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zahnärzteblatt

rheinland-pfalz

02

2009

Die Zahnärzte und die Krise

Vorsichtig optimistisch

25 Jahre LAGZ

www.lzk-rheinland-pfalz.de

geschaeftsstelle@lzk.de


Eine verbindliche Zusage zur Teilnahme kann erst nach definitiver Begleichung

der Startgebühr gewährleistet werden.

2

Meldeschluss: 14. August 2009

Konto : Dtsch.Apoth. u. Ärztebank Düsseldorf

BLZ 30060601 Konto 070 2496011

Kennwort: Golfturnier 2009

Kostenbeitrag/Startgebühr: 60,00 Euro per Lastschrift oder Scheck oder

zahnärzteblatt 02 2009

Dr.Holger Dausch Dr. Frank Kornmann

Hegelstraße 61 Sant Ambrogio Ring 39

55122 Mainz 55276 Oppenheim

Tel: 06131-31001 Tel: 06133-4661

Fax: 06131-31002 Fax: 06133-70374

info@dr-dausch.de Frank.Kornmann@t-online.de

Heimatclub

Heimatclub

HCP(Stvgb):

HCP(Stvgb):

Anmeldung an:

Mobil:

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Startzeiten ab 14.00 Uhr Kanonenstart

E-Mail

E-Mail:

Fax

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18 - Loch - Meisterschaftsanlage

des Golfclub Rheinhessen

Hofgut Wißberg St.Johann

Telefon

Telefon

Wohnort

Wohnort

am

Freitag, den 28. August 2009

auf der

Straße:

Straße:

Vorname:

Vorname

12. Rheinland-Pfälzisches

Zahnärzte-Golf-Turnier 2009

Name:

Name:

Teilnehmer: Gast:

Hiermit melde ich mich verbindlich für das 12. Zahnärzte-Golfturnier an:

Unter der Schirmherrschaft der

Landeszahnärztekammer Rheinland Pfalz

Vorabanmeldung


Augenmaß und Zielfestigkeit:

Wahljahr 2009

Am 27. September wird in diesem Jahr gewählt. Das

hohe Recht der freien Wahl erfahren die Bürger in

den neuen Bundesländern seit 20 Jahren. Wir, in den

so genannten „alten“ Ländern, also auch hier in Rheinland-

Pfalz, blicken mit dem Jubiläum 60 Jahre Bundesrepublik auf

60 Jahre freie Wahlen zurück. Für uns Zahnärzte ist das Wahljahr

genauso Aufgabe und Verpfl ichtung wie für alle anderen

Bürger. Für den Zahnarzt, gebunden in einer Kammer, für den

Standespolitiker überdies, ist es eine Periode, die vermehrt

von uns verlangt, Position zu beziehen, eigene Leitlinien — in

unserem Fall in der Gesundheitspolitik — zu zeichnen und das

Gespräch mit den Parteien, mit den Abgeordneten, mit der Politik

zu suchen.

In diesem Heft, in einem Gespräch mit Helmut Ahrens, beschreibt

Bundeszahnärztekammerpräsident Dr. Peter Engel

die Zukunft der Zahnärzteschaft in einem Wahljahr, das zudem

ein wirtschaftliches Krisenjahr ist. Engel sieht gelassen in diese

Zukunft. Eine Haltung, die uns ansteht, denn Aufgeregtheit,

Marktschreiertum oder gar verbandspolitische Paukenschläge

haben in diesen schwierigen Tagen keinen Platz, im Gegenteil:

Wird dieses Land sozialistisch? Das fragt sich nicht nur die

Frankfurter Allgemeine Zeitung. Kommen nach den Staatshilfen

für Opel und Gesprächen mit Arcandor, nach Abwrackprämie

und kommunalen Stützungsgeldern noch mehr Steuergeschenke

auf den dicht gepackten Wahltisch?

Ist in einer globalen Krise das Anheben der Staatsquote, das

milliardenfache Ausschütten von Steuergeldern über Banken,

Autoindustrie und kommunale Infrastruktur der einzige Weg?

Gezielte Antworten vermag ich, als Zahnarzt und als Standespolitiker,

hier in Rheinland-Pfalz auch als Standespolitiker

nicht zu geben. Aber ich weiß: Wir wollen, dass die Staatsquote

im Gesundheitswesen nicht steigt. Wir wünschen, dass die

Rechte der Selbstverwaltung erhalten bleiben. Wir sind davon

überzeugt, dass die Heilberufe — und ganz gezielt unsere Profession

— nur zukunftssicher ausgebaut werden kann, wenn

die Eigenverantwortung der Bürger mit der Eigenverantwortung

der Ärzte und Zahnärzte zusammen gebracht werden.

zb_editorial

Unser Ziel bleibt: Der freie Zahnarzt, der freie Arzt, die Sicherung

der Therapiefreiheit. Nicht zuletzt, um in unserem Land

modernste wissenschaftlich gesicherte Medizin zu erlauben

und zu realisieren.

Dabei lassen wir Augenmaß gelten: Die Volksparteien, auch

wenn deren Anteil im Stimmenpotential der Wählerschaft

auf mal 33 mal knapp 40 Prozent gesunken ist, die Sozialdemokraten,

die Christdemokraten, also die, die unsere Große

Koalition stellen, stehen hinter einem System Gesetzlicher

Krankenkassen. Ob sie genauso die Existenz der Privaten Krankenversicherung

favorisieren, lässt sich zu Recht bezweifeln.

Demokratischer Wille ist auch für uns Heilberufl er die eigentliche

Instanz der Berliner Republik. An dieser Stelle verspreche

ich Ihnen, dass die Landeszahnärztekammer Rheinland-

Pfalz zusammen mit der Bundeszahnärztekammer in Berlin

alles tun wird, um im Wahljahr 2009 gehört zu werden. Dabei

bin ich davon überzeugt: Unsere Ziele sind auch Ihre Ziele.

Dr. Peter Mohr,

Vizepräsident der

Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz

zahnärzteblatt 02 2009

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zb_inhalt

Idunt at. Uptat in eugiat.

Idunt at. Uptat in eugiat.

51 klinik und praxis 38 region

Kieferorthopädische Fortbildungsserie

Teil 6: Interdisziplinäre Therapie

Pfälzischer Zahnärztetag

34 hildegard-von-bingen

Hildegard-von-Bingen-Preis an

Necla Kelek

Dieser Ausgabe liegen folgende Beilagen

bei:

Neue Arbeitsgruppe Parodontologie,

DGZMK, Konzept-Pharma-Service

4

zahnärzteblatt 02 2009

12. rheinland-pfälzisches

zahnärzte-golf-turnier .......... 2

editorial

AUGENMASS UND ZIELFESTIGKEIT

von Dr. Peter Mohr ............................ 3

bild ......................................................................6

news ................................................................. 8

titel

DIE ZAHNÄRZTE UND DIE KRISE

Vorsichtig optimistisch ......................... 16

gespräch

GELASSEN NACH VORNE SCHAUEN

BZÄK-Präsident Engel im Gespräch 21

lagz

25 JAHRE LAGZ .........................................

Zahnmedizinische Prävention mit

Nachhaltigkeit ................................................. 24

gesellschaft

GEWALT AN KINDERN UND FRAUEN

Warum der Zahnarzt nicht schweigen

sollte .................................................................. 28

reportage

MANGELVERSORUNG REALITÄT

112. Deutscher Ärztetag in Mainz... 32

hildegard-von-bingen

Hildegard-von-Bingen-Preis an

Necla Kelek

Einladung...........................................................34

region

PFÄLZISCHER ZAHNÄRZTETAG....... 38

RHEINHESSISCHER

ZAHNÄRZTETAG.............................................41

DIE GOZ-NOVELLIERUNG —

EIN PERPETUUM MOBILE? ................ 45

gesundheitspolitik

DROHT KRANKENHÄUSERN

PLEITENWELLE? ....................................... 38

RISIKOSTRUKTURAUSGLEICH ........ 39


21 gespräch

Gelassen nach vorne schauen

BZÄK-Präsident Engel im Gespräch

BAHR KRITISIERT ..................................... 40

ZUGANG ZUM MEDIZINSTUDIUM

SOLL EINFACHER WERDEN ............... 41

zur person

DR. GERT BEGER

ZUM 60. GEBURTSTAG ......................... 50

Die Zahnärzte und

die Krise

16 TITEL

klinik und praxis

KIEFERORTHOPÄDISCHE FORTBIL-

DUNGSSERIE

Teil 6: Interdisziplinäre Therapie ..... 51

wissenschaft

DER MIT BISPHOSPHONATEN BE-

HANDELTE PATIENT IN DER ZAHN-

ÄRZTLICHEN PRAXIS ............................. 57

praxis

DIE INTRALIGAMENTÄRE ANÄSTHESIE:

Stand der Zahnheilkunde ...................... 62

bundeszahnärztekammer ..66

jubiläum/ ermächtigung68

kleinanzeige .................................... 69

berufsverbände .............................70

termine ........................................................ 75

soziale aktion ............................ 79

24 lagz

Impressum

zb_rubrik

zb_inhalt

25 Jahre lagz

Zahnmedizinische Prävention mit

Nachhaltigkeit

Herausgeber:

Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz

Präsident Dr. Michael Rumpf (Herausgeber)

Chefredaktion:

Helmut Ahrens (verantwortlicher Chefredakteur)

Dr. Peter Matovinovic (Zahnärztlicher Chefredakteur)

Redaktion/Layout:

Zivana Lazic

Gabriela Weber

Redaktionsanschrift:

Zahnärzteblatt Rheinland-Pfalz

Langenbeckstraße 2, 55131 Mainz

Telefon 0 61 31/9 61 36 66, Telefax 0 61 31/9 61 36 89

E-Mail: zahnaerzteblatt@lzk.de

Internet: www.lzk-rheinland-pfalz.de

Druck und Anzeigen:

gzm – Grafi sches Zentrum Mainz Bödige GmbH

Dekan-Laist-Straße 38

55129 Mainz-Hechtsheim

Telefon 0 61 31/58 04 96

Telefax 0 61 31/58 04 15

Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der

Redaktion.

Beiträge, die mit dem Namen des Verfassers gekennzeichnet

sind, geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion

wieder. Für unverlangt eingesandte Leserbriefe, Manuskripte,

Fotos und Zeichnungen wird seitens der Redaktion und des

Verlags keine Haftung übernommen. Leserbriefe, namentlich

gekennzeichnete oder signierte Beiträge geben nicht unbedingt

die Meinung der Redaktion wider. Die Redaktion behält

sich das Recht vor, Leserbriefe gekürzt aufzunehmen.

zahnärzteblatt 02 2009 5


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Die Zahnärzte gehören zum Mittelstand. „Die Mitte

schrumpft“, sagt Stephan Hradil, Professor für Soziologie

in Mainz. In der Krise sehen manche Soziologen

die Sozialstruktur „auf dem Weg von der ‚Zwiebel‘ zur

‚Sanduhr‘.“ Gut qualifi zierte Dienstleistungsmittelschichten,

so Hradil, nehmen ab. Noch geht es den

Heilberufl ern, insbesondere den Zahnärzten, gut,

doch der Unmut der Bürger bringt neue Koalitionen.

Im Frühjahr demonstrierten zehntausende Menschen

(unser Bild zeigt den Protest auf dem Römerberg in

Frankfurt) gegen einen bevorstehenden G20-Gipfel.

Dabei, wie zu erwarten, Globalisierungskritiker, Gewerkschaften,

Parteien — aber eben auch Mittelständler,

vom Handwerksmeister bis zum Arzt. Das Motto:

„Wir zahlen nicht für eure Krise.“

In Frankfurt übrigens warfen die Protestler Eier auf Lafontaine.

(Siehe auch unsere Titelgeschichte „Die Zahnärzte

und die Krise“ auf Seite 16)

zahnärzteblatt 02 2009


zahnärzteblatt 02 2009

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zb_news

Der Bundesverband der Kinderzahnärzte

(BuKiZ), die

Deutsche Gesellschaft für

Kinderzahnheilkunde (DKG) und der

Berufsverband Deutscher Anästhesisten

(BDA) haben mit ihren gemeinsamen

Protesten einen Teilerfolg

erzielt: Ab dem 1. Juli 2009 werden

die dem Regelleistungsvolumen unterliegenden

Narkoseleistungen für

Zahnbehandlungen aus dem Budget

herausgenommen, das seit Januar

dieses Jahres gilt. Die damit verbundene

drastische Honorarabsenkung

hatte dazu geführt, dass insbesondere

Kinderzahnärzte Probleme bekamen,

Anästhesisten zu fi nden, die

sich in der Lage sahen, für nichtkostendeckende

Honorare zwischen 29

und 49 Euro kleine Patienten unter

Narkose zu behandeln. Ende des

Jahres 2008 hatten die Verbände

erstmals Alarm geschlagen.

8

Teilerfolg: Narkose bei schwerer Kinderkaries

ist wieder planbar

Budgetierung für ambulante Narkosen vorerst aufgehoben / Sparkurs verursacht monatelange Wartezeiten für

Kinder und Menschen mit Behinderungen / Einheitliches Narkose-Honorar gefordert

„Das ist ein wichtiger Zwischenschritt“,

sagte BuKiZ-Präsidentin

zahnärzteblatt 02 2009

drs. Johanna Kant am Montag in Oldenburg.

Die qualitativ gute Versorgung

von Kleinkindern mit schweren

kariösen Gebisszerstörungen und

erblichen Zahnkrankheiten, aber

auch von extrem ängstlichen und

behinderten Kindern lasse sich nun

wieder planen und mittelfristig sicherstellen.

Bis zu 15 Prozent der

Kleinkinder in Deutschland leiden

an schweren Zahnproblemen, die

oftmals ohne ambulante Narkosen

nicht behoben werden können. Betroffen

sind ca. 70 000 Kinder pro

Geburtsjahrgang.

Gleiches Honorar für alle

ambulanten Narkosen

Die Kinderzahnärzte sind aber noch

nicht zufrieden. „Es ist notwendig, die

Honorierung sämtlicher ambulanten

Narkosen zu vereinheitlichen, damit

die Anästhesisten uns Zahnärzten

ausreichend Leistungen anbieten und

wir unseren Sicherstellungsauftrag

auch langfristig erfüllen können“, for-

dert drs. Kant. Sie verweist auf aktuelle

Wartezeiten von mehreren Monaten

für Anästhesie-Leistungen in der zahnärztlichen

Behandlung. „Das ist unzumutbar

für unsere Patienten. In den

meisten Fällen muss schnell behandelt

werden, um irreparable Schäden

für Gebiss und Kiefer und damit auch

hohe Folgekosten für die Solidargemeinschaft

zu vermeiden. Ausgerechnet

Kinder und behinderte Patienten

dürfen nicht die Leidtragenden des

Gesundheitssparkurses sein“, betonte

die BuKiZ-Präsidentin und erinnerte

an die UN-Kinderrechtskonvention, Artikel

24: „Kinder haben ein Grundrecht

auf das erreichbare Höchstmaß an Gesundheit

sowie auf Inanspruchnahme

von Einrichtungen zur Behandlung von

Krankheiten und zur Wiederherstellung

der Gesundheit.“

BuKiZ

Anmerkung der Redaktion: drs. bezeichnet

„Doctorandus“, ein in den Niederlanden

verliehener Studienabschlusstitel,

der den Titel „Doktor“ nicht einschließt


Fehlentwicklung durch

Gesundheitsfonds

Verbraucherschützer fordern

mehr Rechte

Die Verbraucherzentrale Bundesverband beklagt einen

fehlenden Wettbewerb auf den Energiemärkten, eine

unzureichende Aufsicht über Finanzprodukte sowie

Fehlentwicklungen im Gesundheitswesen als Folge der

Einführung des Gesundheitsfonds.

Die Verbraucherzentralen fordern daher von der

künftigen Bundesregierung eine deutliche Stärkung

der Konsumentenrechte, berichtet die „Financial

Times Deutschland“ (FTD).

Der Staat müsse Regeln für verbraucherfreundliche Märkte

setzen, verlangte laut FTD Verbandschef Gerd Billen.

Jedes Ministerium müsse einen Verbraucherbeauftragten

benennen, damit die Belange der Konsumenten in Gesetzgebungsverfahren

stärker berücksichtigt würden.

Politische Entscheidungen müssten einem „Verbrauchercheck“

unterzogen werden. Außerdem schlägt der Verband

der FTD zufolge eine stärkere Einbindung der Forschung in

die Verbraucherpolitik vor.

Foto: dpa

Hoppe klagt gegen

BKA-Gesetz

Der Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Prof. Dr.

Jörg-Dietrich Hoppe, hat wie angekündigt Verfassungsbeschwerde

gegen das BKA-Gesetz eingereicht.

Nach Ansicht der BÄK schränken die mit dem Gesetz

erweiterten Ermittlungsbefugnisse der Fahnder

das Arztgeheimnis und das Zeugnisverweigerungsrecht

von Medizinern in unzulässiger Weise ein.

Mit Hoppe klagen auch der ehemalige Bundesinnenminister

Gerhart Baum, „Zeit“-Herausgeber Dr. Michael

Naumann und der Chef der Psychotherapeutenkammer

Hessen, Jürgen Hardt.

Dr. Michael Naumann

Gerhart Baum

zahnärzteblatt 02 2009

zb_news

Fotos: dpa

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zb_news

Einheitsversicherung geht

zu Lasten der Patienten

BÄK und PVS-Verband monieren

Der im internationalen Vergleich

hohe Standard der

„ medizinischen Versorgung

ist eng verbunden mit dem

Erfolgsmodell des gegliederten

Krankenversicherungssystems“

betonte Dr. Franz Gadomski, Vorsitzender

des Ausschusses „Gebührenordnung“

der Bundesärztekammer.

Eine starke private Vollversicherung,

die bei der Integration medizinischer

Innovationen vorangeht

und den Unterschied zwischen guter

und rationierter Medizin deutlich

macht, werde weiterhin gebraucht,

hob Gadamski hervor.

Trotz der weiteren Ausbreitung der Neuen Grippe

(Schweinegrippe) mahnt die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin

Maly Dreyer zur Besonnenheit.

„Wir nehmen die Situation sehr ernst, aber für Panik

gibt es keinen Anlass“.

Die Weltgesundheitsorganisation

(WHO) weise seit

geraumer Zeit auf die Möglichkeit

einer weltweiten Ausbreitung

eines neuen Infl uenzatyps

hin. Dreyer: „Wir haben daher in

Rheinland-Pfalz frühzeitig mit den

Vorbereitungen begonnen, um die

Bürgerinnen und Bürger für den Fall einer

Pandemie wirksam zu schützen“.

Grundlage dafür ist der rheinlandpfälzische

Pandemieplan, der sich am

10

zahnärzteblatt 02 2009

Durch das deutsche Zwei-Säulen-System

habe man bisher die Nachteile

staatlicher Gesundheitssysteme mit

langen Wartelisten, Einschränkungen

der Patientensouveränität und die

Entstehung ‚grauer‘ Gesundheitsmärkte

verhindern können.

„Wer dennoch die Schaffung einer

staatlich verordneten Einheitsversicherung

zu Lasten der PKV propagiert,

nimmt eine Absenkung des Versorgungsniveaus

billigend in Kauf — zum

Nachteil aller Patienten“, so Gadomski.

„Es bedarf einer mutigen und nachhaltigen

Neugestaltung des GKV-

Leistungsspektrums im Sinne einer

nationalen Pandemieplan orientiert.

Rheinland-Pfalz hat nach Angaben

der Ministerin bereits 2005 die erforderlichen

Maßnahmen im Land

abgestimmt und Umsetzungsempfehlungen

mit den anderen für die Gesundheit

der Bevölkerung zuständigen

Stellen entwickelt. Der Pandemieplan

ist auf der Homepage des Ministeriums

unter www.masgff.rlp.de zu fi nden. In

Rheinland-Pfalz sind nach Angaben

der Ministerin enge Informationswege

Ergänzend zur Gesetzlichen Krankenversicherung

bedürfe es auch künftig einer

starken Privaten Krankenversicherung. Das

erklärten die Bundesärztekammer und der

Verband der Privatärztlichen Verrechnungs-

Stellen (PVS-Verband) auf einer Veranstaltung

zur PKV in Berlin.

Rückführung auf eine tatsächlich

solidarische Grundversorgung“, forderte

auch Dr. Jochen-Michael Schäfer,

Vorsitzender des PVS-Verbandes.

„Die Prognosen zur Kostenentwicklung

im Gesundheitswesen lassen

keinen anderen Lösungsweg zu, als

die über die Grundversicherung hinaus

reichenden Leistungen in privatrechtlichenVersicherungsverhältnissen

abzusichern“, sagte Schäfer.

Wesentliche Bausteine dazu seien

eine Neubestimmung des Verhältnisses

von Solidarität und Subsidiarität

sowie die Stärkung der Eigenverantwortung

der Versicherten.

Schweinegrippe

Dreyer mahnt zur Besonnenheit

aufgebaut worden, die eine schnelle

Informationsweitergabe zwischen allen

beteiligten Akteuren im Gesundheitswesen

sicherstellen.

„Die Ausbreitung eines neuen Infl

uenzavirus ist ein Ereignis, das

international und national eine

hohe Wachsamkeit und Handlungsbereitschaft

erfordert. Das ist

in Rheinland-Pfalz sichergestellt“,

so die Ministerin. Das Warnsystem


Das eingefärbte Foto,

2009 aufgenommen von

der US-Seuchenkontrollbehörde

CDC mit einem

Transmissionselektronen

mikroskop, zeigt einen A/

CA/4/09 Schweinegrippevirus.

Drei-Milliarden-Loch im

Gesundheitsfonds möglich

Ulla Schmidt

Schmidt: „Wenn solche Prognosen

tatsächlich eintreten würden,

würden über drei Milliarden

Euro weniger Beiträge fl ießen.“

Auch die Vorstandsvorsitzende des

Spitzenverbandes der Gesetzlichen

Krankenversicherung (GKV), Doris

Pfeiffer, erklärte: „Wir erwarten infolge

der Krise einen spürbaren Rückgang

der Beitragszahlungen.“

Wenn Ende kommender Woche der

GKV- Schätzerkreis getagt habe, könne

man die Auswirkungen der Rezession

auf die Krankenversicherung

genauer abschätzen.

Foto: dpa

der WHO habe sich bewährt

und eine schnelle

Reaktion auf allen Ebenen

möglich gemacht.

Ein wichtiger Beitrag zum

Frühwarnsystem sei auch

die Meldepfl icht für die

Neue Grippe, die nun in

Kraft tritt. Für die Bevölkerung

in Rheinland-Pfalz

besteht nach Aussage der

Ministerin aktuell keine

allgemeine Gefährdung

durch die Neue Grippe.

Die milden Verläufe in den

USA und Europa ließen

hoffen, dass es selbst bei

einer weiteren Ausbrei-

Schmidt versicherte erneut, in diesem

Jahr würden konjunkturbedingt

ausfallende Beiträge vom Steuerzah-

tung der Neuen Infl uenza auch nach

Rheinland-Pfalz und einer Zunahme

der Fälle keine bedrohliche Entwicklung

für die rheinland-pfälzische

Bevölkerung geben werde. Ganz generell

empfi ehlt die Ministerin den

Menschen aber persönliche Hygienemaßnahmen,

wie beispielsweise

häufi ges Händewaschen, die auch

vor anderen Infektionskrankheiten

schützen könnten.

Weitere Informationen, auch zu Hotlines,

gibt es auf der Homepage des

Ministeriums www.masgff.rlp.de

und des RKI www.rki.de/infl uenza.

Foto: dpa

zb_news

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt

(SPD) rechnet wegen der tiefen Rezession

in Deutschland mit erheblichen Mindereinnahmen

des Gesundheitsfonds. Der prognostizierte

stärkere Einbruch bei Beschäftigung

und Löhnen beeinfl usse natürlich

die GKV-Beiträge.

ler ausgeglichen. Allerdings müssen

die Kassen diesen Zuschuss später

zurückzahlen.

Der Chef der KKH-Allianz, Ingo Kailuweit,

forderte angesichts der Prognose

eine Aufhebung der Rückzahlungspfl

icht für die Krankenkassen. „Bei

einer Finanzlücke in dieser Höhe ist es

unmöglich, dass die Kassen die Beiträge

2011 zurückzahlen“, erklärte er.

„Wenn die Regelung nicht aufgehoben

wird, steht das Gesundheitssystem

vor einem fi nanziellen Kollaps.“

Kailuweit schlug vor, das Darlehen in

einen Dauerzuschuss umzuwandeln.

Das Robert-Koch-Institut hat den ersten

Fall von Neuer Grippe in Rheinland-Pfalz

bestätigt. Das teilte das

rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium

in Mainz mit. Es handelt

sich dabei um ein vierjähriges Mädchen

aus dem Donnersbergkreis, das

sich mit seiner Familie auf einer Rundreise

in den USA aufgehalten hatte.

Die vorläufi gen Laborergebnisse im

Landesuntersuchungsamt waren positiv.

Die Familie des Mädchens steht

unter Beobachtung des örtlichen Gesundheitsamtes.

Bei keinem anderen

Familienmitglied sind bisher Krankheitssymptome

aufgetreten.

Mittlerweile ist die Gesamtzahl der

Erkrankten auf drei angestiegen.

zahnärzteblatt 02 2009

11


zb_news

Es nimmt teilweise überhand,

dass vom Medizinischen

Dienst der Krankenversicherung

(MDK) „vorschnell“ Behandlungsberichte

bei Ärzten oder Krankenhäusern

angefordert werden,

rügte der Senatsvorsitzende Ulrich

Hambüchen in Kassel.

„Ärzte werden durch die Bürokratie

immer mehr belastet“, sagte der Richter

der „Osnabrücker Zeitung“ zufolge.

Die Kassen schalten den MDK ein,

wenn sie an der Notwendigkeit einer

Behandlung zweifeln und deshalb

nicht ohne genauere Rechtfertigung

zahlen wollen.

12

zahnärzteblatt 02 2009

Foto: dpa

Im vorliegenden Fall entschieden die

obersten Sozialrichter trotzdem gegen

einen Arzt, der die Weitergabe

von Patientendaten verweigert und

sich auf die ärztliche Schweigepflicht

berufen hatte.

Bundesweit wurde der MDK nach eigenen

Angaben im Jahr 2007 in rund

5,2 Millionen Fällen von den Kassen

angerufen. Das Bundessozialgericht

betonte laut Zeitung, dass die Bitte

um Behandlungsberichte „im Einzelfall“

begründet werden müsse, erklärte

im vorliegenden Fall die knappen

Worte aber trotzdem für „noch

ausreichend“:

Weitergabe von

Patientendaten

Gericht tadelt Neugier der

Krankenkassen

Das Bundessozialgericht (BSG) kritisiert, dass Krankenkassen

immer öfter Einblick in Patientendaten nehmen

wollen.

Ein 14-tägiger Klinikaufenthalt der

Patientin mit zwei Darmspiegelungen

und einer zeitweiligen Überweisung

in ein anderes Fachkrankenhaus

könne bei der Diagnose

„Angina Pectoris“ durchaus fragwürdig

erscheinen.

Dass die Patientin gleichzeitig an

einem Darmtumor und Lebermetastasen

litt, habe die Kasse nicht

wissen können. Der Senat will die

Anforderungen für die Weitergabe

von Patientendaten an den MDK in

der schriftlichen Urteilsbegründung

genauer definieren.


Wartelistenmedizin

droht Foto: dpa

Montgomery fordert mehr Geld

gegen Ärztemangel

Dem zunehmenden Ärztemangel in immer mehr ländlichen

Regionen lässt sich nach Ansicht der Bundesärztekammer

(BÄK) nur mit mehr Geld und besseren

Rahmenbedingungen abhelfen.

Beckenbauer motiviert

Bayerns Zahnärzte

Vertragszahnärztetag Bayern

Unter dem Motto „Positiv in die Zukunft — Fitness

Foto: dpa

zb_news

Ärztliche Arbeit in Klinik und Praxis muss wieder attraktiv

werden“, sagte BÄK-Vizepräsident Frank Ul-

„ rich Montgomery in Berlin. Wieviel zusätzliches Geld

für eine ausreichende ärztliche Versorgung erforderlich sei,

wollte er nicht sagen.

Seit 1991 nahm die Zahl der Mediziner in Deutschland

laut BÄK um gut 30 Prozent zu. Gleichwohl sind nach

Montgomerys Worten in vielen Krankenhäusern 20 bis

50 Prozent der Arzt-Stellen unbesetzt. Überstunden und

gedeckelte Budgets verleideten vielen Medizinern den

Job und ließen sie seit Jahren zu Tausenden ins Ausland

abwandern.

„Wir bewegen uns auf eine Wartelistenmedizin zu.“ Er

machte dafür die Politik verantwortlich. Montgomery kritisierte

die neuen Honorarregeln für niedergelassene Ärzte.

Diese produzierten trotz Steigerung des Honorartopfs auf

gut 30 Milliarden Euro per Umverteilung neben Gewinnern

auch Verlierer. Am Ende seien damit „alle unzufrieden“.

(Siehe unsere Reportage zum Ärztetag auf Seite 32)

Am 24. und 25. April fand in München der Vertragszahnärztetag

Bayern statt. Stargast in diesem Jahr: Franz

Beckenbauer.

für die Praxis“ diskutierten die bayerischen Vertragszahnärzte

am Freitag mit Vertretern des

bayerischen Ministeriums und des Bundesgesundheitsministeriums

sowie der AOK Bayern.

„Die politischen Rahmenbedingungen für uns sind derzeit

alles andere als einfach“, betonte KZVB-Chef Dr. Janusz

Rat. „Dennoch wollen wir unseren Patienten eine

bestmögliche Versorgung ermöglichen und unsere Zahnärzte

für ihre tägliche Arbeit in der Praxis motivieren.“

Am Samstag stand der Auftritt Beckenbauers auf dem

Programm. Zu Gunsten von Beckenbauers Stiftung konnte

man im Anschluss Bayern München-Trikots mit Autogramm

von Beckenbauer und Trikots mit Autogrammen

der Spieler von Schalke 04 ersteigern.

zahnärzteblatt 02 2009 13


zb_news

Patienten sollten sich vor einer Behandlung gut über Möglichkeiten

und Grenzen informieren

Die modernen Strategien in

der Implantologie und ihre

rasante Entwicklung erfordern

gut ausgebildete Zahnärzte.

Doch leider gibt es auch unseriöse

Angebote und Geschäftemacherei.

Darum ist es wichtig, dass sich Patienten

gut über die Möglichkeiten

der Behandlung und über die Qualifikation

ihres Arztes informieren,

erklären Experten der Deutschen

Gesellschaft für Implantologie. In

einem neuen wissenschaftsbasierten

Patientenportal der Gesellschaft

(www.zahnimplantate-infoportal.

de) können sich Patientinnen und

Patienten nun über die Zahn-Implantate

informieren und nach Experten

in ihrer Region suchen.

Wenn Zahnärzte, die bislang keine

Implantate gesetzt haben, auf diesem

Gebiet ohne gründliche Ausbildung

aktiv werden, kann es geschehen,

dass sie bei der Behandlung Risiken

eingehen, die anschließend Probleme

verursachen. Weder moderne Implantatsysteme

noch eine hochgerüstete

technische Ausstattung der Praxis

können Erfahrung und Training ersetzen:

Von ungeübten Händen können

auch angeblich „idiotensichere“ Implantat-Systeme

falsch angewendet

14

zahnärzteblatt 02 2009

Zahn-Implantate

Ab sofort können sich Patientinnen und Patienten, die sich für Zahn-Implantate interessieren, in einem unabhängigen

Patientenportal über Möglichkeiten und Grenzen der Implantologie informieren. Das Web-Angebot www.zahnimplantateinfoportal.de

wurde von der gemeinnützigen Deutschen Gesellschaft für Implantologie e. V. entwickelt, der größten wissenschaftlichen

Fachgesellschaft Europas auf ihrem Gebiet. In der DGI arbeiten Wissenschaftler und Praktiker zusammen,

um die wissenschaftlichen Standards und Methoden in der Implantologie weiterzuentwickeln.

werden. Marktschreierische Angebote

aus rein kommerziellen Gründen

kommen hinzu.

Darum hat die Deutsche Gesellschaft

für Implantologie, mit über 6 500 Mitgliedern

die größte wissenschaftliche

Fachgesellschaft Europas auf ihrem

Gebiet, bereits vor über zehn Jahren

ein umfangreiches Ausbildungsangebot

entwickelt. Mehr als 3 000 Zahnärztinnen

und Zahnärzte haben das

Curriculum Implantologie durchlaufen,

mehrere Hundert besuchen jährlich

die Kurse im Continuum, in dem

fortgeschrittene Techniken vermittelt

werden, und fast 200 Zahnmediziner

haben den DGI-Studiengang zum

Master of Science in Oral Implantology

aufgenommen bzw. bereits ab-

Foto: prodente

geschlossen. „Dadurch sorgen wir

dafür, dass Zahnärzte, die implantieren

wollen, eine berufsbegleitende

qualifizierte Ausbildung absolvieren

können“, sagt Prof. Günter Dhom,

Präsident der DGI.

Transparenz dient dem Patientenschutz.

Auf dem Gebiet der zahnmedizinischen

Fortbildung gibt es

Ausbildungsangebote von verschiedenen

Anbietern mit deutlichen

qualitativen Unterschieden. Für

Patienten ist diese Titelflut intransparent:

Nicht jede Urkunde, die in

einem Wartezimmer hängt, ist ein

Garant dafür, dass der Implantologe

sein Metier wirklich beherrscht. So

verleiht beispielsweise ein privater

Anbieter den Teilnehmern eines Wochenendkurses

einen „Tätigkeitsschwerpunkt

Implantologie“, ohne

dass dieser den Nachweis erbringen

muss, schon jemals ein Implantat

gesetzt zu haben.

Auf ihrem neuen Patientenportal

listet die DGI darum nicht nur ihre

Mitglieder auf, sondern informiert

auch darüber, welche Qualifikation

diese haben und welche Anforderungen

dazu erfüllt sein müssen.

DGI


Krankheitsbild als Pendant identisch

Die Forscher konnten Genveränderungen auf dem

Chromosom 9 nachweisen, wie sie in der neuesten

Ausgabe der Fachzeitschrift PLoS Genetics

berichten. Die krankheitsassoziierte Genveränderung befindet

sich im Gen ANRIL, das wahrscheinlich ein regulatorisches

RNA-Molekül kodiert, eine „antisense RNA“.

Die Bedeutung solcher regulatorischer RNA-Moleküle für

die Entstehung komplexer Erkrankungen wird zunehmend

erkannt: Sie haben vermutlich eine wichtige Aufgabe in

der Kontrolle der Spezifität und Sensitivität grundlegender

physiologischer Prozesse.

„Die mit diesem Krankheitsbild assoziierte genetische Variante

ist identisch mit der von Patienten, die unter einer

Erkrankung der Herzkranzgefäße leiden und bereits einen

Herzinfarkt erlebt hatten“, sagte Autor Dr. Arne Schaefer

vom Institut für Klinische Molekularbiologie der Universität

Kiel und sieht eindeutige Übereinstimmungen in der

Seit 2003 seien mehr als 180 000 Deutsche — nach

Abzug der Rückkehrer — in andere Industriestaaten

ausgewandert, schreibt die „Süddeutsche“ mit Bezug

auf die Studie. Allein 2008 hätten mehr als 3 000 Ärzte

das Land verlassen. Die Auswanderer seien in der Regel

„gut qualifiziert, flexibel, risiko- und leistungsbereit“, sagte

der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Klaus J. Bade.

Der Historiker rief dazu auf, die Ursachen der Auswanderung

zu bekämpfen und trotz Wirtschaftskrise aktiv um qualifizierte

Zuwanderer zu werben.

Die Ökonomen des Ifo-Instituts berechneten für den Sachverständigenrat

erstmals die Folgekosten für einzelne

Auswanderer. Demnach entgehen dem deutschen Staat

genetischen Veranlagung. Schaefer weiter: „Wir haben

die aggressive Form der Parodontitis untersucht, eine in

sehr jungem Alter einsetzende, sehr heftig verlaufende,

entzündliche Krankheitsform der Parodontose.“ Es sei anzunehmen,

dass es zwischen dieser Erkrankung und dem

Herzinfarkt einen ursächlichen Zusammenhang gebe.

Wegen seiner Verbindung zum Herzinfarkt sollte die Parodontitis

von Zahnärzten daher sehr ernst genommen,

frühzeitig diagnostiziert und so bald wie möglich behandelt

werden. Herzinfarkt und Parodontitis haben die

gleichen Risikofaktoren: Sie entstehen vor allem durch

Rauchen, Diabetes und Übergewicht.

Der Herzinfarkt gilt als die weltweit häufigste Todesursache.

Parodontitis ist die Hauptursache für Zahnverlust bei Erwachsenen

über 40 Jahren. Etwa neun von zehn Menschen

im Alter von mehr als 60 Jahren leiden unter Parodontitis.

zahnärzteblatt 02 2009

zb_news

Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzinfarkt genetisch belegt

Einem Team aus Wissenschaftlern der Universitäten Kiel, Dresden, Amsterdam und Bonn ist es gelungen, einen Zusammenhang

zwischen aggressiver Parodontitis und Herzinfarkt genetisch zu belegen.

Milliardenverlust

Besonders Ärzte gehen ins Ausland

Deutschland verliert jedes Jahr mehrere Milliarden Euro

durch die Auswanderung von Fachkräften. Dies haben der

Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR)

und das Ifo-Institut in einer Studie festgestellt.

durch einen 30-jährigen Arzt, der auf Dauer ins Ausland

zieht, Steuer- und Sozialversicherungsgewinne von gut

einer Million Euro. Bei einem Facharbeiter aus der Metallindustrie

sind es rund 280 000 Euro — jeweils ohne

die Kosten für die Ausbildung zu berücksichtigen. „Wenn

nur ein Drittel der 2008 weggezogenen Ärzte im Ausland

bleibt, entgehen dem Staat alleine deshalb fast 1,1 Milliarden

Euro“, sagte Bade.

Derzeit arbeiten laut Sachverständigenrat etwa 19 000

deutsche Ärzte im Ausland. Betrachte man alle Auswanderer,

drohe ein Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe, sagte

Bade weiter. Es habe sich gezeigt, dass ein bedeutender

Teil der abgewanderten Deutschen nicht mehr zurückkehre.

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zb_titel

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Deutschland, Europa, die gesamte Wirtschaft in der Welt erlebt die größte Rezession

seit dem Jahre 1929. Wo steht im bundesrepublikanischen Wahljahr 2009 der

Zahnarzt? Wie überlebt er in einer wirtschaftlichen Zeitenwende, die nicht mehr

auf Wachstum hofft, sondern die Schrumpfung prognostiziert?

zahnärzteblatt 02 2009

Die Zahnärzte und die Krise


Zunächst dies: Die Wirtschaftskrise

treibt in allen

Staaten der Europäischen

Union das Staatsdefizit weit über

den Referenzwert von 3 Prozent des

Bruttoinlandsproduktes hinaus,

der in den Maastrichter Verträgen

festgelegt worden war. Die Konjunkturprognose

der Europäischen

Kommission revidierte ihre eigenen

Vorsichtig optimistisch

Erwartungen noch vor der Sommerpause

nach unten: Die Mitglieder

der EU werden ein Schrumpfen des

realen Bruttoinlandsproduktes von

4 Prozent erleben.

In Deutschland geht man gar von 5,4

Prozent aus. Wirtschaftsminister zu

Guttenberg stellt in der von seinem

Haus erarbeiteten Schätzung über-

dies ein Absinken der Wirtschaftsgesamtleistung

von über 6 Prozent

in Aussicht.

Die Europäer versuchen zu trösten,

man befände sich „nicht mehr im

freien Fall“. Setzen jedoch hinzu, auch

im Jahr 2010 werde die Wirtschaftsentwicklung

bestenfalls stagnieren. Der

Publizist und Volkswirt Werner Muss-

zahnärzteblatt 02 2009

zb_titel

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Foto: dpa


zb_titel

Von Guttenberg: „Wirtschaftsleistung sinkt um 6 Prozent“

Merkel: „Wir schaffen das“

Engel: „ Orientierung am Nutzen für den Patienten“

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zahnärzteblatt 02 2009

Foto: Zimmermann

ler kommentierte: „Die Gewöhnung an immer schlechtere

Konjunkturszenarien ist soweit fortgeschritten, dass

die Prognose der EU-Kommission niemanden mehr überrascht.“

Erschauern lässt die Erwartungshaltung in Brüssel und

Bonn die Wirtschaftsspezialisten dennoch: Die Zahnärzte

spüren den wirtschaftlichen Gegenwind. LZK-Präsident

Dr. Michael Rumpf weiß: „Aufwändiger Zahnersatz,

der nun einmal Kosten verursacht, wird weniger intensiv

nachgefragt.“ Aber Rumpf weiß zu ergänzen: „Insgesamt

jedoch kann von größeren finanziellen Einbußen nicht

berichtet werden.“

Tatsächlich listete das Institut Dresdner Bank Research

zehn Branchen auf, die der Rezession unserer Tage nicht

nur trotzen, sondern Wachstumsmöglichkeiten in sich

tragen. Ganz oben mit dabei: Das Gesundheitswesen.

Außer den Bereichen Bahnindustrie, Landwirtschaft, Erneuerbare

Energien ist diesen Wirtschaftsgebieten gemein,

dass sie allesamt ganz gezielt Dienstleistungen

vorhalten. Die anderen Branchen nämlich heißen Telekommunikation,

Software und IT-Dienste, Rechtsberatung,

Unternehmensberatung, Kantinen und Caterer. Der

Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen

Handwerks, Hanns-Eberhard Schleyer, ergänzt: „Das

deutsche Handwerk wird im Jahr 2009 nicht die Talfahrt

von 9 Prozent erleben, wie sie das Wirtschaftsministerium

prognostiziert. Wir werden nur um zwei Prozent

schrumpfen.“

Schleyer weiß, dass gerade Leistungen, die direkt dem

Kunden angedient werden, auch in Zukunft gewünscht

sind.

Was das Handwerk vermeldet, gilt für den Bereich der

Zahnärzte allemal. Nachgefragt bei Banken und Statistikern

schwanken die Aussagen zwischen „leichtes Wachstum“,

„minus 1,5 Prozent“ oder „Stagnation“. Doch von

einem Erdrutsch spricht niemand. Im Gegenteil.

Schon als im Frühjahr in Köln die Internationale Dentalschau

eröffnet wurde, wusste der Präsident der

Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel: „Die Gesundheitsbranche

ist ein Zukunftsmarkt und der Standort


Deutschland birgt Potenzial.“ Engel bekräftigte: „Wir befinden

uns auf sicherem Untergrund.“

Den Zahnärzten und der Branche empfahl der BZÄK-Präsident

in Köln einen „kritischen Umgang“ mit den Tendenzen

des Berufes und eine „Orientierung am Nutzen

für den Patienten“.

Wer Tendenzen des Berufes beobachtet, sieht einen

Wandel, der letztlich wirtschaftliche Veränderungen nach

sich zieht. Der Mainzer Universitätslehrer und Implantologe

Bernd d`Hoedt sagt: „Wir haben seit Jahren mehr

und mehr Frauen, die sich für das Studium der Zahnmedizin

entscheiden und seit einiger Zeit sind die Damen

deutlich in der Mehrzahl.“

Archibald Salm, Betriebswirt in der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz und Direktor des Instituts

Bildung und Wissenschaft, kommentiert: „Mehr Frauen

im Beruf des Zahnarztes, das bedeutet wirtschaftlich

einerseits kleinere Einheiten in den Praxen. Die allgemeine

Zahnarztpraxis, die jede Leistung vorhält, wird

nicht länger der Standard sein. Denkbar sind vernetzte

Praxen, die da und dort Zentralen bilden. Auch die klassischen

Gemeinschaftspraxen werden deshalb zunehmen,

denn das Interesse der Frauen, Familie, Kind, persönliche

Lebensplanung mit dem Beruf zu verbinden,

bleibt stark.“

Ein Trend, den die Wirtschaft schon heute aufgreift. Der

Begriff „zahnärztinnenfreundlich“ wird schon jetzt als

Marketingvokabel weiter gereicht: Die Firma Syco Tec

beispielsweise entwickelte, wie sie erklärt, den „kleinsten

Motor der Welt“ für die Zahnarztpraxis. Ein Motor, der

ganze 67 Gramm wiegt und eine Länge von nur 31,7 Millimeter

hat. Ein Sprecher: „Der Motor ist mit allen gängigen

Marken, Hand- und Winkelstücken kompatibel“ und

sei damit eben „zahnärztinnenfreundlich“.

Gewiss: Die Volkswirtschafter, die Ökonomen, sind in der

Vertrauenskrise. Das Ansehen jener Wissenschaftler, die

sich mit den Phänomenen der Wirtschaft beschäftigen,

ist in der aktuellen Krise, gelinde gesagt, gesunken. Philip

Plickert, Wirtschaftsjournalist der Frankfurter Allgemeinen

Zeitung ärgert sich: „Kaum einer der bekannten

Prognostiker hat den Absturz der Weltwirtschaft seit

Rumpf: „Insgesamt keine größeren finanziellen Einbußen“

D’Hoedt: „Mehr Frauen beim Studium der Zahnmedizin“

Salm: „Vernetzte Praxen und Zentralen“

zahnärzteblatt 02 2009

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Foto: Zimmermann

Foto:Benz

Foto:Benz


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Schleyer: „Handwerk schrumpft nur um 2 Prozent“

Berlin: Ein Bild aus dem Jahr der ersten großen Wirtschaftskrise.

Angestellte und Arbeiter im Jahr 1929

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zahnärzteblatt 02 2009

Fotos: dpa

2008 vorhergesehen, weder sein erschreckendes Ausmaß

noch seine zerstörerische Dynamik.“

Warum sollte man also den Vorhersagen aus der Wirtschaftswissenschaft

in der Europakommission oder den

Institutionen des zahnärztlichen Berufsstandes selbst

trauen. Die Wochenzeitung „Die Zeit“ antwortet darauf:

„Viele Prognostiker geben in diesen Tagen offen zu, dass

ihre Vorhersagemodelle versagt haben und dass ihnen

die Präzedenzfälle für die gegenwärtige Situation fehlen.“

Für die Standespolitiker, aber auch für den einzelnen

Zahnarzt in der Praxis bedeutet dies, er muss seine Entscheidungen

in einer unübersichtlichen Lage treffen. Das

Vorsichtsprinzip empfiehlt sich.

Wenngleich: Wirtschaft ist zu einem guten Teil, das ist

nicht neu, Psychologie. In Mainz rief Bundeskanzlerin

Angela Merkel auf dem Empfang der Kammern den Gästen

in der Rheingoldhalle bewusst optimistisch zu: „Wir

schaffen das!“

In der Branche der Zahnärzteschaft und der Dentalindustrie

verkündet der nicht minder positiv gestimmte

Markus Heibach, Geschäftsführer des Verbandes der

Deutschen Dental-Industrie: „Die gefühlte Krisenstimmung

anderer Branchen lässt sich nicht unmittelbar auf

die Dentalbranche übertragen.“ Er fährt fort: „Dass dies

‚von der realen Situation bestätigt wird‘ zeigt der neueste

Medizinklima Index im Frühjahr 2009. Dort wurde ‚der

Statuts Quo heute besser beurteilt als vor 6 Monaten.‘ “

Heibach: „Auch wenn weiterhin die Sorge besteht, dass

die Zeiten schlechter werden, sind heute mehr Zahnärzte

mit ihrem Ist-Zustand zufrieden, als vor einem halben

Jahr. Das ist doch eine gute Nachricht!“

Helmut Ahrens


Vor der Bundestagswahl und nach dem Urnengang zur Europawahl wurde der Präsident der Bundeszahnärztekammer,

Dr. Peter Engel, nach den Zielen und Zukunftsaussichten seines Berufes befragt. Engel spricht vom wachsenden

wirtschaftlichen Druck und von der Lage seiner Kollegen im Jahr der weltweiten finanzpolitischen Krise. Man kann

gelassen in die Zukunft schauen, sagt der BZÄK-Präsident. Doch ob es in 15 Jahren noch Private Krankenversicherungen,

GKVen oder KZVen geben wird, dies könne man nicht ohne weiteres prognostizieren.

Die Fragen stellte „zahnärzteblatt“ Chefredakteur Helmut Ahrens.

z sind Sie der Präsident

b: Herr Dr. Engel,

in einem

W a h l j a h r

der Bundeszahnärztekammer

geworden. Ein

ganz außergewöhnliches

Wahljahr: 60 Jahre BundesrepublikDeutschland,

in der sich auch

die Geschichte der Heilberufskammernreflektiert.

Überdies ein Jahr

der wirtschaftlichen und

globalen Krise. Wie sehen

Sie die Hauptprobleme

der Zahnärzte?

Engel: Natürlich ist unser

Hauptproblem das

Gesundheitspolitische System. Wir

erkennen, dass die gewollte Ausrichtung

dieses Systems in die Einheitsmedizin

führen soll und die freie

Bestimmung der Selbstverwaltung

und die Eigenverantwortlichkeit der

Profession in zunehmenden Maße

beschneidet. Was uns dereinst das

Bundesverfassungsgericht als Bewegungsspielraum

und Aufgaben in

den Selbstverwaltungen zugebilligt

hatte, wird Stück für Stück zurückgenommen

und in Staatsaufgaben

verwandelt.

Gelassen nach vorne schauen

BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel im Gespräch

zb: Die Bewegungsspielräume der

Selbstverwaltung werden enger, die

Freiberuflichkeit, so konstatieren Sie,

wird eingeschränkt. Dennoch richtet

sich das Augenmerk in der Öffentlichkeit

natürlich konzentriert auf

die Zustände in den Wirtschaften der

westlichen Länder, ja des gesamten

Weltraums der Finanzen. Wie sieht

die Wirtschaftskraft der Zahnärzte

aus? Was bedeutet deren wirtschaftliche

Potenz? Malt der Präsident der

Bundeszahnärztekammer für den

Beruf eine düstere, eine graue Zu-

zb_gespräch

kunft aus? Oder darf

man gelassen nach

vorne schauen?

Engel: Lassen Sie mich

mit einem deutlichen

Satz beginnen: Ich

weiß heute nicht, ob

es in 15 Jahren noch

Private Krankenversicherungen

geben wird.

Ich vermag auch nicht

sicher zu sein, ob es in

den kommenden eineinhalb

Jahrzehnten

noch GKVen oder aber

KZVen geben wird. Von

einem aber gehe ich

aus. Es wird in 15 Jahren

immer noch Zahnärzte

und deren Patienten geben. So

betrachtet sehe ich verhältnismäßig

sorglos in die Zukunft. Sorglos, aber

nicht kritiklos. Denn wir dürfen uns

schon fragen, wie wird die Werteentwicklung,

wie wird die ethische

Grundausrichtung innerhalb der

Zahnärzteschaft ausfallen, wenn Sie

sich einem zunehmenden Wettbewerbsdruck

ausgesetzt sieht? Eines

von vielen Stichworten, das mir hier

einfällt, ist dasjenige der Discountmedizin.

Mein Vorschlag für die

Zahnärzte lautet deshalb, sie sollen

Foto: Zahnärztekammer Nordrhein

zahnärzteblatt 02 2009

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zb_gespräch

Maastricht

Lissabon

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zahnärzteblatt 02 2009

Fotos: dpa

sich auf ihre ureigenste Aufgabe besinnen und die Politik

dringend auffordern, dass sie nicht die Dinge, die

die Profession selbst lösen kann, in die Hand nimmt,

sondern eben dieser überlässt – und dies aus Kompetenzgründen.

Erreichen wir dies, dann haben wir – so

denke ich – eine stabile Zukunft vor uns.

zb: Die Politik, auch die Gesundheitspolitik, von der Sie

wünschen, sie solle in der Selbstverwaltung ihre Spielräume

behalten, wird von der Bundesregierung in Berlin

gestaltet. Die Bundeszahnärztekammer hat ihren Sitz in

der Stadt an Havel und Spree. Spürt sie etwas vom Bundestagswahlkampf

in Berlin?

Engel: Vielleicht muss es nicht erstaunen, wenn ich erkläre,

dass man in Berlin vom Bundestagswahlkampf

wenig merkt. Gewiss, die politischen Parteien haben

ihre Wahlprogramme verteilt. Doch sind diese weitgehend

in den Schubladen verschwunden, werden nicht

intensiver diskutiert. Denn in diesem Jahr gibt es in

der Politik ganz eigene große Themen, die Berlin beherrschen.

Im Vordergrund steht nun einmal die wirtschafts-

und finanzpolitische globale Krise, die in Berlin,

in Europa und international das Handeln der politischen

Akteure bestimmt.

zb: Die Wirtschaft, die Krise der Finanzen hat ihren ei-

genen europäischen und internationalen Rahmen. In

Deutschland, ja in der gesamten europäischen Union

konnten die Bürger vor wenigen Tagen an die Wahlurne

gehen, um das Parlament, das in Brüssel und Straßburg

tagt, zu wählen. Welche Bedeutung hat die Europäische

Union für den Berufstand der Zahnärzte in

Deutschland?

Engel: Die Verträge von Lissabon und Maastricht legen

eigentlich fest, dass die Gesundheitssysteme innerhalb

der Hoheit der einzelnen Länder verbleiben. Dennoch

beobachten wir, dass etwa durch einzelne Gesetzgebungen

des Europäischen Gerichtshofes, auch die nationalen

Gesundheitssysteme durchaus länderübergreifend

gestaltet und beeinflusst werden. Europa wirkt ganz

konkret in die Gesundheitspolitik der Bundesrepublik

Deutschland hinein, das dürfen wir nicht übersehen. Ob

es der Begriff der Kostenerstattung ist oder es sich um

die länderübergreifende Versorgung der Patienten im


Krankenhaus oder im ambulanten

Bereich handelt, überall kämpfen

die Gesundheitssysteme innerhalb

der EU mit einer Verknappung der

Ressourcen, dies führt u. a. auch zu

einer lebhaften Diskussion über die

zukünftige Gewichtung der Hilfsberufe.

Ein Zuwachs der Regulierungsdichte

durch Europa scheint deshalb

geradezu zwangsläufig zu sein.

Wir Zahnärzte müssen uns dem

berufspolitisch stellen. Vor diesem

Hintergrund bekommt das Brüsseler

Büro der Bundeszahnärztekammer

eine zunehmende Bedeutung.

zb: Wenn von Europa die Rede ist,

dann sprechen Sie immer wieder

vom Einfluss der Union, etwa auf die

Ausbildungsrichtlinie des Berufes.

Engel: In der Tat. Schauen wir auf

die Ausbildung, dann müssen wir erkennen,

dass der Begriff „Bachelor/

Master“ insbesondere durch die Europäische

Union in die Gesundheitssysteme

der Mitgliedsländer hineingetragen

wurde. Unser Standpunkt

ist klar: wir wissen, dass der Begriff

„Bachelor/Master“ für die Heilberufe,

für die Medizin und für die

Zahnmedizin, nicht gelten kann, weil

beispielsweise mit dem Abschluss

eines Bachelors nach drei Jahren

in keinster Weise ermöglicht wird,

einen jungen Zahnarzt zu befähi-

gen, Patienten eigenverantwortlich

zu behandeln. Natürlich existieren

überdies von Seiten der Europäischen

Union Ausbildungsrichtlinien

für den Beruf des Zahnarztes und

des Arztes, die eine 5-jährige Ausbildung

dringend vorschreiben.

Deshalb ist es erstaunlich, dass an

einzelnen Universitäten im medizinischen

und zahnmedizinischen

Bereich trotzdem versucht wird,

den Bachelor/Master zu begründen

und nach vorne zu entwickeln. Dies

nährt den Verdacht, dass wir hier

nicht nur mit einem wissenschaftlichen

Hintergrund konfrontiert werden,

sondern auch eine handfeste

finanzielle Motivation konstatieren

müssen.

zb: Welchen Wandel sehen Sie im

Beruf?

Engel: Es gibt heute mehr Zahnärztinnen

als noch vor Jahren. Wir

erleben neue Praxisformen, Gemeinschaftspraxen,

neue Betriebsformen,

die vom deutschen aber

auch vom europäischen Gesetzgeber

gewünscht sind. Der wirtschaftliche

Druck auf die Zahnärzte, von

dem ich eingangs sprach, zeitigt

neue Formen des Wettbewerbs.

Der Beruf erlebt einen deutlichen

Wandel. Dabei sehe ich die größte

Gefahr in einer professionsfremden

Bestimmung und Regulierung des

Berufsstandes.

zb: Herr Dr. Engel, eine letzte Frage:

Welche Bedeutung hat für Sie die

Wissenschaft für den Heilberuf des

Zahnarztes?

Engel: Die Bundesrepublik Deutschland

ist ein wichtiger Standpunkt für

die Wissenschaft der Zahnmedizin.

Die Bundeszahnärztekammer, in

ihrer Kooperation mit den wissenschaftlichen

Fachgesellschaften und

ihrem ständigen Dialog mit den Universitäten,

fördert die Ziele und Aufgaben

unserer Wissenschaftler im

Land. In unserem Beruf verbinden

sich Wissenschaft und Praxis auf

beispielhafte Weise. Eine geglückte

Symbiose, die dem Patienten nutzt

und unseren Beruf definiert. Das

muss so sein und wird auch in Zukunft

so bleiben.

zb: Herr Dr. Engel, wir bedanken uns

für das Gespräch.

zb_gespräch

zahnärzteblatt 02 2009

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zb_lagz

Zahnmedizinische Prävention mit Nachhaltigkeit

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Unter der Schirmherrschaft von Staatsministerin Malu Dreyer feierte die LAGZ

Rheinland-Pfalz am 27. Mai ihr 25-jähriges Bestehen. Sie sprach von einem „tollen

Projekt unter dem trockenen Namen Gruppenprophylaxe“ und merkte an: „Wir wären

in diesem Lande schon viel weiter, wenn wir uns an diesem Projekt orientieren

würden“. Auch betonte Dreyer, dass die LAGZ schon vor dem gesetzlichen Auftrag

aktiv gewesen war und die Zahlen für sich sprächen: „Ein stolzer Punkt ist der Kariesrückgang

bei den Neunjährigen“. Die Ministerin sicherte auch für die Zukunft

die Förderung der LAGZ durch das Land zu und bedankte sich bei allen Beteiligten:

„Die Kinder profitieren von der Attraktivität dieses Projektes“. Ein besonderer

Dank gilt dem Vorsitzenden, Sanitätsrat Dr. Helmut Stein: „Seine Dynamik und

sein Engagement sind beispielhaft. Er ist das Zugpferd der LAGZ.“

zahnärzteblatt 02 2009


Gründer der LAGZ, Sanitätsrat Dr. Frank

wird mit der Verdienstmedaille für besondere

Verdienste geehrt

Der alternierende Vorsitzende

der Deutschen Arbeitsgemeinschaft

für Jugendzahnpflege

(DAJ) und Vizepräsident der

Bundeszahnärztekammer, Dr. Dietmar

Oesterreich, sieht gerade in der

Verbesserung der Mundgesundheit

ein wesentliches Stück der Chancengleichheit

auch im allgemeinen

präventiven Bereich. Beeindruckt

zeigte er sich vom Engagement des

zuständigen Ministeriums in Rheinland-Pfalz:

„Es sei beispielhaft, dass

sich ein Ministerium im Bereich der

zahnmedizinischen Prävention so engagiert.“

Dr. Michael Rumpf, Präsident der

Landeszahnärztekammer Rheinland-

Pfalz, sprach in seinem Grußwort davon,

dass „der gemeinsame Einsatz

aller Beteiligten keineswegs selbstverständlich

sei.“ „Die Kooperation ist

beispielhaft und die Kinder erhalten

ein Geschenk in Form von Zahngesundheit,

auch weil die Kinder unsere

Zukunft sind.“

Prof. Willershausen stellte die Forderung auf, dass „die Ärzte die Zahnärzte mehr wahrnehmen

müssen“, und dass gerade im Zusammenhang mit einem Herzinfarkt und

auch der diesbezüglichen Prävention, die „zahnärztliche Untersuchung von besonderer

Wichtigkeit sei“

Walter Bockemühl sprach als stellvertretender

LAGZ-Vorsitzender für die

Gesetzliche Krankenversicherung. Er

zollte den damals Beteiligten Respekt

und Anerkennung. „Viel Herzblut wurde

und wird in die Arbeit gelegt. Diese

war Vorbild für den Paragraphen 21

SGB V.“ „Die Krankenkassen stehen

fest zu dem Konzept der LAGZ und

stellen das Geld von 2,1 Millionen

Euro ohne Murren bereit.“

Dass die LAGZ Rheinland-Pfalz bewegt,

konnte und kann man sehen.

Weit über 200 Gäste aus nah und

fern fanden den Weg ins Kurfürstliche

Schloss zu Mainz und auch die LAGZ

musste sich bewegen. Unter tatkräftiger

Unterstützung der Schlossverwaltung

konnten die Räumlichkeiten

in besagt letzter Minute noch gewechselt

werden, damit keiner der

Gäste vor den Türen verharren musste.

Bewegung war auch im Saal angesagt.

Mausini führte erfrischend,

gekonnt und manchmal auch überraschend

durch das Programm. Um

die etwas harte Bestuhlung besser

ertragen zu können und auch als Prävention

vor eventuellen (kiefer-) orthopädischen

Leiden, war Bewegung

angesagt. Leichte Massageübungen

bei dem jeweiligen Nachbarn oder

der Nachbarin, unter der fachmännischen

Leitung von Mausini, galt es

zu trainieren. Dabei kam es durchaus

zu interessanten Konstellationen.

Der Präsident der Landeszahnärztekammer,

Dr. Michael Rumpf, durfte

Herrn Walter Bockemühl „massieren“

und dieser wiederum... Ein Bild,

nicht nur für die Götter, zeigt es doch,

was alles im Rahmen der zahnmedizinischen

Prävention in Rheinland-

Pfalz möglich ist. Apropos Bewegung:

Die Konzepte der LAGZ- Rheinland-

Pfalz haben eine Massenbewegung

ausgelöst. So wurden in den letzten

10 Jahren 305 765 Erstklässler untersucht

und fast eine Million Kinder

aus den zweiten bis vierten Klassen

waren im so genannten Verweisungssystem.

Beeindruckende Zahlen! Wie

kam es dazu?

zahnärzteblatt 02 2009

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zb_lagz

Um die etwas harte Bestuhlung besser ertragen zu können, und auch als Prävention vor eventuellen (kiefer-) orthopädischen Leiden, war Bewegung angesagt

Schon 1982 galt es, die zahnmedizinische

Prävention für die Kindergärten

zu koordinieren, um überhaupt

einen Zugang zu den Einrichtungen

zu erlangen. Auf freiwilliger Basis

und unter Einbeziehung der Zahnärzte,

Krankenkassen und des Gesundheitsamtes

wurde die erste

rheinland-pfälzische Arbeitsgemeinschaft

Jugendzahnpflege in Pirmasens-Zweibrücken

gegründet. Grundlage

war ein fachliches Konzept zur

Umsetzung von Jugendzahnpflegemaßnahmen

im Modellkindergarten

Rodalben. Wissenschaftlich wurde

dieses Projekt von Professor Dr. Dr.

Werner Ketterl begleitet und 1985

auch publiziert. Der Rückgang der

Karies bei den Sechsjährigen betrug

damals in einem Zeitraum von drei

Jahren 40 Prozent und im Gesamtmodell

Kindergarten war der Rückgang

ebenfalls 40 Prozent. Nach 10 Jahren

erfolgte im Rahmen einer Promotion

eine erneute Untersuchung der gleichen

Kinder und Prof. Ketterl schrieb

in seiner Bewertung: „Es zeigt sich,

dass der Lern- und Erziehungspro-

26

zahnärzteblatt 02 2009

zess in Kindergärten und Schulen bei

diesen Kindern gegriffen hat.“ Hieran

können Sie, verehrte Leserinnen und

Leser erkennen, dass alle Projekte

der LAGZ auf Nachhaltigkeit angelegt

waren oder sind, weit bevor dieses

Wort zum Modewort wurde.

Einer, der sich schon früh für das

Rodalben/Pirmasenser Geschehen

interessierte, war Sanitätsrat Dr. Herbert

Frank. Der damalige Präsident

der Landeszahnärztekammer hatte

die Verbindungen zu den Vertragspartnern,

zur Landesregierung und

Anderen genutzt, dass unter seiner

Ägide im Jahre 1984 die LAGZ, ebenfalls

auf freiwilliger Basis, gegründet

wurde. Er war ihr erster Vorsitzender

und blieb es mit vielen Verdiensten

bis 1997. Für sein außerordentliches

Engagement um die zahnmedizinische

Prävention verlieh ihm die

LAGZ Rheinland-Pfalz im Rahmen der

25 Jahr Feier die Verdienstmedaille

für besondere Verdienste um die

zahnmedizinische Prävention. Stein

würdigte den Geehrten als einen, der

„die Prävention gegen manche Widerstände

im Berufstand offen vertreten

hat“. Frank, der der erste Träger

dieser Auszeichnung ist, betonte

wiederum, dass „Helmut Stein der

Motor der LAGZ sei. Ohne Stein wäre

die Effizienz nicht gegeben.“

Seit nun mehr als 15 Jahren gibt es

23 Arbeitsgemeinschaften in Rheinland-Pfalz,

die jetzt AGZ im Singular

wie im Plural heißen, um weiteren

Verwechslungen mit der ARGE vorzubeugen,

damit die Hartz IV Anträge

auch gleich beim richtigen Adressaten

abgegeben werden. Inhaltlich

wurde das Ursprungskonzept

weiter auf- und ausgebaut. Neben

der Betreuung der Kindergärten und

Kindertagesstätten, der Grund- und

Förderschulen L sollen zwei Projekte

hier besonders erwähnt werden. Zum

einen das Aktivprogramm Zahnvorsorge

und zum anderen das Projekt

„Gesunde Zähne von Anfang an“.

Im Aktivprogramm werden Grundund

Förderschulen L aufgrund des


Untersuchungsergebnisses der ersten

Klassen ausgewählt. Zugleich können

sich aber auch Schulen bewerben.

Da in den ausgewählten Schulen ein

Großteil der Kinder zu finden ist, die

vermehrt Karies aufweisen und es

damit zu einer Polarisierung der Karies

gekommen ist, dass nämlich in

manchen Jahrgängen 20 Prozent der

Kinder bis zu 80 Prozent der Karies

haben, hat die LAGZ die Frequenz

der Besuche pro Klasse erhöht und

zudem die Untersuchung in jeder

dieser Klassen zu Schuljahresanfang

und -ende eingeführt. Die zweimalige

lokale Fluoridierung in der Schule soll

diesen Kindern und Jugendlichen als

wichtige Säule der Prophylaxe zugute

kommen. Ein Programm, das der

Staatsministerin Dreyer besonders

am Herzen liegt. Und in der Schule

sagen die Lehrkräfte: „ Wenn der

Zahnarzt da ist, dann ist er der meist

gesehene Lehrer.“ Beachtlich!

„Jedes Kind soll die Chance auf naturgesunde,

kariesfreie Zähne haben“,

so der LAGZ- Vorsitzende Stein.

Deshalb gilt der erste Ansatz dem

frühkindlichen Alter mit dem Projekt

„Gesunde Zähne von Anfang an“. Im

Rahmen dieses Modellprojektes werden

Krabbelgruppen, so genannte

Miniclubs oder aber auch Baby-Kind

Messen besucht. Anschauliche Hilfsmittel

unterstützen die Arbeit zu den

Themenkomplexen Trinkgewohnheiten,

Getränke, Mundhygiene, Fluoridierung

und Schnuller.

Wissenschaftlich werden beide Projekte

von Professor Dr. Brita Willershausen

betreut. Apropos Getränke:

Im Rahmen des Festvortrages „Die

Bedeutung der zahnmedizinischen

Prävention für die allgemeine Ge-

sundheit“ sprach Willershausen auch

über die dentalen Erosionen. Bei den

meisten Softgetränken liegt der pH-

Wert deutlich unter drei, ein Wert, bei

dem Schmelz (pH 5,5) und Dentin (pH

6,3-6,5) deutlich geschädigt werden

können. Auch Apfelsaftgetränke, mit

einem Wert von knapp über pH 3,

zeigen unterschiedliche Wirkungen

an Milchzähnen und dentes permanentes.

So werden durch diese Getränke

bei den Milchzähnen mehr

Ca-Ionen freigesetzt. Des Weiteren

betonte Willershausen die Bedeutung

der entzündlichen Infektionen in der

Mundhöhle und den damit verbundenen

Einfluss auf den Gesundheitszustand

eines Menschen. Sie stellte

die Forderung auf, dass „die Ärzte die

Zahnärzte mehr wahrnehmen müssen“,

und dass gerade im Zusammenhang

mit einem Herzinfarkt und auch

der diesbezüglichen Prävention, die

„zahnärztliche Untersuchung von besonderer

Wichtigkeit sei“.

Vieles hat die LAGZ in den letzten

Jahren erreicht oder auf den Weg gebracht.

„Kaum ein weiteres Gebiet

in der Medizin (leider, muss man sagen)

kann auf solche Erfolge in der

Prävention verweisen. Sie rühren mit

Sicherheit nicht auf einer Säule allein,

sondern auf dem Synergieeffekt von

Gruppen- und Individualprophylaxe,

die man Gott sei Dank in Deutschland

parallel angelegt hat. Deutschland hat

in der Zahnmedizin den Wandel hin

zur Prävention geschafft. Wir sind nun

auch auf diesem Gebiet, international

gesehen, ganz vorne mit dabei“, so

Stein. Dazu hat die LAGZ Rheinland-

Pfalz, als echte konzertierte Aktion

im Gesundheitswesen, beigetragen.

Herzlichen Glückwunsch!

Dr. Peter Matovinovic

Mausini führte erfrischend, gekonnt und manchmal

auch überraschend durch das Programm

Die Ministerin sicherte auch für die Zukunft die

Förderung der LAGZ durch das Land zu

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Fotos: Benz


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zahnärzteblatt 02 2009

Gewalt an Kindern und Frauen

Warum der Zahnarzt nicht schweigen sollte


Foto: dpa

Dipl. Stomatologe Gerald Flemming, Vorstandsreferent

für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der

Zahnärztekammer Mecklenburg-Vorpommern

(seine Praxis betreibt er in Schwerin), lässt in

einem großen Hotelsaal in der Hanse- und Ostseestadt

Rostock, Bilder von misshandelten Patienten,

Kindern, Frauen, alten Menschen, an

die Wand werfen. Seine Zuschauer und Zuhörer:

Zahnärzte, Journalisten, Standespolitiker.

Fachleute aus ganz Deutschland

hören zu, wie Flemming

davon spricht, dass sich viel

zu wenige Zahnärzte ausreichend

mit körperlichen Merkmalen auseinander

setzen, die, so der Referent,

belegen, dass ein Patient falsch

ernährt, geschlagen, körperlich gequält

oder misshandelt wurde.

Flemming in Rostock: „Die Polizei

und die Staatsanwaltschaft brauchen

unsere Hinweise. Verbrechen

können nur aufgedeckt, Misshandlungen

nur gestoppt werden, wenn

wir sie melden.“

Der Zahnarzt aus Schwerin weiß um

die rechtlichen Fragen. Die Schweigepflicht

des Mediziners ist zweifach

normativ verankert, berufsrechtlich

und strafrechtlich. Die Heilberufsgesetze

der Länder, die Berufsordnung

der Zahnärztekammern, zuletzt

auch der § 203 StGB machen es dem

Zahnarzt oder dem Arzt nicht leicht,

ein, wie es so schön heißt „zum persönlichen

Lebensreich gehörendes

fremdes Geheimnis“, welches ihm

anvertraut wurde, Unbefugten zu

offenbaren. Das Gesetz spricht von

Freiheitsstrafe, von Geldstrafe. Die

Schweigepflicht, so scheint es, ist

umfassend, denn grundsätzlich

darf ein Zahnarzt oder ein Arzt seine

professionelle Diskretion nur nach

einer ausdrücklichen Entbindung

durch den Patienten brechen.

Was aber, wenn eine Patientin über

die Ursachen einer Verletzung am

Kiefer falsche Angaben macht, um

einen gewalttätigen Mann zu schützen?

Was, wenn die Eltern eines Kindes

Verletzungen ihres Buben oder

ihres Mädchens verschleiern? Wie

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geht ein Zahnarzt mit solchen Verschleierungen

um?

Wer mit dem Bundeskriminalamt in

Wiesbaden und dem Landeskriminalamt

in Mainz spricht, lernt: Es

kann berufsrechtlich gerechtfertigt

sein, die Schweigepflicht zu brechen.

Immer dann nämlich, wenn

es zum Schutz eines höherwertigen

Rechtsgutes notwendig ist.

In der Fachtagung „Gewalt gegen

Frauen“ informiert ein Anwalt: „Ausdrücklich

spricht das Strafrecht vom

Tatbestand der rechtfertigenden

Nothilfe und zwar im § 34 StGB. Niemand

handelt rechtswidrig, wenn

einer gegenwärtigen, nicht anders

abwendbaren Gefahr für Leib oder

Leben begegnet wird, um die Gefahr

von einem anderen abzuwenden.“

Kurz: Ist Gefahr im Verzug, spricht

nicht wenig dafür, die Schweigepflicht

sofort zu brechen, um die Polizei

oder die Staatsanwaltschaft zu

informieren.

Die Kriminalstatistiker wissen, allein

in Deutschland werden jährlich

je einhunderttausend Einwohnern

vier bis zehn Kinder misshandelt.

Mehrere hundert von ihnen erleiden

dabei vehemente quälende Verletzungen,

an denen sie letzten Endes

sterben. Kriminologen vermuten,

die Dunkelziffer sei noch viel höher.

Die Journalistin Martina Lenzen-

Schulte, die das Thema Kindesmisshandlung

für die Frankfurter Allgemeine

Zeitung recherchierte und

ihrer Arbeit den vielsagenden Titel

„Ein Schweigekartell der Grausamkeiten?“

gab, schreibt: „Erstaunlich

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zb_gesellschaft

ist vor allem, wie wenig offenbar unternommen

wird, die Verdachtsfälle

genauer zu ergründen.“

Auch der Vorstand der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz hat

sich intensiv mit diesem „Schweigekartell“

auseinandergesetzt und

fordert den eigenen Berufsstand

der Zahnärzte auf, die Mauer des

Schweigens zu durchbrechen und immer

dann die Polizei einzuschalten,

wenn ein Missbrauch,

eine

Misshandlung

sichtbar wird.

LZK-Präsident

Dr. Michael

Rumpf: „Ob

Gewalt gegen

Frauen oder

gegen Kinder,

wir Zahnärzte

müssen lernen

zu erkennen,

welche Verletzung

auf welche

Tat zurückzuführen

ist.“

Das ist nicht einfach. Der Frankfurter

Kinderarzt Gert Jacobi, der in seinem

vor kurzem erschienenen Buch „Kindesmisshandlung

und Vernachlässigung“

furchtbare Fälle schildert, will

mit seiner Arbeit aufrütteln: Eltern,

Behörden, nicht zuletzt Ärzte und

Zahnärzte. Er selbst hat 234 misshandelte

Kinder drei Jahrzehnte lang

als Kinderneurologe an der Universitätsklinik

Frankfurt behandelt und

begutachtet. Sein Fazit: Kinder werden

nicht nur mit Schlägen gequält,

verbrüht, aus großer Höhe gestürzt,

Kinder verhungern, verdursten. Ja,

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zahnärzteblatt 02 2009

es gibt so genannte „spurenarme“

Tötungsdelikte. Hier wird der Herzschlag

manipuliert durch Schütteln

der kleinen Person. Manche Kinder

werden auch einfach erstickt.

Viele der gewaltbereiten Eltern misshandeln

immer wieder. Ein Polizist:

„Gerade deshalb muss dieser Kreislauf

durchbrochen werden. Das ist

nicht einfach, ich weiß es. Bei der

Gewalt gegen Frauen gehen nicht sel-

ten die Ehemänner mit zum Arzt, sitzen

im Wartezimmer und bewachen

die Frau, damit sie ja nichts Falsches

sagt; wollen auch bei der Behandlung

mit dabei sein. Kinder werden

ohnedies von den Eltern begleitet.“

Gerald Flemming, der Zahnarzt aus

Schwerin, weiß: „Da trägt ein Kind

im Hochsommer einen Pullover und

eine Mütze, weil die Eltern nicht wollen,

dass man sieht, dass das Kind

mangelernährt wird.“

Der Vorsitzende der Bezirkszahnärztekammer

Pfalz, Dr. Wilfried

Woop, betont, wie wichtig es ist,

dass sich ein Zahnarzt oder ein Arzt,

wenn der Verdacht auf Missbrauch

erhärtet werden kann, mit der Polizei

bespricht: „Viele Kollegen werden

sich mit diesem Thema vorher

nicht eingehend beschäftigt haben.

In meinem Fall aber gibt es einen

ganz direkten Bezug. Meine Schwester

arbeitet bei der Kriminalpolizei

und berichtet mir immer wieder von

furchtbaren Zuständen, auch in unserem

eigenen

Umfeld. Meine

Schwester

sagt, dass sie

von uns Zahnärzten

viel zu

wenige Hinweise

bekommt.

Wir müssen

sicherlich lernen,

genauer

hinzuschauen,

denn hier

wirkt ein Vers

c h w e i g e n

nur verschlimmernd.“

FAZ-Journalistin Lenzen-Schulte

glaubt, dass Zahnärzte und Ärzte

den Entschuldigungen mancher Eltern,

wenn sie verletzte Kinder in

eine Praxis bringen, mit einer gesunden

Portion Missbrauchen begegnen

sollten. Sie mahnt: „Wenn

ein Kind angeblich wegen eines

beim Schlittenfahren gebrochenen

Unterschenkels eingeliefert wird,

die Wetterverhältnisse zur Unfallzeit

indes zehn Grad über null lagen,

ist jede Gutgläubigkeit fehl

am Platze. Wenn sich deutliche

blaue Flecken an den Innenseiten

der Oberschenkel befinden, ist die


Erklärung, das Kind sei beim Spielen

unglücklich gestürzt, bereits für

den Laien fadenscheinig. So kann

man nicht fallen, dass sich an diesen

Stellen Blutergüsse bilden.“

Eine Studie aus Leipzig dokumentiert.

In immerhin zweidrittel aller

Fälle sind es Ärzte, die den ersten

Verdacht auf Kindesmisshandlung

formulieren. Deshalb fordern sogar

vorsichtige Rechtsmediziner: Die

Kooperation zwischen Polizei und

Medizin macht beim Thema Gewalt

gegen Frauen oder gegen Kinder

wirklich Sinn!

Philipp von Wrangell, Fachanwalt

für Familienrecht, empfiehlt einem

behandelten Arzt oder Zahnarzt, er

solle sich von einem Rechtsanwalt

Misshandlungsmerkmale

Petechien in der Lidhaut

Stockschlag Unterarm

durchaus beraten lassen, falls er

unsicher ist, ob sein Handeln gerechtfertigt

bleibt. Auch er sagt,

zuerst müsse man daran denken,

einen Patienten vor weiterem

Schaden zu schützen. Von Wrangell:

„Wichtig ist, dass der Arzt

oder der Zahnarzt die Verletzungen

sehr ausführlich dokumentiert.“

Von Wrangell empfiehlt einen Dokumentationsbogen,

spricht von

Fotografien und der Hinzuziehung

eines zweiten Zeugen: „Ein Kollege

oder medizinisches Hilfspersonal.“

Denn: „Die gute Erfassung

der Verletzungen ist im Rahmen

eines Zivil- oder Strafprozesses gegen

den Täter im Zweifelsfall von

entscheidender Bedeutung für die

Verurteilung.“

Nicht frisches Brillenhämatom

zb_gesellschaft

Die Beweislast nämlich trifft immer

die Opfer. Für den Täter gilt vor dem

Strafgericht nun einmal die Unschuldsvermutung.

Rumpf: „Wir wissen, wer von der Kooperation

zwischen Zahnärzten und

der Polizei spricht, wer sich mit dem

Thema Gewalt gegen Frauen oder

Kinder beschäftigt, bewegt sich auf

schwierigem Terrain. Zum Schluss

muss gelten: Letztlich sind wir für

den Patienten da.“

Helmut Ahrens

Fotos: Dr. Bockholdt

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zb_reportage

Eine Aussage, die im Gesundheitsministerium

noch am

selben Tag Kritik hervorrief,

bei den Delegierten jedoch mit Beifall

bedacht wurde.

Man dürfe, so Hoppe in Mainz,

die Priorisierung medizinischer

Leistungen nicht ad acta legen,

wenn künftig nicht ausreichend fi -

nanzielle Mittel in die Versorgung

der Patienten investiert werde. Der

Ärztekammerpräsident: „Im Prinzip

bedeutet Priorisierung, dass ärztliches

Handeln in Diagnostik und

Therapie im Rahmen der zur Verfügung

stehenden Leistungsmöglich-

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Mangelversorgung Realität

112. Deutscher Ärztetag in Mainz

Der 112. Deutsche Ärztetag tagte vom 19. bis 21. Mai in Mainz. Der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-

Dietrich Hoppe, sagte anlässlich der Eröffnung: „Wir Ärztinnen und Ärzte in Deutschland wollen keine Rationierung,

keine Streichung von medizinischen Leistungen, aber wir wollen auch nicht weiter für den staatlich verordneten

Mangel in den Praxen und den Kliniken verantwortlich gemacht werden“. Hoppe bekräftigte: „Mangelversorgung ist

in Deutschland leider Realität. Nun müssen wir es endlich schaffen, dass sich Politik und Gesellschaft mit diesem

Thema auch ernsthaft auseinandersetzen.“

keiten eine Auswahl trifft, welche

Therapiemöglichkeiten für welche

Patienten in Zukunft zur Verfügung

stehen und worauf unter Umständen

verzichtet werden muss.“

Interessant für die Zahnärzte: Der

Ärztetag forderte ergebnisoffene

Tests für die Elektronische Gesundheitskarte.

Der Telematikbeauftragte

der Bundesärztekammer, Dr. Franz-

Joseph Bartmann, kommentierte:

„Der Deutsche Ärztetag hat sich für

die Fortführung einer konstruktiv-kritischen

Arbeit an der elektronischen

Gesundheitskarte ausgesprochen.

Unser Ziel bleibt es, die von Deut-

schen Ärztetagen gestellten Forderungen

der elektronischen Gesundheitskarte

weiter zu konkretisieren

und gegenüber der Gematik mit

Nachdruck zu vertreten.“

Die Ärzte in Mainz zeigten sich nicht

davon überzeugt, dass das derzeitige

Konzept für die Elektronische

Gesundheitskarte zukunftsfähig sei.

Dennoch soll auf Basis der Konzeption

der Test weitergeführt werden.

Hauptthema jedoch blieb die Mittelknappheit.

Energisch sprachen sich

die Delegierten gegen ein gesondertes

Patientenrechtsgesetz aus,


denn die individuellen Patientenrechte

seien im Behandlungsvertrag

ausreichend gesichert. Kein neues

Gesetz müsse geschaffen werden,

vielmehr gelte es, die Patientenrechte

in der Gesundheits- und Sozialgesetzgebung

zu sichern. Nicht

die Ärzteschaft gefährde die Rechte

der Patienten, sondern die vorherrschende

staatliche Gesundheitspolitik,

insbesondere jene für die

Gesetzliche Krankenversicherung.

Die Delegierten in einem Beschluss:

„Rationierung gefährdet Patientenrechte.

Rationierung als implizites

Vorenthalten von Versorgungsnotwendigkeiten

und -chancen ist aber

inzwischen Teil der Versorgungswirklichkeit;

dies muss die Politik

transparent machen.“

Gefordert wurde überdies ein umfassender

Zugang zum medizinischen

Fortschritt, der wegen der

forcierten Wettbewerbsorientierung,

die mit einer Risikoauslese einherginge,

unmöglich sei. Es könne,

so die Delegierten, nach zwei Jahrzehnten

Kostendämpfungspolitik,

der Anspruch der Patienten auf eine

qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung

nicht mehr gewährleistet

werden.

Prof. Dr. Christoph Fuchs, der

Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer,

warf der Bundesgesundheitsministerin

Ulla Schmidt

vor, ihre Politik gefährde die Freiberuflichkeit

der Ärzte. Fuchs: „Ihre

Ideologie ist geprägt von der Vorstellung,

nur der angestellte und

weisungsabhängige Arzt ist ein

guter Arzt“.

Helmut Ahrens

zb_reportage

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Fotos: dpa


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zb_hildegard-von-bingen

Hildegard-von-Bingen-Preis

an Necla Kelek

Einladung zur Verleihung in Mainz

Der Hildegard-von-Bingen-

Preis für Publizistik wird in

diesem Jahr, am 12. September

2009 um 16.00 Uhr, in den

Räumen des Erbacher Hofes, der

Akademie der Katholischen Kirche in

Mainz, an die Journalistin und Buchautorin

Necla Kelek vergeben.

Das Kuratorium ehrt eine Kollegin,

die in ihren Kommentaren und Analysen,

Zeitungsbeiträgen und Büchern

engagiert, einsatzfroh und eindringlich

vom Wert der Menschenrechte

in der pluralistischen Gesellschaft

Deutschlands berichtet und insbe-

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zahnärzteblatt 02 2009

sondere die Lebenswelt türkischstämmiger

Ehefrauen, Mütter und

Töchter beschreibt, die nicht selten

in der geschlossenen Welt eines

althergebrachten Islam existieren.

Necla Kelek, freie Autorin und Publizistin,

promovierte Sozialwissenschaftlerin

und Frauenrechtlerin, war

Lehrbeauftragte für Migrationssoziologie

in Hamburg und in Greifswald.

Überdies lehrte sie in der Erwachsenenbildung

Staats- und Sozialrecht.

Heute lebt die Journalistin in Berlin.

Necla Kelek beleuchtete die kulturpolitische

Wirkung des Islam und seine

gesellschaftliche Bedeutung in vielen

Büchern. Sie schreibt Reportagen aus

dem Inneren der Türkei und stellt sich

der öffentlichen Debatte. Diskussionserprobt

mischt sich die Publizistin

Kelek in die politische Auseinandersetzung.

Eine Journalistin ohne Angst

vor Kontroversen. Ihr neuestes Buch

heißt „Bittersüße Heimat. Bericht aus

dem Inneren der Türkei“.

Zu den Kuratoriumsmitgliedern gehören

die ehemaligen Preisträger: Die

Interviewerin und Fernsehmoderatorin

Sandra Maischberger, die Leiterin

der nach ihr benannten Gesprächsrunde

des ZDF, Maybrit Illner, die ehemalige

Russlandkorrespondentin der

ARD, Dr. Gabriele Krone-Schmalz, der

Focus-Chefredakteur Helmut Markwort,

der ehemalige Leiter der Bonner

Wirtschaftsredaktion der FAZ, Walter

Kannengießer, der Biograph, Buchautor

und ehemalige Herausgeber

der FAZ, Prof. Dr. Joachim Fest (†), der

Sachbuchautor und Fernsehreporter,

Prof. Dr. Peter Scholl-Latour, der Publizist

Johannes Gross (†), der Musik-,

Literatur- und Theaterkritiker der Süddeutschen

Zeitung, Prof. Dr. Joachim

Kaiser, der Entertainer, Schauspieler

und Publizist, Harald Schmidt, der

Moderator und Redaktionsleiter des

Heute-Journals (ZDF), Dr. Claus Kleber,

der Theaterkritiker der FAZ, Prof.

Dr. Gerhard Stadelmaier, der Chefredakteur

der Wochenzeitung „Die Zeit“

und Mitherausgeber des Berliner

Blattes „Der Tagesspiegel“, Giovanni

di Lorenzo und der Spiegelautor, Kolumnist,

Internetjournalist und Satiriker

Henryk M. Broder.


Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz

Langenbeckstraße 2

55131 Mainz

Fax: 00 61 61 31/9 61 36 36 89

Anmeldeformular

zb_hildegard-von-bingen

Ja, ich komme gerne zur Verleihung des Hildegard-von-Bingen-Preises 2009 an

Necla Kelek

am 12. September 2009, 16.00 Uhr (Erbacher Hof, Grebenstraße 22-24, 55118 Mainz)

Ich nehme teil.

Ich bringe ....... Personen mit.

Name __________________________________________________________________

Anschrift __________________________________________________________________

Unterschrift __________________________________________________________________

Stempel __________________________________________________________________

Rückmeldungen bitte bis 1. September an die Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz

Fotos: dpa

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„Wie viel Staat muss sein, wie viel Staat darf sein?“

Er gehört zu den bedeutendsten gesellschaftspolitischen Veranstaltungen der Heilberufe in Deutschland: Der Pfälzische

Zahnärztetag. Es ist die Verbindung von professioneller Wissenschaft, Standespolitik und, allem voran, öffentlichem Vortrag,

zusammengeführt an einem geschichtsträchtigen Ort, der diese Tagung auf ungewöhnliche Weise prägt.

Heuer war es der Festvortrag

von Prof. Dr. Michael Stürmer,

Historiker, Chefkorrespondent

und Publizist für „Die Welt“ und

„Die Welt am Sonntag“, der mit seinen

Überlegungen zum Thema „Wie

viel Staat muss sein, wie viel Staat

darf sein?“ die Tagung bewegte.

Der historische Ort: Das Hambacher

Schloss.

Dr. Wilfried Woop, der Vorsitzende

der BZK Pfalz, begrüßte 260 Ta-

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zahnärzteblatt 02 2009

gungsteilnehmer und Gäste und bereitete

auf ein Programm vor, dass

das unausweichliche Spannungsfeld

zwischen der notwendigen Gestaltungskompetenz

des Staates

und dem nicht minder notwendigen

Freiheitsanspruch des Bürgers oder

aber Mediziners thematisch vertiefte.

Wenn Stürmer nicht ohne Vehemenz

erklärte, dass die Balance

zwischen staatlicher Einflussnahme

und freiheitlicher Bürgerlichkeit,

gelinde gesagt, ins Wanken

geraten sei, so war der standespo-

litische Vortrag von Sanitätsrat Dr.

Helmut Stein, dem Vorsitzenden

der KZV Rheinland-Pfalz, durchaus

als thematische Erweiterung, ganz

aus Sicht des Zahmnediziners, zu

verstehen. Der Titel seines Vortags:

„Patient und Zahnarzt — zwischen

Freiheit und Dirigismus“.

Beide, Woop und Stein, hatten die Kollegen

anlässlich des Pfälzischen Zahnärztetages

2009 schon im Vorhinein

schriftlich auf den Zusammenklang

zwischen Wissenschaft, politischer


Stürmer: Festvortrag

Diskussion und Standespolitik hingewiesen.

Sie schrieben: „Wissenschaftliche

Fortbildung, standespolitischer

Focus und der Blick über den eigenen

beruflichen Horizont hinaus – diese

Trias kennzeichnet den Pfälzischen

Zahnärztetag seit nunmehr zwanzig

Jahren und trägt zu seiner Unverwechselbarkeit

ebenso bei, wie die einzigartige

Atmosphäre, hier, an der Wiege

der Deutschen Demokratie.“

Auch der wissenschaftliche Vortrag

widmete sich im übertragenen Sinn

dem menschlichen Spannungsfeld

zwischen äußerer Freiheit und innerer

Begrenztheit. Prof. Dr. Stephan

Doering aus Münster sprach in „Psychosomatik

in der Zahnheilkunde“

von Haltungen, vom Bewusstsein

und entsprechenden Handlungsräumen,

die der Zahnmedizin offen

stehen. Döring erklärte, dass jeder

zehnte Patient in den Praxen psychosomatische

Auffälligkeiten zeigt.

Wie geht der Behandler mit diesen

Patienten und deren Auffälligkeiten

um, wie kann eine weitergehende

Therapie aussehen und wie führt der

Zahnarzt seine Patienten solch einer

Therapie zu? Ein wichtiger Beitrag.

Dass ein freier Beruf, wie der der

Zahnärzte, auf dem Hambacher

Schloss tagt, jenem Ort, der verbunden

ist mit dem Streben nach

Demokratie, hat Aussagekraft. Am

27. Mai 1832 organisierte der „Deutsche

Preß- und Vaterlandsverein“

und dessen Vorsitzender, der pfälzische

Rechtsanwalt und Abgeordnete

Friedrich Schüler, ein „Volks-

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Stürmer, Christiansen: Buchpräsentation (oben)

Woop: Gruß an 260 Teilnehmer

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Der historische Ort: Hambacher Schloss Stein: Freiheit und Dirigismus

Doering: Psychosomatik in der

Zahnheilkunde

fest“ im damaligen Neustadt an

der Haardt. Hambach, damals noch

ein selbständiges Dorf, mit seinem

Schlossberg, war der Treffpunkt für

30 000 Menschen aus allen Bevölkerungsschichten

und vielen Nationen.

Die Bundesrepublik Deutschland,

das Land Rheinland-Pfalz,

pflegen die Geschichtstradition des

Ortes. Wenn jetzt die pfälzischen

Zahnärzte Michael Stürmer aufs

Hambacher Schloss holten, um mit

ihm zusammen über die Aufgaben

des Staates zu reflektieren, ist dies

Teil dieser Tradition.

Stürmer war in den 80er Jahren politscher

Berater von Bundeskanzler

Helmut Kohl und maßgeblich beteiligt

am so genannten Historikerstreit,

der sich — nicht zuletzt — mit der Frage

beschäftigte, ob es zulässig sei,

das Dritte Reich auch als Deutscher

mit dem Blick des distanzierten Historikers

zu betrachten. Der Wissenschaftler

arbeitete später als Direktor

des Forschungsinstituts für internati-

40

zahnärzteblatt 02 2009

onale Politik und Sicherheit in Bayern

und ist seit dem September 1989

Chefkorrespondent der Zeitung „Die

Welt“. In Hambach schilderte er, wie

aus seiner Sicht der Staat seit Beginn

des Ersten Weltkrieges seine Machtsphäre,

seinen Einfluss vergrößerte,

um bald den gesamten Alltag zu umgreifen.

Doch Stürmer sprach auch über

die Krise, die in ihrem Ausmaß

noch nicht erkannt sei und beklagte

schließlich, dass diese Republik

geflohen wird, insbesondere von

den gut ausgebildeten jungen Menschen.

Es sind 150 000 Hochqualifizierte,

so Stürmer, die Jahr um Jahr

das Land verlassen. Der Wissenschaftler

spricht von einer „Republikflucht

der Elite“.

Stürmer, der Autor vieler Artikel, der

Referent unzähliger Vorträge, schrieb

im Jahr 2002 ein Standardwerk über

unsere Geschichte, „Das Jahrhundert

der Deutschen“, und beschäftigte

sich mit den Fragen von Gleichgewicht

und Macht schon 1990 in der Arbeit

„Die Grenzen der Macht. Begegnung

der Deutschen mit der Geschichte“

und 11 Jahre später in „Die Kunst des

Gleichgewichts“. Sein neuestes Buch

„Welt ohne Weltordnung. Wer wird

die Erde erben?“ (auf unserem Bild

sehen wir den Titel, wie Stürmer ihn

zusammen mit der Fernsehmoderatorin

Sabine Christiansen präsentiert)

warnte ahnungsvoll vor den Folgen

eines zügellosen weltweiten Handels,

der mit dem Stichwort Globalisierung

nur ungenau umschrieben ist.

Die Zahnärzte auf dem Hambacher

Schloss wurden schon am Morgen

von einem Fanfarenzug mit einem

„Weckruf“ musikalisch begrüßt.

Dentalfirmen präsentierten in der

Pause ihre Produkte. Zum Schluss

konnte sich Wilfried Woop über einen

reichen, gelungenen Tag freuen

und alle einladen zum „Pfalztreff“.

Ein runder Tag.

Helmut Ahrens


Unter dem Credo:

Rheinhessischer Zahnärztetag 2009

im Schloss Waldthausen

Bereits zum vierten Mal fand der Rheinhessische

Zahnärztetag im Schloss Waldthausen statt und

stand unter dem Thema „Gesichtsschmerz – aus

zahnärztlicher Sicht“.

So waren es über 300 Teilnehmer, die sich im Schloss

Waldthausen intensiv mit diesem Thema auseinandersetzen

wollten. Eingeladen hatten die BZK Rheinhessen zusammen

mit der KZV Rheinland-Pfalz. Es waren namhafte

Referenten angekündigt, wie Privatdozentin Dr. Dr. Monika

Daubländer (Mainz) und Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer

(Greifswald). Aber auch Praktiker, wie der Physiotherapeut

Bernd Peter Gilles und der Orthopäde und Osteopath Dr.

Dietmar Hellmich rundeten das Programm ab. Besonders

interessant dabei war es, dass die Referenten zu ihrem

zahnärzteblatt 02 2009

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Die Zahnmedizin ist neben anderen medizinischen Fachgebieten ein gleichwertiges und unverzichtbares Teilgebiet

der Medizin, u. a. nicht wegzudenken bei der Diagnose und Therapie des Gesichtsschmerzes.

Begrüßung in der Schlosshalle

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Thema jeweils auch einen Workshop

anboten, also gleich das praktische

Üben und Umsetzen des theoretischen

Wissens ermöglichten.

Dem Vorstandsvorsitzenden der BZK

Rheinhessen, Dr. Klaus Bernauer,

war es ein großes Vergnügen, alle

Gäste und Referenten zu begrüßen.

Angereist waren von der LZK Rheinland-Pfalz

der Präsident, Dr. Michael

Rumpf, und von der Versorgungsanstalt

Rheinland-Pfalz der Präsident,

Dr. Gert Beger. Anwesend waren auch

die Vorsitzende der BZK Koblenz, Dr.

Margit Brecht-Hemeyer, mit ihrem

Stellvertreter, Marcus Koller, und

von der BZK Pfalz der stellvertretende

Vorsitzende, Dr. Peter Matovinovic.

Das Nachbarland Hessen war

mit ihrem Präsidenten, Dr. Michael

Frank, und dem Vizepräsidenten,

Dr. Giesbert Schulz-Freywald, vertreten.

Herzlich willkommen hieß Dr.

Bernauer den Vorsitzenden der KZV

Rheinland-Pfalz, Sanitätsrat Dr. Helmut

Stein, und den stellvertretenden

Vorsitzenden, Dr. Michael Reinhard.

Ein besonderer Dank galt dem Fortbildungsreferenten,

Dr. Torsten Conrad,

der für den wissenschaftlichen

Teil der Veranstaltung zuständig war

und auch die Moderation der Veranstaltung

übernahm.

Der stellv. Vorsitzende der KZV Rheinland-Pfalz,

Dr. Jürgen Braun-Himmerich,

betonte in seiner Ansprache den

stets vorbildlichen Fortbildungswillen

der Zahnärzte. Eine gesetzliche Regelung,

so Dr. Braun-Himmerich, wie im

SGB V festgeschrieben, war deshalb

völlig unnötig. Die KZV Rheinland-

Pfalz konnte jedoch eine weitestgehend

unbürokratische Umsetzung

42

zahnärzteblatt 02 2009

Dr. Klaus Volker Bernauer,

Vorsitzender der BZKR

Dr. Torsten Conrad

Dr. Jürgen Braun-Himmerich,

stellv. Vorsitzender der KZV RLP

dieser Fortbildungskontrolle installieren.

Die Vortragsreihe eröffnete PD Dr.

Dr. Monika Daubländer mit dem Thema

„Differentialdiagnose Gesichtsschmerz“.

Zunächst defi nierte sie

den Schmerz als ein unangenehmes

Sinnes- und Gefühlserlebnis, das

mit einer Gewebeschädigung verknüpft

ist. Bei der Chronifi zierung

des Schmerzes nehmen psychosoziale

Aspekte immer mehr Raum ein

und bestimmen das Schmerzerleben

des Patienten weitgehend. Bei der

Diagnose sei zu berücksichtigen,

dass nicht immer alle Symptome

dem gleichen Krankheitsbild zuzuordnen

sind. Oftmals bestehen Komorbiditäten

und es kann sich dabei

sowohl um systemische als auch um

lokale Erkrankungen handeln. Differenzialdiagnostisch

einzubeziehen

sind stets auch lokale Befunde, wie

zum Beispiel endodontische Versorgungen,

retinierte bzw. verlagerte

Weisheitszähne oder versteckte kariöse

Läsionen.

In vielen Fällen ist eine psychische

Komorbidität (Angst, Depressionen,

Somatisierung) vorhanden, wobei

Angst im Rahmen chronischer

Kiefer- und Gesichtsschmerzen

als wesentliche Komorbidität angesehen

wird. Es sei daher sinnvoll,

sehr frühzeitig die häufi gsten

psychischen Erkrankungen, Angst

und Depressionen, in den diagnostischen

Fokus einzubeziehen. Die

Diagnose und Therapie des Gesichtsschmerzes

sollte auf Grund

der multifaktoriellen Genese und

Komplexität immer als interdisziplinäre

Aufgabe unter besonderer Berücksichtigung

der Zahnheilkunde

angesehen werden.


Prof. Dr. Dr. h.c. Meyer spannte

bei seinem Vortrag mit dem Thema

„Schmerztherapie durch Schienentherapie“

den Bogen sehr weit. Er

hob das ärztliche Bewusstsein in

der Zahnmedizin hervor. Gerade in

der Schmerztherapie verfügen die

Zahnärzte mit den Kenntnissen der

modernen Zahnheilkunde über Expertenwissen,

das mehr und mehr

von anderen ärztlichen Disziplinen

nachgefragt wird. Exemplarisch berichtete

Prof. Dr. Dr. h.c. Meyer über

eine interdisziplinäre Kopfschmerzarbeitsgruppe

an der Universität

Greifswald, bei der die Einbeziehung

der zahnärztlichen Kompetenz

bereits Routine sei: In bemerkenswert

vielen Fällen habe die eigene

Disziplin bei vergleichsweise minimalem

Aufwand den Kopfschmerzpatienten

anhaltende Besserung

bis hin zur völligen Beschwerdefreiheit

ermöglicht.

Prof. Dr. Dr. h.c. Meyer berichtete,

dass nicht so sehr die Okklusionsproblematik

ausschlaggebend für

den Kopfschmerz sei, sondern die,

aus welchem Grund auch immer,

hervorgerufene Verspannung der

Kau- und Gesichtsmuskulatur. In

diesem Zusammenhang verwies

er auf eine Studie, die eine erhebliche

Signifi kanz zwischen Kopfschmerz

und der Druckdolenz der

Kaumuskulatur belege, jedoch die

Okklusionsproblematik nicht für

den Gesichtsschmerz verantwortlich

mache. Die Zahnmedizin müsse

sich daher von der falschen und

zu kurz gedachten Vorstellung befreien,

dass bei der CMD-Thematik

die Okklusion das zentrale Thema

sei. Zwar sei eine falsche Okklusion

und Artikulation aus der Sicht der

PD Dr. Dr. Monika Daubländer

Prof. Dr. Dr. h.c. Georg Meyer

Dr. Dietmar Hellmich

zahnärzteblatt 02 2009

zb_region

Zahnmedizin natürlich auch therapiebedürftig,

aber ein entspannter

Patient, der seine Kaumuskulatur

nur gering einsetzt, würde damit

selten Probleme bekommen. Eine

nicht stimmende Okklusion einhergehend

mit Stress führe allerdings

häufi g zu einer schmerzhaften dekompensierten

craniomadibulären

Dysfunktion.

Prof. Dr. Dr. h.c. Meyer erinnerte an

die wegweisenden Arbeiten und

Veröffentlichungen des ehemaligen

Mainzer Professors Dr. Götz Siebert

aus den achtziger Jahren, der den

engen Zusammenhang zwischen Gesichtsschmerz

und stomathogenen

Störfaktoren weiter erforscht und beschrieben

hat.

Zum Abschluss appellierte Prof. Dr.

Dr. h.c. Meyer an die medizinische

Verantwortung des zahnärztlichen

Berufsstandes: Nur wir Zahnärzte können

mit unserem Wissen und unserer

Kompetenz als medizinische Teildisziplin

dem Patienten in vielen Fällen

Heilung und Besserung bringen.

Der Vortrag von Dr. Dietmar Hellmich

führte in die Grundlagen der Osteopathie

ein. Er stellte sehr anschaulich

Grundverständnis, Ausbildungsweg

und historische Entwicklung der

Osteopathie dar. Im Vordergrund

stehe die ganzheitliche Betrachtung

des Menschen, denn nur ein gesunder

Körper könne auch eine gesunde

und ungestörte, schmerzfreie Funktion

ermöglichen. So sei oftmals

bei Schmerzen im Gesichtsbereich

und bei verspannter Kaumuskulatur

auch eine Verspannung der Rückenmuskulatur

mit Haltungsschäden zu

beobachten.

43


zb_region

Aber auch für die Zahnmedizinischen Fachangestellten

wurde ein umfangreiches Fortbildungsangebot präsentiert.

In insgesamt 9 Workshops mit Themen wie Prophylaxe,

Ernährung, Notfalltraining, Gebührenordnung,

Anfertigen von Provisorien und Schärfen von Scalern und

Küretten, konnte das Wissen aufgefrischt werden.

Nicht zuletzt rundete eine kleine Dentalausstellung das

Programm ab.

Als Resümee kann man feststellen, dass der Zahnärztetag

im Schloss Waldthausen eine anspruchsvolle und gelungene

Veranstaltung war. Dies bestätigt die hohe Zahl

der Teilnehmer sowohl an den Vorträgen als auch an den

Workshops.

Wir alle freuen uns jetzt schon auf ein Wiedersehen

zum nächsten Rheinhessischen Zahnärztetag im Jahr

2011!

Dr. Hubertus Utz

stellv. Öffentlichkeitsreferent

44

zahnärzteblatt 02 2009


zahnärzteblatt 02 2009

zb_region

Die GOZ-Novellierung – ein Perpetuum Mobile?

Auch wenn von offi zieller

Seite, sprich: dem Verordnungsgeber,

der vorgelegte

Referentenentwurf zu einer neuen

Gebührenordnung nicht zurückgezogen

wurde, dieser aus wahltaktischem

Geplänkel heraus vielleicht

sogar noch ins Kabinett eingebracht

wird, so rechnet niemand mehr

ernsthaft mit einer neuen Gebührenordnung

für Zahnärzte noch in

diesem Jahr oder gar in dieser Legislatur.

Genauso wenig ist zu erwarten,

dass in der neuen Legislatur ein

komplett neuer Entwurf im Sinne

der Zahnärzte auf den Tisch gelegt

werden wird. Unabhängig davon,

wer dann das zuständige Ministerium

besetzt, das Rad wird sicherlich

nicht neu erfunden werden. Und

doch geht das Spiel wieder von vorne

los: Hintergrundgespräche, Mosaiksteinchen

aus nichtöffentlichen

Verhandlungen, die plötzlich öffentlich

werden, bewusst lancierte

Informationen, die den Berufsstand

verunsichern, ein monatelanges,

vielleicht jahrelanges Gezerre um

eine Gebührenordnung, die eigentlich,

wie vieles andere auch, auf

den berühmten Bierdeckel passen

würde. Dann vielleicht wieder eine

„dramatisch“ inszenierte Veröffentlichung

eines Referentenentwurfs

und wochenlange Diskussion innerhalb

des Berufsstandes. Andere,

sicherlich auch für den Berufsstand

wichtige Themen, werden erneut in

den Hintergrund gedrängt.

Das Rad dreht sich weiter und weiter,

ist es das ewig gesuchte Perpetuum

Mobile?

Perpetuum Mobile des Villard de Honnecourt

(um 1230). Quelle: http://

de.wikipedia.org/wiki/Perpetomobile

Nein! Denn es gibt sie, die Gewinner,

die an diesen unsäglichen Diskussionen

und dem Dauerstreit verdienen

und die die Energie dazu aufbringen,

die das Ganze in Bewegung hält.

Die Gewinner der vergangenen Runde

in diesem Spiel „Gebührenordnung“

sind nicht nur die Kostenerstatter,

wie im Kommentar der DZW

17/09 zu lesen war. Gewinner sind

darüber hinaus und insbesondere

die, die das Gerangel um die GOZ

ausnutzen, um über das Land zu ziehen,

die Kolleginnen und Kollegen

mit Halbinformationen aufmischen

und sich dabei die eigenen Taschen

füllen. Gewinner sind die, die durch

ihre Informationsveranstaltungen,

noch gesponsert vom Handel, die

Solidarität des Berufsstandes untergraben,

Strategien des Berufsstandes

unterlaufen und unter dem

Deckmäntelchen des angeblichen

Informationsbedürfnisses die Verhandlungspositionen

schwächen.

Gewinner auf dem eigenen Konto

sind die, die Ängste schüren und

Untergangsstimmung verbreiten

und dabei eigene Informationsveranstaltungen

als heilbringend propagieren.

Gewinner sind die, die

vermeintliche Informationsvorsprünge

in bares Geld umwandeln, ohne

Rücksicht auf Verluste und ideelle

Schäden.

Es ist eben wie immer – es gibt Gewinner

und Verlierer – und damit das

Potenzial, das das Rad in Schwung

hält, die Energie liefert und das Perpetuum

Mobile wieder in den Bereich

der Unmöglichkeit drängt.

Es bleibt die Hoffnung, dass der Berufsstand

lernfähig ist und bleibt,

und beim nächsten Anlauf in Richtung

neuer Gebührenordnung oder

auch bei anderen Projekten, die sich

die Politik ausdenkt, um den Berufsstand

zu drangsalieren, sich daran

erinnert, wer seriöse, fundierte Informationen

anbietet und wer die Unsicherheit

für eigene fi nanzielle oder

machtpolitische Interessen und die

Steigerung des eigenen Marktwertes

ausnutzt.

Dr. Holger Kerbeck

45


zb_gesundheitspolitik

46

zahnärzteblatt 02 2009

Droht Krankenhäusern Pleitewelle?

Eine der bedeutendsten Wirtschaftszeitungen Europas,

die „Financial Times Deutschland“ berichtet von einer

Tabuverletzung, denn vor der Wahl zum Parlament und

zur neuen Regierung am 27. September diesen Jahres,

werde von den Parteien und der Politik ein Thema verschwiegen:

Den Krankenhäusern droht eine Pleitewelle

in Deutschland.

Die Redaktion der „Financial Times“ bezieht sich in

ihrer Berichterstattung auf eine Studie des rheinischwestfälischen

Instituts für Wirtschaftsforschung. Die

Wissenschaftler haben sich mit der Situation der Krankenhäuser

in Deutschland beschäftigt. Ihr Urteil: Den

Krankenhäusern steht in den kommenden Jahren eine

Pleitewelle bevor. Siebzehn Prozent aller Kliniken dürften

2010 vor der Insolvenz stehen und übernommen

oder geschlossen werden, bis zum Jahr 2020 werden es

sogar knapp ein Drittel sein.

Thema vor der Wahl tabu

Der deutsche Krankenhausmarkt mit einem Jahresumsatz

von 65 Milliarden Euro ist seit Jahren im

Wandel. Dieser Umbruch wird sich jedoch ab 2010

drastisch beschleunigen, sagen die Forschungsinstitute.

Wie eine Studie des Rheinisch-Westfälischen Instituts für

Wirtschaftsforschung (RWI), dessen Tochter HBC und der

Unternehmensberatung Admed verdeutlicht, geht die

Tendenz zunächst Richtung Spezialisierung und Privatisierung.

Später drohten Krankenhausschließungen.

Im Jahr 2020 dürften, dem aktuellen „Krankenhaus Rating

Report 2009“ zufolge, 30 Prozent aller Häuser in

Schwierigkeiten stecken – der Hälfte davon droht das

Aus, schreibt die „Financial Times Deutschland (FTD).

Die Forscher berufen sich auf eine Stichprobe von 546

Jahresabschlüssen aus den Jahren 2006 und 2007, die

832 Krankenhäuser einschließen. Diese Ergebnisse wurden

auf 2008 und 2009 hochgerechnet.

Die Entwicklung zur Privatisierung werde weiter gehen.

„Spätestens ab Ende 2010 bekommt die Privatisierungswelle

neuen Schwung“, zitiert das Blatt Boris Augurzky,

Projektleiter des RWI.

Foto: dpa


2009 stehen die Kliniken laut FTD

wirtschaftlich noch gut da, weil sie

Mehreinnahmen von 4,3 Milliarden

Euro zur Verfügung haben. Das gesetzlich

festgelegte Budget wurde

gegenüber dem Vorjahr um 1,65 Milliarden

Euro angehoben, zusätzlich

erhielten sie eine Finanzspritze von

1,65 Milliarden Euro. Zudem dürfte

das Konjunkturpaket II zu einem

Plus von 1 Milliarde Euro führen.

Das RWI rät den Krankenhäusern,

sich damit einen Puffer anzulegen,

weil die Krankenkassen infolge steigender

Arbeitslosigkeit mit weniger

Beiträgen auskommen müssen.

Im Moment schneiden kleine Krankenhäuser

schlechter ab als große

oder mittelgroße; westdeutsche

Häuser schlechter als ostdeutsche.

Von den kommunalen Kliniken sind

Risikostrukturausgleich

Wieviel Geld eine Kasse bekommt,

hängt maßgeblich

davon ab, welche Krankheiten

ihre Mitglieder haben. Der

AOK-Bundesverband schlägt nun vor,

diese Angaben künftig strenger zu

überprüfen, berichtet „Der Spiegel“.

Es sei falsch, sich allein auf die womöglich

manipulierten Diagnosen

der Ärzte zu verlassen. Stattdessen

sollte kontrolliert werden, ob tat-

24 Prozent insolvenzgefährdet, von

den privaten 14 Prozent, bei freigemeinnützigen

sind es 10 Prozent.

Ab 2010 werden laut Studie nicht

nur die kleinen Häuser zu den Verlierern

gehören: „Nicht nur die 300

Bettenhäuser, sondern auch Maximalversorger

mit 1 000 Betten und

einzelne Unikliniken sind von Insolvenz

bedroht.“

Doch genau darin sehen die Forscher

der FTD zufolge eine Chance:

Wenn bis 2020 ganze 15 Prozent der

Kliniken wegfallen, werde das die

Lage der übrigen stabilisieren.

Vor allem in so genannten Organzentren

sieht der Report die Zukunft: In

den kommenden Jahren würden an

deutschen Kliniken nämlich immer

mehr Fachabteilungen aufgelöst.

Krankenkassen verlangen Reform der Reform

sächlich auch die dafür jeweils vorgesehenen

Medikamente verschrieben

wurden, heißt es in einem zehn

Seiten langen Schreiben des AOK-

Bundesverbands an das zuständige

Bundesversicherungsamt.

Ferner sei darauf zu achten, „dass

keine Anreize für medizinisch nicht

gerechtfertigte Leistungsausweitungen

geschaffen werden“, zitiert „Der

Spiegel“ aus dem Papier.

zb_gesundheitspolitik

Und durch Zentren ersetzt, in denen

sich Spezialisten unterschiedlicher

Fachrichtungen auf die Behandlung

einzelner Organe konzentrieren.

Schon jetzt geht die Entwicklung in

vielen Häusern dahin.

Neben den Unikliniken, die sich via

Spezialisierung profilieren wollen,

könnte es künftig einen weiteren Treiber

in diese Richtung geben: die Krankenkassen.

Sie drängten darauf, mit

Kliniken Selektivverträge über planbare

Operationen abschließen zu dürfen.

Sollte ihnen das nach der Bundestagswahl

ermöglicht werden, könnten

sie das Leistungsspektrum einzelner

Kliniken stark mitbestimmen. Die

Veränderung, die der Report für die

kommenden Jahre vorhersagt, würde

dann maßgeblich von den Kassen mitgestaltet,

schreibt die FTD.

Spitzenvertreter der Gesetzlichen

Krankenversicherung drängen darauf,

die Gesundheitsreform in wesentlichen

Teilen zu korrigieren.

Ihre Kritik richtet sich dabei gegen

den Finanzausgleich zwischen den

Krankenkassen.

Die AOK kritisiert auch, dass einige

schwere Krankheiten mit Komplikationen

und Kassen mit überdurchschnittlich

vielen Sterbefällen

nicht ausreichend berücksichtigt

würden.

zahnärzteblatt 02 2009

47

Foto: dpa


zb_gesundheitspolitik

48

Gesundheitspolitik der Regierung führt in die Mangelverwaltung

zahnärzteblatt 02 2009

Bahr kritisiert

Noch vor Beginn des Wahlkampfs zur Europa- und Bundestagswahl wendet sich die FDP direkt an die Mediziner.

FDP-Gesundheitsexperte Daniel Bahr äußert in einem Brief an die Niedergelassenen Verständnis für den Unmut

der Vertragsärzte über die Honorarreform.

Bahr versprach, die FDP werde

alle Anstrengungen darauf

richten, die Fehler der

Das Vergütungssystem sei viel zu

kompliziert und intransparent. „Keiner

blickt mehr durch, mit welchen

Union und SPD die hoch komplizierten

Regelungen zu verantworten,

„denn sie stehen im Gesetz.“

schwarz-roten Reform wie-

Bahr wirft Schmidt zuder

rückgängig zu machen.

dem vor, sie sei dabei,

die Private Krankenver-

Im Gegensatz zu Aussagen

sicherung systematisch

von Bundesgesundheits-

abzuschaffen.

ministerin Ulla Schmidt

(SPD) sei die Gesetzliche

„Niemand zieht die

Krankenversicherung auch

Reißleine auf dem Weg

nach der Gesundheitsre-

in eine planwirtschaftform

immer noch unterlicheEinheitsversichefinanziert,

schreibt Bahr

rung mit zentral vorge-

dem Deutschen Ärzteblatt

gebener Staatsmedizin,

zufolge.

Rationierung, Verlust

von Therapiefreiheit,

„Mangelverwaltung und

Ende der freien Arztwahl

Wartelisten werden die

und Gefährdung der me-

Folge sein. Sinnvolle VerdizinischenFreiberufträge

werden gekündigt

lichkeit“, schreibt Bahr

und innovative Projekte

gestoppt“, heißt es in dem

laut DÄ.

zweieinhalbseitigen Brief

Ziel der FDP sei dage-

vom 14. April, der dem DÄ

gen eine echte Struktur-

nach eigenen Angaben Bahr: „Gesetzliche Krankenversicherung ist auch nach der reform, die Patienten,

vorliegt.

Gesundheitsreform immer noch unterfinanziert.“

Versicherten und Angehörigen

der Gesund-

Auch die Aussage Schmidts, dass Einnahmen er planen kann. Wer als heitsberufe mehr Wahlfreiheit

die Regierung mit der Honorarre- Arzt mehr arbeitet, bekommt das bringe. Anders als in FDP-Äußeform

die geltenden Budgets am nicht leistungsgerecht honoriert“, rungen aus den vergangenen Wo-

1. Januar 2009 aufgehoben habe, schreibt Bahr.

chen fehlt in Bahrs Brief die Forde-

sei falsch. Bahr: „Die Budgetierung,

die KVen abzuschaffen.

rung lebe lediglich in anderer Form Anders als Schmidt behaupte, hät-

wieder auf.“

ten nicht Ärzte und Kassen, sondern

Foto: dpa


Vor allem in der Eifel, im Münsterland

und im Sauerland

gebe es Regionen, in denen in

den kommenden zehn Jahren fast die

Hälfte der Hausärzte ins Rentenalter

kommen, sagte Landesgesundheitsminister

Karl-Josef Laumann (CDU).

Laumann kündigte neben der Erhöhung

der Zahl der Medizinstudenten

auch Stipendien und Prämien

an, um Anreize zu geben, dass sich

junge Mediziner zum Hausarzt ausbilden

lassen und Landarztpraxen

übernehmen.

Der Minister kritisierte aber auch

die ärztliche Selbstverwaltung. In

anderen Bundesländern würden

Nordrhein-Westfalen

medizinische Leistungen besser bezahlt,

weil die KVen in NRW schlecht

mit den Krankenkassen verhandelt

hätten.

„Es kann nicht sein, dass auf dem

Land irgendwann die Gemeindeschwester

kommt, während die

jungen Ärzte Praxen in anderen Bundesländern

aufmachen“, sagte der

Minister. Allerdings könne er bei der

derzeitigen Lage verstehen, dass

sich ein Arzt statt im Münsterland

lieber im 20 Kilometer entfernten

Emsland niederlässt, weil er dort

deutlich besser verdiene.

Der Ärztemangel liege nicht am mangelnden

Interesse junger Menschen

zb_gesundheitspolitik

Zugang zum Medizinstudium soll einfacher werden

An den Universitäten in NRW sollen künftig mehr Mediziner ausgebildet werden. Ein leichterer Zugang zum Medizinstudium

außerhalb des Numerus Clausus und die Schaffung zusätzlicher Professuren für Allgemeinmedizin sollen

den drohenden Mangel an Haus- und Landärzten verhindern.

am Ärzteberuf. „Auf einen Studienplatz

gibt es zehn Bewerber“, sagte

Laumann. Man müsse auch Bewerber

ausbilden, die nicht ihr Abitur

mit 1,1 gemacht haben.

„Absolventen mit einem solchen

Abitur sind wahrscheinlich nicht

die, die nachher eine Arztpraxis auf

dem Land aufmachen“, sagte er.

Seine Pläne würden von seinem für

die Universitäten zuständigen Kabinettskollegen

Andreas Pinkwart

(FDP) unterstützt.

zahnärzteblatt 02 2009

49

Fotos: dpa


zb_zur Person

50

Dr. Gert Beger

zum 60. Geburtstag

Anlässlich des 60. Geburtstages

von Dr. Gert Beger, der

seine Freunde in das Sympathiehotel

Fürstenhof in Bad Kreuznach

eingeladen hatte, übermittelte

der Präsident der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Dr. Michael

Rumpf, neben zahlreichen Ehrengästen

aus allen Bereichen des öffentlichen

Lebens, die herzlichsten

Glückwünsche der Kollegenschaft.

Dr. Gert Beger wurde am 18. Mai

1949 in Bad Kreuznach geboren und

kann somit zusammen mit der Bundesrepublik

Deutschland auf eine

60-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken.

Offensichtlich wurde ihm

mit der gleichzeitigen Verkündung

des Grundgesetzes der Bundesrepublik

Deutschland durch den parlamentarischen

Rat sein Gerechtigkeitssinn

in die Wiege gelegt.

Als drittes Kind von Zahnarzt Joachim

Beger, der bis zu seinem frühen

Tod Vorsitzender der BZK Koblenz

war, trat er schnell in die Fußstapfen

seines Vaters. Nach dem Zahnmedizinstudium

in Mainz, wo er wissenschaftlicher

Assistent bei Professor

Fuhr war, ließ er sich 1976 in eigener

Praxis in Bad Münster a. Stein-

Ebernburg nieder.

Deshalb war es nur folgerichtig, dass

er sich frühzeitig standespolitisch engagierte.

So war er kurz nach seiner

Niederlassung Mitglied der Vertreterversammlungen

der BZK Koblenz, der

zahnärzteblatt 02 2009

Landeszahnärztekammer Rheinland-

Pfalz, der Versorgungsanstalt bei der

Landeszahnärztekammer Rheinland-

Pfalz und der KZV Koblenz-Trier, hier

deren stellvertretender Vorsitzender.

Nach seiner Funktion als stellvertretender

Präsident der VA wurde er im

Juni 2007 zu deren Präsidenten gewählt.

Neben seiner Berufsschullehrertätigkeit

in Bad Kreuznach leitete er

15 Jahre lang die Kreisvereinigung

des Kreises Bad Kreuznach. Darüber

hinaus ist er in zahlreichen Gremien

aller zahnärztlichen Organisationen

tätig.

Dr. Gert Beger ist verheiratet. Er und

seine ihn stets vorbehaltlos unterstützende

Ehefrau Edith können mit

Freude auf ihren Medizin studierenden

Sohn Benjamin blicken.

Trotz seiner vielfachen verantwortlichen

ehrenamtlichen Tätigkeiten

findet Kollege Beger immer noch Zeit,

in seinen Hobbies einen Ausgleich zu

finden. Deshalb kann es auch passieren,

dass man ihn im Wald oder

auf dem Golfplatz antrifft. Eine „gute

Sicht“ vorausgesetzt, kann dem Erfolg

mit dem richtigen Standpunkt

nichts mehr im Wege stehen!

Neben seinen vielfältigen berufspolitischen

Aktivitäten engagiert

sich Kollege Beger auch im sozialen

Bereich. So ist er als Mitglied des Li-

ons Club Bad Kreuznach Initiator der

„Aktion Tulpe gegen Drogen“.

Gert Beger ist bekannt dafür, dass

er kein Mensch der lauten Töne ist,

sondern sich ruhig und verlässlich

immer für die Interessen der Kollegenschaft

einsetzt. Insbesondere

liegt ihm hier der Erhalt der Selbstständigkeit

und der Freiberuflichkeit

der Zahnärzteschaft am Herzen.

Wir gratulieren Dr. Gert Beger

ganz herzlich, verbunden mit dem

Wunsch, dass ihm vor allem Gesundheit,

seine Schaffenskraft und nicht

zuletzt sein Humor erhalten bleiben.

Ad multos annos!

Dr. Michael Reinhard


zb_klinik und praxis

Kieferorthopädische Fortbildungsserie

Teil 6: Interdisziplinäre Therapie

Viele kieferorthopädische Behandlungsfälle benötigen für ihren 100-prozentigen Erfolg eine enge Zusammenarbeit

der einzelnen zahnmedizinischen Fachbereiche. Denn nicht selten ist die kieferorthopädische Aufgabenstellung

mit zusätzlichen interdisziplinären Befunden vergesellschaftet, die dental, parodontal und auch skelettal

gelagert sein können. Im jugendlichen Gebiss sind dies meist Abweichungen der Zahnform oder der Zahnzahl. Obwohl

sich bei Dysplasien der Zahnanlagen deutliche populationsspezifische und ethnische Unterschiede nachweisen lassen,

scheinen diese Fehlbildungen in der heutigen Zeit insgesamt öfter beobachtet zu werden. Europäer haben mit dem Auftreten

eines aplastischen Zahnes (ausschließlich der Weisheitszähne) von 6 bis 10 Prozent zu rechnen und liegen mit

diesem Prozentwert im Mittelfeld der Wahrscheinlichkeit. Bei Afrikanern findet sich die geringste Häufigkeit von unter

3 Prozent, bei Afroamerikanern sind es jedoch schon über 11 Prozent und bei amerikanischen Indianern etwa 13 Prozent.

Rein mathematisch würden die Angaben für unsere Region bedeuten, dass heute jede durchschnittliche Schulklasse

ein bis zwei betroffene Kinder aufweist. Die häufigsten fehlenden Zähne sind dabei die zweiten Prämolaren des

Unterkiefers, gefolgt von den seitlichen Schneidezähnen sowie zweiten Prämolaren des Oberkiefers und letztlich die

unteren mittleren Schneidezähne. Abgesehen von den Zähnen 41 und 31 zeigt sich ein bestimmtes Entstehungsmuster,

wonach bei jeder Zahngruppe der jeweils distalste Zahn nicht angelegt wird, also im oberen Frontbereich die

Zähne 12 und 22, bei den Prämolaren in beiden Kiefern die 5er und bei den Molaren die 8er. Als Mikrosymptom einer

Nichtanlage sind alle Kümmer- und Zapfenformen, Spätanlagen sowie verspätete Mineralisationen zu werten.

Nach Abschluss der kieferorthopädischen Korrektur kann also auch schon bei jungen Patienten ein Bedarf an prothetischem

oder implantologischem Zahnersatz bzw. an konservierenden Versorgungen zum Breitenaufbau hypoplastischer

Zähne bestehen. Abbildung 1 zeigt ein 14-jähriges Mädchen mit Aplasie 12 und Hypoplasie 22. Die Oberkieferstrukturen

haben sich bereits dem unterdimensionierten Zahnmaterial angepasst und eine sagittale Verkürzung

erfahren. Gleichzeitig liegt eine Wachstumstendenz zu einem prognathen Unterkiefer und damit zur Entwicklung einer

skelettalen Klasse III vor. Aus diesem Grund wurde die Lücke regio 12 trotz des bereits weit aufgewanderten Eckzahnkeimes

für eine spätere implantologische Versorgung geöffnet. Bis zum vollständigen Wachstumsabschluss wird die

Lückensituation mit einem kieferorthopädischen Miniimplantat gehalten, das eine Wurzelkippung der Nachbarzähne

verhindert und nach neuesten wissenschaftlichen Berichten ggf. vor einer Inaktivitätsatrophie des Alveolarkammes

schützen könnte. Der hypoplastische Pfeiler 22 ist für eine ästhetische Facettengestaltung ausgerichtet worden und

wird direkt nach Entfernung der festsitzenden Apparatur rekonstruiert.

Anfang

zahnärzteblatt 02 2009

51


zb_klinik und praxis

vor Ende KFO direkt nach der Versorgung

Abbildung 1. Patientin L. W. mit Aplasie 12 und Hypoplasie 22 sowie den typischen dentalen und kephalometrischen Anzeichen

zur Ausbildung einer dezenten skelettalen Klasse III (Kreuzbiss 22, ANB: -1°, Retroinklination der Unterkiefer-Front von 4,5°). Trotz

Mesialdrift des Eckzahnkeimes wurde die Indikation zur Lückenöffnung gestellt.

Die untere Bildreihe zeigt die Patientin kurz vor Ende der aktiven Zahnbewegungen mit temporär versorgter Lücke regio 12 durch

ein Miniimplantat sowie erfolgter Lückengestaltung für den Größenausgleich des Zapfenzahnes 22 und direkt nach der ästhetischen

konservierenden Versorgung.

Während der aktiven Behandlung ist die Kieferorthopädie bei retinierten und verlagerten Zähnen, hier in erster Linie

die oberen Eckzähne, auf oralchirurgische Unterstützung angewiesen. Bleiben solche Zähne über lange Zeit verlagert,

erschwert sich die Einordnung in den Zahnbogen durch einen weiter fortschreitenden Verlagerungsgrad bis hin zu

einer unmöglichen Mobilisierung infolge einer Ankylose zum umgebenden Knochen. Auf jeden Fall kann der persistierende

Milcheckzahn dem Platzbedarf eines bleibenden Eckzahnes nicht entsprechen, wodurch in der Zahnbogenbilanz

ein Platzdefizit entsteht, meist in Verbindung mit einer Mittenabweichung zur betroffenen Seite oder einer

Aufwanderung der Seitenzähne nach mesial.

Unser Patient in Abbildung 2 war zum Zeitpunkt der Diagnose bereits 21 Jahre alt. Er wies bis auf den verlagerten

Eckzahn 23 keinen größeren kieferorthopädischen Behandlungsbedarf auf. Der noch vorhandene Milcheckzahn stand

kurz vor dem Spontanverlust, sodass sich der Patient für eine chirurgische Freilegung seines palatinal verlagerten

Eckzahnes sowie dessen kieferorthopädische Einordnung entschied.

Abbildung 2. Patient B. S., männlich, 21 Jahre

a. Diagnostische Unterlagen

Zahn 23 liegt seit etwa sieben Jahren verlagert im Gaumenknochen. Im Diagnose-OPG ist die Position des Eckzahnes rot umrandet

dargestellt.

52

zahnärzteblatt 02 2009


zb_klinik und praxis

b. Therapie

Die Freilegung des Eckzahnes übernahm

ein zahnärztlicher Kollege, der

aufgrund der tiefen Knochenlage

bereits während des Eingriffs eine

Zugkette auf der Zahnoberfläche befestigte.

Die Einordnung des palatinal

verlagerten Eckzahnes vollzog sich in 4

Monaten durch eine skelettal verankerte

Hebelarm-Mechanik.

c. Endergebnis

Entfernung der Brackets nach 7 Monaten

aktiver Zahnbewegung.

Zur Feineinstellung des Eckzahnes wurde

die Teilapparatur mit ästhetischen

Brackets für die Zähne 21 bis 23 erweitert.

Eine besonders enge interdisziplinäre Zusammenarbeit erfordern Patienten mit Vorschädigung des Zahnhalteapparats.

Denn seit Etablierung lingual getragener Behandlungsmethoden steigt die Nachfrage erwachsener Patienten für

eine Regulierung parodontologisch bedingter Zahnwanderungen (Abbildung 3).

Zur Abklärung riskanter latenter Prozesse führen wir bei unseren lange erwachsenen Patienten vor Behandlungsbeginn

einen Speichelkeimtest durch und schicken die Proben zur Auswertung an ein Fachinstitut.

Anfang

Ergebnis

Abbildung 3. Infolge parodontologischer

Effekte eingetretene Zahnwanderungen

der oberen Schneidezähne

Die Front wurde über linguale Brackets

retrudiert und das Ergebnis anschließend

mit einem Kleberetainer gesichert.

zahnärzteblatt 02 2009

53


zb_klinik und praxis

Genauso kann die Kieferorthopädie ihre Dienste für präprothetische Maßnahmen, wie beispielsweise der orthoaxialen

Ausrichtung von Brückenpfeilern, anbieten (Abbildung 4).

54

zahnärzteblatt 02 2009

Abbildung 4.

Präprothetische Kieferorthopädie

Nach langjährigem Verlust des Zahnes

46 sollte der mesial gekippte Zahn

47 zur besseren Pfeilerpositionierung

und Brückengestaltung aufgerichtet

und distalisiert werden. Eine 2-Punkt-

Aufrichtemechanik wurde über eine

orthodontische Minischraube abgestützt.

Abschließend erfolgte die Feinausrichtung

der Pfeilerzähne über eine

kleine Teilbogen-Apparatur.

Schließlich stellt die kombiniert kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung skelettaler Fehlstellungen wohl

die fachübergreifende „Königsdisziplin“ dar. Für den MKG-Chirurgen und Kieferorthopäden bedeutet das eine jeweils

eigene spezifische Diagnostik, anschließende detaillierte Besprechungen und die Erstellung eines gemeinsamen

Therapiekonzeptes. Nach Abschluss der kieferorthopädischen Vorbehandlung werden die chirurgischen Maßnahmen

mit Animationsprogrammen geplant, eine Modell-OP im Artikulator durchgeführt und Operationssplints angefertigt.

(Abbildung 5).

Abbildung 5. Patientin F. K., weiblich, 19 Jahre, Zähne 15 und 25 nicht vorhanden

a. Präoperative Diagnostik

und OP-Planung

Die Einzelkiefer wurden mit

einer Multiband-Multibracket-Apparaturdekompensiert

und ideal ausgeformt.

Heute kann die Modell-OP

am Computer simuliert werden,

wodurch dem Patienten

ein visueller Eindruck

von seinem postoperativen

Erscheinungsbild vermittelbar

ist.

b. Dentales und skelettales

Endergebnis

Mit der unimaxillären Umstellungsosteotomie

(Osteosynthesplatten

im Fernröntgen-Seitenbild noch zu

sehen) wurden eine Profilverbesserung

sowie eine optimale Okklusion

mit stimmigen Mittenbeziehungen

eingestellt.


zb_klinik und praxis

Im Gegensatz zu jungen Patienten mit gerade abgeschlossenem Wachstum können bei älteren Dysgnathie-Patienten

neben der chirurgischen Bisslagekorrektur auch noch zahlreiche weitere Herausforderungen aus dem allgemeinzahnärztlichen

Bereich zu beheben sein. Abbildung 6 schildert die multidisziplinäre Behandlung eines älteren Patienten

mit skelettalen und dentalen Aufgabenstellungen. Das Behandlungskonzept sah folgende Einzelschritte vor:

Abbildung 6. Patient H. L, männlich, 56 Jahre

Kieferorthopädie: - Ausformung der Zahnbögen zur intermaxillären Kongruenz

- präimplantologisches Lückenmanagement im 4. Quadranten

MKG-Chirurgie / - Extraktion 48 aufgrund der Nähe zur späteren Osteotomielinie

Oralchirurgie: - Umstellungsosteotomie des Unterkiefers (Set forward)

- Entfernung der Osteosyntheseplatten

- Einbringung dentaler Implantate regio 44 und 46

Zahnmedizin: - ästhetische Komposit-Technik der abradierten Frontzähne

- Suprakonstruktionen der Implantatpfeiler

Anfang präprothetisch

zahnärzteblatt 02 2009

55


zb_klinik und praxis

Die Serie findet mit diesem Beitrag ihren Abschluss. Die Facetten der Zahnmedizin sind vielfältig und das hier Gezeigte

ist tendenziell und kann nur als Anregung für ein weiteres und intensives regionales Miteinander in der Zahnmedizin

dienen.

Wir hoffen, den gegenseitigen Gedankenaustausch innerhalb des interdisziplinären Netzwerkes „Zahnmedizin“ und

den jeweiligen kieferorthopädischen Fachpartnern vor Ort angeregt zu haben.

Der BDK (Bund Deutscher Kieferorthopäden) ist in Rheinland-Pfalz im Landesverband organisiert und ein aktiver

Partner, wenn es um die Bildung regionaler Qualitätszirkel oder „interdentaler“ Zusammenschlüsse im Sinne einer

besseren Patientenversorgung und eines gemeinsamen Gedankenaustausches geht.

Bei Interesse, BDK Rheinland Pfalz:

E-Mail: rheinland-pfalz@bdk-online.org

56

zahnärzteblatt 02 2009

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Telefon: 06541 / 818381

Fax: 06541 / 818394

Mail: bludwig@kieferorthopaedie-mosel.de


1. Einleitung:

zb_wissenschaft

Der mit Bisphosphonaten (BP) behandelte

Patient in der zahnärztlichen Praxis

Bisphosphonate (BP) stellen derzeit eine Standardbehandlung bei Patienten mit fortgeschrittenem Tumorleiden

dar, wenn es zu einer Metastasierung in das Skelettsystem gekommen ist, bzw. bei einer tumorbedingten

Hypercalzemie oder bei multiplen Myelomen. BP werden aber auch zur Prophylaxe bzw. Therapie einer

Osteoporose verordnet. Neben der Osteoklastenhemmung haben die BP eine antiangiogenetische Wirkung. Seit

MARX und STERN 2003 erstmals über die intraoralen Komplikationen nach BP-Therapie berichteten, häuften sich

die Mitteilungen über die Komplikationen im Kieferbereich unter dieser Behandlung (vgl. Literaturverzeichnis). Die

intraoralen Knochennekrosen traten entweder spontan auf oder entwickelten sich nach einer „einfachen“ Zahnextraktion

oder bei Schleimhautläsionen im Sinne von Prothesendruckstellen.

2. Zur Klinik:

Die häufigsten klinischen Befunde bei den eigenen Fällen (vgl. Tabelle 1) und auf Grund der Mitteilungen in der Literatur,

sind zu Beginn nur kleine Bezirke von Mundschleimhautläsionen mit Exposition devitalen Knochens (Vgl. Abb.

1 und Abb. 2).

Abb. 1:

Klinisches Bild einerbisphosphonatassoziirtenKiefernekrose

nach

ZOMETA-Therapie

wegen Plasmozytom

Abb. 2:

Mit Aktinomyzeten

besiedelter Sequester

aus Abbildung

1

Die Umgebung der Knochennekrose ist entzündet und schmerzhaft, während der freiliegende Knochen asymptomatisch

ist und bei der Sequesterentfernung in der Regel keine Blutungen auftreten. Unbehandelt schreitet die Knochennekrose

weiter fort und bezieht die benachbarten Zähne und Kieferanteile ein.

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

m/w

w

w

w

w

m

w

w

m

w

m

m

w

w

Alter

55

58

71

74

67

66

64

77

65

57

70

56

71

BP

Zometa

Zometa

Fosamax

Fosamax

Zometa

Fosamax

Actonel

Arava

Fosamax

Zometa

Fosamax

Zometa

Zometa

Indikation

Klinische/histologische Diagnose

metast. Mamma-CA Osteomyelitis OK nach X 27

metast. Mamma-CA Osteomyelitis UK nach X 34

Plasmozytom

Osteomyelitis OK und UK

manif. Osteoporose Osteonekrose UK nach Explantation

metast. Prostata-CA Osteonekrose OK u. UK n. Zahnextraktion

prim. Hyperpara-thyreoid BP-Nebenwirkungen, Zahnsanierung

Osteoporoseprophylaxe Sequestrierende Osteomyelitis UK

Osteoporoseprophylaxe Chron. Osteomyelitis UK bds. nach Zahnextraktion

Plasmozytom

Aseptische Knochennekrose UK n. Zahnextraktion

Prostata-NPL

Aseptische Knochennekrose/Prothesendruckstelle

Plasmozytom

Aseptische Knochennekrose n. Extraktion 27

Plasmozytom

Osteonekrose re. Oberkiefer nach Zahnextraktion

Plasmozytom

Osteonekrose re. Oberkiefer nach Extraktion 16

Tabelle 1:

Eigene Fälle in der

MKG-Klinik Ludwigshafen

im Zeitraum

2003-2005

zahnärzteblatt 02 2009

57


zb_wissenschaft

3. Röntgen:

Spezifische radiographische Zeichen finden sich bei der BP-bedingten Kiefernekrose nicht. Im Vergleich zur gesunden

Seite handelt es sich um röntgenologisch opakere, dichtere Strukturen und sind Zahnextraktionen vorausgegangen,

zeigt sich im Röntgenbild ein Persistieren der sogenannten „leeren“ Alveole, als Ausdruck einer gestörten Knocheneinheilung,

eines gestörten Knochenremodelling.

4. Pathohistologie:

In der Literatur existieren verschiedene Namen für die BP-bedingte Osteonekrose. Die historische Bezeichnung ist der

Bis-phossy-jaw (vgl. Hellstein et al 2005).

In der aktuellen Literatur werden synonym folgende Bezeichnungen gebraucht:

58

Bisphosphonat-bedingte avaskuläre Nekrose

Bisphosphonat-Osteomyelitis

Bisphosphonat-Osteonekrose

Bisphosphonat-Nekrose

Bisphosphonat-Osteo-chemo-nekrose.

Der Begriff Phossy-jaw wurde erstmals in der Mitte des 19. Jahrhunderts von Lorinser beschrieben. Es handelte sich

um eine ungewöhnliche Nekrose des Kiefers und trat bei Arbeiter/Innen in den Streichholzfabriken auf. Es handelte

sich um intraorale Schleimhautläsionen, einen ausgeprägten Foetor ex ore, sowie freiliegenden Knochen mit einem

sich über Jahre hinziehenden Krankheitsverlauf mit Sequesterbildung des Kiefers. Die Phosphor-Nekrose des Kiefers

bei dieser Berufsgruppe war im Hinblick auf Morbidität und Mortalität signifikant. In der prä-antibiotischen Ära betrug

die Mortalität 20 Prozent.

Der pathohistologische Befund ist gekennzeichnet durch hyperostotischen Knochen, durch eine Umwandlung von

spongiösen Anteilen in sklerotische Knochenareale. Daneben finden sich kleine, nicht vitale Knochenfragmente. Nach

Hellstein und Marek gehört eine, auch im Lichtmikroskop sichtbare, subepitheliale Bakterienrasenbildung dazu. Die

Autoren sind der Ansicht, dass es noch nicht geklärt ist, ob die bakterielle Besiedelung eine primäre Rolle bei der

Kiefernekrose spielt, oder eine sekundäre Infektion darstellt.

5. Klinischer Verlauf:

Beispielhaft soll aus der Arbeit von Schirmer et al (2005) ein Patient herausgestellt werden:

Es handelte sich um eine 73 Jahre alte Frau mit Z. n. Zahnextraktion. In deren Folge kam es zu mehrfachen operativen

Revisionen:

- 05/2001 Oberkiefer und Kieferhöhle links

- 06/2001 Unterkiefer links

- 02/2003 Unterkiefer rechts

- 07/2003 Unterkieferfrontzahnbereich

- 11/2003 Unterkiefer rechts

- 06/2004 Unterkiefer links

- 08/2004 neuerliche Zahnextraktion; chirurgische Revision;

Entfernung der Nekrosen und Deckung der Defekte im

Oberkiefer; mehrfache Knochenanfrischungen

Ein Therapieerfolg stellte sich erst nach radikaler chirurgischer Revision ein.

zahnärzteblatt 02 2009


Beispielhaft soll nun hier die Krankengeschichte der Patientin Nr. 9 aus dem eigenen Patientengut der MKG-Klinik

Ludwigshafen (vgl. Tabelle 1) erwähnt werden:

Es handelte sich um eine 65-jährige Patientin und die Chronologie des Leidens sah wie folgt aus:

- 03/2003 Ulceration 048 (Prothesendruckstelle)

- 05/2003 Unterkieferosteomyelitis mit VINCENT Symptom

- 06/2003 Sequestrotomie, Antibiose und Septopalkette

- 01/2004 Sequestrotomie und Antibiose

- 04/2004 Decortikation, Antibiose und Septopalkette

- 08/2004 Revision bei bestehender Eiterung

- 01/2005 Fistelverschluss

- 07/2005 Revision wegen Eiterung

- 08/2005 Unterkieferkontinuitätsresektion (vgl. Abb. 3)

Wie aus den beispielhaften Verläufen zu entnehmen ist, stellt sich die Behandlung der Osteonekrose derzeit als

schwierig und herausfordernd dar. Es gibt kein spezifisches Behandlungsprotokoll für Patienten mit einer BP-induzierten-Osteonekrose.

6. Therapie:

zb_wissenschaft

Abb. 3

Bisphosphonate

und Kiefernekrosen

Die erste Maßnahme besteht in einer lokalen chirurgischen Behandlung und einer Sequestrotomie. Die parenterale

antibiotische Therapie ist obligat und die Chlorhexidin-Spülungen haben sich als unterstützende therapeutische Maßnahme

bewährt. Auch bei kunstgerechtem Vorgehen sind Rezidive der BP-bedingten Osteonekrose nahezu die Regel.

Wegen der bislang unbefriedigenden therapeutischen Maßnahmen hat die DGZMK unter Federführung von GRÖTZ

Behandlungsempfehlungen gegeben. Diese Empfehlungen gelten in erster Linie für Patienten mit einem relevanten

Risiko (high risk) bei intravenöser hochdosierter langfristiger BP-Medikation. Das Risiko steigt noch einmal an, bei

zusätzlicher Bestrahlung bzw. antineoplastischer Chemotherapie.

zahnärzteblatt 02 2009

59


zb_wissenschaft

7. Prophylaxe vor BP-Medikation:

Alle Patienten sollten vor einer BP-Therapie klinisch und röntgenologisch zahnärztlich auf chronisch entzündliche

Prozesse im intraoralen Schleimhaut- und Kieferbereich hin untersucht und saniert werden. Dies schließt eine Röntgenuntersuchung

ein.

Der Sanierungsplan gliedert sich wie folgt:

60

a) Beratung und Aufklärung über das Risiko einer Kiefernekrose unter und nach Bisphosphonattherapie

b) Sanierung potentieller entzündlicher Prozesse im Kiefer- und Mund-höhlenbereich

c) Glätten scharfer Knochenkanten

d) restaurative Maßnahmen an erhaltungswürdigen Zähnen

e) Intensivierung der Mundhygiene

f) Überprüfung des tegumental getragenen Zahnersatzes auf das Risiko von Druckstellen

g) Einbinden in ein kontinuierliches Recall

Die prophylaktische Zahnentfernung sollte Patienten mit hohem Risikoprofil vorbehalten werden.

Auch wenn z. Zt. valide Untersuchungen fehlen, sollte die Zahnsanierung bei Hochrisikopatienten vor Beginn der BP-

Behandlung abgeschlossen sein. Wünschenswert wäre, dass zwischen Sanierung und Therapiebeginn ein Intervall

von 14 Tagen besteht.

8. Prävention und Früherkennung unter laufender BP-Therapie:

Patienten, die mit dieser Medikamentengruppe behandelt werden, sollten sich alle sechs Monate bei ihrem Hauszahnarzt

vorstellen. Bei der Prävention sollte der konservativen gegenüber der operativen Therapie (insbesondere bei Parodontopathien)

der Vorzug gegeben werden. Notwendige chirurgische Eingriffe sollten aber nicht hinausgeschoben werden

und bei Hochrisikopatienten unter den gleichen Kautelen erfolgen, wie nach einer tumortherapeutischen Bestrahlung

im Kopf-Hals-Bereich. Falls Operationen erforderlich sind, ist auf eine möglichst atraumatische Operationstechnik und

eine systematische antiinfektiöse Prophylaxe hinzuweisen, z. B. die orale Gabe von Amoxicillin 3 x 750 mg, oder Clindamycin

4 x 300 mg pro Tag. Diese Therapie sollte bis zum Abschluss der primären Wundheilung fortgeführt werden. Die

Nahtentfernung erfolgt nicht vor dem zehnten postoperativen Tag. Eine Sekundärheilung ist nicht anzustreben, sondern

die plastische Deckung des Wundareals, auch bei „einfachen“ Zahnextraktionen. Bei der Mobilisation der Schleimhaut

sollte der epiperiostalen Methode der Vorzug gegeben werden, um das Areal freiliegenden Knochens zu reduzieren.

9. Therapie der BP-assoziierten Osteonekrose:

Wie oben schon beispielhaft dokumentiert, handelt es sich in der Regel um schwierige und langwierige therapeutische

Einzelschritte und die Prognose, im Hinblick auf die Ausheilung, ist ungewiss. Führen bei kleinen Befunden die Therapieversuche

nicht zum Erfolg, oder liegen ausgedehnte Befunde mit großen Arealen freiliegenden Knochens vor, so sollte

die Therapie unter Allgemeinnarkose, stationärer Betreuung und parenteraler antiinfektiöser Therapie erfolgen.

10. Implantatversorgung und BP-Medikation:

Die derzeitige Datenlage reicht noch nicht aus, um allgemeine Empfehlungen zu geben. Die DGZMK empfiehlt, dass

eine Implantation unter einer laufenden BP-Therapie individuell abzuwägen ist. So lange alternative suffiziente Versorgungsmöglichkeiten

bestehen, sollte z. Zt. bei Hochrisikopatienten, die eine intravenöse BP-Gabe wegen einer

malignen Grunderkrankung erhalten, auf Implantate verzichtet werden. Da die Halbwertzeit der BP im Knochen sehr

lange ist (ca. 10 Jahre), kann ein Zeitintervall zur unkritischen Implantation nach Absetzen einer BP-Therapie bei Hochrisikopatienten

wahrscheinlich gar nicht gegeben werden. Die Tatsache, dass unter BP schwer zu behandelnde Kiefernekrosen

auftreten können, muss allen bekannt sein, die BP verordnen und applizieren.

zahnärzteblatt 02 2009


zb_wissenschaft

Die BP bedingte Kiefernekrose manifestiert sich in der Regel an einem anderen Ort, als dem primären Tumorgeschehen.

Daher muss die Kommunikation zwischen den Onkologen und Zahnärzten/MKG-Chirurgen verbessert werden.

Der Unterzeichner möchte dringend empfehlen, dass bei den in den Praxen erstellten Anamnesebögen unbedingt

nach einer BP-Gabe gefragt werden sollte, so wie es heute schon gängig ist, sich nach blutverdünnenden Mitteln zu

erkundigen.

11. Derzeit verwendete Bisphosphonate (BP):

Intravenös verabreichte BP Oral verordnete Bisphosphonate

(häufig bei Patienten mit malignen

Erkrankungen)

(häufig bei Osteoporose)

Zoledronat (Zometa) Ibandronat (Bonviva)

Pamidronat (Aredia) Alendronat (Fosamax)

Ibandronat (Bondronat) Risedronat (Actonel)

Tiludronat ( Skelid *)

Clodronat (Ostac, Bonefos)

Etidronat (Didronel, Diphos)

* nicht zugelassen für Osteoporose, zugelassen für Morbus Paget

Literaturnachweise können in der Redaktion angefordert werden.

Prof. Dr. Dr. Rolf Singer

Ludwigshafen/Frankenthal

zahnärzteblatt 02 2009

61


zb_praxis

Die Leitungs- und die Infiltrationsanästhesie sind nach wie vor indiziert

Wegen der eng begrenzten Ausbreitung des injizierten Anästhetikums und der relativ kurzen Dauer der intraligamentären

Anästhesie (ILA) kann diese Lokalanästhesie-Methode die Anforderungen für extensive

chirurgische Eingriffe nicht erfüllen. Es ist zwar möglich, den Ausbreitungsraum der Analgesie durch zusätzliche

Injektionspunkte und die Erhöhung der Anzahl der intraligamentalen Injektionen zu vergrößern, die ILA

sollte aber trotzdem nicht für länger dauernde und ausgedehnte dentoalveoläre chirurgische Eingriffe gewählt werden

(Dirnbacher und Weber 2006, Glockmann et al. 2005).

Komplikationen der intraligamentären Anästhesie

Die im Zusammenhang mit intraligamentalen Injektionen – vor allem in englischsprachigen Publikationen – beschriebenen

Komplikationen, die 1983 im Auftrag der American Dental Association von Giovannitti und Nique zusammengefasst

wurden, und die – damals noch offenen – Fragen, sind in den letzten 25 Jahren systematisch beantwortet

wurden.

Histologische Effekte

Alle durchgeführten histologischen Studien (Walton und Garnick 1982, Fuhs et al. 1983 und Galili et al. 1984) kommen

zu dem Ergebnis, dass intraligamentale Injektionen keinen histologischen Befund von Gewebe-Zerstörungen und keinen

Beweis von irgendwelchen Gewebeschäden gleich auf welcher Ebene zeitigten. Schlussfolgerung aller Autoren:

Die intraligamentäre Zahnanästhesie ist sicher – mit minimalen, kurzzeitigen und reversiblen Entzündungen – und

erweitert die Zahnheilkunde um eine zuverlässige Lokalanästhesie-Methode.

Die Auswirkung intraligamentaler Injektionen auf das Pulpagewebe wurde 1985 von Lin et al. untersucht. Sie beobachteten

weder pathologische Veränderungen wie hydropische Degeneration oder ischämische Nekrosen noch Entzündungen

in den Pulpen der im Rahmen der Studie untersuchten Zähne.

62

zahnärzteblatt 02 2009

Die intraligamentäre Anästhesie:

Stand der Zahnheilkunde

Teil 1

Ist die intraligamentäre Anästhesie wirklich so effektiv, dass sie als primäre Lokalanästhesiemethode anstelle von

Leitungs- und Infiltrationsanästhesie angewandt werden sollte? Dies war die zentrale Frage einer zahnmedizinischen

Fortbildung in Kandel. Die Teilnehmerzahl des Workshops mit praktischen Übungen am Schweinekiefer war aus technischen

Gründen auf 25 Personen begrenzt – für die Teilnehmer eine wirkungsvolle Fortbildung. Nachstehend eine

Zusammenfassung der vorgestellten und ausführlich diskutierten Fakten, die für alle Teilnehmer weitgehend neu

und auch vor dem Hintergrund der aktuellen Rechtsprechung hochaktuell waren.

Der Referent der Fortbildungsveranstaltung, Lothar Taubenheim (Düsseldorf), der gemeinsam mit Professor Eike Glockmann

(Jena) zahlreiche Studien koordiniert und international publiziert hat, stellte die wissenschaftlichen und

klinischen Ergebnisse der aktuellen Studien vor und zeigte Grenzen und Nutzen der intraligamentalen Einzelzahnanästhesie

auf.


Gewebstraumatisierungen – Nekrosen

In ihrer Observationsstudie betrachteten Zugal et al. (2005) ganz speziell den Aspekt der in der Literatur beschriebenen,

im Tierversuch histologisch festgestellten, Gewebstraumatisierungen (Galili et al. 1984, Walton und Garnick

1982) beim Eindringen der Kanüle ins Desmodont (Nadeltrauma), sowie Abrisse der Desmodontalfasern von der

Alveolenwand und Knochenumbaureaktionen (Plagmann und Jagenow 1984). Bei 205 dokumentierten Fällen (132

Patienten in 186 Sitzungen) wurden keine Gewebsveränderungen (Nekrosen) oder sonstige Auffälligkeiten (Druckschmerz)

mitgeteilt, gemeldet oder diagnostiziert.

In seinem Basisartikel über die intraligamentäre Anästhesie schreibt Einwag bereits 1985, dass Nekrosen im Bereich

der Einstichstelle Einzelfälle sind, die im Wesentlichen durch falsche Injektionstechnik (zu schnelles Infiltrieren, falsche

Lage der Kanülenspitze) generiert wurden. Mit modernen Applikationssystemen ist – bei ausreichender Methoden-Beherrschung

– nicht mehr mit Drucknekrosen zu rechnen.

Dolor post extractionem – Wundheilungsstörungen

Heizmann verglich 1987 in einer prospektiven Studie jeweils 110 Fälle von unter intraligamentärer bzw. Leitungs- oder

Infiltrationsanästhesie extrahierten Zähnen mit Blick auf Wundheilungsstörungen (Dolor post extractionem bzw. trockene

Alveole). Dabei applizierte er 4%ige Articainhydrochlorid-Lösung mit 1:200.000 Adrenalin. Für die intraligamentalen

Injektionen verwendete er die Dosierhebelspritze Citoject. Bei insgesamt 330 Fällen dokumentierte er 14 Fälle

von Wundheilungsstörungen. Es gab keinen signifikanten Unterschied bei den drei verglichenen Lokalanästhesiemethoden.

In ihrer Publikation kommen Heizmann und Gabka zu dem Schluss, dass die Infektionen wahrscheinlich nicht

durch die Injektion ausgelöst werden, sondern speziell durch die apikale Ostitis bei zerstörten Zähnen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Tsirlis et al. 1992 mit Blick auf die Häufigkeit des “Dry socket” nach Extraktionen

unter Leitungsanästhesie bzw. intraligamentärer Anästhesie. Sie applizierten 2%iges Lidocain mit 1:80.000 Adrenalin

– bei den intraligamentalen Injektionen mit einer Peripress-Pistolenspritze – und stellen fest, dass der Effekt der trockenen

Alveole bei den dokumentierten 305 Fällen insgesamt elfmal eintrat und es keinen signifikanten Unterschied

zwischen den beiden Methoden gab.

Bakteriämien

Beim Thema Bakteriämien ist die Sepsis von Interesse, die möglicherweise durch die Forcierung von Bakterien in das

Gewebe und in die Blutbahn (Bakteriämie) durch die Injektionsnadel resultieren kann. Beim Gesunden mit funktionsfähiger

Abwehr werden die Mikroorganismen durch Mikro- und Makrophagen innerhalb von Minuten eliminiert,

sodass eine Vermehrung im Blut oder eine Absiedlung in Organen in der Regel auszuschließen ist.

1987 veröffentlichten Rahn et al. die Ergebnisse einer Studie, in der sie feststellten, dass zur Herbeiführung einer

ausreichenden Anästhesietiefe zwar ein bestimmter Mindestdruck des Lokalanästhetikums erforderlich ist, eine

Überschreitung dieses Drucks bzw. der entsprechenden Injektionskraft aber keine Verbesserung der Wirkung bringt

sondern die Häufigkeit der Bakteriämien nach intradesmodontaler Anästhesie signifikant erhöht. Sie verwendeten für

die 50 dokumentierten Fälle eine Ligmaject-Pistolenspritze.

Walton und Abbott (1981) präzisieren, dass bei intraligamentalen Injektionen Bakteriämien ausgelöst werden können,

aber wahrscheinlich in keinem größeren Umfang als bei anderen zahnmedizinischen Verfahren. Die intraligamentale

Injektion kann mit subgingivalem Scaling (Scaling und Root Planing) verglichen werden, was in einem kleinen Prozentsatz

der Fälle zu Bakteriämien führt. Diese Bakteriämien waren transient. Während einer mehr als 10jährigen

breiten Anwendung in Klinik und Praxis haben Heizmann und Gabka (1994) keine Bakteriämie beobachtet, was auch

von Endo et al. (2008) und von Zugal et al. (2005) bestätigt wird.

zahnärzteblatt 02 2009

zb_praxis

63


zb_praxis

Eine besondere Betrachtung erfordert das Vorliegen einer Endokarditis, der Status nach einer Endokarditis sowie von

Erkrankungen oder Ersatz von Herzklappen! In diesen Fällen kann eine Absiedlung von Bakterien aus dem Blut zu

ernsthaften Komplikationen für den Patienten führen. Daher ist es selbstverständlich, unter strenger Beachtung der

Anamnese bei o. g. Erkrankungen, das mögliche Auftreten einer Bakteriämie als Risikofaktor in zahnärztlichen Behandlungsplänen

und -abläufen zu berücksichtigen; insbesondere sind invasive Eingriffe unter Antibiotikaschutz vorzunehmen.

Diese Vorsichtsmaßnahme ist nicht nur bei einer ILA sondern auch bei anderen Manipulationen am Zahnfleischsulkus,

z. B. Zahnsteinentfernungen, einzuhalten (Aderholt und Leilich 1997, Knirsch et al. 1999). Für den gefährdeten

Patientenkreis sollte neben dem indizierten Antibiotikaschutz als weitere Vorsichtsmaßnahmen eine Verringerung der

Keimzahl der Mundhöhle – unabhängig von der Methode der Lokalanästhesie – selbstverständlich sein.

Bei Endokarditisrisiko besteht somit eine berechtigte Einschränkung für die Anwendung der ILA, da auch ihre Durchführung

zu vermehrtem Auftreten einer Bakteriämie führt (Rahn et al. 1987). Für Glockmann und Taubenheim (2002)

stellt Endokarditisrisiko eine absolute Kontraindikation für die intraligamentäre Anästhesie dar.

Injektionsschmerzen

Das Phänomen „Angst vor der Spritze“ kommt nicht nur bei Kindern und geistig Behinderten vor, es ist durchaus auch bei

Erwachsenen zu finden. „Spritzenangst“ kann sich zu einer manifesten Spritzenphobie steigern. Der Einstichschmerz,

das Aussehen der Injektionsspritze selbst, der Geruch des Anästhetikums, möglicherweise eigene unangenehme Erfahrungen

verbinden sich zu einer Aversion gegen die „Spritze“ – in diesem Fall als Synonym für Lokalanästhesie.

Bei einer lege artis durchgeführten intraligamentären Anästhesie treten praktisch kaum Injektionsschmerzen auf.

Der von Zugal (2001) bei 205 durchgeführten intraligamentären Anästhesien in 27 Fällen notierte Injektionsschmerz

wurde überproportional von Kindern berichtet.

Besonders nett erklärte Einwag (1982) bisher unkooperativen Kindern, dass nicht „in das Zahnfleisch eingestochen“,

sondern „die Nadel nur in den Spalt zwischen Zahn und Zahnfleisch eingeschoben“ würde. Ein anschaulicher Vergleich:

Ein Spalt wie zwischen Fingernagel und Fingerkuppe. Von 31 bisher nichtkooperativen Kindern ließen sich 28

mit der „neuen“ Technik der ILA injizieren. Nach 53 erfolgreichen Injektionen wurden 19 Extraktionen, 30 Kavitätenpräparationen

und 4 endodontische Behandlungen durchgeführt. Bei einer erneuten Einbestellung dieser Kinder kam

es in keinem der Fälle zu einer Behandlungsverweigerung.

Die intraligamentäre Anästhesie verursacht infolge der verwendeten feinen Kanülen selten stärkere Einstichschmerzen.

Das Phänomen der Spritzenangst des Patienten kann somit reduziert werden. Allerdings geben Heizmann

und Gabka (1994) zu bedenken, dass auch Injektionsapparate,

die nicht aussehen wie Spritzen,

zwar für die Vorstellung des Patienten vorteilhaft

sind, aber bei überängstlichen Patienten dennoch

Spritzen bleiben.

64

zahnärzteblatt 02 2009

Abb. 1:

Zur Reduzierung des Empfindens

des Einstiches empfiehlt es sich,

unmittelbar vorher einen Tropfen

Anästhetikum an der Injektionsstelle

abzulegen.


Unerwünschte Effekte der intraligamentären Anästhesie

In diversen Publikationen werden u. a. von Faulkner 1983, Glockmann et al. 1997, Kaufman et al. 1983, Malamed 1982,

Plagmann 1987 ungewünschte Effekte (Vorkontakte, Diskomfort, Elongationsgefühl, Druckschmerz) nach dem Abklingen

der intraligamentären Anästhesie beschrieben. Grund dafür ist oft, dass die Injektion der Anästhesie-Lösung

nicht unter ausreichender Berücksichtigung der individuellen anatomischen Verhältnisse des Patienten erfolgt ist.

Huber und Wilhelm-Höft (1988) haben in einer Studie gezeigt, dass Zähne in ihrer Alveole bewegt werden können:

Während der Injektion wird ein Flüssigkeitsvolumen in einen Raum gepumpt, der bereits vollständig ausgefüllt ist. Da

Flüssigkeiten inkompressibel sind, kommen primär nur eine Dehnung des Alveolarfaches oder eine Verlagerung des

parodontalen Flüssigkeitspolsters nach Art eines hydraulischen Druckausgleiches in Betracht (was von den zahnumgebenden

Nevenendigungen registriert wird).

Um die angesprochenen ungewünschte Effekte zu vermeiden, ist das Anästhetikum sehr langsam zu injizieren, um

dem Gewebe Gelegenheit zu geben, die applizierte Lösung zu resorbieren. Mit zunehmender Injektionszeit nimmt der

erforderliche Injektionsdruck zur Überwindung des Gewebswiderstands kontinuierlich ab, weshalb für die Injektion

von circa 0,2 ml eine Injektionszeit von ~20 Sekunden empfohlen wird; bei einer 2. Wurzel desselben Zahns sollte die

Injektionszeit etwas verlängert werden (>20 sec) und bei einer dritten Wurzel sollte sie >25 Sekunden betragen.

Anästhesieversager

Einwag (1985) schreibt, dass in der Anfangsphase der klinischen Erprobung bei jeder zweiten intraligamentären Anästhesie

ein Misserfolg zu verzeichnen war. Diese hohe Zahl von Anästhesieversagern beruhte weitgehend auf Unterdosierung.

Durch Zusatzapplikationen konnte der Anästhesieerfolg auf 90 Prozent gesteigert werden. Aktuelle Studien

zeigen, dass der Erfolg der Anästhesie auch von den angewandten Instrumenten, den applizierten Anästhetika und

der Methoden-Beherrschung abhängig ist. Zugal (2001) kommt auf einen Anästhesieerfolg von 97,5 Prozent, Dirnbacher

(2002) auf 98,0 und Weber (2005) auf 97,8 bzw. 94,1 Prozent – vor angezeigten Caries-profunda-Behandlungen

bzw. Vitalexstirpationen.

Bei sicherer Methoden-Beherrschung ist die intraligamentäre Anästhesie bei allen Zähnen erfolgreich, sowohl im

Frontzahn- als auch im Seitenzahnbereich – auch als Alternative zur Leitungsanästhesie des N. alveolaris inferior.

Gegebenfalls muss bei stark entzündetem Gewebe mit mehr als 30 Sekunden Latenzzeit gerechnet werden, sie kann

auf circa 60-90 Sekunden steigen (Weber et al. 2006).

Anästhetika-Unverträglichkeit

Die Frage von Brännström (1982), ob der Zusatz von Vasokonstringenzien für die Anästhesiedauer der ILA von Bedeutung

ist – oder ob man darauf verzichten kann – wurde in diversen Studien u. a. von Garfunkel et al. 1985, Heizmann 1987,

Glockmann et al. 1997 auch immer mit betrachtet. Gray et al. (1987) sind dieser Frage konkret nachgegangen und kommen

im Rahmen ihrer Vergleichsstudie (48 vs. 50 Fälle) zu dem Ergebnis, dass der Zusatz von Adrenalin zur Anästhetika-

Lösung die Erfolgssicherheit der Analgesie mehr als verdoppelt: 91,6 Prozent Erfolgsrate bei Verwendung von Lignocaine

2 Prozent mit Adrenalin 1:80.000 vs. 42,0 Prozent Anästhesieerfolg bei Verwendung von Lignocaine 2 Prozent ohne

diesen vasokonstriktorischen Zusatz.

Heizmann und Gabka (1994) schreiben: Bei den Anaesthetika gibt es keine Einschränkungen; alle üblicherweise verwendeten

Substanzen können uneingeschränkt eingesetzt werden. Infolge der geringen Dosierung können – selbst

bei Risikopatienten – auch Lösungen verwendet werden, die einen relativ hohen Adrenalinzusatz haben.

Dr. Kerstin Bienroth

zahnärzteblatt 02 2009

zb_praxis

65


zb_bundeszahnärztekammer

Parlamentarischer Abend stand im

Zeichen der „Mundgesundheit von

Menschen mit Behinderungen“

Als großen Erfolg für die politische und öffentliche

Wahrnehmung der Probleme im Zusammenhang

mit der notwendigen Verbesserung

bei der zahnmedizinischen Versorgung von Menschen

mit Behinderungen wertet der Vizepräsident der

Bundeszahnärztekammer (BZÄK), Dr. Dietmar Oesterreich,

den Parlamentarischen Abend, den die BZÄK und

die CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Rolf Koschorrek

und Dr. Hans Georg Faust, Mitte April gemeinsam in Berlin

veranstaltet haben. Der Zahnarzt und der Facharzt

für Anästhesie, zugleich stellvertretender Vorsitzender

des Gesundheitsausschusses im Bundestag, hatten

neben Parlamentariern auch Vertreter von Ministerien,

Verbänden und Vereinen sowie der Zahnärzteschaft

zum Thema „Mundgesundheit von Menschen mit Behinderungen“

eingeladen. „Die guten Besucherzahlen

der Veranstaltung zeugen von einem wachsenden

Problembewusstsein für diese versorgungspolitische

Herausforderung“, erklärte Oesterreich im Anschluss

an die Veranstaltung. „Notwendig sind jetzt konkrete

Handlungsansätze für die besonderen Behandlungsbedürfnisse

von Menschen mit Behinderungen.“ Dafür

müssten gesetzliche Grundlagen geschaffen werden,

die auch Präventionsangebote und Planungsgrundsätze

außerhalb des Budgets zuließen. Neben der Verbesserung

der Mundgesundheit zielen die Aktivitäten der

BZÄK auch auf die Vermeidung von Folgeerkrankungen,

die Verbesserung der Lebensqualität und der Rehabilitation/Integration

sowie der sozialen Akzeptanz.

„Hier haben wir einen Stein ins Rollen gebracht“, setzt

Oesterreich auf eine gesteigerte Sensibilität für diese Anliegen.

Als ein Beispiel der vielfältigen Aktivitäten der Zahnärzteschaft

stellte Dr. Imke Kaschke, stellvertretende

Vorsitzende der AG Behindertenbehandlung des Berufsverbands

deutscher Oralchirurgen und Managerin

der Healthy Athletes der Special Olympics Deutschland,

in einem Vortrag Probleme und Ergebnisse des Berliner

Gruppenprophylaxeprogramms zur Mundgesundheit

66

zahnärzteblatt 02 2009

behinderter Menschen vor.

Dabei wurde auch klar, dass

es nicht um eine Randgruppe

geht: Insgesamt beträgt die

Zahl der amtlich anerkannten

Schwerbehinderten in der

Bundesrepublik laut Statistischem

Bundesamt etwa 6,6

Millionen. Vor allem bei verminderten

motorischen und/

oder geistigen Fähigkeiten

zählen diese Menschen rasch

zur Hochrisikogruppe für Karies-

und Parodontalerkrankungen.

In Berlin hat etwa das Modell mit Gruppenprophylaxe

in Behinderteneinrichtungen in diesem Bereich

nachweislich gute Erfolge gezeigt.

„Wir sind auf einem guten Weg“, zeigt sich BZÄK-Vizepräsident

Oesterreich zuversichtlich. „Jetzt müssen weitere

gemeinsame Schritte von Standespolitik, Wissenschaft

und Politik folgen. Ziel bleibt es dabei, uns nachhaltig

und wirkungsvoll für die Belange von behinderten Patienten

und Menschen mit besonderen Bedürfnissen

einzusetzen.“ Dies bleibe ein wichtiges präventives und

berufsethisches Handlungsfeld.

Gesetz zur Regelung des Schutzes

vor nichtionisierender Strahlung

Gegen die Erstreckung der Vorschriften aus diesem

Gesetz wird sowohl von der Bundeszahnärztekammer

beim Gesetzgeber als auch von

den (Landes-) Zahnärztekammern durch Einflussnahme

auf den Bundestag und den Bundesrat vehement

opponiert. Beim Bundesministerium für Umweltschutz,

Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) wurden vom

Präsidenten, Dr. Peter Engel, der Staatssekretärin Astrid

Klug, die negativen Auswirkungen auf die Praxisführung

erläutert. Die Staatssekretärin erklärte kategorisch, dass

das Gesetz in vorliegender Fassung verabschiedet werde.

Nach massivem Insistieren erklärte sich die Staatssekretärin

jedoch bereit, die zahnärztlichen Anliegen in

den weiteren Gesprächen bei den noch zu verabschie


denden Verordnungen zur

Durchführung bzw. Umsetzung

zu berücksichtigen. Ergänzend

ist am 13. Mai ein

weiteres Gespräch mit dem

Berichterstatter der SPD-

Bundestagsfraktion im Umweltausschuss,

Detlef Müller,

geplant, um nochmals Einfluss

auf die Entscheidung

im Parlament zu nehmen. Am

29. April haben die Ausschüsse

für Arbeit und Soziales und

für Gesundheit des Bundesrates

mit knapper Mehrheit für den Vorschlag zur Streichung

bezüglich medizinischer Anwendung von nichtionisierender

Strahlung aus dem Gesetz gestimmt, sodass

für die Berücksichtigung zahnärztlicher Interessen bei

der Abstimmung im Bundesrat am 15. Mai wieder Hoffnung

besteht.

Rubehn folgt auf Küchenmeister

Neuer Präsident der Zahnärztekammer Schleswig-

Holstein ist Dr. K. Ulrich Rubehn (Elmshorn). Rubehn,

der sich als Gebührenexperte bundesweit

einen Namen gemacht hat, wird vom wiedergewählten

Vizepräsidenten Dr. Michel Brandt (Kiel) unterstützt. Der

scheidende Präsident, Hans-Peter Küchenmeister, gehörte

dem Vorstand seit 25 Jahren an. Zwölf Jahre war er

Vizepräsident, vier Jahre Präsident. Küchenmeisters Spezialgebiet

war die Öffentlichkeitsarbeit, in der er bundesweit

Akzente setzen konnte. Der 64-jährige wird als Vorsitzender

des Landesverbandes der Freien Berufe im Norden

aktiv bleiben.

zb_bundeszahnärztekammer

BZÄK und

Patientenrechterichtlinie

Als zwiespältig sieht die Bundeszahnärztekammer

(BZÄK) das Ergebnis der Abstimmung des

Europäischen Parlaments (EP) zur Patientenrechterichtlinie

an. Intention dieser europäischen Initiative

ist die Verstärkung der grenzüberschreitenden

Inanspruchnahme von Gesundheitsdienstleistungen

innerhalb der Europäischen Union, z. B. durch eine

europaweite Sicherstellung der Kostenerstattung für

Patienten. Dieser Ansatz wird von den deutschen

Zahnärzten ausdrücklich unterstützt. Auch der Vorschlag

des EP, nach dem der Patient künftig dem

Recht des Landes unterliegt, in dem er behandelt wird

(so genannte Behandlungsmitgliedstaatsprinzip), sowie

die Beteiligung der Selbstverwaltung der Heilberufe

bei der Ausgestaltung der Richtlinie werden

begrüßt. Positiv wird außerdem die Abschaffung der

Vorabgenehmigung beim stationären Aufenthalt im

Ausland gewertet.

Kritisch hingegen beurteilt die BZÄK u. a. die Vorschläge

zur elektronischen Übermittlung von Patientendaten

und zur Weiterbehandlung im Inland nach

eventuell missglückter Behandlung im Ausland.

Darüber hinaus wehrt sich die BZÄK gegen jegliche

Versuche, von der europäischen Ebene aus Einfluss

auf die Gebührenstrukturen in den Mitgliedstaaten

zu nehmen.

„Auch wenn einige Aspekte der Abstimmung von

uns mitgetragen werden können, sind wir der Auffassung,

dass es einer ausführlicheren Folgenabschätzung

vor der entscheidenden Abstimmung im EP bedurft

hätte. Bei zu vielen Forderungen des EP ist noch

überhaupt nicht absehbar, zu welchen praktischen

Folgen dies in den Mitgliedstaaten führt“, so BZÄK-

Präsident Dr. Peter Engel. Die BZÄK behalte es sich

daher vor, entsprechende Änderungen nach Beendigung

der Diskussionen auf Ebene des Ministerrates

gegebenenfalls in der zweiten Lesung in Brüssel

durchzusetzen, so Engel weiter.

zahnärzteblatt 02 2009

67


zb_jubiläum/ermächtigung

Wir gratulieren!

68

zahnärzteblatt 02 2009

Am 01. Juli 2009 begehen Frau Tanja Lorenz (li.)

und Frau Michaela Wichter (re.) ihr 25–jähriges

Berufsjubiläum in der Praxis Dr. Hans-Joachim

Kötz in Idar-Oberstein. Nach dem gemeinsamen Schulbesuch

begannen sie zur gleichen Zeit ihre Ausbildung,

die erwartungsgemäß auch gemeinsam abgeschlossen

wurde. Unterbrechungen der beruflichen Tätigkeit gab es

lediglich während der „Elternzeiten“.

Vor zehn Jahren begann Frau Monja Barth (unten) ihre

Ausbildung. Am 01. August 2009 kann sie auf ununterbrochene

Praxiszugehörigkeit zurückblicken.

Einem Praxisinhaber, der nicht nur die beispielhafte Treue

seiner Mitarbeiterinnen erfährt, sondern auch spürt, dass

sie sich in „ihrer“ Praxis wohl fühlen, kann nichts Besseres

widerfahren. Dr. Kötz bedankt sich für die Loyalität, die

fachliche Kompetenz und den verbindlichen Umgang im

zurückliegenden Vierteljahrhundert.

Ermächtigung auf dem Gebiet der „Zahnärztlichen Chirurgie“

gem. §§4,15 der Weiterbildungsordnung vom

20.12.2004 (befristet auf 5 Jahre)

(anrechenbare Weiterbildungsberechtigung 1 Jahr gem. § 16

Abs. 3 WBO

Dr. Ingrid Kästel

Fachzahnärztin für Oralchirurgie

Bismarckstr. 27

67059 Ludwigshafen


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Unterschrift

zahnärzteblatt 02 2009

69


zb_berufsverbände Freier Verband Deutscher Zahnärzte e. V.

Die diesjährige Landesversammlung

des FVDZ RLP am 16. Mai 2009

in Mainz stand ganz im Zeichen des

Widerstandes gegen die Einführung

der elektronischen Gesundheitskarte.

Die Landesvorsitzende Dr.

Marianne Biermeyer informierte die

Delegierten in ihrem Bericht u. a.

ausführlich über den aktuellen Stand

der elektronischen Gesundheitskarte

und legte dabei insbesondere im

Hinblick auf die fehlende Datensicherheit

den Finger in die Wunde.

Bei der anschließenden angeregten

Podiumsdiskussion unter Leitung

von Herrn RA Lennartz zeigten das

FVDZ-Bundesvorstandsmitglied ZA

Die Tatsache, dass alleine die

Anschaffung eines solchen

Gerätes alle Beteiligten circa

2,4 Milliarden Euro kostet, wird unter

den Tisch gekehrt. Als besonders

peinlich empfindet der Bundesvorsitzende

des Freien Verbandes, Dr.

Sundmacher, den beschwichtigen

Tonfall mancher Politiker bezüglich

der elektronischen Gesundheitskarte

angesichts der mit Datum 06.

Mai 2009 aus den USA kommenden

Nachricht, dass dort Hacker offenbar

die äußerst sensiblen Krankendaten

von circa acht Millionen Schmerzpatienten

aus dem Zentralcomputer

des „Virginia Prescription Monitoring

Programs“ entwendet haben. Es

handelt sich hierbei um ein System,

das auch die E-Card unterstützen

soll.

70

zahnärzteblatt 02 2009

Landesverband Rheinland-Pfalz

Landesversammlung lehnt die Einführung der

elektronischen Gesundheitskarte ab!

Bertram Steiner, Dipl. Informatiker

Thomas Maus und Dr. Jürgen Braun-

Himmerich, zuständiges Vorstandsmitglied

der KZV Rheinland-Pfalz die

Schwachstellen des Milliardenprojekts

des BMG´s auf. Für ausreichend

Diskussionsstoff sorgte Dr. Jürgen

Faltin, Referent für Gesundheitsrecht

im Ministerium für Arbeit, Soziales,

Gesundheit, Frauen und Familie in

Mainz unter anderem mit seiner Aussage,

die eGk diene einer „zielorientierten

Führung der Patienten durch

das Gesundheitswesen“. Eine deutliche

Absage an die Einführung der

elektronischen Gesundheitskarte erfolgte

dann durch einen einstimmig

Rollout der elektronischen Gesundheitskarte

Auch der Bonner Informatik-Professor

Hartmut Pohl brachte in einem

Interview mit der „Financial Times

Deutschland“ im Frühjahr dieses

Jahres seine Bedenken bezüglich der

Datensicherheit zum Ausdruck. Ich

zitiere: “…Und selbst wenn der Betreiber

die Daten, zu denen auch der

Arzt Zugang hat, so sicher aufbewahre

wie möglich -… in dem Moment, wo

jemand von außen auf sie zugreift,

sind sie so unsicher wie alles, was auf

einem ganz normalen Server liegt.“

Der gesundheitspolitische Sprecher

der FDP, Daniel Bahr, fordert Datenhoheit

für den Patienten. Auch die Speicherung

von Notfalldaten müsse freiwillig

bleiben, so Bahr. Birgit Bender,

Sprecherin der Partei Bündnis 90/Grüne,

moniert, nicht nur Technik-Freaks,

beschlossenen Antrag der Delegierten

am Nachmittag. Die Anwesenheit

der standespolitischen Vertreter

der LZK Rheinland-Pflaz, der KZV

Rheinland-Pfalz, der Bezirkszahnärztekammern

und der Delegierten des

FVDZ hat die Veranstaltung zu einem

großen Erfolg werden lassen. Nicht

nur der Bundesvorsitzende des FVDZ

Dr. Karl-Heinz Sundmacher, sondern

auch die vier anwesenden Vorsitzenden

der benachbarten Landesverbände

zeigten sich erstaunt über die

große Resonanz, die die Veranstaltung

des Landesverbandes hatte.

Dr. Holger Kerbeck

sondern auch alte Patienten und behinderte

Menschen müssten mit der

E-Card umgehen und ihre sechsstellige

Pinnummer behalten können.

Nun ist aber die elektronische Gesundheitskarte

im Jahr 2003 durch

das GKV-Modernisierungsgesetz

beschlossen und im § 291 a SGB

V verankert worden. So soll nach

dem Willen des Gesetzgebers die

Krankenversichertenkarte zur Verbesserung

von Wirtschaftlichkeit,

Qualität und Transparenz („gläserner

Arzt“) der Behandlung von Patienten

(„gläserner Patient“) zu einer elektronischen

Gesundheitskarte erweitert

werden. Dagegen aber fordert das

im Grundgesetz verankerte Recht auf

informationelle Selbstbestimmung

verbunden mit Patientengeheimnis


Freier Verband Deutscher Zahnärzte e. V.

und ärztlicher Schweigepflicht den

Datenverkehrsschutz ein.

Um die elektronische Gesundheitskarte

und die spätere Online-Anbindung

zu ermöglichen, wurden

Feldversuche durchgeführt, die aber

nur partiell analysiert und bis heute

noch nicht zu Ende geführt wurden.

Ferner wurde die Gematik gesetzlich

beauftragt, Regelungen für den Datenschutz

zu erstellen. Einen zugriffssicheren

Zentralserver gibt es aber

nicht; auch ein Schutz der Stammdaten

ist bisher nicht gewährleistet;

ebenso fehlt eine Zugriffskontrolle

für die Patienten.

Nur eines ist sicher: Die Tatsache

nämlich, dass mit Einführung der

E-Card und der späteren Online-Anbindung

gigantische Kosten auf uns

zukommen. Experten sprechen von

mehreren Milliarden Euro für das gesamte

Bundesgebiet.

Trotz der ganzen noch unausgegorenen

Fakten hat das BMG mit dem

Beginn des Rollout im vergangenen

Herbst begonnen. Der „Startschuss“

fiel am 11. Dezember 2009 in Düren,

nachdem sich zuvor der nordrheinische

KV-Vorsitzende Hansen ohne

erkennbare Not freiwillig dazu bereit

erklärt hatte, dass dieser in seinem

Bereich beginnen solle. Schon in Düren

wehrten sich die Kollegen in einer

Demo vehement gegen die Einführung

der E-Card. In der Folgezeit starteten

der nordrheinische FVDZ-Landesverband

und die Freien Ärzte eine

Kampagne gegen die Einführung der

eGK. Auch die Vertreterversammlung

der KV Nordrhein stellte sich gegen

die Entscheidung ihres Vorsitzenden

Hansen und schloss sich der Forderung

der Ärztekammer Nordrhein an,

den Basis-Rollout vorerst auszusetzen.

Konsequenterweise hatten sich

Ende März 2009 erst 130 von 15000

nordrheinischen Ärzten ein Lesegerät

zugelegt.

Da die Nachbarbundesländer im

„Zwiebelschalen-Modell“ nach Nordrhein

mit der Einführung der elektronischen

Gesundheitskarte beginnen

sollen, wenn dort das Quality-Gate

von 85 Prozent erreicht ist, sind wir in

Rheinland-Pfalz mit Westfalen-Lippe,

Niedersachsen und Bremen die nächsten,

die das Rollout treffen wird. Um

die Kollegen und Patienten frühzeitig

vor den Folgen der elektronischen Gesundheitskarte

zu warnen, vor allem

aber vor denen der Online-Anbindung,

hat ihnen der rheinland-pfälzische

zb_berufsverbände

FVDZ-Landesverband Plakate und Flyer

zukommen lassen, die sie vielfältig öffentlichkeitswirksam

verwenden können.

Der FVDZ-Bundesverband hat im

Januar dieses Jahres in Berlin die alljährlich

stattfindende Pressekonferenz

zum Anlass genommen, die dort anwesenden

Journalisten entsprechend

zu informieren. Parallel dazu hat er mit

einer Wandplakataktion an markanten

Berliner-Zentren begonnen, die Bevölkerung

aufzuklären: Nach dem Moto:

„Stoppt die E-Card!“ Ein entsprechend

informativer Wartezimmer- Flyer wurde

den Kollegen natürlich auch zur Verfügung

gestellt.

Dr. Marianne Biermeyer

Landesvorsitzende

zahnärzteblatt 02 2009

71


zb_berufsverbände Freier Verband Deutscher Zahnärzte e. V.

Berlin, Freitag der 13. Februar-

im Pressebüro des Freien

Verbandes Deutscher

Zahnärzte lauschen Mitglieder unterschiedlicher

Landesverbände gespannt

den Ausführungen von Melanie

Fügner.

Welche Spielregeln des Journalismus

muss man beherrschen, um zielge-

72

Profi Pressearbeit perfekt präsentiert

Bericht vom Presseseminar FVDZ in Berlin 13. Februar 2009

zahnärzteblatt 02 2009

richtet und wirkungsvoll Informationen

weiterzugeben? Wie arbeiten

die gängigen Zeitungen, wie und wo

werden Nachrichten platziert?

Übersichtlich und gut strukturiert präsentiert

Frau Fügner die erforderlichen

„Zutaten“ für die immer wichtiger werdende

journalistische Basisarbeit in

den Landesverbänden und Bezirks-

gruppen. Ergänzt wird das Ganze

durch praktische Übungen zu aktuellen

Themen.

Und hier zeigt sich: Es ist sehr schwer,

eine Mitteilung kurz, knapp, sachlich

und dennoch informativ zu gestalten.

Knallhart wird im journalistischen Alltag

die Datenflut gesiebt: Wer nicht im

ersten, spätestens jedoch im zweiten


Freier Verband Deutscher Zahnärzte e. V.

Satz den Leser „fesselt“, hat so gut

wie verloren. Die Chance vertan, das

Zielpublikum zu erreichen. Eine ernüchternde,

aber wichtige Erkenntnis.

Zahlreiche Diskussionen über Problematiken

und Herausforderungen

im Pressebereich, mit denen insbesondere

natürlich die Berliner

Geschäftsstelle, aber auch die Basis

konfrontiert werden, lassen die

Stunden wie im Fluge vergehen.

Es fi ndet ein reger Erfahrungsaustausch

zwischen den Kolleginnen und

Interessierte Zuhörer

Kollegen der verschiedenen Bundesländer

statt, angereichert mit Tipps

vom Profi : Was ist sinnvoll für die lokalen

Tageszeitungen? Wie mache ich

auf mein Anliegen aufmerksam, welche

journalistischen Werkzeuge haben

sich dabei besonders bewährt?

Das Fazit: Ein hervorragender Einblick

in die professionelle Pressearbeit,

eine „To do“ und „Not to do„-Liste im

Kopf und im Gepäck und die gewonnene

Einsicht dieses Tages: Zahnärzte

sollen keine Profi -Journalisten werden,

aber gute, solide Basis-Arbeit in

zb_berufsverbände

Melanie Fügner

präsentiert übersichtlich

und gut

strukturiert die

erforderlichen

„Zutaten“ für die

journalistische

Basisarbeit in

den Landesverbänden

und Bezirksgruppen.

diesem Bereich: Yes, we can! mit Unterstützung

des FVDZ-Teams in Berlin

und Presseseminaren wie diesen!

An dieser Stelle sei herzlich Dank

gesagt an unseren Rheinland-Pfälzischen

Landesvorstand, allen voran

Dr. Marianne Biermeyer, die den Besuch

des Presseseminars ermöglicht

hat.

ZÄ Ulrike Stern

FVDZ/Bezirksgruppe Rheinhessen

Dr. Heike Rump-Schäfer

FVDZ/Bezirksgruppe Koblenz

Strahlende Gesichter: Zahnärztin Ulrike Stern (li) und Dr. Heike

Rump-Schäfer

zahnärzteblatt 02 2009

73

Fotos: Dr. Rump-Schäfer


zb_berufsverbände Freier Verband Deutscher Zahnärzte e. V.

Einfach super!“ – so positiv lässt sich das Fazit der

Teilnehmer des ersten young-dentists Seminares im

„ Stresemann Institut in Bonn auf den Punkt bringen.

Achtundvierzig Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet

waren an diesem Wochenende nach Bonn gekommen,

um sich innerhalb von zwei Tagen in den Bereichen Betriebswirtschaft/Ökonomie

und Endodontie weiterzubilden.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Norbert Grosse,

Vorsitzender der Akademie Praxis und Wissenschaft, starteten

die sehr engagierten Referenten Dr. Susanne Woitzik

(„So programmieren Sie ihre Praxis auf Erfolg“), Dipl.-Hdl.

Joachim Brandes und RA Michael Lennartz („Optimierte

Praxisabläufe – was sollte und was darf delegiert werden.

Praxismarketing – Was macht Sinn? Was ist erlaubt“).

Durch rege Beteiligung der Teilnehmer und das Fachwissen

der Referenten, auch im Bezug auf aktuelle „Stolpersteine“,

verging die Zeit fast schon zu schnell.

Besonders schön war das nun folgende gemeinsame

Abendessen, was zum Kennenlernen untereinander und

Erfahrungsaustausch geradezu einlud. Da auch die Referenten

sich munter dazu gesellten, konnten auch jetzt noch

Fragen in lockerer Atmosphäre beantwortet werden, die vorher

zu kurz oder wie so oft, erst im Anschluss aufkommen.

Der folgende Tag stand dann ganz im Zeichen der Wissenschaft:

Dr. Christoph Zirkel „Endodontie heute – ein

antibakterielles Behandlungskonzept“ zeigte anhand

vieler Falldarstellungen den zeitgemäßen und langfristig

erfolgreichen Weg der modernen Endodontie. Auch er begeisterte

sichtlich alle Seminarteilnehmer und konnte jede

Menge Tipps und Tricks vermitteln. Im Anschluss nutzten

alle Seminarteilnehmer die Möglichkeit, um nach Unterweisung

durch Dr. Zirkel in die richtige Arbeitsweise mit

dem Endomotor VDW Gold/Mtwo-Pfeilensystem, freundlicherweise

durch VDW für alle Seminarteilnehmer bereitgestellt,

das neu Erlernte direkt umzusetzten und unter seinen

aufmerksamen Augen weiter zu verbessern.

Dr. Christian Honert

74

zahnärzteblatt 02 2009

Erstes yd² young dentists-Meeting

Seminarbericht 17. und 18. April in Bonn

Das young-dentists-Team (v. li.): Thomas Walber, Birgit Barten,

Gabriele Brandenburg

Fröhliche Gesichter unter den Teilnehmern

Dr. Christoph Zirkel: „Endodontie heute – ein antibakterielles Behand-

lungskonzept“

Fotos: Dr. Honert


Hausfortbildungen der Klinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten

Johannes Gutenberg-Universität Mainz

15.07.2009 „Lasertherapie in der Zahnerhaltung: Endodontie, Parodontologie, Zahnhartsubstanz“

Poliklinik für Zahnerhaltung

Prof. Dr. B. Willershausen, Dr. A. Kasaj, ZA A. Azaripour

09.09.2009 „Knochenersatzstoffe“

Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

Dr. Dr. Klein/ Prof. Dr. H. Duschner (ASMA)

28.10.2009 „Mundschleimhauterkrankungen – moderne diagnostische Verfahren“

Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie

Dr. F. Röder

25.11.2009 „Grundlagen der Datenakquisition bei CAD-CAM-gefertigtem Zahnersatz“

Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik

Dr. K.-M. Lehmann

09.12.2009 „PA- und Allgemeinerkrankungen“

Poliklinik für Zahnerhaltung

Prof. Dr. B. Willershausen, Dr. A. Kasaj

Die Fortbildungen finden im Großen Hörsaal der Klinik für Zahn-, Mundund

Kieferkrankheiten, Augustusplatz 1, 55131 Mainz, jeweils um 17.00

Uhr statt (Dauer ca. 1 Stunde). Die Teilnahme ist kostenlos. Über eine

Spende für die Fachschaft würden wir uns freuen. Prof. Dr. Herbert Scheller,

Geschäftsführender Direktor, freut sich über eine rege Teilnahme. Selbstverständlich

können auch interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

teilnehmen.

Externe Teilnehmer werden um eine Spende für die Studenten/Fachschaft gebeten!

zb_termine

zahnärzteblatt 02 2009

75


zb_termine

76

Regenerative Parodontaltherapie:

Gewusst wie, wo und wann?

zahnärzteblatt 02 2009

Fortbildungen anderer Organisationen

Datum: 29.07.2009 — 14.00 bis 18.00 Uhr

Referent: Prof. Peter Eickholz

Ort: Frankfurt

Kursgebühr: 140,00 Euro / 110,00 Euro DGZMK-Mitglieder

90,00 Euro APW-Mitglieder

Kursnummer: ZF-21

Fortbildungspunkte: 4

Kontaktadresse: DGZMK

Liesegangstr. 17 a, 40211 Düsseldorf

Tel.: 0211/61 01 98 24, Fax:/61 01 98 11

Mail: dgzmk.springer@dgzmk.de

Wichtiger Hinweis:

Alle APW- und DGZMK-Mitglieder erhalten im Jubiläumsjahr

35,00 Euro Rabatt auf jeden APW Einzelkurs (ausgenommen APW-

Tagungen).

Redaktion u.v.i.S.d.P.:

Markus Brakel, DGZMK-Pressesprecher, Tel. 0211/71 83-601,

Fax: 0211/71 83-582, Markus.brakel@dgzmk.de

Symposium CMD/Orofaziale Schmerzen

Datum: 26. bis 28. November 2009

Thema: Interdisziplinäre Therapie von schmerzhaften

kraniomandibulären Dysfunktionen (CMD)

Ort: Hotel Mercure Süd an der Goldenen Bremm,

Zinzingerstr. 9, 66117 Saarbrücken

Tel.: 0681-5863-0

Organisation/ Dr. Horst Kares

Anmeldung: Grumbachtalweg 9, 66121 Saarbrücken,

Tel.: 0681/894018, Fax: 0681/5847075

www.dr.kares.de, horst@kares.eu

Detailliertes Programm unter www.sqschmerz.de

10. Deutscher Medizinrechtstag in Frankfurt

Datum: 4. und 5. September 2009

Thema: - Telemedizin: Nutzen und Widerstände

- Delegation ärztlicher Leistungen

- Folgen für die Arzthaftpfl icht

- Folgen für die Abrechnung

- Werberecht für Ärzte

- Neue Strategien des Freiberufl er-Marketings

Das Programm können Sie hier herunterladen:

http://www.stiftung-gesundheit.de/medizinrecht/dmrt.htm

Der jährliche Medizinrechtstag ist eine Tagung von

Medizinrechts-Anwälten und Ärzten. Referenten aus Justiz,

Wissenschaft, Praxis, Verbänden und Politik beleuchten im

Rahmen der Veranstaltung einen Themenkreis aus unterschiedlichen

Perspektiven.

Kontakt: Stiftung Gesundheit

Behringstraße 28 a, 22765 Hamburg

Tel. 040/80 90 87-0; Fax 040/80 90 87-555

E-Mail: info@stiftung-gesundheit.de

http://www.stiftung-gesundheit.de


zb_termine

zahnärzteblatt 02 2009

77


zb_termine

Fortbildungen der LZK Rheinland-Pfalz

Ihre Ansprechpartnerinnen bei der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz:

Dagmar Wepprich-Lohse, Tel. 06131/9613 662

Alexandra Albrecht, Tel. 0 6131/9613 661

Carolin Faltin, Tel. 0 6131/9613 673

Mittwoch, 16. September 2009 14.00 - 18.00 Uhr

Oralchirurgisches Kompendium: „Von der Extraktion zur Implantation

– Hartgewebsmanagement in der oralen Implantologie“

Ort: Institut Bildung und Wissenschaft der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Langenbeckstr. 2, 55131 Mainz

Fortbildungspunkte: 4

Kursnr.: 098114

Teilnahmegebühr: € 150,00

Referentin: Dr. Dr. Daniel Rothamel (Köln)

Mittwoch, 28. Oktober 2009 14.00 - 18.00 Uhr

Oralchirurgisches Kompendium: „Oralchirurgische Eingriffe bei

hämorrhagischen Diathesen – ein Konzept für ein abgestuftes

zahnärztlich-chirurgisches Vorgehen“

Ort: Institut Bildung und Wissenschaft der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Langenbeckstr. 2, 55131 Mainz

Fortbildungspunkte: 4

Kursnr.: 098115

Teilnahmegebühr: € 150,00

Referent: Dr. Matthias Burwinkel (Mainz)

Samstag, 7. November 2009 10.00 - 16.00 Uhr

Aktualisierung der Fachkunde im Strahlenschutz für Zahnärztinnen/Zahnärzten

– Examen nach 2004

Ort: Institut Bildung und Wissenschaft der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Langenbeckstr. 2, 55131 Mainz

Fortbildungspunkte: 8

Kursnr.: 098134

Teilnahmegebühr: € 150,00

Referent: Dr. Werner Döring (Betzdorf),

Dr. Peter Matovinovic (Kaiserslautern)

78

zahnärzteblatt 02 2009

Mittwoch, 9. Dezember 2009 14.00 - 18.00 Uhr

Oralchirurgisches Kompendium: „Dreidimensionale Bildgebung

in der Implantologie“

Ort: Institut Bildung und Wissenschaft der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Langenbeckstr. 2, 55131 Mainz

Fortbildungspunkte: 4

Kursnr.: 098116

Teilnahmegebühr: € 150,00

Referent: Prof. Dr. Nikolaus Behneke (Mainz)

Dr. Alexandra Behneke (Mainz)

August 2009 – November 2009

Fortbildungslehrgang zur Zahnmedizinischen Prophylaxe-

assistentin (ZMP)

Ort: Institut Bildung und Wissenschaft der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Langenbeckstr. 2, 55131 Mainz und

Universitäts- und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten

Kursnr.: 098211

Teilnahmegebühr: € 2 250,00

Dauer: ca. 400 Unterrichtsstunden

Anmeldeschluss: 20.06.2009

Oktober 2009 – Februar 2010

Fortbildungslehrgang zur Zahnmedizinischen Verwaltungsassistentin

(ZMV)

Ort: Institut Bildung und Wissenschaft der Landeszahnärztekammer

Rheinland-Pfalz, Langenbeckstr. 2, 55131 Mainz und

externes EDV-Schulungszentrum

Kursnr.: 098212

Teilnahmegebühr: € 2 250,00

Dauer: ca. 420 Unterrichtsstunden

Anmeldeschluss: 20.06.2009


zb_soziale aktion

10 Jahre „ARZT-UND ZAHNARZTHILFE KENYA e.V. “

1999 wurde in Sömmerda (Thüringen) der Verein von engagierten Zahnärzten mit dem Ziel, Not leidende Menschen

zahnärztlich zu versorgen, gegründet. Slumgebiete in Nairobi und Nakuru und das ländliche Gebiet um den Victoriasee

wurden zum Einsatzgebiet gewählt, weil hier auf bestehende Strukturen der Franziskaner zurückgegriffen

werden konnte und Hilfe in vielerlei Hinsicht bitter nötig ist.

Flexibilität und Einfallsreichtum

sind auch heute jederzeit notwendig.

Nicht weniger als acht Zahnstationen

sind mittlerweile durch die

AZHK in Kenia eingerichtet worden. Den

kenianischen Verhältnissen angepasste,

einfach zu wartende, neue und luftgesteuerte

Behandlungseinheiten sind in

allen Stationen installiert.

Erst im Frühjahr haben der Vorsitzende

des Vereins, Hans Joachim Schinkel, und

der Dentaltechniker Torsten Rauch von

der Henry Schein Gruppe, neue Stationen

im St. Monika Hospital Kisumu und

im ländlichen Gebiet von Kaplomboi eingerichtet,

neue Einheiten aufgebaut und

auch in den anderen Stationen umfangreiche

Ausbauten und Reparaturen vorgenommen.

Torsten Rauch hat in all den

Jahren fast jedes Jahr einen Teil seines

Jahresurlaubs geopfert, um die Technik

zu installieren und zu warten. Sein Arbeitgeber,

die Henry Schein Gruppe, die

zu einem wichtigen Sponsor des Vereins

geworden ist, gibt ihm jährlich eine Woche

Sonderurlaub.

Der Verein verwirklicht immer mehr sein

Grundprinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“. Es

wird konsequent die Förderung der Ausbildung

von einheimischen „Oral Health

Officern“ und Zahntechnikern vorangetrieben.

Ein zweiter Studienplatz für

Zahnmedizin für eine geeignete Franziskanernonne

ist ausgeschrieben. Die

Fahrzeuge für die mobilen Einsätze werden

teilweise ausgetauscht und erneuert.

In dem Patenschafts-Programm werden

nunmehr 370 Waisenkinder betreut

und mit allem versorgt, was sie zum Leben

und zur Ausbildung brauchen. Auch

hier kommt die Hilfsbereitschaft direkt

an. Da der Verein schon über 70 Kinder,

die unter unwürdigen Bedingungen litten,

in einem Interimsprogramm übernommen

hat, werden dringend weitere

Pateneltern gesucht, die bereit sind,

einem Kind für einen Betrag von 370

Euro, Lebensperspektiven zu geben.

In sechs der eingerichteten Zahnarztpraxen

arbeiten kenianische Oral Health

Officer. Es besteht aber weiterhin immer

noch Bedarf an Kolleginnen und Kollegen,

die diese einmalige Erfahrung des

direkten Helfens erleben wollen. Neben

den leider meist erforderlichen Notversorgungen

haben wir Präventionsprogramme

einschließlich der Behandlung

der Kinder mit mobilen Einheiten oder

direkt in den Praxen begonnen. Ein

weiterer Schwerpunkt wird die künftige

Kooperation mit der in Gründung befindlichen

medizinisch ausgerichteten

Uzima-Universität in Kisumu sein.

Zur diesjährigen Jahreshauptversammlung

in Dresden am 26. September lädt

der Verein neben den Vereinsmitgliedern

und Sponsoren alle Interessierten ein,

die den Verein in seinen Zielen unterstützen

möchten und sich für die einzelnen

Projekte interessieren. Als Gast

werden wir die von uns geförderte Zahnmedizinstudentin

und Franziskanerin Sr.

Fabienne begrüßen.

Detaillierte Informationen gibt es im Internet

unter www.azhk.de, oder direkt

bei der Vereins-Geschäftsstelle:

Arzt- und Zahnarzthilfe Kenya e. V.

Bahnhofstr.21, 99630 Sömmerda

Tel 03634/621079

Fax 03634/39313

Dr. Peter Dierck

2. Vorsitzender AZHK

zahnärzteblatt 02 2009

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praxis

Die Intraligamentäre Anästhesie

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