Das kleine Krabbeln - Welche Maßnahmen sind in ... - Landkreis Celle

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Das kleine Krabbeln - Welche Maßnahmen sind in ... - Landkreis Celle

Das kleine Krabbeln

Welche Maßnahmen sind in

Gemeinschaftseinrichtungen

bei Auftreten von Parasiten sinnvoll

Dr. med. vet. Dieter Bödeker

Wedemark


Rechtliches:

Meldepflichten

andere Pflichten

Flöhe

Scabies

Läuse

Behandlungs-

undBekämpfungs- stategien


Infektionsschutzgesetz

(zuletzt geändert am 28.7.2011)

Meldepflichten

Betretungsverbote

und sonstige Verbote

§§ 6, 7, 8 IfSG

§ 34 IfSG

Flohbefall

Läusebefall

Krätze


Infektionsschutzgesetz

§ 6

Keine Meldepflicht bei: Verlausung

Scabies

Flöhen

aber:


Infektionsschutzgesetz

§ 34

Gesundheitliche Anforderungen,

Mitwirkungspflichten,

Aufgaben des Gesundheitsamtes


In § 34 IfSG werden Einrichtungen

angesprochen,

die in § 33 IfSG definiert sind


Gemeinschaftseinrichtungen nach § 33 IfSG

sind Einrichtungen, in denen überwiegend Säuglinge,

Kinder oder Jugendliche betreut werden,

insbesondere

- Kinderkrippen

- Kindergärten

- Kindertagesstätten

- Kinderhorte

- Schulen oder

- sonstige Ausbildungseinrichtungen

- Heime

- Ferienlager und

- ähnliche Einrichtungen.


In den §33-Einrichtungen kann bei bestimmten Krankheiten

eintreten:

- Lehrverbot

- Betretungsverbot

- Teilnahmeverbot

- Tätigkeitsverbot

- Verbot von Erziehungstätigkeiten

- Verbot von Aufsichtstätigkeiten

- Verbot von Pflegetätigkeiten

- Benachrichtigungspflicht

- Belehrungspflicht

- Pflicht zur Bekanntgabe

- Aufklärungspflicht


Die Verbote betreffen insbesondere:

Lehrer

Erzieher

Hausmeister

Betreute (Kinder)

Kinder unter 6 Jahren

bei infektiöser Gastroenteritis


Betreuer/innen

Erzieher/innen

Pflegekräfte

Aufsichtskräfte

Wen betrifft der § 34 IfSG ?

Betreute Personen, in deren

Wohngemeinschaft

Erkrankung/Verdacht

besteht


Bei welchen Krankheiten treten die Pflichten ein ?

Personen, die erkrankt sind an - oder dessen verdächtig sind:

1. Cholera

2. Diphterie

3. Enteritis durch EHEC

4. Virus bedingtes hämorrh. Fieber

5. Haemophilus influenzae

6. Impetigo contagiosa

7. Keuchhusten

8. ansteckungsfähige Lungentuberkulose

9. Masern

10. Meningokokken-Infektion

11. Mumps

12. Paratyphus

13. Pest

14. Poliomyelitis

15. Scabies (Krätze)

16. Scharlach (Strept. pyo.)

17. Shigellose

18. Typhus abdominalis

19. Virushepatitis A und E

20. Windpocken

21. Personen, die verlaust

sind

Flöhe werden nicht erwähnt!

Zusätzlich:

Kinder, die das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet haben,

bei Erkrankung/Verdacht an infektiöser Gastroenteritis.


Personen, die erkrankt sind an den eben gezeigten Erkrankungen

oder dessen verdächtig sind,

dürfen in den in § 33 genannten Einrichtungen

keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder

sonstige Tätigkeiten ausüben.

Das Verbot gilt, wenn die dort Tätigkeiten Kontakt zu den

dort Betreuten haben.

Das Verbot gilt, bis nach ärztlichem Urteil eine

Weiterverbreitung der Krankheit oder der Verlausung

durch sie nicht mehr zu befürchten ist.


Die Verbote gelten also auch für die in der Gemeinschaftseinrichtung

Betreuten.

Diese dürfen die Einrichtungen der Gemeinschaftseinrichtung

nicht benutzen (z.B. auch Spielplätze).

Die betroffenen Betreuten dürfen an Veranstaltungen der

Gemeinschaftseinrichtung nicht teilnehmen (z.B. Ausflüge).

Es besteht also ein vollständiges Betretungs-, Benutzungs- und

Teilnahmeverbot!


Betreuer/innen

Erzieher/innen

Pflegekräfte

Aufsichtskräfte

Für wen gilt der § 34 IfSG ?

Betreute Personen, in deren

Wohngemeinschaft

Erkrankung/Verdacht

besteht


Personen, in deren Wohngemeinschaft eine Erkrankung an

oder der Verdacht auf . . . besteht

1. Cholera

2. Diphterie

3. Enteritis durch EHEC

4. Virus bedingtes hämorrh. Fieber

5. Haemophilus influenzae

6. ansteckungsfähige Lungentuberkulose

7. Masern

8. Meningokokken-Infektion

9. Mumps

10. Paratyphus

11. Pest

12. Poliomyelitis

13. Shigellose

14. Typhus abdominalis

15. Virushepatitis A und E

Scabies, Läuse und Flöhe sind hier nicht aufgeführt!


Weitere Pflichten, die der § 34 IfSG aufführt

Mitteilungspflicht gemäß § 34 (5)

- Tritt einer der o.g. Fälle ein, so müssen die Personen (oder

ihre Betreuer) dieses unverzüglich der Gemeinschaftseinrichtung

mitteilen.

- Jede neu zu betreuende Person bzw. deren Sorgeberechtigter

muss zur Pflicht einer solchen Mitteilung durch die Leitung

der Gemeinschaftseinrichtung belehrt werden.


Mitteilungspflicht § 34 (6)

- besteht für Leitung der Einrichtungen gem. § 33

- unverzügliche Benachrichtigung des zuständigen

Gesundheitsamtes

- krankheits- und personenbezogene Angaben


Flöhe

- Menschenfloh

- Rattenfloh

- Hundefloh

- Katzenfloh

- Igelfloh


Diagnose Flohbefall

an Hund oder Katze

- Tier kämmen oder abbürsten

dabei ein Blatt Papier unterlegen

- verdächtige Partikel anfeuchten

- es zeigen sich blutige (rote) Flecken bei Flohkot


Zusammenfassung Flöhe

- Flöhe sind Lästlinge

- gesundheitliche Gefährdung für Menschen

besteht in Deutschland kaum

- Flöhe sind Zwischenwirte von Bandwürmern (Hd, Ktz)

- Hunde-und Katzenflöhe können gut bekämpft werden

- freiverkäufliche Flohhalsbänder reichen aber i.d.R nicht aus

- effektiv sind Spot-On-Präparate vom Tierarzt


Skabies

(Sarcoptes scabiei var. hominis)


- Spinnentiere

- 0,3-0,5 mm

- relativ unabhängig von persönlicher Körperhygiene

- Befall aber abhängig vom Immunstatus

Filmquelle: HFG Offenbach


Symptome

- Beginn erst 4-5 Wochen nach Erstinfektion

- stark juckende Effloreszenzen

- nächtlicher Juckreiz

- Verwechslung mit Ekzemen leicht möglich


Diagnostik

- mikroskopischer Nachweis im Hautgeschabsel

(nicht einfach, manchmal nur in

20 - 50% der Fälle positiv)

- die Diagnose erfolgt daher häufig sehr spät (zu spät)

Zukünftige Entwicklungen in der Diagnostik

Antikörpernachweis derzeit in der klinischen Erprobung

Hunde


Therapie:

- Permethrin

(meist ist eine einmalige Applikation ausreichend)

- Allethrin (wenn Permethrin nicht verwendet werden kann)

- Benzylbenzoat

(25%, 2x/Tag, Wiederholung nach 10 Tagen)

- Ivermectin

(klinische Wirksamkeit besser als o.g.)

(in Deutschland nicht zur Skabiesbehandlung

zugelassen, Auslandsapotheke, Einverständnis

des Patienten)


Therapie (RKI-Empfehlung)


Bekämpfung - Strategien und Maßnahmen

Bei Einzelfällen:

- topische Behandlung mit Permethrin

Bei Epidemien, bzw. Endemien

Neues Konzept von Dermatologen vorgeschlagen:

Synchrone Massen-Chemo-Therapie,

unabhängig davon, ob ein Verdacht besteht

1. Permethrinbehandlung - am selben Tag:

- alle Heimbewohner

- gesamtes Pflegepersonal

- alle Kontaktpersonen

2. bei Scabies crustosa:

- zeitgleiche Behandlung mit Ivermectin


RKI-Info


Bekämpfung - Strategien und Maßnahmen

Umgebung:

- Wechsel der Matrazen und der Bettwäsche

- Wechsel der Bekleidung

- Desinfektion von Räumen, Fußböden,

Vorhängen und Möbel (Sc. crustosa)

- Kosequente Isolation von Bewohnern mit Skabies


Tiermilben

Sarcoptes scabiei var. canis

- extrem selten beim

Menschen

- beim Menschen keine Behandlung nötig

(selbstlimitierend)


Kopfläuse

(Pediculus humanus capitis)

- Kopflausbefall (Pediculosis capitis)

- flügellose Insekten

- Mensch einziger Wirt


Biologie der Läuse

Eiablage

Larvenstadium

Nymphenstadium

7-8 Tage (5-9)

Adulte (Erwachsene Tiere)

Lebensumstände

- Lebensdauer ca. 4 Wochen

- ca. 140 Eier

9-11 Tage

- Temperaturoptimum 20-29 °C

17-22 Tage

- Lebensdauer bei 20 °C nur 2-3 Tage


Symptome

- das Leitsymptom ist Juckreiz

Diagnostik

- lebende Läuse

- Nissen (Läuseeier) max. 1 cm von der Kopfhaut


Therapie

Kombinationsbehandlung chemische

Wichtig:

mechanische

physikalische Methoden

Die Eier der Läuse werden häufig nicht abgetötet.

Erstbehandlung

Wiederholungsbehandlung (Tag 9 oder 10)


Therapie

Kombinationbehandlung chemische

Wichtig:

mechanische

physikalische Methoden

Die Eier der Läuse werden häufig nicht abgetötet.

Häufigster Fehler

Erstbehandlung

Wiederholungsbehandlung (Tag 9 oder 10)

Unterlassung der Wiederholungsbehandlung


RKI-Empfehlung


Sonstiges

- keine besonderen Maßnahmen in der Umgebung

- kein Einsatz von Insektizid-Sprays

- Kämme, Haarbürsten, Haarspangen usw. auswaschen

in heißer Seifenlösung

- Kopfbedeckungen für 3 Tage in Plastiktüte

- Wechsel von Bettwäsche, Schlafanzügen und Handtüchern


Dr. med. vet. Dieter Bödeker

Dorfstraße 10

30900 Wedemark

Tel.: 05130 3170

Mobil: 0173 361 59 53

Email: vet@gmx.de

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