Wunsch und Wirklichkeit Mechthild Dyckmans auf Hof Fleckenbühl

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Wunsch und Wirklichkeit Mechthild Dyckmans auf Hof Fleckenbühl

4 HAUS UND HOF DIE FLECKENBÜHLER 1. AUSGABE 2011

Neueröffnung der Käserei

Am 16. März 2011 wurde mit einer kleinen Feier die neue Käserei auf Hof Fleckenbühl offiziell eröffnet

Vertreter der am Bau beteiligten

Firmen Vackiner Rohbau, Schütz

Trockenbau, Gräser Heizungsbau

und Raiffeisen, Herr Schmidt

vom Veterinäramt Marburg,

Frau Dr. Krischke vom Dezernat

Lebensmittelhygiene des Regierungspräsidums

Gießen, Herr

Dr. Otto und Frau Marschik vom

Amt für ländlichen Raum und

Verbraucherschutz, Frau Iris

Demel, Regionalgeschäftsführerin

des Paritätischen, viele

befreundete Landwirte und

Käser, Förderer und Freunde

waren gekommen.

Es war sehr kalt und da die Feier

hauptsächlich im Freien stattfand,

haben die Gäste ziemlich gefroren.

Aber es gab ein paar Ansprachen,

an denen man sich erwärmen

konnte. Es ist uns eine große Freude,

dass die Politiker aus der

Region so anerkennende Worte

für uns fanden und betonten, wie

akzeptiert und willkommen wir

in der Gemeinde sind. Es sprachen

unser Bürgermeister aus Cölbe,

Volker Carle, der Bürgermeister

von Marburg, Dr. Franz Kahle

und der Landtagsabgeordnete der

SPD, Dr. Thomas Spies.

Mit dem Umbau der Käserei wurde

der nächste große Schritt im Rahmen

der betrieblichen Strategie der

Fleckenbühler Landwirtschaft aus

dem Jahr 2006 umgesetzt, die die

Veredelung und Vermarktung der

Urproduktion zum Ziel hat.

Im Jahr 2008 wurde ein moderner

Tiefboxenlaufstall gebaut und die

Kuhherde kontinuierlich aufge-

Ein Blick in die neue Käserei.

stockt. Künftig werden 72 anstatt

42 Kühe ihre Rohmilch für unsere

vielfach ausgezeichneten Käsesorten

geben. Da sich die zu verarbeitende

Milchmenge auf ca.

550.000 kg/Jahr nahezu verdoppeln

wird, musste die Käserei aufwendig

umgebaut und erweitert

werden.

Im Frühjahr 2006 wurde zunächst

der Reifekeller saniert, das Sandsteingewölbe

wurde mit einer

neuen atmungsaktiven, sterilen

Latex-Membrane ausgestattet.

Parallel dazu begannen die Planungen

für den Umbau der darüber

liegenden Produktions- und Verpackungsräume.

Der Eingriff in einen historischen

Gebäudebestand brachte im Vergleich

zu einem Neubau sowohl

für uns als auch für die Architekten

und die beteiligten Firmen einige

besondere Herausforderungen mit

sich.

So war z.B. im Vorfeld bekannt,

dass unter anderem der alte Fliesenboden

grundsaniert werden

muss, dass wir jedoch 175 m 3 altes

Material (das entspricht 20 LKW-

Ladungen!) stellenweise bis zu

1,25 m tief abtragen und dadurch

zusätzliche Fundamente zur

Stabilisierung der tragenden Wände

anlegen mussten, war vor allem

mit Blick auf die Kostenberechnung

nicht einfach zu kalkulieren.

Bei der Konzeption standen im

Bereich der Produktivität die Erweiterung

der Produktions-, Lagerund

Verpackungskapazitäten in

Verbindung mit der Vereinfachung

und Optimierung der Arbeitsabläufe

für unsere Mitarbeiter im Mittelpunkt.

Ein großer 1.500-Liter-

Kessel sowie eine neue Käsepresse

mit Vorpresswanne, mit der sich

nach Bedarf verschiedene Käsegrößen

herstellen lassen, wurden

angeschafft. Künftig können wir

unseren Kunden neue innovative

Produkte im Weich- und Frischkäsebereich

sowie lange gereifte Hartkäsesorten

anbieten.

Das Bodenniveau wurde ganzflächig

um 32 cm abgesenkt, die

dadurch entstandene höhere Decke

wirkt sich positiv auf das Raumklima

(geringere Kondensation) in

der Produktion aus. Der größte

Vorteil ergibt sich dadurch, dass

nun Räume vom angrenzenden

Hofladen ebenerdig begehbar bzw.

mit Rollwagen befahrbar sind und

somit für die Käserei umfunktioniert

werden konnten. Ein

zusätzlicher Kühlraum und ein

komfortabler Wareneingangsund

-ausgangsbereich wurden

eingerichtet.

Kernstück für eine nachhaltige Verbesserung

der Wirtschaftlichkeit

ist die Energieversorgung der Käsekessel.

Der alte holzbetriebene

Dampferzeuger sollte zunächst

durch einen leistungsstärkeren,

mit Öl befeuerten, ersetzt werden.

Sehr hoher Bedienungskomfort

und sehr hohe Investitions- und

Betriebskosten standen sich

gegenüber.

Die Lösung für diese Aufgabe kann

man als echte Innovation bezeich-

nen, in der beispielhaft ökonomischer

und ökologischer Nutzen

zusammengeführt wurde.

Ein benachbartes Holzsägewerk

hat zur energetischen Verwertung

von Sägenebenprodukten im Jahr

2008 ein Biomasse-Heizkraftwerk

errichtet. Die überschüssige Wärme

wird nun mit einer Nahwärmeleitung

an die Nachbarschaft abgegeben.

2009 wurde Hof Fleckenbühl

angeschlossen und die Heizung

auf Wasserbetrieb umgestellt.

Nach einigen, zum Teil sehr lebhaften,

Arbeitstreffen mit unserer

Installationsfirma und einem Fachingenieur

für Käsereitechnik, konnten

wir eine technisch effiziente

und für unsere Mitarbeiter leicht

handhabbare Lösung umsetzen,

und das bei 20 Prozent geringeren

Investitionskosten.

Seit 2008 gilt für Käsereien und

Molkereibetriebe eine neue EU-

Zulassungspflicht. Von Beginn der

Planungen an wurden in Zusammenarbeit

mit den Veterinärbehörden

die Anforderungen der Richtlinien

mit den baulichen Maßnahmen

abgestimmt.

Neben den technischen und amtlichen

Fragestellungen, die zu lösen

waren, war es uns sehr wichtig,

unseren Mitarbeitern einen attraktiven

Arbeitsplatz zur Verfügung

zu stellen, an dem sie leidenschaftlich

ihrem Handwerk nachgehen

können. Daher wurde die Stammbelegschaft

von Anfang an in den

Prozess mit eingebunden. Außerdem

haben wir Stilelemente, wie

z.B. das neue Hofkäsereilogo, als

handgefertigtes Fliesenwandbild

im Produktionsraum integriert.

Da diese traditionelle Art des Käsens

nicht mehr oft zu sehen ist,

wollten wir unseren Kunden einen

attraktiven und transparenten Bezug

dazu bieten. Vom Hofladen

aus kann man nun durch zwei

große Panoramafenster die Käseherstellung

und Verpackung entspannt

bei einer Tasse Tee (oder

Kaffee) verfolgen und unsere Demeter-Spezialitäten

natürlich auch

direkt aus der Kühltheke kosten.

Zeit hat man bei einem Bauprojekt

im Prinzip nie, und da wir die

Produktion aussetzen mussten,

war die Organisation der Zusammenarbeit

der einzelnen Gewerke

ein weiterer wichtiger Aspekt.

Zeitweise waren bis zu 20 Handwerker

gleichzeitig auf der Baustelle

tätig. Als Außenstehender konnte

man sich zwischendurch fragen,

ob das alles gut gehen kann und

es ging gut. Am 27. Dezember

2010 lief die Käseherstellung

wieder an und funktioniert seither

einwandfrei, die lange, detaillierte

Planungsphase hat sich gelohnt.

Großer Dank gilt allen unseren

Mitarbeitern und den vielen helfenden

Händen aus den anderen

Fleckenbühler Arbeitsbereichen.

Ohne deren Einsatzbereitschaft

wäre dieses Projekt nicht zu realisieren

gewesen.

Wir danken auch den beauftragten

Firmen und unseren Architekten

für die gute Zusammenarbeit und

allen, die uns finanziell unterstützt

haben. KARSTEN SPEHR

Foto: Ronald Meyer