurkunden. „Weinstadt

ist eine seniorenfreundliche Stadt, vor

allem was das Einkaufen anbelangt!“,

lobte der OB. Sein Dank galt – auch

im Namen des Gemeinderats - den Geschäften

für die zahlreiche Teilnahme

an dieser Aktion und Adolf Gutmann (1.

Vorstandssprecher) und Waltraud Bühl

(2. Vorstandssprecherin) vom SSR für

die zügige Durchführung. Er betonte,

dass die älteren Menschen eine immer

größere Rolle in unserer Gesellschaft

einnehmen und dass sich Industrie und

Handel an die Bedürfnisse der Senioren

angepasst hätten.

Helmut Feskorn mahnte an, dass bei der

Diskussion über den demografischen

Wandel die Schwarzmalerei über das Alter

zugenommen hat. Es herrscht immer

noch die Meinung vor, alt sei gleichzusetzen

mit hilfsbedürftig. „Die Senioren

heute sind ein Aktivposten in unserer

Gesellschaft! Deshalb müssen wir unsere

Meinung über das Alter ändern!“ Er

gratulierte der Stadt und dem SSR zu

diesen großartigen Aktivitäten. Werner

Schüle überbrachte die Grüße vom LSR.

Er erklärte, dass diese Aktion im Rahmen

eines Bundesprojekts „Aktiv im Alter“

durchgeführt wird. „Wir sind kein

TÜV, kein Wirtschaftskontrolldienst!“

so Schüle. „Wir wollen keine Schulnoten

verteilen“. Deshalb gibt es auch nur zwei

Beurteilungskriterien: zufriedenstellend

und nachbesserungsbedürftig. Bernd

Rühle (VWU) bedankte sich bei allen

Kolleginnen und Kollegen für die Teilnahme.

Er betonte aber auch, dass Ziel

und Wunsch der Weinstädter Geschäfte

ein „altersgerechtes Weinstadt – ein

Weinstadt für jedes Alter“ sei. Waltraud

Bühl: „Wir haben in kurzer Zeit das Vertrauen

der Geschäfte in unsere Arbeit

gewonnen, dafür herzlichen Dank.“ Alle

Geschäfte haben das Ziel mit zehn oder

elf Punkten mehr als erreicht. Bühls

Dank galt auch Gerhard Friedel (Amt für

Familie, Bildung und Soziales) und seinem

Team für die große Unterstützung

seitens der Stadt sowie auch den Personen,

die für die Zertifizierung wochenlang

unterwegs waren. In zwei Jahren

wird neu zertifiziert – dann unter etwas

„schärferen“ Bedingungen.

Gerhard Volk

(UTAGERD@aol.com)

36 2/2010 2/2010 37


Seniorenfreundlicher Service

„im blick“ stellt zwei weitere

„seniorenfreundliche“ Hotels vor

Gasthof „Rebstock“

Werastraße 35

88045 Friedrichshafen

Tel.: 0 75 41 / 9 50 16 40

www.gasthof-rebstock-fn.de

„im blick“: Welche Erfahrungen

machen Sie mit Ihren

älteren Gästen?

Peter Wieland: Da wir ein alt eingesessenes

Haus sind, haben wir sehr

Hotel zum Löwen***

Hauptstraße 136

88074 Meckenbeuren/Bodensee

Tel.: 0 75 42 / 9 40 20

www.hotelloewen-bodensee.de

„im blick“: Welche Erfahrungen

machen Sie mit Ihren

älteren Gästen?

Angelika & Gerhard Joswig:

Unsere vielen Gäste im besten Alter

(mit Bus oder alleinreisend) sind alle

herzlich willkommen, sehr dankbar

und freuen sich über den aufmerksamen

Service, ob beim Abnehmen

der Garderobe oder den Empfehlungen

der Getränke und Speisen sowie

die sehr gute Küche.

Wichtig ist für sie, dass sie ernst genommen

werden. Sie legen viel Wert

auf qualitativ hochwertige Speisen,

die nicht groß, aber fein ausfallen

38 2/2010

viel mit älteren Personen im Hotel und

mit den Stammtischen zu tun, wo wir

nur Erfreuliches berichten können.

Unser Haus wird fast ausschließlich

von Familienangehörigen geleitet. Da

hat man sich schnell eingelebt und

fühlt sich wie zuhause.

„im blick“: Was schätzen die

Senioren am Gasthof „Rebstock“

besonders?

Peter Wieland: Unser Haus verfügt

über einen großen Parkplatz.

Wir sind nicht direkt an der Hauptstraße.

Für diejenigen, die es besonders

ruhig haben möchten, bietet

sich besonders unser Rückgebäude

an. Unsere Gästezimmer sind 2006

neu renoviert worden. Sie sind ausgestattet

mit Dusche, WC, Kabelfernsehen

und Durchwahltelefon.

Bei uns können Hunde kostenlos im

sollten. Frische und regionale Produkte

werden gewünscht. Dem haben

wir uns verschrieben.

blick“: Was schätzen die Senioren

am Hotel zum Löwen***

besonders?

Angelika & Gerhard Joswig:

Die einmalige Lage des Hotels zwischen

Ravensburg und Friedrichshafen

schätzen unsere älteren Gäste

sehr (direkt an der B30, zu den Autobahnen

A96 und A98 nur wenige

Kilometer, die vielen Wander- und

Radwege, über 180

Ausflugsziele in unmittelbarerUmgebung).

In kürzester

Zeit ist man mit

PKW, Schiff oder

Bahn in Österreich

und der Schweiz.

Da diese Genera-

Zimmer mit untergebracht werden.

Wir haben eine regionale sowie eine

bürgerliche Küche. Bei uns wird „Kochen

wie bei Muttern“ groß geschrieben.

Alle unsere Speisen kann man

auch als kleinere Portion (früher Seniorenteller)

bestellen. Unser Biergarten,

der reichhaltig mit Platanen

bewachsen ist, bietet im Sommer einen

angenehmen Schatten und lädt

zum Verweilen ein.

Wir sind rund 100 Meter von der

Bushaltestelle und zehn Gehminuten

vom Hauptbahnhof und vom

Bodensee entfernt. Mit dem Schiff

kann man spielend leicht Österreich

und die Schweiz erreichen. Die ganze

Uferpromenade mit ihren Ruhebänken

und Cafés sowie Eisdielen ist ideal,

um einen Urlaubstag zu genießen.

tion unser Land aufgebaut hat, gebührt

ihr Anerkennung und Dank.

Das wissen wir und vermitteln es

gern unseren Mitarbeitern. Nur

ehrliche, freundliche und hilfsbereite

Kräfte, denen ihre Arbeit Spaß

macht, kommen bei den älteren Gästen

sehr gut an.

Wir sind stolz auf unsere Auszeichnungen

des DEHOGA BW („Bus

– und Gruppenfreundliches Hotel,

„Seniorenfreundliches Restaurant“).

Verbraucherfreundlich!

Die Bundesinteressenvertretung

der Nutzerinnen und

Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten

im Alter und bei

Behinderung (BIVA) e.V. hat mit

Unterstützung durch das Bundesministerium

für Ernährung, Landwirtschaft

und Verbraucherschutz das

Heimverzeichnis ins Leben gerufen.

Hierbei handelt es sich um eine bundesweite

Datenbank über stationäre

Betreuungsangebote. Neben den

üblichen Angaben zur Angebotsstruktur

zeichnet diese sich durch

einmalige Angaben zur Lebensqualität

in den jeweiligen Heimen, der so

genannten Verbraucherfreundlichkeit,

aus.

Ehrenamtliche geschulte Gutachter

überprüfen anhand eines Kriteri-

Altenpfl egeheime gGmbH

enkatalogs, ob sich ein Heim durch

besondere Kundenorientierung

auszeichnet. Die Kriterien hierfür

gliedern sich in drei große Blöcke:

Autonomie, Teilhabe und Menschenwürde.

Hat ein Heim jeweils

mind. 80% der Kriterienbereiche erfüllt,

bekommt es das Prädikat „verbraucherfreundlich“

in Form eines

grünen Hakens.

Wir vom Deutschen Rotes Kreuz sind

vom Heimverzeichnis überzeugt. Es

weitet den Blick und spricht eine

Ebene an, die von der rein funktionalen

Pflege weg führt. Hier stehen

die so genannten „weichen“ Kriterien

wie Menschenwürde oder Teilhabe

im Mittelpunkt.

Für uns hat das Wohl der uns anvertrauten

Bewohnerinnen und

Bewohner oberste Priorität. Diese

Einstellung wird durch die Begutachtungsergebnisse

der BIVA bestätigt.

Die Testphase in unserem Altenpflegeheim

Haus am See in Böblingen

war erfolgreich - uns wurde die Auszeichnung

„Verbraucherfreundlich“

bescheinigt.

Nach und nach werden wir uns nun

mit unseren anderen Häusern ebenfalls

zur Begutachtung anmelden.

Weitere Informationen erhalten Sie

direkt von uns

(Tel.: 0 70 31/ 2 04 88 15) oder im

Internet unter

www.heimverzeichnis.de

Menschen sorgen für Menschen

Verbraucherfreundlich. Wir sind ausgezeichnet.

Unser DRK-Altenpflegeheim Haus am See wurde vom bundesweiten Heimverzeichnis mit dem grünen Haken für

Verbraucherfreundlichkeit ausgezeichnet!

Haus am See, Dr.-Richard-Bonz-Str. 14, 71034 Böblingen, Tel. 0 70 31/7 23-3 www.drk-altenpflegeheime-bb.de

© Fotos: willma... + mi.la/photocase.de

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Migration

Allen bewusst?

2,5 Mio. Ältere im Ländle – aber auch immer mehr mit „Migrationshintergrund“

Unter dem Motto „Aufeinander

zugehen statt ausgrenzen“

hatte der Paritätische Baden-

Württemberg (Dachorganisation für

4 000 Dienste und Einrichtungen)

in die Jugendherberge Stuttgart zu

einem Fachtag eingeladen. Erstmals

ging es dabei – wie Landesgeschäftsführer

Hansjörg Böhringer betonte

– vorrangig um die stetig steigende

Zahl der bei uns lebenden älteren

Menschen, die aus einem anderen

Land eingereist waren, um zu arbeiten

und nun teilweise Kinder und

Enkel hier haben. Angebote aus den

Bereichen Gesundheit, Altenhilfe,

Behindertenhilfe, aber auch der

Selbsthilfe werden von ihnen selten

in Anspruch genommen.

Nur 26 Prozent in Mehrgenerationen-Haushalten

Der Integrationsbeauftragte des

Landes, Justizminister Prof. Ulrich

Goll, konnte nur unterstreichen,

welche Probleme es gibt. „Kultursensible“

Pflege werde ein immer

wichtigeres Thema werden, da die

Zahl der älteren Migranten, die hier

wohnen bleibe, steige. Diese Senioren

würden zunehmend nicht

mehr in der Großfamilie leben (nur

26 Prozent in Mehrgenerationen-

Haushalten). Wird Pflege bei ihnen

ein Thema, dann bereiten Schwellenängste

und mangelnde Informationen

Probleme. Deshalb sei es wichtig,

dass das Thema Migration in der

Berufsfachschule für die Pflege und

auch bei den Ärzten dazugehöre. Das

Landesgesundheitsamt biete schon

Fortbildungen an.

„Wir sind in der

Fremde alt geworden“,

also nicht in der „neuen Heimat

Deutschland“, darauf wies Kenan

Zuhörende

Kolat, der Bundesvorsitzende der

türkischen Gemeinde hin. Denn eigentlich

hätten alle vorgehabt, später

wieder heimzukehren. Nun würden

Kinder und Enkel hier die Schule

besuchen. Man sei hin- und hergerissen,

wo man den Lebensabend

verbringen, wo man sterben werde.

Derzeit gebe es noch mehr „junge

Ältere“, bald werde die Zahl der Pflegebedürftigen

deutlich steigen. Bedingt

sei dies auch dadurch, dass es

bei den Migranten – aufgrund der oft

geleisteten schweren Arbeit – mehr

sind, die körperlich beeinträchtigt

seien und psychische Probleme haben,

„wo bin ich wirklich zu Hause“.

Daher werde die Altenhilfe für diese

Menschen immer wichtiger, im Vorfeld

aber auch schon die Gesundheitsaufklärung

und vielfältige Informationen.

Hilfreich dafür wären

zentrale Beratungsstellen für Ältere

(besonders zur finanziellen Seite).

Dazu müssten die Migrantenorganisationen

mit der Altenhilfe vernetzt

werden. Es gehe um spezielle bedürf-

Diskutierende

nisorientierte Angebote. Möglich erscheine

beispielsweise auch Pflege in

der „alten Heimat“, wo die Kosten

viel niedriger sein könnten.

Rente: 40 Prozent weniger

Informationen aus einer vielfältigen

Podiumsdiskussion mit Migranten,

die es geschafft haben: In Hannover

gibt es bereits seit 20 Jahren

muttersprachliche Gesundheitsförderung

und beim DGB in Hamburg

eine Anlaufstelle für Migranten der

ersten Generation, die im Normalfall

40 Prozent weniger an Rente hätten.

Spezielle Pflegeheime für Türken

gebe es bisher in Berlin und Duisburg.

Die zunehmenden „türkischen

Pflegedienste“ seien ganz normale,

„wirtschaftliche Einrichtungen“, die

Geld machen wollen.

Bald überall mit

Seniorenräten?

Der Integrationsbeauftragte für

Freiburg konnte berichten, dass man

einen Runden Tisch zur ambulanten

Altenhilfe habe und viel Projektarbeit

mache. Wichtig sei, dass man die

richtigen Personen dafür gewinne.

Allerdings fehle teilweise (noch) die

politische Lobby. Er hoffe, dass bald

auch die Seniorenräte dabei seien.

Mit 69 noch das

Alphabet lernen?

Generell die Forderung: Die Angebote

müssten sich interkulturell

öffnen. Bei den Türken sei das Gespräch

mit der Familie wichtig und

es gelte, dafür Vertrauen zu gewinnen.

In Hamburg wären insbesondere

die Medien (sowohl deutsche

wie türkische) hilfreich gewesen. Die

Aufklärungsarbeit

über, zu und mit

den Heimen, würde

nicht innerhalb

weniger Monate

„stehen“ können.

Für die Zukunft

sieht man noch

größere Probleme,

weil es bei der

ersten Generation Intensiv (miteinander Redende)

der Migranten nur

ganz wenige „kaputte Ehen“ gegeben

habe. Die türkisch-deutsche Betreuerin

der Stadt Düsseldorf berichtete,

dass es jetzt 30 Prozent alleinstehende

Mütter gebe. Ganz wichtig: Die

Bildungsprobleme, besonders bei

den türkischen Frauen. Es sei zwar

mühsam aber nötig, einer 69-Jährigen

noch ihr eigenes, also das türkische

Alphabet beizubringen, bevor

man ihr bescheidene Deutschkenntnisse

vermitteln könne.

„Brücken“ bauen und begehen

Im Workshop „Altenhilfe“ ist ein bedeutsamer

Fakt deutlich geworden:

In der Türkei gibt es kein „strukturiertes“

Ehrenamt wie bei uns. Ein

Mittel, um doch zum Ziel zu kommen:

Mit einzelnen Personen oder

Vereinen „Brücken“ bauen und

diese nutzen. (Darüber hatte „im

blick“ bereits im Heft 4/2009 berichtet,

im Beitrag über die Regionaltagungen

für die Räte in Aalen.)

Das könne nicht von oben her angeordnet

werden. Es müsse im Dorf,

im Ort, im Stadtteil praktiziert werden.

Hilfreich dabei: Gemeinsam

Feste feiern, Frauenschwimmen,

Artikel/Interviews in „Migrantenmedien“,

Sprachcafé und Lernangebote

als eine Art Frühstückstreff

(Früher lief das unter: „Wir sprechen

Deutsch und trinken Tee“. Der

neue Titel komme wohl besser an,

weil nicht das Deutschlernen im

Vordergrund stehe.). Kontakte zu

den Türken lassen sich bevorzugt

über deren Vereine und die Moscheen

knüpfen.

Auch die „Einheimischen“

motivieren

Klar geworden ist aber auch, dass

es nicht ausreicht nur „die anderen“

zu motivieren. Es sei unbedingt

notwendig, bei deutschen

Heimbewohnern die Offenheit

für Muslime zu fördern. Selbstverständlich

müsse man beim Essensangebot

Rücksicht nehmen.

Über einzelne Personen (jüngere

türkische Frauen) habe man beispielsweise

in Sindelfingen einen

„ehrenamtlichen Besuchsdienst für

ältere muslimische Frauen“ (zusammen

mit dem geronto-psychiatrischen

Fachbereich des Landratsamts)

schaffen können. Es gebe

schon die „Migranten-Anlaufstelle

Karlsruhe“. Hauptsächlich werden

rechtliche und finanzielle Fragen

gestellt („Wo gibt es Heime und

wäre ein Aufenthalt auch in der alten

Heimat möglich?“). Auf Dauer

ein Muss: Muttersprachliche Sozialarbeiter

und muttersprachliches

Personal im Heim, Informationen

zu Hilfsangeboten auch über die

Ärzte und Apotheker verbreiten

und über die Kinder, die ihre Eltern

sensibilisieren sollen. „Aufsuchende

Hilfe“ (mit Sprachkenntnissen)

werde bald zum Alltagsgeschäft gehören

müssen.

Fazit: Es müssen noch bedeutend

mehr Brücken - nicht nur angedacht

- sondern geschlagen und wechselseitig

begangen werden.

Hans-Jörg Eckardt

0 2/2010 2/2010 1


Podiumsdiskussion

Internet

Lebenslanges Lernen – auch für Senioren?

Erstaunlich viele Graumelierte

waren auf Einladung der

Landesstiftung sowie der

Medien- und Filmgesellschaft von

Baden-Württemberg am 27. Januar

ins Stuttgarter Literaturhaus gekommen.

Festzustellen war auch, dass

fast ausschließlich männliche Wesen

den Weg zur Tagung gefunden hatten.

Haben sie die lebenslange Lernerei

besonders nötig?

Die „digitale

Kompetenz“ macht’s

Das vermittelte Herbert Moser, der

Geschäftsführer der Landesstiftung,

eindringlich. Egal, ob man einen Pass,

ein Visum oder preiswerte Fahrkarten

lösen, sich umfassend informieren,

oder bewerben wolle, überall sei diese

Kompetenz gefragt. Und die gelte

es, besonders bei den Älteren, noch

deutlich zu steigern. Auch deshalb

habe man für das frühere Programm

„Start und Klick“ nun ein neues aufgelegt.

Unter dem Slogan „Klick; -)mach

mit“ bietet die Landesstiftung „Kurse

zur praktischen Internetnutzung“ an

und fördert diese.

Stefanie Schneider, Programmchefi n

bei SWR 4, die charmant moderierte,

griff das auf: Bei der gemeinsamen

Aktion mit dem Sender habe man

„Mit Gießbert ins Internet“ immerhin

300 000 Ältere zu diesem elektronischen

Medium gebracht. Auf

die Homepage von SWR4 (mit einem

Durchschnittsalter von 63 Jahren

seiner Zuhörenden) gebe es jährlich

25-30 Prozent mehr „Klicks“ (zuletzt

18 Mio.).

Carmen Stadelhofer, leitende Direktorin

des Zentrums für allgemeine

wissenschaftliche Weiterbildung

(ZAWiW) an der Universität Ulm,

machte klar, dass lebenslanges Lernen

keinen Luxus darstellt. Die Barriere

des Internets müsse deshalb

überwunden werden. Der Slogan

„Das brauche ich nicht“ dürfe nicht

mehr gelten. Die Motivation müsse

lauten „Wann und wie bringt mir das

Internet welche Vorteile?“. Hierfür

sei auch das Projekt „Internet goes

Ländle“ förderlich.

Kein tiefer Graben!

Den oft zitierten

tiefen Graben (zwischen

Theorie und

Praxis) dürfte es

bald nicht mehr geben.

Dafür sprachen

zwei Präsentationen:

Ottfried Niess (SeniorenOnline

Rei-

Herbert Moser,

Geschäftsführer der

Landesstiftung

Baden-Württemberg,

beim Grußwort

chenbach-Fils e.V.) stellte zusammen

mit Bernhard Peitz die dortige Initiative

„Senioren Online“ vor und Ewald

Gröppel (Goldberg-Senioren Akademie

Sindelfi ngen/Böblingen) informierte

über die „PC-Hilfe für Senioren

– Einführungskurse mit Nachbetreuung“.

Einige Erkenntnisse: Die ersten

PC-Kurse „Start und Klick“ seien gut

angelaufen und daraus auch diese Initiative

entstanden. Zu berücksichtigen

sei, dass Senioren anders lernen und es

bei solchen betreuten Treffs Spaß machen

würde, wenn die Angst vor dem

Versagen genommen sei. Erfolgreich

würden oftmals Jugendliche als Betreuende

und „Lehrende“ einbezogen.

Datenschutz ist ein

Auslaufmodell

Mit dieser und anderen kritischen

Aussagen machte Jörg Klingbeil,

Landesbeauftragter für den Datenschutz,

nachdenklich und zugleich

betroffen. Er erinnerte an die vielen

Vorfälle in der Wirtschaft, bei der

Bahn und Telekom und machte klar,

dass der staatliche Datenschutz abgenommen

habe. Auf der anderen

Seite würden immer mehr, ganz freiwillig

und bedenkenlos, Daten über

die Kauf- und Lebensgewohnheiten

„geliefert“. Auf alles, was sich da

ansammle, hätten die Provider (irgendwo

in der Welt) möglicherweise

unkontrollierten Zugriff. Deshalb

empfahl er beispielsweise größere

Vorsicht bei Passwörtern und beim

Zulassen von Cookies. Auf diversen

Internetadressen könne man dazu

viel abrufen und profi tieren (www.

datenschutz.de oder www.bfdi.bund.

de sowie www.bsi-fuer-buerger.de).

Das Senken von

Technik-Ängsten

stellte Dr. Carsten Holtmann vom Forschungszentrum

Informatik heraus.

Er faszinierte mit den Visionen dieser

Gruppe zum Thema „Technologie und

Dienstleistungskonzepte für ein selbstständigeres

Leben im Alter“. Wohl

entscheidend für die Erfolge dort dürfte

sein, dass nicht nur Wissenschaftler

einer Fakultät nach Neuem suchen. Es

sei ein ganz breites Spektrum von Theorie

und Praxis bis hin zu Psychologen

und viele Doktoranten einbezogen.

Was er aufzeigte, wie die Technik auch

das möglichst lange selbst bestimmte

Wohnen zu Hause und die Pfl ege

verändern kann und wohl wird, das

machte klar, was lebenslanges Lernen

bedeutet, und dass insbesondere Ängste

und Vorurteile abzubauen seien.

Der LSR (und „im blick“) werden an

diesem Themen „dran“ bleiben. Schon

jetzt fi ndet sich Interessantes unter

www.fzi.de oder www.aal.fzi.de.

Noch viel Gehirnschmalz

dürfte man zum Thema „Lebenslanges

Lernen“ auch bei Senioren

brauchen. Diese Aussage der Moderatorin

Stefanie Schneider am

Schluss einer intensiven Podiumsdiskussion

fand bei allen daran

Beteiligten und den Zuhörenden

volles Verständnis. Zu den bisher

Redenden waren noch Tanja Sommerfeld

(VHS) sowie Dr. Christian

Spannagel (PH Heidelberg) gekommen.

Das Fazit: Die Älteren sind

keine konforme Gruppe, in der alle

die gleichen Voraussetzungen oder

Motivation haben. So müsse es verschiedene

Kurse, Bildungsangebote

und Lernmethoden sowie Übungsmöglichkeiten

geben. Wichtig sei,

dass dabei Netzwerke entstünden

und gepfl egt würden, die Kontakte

nach draußen sicherten. Die Älteren

dürften nicht mehr länger vereinsamen.

Der ländliche Raum müsste

deshalb besonders intensiv bedacht

und versorgt werden.

Hans-Jörg Eckardt

Impressum

„im blick“ ist eine Publikation des Landesseniorenrates

Baden-Württemberg.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Einzelpreis: 2.50 Euro, bei Postversand

zzgl. 1.50 Euro Postgebühren

Förderabonnement: 14.50 Euro, inkl. Postgebühren

Der Landesseniorenrat Baden-Württemberg e.V.

(LSR) ist die Interessenvertretung der älteren

Generation. Er versteht sich als Forum für Erfahrungsaustausch

und Meinungsbildung auf sozialem,

wirtschaftlichem und politischem Gebiet. In ihm

wirken die in der Altenarbeit tätigen Verbände und

die Kreisseniorenräte zusammen. Der LSR ist

parteipolitisch unabhängig.

Vorsitzender: Roland Sing

Geschäftsführerin: Birgit Faigle.

Herausgeber

Landesseniorenrat Baden-Württemberg

Rotebühlstraße 131, 70197 Stuttgart

Telefon 0711/61 38 24, Telefax 0711/61 79 65

E-mail: landesseniorenrat@lsr-bw.de

www.lsr-bw.de

Verlag

Baumeister Verlag, Uhlandstraße 104

73614 Schorndorf

Tel. 07181/25 32 31

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E-Mail: info@baumeister-verlag.de

Redaktion

Dr. Stefan Raab, Projektleitung (rb)

Birgit Faigle, Landesseniorenrat (fai)

Hans-Jörg Eckardt, Landesseniorenrat (eck)

Anzeigen

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Telefon 07181/25 32 31

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Abo-Service

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2 2/2010 2/2010 3


Internet

„Ein Senior mit Maus gehört in jedes Haus“

Immer noch nutzen zu wenig Ältere

die Möglichkeiten im Internet

für ihre Kontakte, ihr Wissen

und für den Alltag. Während fast 70

Prozent der gesamten Bevölkerung

(ab 14) „am Netz“ sind, machen bei

den „50plus“ lediglich knapp 45

Prozent davon Gebrauch. Bei ihnen

fehlt meistens die gelebte Erfahrung

über das „Internet unser Freund und

Helfer“. Ändert sich das nicht, dann

bleiben viele Senioren „abgehängt“,

werden zunehmend vom gesellschaftlichen

Leben ausgegrenzt. Auch deshalb

engagiert sich der LSR bei diesem

Thema besonders. Im Herbst

soll dazu eine neue gemeinschaftliche

Aktion auf breiter Basis anlaufen.

Wichtig vor Ort:

Senioren-Internet-Helfer

Wichtig für alle diese Bemühungen

ist jedoch auch das Umfeld in der

eigenen Gemeinde, dass die Älteren

dort „niedrigschwellige“ Angebote

nutzen können. Dazu zählen die

„Senior-Internet-Helfer“, die schon

an vielen Orten erfolgreich wirken:

Den Senioren die Ängste vor diesem

Thema nehmen, die bisherigen

Nicht-Nutzer beraten und etwas

vertraut machen mit der Technik,

Sprechstunden und Möglichkeiten

zum Üben bieten. Leider mangelt es

besonders im ländlichen Raum noch

an solchen Initiativen. Das soll sich

ändern und deshalb läuft über ein

knappes Jahr die Aktion „Internet

goes Ländle“ (zur besseren Internet-

Kompetenz von Seniorinnen und Senioren).

Getragen wird sie vom Netzwerk

für Senior-Internet-Initiativen

Baden-Württemberg (SII), einem

Mitglied des LSR, dem Zentrum für

Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung

der Universität Ulm und

der Innovationsagentur des Landes

für IT und Medien (MFG). Das Projekt

wird gefördert vom Ministerium

für den Ländlichen Raum.

Zentraler Auftakt in Ulm

Fast 80 Interessierte, aber auch

schon Engagierte, waren am 2. März

in die „Wissenschaftsstadt“ auf den

Höhen über Ulm gekommen. Zum einen

wollten sie sich austauschen, die

andern hofften, zu erfahren, wie man

selbst solche Initiativen gründen und

mit ihnen erfolgreich werden kann.

Dazu gab es informative Referate,

praxisbezogene Arbeitsgruppen und

viele Tipps für diejenigen, die in den

Startblöcken stehen (und von denen

kann es nicht genug geben). Deshalb

will man mit drei oder vier solcher

Veranstaltungen auch noch vor Ort

gehen, besonders dorthin, wo es

„weiße“ Flecken auf der Landkarte

der Internethelfer gibt.

Fazit: Senioren und

Maus in jedes Haus!

Schon am Vormittag hatte Heinz

Kraus vom „Netzwerk 50plus Pfullendorf“

in seinem Bericht über die

dortigen Aktivitäten herausgestellt,

dass man bei den Medien mit einem

griffigen Motto großen Erfolg hatte.

Seines fand auch in Ulm Anklang

und bildet deshalb die Überschrift

des Artikels („Ein Senior mit Maus

gehört in jedes Haus“). Aus Sicht des

LSR gilt das – nach den bisherigen

Nutzerzahlen - aber noch mehr für

die Frauen. Dort ist der Nachholbedarf

bedeutend stärker.

Insgesamt eine wichtige Aufgabe

und Chance für die Seniorenräte,

sich auch bei diesem Thema noch

stärker einzubringen und es voranzubringen.

Details:

www.internet-goes-laendle.de

Hans-Jörg Eckardt

Ein „Frühlingsstrauß“ besonderer Art:

Nützliche Informationen und reger Meinungsaustausch in Ruit

Fast zeitgleich mit den ersten

langersehnten Frühlingstagen

waren am 24. März achtzig

Kreis- und Stadtseniorenräte zum

traditionellen zweitägigen Treffen

in die Sportschule Ruit angereist.

Dort erwartete sie ein besonderer

„Frühlingsstrauß“: Eine Fülle an Informationen

zu aktuellen Themen

und die so wichtige Möglichkeit für

regen Meinungsaustausch. Gerade

diese Chance für das intensive Gespräch

stellte LSR-Vorsitzender Roland

Sing schon in seiner Begrüßung

heraus. Das sei besonders wichtig,

denn immer wieder sei es für ihn

beeindruckend, welche Aktivitäten

der Räte vor Ort laufen würden. Es

wartete jedoch auch konkrete Arbeit:

Auch in diesem Jahr hat man „Ruiter

Erklärungen“ beraten und diese Resolutionen

verabschiedet.

Ruiter Erklärungen 2010

1) Gründung von Seniorenräten

Die Kreisseniorenräte und die Kommunen

in Baden-Württemberg werden

aufgefordert, alle notwendigen

Schritte zu unternehmen, um flächendeckend

Seniorenräte zu gründen

und deren Mitwirkung zu unterstützen.

• Zur positiven Gestaltung des demografischen

Wandels ist das Engagement

der Bürgerinnen und Bürger

unverzichtbar. Viele Seniorinnen

und Senioren sind bereit, ihre

Kompetenzen und Erfahrungen für

das Gemeinwohl einzusetzen. Sie

wollen aktiv an der Gestaltung von

Gesellschaft und Politik mitwirken.

• Die Vertretung von Seniorinnen

und Senioren, gerade in Baden-

Württemberg, ist beispielhaft gut

organisiert. Insbesondere die dezentralen

Strukturen der Seniorenvertretungen

sind bestens geeignet,

gerade auch den lokalen Bedürfnissen

von Seniorinnen und Senioren

Rechnung zu tragen, Möglichkeiten

zu bieten, gestaltend Einfluss zu

nehmen und durch bürgerschaftliches

Engagement für Andere einzutreten.

• Ortsseniorenräte, Stadtseniorenräte,

Kreisseniorenräte sind die

Organisationsformen, die bürgernahes

Engagement und bürgernahe

Lösungen ermöglichen. Wünschenswert

ist, dass gerade auf der

kommunalen Ebene Plattformen

und Gesprächsforen vorhanden

2/2010 2/2010

Tagung

Gespannt zuhörende Seniorenräte


Internet

Interessiert: Ehrenvorsitzender Siegfried Hörrmann (links)

sind, bzw. geschaffen oder noch

weiter ausgebaut werden, die einen

entsprechenden regen Austausch

ermöglichen.

• Die „Gemeinsamen Empfehlungen

der Kommunalen Landesverbände

und des LSR zur Arbeit von Kreis-,

Stadt- und Ortsseniorenräten in Baden-Württemberg

vom Juli 2003

sollen den Aufbau fördern. Bislang

bestehen in ca. 120 Gemeinden in

Baden-Württemberg Orts- oder

Stadtseniorenräte. Gemessen an

der großen Zahl von Gemeinden

insgesamt in Baden-Württemberg

ist somit eindeutig erkennbar, dass

ein erheblicher Handlungsbedarf

zur Gründung von Orts- und Stadtseniorenräten

gegeben ist.

2) Medizinisch-pflegerische

Versorgung älterer Menschen

Selbstbestimmtes Leben und Teilhabe

von Älteren sollten maßgeblich

Zielsetzung von allen Verantwortlichen

in Baden-Württemberg sein.

Alle Strategiediskussionen und insbesondere

aber auch alle Entscheidungen

sind danach zu bewerten,

ob diese Zielsetzung wirklich Gegenstand

der Aktivitäten und Handlungen

ist.

Strategisch gesehen können die Herausforderungen

der demografischen

Entwicklung am besten durch ambulante

Unterstützungsformen

gemeistert werden. Deshalb sind

exakt in diesem Bereich zielgerichtete

Anstrengungen erforderlich.

Je nach den Versorgungsformen

ergeben sich auch differenzierte

Anforderungsprofile für das Pflegepersonal.

Gerade bei den ambulanten

Versorgungsformen sollten

ehrenamtliche Strukturen stärker

ausgebaut werden. Für den ambulanten

und den stationären Bereich

gilt generell, dass voll ausgebildetes

Pflegepersonal von pflegefernen

Aufgaben nachhaltig entlastet werden

muss.

Generell ist ein Gesamtkonzept des

Landes Baden-Württemberg erforderlich,

welches als Leitfaden für alle

Verantwortlichen verbindlich ist und

so entscheidend mit dazu beitragen

kann, dass die demografische Herausforderung

durch eine Gesamtorientierung

aller Beteiligten zu bewältigen

ist.

Weiter ist zu fordern:

• Zügiger Ausbau und die Entwicklung

der Tages- und Nachtpflege.

• Förderung der integrierten Gesundheitsversorgung

einschließlich

der Pflege.

• Die Verbesserung der medizinischpflegerischen

Versorgung älterer

Menschen in ihrer häuslichen Umgebung

und in Pflegeheimen.

• Verbesserung der medizinisch-pflegerischen

Versorgung Älterer insgesamt.

Gerade in diesem Zusammenhang

sind die Aus-, Fort- und

Weiterbildungsmaßnahmen für

Mediziner den Herausforderungen

umgehend anzupassen.

• Die Rahmenbedingungen für Prävention

und Rehabilitation müssen

deutlich verbessert werden. Längst

überfällig ist ein Präventionsgesetz

auf Bundesebene, das die Pflegeversicherung

mit einschließt.

3) Technik für ein selbstbestimmtes

Leben im Alter

Die Landesregierung von Baden-

Württemberg wird aufgefordert,

alle notwendigen Schritte zu unternehmen,

dass technische Hilfen für

ältere Menschen erforscht, entwickelt

und sobald als möglich in Baden-Württemberg

durch Modellvorhaben

erprobt werden. Generelle

Zielsetzung muss sein, solange wie

irgend möglich älteren Menschen

ein selbstbestimmtes, selbstverantwortetes

und teilhabeberechtigtes

Leben in der eigenen Häuslichkeit zu

ermöglichen.

Technische Hilfen können die

Selbstständigkeit unterstützen und

Sicherheit bieten. Sie müssen allen

Menschen zugänglich gemacht werden

und sie müssen leicht anwendbar

sein (Ambient Assisted Living

Systeme).

Für den Einsatz von Telemonitoring

und Telemedizin müssen auch die

rechtlichen Rahmenbedingungen –

insbesondere unter Berücksichtigung

der Menschenwürde – sowohl

auf der Bundes- als auch auf der

Landesebene beschlossen werden.

fai / eck

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6 2/2010 2/2010 7


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Südafrika: Erlebnis-Rundreise

Mexiko: Die Spuren der Maya

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Ohlstadt: Mal-Akademie

Schloss Raesfeld: Kreativkurse

Andalusien: Finca-Urlaub

Urlaub im Kloster

Ottobeuren: Musik-Meditation

Kostenz: Fasten, Yoga, AntiStress

Neustift: Intuitives

Bogenschießen

Studien- & Kulturreisen

Rom als Insider erleben

Peloponnes & Mani

Israel & Palästina verstehen

Aktivurlaub

Kleinwalsertal: Bergwandern

Rügen: Segeln, Radeln, Wandern

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Gesundheits- &

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