Rundbrief Elim aktuell Juni 2012 als PDF ansehen - Diakonische ...

stadtarbeitelim.ch

Rundbrief Elim aktuell Juni 2012 als PDF ansehen - Diakonische ...

Elim Aktuell Ausgabe

Diakonische Stadtarbeit Elim

Arbeit, Sport und Spass

Einblicke in die Tagesstruktur

2 / Juni 2012

Diakonische Stadtarbeit Elim � Claragraben 141 � 4057 Basel � +41 (0)61 681 14 24 � info@elimbasel.com � www.stadtarbeitelim.ch


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Impressum

Diakonische

Stadtarbeit Elim

Diakonische Stadtarbeit Elim

Claragraben 141

CH - 4057 Basel

Tel. +41 (0) 61 681 14 24

Fax. +41 (0) 61 683 93 83

info@elimbasel.com

PC 70-55379-2

BLKB 16 4.320.827.22

Geschäftsleitung: Urs Gerber

Redaktion: Monika Vökt

Redigierung: Urs Gerber

Monika Vökt

Layout: Monika Vökt

Fotos: Elim

ausgenommen:

Anzeigen Seite 2

Auflage: 1000 Exemplare

Beilagen: Einzahlungsschein

EDITORIAL

Gottesdienst

An jedem Sonntag, 10.30 Uhr,

an der Haltingerstrasse 4

Wir laden Dich herzlich zu unserem Gottesdienst

mit anschliessendem Imbiss ein!

Inhalt Elim Aktuell 06 / 2012

Inhalt Elim Aktuell 06 / 2012

Veränderung ist möglich - Ein Vorwort von Luzia Zuber 3

Daniel: „Ich hatte eine super Zeit!“ - Skilager 2012 Haus Elim 4

Skilager Gassenarbeit 2012: „Wir wurden zu einer Familie!“ 6

Gibt es ein Exklusivanspruch am Café Elim? 7

Erxhan: Er weiss, was er so gerne wieder haben möchte! 8

Der Alltag: Arbeit, Sport und Spass 10

FIGUGEGEL (Fussball ist gut und er gibt eine gute Laune?!?) 11

Nicht nur ein Wunschziel: Zwei Monate Traumurlaub in Thailand 12

Elim Open Doors Aktuell: Ein Interview mit Zivi und Praktikant 13

24 Stunden Gemeinschaft: Unsere Mitarbeiterin Karin stellt sich vor 14

SMS-Kurzmitteilungen aus dem Elim 16

Gebetsstunde

An jedem 1. Donnerstag des Monats findet von 18 bis

19 Uhr im Gebetsraum des Elim eine Gebetsstunde statt.

Wir beten für die einzelnen Arbeitsbereiche, für die BewohnerInnen

und MitarbeiterInnen.

Möchtest Du das Elim im Gebet vor Ort mittragen?

Melde dich doch kurz mit einem Mail

an info@elimbasel.com oder per Telefon unter

061 681 14 24.


Veränderung ist möglich!

Liebe Leserinnen und Leser

Ich freue mich über die neue Ausgabe des Elim Aktuell, gibt sie

doch einen vielseitigen Einblick in unsere Arbeit und beleuchtet

unterschiedliche Aspekte. Der Bogen reicht von Berichten von BewohnerInnen

bis zu den MitarbeiterInnen. Ich wünsche Ihnen allen

deshalb viel Freude beim Lesen.

Als Christen sind wir in der heutigen Zeit stark herausgefordert. Wir

leben in dieser Welt, in dieser Stadt, im Haus Elim und wollen unseren

Auftrag ausfüllen. Wir haben unsere Vorstellungen und unsere

Erfahrungen. Mit der Diakonischen Stadtarbeit Basel haben wir

eine Aufgabe übernommen, die Auswirkungen hat auf alle Beteiligten

bis hinein in die Stadt Basel. Wir machen damit einen Unterschied;

denn wir zeigen, was uns wichtig ist. Wir wollen die Situationen

und die Leben nicht so lassen wie sie sind und wir denken, dass

sich der Einsatz lohnt. Es ist unser Wunsch, dass Menschen nicht

auf der Strasse leben müssen. Wir setzen uns dafür ein, dass Flüchtlingen

in ihrer schwierigen Lebenssituation Hilfe zukommt. Durch

unsere Tätigkeit vermitteln wir den Menschen ethische Werte wie

Wertschätzung für den Einzelnen, Barmherzigkeit, aber auch Klarheit,

Ehrlichkeit, Mut und Hoffnung. Damit öffnen wir den Horizont,

dass Veränderungen in den persönlichen Leben möglich werden.

Es gibt jene Teilnehmer, denen wir durch unser Beziehungsangebot

und durch das Wohnen im Haus einen Anker bieten können.

Sie haben die Möglichkeit, sich bei uns niederzulassen und so die

Basis zu legen, um sich nach neuen Wegen umzusehen. Sie erhalten

die Chance, zur Ruhe zu kommen. So kann es durch Neuorientierung

zum persönlichen Ziel werden, dass man die Drogensucht

hinter sich lassen will, so wie es im Artikel über Erxhan auf Seite 8

berichtet wird. Er weiss, was er so gerne wieder haben möchte - ein

Leben ohne Drogen! Veränderung ist möglich. Es lohnt sich, dafür

zu kämpfen. Zu Beginn der Veränderung steht ein kleiner Schritt in

die neue Richtung. Daraus folgen weitere Schritte auf dem neuen

Weg. Aus mehreren Schritten formt sich eine Gewohnheit. Aus der

Gewohnheit bildet sich der Charakter.

Es gibt MitarbeiterInnen, die durch ihre Aufgaben an Grenzen stossen

und Neues lernen müssen - sei es durch Anforderungen, die das

Miteinander der MitarbeiterInnen stellt, sei es durch die Konfrontation

mit der Not von Menschen am „unteren“ Ende der Gesellschaft,

wie es Karin Schürch im Interview auf Seite 14 beschreibt.

Dadurch wird das eigene Herz weiter und der Horizont vergrössert.

Der Charakter wird geschliffen und verändert. Die persönliche Reife

wird gefördert. Auch hier sind Veränderungen möglich.

Indem wir alle uns diesen konkreten Herausforderungen stellen,

werden wir zu Vorbildern, die anderen Mut machen, nicht stehen

zu bleiben und sich mit dem Status Quo und damit mit der zweitbesten

Lösung abzufinden. Ich freue mich von Herzen über die verändernde

Kraft, die wir - motiviert durch unseren Glauben - in die

Stadt Basel hineintragen können. Wir werden so zu Lichtern und zu

Salz. Jeden Tag treffen wir auf diese Art und Weise unzählige Entscheidungen

und jede einzelne zählt, denn sie zeigt in eine Richtung

und motivert unser Umfeld. Was mir dabei besonders spannend

erscheint ist die Kraft, die dadurch frei wird, dass sich viele

Menschen in diese Richtung bewegen. Wir sind nicht einsam und

alleine unterwegs in einer kalten, dunklen Welt. Wir sind mit der

tiefen Überzeugung unterwegs, dass sich unser Einsatz lohnt. Wir

übernehmen Verantwortung und leben unsere Werte. Diese Bewegung

wird Kreise ziehen und zum Wohl der Menschen beitragen,

denen wir Tag für Tag begegnen. Damit wird unser Verhalten gesellschaftsrelevant,

und nicht weniger als das soll unser Ziel sein. Es

geht nicht um Worte, die leichtfertig gesprochen werden können,

sondern es geht um Taten. Daran werden wir gemessen.

LUZIA ZUBER

Vereinspräsidentin Diakonische Stadtarbeit Elim

Veränderung ist möglich

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Daniel: „Ich hatte eine super Zeit!“

Daniel: „Ich hatte eine super Zeit

Wie jedes Jahr organisierten wir auch diesen Winter ein Skilager.

Am 29. Januar früh morgens ging es los und wir machten uns auf

den Weg ins verschneite und sehr kalte Saas Almagell. Täglich

waren wir auf der Piste und hatten viel Spass beim Ski oder Snoboard

fahren. Natürlich gab es auch ein Alternativprogramm für

alle, die nicht Skifahren können oder wollen. Jeden Tag wurden

tolle Ausflüge angeboten, wie z. B. eine Reise nach Zermatt oder

auf den Allalin. Am Abend gab es immer ein leckeres Abendessen

und danach machten wir Spiele oder begaben uns in die Restaurants

im Dorf.

Einige Bewohner des Hauses Elim blühten im Skilager richtig auf.

Einer davon war Daniel Zschokke. Der 36-Jährige wohnt schon seit

einem Jahr im Haus Elim und war bis zum Skilager viel unterwegs

und nicht sehr oft im Haus anzutreffen. Doch im Skilager war er bei

jeder Aktivität dabei und hatte auch sehr viel Spass. Doch wie Daniel

das Skilager erlebte, soll er uns am Besten selbst erzählen...

Muriel: „Daniel, was hast du im Skilager hauptsächlich gemacht?“

Daniel: „Ich war jeden Tag von früh morgens bist spät abends auf

der Piste. Zu einem richtigen Skitag gehört natürlich auch das „après

ski“. Nach einem eher kurzen Aufenthalt im Lagerhaus, den ich

vor allem zum Duschen und Abendessen brauchte, war ich in den

Bars von Saas Almagell anzutreffen.“

Muriel: „Was war dein persönliches Hightlight im Skilager?“

Daniel: „Der erste Tag auf der Piste. Ich war schon seit 20 Jahren

nicht mehr Skifahren. Am Anfang wusste ich gar nicht, ob ich überhaupt

auf die Piste gehen sollte, denn im Herbst 2011 hatte ich eine

Infektion im Fuss und konnte den Fuss bis zum Skilager nicht richtig

belasten. Ich wusste nicht genau, ob ich mit diesem Fuss überhaupt

fahren konnte. Doch nach 20 Minuten auf der Piste fuhr ich schon

wieder wie früher. Auch mal wieder „normal“ in eine Bar zu gehen

und etwas zu trinken fand ich sehr toll. Wir waren oft mit den Mitarbeitern

vom Elim im Ausgang, tranken etwas, spielten am Töggelikasten

und hatten es einfach lustig miteinander.“


Skilager Haus Elim 2012

Muriel: „Vor dem Skilager warst du nicht oft im Elim anzutreffen. Doch

im Skilager bist du richtig aufgetaut. Wieder zurück in Basel, hast du

angefangen bei der Tagesstruktur mitzumachen und seit Anfang April

arbeitest du beim Overall. Stehen diese Schritte mit dem Skilager im

Zusammenhang?“

Daniel: „Ja sicher. Im Skilager hatte ich eine seht gute Zeit. Ich habe

gemerkt, wie toll das Leben ist, wenn man den Tag sinnvoll nutzt

und nicht nur die ganze Zeit „herumhängt“. Ich wollte nicht, dass

diese tolle Zeit nach einer Woche schon wieder vorbei ist, also habe

ich diesen Motivationsschub genutzt und nach dem Skilager angefangen,

bei der Tagesstruktur mitzuarbeiten, um eine gewisse

Struktur im Alltag zu erlangen. Nach einigen Wochen bewarb ich

mich dann beim Overall und seit einem Monat arbeite ich 80% auf

einer Baustelle.“

Muriel: „Möchtest du noch etwas zum Skilager sagen?“

Daniel: „Wie schon gesagt, hatte ich eine super Zeit. Ich freue mich

schon auf das nächste Skilager - wenn ich dann überhaupt noch im

Haus Elim wohne...“

Im Skilager hatten wir wirklich eine einmalige Zeit. Wir hatten

viel Spass auf der Piste, sahen viele tolle Dinge bei den Ausflügen

und auch untereinander hatten wir es sehr gut und lernten uns

alle besser kennen. Wir hoffen, dass das nächste Skilager auch

ein so grosser Erfolg wird und freuen uns schon auf das nächste

Jahr. Auch Daniel wünschen wir alle Gute für seine Zukunft und

hoffen, dass er weiterhin so super unterwegs bleibt!

MURIEL HAAS

Skilager Haus Elim 2012

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Skilager Gassenarbeit 2012

„Wir wurden zu einer Familie!“

Auch dieses Jahr hatten wir von der Gassenarbeit die Möglichkeit,

zusammen mit einer kirchlichen Organisation in die Skiferien

zu gehen. Ziel dabei war vor allem, dass die drogenabhängigen

Menschen neue Kontakte für ihr eigenes Umfeld gewinnen

und so Freunde für ihr Leben finden können. Gerade in einem

Lager mit mehreren Gruppen von Menschen und Charakteren

ergibt sich erfahrungsgemäss eine sehr gute Konstellation. Die

kirchliche Gemeinde kam aus Sissach (Bewegung Plus) und sie

organisierte das Lager für wenig Geld in einem Hotel in Saas Almagell

mit Wellnessbereich und Halbpension.

Die Kosten des Lagers wurden grösstenteils durch den Freundeskreis

vom Elim, der Winterhilfe und von diversen anderen Freunden

gedeckt. Bis das Lager aber definitiv stand, bzw. alle Teilnehmer

gefunden waren (5 Männer), war die Situation eher knapp an der

Grenze des Ertragbaren, denn bis kurz vor Beginn (14 Tage) wussten

wir noch nicht definitiv, wer alles mitkommen würde.

Als aber die Teilnehmer bestimmt waren, freuten wir uns auf eine

gute Zeit mit guten Leuten. Da die Hin- und Rückreise Sache der

Skilager Gassenarbeit 2012

Teilnehmer war, fuhren wir mit zwei Autos hin, insgesamt waren

wir acht Personen - 5 Teilnehmer und 3 Mitarbeiter. Nach einer guten

Fahrt im Wallis angekommen, staunten wir nicht schlecht über

das schöne, grosse Hotel, die schönen Zimmer mit Dusche und

TV und später auch über die ganz tolle Küche, die uns mit allerlei

Leckereien verwöhnte.

Eine Frau hatte uns für das Skilager CHF 350.-- gesponsert, damit

wir gemeinsam auf einer Alphütte Fondue essen und mit Motorradschlitten

den Berg hinauf- und wieder hinunterfahren konnten.

Dies war ein echt cooles Erlebnis für alle und wir hatten mega Spass

zusammen.

P., ein 35-jähriger Mann, dessen Leben vor dem Skilager nur aus

„mischeln“ (Betteln um Geld auf der Strasse) und Drogenkonsum

bestand, hatte während der Zeit im Skilager eine grosse Veränderung

erlebt. Er merkte, dass das Leben auch ohne diese Dinge lebenswert

ist. Ausserdem begann er, sich für andere Menschen zu

öffnen. Sein Vertrauen uns gegenüber ist dadurch enorm gewachsen

und wir stellten fest, dass wir wie eine Familie geworden sind.

Auch die anderen Teilnehmer haben sich sehr wohl gefühlt und alle

sind jeden Tag Skifahren gegangen.

Es war schön zu sehen, was so ein Lager für positive Energie freisetzt

und auch über die Dankbarkeit der Teilnehmer waren wir

überrascht.

Die Hotelleitung hatte grosse Bedenken, als sie im Vorfeld hörte,

dass auch drogenabhängige Menschen bei den Gästen sind. Doch

alles kam anders... Die Hotelleitung war sogar erfreut über die positive

Veränderung der Gruppe während der ganzen Woche und

sagte für ein weiteres Skilager im nächsten Jahr zu!

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Lager sehr gut gelaufen

ist. Das Zusammenwohnen der verschiedenen Leute im Hotel

klappte gut, es gab keine Streitereien oder Auseinandersetzungen.

Ein rundum gelungener Anlass!

CHRISTIAN ZILL


Gibt es ein

Exklusivanspruch am Café Elim?

Seit rund 15 Jahren engagieren sich mittlerweile über 50 freiwillige

MitarbeiterInnen im Café Elim. Allen gemeinsam ist es ein

Anliegen, ihre Zeit mit randständigen Menschen zu verbringen,

ihnen ein offenes Ohr anzubieten und das Café mit einer angenehmen

Atmosphäre zu erfüllen.

Von Beginn an waren wir ein Ort des „zur Ruhe kommen“ für

Drogensüchtige, Alkoholabhängige, Prostituierte und psychisch

Kranke. Im Hinterkopf war allen klar, dass Menschen mit anderer

Nationalität, Religion, Alter usw. vom Team gleich behandelt werden.

Niemand hätte ein Sonderrecht.

Es wäre mir auch nicht wirklich in den Sinn gekommen darüber

nachzudenken, ob gewisse Gäste ein Exklusivrecht besitzen, geschweige

dann, welches das sein könnte oder mit welchen Vorteilen

das zu verbinden wäre.

Aber seit einigen Monaten beschäftige ich mich mit diesen Themen.

Die MitarbeiterInnen werden mit einer „neuen Art“ von

Gästen konfrontiert. Meist sind es Schwarzafrikaner oder Romas,

von denen in den Medien viel Schlechtes berichtet wird. Dadurch

verstärkt sich auch die Angst um die Sicherheit und um die Wahrscheinlichkeit

des Drogenhandels im Café und auf dem Areal. Es

gab von verschiedenen Seiten Reklamationen über diese Art Gäste.

Auch ereigneten sich schon Zwischenfälle, in denen sich unsere ursprünglichen

Gäste als die von den Ausländern Verdrängten fühlten

und entsprechender Stress entstand.

Angesichts dieser Problematik wurden im Mai 2012 alle Hauptakteure

der Caféteams eingeladen, um diese Entwicklung zu

thematisieren. So ergab sich die Chance für einen Austausch

untereinander. Die MitarbeiterInnen konnten aus ihrer Sicht berichten

und ihre Ideen, Wünsche und Anliegen bezüglich der

sich veränderten Situation beigeben. Wichtig waren für mich die

Fragen, wie wir in Zukunft damit umgehen und welche weiteren

Schritte folgen sollen.

Ein Fazit aus der Sitzung war: Alle sind im Grundsatz willkommen!

Eine Durchmischung der Nationalitäten hat zugenommen, was für

uns kein Thema sein sollte um ein Exklusivrecht für die alte Zielgruppe

auszusprechen.

Das Café Elim ist ständig im Wandel. Mit dem Zeitgeist änderte sich

nicht nur die optische Ausstattung, sondern auch die Zielgruppe.

Eine neue Herausforderung für uns ist es, die nötige Toleranz zu

entwickeln, trotz vieler Vorurteile alle gleich zu behandeln. Und

unseren Auftrag nicht zu vergessen: Randständigen Menschen ein

Ort der Ruhe anzubieten.

Mir ist es ein Anliegen, die verschiedenen Gruppen, die aufeinander

treffen, gegenseitig zu sensibilisieren, damit miteinander eine

Gemeinschaft entstehen kann. Schlussendlich sind alle gleich bedürftig,

welche bei uns durch die Tür kommen.

Für die Zukunft wünschen wir uns Weisheit, ob dieser Weg, den wir

einschlagen, der richtige ist.

MARKUS RöTHLISBERGER

Gibt es ein

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Erxhan: Er weiss, was er so gerne wieder

haben möchte...!

Erxhan wuchs als Secondo in einer Grossfamilie mit albanischer

Herkunft im Baselland auf. Er war der zweitjüngste von zehn Kindern

und gleichzeitig der jüngste Sohn. In der albanischen Kultur

stehen männliche Nachkommen im Mittelpunkt und werden verwöhnt,

wie das auch bei ihm als jüngster Sohn der Fall war. Seine

Kindheit, sagt er, sei okay gewesen.

In der Realschule hatte er Schulkollegen, die rauchten. Einer davon

war zwei Jahre älter als Erxhan. Erxhan „schaute zu ihm hoch“ und

wollte ihm nacheifern - ausserdem wollte er „dazugehören“. Deshalb

begann er mit 11 Jahren zu rauchen. Sein Schulkollege hatte

auch schon Erfahrungen mit Kiffen und Ecstasy, was Erxhan dann

mit 12 Jahren zu konsumieren anfing.

Auch wenn er dieses Verhalten zu verbergen versuchte, fanden

seine Eltern den Drogenkonsum heraus. Dies löste in der Familie

grosse Konflikte aus. Erxhan rebellierte und gehorchte seinen Eltern

nicht mehr. Ihm waren die Konflikte und die Androhungen von

Konsequenzen, auch von Schulseite her, egal.

Mit 14 Jahren wurde er wegen seines Drogenkonsums und wegen

Gewalt an Schülern und Lehrern von der Schule verwiesen

und kam ins Lehrlingsheim Erlenhof. Dort beendete er die Schule

und begann eine Lehre als Möbelschreiner. Im Heim lernte er Kriminelle

kennen und wurde selber deliquent. Er klaute Mofas und

beging andere Diebstähle. Währenddessen konsumierte er Kokain

und später auch Heroin, was bald zu seiner täglichen Gewohnheit

Erxhan: Er weiss, was er so gerne wieder haben möchte

wurde. Als er 18 Jahre alt war, wurden seine Betreuer auf den Drogenkonsum

aufmerksam und platzierten ihn, nach diversen angebotenen

und ungenutzten Chancen, in eine Familie. Da Erxhan mit

dieser Platzierung nicht einverstanden war, brach er die Lehre kurz

vor dem Abschluss ab, wurde daraufhin von der Massnahme freigestellt

und kehrte zu seinen Eltern zurück. Seine Eltern hatten zu

diesem Zeitpunkt noch keine Kenntnis von seinem harten Drogenkonsum

und waren geschockt, als sie davon erfuhren. Sie versuchten,

ihm bei einem Entzug zu helfen, doch dies brachte nichts. Erxhan

war weiter deliquent, begann auch mit Drogen zu dealen und

kam deswegen mit 19 Jahren zum ersten Mal für vier Monate ins

Gefängnis. Seitdem lebte er mehrmals auf der Strasse, dann wieder

bei den Eltern. Seit fast zehn Jahren ist er arbeitslos.

Im Jahr 2010 wurde Erxhan dann wegen Dealen, Drogenkonsum,

verschiedenen Diebstählen und Raubüberfällen zu einer Gefängnisstrafe

von 25 Monaten verurteilt. Während der Untersuchungshaft

stellte er sich die Frage, was er in seinem Leben erreicht hatte.

Die Bilanz fiel entsprechend mager aus... Dann fällte er den Entschluss,

eine Therapie anzutreten, welche ihm an die Haftstrafe angerechnet

wurde. In der Therapie hielt er sich dann 13 1/2 Monate

auf. Dort konnte er seine Schulden bis zu einem gewissen Grad sanieren

und seine Vergangenheit aufarbeiten. An seinen freien Wochenenden

hatte er immer wieder Abstürze, zog die Therapie aber

dennoch weiter. Als die Therapie sich langsam dem Ende zuneigte,

stellte sich Erxhan die Frage, wie es weitergehen solle. „Kann ich

die Verantwortung für mich und mein Leben selber übernehmen?


Schaffe ich das überhaupt?“ Durch die Angst vor dem Austritt hatte

er immer mehr Rückfälle. Deshalb wurde er von der Therapie für

einen Monat in ein „Time Out“ ins Gefängnis geschickt. In die vorherige

Therapie konnte Erxhan dann aufgrund der vielen Rückfälle

nicht mehr zurückkehren, eine andere Therapiestelle wollte ihm

aber noch eine Chance geben, weil er sonst die restlichen Monate

im Gefängnis hätte absitzen müssen. Doch Erxhan bekam dort

einerseits Heimweh und andererseits ein starkes Verlangen nach

Drogen, weshalb er an den Wochenenden immer wieder abstürzte.

Da er den Vertrag mit dem Therapieplatz gebrochen hatte, musste

er schlussendlich wirklich die restlichen Monate im Gefängnis

absitzen.

Am 11. April 2012 wurde er dann aus dem Gefängnis entlassen. Bei

seinem Austritt hatte er nichts... Er ging zu seinen Eltern und versuchte

dort zu wohnen, bis er einen Job und eine eigene Wohnung

gefunden hat. Doch bereits nach zwei Tagen fing er wieder mit

dem Drogenkonsum an. Seine Eltern fanden es heraus und stellten

ihn auf die Strasse. Seitdem übernachtet er in der Notschlafstelle

und mal hier, mal dort... Er bemüht sich eine Wohnung zu finden

und wenn er eine Wohnung hat, will er sich einen Job suchen.

Dass er nichts hatte bei seinem Austritt, frustrierte ihn enorm. Er

sagt, dass er die Kraft nicht hatte, um alles auf einmal in Angriff zu

nehmen und für alles gleichzeitig kämpfen zu müssen. Ihn quält

der Gedanke, dass er in seinem Leben viele Chancen verpasst und

sich selber enttäuscht hatte. Doch er sieht Hoffnung für sich und

gibt nicht auf (zu diesem Thema empfehlenswert ist der Film: „Oslo,

31. August“).

Was sind seine Ziele und Wünsche für die Zukunft? Er will sich als

erstes eine Wohnung suchen. Dann will er einen Job als Schreiner

suchen, bei dem er vielleicht seine Lehre beenden könnte. Er will

einen Weg in die Abstinenz suchen und finden. Erxhan wünscht

jedem die Kraft, von den Drogen weg zu kommen. Er hat gesehen,

was Drogen alles kaputt machen können und was er dadurch verlieren

musste. Er weiss aber auch, wie schön ein Leben ohne Drogen

sein kann, was er so gerne wieder haben möchte...!

RAPHAEL MÜHLHEIM

Erxhan: Er weiss, was er so gerne wieder haben möchte

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Der Alltag: Arbeit, Sport und Spass

Der Alltag: Arbeit, Sport und Spass

Melanie Kopp, unsere Praktikantin, die in der Tagesstruktur mitarbeitet,

stellt uns hier die aktuelle Tagesstruktur im Arbeitsbereich

vor und berichtet von ihren Erfahrungen, während Markus

Röthlisberger auf Seite 11 die sportliche Seite beleuchtet!

Die Tagesstruktur im Haus Elim ist eine Möglichkeit für die BewohnerInnen,

ihrem Tag auf die verschiedenste Weise eine Struktur zu

geben. Dies können sie im Haus auf vielfältige Art und Weise tun:

- Bei RenoFair wird gestrichen, gehämmert, gesägt und geflickt

- In der Hauswirtschaft wird geputzt und der Garten gepflegt

- In der Küche wird gekocht, gebacken und abgewaschen

- Im Sekretariat wird auf dem PC getippt und telefoniert

Es ist eine Freude zu sehen, dass sich etwa ein Drittel der

BewohnerInnen sowie ambulant betreuten Personen engagieren

und regelmässig mitarbeiten. Zur Tagesstruktur gehört aber noch

mehr, z. B. die Haussitzungen, die alle zwei Wochen stattfinden.

Hier werden die BewohnerInnen über Änderungen und Neuigkeiten

informiert und sie können ihre Anliegen einbringen.

Nach dem Skilager versuchten wir Praktikanten, das entstandene

Gemeinschaftsgefühl zu fördern und jede zweite Woche Freizeitangebote

anzubieten. So waren beispielsweise ein Ausflug in den

Zoo, Eislaufen und der Besuch der Basler Fasnacht geplant. Leider

wurden diese Angebote schlecht bis gar nicht genutzt. Meist

entschieden sich die BewohnerInnen kurz vorher noch anders. So

stellten wir dieses Angebot mangels Nachfrage wieder ein. Die BewohnerInnen

haben aber immer noch die Möglichkeit, Ausflüge

selber zu planen und uns zur Hilfe miteinzubeziehen.

Jeden Mittwoch wird die Priorität aufs Zimmer putzen gelegt. Ein

Mitarbeiterteam bietet jeweils eine Woche im Voraus seine Hilfe

beim Reinigen an, und so wird dann am darauffolgenden Mittwoch

zusammen mit den jeweiligen BewohnerInnen das Zimmer

geputzt und aufgeräumt.

Die meiste Zeit meines Praktikums hatte ich die Möglichkeit, die

Leute in der Küche zu unterstützen und anzuleiten. Dies war für

mich eine herausfordernde, aber auch spannende und lehrreiche

Zeit. Ich durfte so einige BewohnerInnen besser und von einer

anderen Seite kennenlernen. Ich finde die Tagesstruktur ein tolles

Gefäss für BewohnerInnen, sich zu engagieren - aber auch für MitarbeiterInnen,

sich zu investieren.

MELANIE KOPP


FIGUGEGEL

(Fussball ist gut und gibt eine gute Laune?!?)

Es hätte aus gesamtschweizerischer Sicht sicherlich bessere Zeiten

gegeben, um über Fussball zu schreiben. Vor allem wenn auf

nationaler Ebene die Spiele und die Punktevergabe am grünen

Tisch oder gar vor Gericht vergeben werden. Wenn sich Clubpräsidenten

mehr inszenieren als präsidieren oder gar im Knast

hocken. Wenn die Klubs Konkurs gehen oder nahe dran sind und

noch vieles andere krankt, ja dann ist es so: „Der Fussball hatte

schon bessere Zeiten!“

Ausser in....? Ja wo denn? Richtig, in Basel beim FCB, aber auch im

Elim. Vor diesem Hintergrund fällt es mir auch leichter, Ihnen ein

tolles Fussball-Projekt näher zu bringen, in welchem sich das Elim

neuerdings einbringt. Es ist dies die Surprise-Streetsoccerliga. Surprise

bietet schon seit Jahren die Infrastruktur, damit Menschen am

Rande der Gesellschaft ein Gefäss erhalten, in einer organisierten

Strassenfussballliga eine Meisterschaft auszutragen. Es wird in zwei

Kategorien gespielt und eine Schweizer Nati aus den Talenten geformt.

Diese vertritt dann jeweils die Schweiz am Homeless World

Cup, der in diesem Jahr in Mexiko stattfindet.

In der Rasenliga haben die Eliminators ja Kultstatus und die errungenen

Erfolge sind legendär. Da ich schon einige Beiträge zu dieser

Mannschaft geschrieben habe (sie spielt auch in diesem Jahr

wieder um den K&A-Titel und trifft sich jeden Freitag um 12.30 Uhr

zum Training), muss ich über diese Truppe keine Worte verlieren.

Jedoch haben wir seit diesem Jahr das Privileg, dass wir ein Team

in der Schweizer Streetsoccer Meisterschaft dabei haben. Wir versuchen,

dem Team den Rahmen und die Begleitung zu geben, damit

einige Menschen aus sozialen Randgruppen mit dem versorgt

werden, dass sie an dieser Meisterschaft teilnehmen können. Dies

beinhaltet, dass wir Ausrüstungsteile wie Schuhe, Trikots, Bälle, etc.

für die Spieler zur Verfügung stellen, die nicht die Mittel haben,

diese Dinge selber anzuschaffen. Als Koordinator begleite ich das

Team und den Trainer wenn es darum geht, Fahrten zu den Turnieren

zu organisieren oder bei Spannungen im Team zu vermitteln.

Weiter bin ich Ansprechperson für die Surprise Organisation und

den Nationaltrainer. Unser Team ist erfolgreich in die diesjährige

Meisterschaft gestartet und hat beim ersten Turnierwochenende

bereits Platz zwei eingenommen. Ebenso hat der Nationaltrainer

bei einer ersten Kadersichtung in unserem Team drei Spieler entdeckt,

die er für das Schweizer Nationalteam vornominiert. Es hört

sich gut an, dass die Jungs erfolgreich zu sein scheinen und es

macht mich ein wenig stolz.

Jedoch merke ich immer wieder, dass es nicht darum geht, ob

man mit dem Pokal oder mit einem Titel nach Hause kommt. Es

geht darum, dass unsere Leute die Möglichkeit erhalten, um sich

sportlich zu betätigen. Ausserdem tut es gut zu erfahren, dass man

in einem Team, in einer Gruppe, ein wichtiges Mitglied ist und im

Siegen und in der Niederlage erlebt, dass jemand an der Seite ist,

mit dem man dies alles teilen kann. Diese Freude über einen Sieg,

der Frust nach einer Niederlage, die Enttäuschung nach einem verschossenen

Penalty, der Trost und das Schulterklopfen danach von

den Teamkollegen - diese Momente waren es, die mich berührten,

als ich unseren Jungs im April zugeschaut habe. Wie sie als Team

in der Spielbesprechung Probleme lokalisiert und Konflikte angesprochen

haben, sich konstruktiv damit auseinandersetzten und

lernten, Spannungen auszuhalten, das ist einfach überwältigend.

Diese Freude am Spiel mit dem Ball, am Wettbewerb und im Messen

mit dem Gegner, die ist unterstützungswürdig. Ich bin sehr erfreut

darüber, dass wir auch im Strassenfussball ein Team stellen

können und bin gespannt, was wir noch zusammen mit dem S.S.T.

ELIM (Street Soccer Team) erleben werden. Ich jedenfalls habe immer

beste Laune, wenn ich die Jungs sehe, wie sie voll Freude zweimal

trainieren und dankbar sind, dass wir einen Beitrag leisten, um

ihnen dies zu ermöglichen. Fussball kann (zumindest im Elim und

in Basel) eben schon eine gute Laune machen.

MARKUS RöTHLISBERGER

FIGUGEGEL

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Nicht nur ein Wunschziel:

Zwei Monate Traumurlaub in Thailand

Vielleicht mögen sich die einen oder anderen LeserInnen unter

Ihnen an das Interview mit Ch. A. im Elim Flash September 2011

erinnern: Sie berichtete davon, dass sie anfangs 2012 für eine

längere Zeit nach Thailand reisen möche. Dies blieb nicht nur ein

Wunsch: Ch. reiste zwei Monate durch Thailand und kehrte Ende

April braungebrannt und voller Lebensfreude in die Schweiz zurück.

Während ihrem Aufenthalt traf sie Markus Röthlisberger,

der sich ferienhalber für zwei Wochen auf Koh Samui aufhielt.

Hier ein Bericht über das thailändische Abenteuer!

Schon die Abreise nach Thailand entwickelte sich als Abenteuer.

Am Morgen vor dem Abflug kam Ch. ins Elim und verabschiedete

sich. Wir alle freuten uns für sie, dass sie am Abend um 23 Uhr

nach Bangkok fliegen durfte! Was wir aber alle nicht wussten, auch

Ch. nicht, dass der Flug nicht um 11 Uhr abends, sondern um 11

Uhr morgens gegangen wäre.... Was für eine böse Überraschung!

Ch. buchte den Flug um und gelangte mit etwas zeitlicher Verspätung

dann doch noch nach Bangkok, wo sie die ersten Tage ihres

Aufenthaltes verbrachte.

Bald merkte sie jedoch, dass in Bangkok diverse Gefahren lauern

und diese Stadt sie dem Ziel, drogenfrei zu leben, nicht wirklich näher

brachte. Deshalb flog sie kurz entschlossen nach Koh Phangan,

um dort die herrlichen Strände geniessen zu können.

Als nächstes Ziel fasste sie Koh Samui ins Auge, besonders auch

deshalb, weil sie noch in der Schweiz herausfand, dass sich auch

Markus Röthlisberger für zwei Wochen in Koh Samui aufhalten

würde, um seine Ferien zu geniessen. Noch vor Ch.s Abreise entschlossen

sich die beiden, sich auf Koh Samui zu treffen - und es

klappte tatsächlich! Ch. gab Markus ihre thailändische Handynummer

und Markus gab ihr die Telefonnummer der wunderschönen

Beach-Villa, in der er sich zusammen mit Frau und Freunden vom

Alltag erholte.

Markus lud Ch. zu einem Zvieri ein, der aus fantastisch feinen südländischen

Früchten bestand. Sie nutzten die Gelegenheit, um ein

wenig zu plaudern. Ch. erzählte von ihren bisherigen Reiseabenteuern,

während Markus die aktuellen Neuigkeiten aus der Schweiz

Nicht nur ein Wunschziel

berichtete. Nach dem feinen Imbiss verabschiedete sich Ch. wieder,

um sich mit dem wartenden Töfftaxi zurück in ihr Bungalow zu begeben.

Während Markus schon bald wieder in die kalte Schweiz zurück

musste, genoss Ch. noch ein paar herrliche Wochen an den Stränden

von Koh Samui. Eigentlich hatte sie geplant, den Rest der

Ferien auf Chrabi zu verbringen, aber aufgrund einer Tsunami-

Warnung entschied sie sich, in Koh Samui zu bleiben. Ausserdem

entwickelte sich eine tolle Freunschaft mit der Besitzerin ihres gemieteten

Bungalows und so war sie auch gar nicht traurig, dass sie

schlussendlich auf Koh Samui steckenblieb.

Alles hat ein Ende: Auch die Ferien von Ch. neigten sich dem Ende

zu. Sie reiste nach Bangkok und am 30. April kehrte sie dann wohlbehalten

in die Schweiz zurück.

Sie hat die Zeit in Thailand enorm genossen - trotzdem hat sie sich

auch wieder auf die Schweiz gefreut. Als ich sie kurz nach ihrer

Rückkehr traf, hätte ich sie fast nicht mehr wiedererkannt: So braun

gebrannt und gesund sah sie aus! Das hat mich echt gefreut!

Was haben diese zwei Monate sowie das Treffen mit Markus, seiner

Frau und Freunden (eine Bekannte war als Gassenarbeiterin tätig

und hat nicht schlecht gestaunt, eine gesunde und aufgestellte Ch.

im Fernen Osten anzutreffen!) ausgelöst? Ch. hat die Zeit weg von

der Gasse und ohne Konsum von harten Drogen sehr genossen.

Es ist in ihr der Wunsch gewachsen, auch hier in der Schweiz ein

drogenfreies Leben zu führen und sie ist nach wie vor motiviert,

dies durchzuziehen.

Das ganze Elim-Team wünscht ihr von Herzen, dass sich nach der

fantastischen Reise durch Thailand auch dieser Wunsch erfüllen

möge und wir setzen alles daran, sie auf diesem Weg zu unterstützen.

MONIKA VöKT-GRASSI


Elim Open Doors Aktuell

Ein Interview mit Zivi und Praktikant

Dieses Mal möchte ich euch im Elim Aktuell unseren zivildienstleistenden

Mitarbeiter Benjamin Walliser, 19 Jahre, (1. von links) und

unseren Praktikanten Damiano Mengani, 30 Jahre, (7. von links)

vorstellen. Ich bin froh und dankbar, dass ich bis jetzt immer engagierte

und hingegebene Mitarbeiter an meine Seite hatte; ohne

ihre unermüdliche Mitarbeit könnte Elim Open Doors nicht die vielseitigen

Dienstleistungen erbringen, die es zur Zeit anbietet.

Mit Damiano und Benjamin habe ich nun ein Duo an meiner Seite,

das sich schnell an die nach wie vor zum Teil hektischen Situationen

gewöhnt hat und mit Gelassenheit die Bedürfnisse zahlreicher

MigrantInnen entgegennimmt und zu lösen versucht. Insbesondere

sei hervorzuheben, dass beide bisher sehr mitgeholfen haben,

die immer grösser werdenden Deutschklassen zu strukturieren

und die administrativen Abläufe zu harmonisieren. Nun stelle ich

Damiano und Benjamin vier Fragen zu ihrer Sicht der Dinge!

Lukas: „Wie lange dauert dein Einsatz bei Elim Open Doors?“

Benjamin: „Ich habe anfangs März mit dem Zivildienst angefangen

und mein Einsatz dauert bis Ende August.“

Damiano: „Ich habe ebenfalls im März angefangen und absolviere

hier ein Praktikum während 6 Monaten.“

Lukas: „Es sind nun bald drei Monate vergangen - wie erlebt ihr die Arbeit

bei Elim Open Doors und wie war der Anfang?“

Benjamin: „Am Anfang brauchte es, wie bei jeder Arbeit, etwas

Zeit, um sich einzuarbeiten. Wir wurden fast nicht eingeführt, da

bei Open Doors immer sehr viel läuft, deshalb haben wir uns mehr

oder weniger selber arrangiert. Der ehemalige Zivi Joel Keller hat

uns eine kurze Einführung am ersten Tag gegeben und dann ist es

schon mit dem Ernst der Arbeit losgegangen.“

Damiano: „Unsere Arbeit ist alles andere als eintönig. Einerseits ge-

ben wir abwechslungsweise Deutschunterricht, andererseits kümmern

wir uns um die zum Teil vielfältigen Bedürfnisse und Fragen

unserer MigrantInnen. Bei den Terminen geht es hauptsächlich um

drei Bereiche: Arbeitsvermittlung bzw. Arbeitssuche - was auch das

Erstellen des Bewerbungsdossiers beinhaltet - die Wohnungssuche

inkl. Kontaktaufnahme mit den Vermietern und die Hilfeleistungen

bei verschiedenen administrativen Angelegenheiten.“

Benjamin: „Am Freitagnachmittag finden unsere Begegnungsnachmittage

statt, bei denen wir verschiedene Aktivitäten für unsere

Klienten organisieren. So fanden u.a. schon folgende Anlässe statt:

Ein Besuch im Zoo, Minigolf spielen, gemeinsames Essen am Feuer

im Wald, Spielnachmittage (Fuss- und Volleyball) und eine interessante

Flusskraftwerkbesichtigung in Birsfelden.“

Lukas: „Wie gefällt dir die Arbeit und was gefällt dir besonders daran?“

Damiano: „Ich gehe jeden Tag gerne zur Arbeit. Mir war noch nie

langweilig. Das liegt daran, dass der Job sich sehr facettenreich

gestaltet. Was ich besonders schätze, sind die multikulturellen und

vielfältigen Kontakte, die bei dieser Arbeit gepflegt werden müssen,

sei es zwischen uns und den Klienten, aber auch zwischen

uns und den verschiedenen Institutionen oder Arbeitgebern. Eine

gewisse soziale Kompetenz ist also für unsere Arbeit sicherlich

gefragt. Auch der Umgang mit verschiedenen Kulturen und Mentalitäten

ist immer wieder spannend und herausfordernd. Durch

mein Studium in Sozialanthropologie kann ich meine theoretisch

erworbenen Kompetenzen in der Praxis einsetzen, was ich als wirklich

erfüllend erachte. Das Gefühl, den Leuten zu helfen und für sie

etwas zu erreichen, befriedigt mich immer wieder aufs Neue. Auch

schwierige menschliche Situationen kommen oft vor, dann ist die

Rolle des Seelsorgers und Trösters wirklich gefragt; eine nicht immer

einfach zu lösende Aufgabe!“

Benjamin: „Damiano spricht mir vollkommen aus dem Herzen! Zudem

freut es mich, meine Sprachkenntnisse, welche ich während

meiner Schulzeit erlernt hatte, täglich anwenden zu können.“

Lukas: „Wie weit beeinflusst eure momentane Tätigkeit eure berufliche

Zukunft?“

Benjamin: „Meine Zivildiensttätigkeit bei Elim Open Doors hat mir

geholfen, meine geplante Studienrichtung (Jurisprudenz) nun

wirklich in Angriff zu nehmen. Ich könnte mir vorstellen, einmal im

asyl- oder völkerrechtlichen Bereich meine Arbeit als Jurist aufzunehmen.“

Damiano: „Ich habe gemerkt, dass das Bedürfnis für eine Arbeit,

wie sie das Elim Open Doors zur Zeit wahrnimmt, schweizweit sehr

gross zu sein scheint. Deshalb könnte dies bedeuten, dass ich unter

Umständen die Fachausbildung als Migrationsfachmann in Biel absolvieren

werde, um danach in einer anderen Region der Schweiz

eine ähnliche Arbeit aufbauen zu können.“

LUKAS SIEGFRIED

Elim Open Doors Aktuell

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14

24 Stunden Gemeinschaft:

Unsere Mitarbeiterin Karin stellt sich vor

Karin Schürch (auf dem Bild in der Mitte) arbeitet nun schon ein

paar Monate im Haus mit. Damit wir sie ein bisschen kennenlernen,

hat sie mir ein paar Fragen beantwortet:

Monika: „Du bist seit Dezember 2011 im Elim. Wie hast du dich eingelebt?“

Karin: „Mittlerweile sehr gut! Anfangs war vieles Neuland für mich.

In den ersten paar Wochen war ich einige Male bestürzt oder

schockiert über Situationen, die ich miterlebte. Aber ich denke,

mittlerweile habe ich mich schon an vieles gewöhnt... Vor allem

habe ich in der Zwischenzeit richtig Freude gewonnen an der Begleitung/Betreuung

von den BewohnerInnen in unserem Haus!

Auch habe ich in den vergangenen Monaten fachlich schon sehr

vieles dazugelernt über die Arbeit im niederschwelligen Suchtbereich.

Ausserdem finde ich es super, hier in einem Team arbeiten

zu können und wenn ich Fragen habe oder mal an Grenzen

stosse, dann fühle ich mich sehr gut unterstützt von den anderen

Teammitgliedern.“

Monika: „Was hat dich dazu bewogen, im Elim zu starten?“

Karin: „Ich war bis Herbst 2011 in der kirchlichen Jugendarbeit tätig.

Ich wollte aber längerfristig meinen beruflichen Schwerpunkt

nicht mehr auf die Jugendarbeit setzen. So machte ich mir Gedanken

über ein neues Arbeitsfeld. Im Sommer 2011 war ich mit

einer Gruppe während zwei Wochen in Sibirien unterwegs. Wir

besuchten in dieser Zeit viele christliche Gemeinden, die jeweils

Drogenrehabilitationen leiteten. In diesen Gemeinden lernte ich

viele Menschen kennen, die durch Gottes Eingreifen Befreiung

aus ihren Süchten und viele positive Veränderungen in ihrem Leben

erlebt hatten. Menschen, die trotz jahrelangem oder sogar

jahrzehntelangem Konsum von harten Drogen damit aufhörten

und sich zu Menschen entwickelten, die Verantwortung übernahmen

in ihrer eigenen Familie, in der Gemeinde und im Beruf.

Das hat mich tief berührt. Zurück in der Schweiz brachte mich

jemand auf die Idee, im Elim für eine Praktikumseinsatzmöglichkeit

anzufragen, um so selber Erfahrungen in der Arbeit mit Substanzabhängigen

zu sammeln. Aus der Anfrage für ein Praktikum

24 Stunden Gemeinschaft

wurde im Verlaufe des Bewerbungsprozesses eine Festanstellung

für den Bereich Betreuung im Haus Elim. Wir sind als Elim zwar

keine Drogenreha, aber ich glaube, dass Gott auch durch die

niederschwellige Arbeitsweise, die wir hier im Elim praktizieren,

Menschen begegnen will! Er will jedem Hoffnung und Zukunft

schenken! Diese Überzeugung motiviert mich, mich mit unseren

BewohnerInnen immer wieder neu auf einen Prozess einzulassen,

auch wenn dabei oft nicht gleich die grossen Fortschritte/

Entwicklungen sichtbar sind.“

Monika: „Erzähle uns doch ein wenig von deinem früheren Leben. Wo

bist du aufgewachsen? Was hast du beruflich gemacht?“

Karin: „Ich bin in einer ländlichen Gegend im Kanton Bern aufgewachsen,

in Alchentorf. Ich habe immer viel Sport getrieben und

wollte anfänglich Sportlehrerin werden. Durch einen eigenen,

längeren Spitalaufenthalt in meiner Teenie-Zeit entstand in mir

der Wunsch, Krankenschwester AKP zu lernen. Die Ausbildung

dazu absolvierte ich in Bern an der Lindenhofschule. Anschliessend

arbeitete ich knapp 3 1/2 Jahre auf diesem Beruf in einer

Neurorehabilitationsklinik in Zihlschlacht/Thurgau. Danach ging

ich für drei Monate nach Guinea/Westafrika, um einen Einblick in

die Arbeit der Schweizerischen Allianz Mission (SAM) in diesem

Land zu bekommen. Daraufhin studierte ich am Theologischen

Seminar St. Chrischona Theologie und arbeitete danach während

etwas mehr als drei Jahren in Muttenz als Gemeindemitarbeiterin

in der Evangelischen Mennonitengemeinde Schänzli.“

Monika: „Du hast dich entschieden, an einem Ort mit christlichem

Background zu arbeiten. Was bedeutet der Glaube für dich?“

Karin: „Der Glaube an den Gott der Bibel ist mein Lebensfundament.

Selber bin ich in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem

der christliche Glaube keine bedeutende Rolle im Alltag spielte.

Mit 18 Jahren fing ich an, in der Bibel nach Antworten auf meine

Lebensfragen zu suchen. Auf diesem Weg fand ich zum Glauben

an Jesus Christus und bat ihn, die Mitte meines Lebens zu werden.

Diesen Wunsch erfüllte er mir gerne! Von da an hatte ich eine

Heimat bei Gott gefunden und eine Perspektive für mein Leben

gewonnen. Es wurde mir das Wichtigste, seinen Willen für mich

und für diese Welt kennenzulernen und meinen Platz darin auszufüllen.

Da wir im Verlaufe unseres Lebens doch ziemlich viel Zeit an unserem

Arbeitsplatz verbringen, ist es mir wichtig, meinen Glauben

bei meiner Arbeit nicht ausblenden zu müssen. Ich möchte

mich mit meinem Background und meinen Überzeugungen einbringen

können und das ist im Elim möglich.“

Monika: „Die Arbeit im Elim ist manchmal herausfordernd. Wie findest

du den Ausgleich? Hast du Hobbies?“

Karin: „Ich wohne in einer 5-köpfigen WG. Wenn wir zusammen

reden, lachen, spielen, etc.. hilft mir das bereits sehr, um abzuschalten.

Ausserdem spiele ich leidenschaftlich gerne und regelmässig

Tennis. Da tauche ich in eine „andere Welt“ ein. Und wann

immer ich genug Geld dafür auf der Seite habe, gehe ich gerne

die Welt entdecken.“


Monika: „Deine Wohnsituation ist ja auch speziell. Du lebst im Münsterhüsli

zusammen mit vier anderen Frauen. Erzähle uns doch ein wenig

aus deinem WG-Alltag!“

Karin: „Ja, das ist speziell und richtig toll!

Nebst mir wohnen zwei Diakonissen sowie zwei Studentinnen in

der WG. Wir leiten unter der Woche jeweils morgens und abends

Gebetszeiten, die öffentlich zugänglich sind. Ausserdem wollen wir

ein offenes Haus haben für Menschen, die, spontan oder angemeldet,

vorbeikommen wollen: zum „käffele“ und reden, zum Essen

oder einfach auch, um im Gebetsraum Stille zu suchen oder für sich

beten zu lassen. Wir wollen als „Münsterhüsli-WG“ einen Teil unseres

Lebens miteinander teilen und anderen die Möglichkeit geben,

daran teilzuhaben.

Cool ist, dass wir eine generationendurchmischte WG sind von

zur Zeit 21 Jahren bis 74 Jahren. Das hilft, flexibel und konsensfähig

zu bleiben! Wir können gegenseitig viel voneinander lernen und

finden auch viele Gemeinsamkeiten, die wir zusammen unternehmen

können!“

Monika: „Herzlichen Dank für das offene Interview! Ich wünsche

dir weiterhin eine gute, spannende und gesegnete Zeit im Elim, in

der WG und bei deinen Freizeitaktivitäten!“

KARIN SCHÜRCH/MONIKA VöKT-GRASSI

Herzlichen Dank für Ihr Interesse!

Das „Münsterhüsli-Projekt“:

Das Münsterhüsli ist ein Projekt der Ref. Kirche Basel-

Stadt, konkret der Münstergemeinde. Die beiden

Diakonissen sind aktive Mitglieder der Münstergemeinde

und bilden den Kern der Wohngemeinschaft,

die es in dieser Form seit 7 Jahren gibt.

Zusätzlich gibt es in der WG drei weitere Plätze für

jüngere Frauen, die eine kürzere oder längere Zeit

mitleben und das Anliegen der „Wohn- und Gebetsgemeinschaft“

mittragen wollen.

� Bitte nehmen Sie meine Meinung zur Kenntnis:

� Ich möchte das ELIM AKTUELL und das ELIM FLASH bitte nicht mehr erhalten, weil:

Elim Open Doors

� Haus Elim

� Café Elim

Elim Gassenarbeit

� Bitte senden Sie mir weiteres Infomaterial zu den Arbeitsbereichen (einmalig)

� Bitte senden Sie mir noch _____ Einzahlungsscheine zu.

� Ich bin an einem ehrenamtlichen Engagement interessiert. Kontaktieren Sie mich.

� Ich möchte das ELIM AKTUELL und das ELIM FLASH regelmässig erhalten (gratis). Stück:

Zum ausfüllen und abschicken!


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SMS-Kurzmitteilungen aus dem Elim

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Selbstverständlich behandeln wir Ihre Adressdaten vertraulich.

SMS-Kurzmitteilungen aus dem Elim

Auf Wiedersehen Dogan

Bereits geht es gegen die Jahresmitte zu.

Dies bedeutet für uns als Team auch wieder

eine Verabschiedung, und zwar wird

die Zeit von unserem Zivildienstleistenden

Dogan im Haus Ende Juni vorbei sein. Hier

lässt er uns ganz kurz an seinen positiven

und negativen Erlebnissen während seiner

Zeit im Elim teilhaben:

„Lustige Erfahrungen durfte ich in den Gesprächen

mit den BewohnerInnen machen -

speziell mit einem Bewohner, der gerne Witze

reisst.... Eine eher schwierige Erfahrung hatte

ich mit einem Bewohner im Café, als er sich

den Mitarbeitern gegenüber aggressiv verhielt.“

Danke Dogan für Deinen tollen Einsatz im Haus Elim.

Für Deine weitere Zukunft alles Gute und viel Erfolg!

FÜRS TEAM: MELANIE KOPP

Jahresbericht

Auch für das Jahr 2011 haben wir wieder

einen spannenden und informativen Jahresbericht

gestaltet. Sind Sie daran interessiert?

Dann können Sie diesen im Büro in

Papierform bestellen oder ihn online auf

unserer Website einsehen.

Wir möchten Ihnen an dieser Stelle auch

einmal mehr herzlich danken für Ihr

Interesse, das Sie unserer Arbeit entgegenbringen.

Es ist für uns nicht selbstverständlich,

dass Sie, oft jahrelang, treu hinter unserer

Arbeit stehen.

Diakonische

Bitte frankieren

Diakonische Stadtarbeit Elim

„Verwaltung“

Claragraben 141

4057 Basel

SCHWEIZ

Stadtarbeit Elim

Jahresbericht 2011

Jahresbericht.indd 1 5/15/2012 10:11:47 AM

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