Den Klimawandel bekämpfen - Klimawandel-Bekaempfen.de

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Den Klimawandel bekämpfen:

Menschliche Solidarität in einer

geteilten Welt

Eine Zusammenfassung des Berichts der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung

2007/2008 für junge Leute

ZWEI GRAD

111

entscheiden über

Hoffnung oder Verzweiflung

Verfasst von jungen Menschen aus aller Welt

Bildungsbroschüre ab Sekundarstufe 1


„Wir müssen damit aufhören, so zu tun,

als sei die Erdatmosphäre eine

kostenlose Ressource und als

seien CO2-Emissionen nicht

mit Kosten verbunden.

Für die Menschheit als

Ganzes bringen sie sogar

enorm hohe Kosten

mit sich. Der Bericht

über die menschliche

Entwicklung liefert

keine Gründe dafür,

zu verzweifeln,

sondern ist ein

Aufruf an die

reichsten Länder

der Welt, endlich zu

handeln. Mit den Leben

der Ärmsten dieser Welt

und der Zukunft unseres

Planeten russisches Roulette

zu spielen, ist in meinen Augen

unverantwortlich.“

Kevin Watkins, Leitautor des

Berichts über die menschliche Entwicklung 2007/2008


Den Klimawandel bekämpfen:

Menschliche Solidarität in einer

geteilten Welt

Eine Zusammenfassung des Berichts der Vereinten Nationen über die menschliche Entwicklung

2007/2008 für junge Leute

ZWEI GRAD

entscheiden über Hoffnung oder Verzweiflung

Verfasst von jungen Menschen aus aller Welt · Bildungsbroschüre ab Sekundarstufe 1

Entwicklungsprogramm

der Vereinten Nationen

Deutsche Gesellschaft

für die Vereinten Nationen


2

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Katherine Mead, Großbritannien

Über den Titel für dieses Heft haben wir uns lange den

Kopf zerbrochen. Wir brauchten etwas Auffallendes,

das sich aus dem üblichen Einerlei der Klimawandeldiskussion

hervorheben würde.

Schließlich entschieden wir uns für den Titel

„Zwei Grad entscheiden über Hoffnung

oder Verzweiflung“, weil wir den Lesern

einen konkreten Anhaltspunkt und eine

klare Wahlmöglichkeit zwischen zwei

Alternativen geben wollten.

Noch immer wird viel darüber diskutiert,

ab welchem Punkt der Klimawandel

wirklich gefährlich wird.

Dabei steht schon im Bericht über

die menschliche Entwicklung

2007/2008, dass es zu einem gefährlichen

Klimawandel kommen

wird, wenn die Temperatur weltweit

um mehr als 2°C über das

vorindustrielle Niveau ansteigt.

Wenn wir so weiter machen wie

bisher, steuert die Welt aber eher

auf einen Temperaturanstieg von

über 5°C zu. Damit würde sich die

Wahrscheinlichkeit katastrophaler

Folgen drastisch erhöhen.

Die Wissenschaftler werden sich bestimmt

weiter streiten, aber wir dürfen

unsere Entscheidung nicht länger aufschieben,

ob wir den Weg der Hoffnung

wählen wollen oder den des Verzweifelns.

WIR WISSEN,

dass eine Gefahr besteht.

WIR WISSEN,

dass der Schaden, der

durch Treibhausgasemissionen

entsteht, nicht rückgängig

zu machen ist.

WIR WISSEN,

dass mit jedem Tag, an dem wir

nicht handeln, das Problem noch

schlimmer wird.

Kemal Dervis

Leiter des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen

(UNDP)

und

Achim Steiner

Leiter des Umweltprogramms der

Vereinten Nationen (UNEP)


Inhaltsverzeichnis

4

5

6

8

10

12

14

16

18

22

26

28

31

33

34

35

Vorwort der Vereinten Nationen

Vorwort der Jugendlichen

Klimawandel: Die größte Herausforderung der Menschheit

Was bedeutet „menschliche Entwicklung“?

Die Armen leiden am meisten, obwohl sie am wenigsten Schuld haben

Wir treiben Raubbau an unserer Zukunft

Für seine Rechte muss man kämpfen

Heute handeln, um morgen etwas zu bewirken

Klimaschutz heißt, zu verhindern, dass das Problem noch schlimmer wird

Anpassung heißt mit dem Klimawandel leben lernen

Wir müssen zusammenhalten

Zukunftsperspektiven für die Jugend: Bei 2°C bleiben uns nur 2 Möglichkeiten

Von globalen Problemen zu individuellen Lösungen

Junge Menschen tun etwas: Auf die Straße gehen!

Junge Menschen tun etwas: Außergewöhnliche Geschichten

Was junge Menschen sonst noch tun können

Der Inhalt dieses Druckwerks darf unter der Bedingung, dass Peace Child International, UNDP und der betreffende Autor oder

Fotograf als Quelle angegeben und die Redaktion schriftlich in Kenntnis gesetzt wird, ganz oder in Teilen ohne gesonderte

Erlaubnis unentgeltlich vervielfältigt und in beliebiger Weise für Bildungszwecke genutzt werden.

Diese Publikation darf ohne die vorherige schriftliche Erlaubnis von UNDP, Peace Child International und der Deutschen

Gesellschaft für die Vereinten Nationen nicht weiterverkauft oder in anderer Weise gewerblich verwertet werden. Das gesamte

Bildmaterial in diesem Heft wurde mit Wissen und vorheriger Zustimmung der betreffenden Künstler abgedruckt. Der Hersteller,

der Herausgeber und der Drucker übernehmen keine Haftung für Verstöße gegen das Urheberrecht oder andere Rechte,

die sich aus dem Inhalt dieser Publikation ergeben. Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um sicherzustellen, dass die

Quellenangaben mit den zur Verfügung gestellten Angaben übereinstimmen.

Die in diesem Heft vertretenen Ansichten sind die der Autoren und decken sich nicht unbedingt mit den Ansichten von UNDP,

von Peace Child International, der DGVN oder deren Beauftragten.

CHEFREDAKTEUR

Aoife O’Grady, Irland

GRAFIKERIN

Natalia Aguilar Santos, Ecuador

PROJEKTKOORDINATOR

Oliver O’Callaghan, Irland

MEDIENKOORDINATOR

Adam MacIsaac, Kanada

WEBMASTER

Matthias Schmidt, Deutschland

GASTREDAKTEURE

Dana Podmolikova, Tschechische Republik

Karina Pilar Sandoval, Peru

Charles M. Sendegeya, Uganda

Vikisha Thillainadesan, Australien

Nafiz Zaman Shuva, Bangladesch

MIT BEITRäGEN vON

Pawan Alex, Indien

Adetunji Olabode Akinwumi, Nigeria

Martial Bella, Kamerun

Samantha Lyn Black, USA

Michael Boampong, Ghana

Suzy Bouden, Großbritannien

Damien A. Côté, Kanada

Younes Dokkani, Marokko

Andrea Davidson, Kanada

Adam Daroszewski, Deutschland

Chloé Gaudet, Kanada

Daniela Giardotti, Argentinien

Vaakesan Guruparan, Australien

Gisela Joos, Argentinien

Dirya Kanan, Indien

Anna Juchnowicz, Polen

Vida Morkunas, USA

Katherine Mead, Großbritannien

Zelalen Mekomen, Äthiopien

Virginie Mercier, Frankreich

Sorouche Mirmiran, Kanada

Baraka P. Mtinda, Tansania

Lana Elena Ramos Simielli, Brasilien

William Rowland, Großbritannien

Eliot Ruocco-Trenouth, Großbritannien

Martin Sanchez, Bolivien

Carolina Santiago, Malaysia

Vinayak Sasitharan, Australien

Ruth Simmons, Großbritannien

Casper Supa, Salomonen

Samara Tanaka, Brasilien

Maria Mercedes Toledo, Ecuador

Dana Troy, USA

Robin van Waarden, Kanada

Trudy Veitch, Kanada

Indah Waty, Indonesien

PROJEKTBERATER

David Woollcombe

ANSPRECHPARTNER BEIM UNDP

Marisol Sanjines

Pedro Manuel Moreno

© Peace Child International

www.peacechild.org

© United Nations Development Programme

1 UN Plaza, New York, New York, 10017, USA

http://hdr.undp.org

Deutsche Ausgabe

Herausgeber:

DEUTSCHE GESELLSCHAFT FÜR DIE

VEREINTEN NATIONEN e. V.

Zimmerstraße 26/27 · D-10969 Berlin

Telefon: (030) 259375-0 · Telefax: (030) 259375-29

E-Mail: info@dgvn.de · www.dgvn.de

Übersetzung: Bernd Neidlein

Redaktion: Sibille Etling, Ulrich Keller

Satz: EMS Eckert Medienservice, Rheinbach

Druck: Druckhaus Berlin-Mitte

Klimaneutral gedruckt (Zert.-Nr. SGS-COC-3628)

und gedruckt auf umweltfreundlichem Papier

(FSC-Zertifiziert)

Die Herausgabe dieser Publikation wurde mit

Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung gefördert.

Berlin, 2009

3


Vorwort der Vereinten Nationen

4

Ich begrüße diese von Jugendlichen erstellte Kurzfassung des

Berichts über die menschliche Entwicklung (Human Development

Report – HDR) 2007/2008 des Entwicklungsprogramms der Vereinten

Nationen (United Nations Development Programme – UNDP). Die

Wissenschaft vom Klimawandel mag zwar ungeheuer kompliziert erscheinen,

die Fakten jedoch sind simpel: Unsere Welt treibt auf einen

fatalen Klimawandel zu. Letztes Jahr konnte ich mir selbst ein Bild davon

machen, als ich die Antarktis besuchte. Dort schmilzt das jahrtausende

alte Eis sehr viel schneller als ursprünglich angenommen. Während meines

Aufenthalts dort erfuhr ich unter anderem, dass das Larsen-Eisschelf

auf einer Länge von 87 km abgebrochen und in weniger als drei Wochen

verschwunden ist. Sollte der gesamte Eispanzer der Westantarktis sich auf

diese Weise auflösen, dann würde der Meeresspiegel weltweit um 6 Meter

ansteigen. Falls wir also unsere Lebensweise nicht radikal umstellen, könnte

dann, wenn Ihr – die Jugend von heute – so alt seid wie ich jetzt, die Welt zu

einem ziemlich unwirtlichen Wohnort geworden sein.

Ihr Jugendliche müsst uns bei dieser radikalen Umstellung helfen, und das geht auf

zweierlei Weise: Erstens könnt Ihr Euch aktiv an der politischen Willensbildung auf kommunaler,

regionaler und nationaler Ebene beteiligen – indem Ihr Euch für Kandidaten

einsetzt, die eine umfassende Gesetzgebung zur Bekämpfung des Klimawandels unterstützen.

Ihnen könnt Ihr Eure Stimme geben. Und zweitens, indem Ihr Euch bewusst für einen

CO 2 -armen Lebensstil entscheidet und entsprechende Berufsentscheidungen trefft.

Abhängigkeit ist eine schlimme Sache. Sie verzehrt und beherrscht uns, lässt uns wichtige Wahrheiten

leugnen und macht uns blind für die Folgen unseres Handelns. Unsere Welt befindet sich

fest im Griff einer gefährlichen Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen. Und diese Abhängigkeit darf

uns nicht verwundern. Denn Kohle und Erdöl haben den Weg für den industriellen Fortschritt in den

Industrieländern geebnet und sind Grundlage des Wohlstands und der Annehmlichkeiten, die ein Teil der

Menschheit heute genießt. Doch diese Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen kann Eurer Generation nicht

auf Dauer dasselbe Maß an Wohlstand und Annehmlichkeiten bieten – geschweige denn den Milliarden von

Menschen, die noch gar nicht in deren Genuss gekommen sind. Die fossilen Brennstoffe – ein einmaliges Geschenk

von Mutter Natur – werden bald aufgebraucht sein, die meisten davon noch zu Euren Lebzeiten.

Deshalb wird es für Eure Generation von lebenswichtiger Bedeutung sein, alternative Energiequellen zu erschließen.

Wenn man es richtig anpackt, könnte sich ein derartiger Übergang zu einer „grünen“ Wirtschaftsform enorm für Euch

auszahlen. Dieses „grüne“ Wachstum wird neue Arbeitsplätze schaffen – Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon

aus, dass bis 2020 weltweit 1,9 Billionen US$ in Energieformen investiert werden, die keine Treibhausgase produzieren.

Diese Investitionen sind sozusagen das Startkapital für eine Runderneuerung der Industrie auf der ganzen Welt.

Ich wünsche mir, dass Ihr diese Seiten mit Hoffnung im Herzen lest und sie als Wegweiser in eine sichere, tragfähigere

Zukunft nehmt. Wer aktiv wird, um sich für eine Entwicklung mit geringem CO 2 -Ausstoß einzusetzen, ganz

besonders in den am wenigsten entwickelten Ländern der Welt, wird von den gewaltigen Veränderungen

in der Weltwirtschaft profitieren, die Ihr noch erleben werdet. Macht heute den Anfang!

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Ban Ki-moon

Generalsekretär der Vereinten Nationen


Vorwort der

Jugendlichen

Wir fanden uns in den verwinkelten Räumlichkeiten des „White

House“ zusammen, dem Hauptsitz von Peace Child International

in einer Kleinstadt in der südenglischen Provinz. Aus allen

Ecken der Welt waren wir angereist. Die Aufgabe, für die

man uns ausgewählt hatte, war: Von dem UNDP-Bericht über

die menschliche Entwicklung (HDR) 2007/2008 zum Thema

Klimawandel eine Kurzfassung für junge Leute zu erstellen. Doch

wie soll man 400 Seiten geballte Information zusammenfassen?

Wie soll man zum Sprachrohr für Hunderte von jungen Leuten werden,

die ihre Visionen, Geschichten, Illustrationen, Gedichte und

Berichte beigesteuert haben? Wie soll man sich von der üblichen

Informationsflut abheben und einen sinnvollen Beitrag zu der

Debatte leisten?

Mitte dieses Jahrhunderts werden die Leser dieses Heftes nicht

mehr jung sein – wir alle werden alt und grau und schläfrig sein.

In was für einer Welt würdest Du dann leben wollen? Würdest

Du, vor dem Kaminfeuer sitzend, zur Bestätigung nicken, wenn

Deine Enkelkinder Dich fragen, ob Du irgendetwas getan hast,

um Deinen CO 2 -Fußabdruck zu verringern?

Bereits 1987 erhoben sich warnende Stimmen, dass die Erde

sich ständig weiter erwärmt. Bis heute, über zwei Jahrzehnte

danach, hat sich noch wenig Konkretes getan. Jetzt, da die Welt

langsam aus ihrem Tiefschlaf erwacht, wird uns klar, dass unsere

Mutter Erde in großen Schwierigkeiten steckt.

Dieses Heft wurde von jungen Leuten speziell für junge Leute

erstellt. Neben den Beiträgen von uns, den in England versammelten

Redakteuren, haben wir auch Hunderte von Einsendungen

von jungen Leuten rund um die Welt erhalten, die während

Matthias Schmidt, Deutschland

des gesamten Entstehungsprozesses nicht mit ihren Kommentaren,

ihrer Kritik und ihrer Kreativität sparten. Das Ergebnis ist

das Heft, das Ihr jetzt in Euren Händen haltet!

Wir hoffen, dass unser Aufruf, etwas gegen den Klimawandel

zu unternehmen, auf allen Kontinenten, in jedem Land, in jeder

Stadt und in jeder Familie Gehör findet. Wenn wir heute etwas

ändern, in kleinen Schritten und jeder für sich, können wir eine

sicherere Zukunft für kommende Generationen schaffen.

Warte nicht 50 Jahre ab, um dann reuevoll abwechselnd dein

gealtertes Gesicht im Spiegel anzuschauen und das mit Narben

übersäte Gesicht von Mutter Erde um dich herum. Sondern

wiege dich in dem Bewusstsein, dass Du dem Aufruf gefolgt bist

und deinen Beitrag geleistet hast. Du hast die Wahl!

Matthias Schmidt, Deutschland

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

5


6

Warum steigen die Temperaturen?

Treibhausgase entstehen bei der Verbrennung

fossiler Brennstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas.

Die starke Zunahme der industriellen Tätigkeit

seit Mitte des 18. Jahrhunderts hat dazu

geführt, dass große Mengen von

Kohlendioxid (CO 2 ) erzeugt wurden,

die mit Methan und Stickoxid

vermischt sind. Diese Gase bilden

in der Atmosphäre eine Schicht,

die verhindert, dass Wärme

entweichen kann. Stattdessen

wird die Wärme zurück auf die

Erde reflektiert und führt dort

zu einem Temperaturanstieg.

Die Wissenschaftler sind sich

seit neuestem darüber einig,

dass mit 90-prozentiger

Wahrscheinlichkeit ein

Großteil der Erderwärmung

auf das Konto von

Treibhausgasen geht, die

durch menschliche Tätigkeit

hervorgerufen wurden.

Wieso 2ºC?

Es wird weiter darüber debattiert,

wie weit die Temperatur noch

genau steigen darf, bevor die Situation

katastrophale Ausmaße annimmt. Dem

HDR zufolge darf man nicht zulassen,

dass die Temperatur mehr als 2°C über das

vorindustrielle Niveau ansteigt, wenn man einen

verheerenden Klimawandel verhindern will. Dazu

müsste die Konzentration von CO 2 in der Atmosphäre

bei 450 ppm (Teile pro Million) stabilisiert werden.

TEMPERATUR (in ºC)

Klimawandel: Die größte Herausforderung der Menschheit

8

4

0

-4

-8

Veränderungen des Kohlendioxidgehalts und der Temperatur in

den letzten 400.000 Jahren

HUMAN IMPACT ON CLIMATE CHANGE

Die Angaben in diesem Schaubild wurden von Wissenschaftlern anhand von Bohrkernproben aus den tiefen Schichten des Antarktiseises

zusammengestellt. Daran lässt sich erkennen, wie sich in den letzten 400.000 Jahren der CO 2 -Gehalt der Atmosphäre unmittelbar auf die

Erdtemperatur ausgewirkt hat. Das Ende der roten Kurve in dem Schaubild zeigt den heutigen rasanten Anstieg der CO 2 -Konzentration.

Die Temperaturkurve, die möglicherweise folgen wird, kann einem Angst machen.

Andrea Davidson, Kanada

400 359 300 250 200 150 100 50 0

vor 400.000 Jahren vOR TAUSENDEN vON JAHREN

Heute

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

380

340

300

260

220

CO 2 (in ppm)

Mit freundlicher Genehmigung der

Environmental Protection Agency

(Umweltschutzbehörde der USA)


Die Temperaturen des vergangenen

halben Jahrhunderts waren wahrscheinlich

die höchsten von allen 50-Jahres-

Zeiträumen der letzten 1.300 Jahre

Was bedeutet „Klimawandel“?

Ganz schÖn heiss hier

Klimawandel bedeutet, dass sich das Wetter überall auf der Welt

ändert. Am besten kann man das am Ansteigen der Temperatur

an der Erdoberfläche ablesen.

Klimawandel“ ist zu einem derart geläufigen Begriff geworden,

dass man bei dem Wort nicht mehr, wie es eigentlich sein sollte,

Beeinträchtigung

von Gesundheit

und Bildung

Anstieg des

Meeresspiegels

Artensterben und andere

ökologische Schäden

In der gegenwärtigen Zwischeneiszeit,

die vor etwa 12.000 Jahren begann,

wurden noch nie so hohe Temperaturen

aufgezeichnet wie heute

Anstieg der CO 2 -

Konzentration

Anstieg der Oberflächentemperaturen

Ursachen

Wirkungen

Folgen

Einbußen in der

Landwirtschaft

Elf der zwölf wärmsten Jahre

seit 1850 fallen in den Zeitraum

zwischen 1995 und 2006

alle Alarmglocken schrillen hört. Für viele Leute ist es bloß eine

hohle Phrase, die sich auf eine nur undeutlich erkennbare Krise

weit weg von uns bezieht. In Wahrheit ist der Klimawandel

eine bittere Realität und die größte Herausforderung für unsere

Generation.

Entwaldung

Dürren Überschwemmungen und

negative Auswirkungen auf

Atmosphäre und Niederschläge

Erschöpfung der

Wasservorräte

Schädigung der

Wirtschaft

Adam Daroszewski, Deutschland

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

7


8

Was bedeutet „menschliche

Wahlmöglichkeiten bieten, damit

jeder das Beste aus sich machen kann

Bei menschlicher Entwicklung geht es darum, eine Welt zu

erschaffen, in der alle Menschen die Chance haben, ihre

Möglichkeiten auszuschöpfen und ein gesundes und

glückliches Leben zu führen.

Es gibt bestimmte grundlegende Dinge, die wir alle

brauchen, um uns entwickeln zu können. Dazu gehören

eine ausreichende Ernährung, Bildung und Ausbildung

sowie die Möglichkeit, einen menschenwürdigen Lebensstandard

zu erreichen. Leider werden vielen Armen auf der

Welt selbst diese Grundbedürfnisse verwehrt.

„Das grundlegende Ziel

von Entwicklung ist es,

die Wahlmöglichkeiten der

Menschen zu erweitern. Diese

Wahlmöglichkeiten können im

Prinzip unbegrenzt sein und sich

im Lauf der Zeit wandeln....

Zweck der Entwicklung ist die

Schaffung eines förderlichen

Umfelds, in dem Menschen ein

langes, gesundes und kreatives

Leben führen können.“

Mahbub Ul Haq, Begründer des Berichts

über die menschliche Entwicklung

Früher wurde Entwicklung nur an wirtschaftlichen Maß-

stäben gemessen. Doch das Konzept der menschlichen

Entwicklung umfasst viel mehr als nur die finanzielle

Situation eines Menschen. Ernährung, Bildung und ein

menschenwürdiger Lebensstandard sind alles unentbehrliche

Bestandteile des Konzepts.

Im HDR wird detailliert vor den katastrophalen Folgen des

Klimawandels für die menschliche Entwicklung gewarnt.

Außerdem wird dargelegt, was wir als menschliche Familie

angesichts dieser Herausforderung tun müssen.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Entwicklung?”

Klimawandel bedroht die

menschliche Entwicklung:

Der Klimawandel hindert uns nicht allein

potenziell daran, uns als menschliche Familie

weiterzuentwickeln, sondern droht auch,

einen großen Teil der bereits erreichten

Entwicklung wieder zunichte zu machen.

Gefährlicher Klimawandel droht die Lage der Armen noch weiter

zu verschlechtern und ihnen Freiheiten vorzuenthalten, die für die

Wohlhabenden selbstverständlich sind. So könnten beispielsweise

bei einem Abschmelzen der Gletscher im Hochland von Tibet

vier der größten Flüsse Südostasiens versiegen und damit die

Lebensgrundlage von einem Drittel der Weltbevölkerung gefährdet

werden.

Deshalb stellt der Klimawandel die derzeit größte Bedrohung für

die menschliche Entwicklung dar.

Maria Mercedes Toledo, Ecuador


Landwirtschaft

und Nahrungsmittel

Wasserknappheit

Gefahren für

die menschliche

Gesundheit

Auswirkungen

auf die Natur

Überschwemmungen

und extremes Wetter

Society für the Protection of Animals Abroad

Martial Bella, Kamerun

Naf z Zaman Shuva, Bangladesch

Trudy Veitch, Kanada

William Rowland, Großbritannien

Dürren und Schwankungen bei der

Verteilung der Niederschläge würden zu

drastischer Nahrungsmittelknappheit und

einem Rückgang der landwirtschaftlichen

Produktion führen.

Durch abschmelzende Gletscher würde es

zunächst zu Überschwemmungen kommen.

Danach würden die Flüsse versiegen, was zu

massiver Wasserknappheit führen würde. Auch

die Industrieländer würden nicht verschont

bleiben. Wenn z.B. der „ewige“ Schnee auf

den Gipfeln der kalifornischen Sierra Nevada

abschmilzt, kann es in Städten wie Los Angeles

leicht zu Wasserknappheit kommen.

Die menschliche Gesundheit wäre sowohl

direkt als auch indirekt betroffen. In Ländern

mit hohen Armutsquoten sind öffentliche

Gesundheitssysteme, die eine angemessene

Versorgung sicherstellen könnten, nicht

vorhanden. Weitere 220-440 Millionen

Menschen könnten Gefahr laufen, an

Malaria zu erkranken.

Infolge eines Temperaturanstiegs von über

3°C könnte die unglaubliche Zahl von 20-30

Prozent der Tier- und Pflanzenarten der Erde

vom Aussterben bedroht werden. Durch das

„Ausbleichen“ der Korallenriffsysteme würde

sich die Lebenswelt im Meer völlig verändern

und ein Teil der Meeresbiodiversität würde

verlorengehen.

Ein anhaltender Temperaturanstieg würde

zu Dürren, Überschwemmungen und heftigen

tropischen Wirbelstürmen führen. Viele

Menschen in Bangladesch, Ägypten und

Vietnam müssten ihr Land verlassen und

einige kleine Inselstaaten würden vollständig

überflutet.

Wenn wir nichts Entscheidendes verändern, werden bis 2080:

Zusätzliche 600 Millionen Menschen weltweit (9 Prozent der gegenwärtigen Weltbevölkerung)

neu von Unterernährung bedroht sein. Weitere 1,8 Milliarden Menschen (mehr als

die Einwohnerzahlen von China und den USA zusammengerechnet) könnten von Engpässen

bei der Energieversorgung betroffen sein.

Bericht über die menschliche Entwicklung, Seiten 18 & 19

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

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10

Die Armen leiden am meisten,

Obwohl die Armen auf der Erde nur einen leichten

CO 2 -Fußabdruck hinterlassen, haben sie die Hauptlast

der Auswirkungen des Klimawandels zu tragen.

Ist es denn gerecht, dass diejenigen Menschen

und Länder, die am wenigsten Schuld haben,

am meisten leiden müssen?

Der CO2-Fußabdruck

der ärmsten 1 Milliarde

Erdbewohner beträgt

nur etwa 3 Prozent

des gesamten CO2-

Fußabdrucks der

Welt.

Bericht über die menschliche

Entwicklung, Seite 43

„Wegen der ständigen Wetterschwankungen

wissen unsere

Landwirte nicht mehr, wann sie ihre

Feldfrüchte anpflanzen sollen. Und

steigende Wasserspiegel zerstören die

Lebensgrundlage derjenigen, die bisher

von der Fischerei lebten.“

ADETUNJI OLABODE AKINWUMI,

NIGERIA

In der Welt, in der wir leben, gibt

es ohnehin schon gravieren-

de Ungleichheiten zwischen

Reichen und Armen. Durch die

Auswirkungen des Klimawandels

wird nun die bestehende

Benachteiligung noch weiter

geschürt. So sind z.B. die Armen

nach einem Klimaschock oft dazu

gezwungen, ihre Kinder von der

Schule zu nehmen. In Nicaragua ist

nach dem Hurrikan Mitch der Anteil der

Kinder, die gleichzeitig die Schule besuchen

und parallel zum Schulbesuch noch arbeiten

müssen, in den betroffenen Haushalten von 7,5

auf 15,6 Prozent gestiegen. Diese Kinder werden

weniger dazu fähig sein, sich aus der Armutsfalle zu

befreien.

Wenn alle Menschen in den Entwicklungsländern den

gleichen CO 2 -Fußabdruck hätten wie der Durchschnitt

in den wohlhabenden Ländern, würden wir ganze sechs

Planeten benötigen, um ihre Konsumgewohnheiten zu

befriedigen.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

„Dadurch, dass bei uns

der Regen weniger geworden

ist oder ganz ausbleibt, steigt die

Wahrscheinlichkeit von Versorgungs-

engpässen und Hungersnöten. Darüber

hinaus wissen die Leute zu wenig über

Vorsorgemaßnahmen, z. B. wie man

Nahrungsmittel richtig lagert und

wie man verhindert, dass Krankheiten

sich ausbreiten können.“

BARAKA P. MTINDA,

DAR ES SALAAM,

TANSANIA

obwohl sie am wenigsten Schuld haben

„Warum müssen wir

Bangladeschis immer so

leiden? Haben wir denn nicht

auch ein Recht auf Nahrungsmittel,

medizinische Behandlung, Bildung

und finanzielle Sicherheit? Sind wir

denn keine Menschen?“

KARIMON,

BANGLADESCH

„Die Kinder haben keine

Ahnung vom Klimawandel. Sie

spüren zwar jeden Tag, wie heiß

es ist, und sie bekommen die ganzen

Überschwemmungen mit, aber den

Zusammenhang zwischen diesen

Ereignissen und dem Klimawandel

begreifen sie nicht.“

INDAH WATY,

INDONESIEN

„Die Dorfbewohner können

nur zuschauen, wenn ihre Häuser

durch Sturmfluten, das Ansteigen des

Meeresspiegels und sintflutartige Regenfälle

weggespült werden. Sie verfügen über keine

Mittel, diese Auswirkungen einzudämmen,

die ja durch das Verhalten anderer verursacht

werden. Die einfachen Leute auf den Salomon-

Inseln wissen nicht, dass Klimakatastrophen

auf den Klimawandel zurückzuführen sind.

Sie glauben, dass das der normale Lauf der

Natur ist.“

CASPER SUPA,

HONIARA, SALOMONEN


Die Nachwirkungen von Klimaereignissen können sich auf Jahre hinaus verheerend

auf das Leben der Armen auswirken:

In Äthiopien ist es um 36 Prozent wahrscheinlicher, dass Kinder im Alter bis zu

fünf Jahren unterernährt sind oder an Wachstumsstörungen leiden, sogar ganze

41 Prozent, wenn sie in einem Dürrejahr geboren wurden.

In Kenia leiden Kinder, die während einer Dürreperiode geboren wurden, bis zu

50 Prozent häufiger an Unterernährung.

Im Niger leiden in einem Dürrejahr geborene Kinder im Alter bis zwei Jahre um

ganze 72 Prozent häufiger an Wachstumsstörungen.

Bericht über die menschliche Entwicklung, Seite 89

Die Menschen in Bangladesch

sind die Hauptleidtragenden

Am 14. April 2008 besuchte ich Chor Khalpar, ein an einem

Flussufer gelegenes Dorf im Bezirk Faridpur meines Heimatlandes

Bangladesch, wo die Menschen sehr stark von Klimaereignissen

betroffen sind.

Dort traf ich einen Fischer namens Karim. Er erzählte mir, dass

er durch die Ufererosion des Flusses alles verloren habe und

obdachlos geworden sei. „Wir wissen nicht, ob wir heute etwas

zu essen haben werden“, sagte er. Eine ältere Frau fügte hinzu:

„Wir wissen überhaupt nicht, was aus uns werden soll. Vielleicht

sind wir nächstes Jahr schon nicht mehr hier“. Sie wusste gar

nichts über den Klimawandel. „Das einzige, was wir wissen,

ist, dass das der Lauf der Natur ist und wir nicht dagegen

ankommen.“

Besonders verzweifelt war die Situation in Bangladesch, als

der Wirbelsturm Sidr im November 2007 das Land verwüstete.

Danach waren viele Menschen gezwungen, unter freiem

Himmel zu schlafen, schutzlos und ohne etwas zu essen. Die

Landwirte verloren ihre gesamte Ernte. Dieses Problem haben

wir zwar nicht gemacht, aber wir stehen an vorderster Linie

Entwicklungsländer sind weitaus stärker

von Naturkatastrophen bedroht

Risiko, von einer Naturkatastrophe betroffen zu sein

(auf 100.000 Menschen)

Entwicklungsländer

OECD-Länder mit hohem Einkommen

im Kampf dagegen. Es macht mich wütend, wenn ich mir

überlege, dass ein dicker Geländewagen auf einer Strecke von

3.000 Kilometern genauso viel CO 2 ausstößt wie eine Familie in

Bangladesch in einem ganzen Jahr.

Wie können wir also das Problem in Angriff nehmen? Durch

Aufklärungs- und Bildungsmaßnahmen und die Einführung

wirksamer Umweltschutzgesetze in den Entwicklungsländern.

Wir müssen unbedingt heute handeln, damit mein Land

überlebt.

von Nafiz Zaman Shuva, Bangladesch

50 von 100.000 Menschen

Quelle: Berechnungen des HDR-Büros auf der Grundlage von

Office of US Foreign Disaster Assistance (OFDA) und Centre for

Research on the Epidemiology of Disasters (CRED) 2007. 1980-84 2000-04

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Nafz Zaman Shuva, Bangladesch

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12

Wir treiben Raubbau an unserer

„Unter dem Strich sieht es so

aus: Als globale Gemeinschaft

müssen wir mit einem nach-

haltigen Kohlenstoffbudget

auskommen. Derzeit überzie-

hen wir dieses Budget und

zehren damit vom Umwelt-

kapital künftiger Generationen.“

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Bericht über die menschliche

Entwicklung, Seite 9

Zukunft

Ein Mann fragte einmal einen berühmten Maler:

„Was lässt sich am schwierigsten malen?“

„Leute, Gesichter, Haustiere; alles, was alltäglich

und vertraut ist“, gab dieser zur Antwort.

„Und was lässt sich dann am leichtesten malen?“,

fragte der Mann weiter.

„Geister“, sagte der Maler.

„Wieso?“, wunderte sich der Mann.

„Weil sie keine Form haben“, erklärte der Maler.

„Sie sind unsichtbar, und niemand hat je einen Geist

gesehen. Darum sind sie so leicht zu malen.“

Charles M. Sendegeya, Uganda

Die Welt gehört nicht uns allein

Manchmal betrachten wir die Zukunft als konturlos und die

Leute, die darin leben, als unsichtbare und namenlose Wesen

– eben Geister! Und das verleitet uns dazu, so zu leben,

als seien wir die letzten Bewohner dieser Erde.

Doch auf uns werden ganz sicher neue Generationen

folgen, die dann weiter den Weg beschreiten

müssen, den wir gebahnt haben.

Wenn wir diesen Weg nicht ändern, dann sind

wir verantwortlich für die geschädigte Welt,

die unsere Kinder von uns erben.

Eliot Ruocco-Trenouth, Großbritannien

Der Klimawandel zwingt uns dazu, auf vielen

Ebenen umzudenken. In einer geteilten Welt

zwingt er uns zum Nachdenken darüber, was

ökologische Interdependenz bedeutet und

wie wir mit etwas umgehen, das wir alle gemeinsam

teilen: dem Planeten Erde.

Wir sind eine menschliche Gesellschaft, die

über Raum und Zeit hinweg miteinander

verbunden ist. Deshalb muss auch die Lage

künftiger Generationen berücksichtigt werden.

Deren Stimmen hallen durch die Zeit und

bitten uns eindringlich darum, Dinge wie soziale

Gerechtigkeit und menschliche Solidarität nicht zu

vergessen. Aber hören wir ihren Appell?


Lara Elena Ramos Simielli, Brasilien

„Wir haben die Erde nicht von

unseren Vorfahren geerbt, sondern

nur von unseren Kindern geliehen.“

Indianische Weisheit

Der Aufschrei von Mutter Erde

Die politischen Auseinandersetzungen werden hitziger,

unsere Regierungen stehen vor großen Entscheidungen,

die mit Fairness gegenüber anderen Generationen zu tun haben.

Mutter Erde spürt die Flammen,

denn ihre Temperatur steigt unkontrollierbar.

In letzter Zeit ist ihr Schrei zu einem Wehklagen geworden,

denn die Menschheit vergiftet sie mit ihren Schadstoffen.

Das zuvor heftige Klopfen des Klimawandels

hat dazu geführt, dass er ungebeten hereingestürzt kam,

wobei er eine Kette katastrophaler Ereignisse auslöste,

darunter Dürre, Überschwemmungen und Hungersnot.

Unsere künftigen Kinder scheinen nur in unserer Vorstellung zu existieren,

mit ihren unsichtbaren Gesichtern nehmen sie keine Form oder Gestalt an.

Werden die Freiheiten, die wir heute sorglos genießen, in Zukunft auf dem

Spiel stehen, weil wir nichts für Klimaschutz und Anpassung getan haben?

Da starrt sie auf ihr Bild im Spiegel,

unfähig, das Abbild ihres Gewissens zu verstehen,

denkt sie über die Zukunft ihres ungeborenen Kindes nach.

In der Angst, dass die Gesellschaft weiter wegschauen wird,

schreit sie auf: „Habe ich die richtige Entscheidung getroffen?“

Was soll gerecht daran sein, Raubbau an der Zukunft zu treiben;

in Wahrheit ist das so, als würden wir einem kleinen Kind sein Bonbon

wegnehmen!

von Vikisha Thillainadesan,

Australien

„Wir werden nicht durch die Erinnerung

an unsere Vergangenheit

weise, sondern durch die Verantwortung

für unsere Zukunft.“

George Bernard Shaw

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

13


14

Für seine Rechte muss man

Menschenrechte sind der

Kern der Sache...

Der Klimawandel und die Menschenrechte

sind untrennbar miteinander verbunden.

Mein Volk, die Inuit, sind durch den

Klimawandel vom Aussterben bedroht.

Es kann kein Zweifel bestehen, dass

unsere Menschenrechte gefährdet

sind.

Im Jahr 2005 haben wir die

Menschenrechtspetition zum

Klimawandel gestartet. Darin

wurden die Regierungen dazu

aufgerufen, Wirtschaftsformen

zu entwickeln, die Technologien

zur Eindämmung der

Treibhausgasemissionen verwenden.

Außerdem wurde

geltend gemacht, dass Emissionen

aus den USA die Menschenrechte

der Inuit verletzen.

Sheila Watt-Cloutier,

preisgekrönte Arktis-Klimaaktivistin

„Der Klimawandel wirkt sich bereits

negativ auf die Verwirklichung der

Menschenrechte aus... unser gemeinsamer

Menschenrechtsrahmen berechtigt und

befähigt Entwicklungsländer und verarmte

Gemeinschaften, Schutz für diese Rechte

einzufordern.“

Mary Robinson, frühere UN-Hochkommissarin

für Menschenrechte

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

kämpfen

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit

und Sicherheit der Person. Tatenlosigkeit

angesichts der vom Klimawandel ausgehenden

Bedrohung würde eine ganz unmittelbare Verletzung

dieses Menschenrechts bedeuten.

Bericht über die menschliche Entwicklung, Seite 60

Menschenrechte sind diejenigen Grundfreiheiten, auf die man aufgrund der Tatsache,

dass man ein Mensch ist, einen Anspruch hat.

Unsere Grundrechte sind in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten

Nationen verankert, die im Jahr 2008 60 Jahre alt wurde. Damals, 1948, als die Erklärung

verfasst wurde, hätte man sich kaum vorstellen können, dass einmal der Klimawandel zu

einer der größten Bedrohungen unserer Menschenrechte werden könnte.

Schon jetzt werden unsere Möglichkeiten, diese Rechte zu genießen, durch die Folgen

des Klimawandels wie Überschwemmungen, Dürren und das Ansteigen des Meeresspiegels

eingeschränkt.

– Wenn du durch das Ansteigen des Meeresspiegels dein Haus verlierst, wird dein

Recht auf Obdach verletzt.

– Wenn deine Ernte durch Dürre vernichtet wird, wirst du deines Rechts auf Nahrung

beraubt.

– Wenn du durch Stürme und Hochwasser bedroht wirst, wird außerdem dein

Recht auf Leben und Sicherheit der Person einer Gefahr ausgesetzt.

Wir sind zu Recht entrüstet, wenn Staatsführer Bürgern ihre Rechte vorenthalten.

Durch den Klimawandel schaffen wir eine Welt, in der die Rechte

ernsthaft bedroht sind. Doch sind wir entrüstet genug?

Samara Tanaka, Brasilien


Stell dir vor – eine Welt, die uns nicht retten kann!

Stell dir vor, nur noch Meer und kaum noch genug Land zum Leben;

Stell dir vor, keine Wälder mehr, sondern sich endlos hinziehende Wüste;

Stell dir vor, kein frisches Wasser, aber verseuchtes Wasser in Hülle und Fülle;

Stell dir vor, keine schneebedeckten Berge, kein Wintersport;

Stell dir vor, den Himmel, den Mond und die Sterne nicht sehen zu können;

Stell dir vor, man muss mit einer Gasmaske herumlaufen;

Stell dir vor, eine Welt ohne wilde Tiere, wo man nur Bilder und Filme hat;

Stell dir die Welt vor durch die Augen eines KINDES –

wenn das, was von der Welt zurückgeblieben ist, zu einem Fluch für die Lebenden wird

In Peru liegen 70 Prozent der Gletscher in den

tropischen Anden. Doch sie verschwinden vor

unseren Augen und mit ihnen die Menschenrechte,

die uns zustehen. Die Eiskappe von

Quelccaya, die größte auf der Welt, hat seit

Anfang der 1970er Jahre 30 Prozent ihrer

Gletscherflächen verloren. Die örtlichen Landwirte,

die für die Bewässerung ihrer Felder

auf Gletscherwasser angewiesen sind, werden

bald drastische Produktionseinbußen hinnehmen

müssen. Wasserknappheit ist eine riesige

Bedrohung unseres Menschenrechts auf einen

angemessenen Lebensstandard.

Karina Pilar Sandoval, Peru

von Pawan Alex, Indien

Die Wetterverhältnisse in Ghana sind unerträglich

geworden. In der Nacht herrscht

eine derartige Hitze, dass man kaum

schlafen kann, und sintflutartige Regenfälle

sind häufig. Der Regen kann Menschen

umbringen und die Erzeugnisse und den

Besitz der Bauern zerstören. Das er-

schwert die Bemühungen, Armut und

Hunger zu bekämpfen und ökologische

Nachhaltigkeit zu fördern. Klimawandel

ist nicht bloß ein Umwelt-, sondern sehr

wohl auch ein Menschenrechtsproblem.

Michael Boampong, Ghana

Vinayak Sasitharan, Australien

Als ich klein war, konnten wir Kinder

noch an warmen Tagen in der Sonne

spielen. Heute ist es im Sommer unerträglich

heiß geworden. Jeden Tag wird

es um die 34°C heiß und um 17 Uhr

ziehen Stürme auf, die den Abendhimmel

verdunkeln. Das extreme Wetter,

das wir innerhalb von 24 Stunden

durchmachen, ist eine Folge der globalen

Erwärmung. Es beeinträchtigt unsere

Menschenrechte, weil es unsere Gesundheit

und Sicherheit aufs Spiel setzt.

Carolina Santiago, Malaysia

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

15


16

Heute handeln, um morgen etwas zu bewirken

Wir können künftige Generationen vor Rückschlägen im 21. Jahrhundert

und Katastrophenrisiken bewahren, wenn wir uns dafür

entscheiden, heute zu handeln. Es gibt eine zeitliche Verzögerung

zwischen unseren Handlungen heute und den Ergebnissen

morgen – die Treibhausgase, die wir 2009 in die Erdatmosphäre

blasen, werden auch 2109 und danach noch da sein.

ENTWICKLUNGS-

LÄNDER

(mit einer großen Bandbreite in

ihren Emissionsniveaus, müssen

ihre Emissionen bis 2050 um 20

Prozent gegenüber dem Niveau

von 1990 verringern)

Samara Tanaka, Brasilien • Konzept: Zelalen Mekomen, Äthiopien; Karina Pilar Sandoval, Peru

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

INDUSTRIE-

LÄNDER

(müssen ihre Emissionen bis

2020 um 30 Prozent und bis

2050 um 80 Prozent gegenüber

dem Niveau von 1990

verringern)

Selbst wenn wir unverzüglich handeln, um die Emissionen zu

senken, werden sich unsere Bemühungen frühestens 2030 auf

den Trend der Welttemperatur auswirken. Daher ist Eile geboten.

Denn mit jedem Tag, an dem wir nicht handeln, vergrößert sich

das Problem.

„Der Klimawandel ist die große Herausforderung, vor der

die Politik überall auf der Welt heute steht. Zukünftige

Generationen werden uns danach beurteilen, wie wir auf

diese Herausforderung reagiert haben.“

Luiz Inácio Lula da Silva, Präsident von Brasilien

WELT

(die Emissionen der Welt

müssen bis 2050 um 50 Prozent

verringert werden, damit

Ende des 21. Jahrhunderts ein

tragbares Emissionsniveau

erreicht ist)


Nafz Zaman Shuva, Bangladesch

So steht es um die Welt. . .

Eine durchschnittlicheGeschirrspülmaschine

in

Europa produziert

mehr CO 2 in

einem Jahr als

drei Äthiopier.

Eine Klimaanlage in

Florida stößt im Durchschnitt

mehr CO 2 in

einem Jahr aus als jemand

in Afghanistan im ganzen

Leben.

In Afrika südlich der

Sahara sind über 80

Prozent der Bevölkerung

auf traditionelle

Biomasse zum Kochen

angewiesen.

Hier treffen wir

unsere Entscheidung:

Hoffnung oder

Verzweiflung?

Wenn der Meeresspiegel um

1 Meter steigt, müssen

6 Millionen Menschen in

Unterägypten ihr Land

verlassen; 4.500 km 2

Ackerland werden überflutet

werden.

Der Inselstaat Tuvalu im

Pazifik wird durch das

Ansteigen des Meeresspiegels

voraussichtlich im Verlauf

des nächsten Jahrzehnts

unbewohnbar werden.

Wenn wir

nichts

..

andern. . .

Es wird vorhergesagt, dass im Libanon

durch einen Temperaturanstieg von 1,2°C die

verfügbaren Wasservorräte um 15 Prozent

abnehmen werden.

Maria Mercedes Toledo, Ecuador

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

17


Klimaschutz heißt, zu verhindern, dass das Problem noch schlimmer wird

18

DIE WELT MUSS MIT DEM PROBLEM DES

KLIMAWANDELS AUF ZWEIERLEI ART UMGEHEN:

Wir müssen unseren Kurs wechseln, indem wir die Kohlendioxidemissionen

senken, um gefährlichen Klimawandel zu verhindern.

Das nennt man Klimaschutz.

Es gibt drei Grundlagen des Erfolgs

Wir müssen uns und unser Eigentum vor den Gefahren schützen,

die vom Klimawandel ausgehen und zum Teil unvermeidbar sind.

Das nennt man Anpassung an den Klimawandel.

Durch Klimaschutz müssen wir die Art und Weise, wie wir Energie nutzen, ändern, um weiteren Schaden zu vermeiden, und durch

Anpassung müssen wir uns vor dem Schaden schützen, den wir bereits angerichtet haben.

Was bedeutet Klimaschutz?

Inzwischen ist es zu spät, um gewisse nicht rückgängig zu machende Änderungen noch zu verhindern. Durch wirksame Klimaschutzstrategien

werden wir in der Lage sein, in Zukunft Krisen zu vermeiden. Im Grunde bedeutet dies, dass die Welt ihre Kohlendioxidemissionen

reduzieren und eine radikale Wende in der Energiepolitik vornehmen muss.

EINEN PREIS FÜR CO2 BESTIMMEN

Durch Besteuerung sowie den Emissionsrechtehandel

(„cap and trade“) müssen wir einen Preis

für Kohlendioxidemissionen festsetzen.

Eine solche „Bepreisung“ der Treibhausgase

muss die tatsächlichen sozialen

Kosten widerspiegeln, die durch die

Emissionen verursacht werden.

ETWAS ÄNDERN

Wir müssen unseren Hunger

auf fossile Brennstoffe

zügeln und auf alternative

Energiequellen mit geringem

Kohlendioxidausstoß

umstellen.

INTERNATIONALE KOOPERATION

Die Länder müssen lernen, zusammenzuarbeiten.

Denn Treibhausgase

kennen keine Grenzen.

Die reichen Länder können und

müssen beim Kampf gegen den

Klimawandel eine Vorreiterrolle

übernehmen.

Ganz einfach: Sie müssen dringendst ihre

Kohlendioxidemissionen so stark und so rasch wie möglich senken.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Ruth Simmons, Großbritannien


Windturbine im Windpark

Zafarana, Ägypten

Zum Klimaschutz benötigt man Innovationen im Bereich

Technik sowie einen raschen und breit angelegten Transfer

und Einsatz ökologisch nachhaltiger Technologien.

Die Stromerzeugung mit Windgeneratoren ist nachhaltig,

weil Wind im Grunde eine unerschöpfliche (erneuerbare)

Energiequelle ist. Zu den anderen erneuerbaren Energiequellen

gehören Wasserkraft und Sonnenenergie

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Charles M. Sendegeya, Uganda

19


Klimaschutz heißt, zu verhindern, dass

20

Maßnahmen zum Klimaschutz

Was ist eine CO2-Steuer?

Eine Abgabe, die von einer Regierung für jede

Einheit von ausgestoßenem CO 2 -Äquivalent

erhoben wird. Die Erhebung einer CO 2 -

Steuer führt dazu, dass es sich wirtschaftlich

lohnt, die Emissionen zu senken.

Was ist der Mechanismus

für umweltver-

..

tragliche Entwicklung

(Clean Development

Mechanism - CDM)?

Der Mechanismus für umweltverträgliche

Entwicklung ermöglicht

es den Industrieländern,

die sich zur Senkung ihrer

Treibhausgasemissionen verpflichtet

haben, in Projekte zu

investieren, die Emissionen in den

Entwicklungsländern senken.

Er stellt damit eine Alternative zur

Reduzierung im eigenen Land dar,

die mit höheren Kosten verbunden

wäre. Dies ist eine Regelung gemäß

dem Kyoto-Protokoll.

Was ist „cap and trade“ oder auf

Deutsch “Emissionsrechtehandel”?

Es ist ein ausgehandeltes System zwischen einem Land oder

einer Gruppe von Ländern. Diese legen eine Obergrenze für die

Gesamtmenge von Kohlendioxid fest, die in einem bestimmten Zeitraum

ausgestoßen werden darf. Diese Höchstmenge bezeichnet man als „cap“ (Deckel, Obergrenze).

Sie wird in Zertifikate aufgeteilt, die an die Wirtschaft/Industrie verkauft oder ausgegeben werden.

Wenn ein Betrieb die ihm zustehenden Zertifikate aufgebraucht hat, kann er anderen Betrieben, die

ihr Emissionslimit unterschritten haben, Zertifikate abkaufen. Das nennt man „trade“ (Handel).

Unsere alten Gewohnheiten ändern –

die Welt verändern

Unsere Welt hat sich zu sehr angewöhnt, fossile Brennstoffe im

Übermaß zu verbrauchen. Um unsere alten Gewohnheiten zu

ändern, bedarf es gemeinsamer Anstrengungen. Wir sind zu stark

auf Energiesysteme angewiesen, die von fossilen Brennstoffen

abhängig sind – das muss sich ändern! Während wir einerseits

Kohlendioxidemissionen zu verhindern versuchen, müssen wir

uns andererseits auch für Technologien mit geringem CO 2 -Aus-

stoß einsetzen. Dazu gehören vor allem sogenannte erneuerbare

Energien wie Wind-, Solar- und Wasserkraft oder geothermische

Wärmepumpen sowie Elektroautos. Die Debatte über Atomen-

ergie geht zwar weiter, doch auch dies ist ein Thema, über das

intensiver diskutiert werden muss.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

das Problem noch schlimmer wird

Kalifornien in Vorreiterrolle

Martin Sanchez, Bolivien

Die USA müssen sich noch zu festen Zielvorgaben für Emissionen

verpflichten, doch während die Regierung in Washington, DC

noch zögert, übernimmt der Staat Kalifornien die Initiative. Zu

den Selbstverpflichtungen Kaliforniens gehören eine Obergrenze

von Treibhausgasemissionen auf dem Niveau von 1990 bis zum

Jahr 2020, die Senkung der Fahrzeugemissionen von Neuwagen

um 30 Prozent bis zum Jahr 2016 und die Auszahlung von über

2,9 Milliarden US$ über einen Zeitraum von 10 Jahren, um die

Aufstellung von Sonnenkollektoren zu fördern. Es bleibt zu hoffen,

dass die Politik von Kalifornien für andere Bundesstaaten der USA

zum Anreiz wird, eine ähnliche Politik und ähnliche Standards zu

übernehmen, um unsere zunehmende Energiekrise aufzufangen.

von Dana Troy, USA


Ziele festlegen

Regierungen müssen unbedingt verbindliche Ziele für ihre

Emissionen festlegen. Diese werden von Land zu Land

unterschiedlich sein.

Frankreich hat vor, seine Emissionen bis zum Jahr 2050

um 75 Prozent zu senken. Japan plant eine Senkung um

50 Prozent bis zum Jahr 2050. Die Vereinigten Staaten

haben noch keine landesweit gültige, langfristige

Zielvorgabe für ihre Emissionen aufgestellt.

Internationale und regionale Vereinbarungen können nur

einen Sinn haben, wenn nationale Zielvorgaben vorhanden

sind – und wenn die Länder auch tatsächlich ihre

Zusagen einhalten. Gibt es in Deinem Land eine nationale

Zielvorgabe für die Reduzierung der CO 2 -Emissionen? Wie

sieht es mit der Umsetzung aus, ist man auf Kurs? Ist die

Zielvorgabe verbindlich? Darüber kannst Du auch Deinen

Volksvertreter auf örtlicher oder nationaler Ebene befragen.

Samantha Lyn Black, USA

Anna Juchnowicz, Polen

Entwaldung

Unsere Wälder sind unschätzbar wertvoll, weil sie CO 2 auf

natürliche Weise aufnehmen und speichern. Deshalb ist

es auch so schlimm, dass man sie so rücksichtslos abholzt.

Die Entwaldung ist für ca. 20 Prozent der globalen Kohlendioxidemissionen

verantwortlich. Wenn man verhindert,

dass Wälder zerstört werden, trägt man wirksam zur Verminderung

der Neubildung von Treibhausgasen bei.

Vida Morkunas, USA

Peru besitzt 68 Millionen Hektar Tropenwald. Bis zum Jahr

2006 gingen in dem Land täglich bis zu 17,6 ha Wald

verloren. Durch die Entwaldung sind einheimischen Bevölkerungsgruppen

wie den Shipibos wichtige Tierarten

und Heilpflanzen verloren gegangen. Die Shipibos haben

immer im Einklang mit ihrer Umwelt gelebt und eine

entscheidende Rolle für den Naturschutz gespielt. Heute

greifen wir brutal in ihren Lebensraum ein und zwingen

sie dazu, in bevölkerte Gebiete umzusiedeln. Es liegt in

unserer Hand, diesen Teufelskreis zu stoppen – wir dürfen

nicht zulassen, dass der Amazonas seiner Seele beraubt

wird!

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

21


22

Anpassung heißt mit dem

Was ist Anpassung?

Bei Anpassung geht es darum, Menschen dazu zu befähigen,

mit den Risiken umzugehen, die der Klimawandel mit sich

bringt. Es geht darum, dass man in grundlegende Infrastruktur

investiert und in Programme, die uns vor den Auswirkungen des

Klimawandels schützen sollen.

4 x Anpassung

In Indonesien werden als

Anpassungsmaßnahme

Mangroven angepflanzt,

um sich vor Sturmfluten

infolge des

Klimawandels zu

schützen.

Mit freundlicher Genehmigung von KeSEMaT

Wie passen wir uns an?

Eine erfolgreiche Anpassungsplanung

beinhaltet folgende Maßnahmen:

• Informationen

eine wirksame Planung

ermöglichen

• Infrastruktur

vor den Auswirkungen des

Klimawandels schützen

• Versicherung

soziale Risiken auffangen

und die Armut reduzieren

• Institutionen

den Katastrophenschutz

gewährleisten

Klimawandel leben lernen

Wer ist betroffen?

Im Endeffekt wird jedes Land betroffen sein und sich an den

Klimawandel anpassen müssen.

Das Wort „Anpassung“ hat in unterschiedlichen Ländern unter-

schiedliche Bedeutungen. In den reichen Ländern passen

sich die Regierungen an, indem sie ausgeklügelte technische

Schutzanlagen errichten. In den ärmeren Ländern hingegen

ist die Anpassung schwieriger, weil keine ausreichenden

Ressourcen vorhanden sind. Für manche Menschen bedeutet

es vielleicht nur, dass sie schwimmen lernen müssen, um ein

Hochwasser oder einen Sturm überleben zu können. Leider

können sich diejenigen, die wirksame Schutzmaßnahmen

am nötigsten hätten, diese am wenigsten leisten.

„Untergehen oder

schwimmen sind die Alternativen

für die Armen der Welt

- sie angesichts der Bedrohung

durch den Klimawandel ihrem

Schicksal zu überlassen, ist

moralisch verwerflich …. Wir

bewegen uns immer mehr auf eine

Welt der Anpassungs-Apartheid zu.“

Desmond Tutu,

früherer Erzbischof von Kapstadt

und Friedensnobelpreisträger

Was haben die Stadt New York, das Ganges-Delta in Indien und

Bangladesch gemeinsam? Durch das Ansteigen des Meeresspiegels

sind alle drei einem erhöhten Überschwemmungsrisiko

ausgesetzt, doch sie sind unterschiedlich darauf vorbereitet.

Die New Yorker können sich Schutzbauwerke leisten und rasch

auf neue Bedrohungen reagieren. Im Gegensatz dazu sind

die Bewohner des Ganges-Deltas, die kaum zur Verursachung

des Problems beigetragen haben, den Gefahren fast schutzlos

ausgeliefert. Im HDR wird geschätzt, dass bis 2015 Investitionen

der Industrieländer in einer Gesamthöhe von 86 Milliarden US$

pro Jahr benötigt werden, damit sich alle Länder ausreichend

anpassen können.

Die Anpassungspläne in vielen Entwicklungsländern sind unzureichend:

„Die vorhandenen Hilfsmöglichkeiten lassen sich damit vergleichen, als

würde man versuchen, eine Überschwemmung mit einem Schwamm

aufzuwischen.“ Bericht über die menschliche Entwicklung, Seite 167

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG


„Auf das Beste hoffen – und sich

dafür einsetzen –, aber auf das

Schlimmste vorbereitet sein, das hat sich

als Leitsatz der Anpassungsplanung bewährt.“

Bericht über die menschliche Entwicklung, Seite 198

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Casper Supa, Salomonen

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24

Anpassung heißt mit dem

USA

Kalifornien hat ein ausge-

dehntes System von Wasserspeichern

und Transportkanälen

aufgebaut, damit Trockenge-

biete ständig mit Wasser

versorgt werden

können.

ECUADOR

Die Bauern bauen hier traditionelle

Rückhaltebecken in

U-Form, sogenannte albarradas,

um in niederschlagsreicheren

Jahren Wasser aufzufangen, das

in Dürrejahren wieder in das

Bewässerungssystem eingespeist

wird.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Klimawandel leben lernen

GROSS-

BRITANNIEN

Die britische Umweltbehörde hat

gefordert, 8 Milliarden US$ für die

Verstärkung der Flutsperre an der

Themse bereitzustellen. Derzeit werden

rund 1,2 Milliarden US$ im Jahr

für das Hochwassermanagement

und die Bekämpfung der

Küstenerosion ausge-

geben.

HAITI

Im nationalen Anpassungsplan

wird geschätzt, dass für

Investitionen in Projekte zur

Verhinderung von Wasserknappheit,

Hochwassergefahr und

Bodenerosion ein Budget von

11 Millionen US$ benötigt

wird.

ÄTHIOPIEN

Das Produktivitäts-Sicherungsprogramm

des Landes (Productivity

Safety Net Programme - PSNP) bietet

etwa 5 Millionen Menschen garantierte

Beschäftigung für fünf Tage im Monat als

Gegenleistung für Geld oder Nahrungsmittel.

4 US$ monatlich genügen, um

die Grundversorgung spürbar zu

verbessern und die Auswirkun-

gen von Klimaschocks abzumildern.


INDIEN

In den Dörfern des Ganges-

Delta bauen Frauen erhöhte

Bambus-Plattformen, sogenannte

machan, die während der

Monsun-Überschwemmungen

als Zuflucht dienen.

NIEDERLANDE

Für den Hochwasserschutz

wurden Haushaltsmittel in Höhe

von 3 Milliarden US$ zur Verfügung

gestellt. Im Dorf Maasbommel wurden

37 Häuser gebaut, die auf dem Wasser

schwimmen können. Sie sind an

großen Stahlpfählen im Flussbett

verankert und verhalten sich

bei Hochwasser wie

Boote.

SRI LANKA

Landwirte experimentieren

mit neuen Reissorten, die auch

Salzwasser vertragen können

oder mit wenig Wasser zurechtkommen.

ABER DAS REICHT NICHT AUS!

..

So passen sich Lander auf

der ganzen Welt an

JAPAN

Die japanische Regierung

hat Pläne entwickelt, um angesichts

des steigenden Meeresspiegels

einen wirksameren

Schutz zu bieten. Die Um-

setzung wird schätzungs-

weise 93 Milliarden US$

kosten.

DAS

MEKONG-DELTA

IN VIETNAM

Zum Schutz vor Hochwasser und

Sturmfluten werden Erddeiche angelegt

und Mangroven gepflanzt.

Gefährdete Dorfgemeinschaften

erhalten Schwimmunterricht

und Schwimm-

westen.

NEPAL

Die Bewohner hochwassergefährdeter

Gebiete bauen Frühwarnsysteme

– wie zum Beispiel

erhöhte Wachtürme – und ver-

stärken Uferböschungen, um

Gletscherseen daran zu

hindern, über die Ufer

zu treten.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

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26

Wir müssen zusammenhalten

Die Vereinten Nationen (UN) wurden 1945 gegründet,

als Reaktion auf „die Geißel des Krieges“ von

der die Welt zweimal in der ersten Hälfte des

20. Jahrhunderts heimgesucht worden war.

Die UN hat daraufhin die Allgemeine Er-

klärung der Menschenrechte verfasst. Es

ist ihr gelungen, dafür die Zustimmung

aller Regierungen zu bekommen. Sie

ist daher eine entscheidende Kraft

im Kampf um den Schutz die-

ser Rechte, die durch den Klimawandel

gefährdet sind.

Was können die UN

für uns tun?

Schon der Name „Vereinte

Nationen“ macht deutlich,

was der Auftrag der UN

ist: die Nationen der Welt

zu vereinigen. Doch die

UN können nur so stark

sein wie die Bereitschaft

ihrer Mitgliedstaaten, sich

vereinigen zu lassen. Jede

einzelne Nation wird von

ihrer Regierung gesteuert,

und die Regierungen werden

wiederum von uns,

den Bürgern, gesteuert!

Der Druck, den wir, die

jungen Menschen dieser

Welt, auf unsere Volksvertreter

auf örtlicher und natio-

naler Ebene ausüben, erreicht

letztendlich auch die internationale

Ebene und steuert die

Handlungsweise der UN. In Bezug

auf den Klimawandel müssen wir un-

bedingt die Macht der UN stärken, um

ein gemeinsames und einheitliches Vor-

gehen gegen diese weltweite Bedrohung

zu ermöglichen, die uns alle etwas an-

geht! Wir müssen zusammenhalten, oder

wir gehen gemeinsam unter.

So kann sich unser Einfluss ausweiten

JUGEND-

LICHE

ÖRTLICHE

VERTRETER

Die verantwortung der Einzelstaaten

Die UN ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Wenn einige

Länder weiterhin immer größere Mengen fossiler Brennstoffe

verbrennen, entsteht denen, die sich zurückhalten – und es sich

etwas kosten lassen, ihre Emissionen zu verringern – ein enormer

wirtschaftlicher Nachteil. Es müssen für alle die gleichen Regeln

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

NATIONALE

VERTRETER

REGIERUNG

Martin Sanchez, Bolivien

Ich glaube, dass der Klimawandel genau die Art von globaler Herausforderung

ist, die am ehesten von den Vereinten Nationen angegangen werden

kann. Um den Klimawandel in Angriff zu nehmen, müssen wir auf zwei

Fronten vorgehen. Erstens muss die Welt dringend mehr unternehmen, um

die Treibhausgasemissionen zu senken. Die zweite globale Notwendigkeit

ist Anpassung. Wir brauchen außerdem einen größeren Anstoß, um neue

Technologien zur Bekämpfung des Klimawandels zu entwickeln, um bereits

vorhandene erneuerbare Technologien wirtschaftlich nutzbar zu machen

und um dazu beizutragen, dass sich diese Technologien rasch verbreiten.

Ban Ki-moon, UN-Generalsekretär

VEREINTE

NATIONEN

gelten – und nur die UN können dies gewährleisten. Deshalb

tragen wir alle Verantwortung, dafür zu sorgen, dass unsere

nationalen Vertreter verbindliche Vereinbarungen auf UN-Ebene

ratifizieren – und dass sie ihre Zusagen auch einhalten.


Der Klimawandel gilt als die derzeit größte Bedrohung der Menschheit.

Als junge Weltbürger haben wir die verantwortung, zu fragen:

„Haben die vereinten Nationen genug unternommen?“

Was machen die UN

überhaupt?

Kyoto-Protokoll:

Dieses von der UN vermittelte Abkommen, das im

Dezember 1997 von vielen Staaten unterzeichnet wurde,

ist ein erster Schritt hin zu gemeinsamen Maßnahmen gegen

den Klimawandel. In ihm werden verbindliche Zielvorgaben

aufgestellt, damit die Treibhausgasemissionen bis 2012 auf ein

Niveau gesenkt werden können, das 5 Prozent unter dem Stand

von 1990 liegt. Die Wissenschaftler sind sich aber inzwischen einig,

dass dieses 5-Prozent-Ziel viel zu niedrig gegriffen ist. Außerdem

haben etliche Länder, darunter auch die USA, das Abkommen nie

in staatliches Recht überführt (ratifiziert), und es zeichnet

sich deutlich ab, dass viele Länder noch nicht einmal dieses

bescheidene Ziel erreichen werden.

Durchbruch auf Bali:

Im Dezember 2007 kamen die Vertreter von 180 Ländern auf der

UN-Klimakonferenz auf der indonesischen Insel Bali zusammen.

Nach längerem Hin und Her stimmten selbst die USA dem sogenannten

„Fahrplan von Bali“ zu – erstmals waren sich alle mächtigen Länder

der Welt einig, dass der Klimawandel ein ernsthaftes Problem darstellt,

dessen sich die Weltgemeinschaft vorrangig annehmen muss. Kritiker

verweisen mit Recht darauf, dass immer noch keine verbindlichen

Emissionsziele vereinbart wurden. Doch ein Anfang ist gemacht – und

der Fahrplan zeigt uns immerhin, wo die Fahrt hingehen soll, wenn

wir irgendwann mal ans Ziel kommen wollen.

„Ich hatte das Glück, bei der UN-Klimakonferenz

auf Bali mit 200 engagierten Jugenddelegierten

aus aller Welt zusammenzuarbeiten. Dabei erlebte

ich aus erster Hand, wie wir als junge Menschen

für unsere Interessen einstehen können. Wir

können durchaus Einfluss im Kampf gegen den

Klimawandel nehmen, indem wir Rechenschaft

von unseren Regierungen fordern und sowohl un-

sere Altersgenossen als auch die breite Öffentlich-

keit aufklären.“

Adam MacIsaac, Kanada

Suzy Bouden, Großbritannien

Nächster Halt: Kopenhagen, Dezember 2009.

In Kopenhagen wird es wahrscheinlich zu tiefgreifenden

Entscheidungen kommen. Die Frage ist, was für die Zeit

„nach Kyoto“ vereinbart wird – also, nachdem das Kyoto-

Abkommen im Jahr 2012 ausläuft.

Zu der Konferenz werden hochrangige Teilnehmer aus 189 Ländern

erwartet. Wenn es nach den Wissenschaftlern geht, müssten sie

verbindlich beschließen, die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um

25 Prozent und bis 2050 um 50 Prozent zu senken. Unsere Aufgabe

ist es, den Politikern klarzumachen, dass wir sie nur dann wiederwählen,

wenn sie diese Verpflichtung tatsächlich eingehen.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

27


Zukunftsperspektiven für die Jugend: Bei 2ºC bleiben uns nur 2 Möglichkeiten

28

Zunehmende Knappheit

der Ressourcen wie

Nahrungsmittel, Treib-

und Brennstoffe, Grund

und Boden

Zwangsmigration:

Hungernde und

durstende Menschen

fallen in Gebiete ein, wo es

noch Wasser und Ackerland

gibt; weltweiter Krieg um

die Ressourcen und das

Überleben

MÖGLICHKEIT 1

NICHTS TUN = Krieg

SCHRITTE, DIE

UNS IN GEFÄHR-

LICHE KONFLIKT-

SITUATIONEN

FÜHREN

Abschmelzen

des Eises der Polkappen

und Hochgebirge,

Ansteigen des Meeresspiegels,

Überflutung von

Küstengebieten, Austrocknung

von Flüssen, extreme

Klimaereignisse aller

erdenklichen Art

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Steigende

Temperaturen

auf der ganzen

Welt

Kohlendioxid-

emissionen, die keinen

Beschränkungen unter-

liegen und keinen

Preis kosten

Die Eiskappen des tibetischen Hochlands werden

verschwinden. Dadurch werden die großen Flussbecken

Südostasiens austrocknen und eine Milliarde

Menschen dazu gezwungen sein, in den Norden, nach

Sibirien, zu ziehen, wo es Wasser gibt.

Das Abschmelzen des Eises in den Hochgebirgen

Nordamerikas könnte Millionen auf der Suche nach

Wasser nordwärts treiben, nach Kanada. Und wenn

der Eispanzer schmilzt, der über der Antarktis und

Grönland liegt, wird der Meeresspiegel um 7 Meter

steigen. 330 Millionen Menschen müssten sich eine

neue Heimat suchen.

Werden die betroffenen Länder einfach ihre Grenzen

öffnen und Neuankömmlinge bereitwillig in ihr Land

lassen? Die Geschichte lehrt, dass das eher unwahrscheinlich

ist.

Der Zorn der Natur

Wieso immer kämpfen? Wieso immer Krieg?

Können wir denn nicht mehr friedlich zusammenleben?

Der Klimawandel treibt Wellen der Zerstörung vor sich her,

Die geballte Wucht von Hurrikan Katrina

Entfachte Gewalt und Hass in den Herzen der Menschen.

„Alle Macht dem Volk“ skandieren die Demonstranten,

Doch ihre Stimmen verhallen in einem leeren Tunnel.

Die Zeit ist gekommen, dass die Böswilligen unterliegen,

Und die Erdenmenschen wieder neu erwachen.

Die Jagd nach dem gelben Kuchen: Ein trügerisches Abenteuer

Mit Helden, die sich in einem Kampf verausgaben, den sie gar nicht

verstehen

Zuhause an der Front bricht Gottes Zorn über die Menschen herein

Die für die Sünden ihrer Herren büßen müssen.

Doch darin liegt die Hoffnung,

Die Menschen sind des Kämpfens überdrüssig

Erschöpft von Klimawandel und Konflikt

Alle stimmen ein in das Lied von einer besseren Zukunft.

Was passiert, wenn wir einen katastrophalen Klimawandel

nicht verhindern:

von Vaakesan Guruparan, Australien

Lara Elena Ramos Simielli, Brasilien


Klimabedingte Migration ist für kleine Inselstaaten heute schon Realität

Migration als Folge des Klimawandels ist keine reine Zukunftsvision

mehr, sondern für manche Menschen bereits harte Wirklichkeit.

Schon heute produziert der Klimawandel Flüchtlinge:

Sie müssen Gegenden verlassen, die nicht mehr bewohnbar

sind.

Kleine Inselstaaten sind besonders gefährdet: 1.500 Bewohner

von Carteret Island, einem Atoll in der Autonomen Region Bougainville

von Papua-Neuguinea, haben damit begonnen, ihre

Von Pip Starr. Mit freundlicher Genehmigung von FoE Australien: www.foe.org.au

Namen wie Hitler, Stalin und Pol Pot sind für uns Synonyme

für das Böse und den Tod von Millionen. Doch im Vergleich

zu dem Massenmord, den manche sogenannte liberale

Regierungen in Europa und Nordamerika heutzutage

durch ihre Untätigkeit angesichts des Klimawandels

heraufbeschwören, waren Hitler, Stalin und die Anderen

blutige Anfänger: Nichts gegen den Klimawandel zu tun,

könnte nämlich Milliarden Menschen den Tod bringen.“

David Woollcombe, Vorsitzender von Peace Child International

Heimat auf Dauer zu verlassen. Der Meeresspiegel rund um das

Atoll ist in den letzten 20 Jahren um 10 cm gestiegen.

Derweil wird der Inselstaat Tuvalu im Pazifik durch das Ansteigen

des Meeresspiegels voraussichtlich im Verlauf des nächsten

Jahrzehnts unbewohnbar werden. Auch bei anderen Inseln ist

damit zu rechnen, dass sie überflutet werden. In Kiribati und

Vanuatu mussten Menschen schon in höheres Gelände ziehen,

weil der Meeresspiegel gestiegen ist.

„Wenn man eine Gesellschaft

befähigt, mit Konflikten umzugehen,

entwickelt sich auch

ihre Fähigkeit, sich an den Klimawandel

anzupassen. Auch

wenn die Aufgaben einander

nicht zu ähneln scheinen – im

Endeffekt braucht man dieselben

Fähigkeiten …“

Jan Smith, Janani Vivekananda,

International Alert

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

29


Zukunftsperspektiven für die Jugend: Bei 2ºC bleiben uns nur 2 Möglichkeiten

30

Möglichkeit 2

ETWAS TUN = Ein Zeitalter ohne

CO 2 -Ausstoß!

„Die Bekämpfung des Klimawandels verlangt

von uns, dass wir die Wirtschaft nach ökologischen

Notwendigkeiten ausrichten. Die inter-

nationale Zusammenarbeit in ihrem gegenwärtigen

Zustand ist für diese Aufgabe nicht

gewappnet. Vorrangig benötigt die Welt ein

verbindliches völkerrechtliches Abkommen, da-

mit die Treibhausgasemissionen auf lange Sicht

gesenkt werden können…“

Younes Dokkani, Marokko

Eine rosige Zukunft ist in greifbarer Nähe!

Warum findet sie dann nicht statt?

1) Aufgrund der Kosten – auch wenn wir dieses Argument nicht

wirklich akzeptieren können. In dem Solarplan, der im Januar

2008 in der Zeitschrift Scientifc American erschien, wurden die

Kosten für eine Umwandlung der USA in eine auf Sonnenenergie

und Wasserstoff beruhende Volkswirtschaft mit landesweiter

Stromversorgung per Hochspannungs-Gleichstrom (HVDC) auf

420 Milliarden US$ über einen Zeitraum von 40 Jahren beziffert.

Das ist gerade einmal ein Fünftel der Summe, die in nur 5 Jahren

für den Irakkrieg ausgegeben wurde.

2) Mehr Forschung ist nötig – Energie, Geldmittel und der

politische Wille müssen in diese Richtung gelenkt werden.

3) Wir schreien nicht laut genug, dass unsere Regierungen sich

veranlasst sehen, etwas zu tun!

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Bericht über die menschliche

Entwicklung, Seite 16

Guten Morgen,

schÖne Welt!

Als ich heute aufwachte, fühlte ich mich gut, ich war total

glücklich!

Ich schaute aus dem Fenster und bemerkte etwas sehr

Schönes:

Die Bäume waren voller Blüten und Früchte

Die Luft war sauber, ganz unverseucht. Das Wasser war

kristallklar.

Mein Hinterhof war nicht verdreckt und der Müll wurde

getrennt und wiederverwertet.

Das Abwasser wurde nicht in die Flüsse geleitet, sondern

geklärt und in Gas umgewandelt; nichts wurde mehr

verschmutzt.

Die Vögel vergnügten sich im Wald. Die Tiere freuten sich über

die saftig grünen Weiden.

Ich erkannte, dass die Welt völlig verändert war. Ich schaute in

mein Haus hinein und sah meine Familie, wie sie um den Tisch

versammelt war. Alle tranken heißen Tee und unterhielten sich

über angenehme Dinge. Meine Brüder spielten unbekümmert,

denn sie wussten, dass die Welt gut ist.

Im Fernsehen gab man das Ende der Erderwärmung bekannt.

Gewalt, die einmal das größte Problem auf der Welt war, gab es

nicht mehr.

Nahrung war nicht verseucht und wir erfreuten uns besserer

Gesundheit.

Alle hatten einen Arbeitsplatz.

Es gab keine Reichen und keine Armen,

weder Korruption noch Rassenvorurteile.

Die Menschen lebten in Frieden und alle Kriege waren vorbei.

In dem Moment wurde mir klar, dass ich geträumt hatte, und

ich wachte auf. Ich hatte Angst und meine Mama rief nach mir.

Die Realität heute sieht anders aus als in meinem Traum. Aber

heute müssen wir mehr tun, damit die Wirklichkeit morgen so

wird, wie wir sie uns jetzt erträumen!

Jonathan, São José do Rio Preto (SP), Brasilien

Wir können eine Welt erschaffen, wie Jonathan sie sich

in seinem Traum ausgemalt hat. Dazu müssen wir heute

schon in eine Zukunft ohne CO 2 -Ausstoß investieren.

In einer Welt ohne CO 2 -Ausstoß würde es diese Dinge

geben:

- riesige Windfarmen draußen auf dem Meer.

- Sonnenkraftwerke, die Tausende von Quadratkilometern

bedecken.

- Druckluftspeicheranlagen in stillgelegten Bergwerken

und unterirdischen Höhlensystemen.

- ein Hochspannungs-Gleichstrom-Netz (HVDC) für die

Stromübertragung.

- Geothermik-Wärmepumpen und Sonnenkollektoren

auf jedem Haus.

- mit Wasserstoff betriebene Flugzeuge.

- Elektroautos und -lastwagen.


Von globalen Problemen

zu individuellen Lösungen

Was kannst Du tun?

Man fühlt sich leicht wie David, der gegen Goliath

kämpft, oder wie der Igel, der sich mit dem Hasen ein

Rennen liefert, wenn wir darüber nachdenken, was wir als

Einzelne tun können, um das Problem des Klimawandels

anzugehen. Aber wir sollten Mut fassen und uns daran

erinnern, wer aus diesen berühmten Wettkämpfen als

Sieger hervorgegangen ist…

„Du musst selber

zu der Veränderung

werden, die Du in der

Welt sehen willst“

Mahatma

Gandhi

Eine Unmenge wissenschaftlicher

Fakten und das ständige Gere-

de von apokalyptischen Fol-

gen können uns die Lust an

diesem Thema verderben.

Doch wir sollten uns in Er-

innerung führen, dass das

uralte chinesische Schriftzeichen

für „Krise“ aus zwei

Zeichen zusammengesetzt

ist – dem für Gefahr und dem

für Chance. Wir dürfen die

Gefahr nicht außer Acht lassen,

aber wir sollten auch die Chance

ergreifen, etwas zu tun!

Reden wir erst einmal über die kleinen Dinge, die Du

schon JETZT tun kannst, sobald Du dieses Heft aus der

Hand legst…

Die einfachen Dinge

Beim Einkaufen…

- Nimm Deine eigenen Stoff-, Leinen- oder Jutetaschen

mit. Finger weg von Plastiktüten!

- Kauf nur Lebensmittel, die auf jeden Fall gegessen werden!

Jedes Jahr werden in Großbritannien 6,7 Millionen Tonnen

Lebensmittel in den Müll geworfen. Die meisten davon

landen auf Mülldeponien, wo sie verfaulen und das

gefährliche Treibhausgas Methan freisetzen.

- Kauf im Dritte-Welt-Laden oder Second-Hand-Shop ein

und spende selber Deine alten Kleider, CDs, Bücher usw.

- Nutze Webseiten wie www.kostenlos-tauschen.com,

www.tauschticket.de, über die Du alle möglichen

Sachen kostenlos mit Anderen tauschen kannst, oder

www.creadoo.com, wo es viele Anregungen gibt, wie

man alte Sachen sinnvoll verwenden kann.

In der Schule oder an der Uni…

- Fahr mit dem Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Radfahren ist so ziemlich die grünste Fortbewegungsart –

Fahrräder sind die energieeffizientesten Fahrzeuge, die es

gibt!

- Benutze Papier grundsätzlich immer beidseitig, z. B.

Notizen vom Unterricht, und ermuntere Andere zum

Nachmachen, z. B. indem Du einen Hinweiszettel an den

Kopierer hängst.

- Nimm immer Deine eigene Tee- oder Kaffeetasse mit,

damit Du keine Styropor-, Plastik- oder Pappbecher benutzen

musst.

Daheim…

- Mach ein Schild an den Briefkasten: Bitte keine Werbung!

- Recyceln, recyceln, recyceln: Glasflaschen, Dosen, Kartons,

Pappe, Papier, CDs, Batterien, Briefumschläge, Zeitungen,

Zeitschriften, Telefonbücher, Kataloge, Korken, Kunststoffe,

Aluminium…

- Schalte Fernseher, Computer und Ladegerät immer ganz

aus, statt sie im Stand-by laufen zu lassen.

- Repariere und flicke Deine Sachen soviel es geht, bevor Du

sie wegwirfst.

- Benutze Energiesparlampen.

- Lege im Garten einen Komposthaufen an.

Vor öffentlichen

Erfolgen kommen

immer erst die privaten

Stephen R. Covey

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

Daniela Giardotti, Argentinien

31


Gisela Joos, Argentinien

verbessere die Ökobilanz

Eures Hauses

Red‘ mal mit Deinen Eltern, wie energieeffizient Euer Haus

eigentlich ist. Sind Fenster, Türen und Wände ausreichend

wärmegedämmt? Könntet Ihr einen Teil Eures Energiebedarfs

aus erneuerbaren Quellen decken, z.B. über Sonnenkollektoren

oder eine Erdwärmepumpe? Erdwärme (Geothermik) kann

man prima zum Heizen und zur Warmwasserbereitung nutzen.

Schon bei einer kleinen Anlage für ein Einfamilienhaus werden

jedes Jahr 7 Tonnen weniger Kohlendioxid in die Erdatmosphäre

geblasen.

Betreibe Werbung für Einspeise-

vergütungen!

Mach Deiner Regierung Druck, damit eine brauchbare Einspei-

severgütung eingeführt wird. Einspeisevergütungen sind eine

einfache, kostengünstige und wirksame Methode, um die Entwicklung

und Nutzung erneuerbarer Energieformen zu fördern.

Es funktioniert eigentlich ganz einfach: Die Regierung schafft

einen Anreiz für die Bürger, damit sie erneuerbare Energie für den

Eigenbedarf erzeugen, z.B. mit Sonnenenergie oder Windkraft.

Die Energie, die man selber nicht benötigt, darf man dann in das

Stromnetz einspeisen und bekommt Geld dafür. Deutschland

ist in diesem Bereich weltweit führend. Schon 2005 wurden dort

10,2 Prozent der Elektrizität aus erneuerbare Quellen gewonnen,

70 Prozent davon über Einspeisevergütungen. Das bedeutet

52 Millionen Tonnen weniger Kohlendioxid bis zum Jahr 2010 –

nicht schlecht, oder?

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

IF

Langsam wird es schwerer…

Auch kleine Veränderungen sind wichtig. Doch das

Ausmaß des Problems bedeutet, dass wir auch einige

radikale und vielleicht nicht so angenehme Veränderungen

in unserem Lebensstil machen müssen. Schließlich hat alles

seinen Preis.

Miss Deinen Fußabdruck

Deinen individuellen CO 2 -Fußabdruck zu berechnen ist die beste

Methode, Deinen eigenen Beitrag zum Klimawandel einzuschätzen.

Im Internet gibt es alle möglichen Rechner. Empfehlenswert ist der

von Greenpeace: www.greenpeace.klima-aktiv.com

Überleg Dir Deine eigene CO 2 -Quote

Wie würdest Du wohl überleben, wenn Du jedes Jahr nur eine bestimmte

Menge von Kohlendioxidemissionen verursachen dürftest?

Viele Menschen in Bangladesch oder in Afrika südlich der Sahara

würden das vorgegebene Limit wohl nie erreichen, während

die meisten Europäer und Nordamerikaner ständig darüber

liegen würden – immerhin produziert der Durchschnitts-

Nordamerikaner über 100-mal mehr Kohlendioxidausstoß

als Afrikaner es durchschnittlich tun.

SO WÜRDE EINE CO2-QUOTE

FUNKTIONIEREN:

X = KOHLENDIOXIDMENGE PRO JAHR, DIE WIR

UNS LEISTEN KÖNNEN AUSZUSTOSSEN

Y MILLIARDEN = DIE WELTBEVÖLKERUNG

FOLGLICH

X/Y = DEINE PERSÖNLICHE CO2-QUOTE

Ist das eine gute Idee? Und würde es funktionieren?


Dirya Kanan, Indien

Junge Menschen tun etwas: Auf die Straße gehen!

Noch nie gab es so viele junge Menschen unter 25 wie heute –

3 Milliarden, das ist fast die Hälfte der Weltbevölkerung. Man sieht

also, wir sind zahlreich genug, um Veränderungen zu bewirken

– ob durch Lobbyarbeit, Kampagnen, Proteste, Demonstrationen

Den Druck auf die

US-Regierung aufrechterhalten

www.sustainus.org

USA

„SustainUS“ ist eine Gruppe junger Leute, die sich für eine nachhaltige

Entwicklung und die Stärkung des Mitspracherechts junger

Leute in den USA einsetzen. Vor dem Weltgipfel für Nachhaltige

Entwicklung (WSSD), der 2002 in Johannesburg stattfand, schob

sich die Gruppe mit ihrer „Wett“-Aktion ins Blickfeld der Medien.

Sie wetteten mit dem damaligen US-Präsident George W. Bush,

dass es ihnen gelingen würde, durch Selbstverpflichtungen von

Jugendlichen 20.000 Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Wenn

sie es schafften, würden sie Bush dazu auffordern, zusammen mit

einer Gruppe von 5 jungen Menschen den WSSD zu besuchen.

Für den Fall, dass sie die Wette verlieren, boten sie an, Bush

oder ein beliebiges Mitglied seines Kabinetts eine Woche lang

kostenlos in einer Fahrradrikscha überall hin zu kutschieren.

SustainUS hat die Wette gewonnen – über 20.000 Tonnen Kohlendioxidemissionen

konnten durch die Jugendlichen eingespart

werden. Trotzdem ließ sich Bush nicht dazu bewegen, am WSSD-

Gipfel teilzunehmen.

In Delhi über die Zukunft

debattieren

Am 28. Mai 2008 trafen sich in Delhi 150 Jugendliche,

junge Berufstätige und Beobachter verschiedener Nicht-

Regierungsorganisationen zum ersten Jugend-Klimagipfel

(Delhi Youth Summit on Climate - DYSoC). Auf dieser Veranstaltung

sollte die Zukunft der Stadt Delhi angesichts

der durch den Klimawandel drohenden Gefahr diskutiert

und debattiert werden.

Es wurde über eine Vielfalt von Themen wie Wasserversorgung,

Abfallentsorgung, Energie und Verkehr beraten.

Lösungsvorschläge, die junge Leute eingebracht haben,

wurden in einer Erklärung, der Delhi Youth Charter

on Climate (herunterladbar unter:

http://whatswiththeclimate.org), zusammengestellt.

oder Diskussionen. Viele junge Leute auf der ganzen Welt, die vor

Ideen und Begeisterungsfähigkeit überschäumen, nutzen diese

Aktions-Instrumente bereits, um sich Gehör zu verschaffen. Auch

Du könntest dazugehören!

Basisarbeit

in Bangladesch

Nafiz Zaman Shuva,

Bangladesch

Ich bin Vorsitzender der „Bangladesh Association of Young

Researchers“ (BAYR), der einzigen landesweiten Forschungs-

und Entwicklungsorganisation für Jugendliche in Bangladesch.

Junge Leute spielen eine entscheidende Rolle bei der Information

und Aufklärung der Bevölkerung über den Klimawandel.

Viele Bangladeschis wissen einfach nicht, dass ihr

Elend etwas mit dem Klimawandel zu tun haben könnte, der

von Menschen gemacht ist. Sie verfügen außerdem über keine

Informationen darüber, wie sie sich vor den Auswirkungen

des Klimawandels schützen können. In Anbetracht dessen

haben wir eine Reihe von Klimawandelprojekten organisiert.

Dazu zählen das Environment Friendly Programme 2008 in

Zusammenarbeit mit Green Earth Bangladesch sowie „Act Now“

(Jetzt Handeln), eine landesweite Initiative, die Jugendliche in

Fragen des Klimaschutzes schult.

DIE BOTSCHAFT NACH ENGLAND TRAGEN

Als ich zum ersten Mal hörte,

dass die britische Regierung

Pläne für eine neue, dritte

Start- und Landebahn am

Londoner Großflughafen

Heathrow hatte, war ich

einfach nur empört.

Den Bau einer neuen

Start- und Landebahn

halte ich für einen Riesenschritt

rückwärts. Meine

Nationalität spielt dabei

keine Rolle – denn das

Kohlendioxid, das bei den

Flügen von und nach

Heathrow ausgestoßen

wird, bleibt ja nicht über

England hängen. CO 2

kennt keine Grenzen.

von Virginie Mercier, Frankreich

Was nützt es, wenn wir als

Einzelne versuchen, einen

nachhaltigen Lebensstil

zu praktizieren, aber

unsere Regierungen uns

immer weiter auf einen

gefährlichen Klimawandel

zusteuern lassen?

Deshalb war es mir auch

so wichtig, bei dem

Protestmarsch dabei zu

sein, dessen Teilnehmer

das größte „NO“ der Welt

formten. No - Nein zur

Startbahn, Nein zum

Klimawandel und Nein zu

einer Regierung, die uns

unserer Zukunft beraubt.

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

33

Foto: Matthias Schmidt, Deutschland


34

Junge Menschen tun

etwas: Außergewöhnliche

Geschichten

Carolina Santiago, Malaysia

Kochende Jugendinitiative

Raphael Wanjaria Njararuhi und seine Mitstreiter

von der rührigen Jugendorganisation Youth Intercommunity

Network (YIN) in Kenia tun etwas,

um zu versuchen, die Entwaldung in ihrem Land

zu stoppen: Sie wollen erreichen, dass die Landbevölkerung

anders mit Energie umgeht.

Die Aktivisten von YIN bauen und verteilen Energiesparherde,

mit denen sich viel effizienter

kochen lässt als mit einem offenen Feuer. Wie

Raphael berichtet, verwenden 75 Prozent der Land-

bevölkerung in Kenia Brennholz zum Kochen.

Dadurch werden die Holzvorräte dezimiert und

die Entwaldung vorangetrieben – mit schlimmen

Folgen für die Umwelt. Das größte Problem für die

Menschen in Kenia ist, dass die Nahrungsversorgung

gefährdet wird.

Was hat Gandhi wohl gemeint, als er sagte: „Wir müssen selber zu der

Veränderung werden, die wir in der Welt sehen wollen“? Für mich bedeutete

es, dass ich den Willen habe, mein eigenes Verhalten zu ändern, Verzicht zu

leisten und mit meinem Beispiel voranzugehen. Deshalb beschloss ich, die

Welt mit dem Fahrrad zu umrunden.

Insgesamt habe ich ganze 19.000 Kilometer abgespult, bin durch 15 Länder

und 3 Erdteile geradelt und von Vancouver immer gen Osten gefahren, bis

ich schließlich in Peking angelangt war.

Kein Tag war wie der andere. Ich schlief, kochte und lebte fast immer unter

freiem Himmel. In Kanada bin ich Bären begegnet, ich habe die Wüste Gobi

in der Mongolei durchquert, wo es keine Straßen gibt, die mörderischen

„Straßen“verhältnisse in Sibirien habe ich am eigenen Leib erlebt und noch

vieles mehr. Auf dieser Reise habe ich unendlich viel gelernt, darüber, wie

klein und unbedeutend wir Menschen sind und wie groß und mächtig die

Natur dagegen ist. Nur merken wir es normalerweise nicht, weil wir uns so

weit von der Natur entfernt haben.

Von den Tausenden von Menschen, denen ich bei meinem Abenteuer

begegnet bin, erwarte ich natürlich nicht, dass sie jemals auf eine solche

Reise gehen wie ich. Ich hoffe aber, dass ich vielleicht als Vorbild für andere

dienen kann, dass auch sie, einige zumindest, etwas bewirken können.

Wenn nicht, dann glaube ich, dass wenigstens ich etwas bewirkt habe.

Danke, Herr Gandhi!

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

von Damien A. Côté, Kanada

Aus Kindesmund…

Im Alter von nur 12 Jahren bewegte Severn Suzuki aus Kanada

die Delegierten aus aller Welt beim Erdgipfel 1992 in Rio de

Janeiro mit ihren Worten. In ihrer Rede machte sie die Welt auf

die Einstellung junger Menschen zum Klimawandel aufmerksam.

Unter anderem sagte sie:

„Ich bin heute ganz ohne Hintergedanken hierher gekommen.

Ich kämpfe für meine Zukunft. Den verlust meiner

Zukunft kann ich nicht mit einer verlorenen Wahl oder

einigen verlorenen Punkten an der Aktienbörse vergleichen.

Ich bin hier, um für alle zukünftigen Generationen

zu sprechen.“

2002 war Severn an der Gründung einer internetbasierten Denkfabrik

namens The Skyfsh Project beteiligt, die auch vom damaligen

UN-Generalsekretär Kofi Annan in seinen Umwelt-Sonderbeirat

berufen wurde. Als junge Frau Ende 20 befasst sie sich heute

weiter mit Umweltfragen und hält Vorträge in aller Welt, bei

denen sie ihre Zuhörer darum bittet, sich über ihre Werte klar

zu werden, bei dem, was sie tun, auch immer an die Zukunft

zu denken, und persönliche Verantwortung zu übernehmen.

Die Herde bauen die jungen

Leute meist selber. Sie verwenden dazu traditionelle

Techniken und vor Ort vorhandenes Material

(hauptsächlich Lehm und Steine). Sie schulen die

Menschen darin, wie sie mit ihrem Energiesparherd

umgehen, ihn pflegen und instandhalten. Die wiederum

geben ihre neu erworbenen Kenntnisse

an Andere weiter. Und schon kommt der Stein ins

Rollen!

Durch das Projekt ermöglicht YIN der Landbevölkerung

und den jungen Leuten, konkrete und

wirkungsvolle Schritte zu unternehmen, um den

gegenwärtigen und künftigen Auswirkungen des

Klimawandels entgegenzusteuern.

Sorouche Mirmiran, Kanada


Chloé Gaudet, Kanada

MITMACHEN – Engagiert Euch doch in Eurem eigenen

Land in einer Organisation, wie es sie auch in anderen

Ländern gibt. Hier einige Adressen von Initiativen und

Organisationen in Deutschland. Häufig gibt es von ihnen

lokale Gruppen im ganzen Land. Informiere Dich doch

mal, welche es in Deiner Stadt gibt.

Jugend im Bund für Umwelt und Naturschutz

Deutschland (BUND)

Am Köllnischen Park 1a · 10179 Berlin

Telefon: 030-275-865-0 · www.bundjugend.de

Naturschutzjugend im Naturschutzbund

Deutschland

Postfach 301045 · 53190 Bonn

Telefon: 0228-4036-190 · www.naju.de

Greenpeace

Große Elbstraße 39 · 22767 Hamburg

Telefon: 040-30618-0 · www.greenpeace.de

Robin Wood

Postfach 102122 · 28021 Bremen

Telefon: 0421-598288 · www.robinwood.de

WWF

Rebstöcker Straße 55 · 60326 Frankfurt/Main

Telefon: 069-791440 · www.wwf-jugend.de

Grüne Jugend

Postfach 040609 · 10063 Berlin

Telefon: 030-27594095 · www.gruene-jugend.de

Robert vanWaarden, Kanada

Karina Pilar Sandoval, Peru

Was junge Leute sonst

noch tun können

Jetzt kennst Du die Fakten, hast einige Geschichten gehört

und bist dir sicher bewusst geworden, wohin es führt, wenn

man nichts tut. Frage Dich, was Du sonst noch tun kannst –

Anregungen kannst Du dir auf dieser Seite holen!

Mehr wissen - –Zeit, noch mehr herausfinden!

Schlau machen könnt Ihr Euch auf Webseiten für Jugendliche,

in Publikationen wie TUNZA, der Zeitschrift des

UN-Umweltprogramms, in globalen Online-Communities,

z.B. http://itsgettinghotinhere.org, und bei Aktionsbündnissen

wie www.stopclimatechaos.org und www.

youthagainstclimatechange.org.

Eine informative deutsche Seite mit vielen Bildern, Grafiken

und Animationen ist www.klimawandel-bekaempfen.de

MEHR TUN!

Chloé Gaudet, Kanada

MEHR TUN!

kreativ(er) werden –- – Kunst in jeder Form kann

eine gute Möglichkeit sein, eine Aussage rüberzubringen.

Bringt Eure Vorstellungen und Ideen durch Schreiben,

Malen, Fotografieren, Schauspielern, Singen und Tanzen

zum Ausdruck!

Lasst Euch von dem Musical „Green Peace Child“ anregen

– es dient der Bewusstseinsbildung und Bestärkung der

jungen Leute, die es proben, aufführen und selber umschreiben.

Das Textbuch (Script) zum Musical erhaltet Ihr

bei: info@peacechild.org.

Mehr Fragen stellen–- –nicht bloß an Eure Regierung,

sondern auch an die Unternehmen, die Euch ihre

Dienste zur Verfügung stellen. Als Kunden seid Ihr sehr

wichtig, so wichtig, dass manche Firmen womöglich ein

ökologisches Bewusstsein entwickeln, wenn man Ihnen

nur genug Fragen stellt! So könnt Ihr beispielsweise etwas

gegen illegale Abholzung und Entwaldung tun, indem Ihr

nur Produkte kauft, die ein Siegel von FSC (www.fsc.org),

Woodmark oder Smart Wood tragen. Denkt darüber nach,

wo die ganzen Sachen, die man so kauft, eigentlich herkommen.

Seid immer neugierig und werdet zu bewussten

Verbrauchern!

Mehr SchÖnes bewahren - warum ist es Euch

so wichtig, unseren Planeten zu retten? Weil er so wertvoll

und so schön ist! Freut Euch jeden Tag neu an der Schönheit

unserer Umwelt und lasst Euch von ihr daran erinnern,

warum Ihr sie bewahren wollt!

MEHR TUN!

ZWEI GRAD ENTSCHEIDEN ÜBER HOFFNUNG ODER VERZWEIFLUNG

35


Die Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen hat über die globale

Wasserkrise und zum Klimawandel zwei interaktive DVDs herausgegeben,

die für die Bildungsarbeit zur Verfügung stehen.

Jeweils mehr als 20 Videos,

viele Fotos und interaktive Grafiken

sowie aufwändige Animationen

geben Einblick in die komplexen

U3: Hier Werbung “Multimedia-DVD zur Wasser- und Klimakrise”

Zusammenhänge der globalen

von Wasserbroschüre einsetzen!

Wasserprobleme und die Folgen des

Klimawandels. Grundlage sind die

UN-Berichte über die menschliche

Entwicklung aus den Jahren 2006

und 2007/2008.

Inhalte der Wasser-DVD:

• Wasserknappheit, Verteilung von

Wasser und die systematische

Verletzung des Rechts auf Wasser

• Wasser für das tägliche Leben

• Das riesige Defizit an Sanitärversorgung

• Wasserkonflikte und

grenzüberschreitendes Wasser

Inhalte der Klima-DVD:

• Videos von den „Klima-Brennpunkten“

aus vielen Teilen der Welt

• Berichte über aktuelle Entwicklungen im

Bereich alternative Energiegewinnung

und Klimaanpassung

• Interviews mit Wissenschaftlern

und Politikern

• Wichtige Reden anlässlich der

Weltklimakonferenz 2007 auf Bali

• Beeindruckende Zeitraffer-Sequenzen

und 3D-Animationen.

Die DVD-ROM sind kostenlos und werden gegen Portoerstattung versandt.

Bestellungen unter info@dgvn.de / Tel.: (030) 259375-0 / www.dgvn.de


114

Wir müssen lernen,

als Brüder und Schwestern

miteinander zu leben, oder wir

werden miteinander als

Narren untergehen

Martin Luther King Jr.

http://hdr.undp.org www.dgvn.de www.peacechild.org

Ruth Simmons, Großbritannien

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