Veronika Eberle Violine Danjulo Ishizaka Cello Shai Wosner Klavier

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Veronika Eberle Violine Danjulo Ishizaka Cello Shai Wosner Klavier

M e i s t e r k o n z e r t

Samstag, 10. November 2012, 18 Uhr, Haus Oberallgäu, Sonthofen

Klaviertrio

Veronika Eberle Violine

Danjulo Ishizaka Cello

Shai Wosner Klavier

Programm:

Joseph Haydn Klaviertrio in es-Moll, Hob. XV 31(1794-1795)

Ludwig van Beethoven Trio op.70 Nr.2 in Es-Dur (1795)

Franz Schubert Klaviertrio op. 99 D 898 in B-Dur (1827)

90


Veronika Eberle wurde 1988 in Donauwörth als Tochter

musikinteressierter Ärzte geboren und erhielt dort seit

dem sechsten Lebensjahr Geigenunterricht. Frühe Lehrer

waren Olga Voitova und Christoph Poppen. Ihre schulische

Laufbahn schloss sie 2008 mit dem Abitur ab, studiert

aber bereits seit 2001 sie an der Hochschule für

Musik und Theater München bei Ana Chumachenco. Sie

gilt als eine der talentiertesten deutschen

Nachwuchsmusikerinnen und hat sich auch international

bereits einen Namen gemacht.

Veronika Eberle wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet

und erfuhr eine kontinuierliche künstlerische

Förderung durch diverse Stiftungen.

2000 - 2004 : Jürgen Ponto Stiftung

2001 - 2009 : Deutsche Stiftung Musikleben

2003: 1. Preis des internationalen Violinwettbewerbs

Yfrah Neaman

2004: Publikumspreis bei den Festspielen

Mecklenburg-Vorpommern

2005: Publikumspreis beim Schleswig-Holstein

Musikfestival

2005: Jahresauszeichnung der TZ -München für die

beste künstlerische Leistung in klassischer

Musik in München

2005 und 2006 erhielt sie den Förderpreis beim

Heimbach Kammermusik Festival Spannungen,

2007 folgte der Bayerische Kunstförderpreis

seit 2007 wird sie von der Studienstiftung des

Deutschen Volkes gefördert

2008: Förderpreis der Orpheum Stiftung in Zürich

2008: Fellowship des Borletti-Buitoni Trust

Zehnjährig gab Veronika Eberle mit den Münchner

Symphonikern ihr Debutkonzert und konzertierte

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inzwischen mit den Berliner Philharmonikern und den

Rotterdamer Philharmonikern unter Sir Simon Rattle, mit

dem Los Angeles Philharmonic Orchestra, mit den

Sinfonieorchestern des norddeutschen, hessischen, süddeutschen

und Berliner Rundfunks, des weiteren mit dem

Bournemouth Symphony Orchestra, dem Frankfurter

Museumsorchester, dem Tonhalle Orchester Zürich, dem

Orchestra del Teatro la Fenice, dem Orchestra Sinfonica

Giuseppe Verdi di Milano, dem NHK-Sinfonieorchester

Tokio sowie mit den Bamberger und den Prager

Symphonikern.

Sie spielte Kammermusik beim Schleswig-Holstein Musik

Festival, beim Beethovenfest Bonn, beim Classix Festival

Braunschweig und beim Heimbach Kammermusik

Festival “Spannungen”, beim Kammermusikfestival Bel-

Air in Chambéry sowie bei den Festspielen Mecklenburg-

Vorpommern und den Dresdner Musikfestspielen.

Ihre Kammermusikpartner sind neben den beiden

Künstlern unseres Konzerts unter anderem Lars Vogt,

Christian Tetzlaff, Gustav Rivinius, Tatjana Masurenko

und Oliver Schnyder. Die Aufnahme des Klavierquintetts

von Joh. Brahms beim Heimbacher Festival 2005

erschien bei CAvI Music. Ihre Partner dabei sind Lars

Vogt, Chr. Tetzlaff, Gustav Rivinius, Hanna Weinmeister

und Julian Steckel.

In der Saison 2008/2009 gab Veronika Eberle ihre

Debütrezitale in der New Yorker Carnegie Hall, im

Théâtre de la Ville in Paris, im Salzburger Mozarteum

und im Münchner Herkulessaal.

2011 ist Veronika Eberle Artist in Residence beim

Musikfestival Heidelberger Frühling.


Bis 2009 spielte Veronika Eberle die Geige ex Adolf

Busch von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahre

1783, eine Leihgabe der Deutschen Stiftung Musikleben.

Heute spielt sie die Stradivari Dragonetti aus dem Jahre

1700, die ihr durch die Nippon Music Foundation zur

Verfügung gestellt wird.

Danjulo Ishizaka ist kein Talent mehr, sondern eine veritable

Musikerpersönlichkeit. Phänomenal in seinem

technischen Potenzial, begeisterte er mit spontaner

Klangfarbenphantasie und Phrasierungsintelligenz.“

(Süddeutsche Zeitung)

Der 1979 geborene Deutsch-Japaner Danjulo Ishizaka

erhielt mit vier Jahren seinen ersten Cello-Unterricht.

Nach Studien bei Hans Christian Schweiker absolvierte er

ein Gaststudium an der Indiana University, USA. Einen

entscheidenden Einfluss auf seine Entwicklung als

Künstler und Persönlichkeit hatte Boris

Pergamenschikow, bei dem er von 1998 bis 2004 an der

Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin studierte.

Dort setzte er von 2004 bis 2006 seine Studien bei Tabea

Zimmermann fort. Weiterhin wurde er nachhaltig durch

Bernhard Greenhouse, György Kurtág, Menahem Pressler

und das Amadeus-Quartett geprägt.

Nach frühen Erfolgen mit ersten Preisen, 1998 beim

Internationalen `Gaspar Cassado´ Cellowettbewerb in

Spanien und 1999 beim Internationalen Lutoslawski

Cellowettbewerb in Warschau, wurde Danjulo Ishizaka

2001 erster Preisträger beim renommierten

Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München.

2002 gewann er den Grand Prix `Emanuel Feuermann´

der Kronberg Academy und der Universität der Künste

92

Berlin, der unter der Schirmherrschaft von Daniel

Barenboim erstmalig zum 100. Geburtstag des legendären

Cellisten E. Feuermann ausgetragen wurde.

Außerdem wurde Danjulo Ishizaka mit dem international

bedeutenden „Prix Young Artist of the Year“ ausgezeichnet.

Bei seinen Konzerten, zusammen mit den Wiener

Symphonikern unter der Leitung von Krzysztof

Penderecki im Musikverein Wien, gelang dem

„Ausnahmetalent“ (Der Spiegel) im November 2003 der

internationale Durchbruch. Bei seinem Gastspiel kurz

darauf in der Alten Oper in Frankfurt titelte die FAZ:

„Genie bricht sich Bahn“. Seither konzertiert er weltweit

mit renommierten Orchestern, wie beispielsweise dem

Gewandhaus-Orchester in Leipzig, dem Sinfonieorchester

des Bayerischen Rundfunks, dem RSO Frankfurt, NHK

Symphony Orchestra, dem Tokyo Symphony Orchestra,

dem Singapore Symphony Orchestra, dem Baltimore

Symphony Orchestra, dem Orchestra Gulbenkian, dem

Lithuanian National Symphony Orchestra, Sinfonietta

Cracovia, Lucerne Symphony Orchestra, dem Orchestre

Philharmonique du Luxembourg, der Academy of St.

Martin in the Fields, dem Zürcher Kammerorchester und

dem Münchener Kammerorchester. Dabei hat er u.a. auch

mit Dirigenten wie Gerd Albrecht, John Axelrod, Sir

Andrew Davis, Christoph Eschenbach, Lawrence Foster,

Michail Jurowski, Jiri Kout, Sir Roger Norrington,

Christoph Poppen, Mstislaw Rostropovich und Leonard

Slatkin gearbeitet. Mit Rostropovich pflegte er eine enge

Zusammenarbeit. Rostropovich beschrieb das Spiel von

Ishizaka wie folgt: „phänomenal in seinem technischen

Können, vollendet in seiner musikalischen

Gestaltungskraft“.


Auf seiner Debüt-CD bei SonyBMG spielte Ishizaka

Sonaten von Britten, Franck und Mendelssohn Bartholdy

zusammen mit dem Pianisten Martin Helmchen ein.

Diese CD wurde im Jahr 2006 von der Deutschen Phono

Akademie mit dem Echo Klassik ausgezeichnet.

Neben seiner Konzerttätigkeit als Solist führen

Kammermusikaktivitäten Ishizaka mit renommierten

Künstlern zusammen, wie beispielsweise Gidon Kremer,

Julia Fischer, Lisa Batiashvili, Viviane Hagner, François

Leleux, Lars Vogt, Tabea Zimmermann, Antoine Tamestit,

Renaud Capuçon, Julian Rachlin und Elena Bashkirova

und mit dem Jerusalem Chamber Music Festival

Ensemble. Zu seinen ständigen Klavierpartnern zählen

José Gallardo, Martin Helmchen, Markus Schirmer und

Henri Sigfridsson.

Ishizaka ist regelmäßig Gast bei renommierten Festivals

wie dem Cellofestival in Kronberg, Schleswig-Holstein

Musik Festival, Rheingau Musik Festival, Kissinger

Sommer, Kammermusikfest Lockenhaus, Ljubljana Music

Festival, Verbier Festival, Luzern Festival, City of London

Festival, Manchester Cello Festival, bei den BBC Proms

und den Osterfestspielen in Salzburg. Im Rahmen seiner

internationalen Tourneen gastiert er regelmäßig in

Europa, Asien und den USA, im März 2006 gab er sein

Debüt in der Carnegie Hall New York.

2008 ging Ishizaka erneut auf Europatournee mit dem

Royal Philharmonic Orchestra unter Sir Andrew Davis.

Außerdem war er zusammen mit dem Iceland Symphony

Orchestra unter Rumon Gamba, dem Gewandhaus-

Orchester in Leipzig unter Michail Jurowski und mit dem

Zürcher Kammerorchester zusammen mit Arabella

93

Steinbacher zu hören. Im Concertgebouw Amsterdam

debütierte er mit Lisa Batiashvili.

In diesem Jahr wird Danjulo Ishizaka neben vielen

Wiedereinladungen sein Debüt mit dem Orchestra

Sinfonica di Milano Giuseppe Verdi, dem Croatian Radio

Symphony Orchestra Zagreb, dem Tonkünstlerorchester

Niederösterreich im Musikverein Wien, dem Norrköping

Symphony Orchestra und dem Prague Symphony

Orchestra geben. In der Saison 2009/2010 trat er erstmals

mit dem London Philharmonic Orchestra unter der

Leitung von Vladimir Jurowski in der Royal Festival Hall

in London auf.

Danjulo Ishizaka wurde für das New Generation Artists

scheme von BBC Radio 3 ausgewählt, das für die Jahre

2007 und 2008 zahlreiche Rundfunkproduktionen solo,

mit Klavier und mit den fünf BBC Sinfonieorchestern

sowie ein Debüt Recital in der Wigmore Hall London

beinhaltet.

Zu Ishizakas Förderern gehört die Kronberg Academy, die

ihm das von Wolfgang Schnabl erbaute Violoncello zur

Verfügung stellt, das zuvor von Boris Pergamenschikow

gespielt wurde,. Zudem spielt Danjulo Ishizaka das Cello

„Lord Aylesford“ von Stradivarius aus dem Jahr 1696,

das ihm die Nippon Music Foundation zur Verfügung

stellt.

Shai Wosner wurde in Israel geboren und erhielt dort

sehr früh eine gründliche musikalische Ausbildung. Er

studierte bei Emanuel Krasovsky Klavier sowie

Komposition, Theorie und Improvisation bei André

Hajdu. Er setzte seine Studien an der Juillard School bei


Emanuel Ax fort. Shai Wosner lebt heute in New York.

Sein Repertoire reicht von Mozart und Beethoven bis

Ligeti und bis zu Komponisten seiner Generation.

Virtuosität und Empfindungsreichtum zeichnen sein

Spiel gleichermaßen aus. In der Saison 2009/2010

debütierte er mit größtem Erfolg beim Chicago

Symphony Orchestra und dirigierte das Los Angeles

Chamber Orchestra bei einer Live-Aufzeichnung des

Fernsehens vom Klavier aus. Er gastierte erneut in der

Abonnementreihe und bei den Proms des BBC Scottish

Symphony Orchestra unter Donald Runnicles, des weiteren

trat er auch mit dem BBC Philharmonic Orchestra

in einer Fernsehdirektübertragung aus der Bridgewater

Hall in Manchester auf.

Er gab in den USA Solo- als auch Duoabende im

Kennedy Center mit der Geigernin Viviane Hagner, mit

Christian Poltéra in der Londoner Wigmore-Hall und mit

Jennifer Koh. Weitere Höhepunkte waren sein Debüt

beim Cleveland Orchestra, seine Wiederverpflichtungen

bei den Symphonieorchestern von Atlanta, Houston,

North Carolina, Charlotte und Sacramento. Zu erwähnen

sind auch die Soloabende in New York, im Musée d`Orsay

und in der Wigmore Hall.

In der Saison 2010/2011 spielte er in den

Abonnementkonzerten des St. Paul Chamber Orchestra,

des Symphonieorchesters von Bournemouth und des

National Arts Centre Orchestra. Bei dem Label Onyx

erschien eine CD mit Werken von Brahms und

Schoenberg. Aus der Wigmore Hall und aus der

Hoddinott Hall in Cardiff wurden Soloauftritte in Radio 3

übertragen, ebenso wie vom Festival Aux Jacobins in

Frankreich. Im Duo war er mit Martin Fröst, Dieter

Henschel und Jennifer Koh zu hören. Er war Gast der

94

Festivals in Hay-on-Wye, Stavanger, Cheltenham und

City of London.

Er wurde sowohl mit dem Avery Fisher Career Grant als

auch mit dem Preis der Borletti-Buitoni-Stiftung ausgezeichnet,

was die Auftragskomposition eines

Klavierkonzerts Along der Ravines von Michael Hersch

zur Folge hatte. Er vervollständigte seine Residence als

BBC New Generation Artist bei zahlreichen Konzerten

mit Orchestern der BBC, wobei er auch wieder Mozart-

Konzerte vom Klavier aus dirigierte.

Er war Gast zahlreicher großer nordamerikanischer

Orchester, einschließlich des Los Angeles Philharmonic in

der Hollywood Bowl, der Symphonieorchester von

Philadelphia, Chicago, Baltimore, San Francisco, Atlanta,

Indianapolis, Dallas, Miwaukee, Columbus und Memphis.

In Europa trat er auf mit der Staatskapelle Berlin, mit den

Wiener Philharmonikern, den Symphonieorchestern von

Gothenburg und Barcelona, mit dem Radiosinfonieorchester

Frankfurt, dem Orchestre National de Belgique

und der Nieuw Sinfonietta Amsterdam. Bereits 2006

musizierte er mit den Wiener Philharmonikern in

Salzburg anläßlich des 250. Geburtstags von

W. A. Mozart.

Er spielte unter den Dirigenten Daniel Barenboim, Zubin

Mehta, Leonard Slatkin, Donald Runnicles, Alan Gilbert,

Peter Oundjian, Günther Herbig, James Conlon,

Jirˇí Blohlávek und James Judd.

Kammermusik machte er mit Pinchas Zukerman, Lynn

Harell, Ralph Kirshbaum, Christian Tetzlaff und

Cho-Liang Lin und nahm teil an den

Kammermusikfestivals im Lincoln Center, in Portland,

Santa Fe, Jerusalem, Ravinia, Mostly Mozart,

Bridgehampton u.a..

Unter den Kammermusik-Verpflichtungen waren auch


Aufführungen mit Mitgliedern der New Yorker

Philharmoniker in der Avery Fisher Hall, des Konzerts für

drei Klaviere von Mozart mit Joseph Kalichstein und

Alon Goldstein sowie mit dem New York String Quartett

mit Jaime Laredo. Er arbeitete auch bereits mit dem

Tokyo-, Miro- und Parker Streichquartett zusammen. In

mehreren aufeinanderfolgenden Sommern nahm er am

West-Eastern-Divan Workshop unter Leitung von Daniel

Barenboim teil und gab mit dem Orchester auch mehrere

Konzerte.

Zum Programm:

Ich erlaube mir, auf meinen Artikel über die Bedeutung

und Entwicklung des Klaviertrios bei Joseph Haydn

(1732 – 1809) im Heft 2009/S.57 zu verweisen.

Grundlage meiner beiden Artikel sind die ausgezeichneten

Studien zu den Klaviertrios von Joseph Haydn (*1)

von Jürgen Brauner. Bereits 2009 habe ich auf drei

Schaffensperioden hingewiesen. Wir hören auch in

diesem Konzert mit dem Klaviertrio Hob. XV es-Moll ein

Werk der dritten Periode, aus dem Zeitraum der zweiten

Londoner Reise 1794 – 1795 und danach. Die

Besonderheit dieses Werks liegt in der Zweisätzigkeit. Mit

einer einzigen weiteren Ausnahme sind die Klaviertrios

der dritten Phase dreisätzig und wurden, meist auf

Bestellung von Verlegern, in Dreierserien veröffentlicht.

Nicht so die beiden zweisätzigen Klaviertrios G-Dur Hob.

XV:32 und `unser´ Klaviertrio in es-Moll. Dies liegt vermutlich

daran, daß es sich um Gelegenheits- und nicht

um Auftragswerke handelte. Das es-Moll-Trio war

ursprünglich sogar nicht einmal für eine

Veröffentlichung gedacht. Haydn fügte hier zwei 1794

95

Haydn im Jahr 1792. Stich von T. Hardy

und 1795 komponierte Sätze zusammen, die erst 1803

bei dem Wiener Verleger Traeg in den Handel kamen.

Sowohl das Trio in G-Dur als auch das in es-Moll wurden

einzeln herausgegeben und erschienen zusätzlich in

einer Fassung für Violine und Klavier.

Haydn gab den Trios vor allem in der frühen Periode, in

den fünfziger und sechziger Jahren, ganz unterschiedliche

Bezeichnungen wie Divertimento a tre oder


Partitta per il Clavicembalo. In der zweiten Periode, in

den achtziger Jahren, bezeichnete er sie in seinen Briefen

oft einfach nur als Clavier Sonaten, manchmal mit dem

Zusatz avec accompagnement d`un Violon et

Violoncelle. Erst in den Autographen der späten

Klaviertrios finden wir übrigens die Streichinstrumente

über dem Klaviersatz, vorher waren sie unter der

Klavierstimme notiert.

Der zunehmend komplexere kompositorische Stil der

späten Trios zeigt sich nicht nur in den häufiger verwendeten

seltenen Molltonarten, sondern vor allem in den

Variationssätzen, die in mehr als der Hälfte der circa

vierzig Klaviertrios vorkommen, so auch im es-Moll-Trio.

Haydn schreibt keine Variationsreihen mehr à la Tema

con variatione, sondern es sind Variationssätze, bei

denen in der dreiteiligen Form A-B-A die Reprise des

ersten Teils variiert wird. (*1) Jürgen Brauner weist

darauf hin, daß Haydn hierbei seinem kompositorischen

Vorbild C. Ph. E. Bach folgt. Im Kopfsatz des es-Moll-

Trios geht Haydn noch einen Schritt weiter und verbindet

die Variationstechnik mit einer fünfteiligen Rondoform .

Ein Teil der späten Trios entstand, wie bereits erwähnt,

während seines zweiten Englandaufenthalts.

Die Fortschritte im englischen Klavierbau wusste Haydn

dabei geschickt zu nutzen. Der Klaviersatz ist geradezu

orchestral. Haydn nutzte die extremen Lagen der

größeren und robusten englischen Instrumente

wirkungsvoll aus und brachte ihren vollen und kantablen

Ton voll zur Geltung. Die Klaviere der Wiener Bauart

hatten dagegen, nach Johann Nepomuk Hummel, „einen

zarten und obertonreichen Klang von hoher Transparenz

und einen runden, flötenartigen Klang“. Zur Dämpfung

musste der Spieler zum Beispiel noch einen Kniehebel

betätigen, während man in England schon Pedale baute.

96

Neben mehreren anderen Klaviertrios widmete Haydn

den Finalsatz des es-Moll-Trios Therese Jansen, die

Schülerin von Muzio Clementi war und eine hervorragende

Amateurpianistin gewesen sein muss. Der

Klaviersatz der ihr gewidmeten Werke ist jedenfalls technisch

immer höchst anspruchsvoll. Im Klaviertrio

es-Moll ist aber auch der Violinpart voll emanzipiert, ja

er zeichnet sich durch eine Virtuosität aus, die für die

Klaviertrios einmalig ist. Singulär ist aber auch der Titel,

den der 1794 in England komponierte Triosatz trug. Im

Autograph steht neben der Widmung an Therese Jansen:

Sonata Jacob`s Dream by Dr. Haydn.

Vermutlich erst nachdem Haydn 1795 nach Wien zurückgekehrt

war, komponierte er einen zweiten Satz und verband

diesen, aus uns nicht bekannten Gründen, mit der

einsätzigen Sonata Jacob´s Dream zum Trio es-Moll. Da

der Titel Jacob´s Dream in diesem Kontext aber keinen

Sinn mehr machte, versuchte Haydn – vergeblich - ihn

auf dem Titelblatt zu tilgen.

Der Haydn-Biograph Albert Christoph Dies klärt uns über

den sonderbaren Titel auf: „Er (Haydn) stand in London

in genauer Bekanntschaft mit einem deutschen

Musikliebhaber, der sich auf der Geige eine an Virtuosität

grenzende Fertigkeit erworben, aber die üble Gewohnheit

hatte, sich immer in den höchsten Tönen, in der Nähe des

Steges zu versteigen. Haydn nahm sich vor, einen

Versuch zu machen, ob es nicht möglich wäre, dem

Dilettanten seine Gewohnheiten zu verleiden und ihm

Gefühl für ein solides Spiel beizubringen.

Der Dilettant besuchte oft eine Demoiselle J.

(Anmerkung: Es ist zweifelsfrei Therese Janssen

gemeint), die mit großer Fertigkeit das Pianoforte spielte.

Wozu er gewöhnlich akkompagnierte. Haydn schrieb

ganz in der Stille eine Sonate für das Pianoforte mit


Begleitung einer Violine, betitelte die Sonate Jakob`s

Traum und ließ sie versiegelt, ohne Namensunterschrift,

durch sichere Hände der Demoiselle J. überliefern, die

auch nicht weilte, die dem Anschein nach leichte Sonate

in Gesellschaft des Dilettanten zu probieren. Was Haydn

vorhergesehen hatte, traf richtig ein. Der Dilettant blieb

immer in den höchsten Tönen, wo die Passagen überhäuft

waren, stecken, und sobald Demoiselle J. dem

Gedanken auf die Spur kam, daß der unbekannte

Verfasser die Himmelsleiter, die Jakob im Traum sah,

habe vorstellen wollen, und sie dann bemerkte, wie der

Dilettant auf dieser Leiter bald schwerfällig, unsicher,

stolpernd, bald taumelnd, hüpfend auf und abstieg, so

schien ihr die Sache zu kurzweilig, daß sie das Lachen

nicht verbergen konnte, während der Dilettant auf den

unbekannten Compositor schimpfte und dreist

behauptete, derselbe wisse nicht für die Violine zu setzen.“

Wie bereits erwähnt erschien dieses Trio 1803 in Wien

bei Traeg, und Haydn widmete das Trio der befreundeten

Wiener Pianistin Magdalena von Kurzböck. Wenige

Monate später schickte Haydn das gleiche Werk, aber

ohne Cellostimme, als Violinsonate mit Widmung an

Madame Moreau, der Gattin eines französischen

Generals. 1821 erschien bei Naderman in Paris die um die

Cellostimme reduzierte Komposition als Violinsonate, die

von da an die Moreau-Sonate genannt wurde. Der

schlitzohrige Haydn verschwieg geflissentlich, daß es

sich dabei um das `abgespeckte´ Trio handelte.

Die drei Klaviertrios aus dem Jahr 1795 fand Ludwig van

Beethoven (1770 – 1827) für würdig, die Opuszahl „1“ zu

tragen. Er erzählte seinem Schüler Ferdinand Ries später

Details über die erste Aufführung im Haus des Fürsten

97

Lichnowsky. Ries erinnert sich: „Die meisten Künstler

und Liebhaber waren eingeladen, besonders Haydn, auf

dessen Urtheil Alles gespannt war. Die Trio`s wurden

gespielt und machten gleich außerordentliches Aufsehen.

Auch Haydn sagte viel Schönes darüber, rieth aber

Beethoven, das dritte in C moll nicht herauszugeben.

Dieses fiel Beethoven sehr auf, indem er es für das Beste

hielt, sowie es denn auch heute immer am meisten gefällt

und die größte Wirkung hervorbringt. Daher machte

diese Aeßerung Haydn`s auf Beethoven einen bösen

Eindruck und ließ bei ihm die Idee zurück: Haydn sei neidisch,

eifersüchtig und meine es mit ihm nicht gut. Ich

muß gestehen, daß, als Beethoven mir dieses erzählte, ich

ihm wenig Glauben schenkte. Ich nahm daher

Veranlassung, Haydn selbst darüber zu fragen. Seine

Antwort aber bestätigte Beethoven`s Aeußerung, indem

er sagte, er habe nicht geglaubt, daß dieses Trio so

schnell und leicht verstanden und vom Publikum so günstig

aufgenommen werden würde.“ (*2)

Beethoven gab diese drei Trios erst mehr als zwei Jahre

später zum Druck. Ob ihn Haydns Bedenken zögern

ließen, darüber können wir nur spekulieren. Alexander

Wheelock Thayer stellt in seiner fünfbändigen

Beethoven-Biographie weitere Überlegungen zur

Diskussion: „Vielleicht hielt ihn ein Gefühl von

Bescheidenheit zurück, da er noch ein Schüler war;

vielleicht auch ein Zweifel an dem Erfolge von

Kompositionen in einem so neuen Stile; vielleicht auch

die Klugheit, indem er es vorzog, die Veröffentlichung

aufzuschieben, bis sie aus dem Manuskript so oft aufgeführt

wären, daß ihm Verständnis und Würdigung und

auf diese Weise eine angemessene Zahl von

Subskribenten gesichert war.“

Es vergingen dann dreizehn Jahre, bis er er sich wieder


diesem Genre zuwandte und 1808 die beiden Klaviertrios

op. 70, Nr. 1 und 2 schrieb. Das erste erhielt den

Beinamen Geistertrio. Wir hören das zweite in Es-Dur.

Beide Trios sind viersätzig. Als Besonderheit ist beim

zweiten festzuhalten, daß an Stelle eines langsamen

Satzes ein tänzerisches Allegretto eingefügt ist. Es weist

dadurch in seiner Konzeption mehr auf haydnsche

Vorbilder hin als das Geistertrio. Dennoch findet

Beethoven auch hier besinnliche und ernste Töne, die

dem Werk seine ganz persönliche Sprache geben.

Beethoven widmete die beiden Werke aus opus 70 der

Gräfin Anna Marie Erdödy, in deren Haus er seit Herbst

1808 wohnte. Beethoven ließ sich von ihr in persönlichen

und geschäftlichen Dingen beraten. Das freundschaftliche

Verhältnis mit dem Ehepaar Erdödy wurde

zwei Jahre später jäh, allerdings nur vorübergehend ,

unterbrochen. Beethoven hatte erfahren, dass die Gräfin

oder ihr Lebensgefährte Joseph Brauchle seinem Diener

heimlich erhebliche Geldsummen für sexuelle Dienste

bezahlt habe. Beethoven zog voller Zorn aus. Nach

Maynard Solomon „heilte der Bruch mit der Gräfin rasch,

als sie ihm versicherte, sie habe den Diener nur bezahlt,

`damit er bei mir bleiben soll.´ `Diesen Edelmut muß ich

jetzt glauben´, schrieb Beethoven an seinen Freund

Zmeskall.“

Beethoven schenkte uns mit diesen beiden Trios aus Opus

70 zwei Kompositionen, die nicht nur im gleichen Jahr

wie die Pastorale entstanden, sondern auch von ihrer

heiter-gelassenen Stimmung erfüllt sind.

Nach der Pause hören Sie das Klaviertrio B-Dur, op. 99,

D 898, von Franz Schubert (1797 – 1828), das wie das

Schwesterwerk in Es-Dur, op. 100, D 929 und das

Forellenquintett zu seinen bekanntesten und beliebtesten

98

Franz Schubert. Aquarell von Wilhelm August Rieder, 1825

Kammermusikwerken zählt. Obwohl die beiden Trios

1827 erst nach der Winterreise entstanden, werfen

Krankheit und Angstträume keine Schatten, sondern sie

zeichnen sich durch melodische Schönheit sowie reiche

und helle Klangfarben aus.

Lange wurde darüber diskutiert, welches der beiden Trios

zuerst entstand. Die neuesten Forschungsergebnisse (*4)

ergaben, dass ein `neues Trio´ von Schubert in zwei

öffentlichen Konzerten am 26. 12. 1827 und am

26. 3. 1828 angekündigt wurde. Es war das B-Dur-Trio,

das vermutlich im Oktober 1827 entstanden ist. Die

Drucklegung verzögerte sich allerdings bis ins Jahr

1836. Dann erschien es im Verlag von Anton Diabelli in

Wien.


Das Es-Dur-Trio wurde erstmals bei der großen

Spaunschen Schubertiade am 27.1.1828 aufgeführt. Als

`neu´ angekündigt und öffentlich gespielt wurde es dann

im Privatkonzert. Schubert gab es Heinrich Albert Probst

in Leipzig als op. 100 zum Druck. Es erschien noch vor

Schuberts Tod, und es war sein erstes Werk, das offiziell

außerhalb der Landesgrenzen von Österreich verlegt

wurde. Probst war Kommissionär von Artaria und

Diabelli in Deutschland.

Robert Schumann sagte: „Ein Blick auf das Trio (Anm.

op. 99) von Schubert – und das erbärmliche

Menschentreiben flieht zurück und die Welt glänzt

wieder frisch.“ Aber Alfred Einstein warnt: „Wer den

ersten Satz von op. 99 etwa unterschätzen sollte, gewinnt

vielleicht einen tieferen Begriff von ihm, wenn er

weiß, daß er ebenfalls die Paraphrase eines Lieds ist, und

zwar von Des Sängers Habe (XX, 466) vom Februar

1825: „ Schlage mein ganzes Glück in Splitter,

Nehmt mir alle Habe gleich,

Lasset mir nur meine Zither,

Und ich bleibe froh und reich!“

Alfred Einstein fährt fort: „Was er wollte, war: in einer

ungehemmteren Form auszubreiten und zu entwickeln,

was er im Lied musikalisch geprägt hatte, und durch

musikalische – nicht poetische – Gegensätze zu vertiefen.

Und einer dieser `Gegensätze´, das zweite Thema

im ersten Satz und das Mittelstück des Rondos sind verwandt:

Schubert strebt jetzt, in einem andern Sinn als in

der Wanderer-Fantasie nach einer höheren Einheit der

Sonate. Das Scherzo bedient sich im Hauptsatz eines

Walzer-Typus und wird im Trio zum wirklichen Walzer.

Das Tonartenverhältnis der vier Sätze könnte nicht nor-

99

maler, `klassischer´ sein: selbst das Andante un poco

mosso (Schumann nennt es Adagio) greift zum

Nächstliegenden, Es-Dur. Aber es wird in Melodie und

Harmonik zum Compendium schubertscher Sensibilität –

ein durchaus nicht ganz `seliges Träumen´, sondern ein

manchmal schmerzlich bewegtes. Bocklet soll nach der

Aufführung bei Spaun Schubert umarmt und geküsst

haben. Das ist eine bessere Reaktion als die beliebte

Feststellung, dass Beethoven eben doch konzentriertere

Klaviertrios geschrieben habe, oder dass bedauerlicherweise

die Wirkung der schubertschen dadurch beeinträchtigt

werde, daß in neuerer Zeit Klavier, Geige und

Violoncello die übliche Besetzung feinerer

Kaffeehausmusik geworden sei. Bei manchen Beurteilern

Schuberts kommt mir gelegentlich in den Sinn, was

Heinrich Heine über den gefeierten Sänger von Waterloo

gesagt hat, dass er nämlich dumm sei wie alle Menschen,

die kein Herz haben. Denn die Gedanken kämen nicht aus

dem Kopf, sondern aus dem Herzen. Im übrigen findet

sich gerade in einem Klaviertrio Beethovens die lauterste

Vorahnung Schuberts: das Allegro ma non troppo aus op.

70,Nr. 2.“ (* )

Das ist genau das Trio, das Sie vor der Pause hören.

Wenn Sie mir bis hierher so aufmerksam und geduldig

lesend gefolgt sind, werden Sie sicher auch diese „lautersten

Vorahnungen“ heraushören. Ich bedanke mich herzlich

für Ihr Interesse und hoffe, Ihre Vorfreude auf die

Konzerte, die Musik und ihre Interpreten gesteigert zu

haben. Mein Dank gilt des weiteren Herrn Prof. Dr. Dr.

mult. h.c. Hans Schneider für die fachlichen Anregungen,

Frau Dr. phil. Anne Seckel für sorgfältiges Korrekturlesen

und nicht zuletzt meiner Frau, dass ich wieder einmal

viele Abende ungestört schreibend verbringen konnte.


*1 Jürgen Brauner: Studien zu den Klaviertrios von Joseph

Haydn, verlegt bei Hans Schneider, Tutzing 1995

*2 Ferdinand Ries: Biographische Notizen über Ludwig van

Beethoven von Wegeler und Ries, Schuster u.Löffler 1906

* Alfred Einstein: Franz Schubert – Ein musikalisches Porträt,

Pan-Verlag Zürich 1952

* Ernst Hilmar/Margret Jestremski – Schubert-Enzyklopädie,

verlegt bei Hans Schneider, Tutzing 2004

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