Praxisbericht 8 - ERCIS

ercis.org

Praxisbericht 8 - ERCIS

Heinz Lothar Grob

Jan vom Brocke

Herausgeber

Beatrix Busse

Realisierung einer virtuellen Lernumgebung

als Einführung in die Englische Sprachwissenschaft

Introduction to English Linguistics On-line (IELO)

Praxisbericht Nr. 8

E-Learning

Praxisberichte


Praxisbericht 8

E-Learning

Praxisberichte

ERCIS – European Research Center for Information Systems

Hrsg.: Heinz Lothar Grob, Jan vom Brocke

Realisierung einer virtuellen Lernumgebung

als Einführung in die Englische

Sprachwissenschaft

Introduction to English Linguistics Online

(IELO)

Beatrix Busse


Inhalt

1 Einleitung ................................................................................................................................2

2 Konzeptioneller Rahmen des Online-Kurses IELO.................................................................4

2.1 Vorarbeiten ...................................................................................................................4

2.2 Lern-/Lehrinhalte, Lernziele und Lehrmethoden...........................................................5

2.3 Die Lernenden ..............................................................................................................6

2.4 Kommunikation .............................................................................................................6

3 IELO – der webbasierte Kurs und seine Charakteristika........................................................8

3.1 Navigation, Design – derzeitiger Entwicklungsstand von IELO....................................8

3.2 Weitere zu realisierende Komponenten von IELO .....................................................14

4 Ausblick und „lessons learned“ .............................................................................................16

Literaturverzeichnis ......................................................................................................................18

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1 Einleitung

Das Projekt beinhaltet die Konzeption eines interaktiven Online-Einführungskurses in die anglistische

Linguistik „Introduction to English Linguistics Online“ (IELO), der zunächst nur den Studierenden

des Englischen Seminars der Universität Münster, zu einem späteren Zeitpunkt auch

der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

Aufgrund der hohen Studierendenzahlen am Englischen Seminar der Universität Münster und

der niedrigen Lehrkapazität sind gerade die Einführungsmodule der Sprach- sowie der Literatur-

und Kulturwissenschaft häufig überbelegt. Veränderungen in den didaktischen Konzepten der

ursprünglichen Curricula sowie die Bereitstellung von Ressourcen zum Selbststudium sind somit

sinnvoll. Es erscheint außerdem angemessen, den Studierenden neben den Präsenzveranstaltungen

Möglichkeiten zu geben, das im Kursbuch präsentierte Material webbasiert vor- oder

nachzubereiten. Auch Studierenden aus höheren Semestern soll so der Rückgriff auf Basiswissen

offen stehen.

Der zu entwickelnde Online-Kurs soll dazu beitragen, ein Blended-Learning-Modell der Sprachwissenschaftlichen

Grundkurse zu realisieren. Der Kurs wird zeit- und ortsungebunden zugänglich

sein. Die obligatorischen Präsenzveranstaltungen sollen jedoch die Nachteile des E-

Learnings, z. B. die kognitive Überfrachtung, die Gefahr des Verfügungswissens, das sprunghafte

Lesen, den Serendipity-Effekt und das, was man als Lost in Hyperspace bezeichnet, einschränken.

1

Untersuchungen im Rahmen der Mitarbeit der Autorin an einer von Prof. Dr. Mick Short (Lancaster

University, GB) entwickelten Studie „Language and Style“ [Bu05; Sh06a; Pl06; Sh06b]

haben ergeben, dass der Gebrauch moderner Technologie auf Studierende zunächst motivierend

wirkt. Ziel der Realisierung dieses Online-Kurses ist daher eine „gestaltungsorientierte

Mediendidaktik“ [Ke99; Ke04] und eine vollständige Virtualisierung der sprachwissenschaftlichen

Inhalte mit Hypertexten. Darüber hinaus soll ein Lernmanagementsystem den technischen

Kern einer komplexen webbasierten E-Learning Struktur bieten. Außerdem ist sicherzustellen,

dass die mit erheblichem zeitlichem und finanziellem Aufwand produzierten Lehrmaterialien mit

Nachhaltigkeit verwendet werden können. Daher wird der Kurs sowohl online als auch unter

Zuhilfenahme der Referenztechnologie Freestyle Learning 2 entwickelt.

Im Vergleich zu den von der Autorin bis jetzt mehr oder weniger traditionell unterrichteten Einführungen

in die englische Sprachwissenschaft finden in diesem Projekt Veränderungen in der

Lehre somit auf der Ebene des Lehrmodus, der Lehr- und Lernszenarien, der Medientechnik

und damit auf der Ebene der Aufbereitung der Kommunikation und Kooperation, der Präsentation,

des Gebrauches von Lehr- und Lernmanagementsystemen statt sowie auf der Ebene des

didaktischen Designs. Auch in der inhaltlichen Konzeption des Kurses lässt sich eine Neuentwicklung

feststellen. Die existierenden webbasierten Projekte innerhalb der angewandten englischen

Sprachwissenschaft sind häufig im Bereich von Grammatik- oder Sprachkursen zu verorten.

Außerdem behandeln webbasierte Einführungen in die Sprachwissenschaft vielfach nicht

1 Siehe URL http://www.e-teaching.org [15. März 2006].

2 Siehe URL www.freestyle-learning.de [15. März 2006].

2 �


die Linguistik einer bestimmten Sprache, sondern sind von allgemeiner Natur. 3 Eine weitere

Veränderung der ursprünglichen didaktischen Konzeption des Kurses besteht in der Online-

Bereitstellung von didaktisch aufbereitetem Lern- und Übungsmaterial, dem Semesterapparat

und von Leselisten sowie grundlegenden Primärquellen der anglistischen Sprachwissenschaft

(z. B. von Bloomfield, de Saussure, Chomsky sowie Sapir und Whorf). Die Präsentation von

Inhalten ist ebenfalls neu: Arbeitsergebnisse, Dokumente und Präsentationen müssen von den

Studierenden auch in der Online-Lernplattformen OpenUSS 4 zur Verfügung gestellt werden.

Die Kommunikation zwischen den Studierenden und Lehrenden soll ebenfalls partiell auf diese

Lernplattform verlagert werden, sodass z. B. Sprechstunden und Diskussionen ebenso webbasiert

stattfinden können.

Die Konzeption des Online-Kurses folgt also nicht einem bloßen Ruf nach E-Learning. Im Gegensatz

zu den häufig im Netz bereitgestellten didaktisch wenig aufbereiteten Skripten, sollen in

IELO die Möglichkeiten genutzt werden, die sich sowohl aus dem Einsatz von Informations- und

Referenztechnologien als auch aus dem visuellen, auditiven und didaktischen Potential des

webbasierten Lehrens und Lernens ergeben. Des Weiteren soll der webbasierte Kurs kollaboratives

und konstruktivistisches Lernen realisieren (Br02: S. 9]. Wiederum soll durch das dem E-

Learning inhärente didaktische Potential beide Lernmethoden auch weiter gefördert werden.

Auch wenn es eine Affinität zwischen der Linguistik einerseits und dem E-Learning Konzept

andererseits zu geben scheint [Ba05], ist es sicherlich weiterhin notwendig, gerade für die Philologie

im Allgemeinen sowie für die Anglistik und die anglistische Sprachwissenschaft im Besonderen

die Grenzen und Möglichkeiten von E-Lern- und E-Lehrmethoden zu erforschen sowie

die Variablen und den Sinn und Nutzen von webbasiertem Lernen und Lehren ebenfalls

kritisch zu hinterfragen und genau quantitativ und qualitativ zu evaluieren. Erzielte Resultate

von Studierenden aus den traditionell unterrichteten Grundkursen sollen mit den Ergebnissen

von Studierenden verglichen werden, die in einem Blended Learning-Format unterrichtet wurden.

Neben der Evaluation von Lernstrategien, Lern- und Lehrerfolg der Studierenden sowie

Lehrkonzepte und Erfahrungen der Lehrenden sind Untersuchungen erforderlich, die den Lerneffekt

und Lernertrag in spezifischen Disziplinen kritisch und detailliert prüfen sowie Antworten

auf folgende Fragen liefern: Fördert das Medium an sich nicht eine zu große Vereinfachung des

Inhalts? Inwieweit wirkt sich die Auffassung von Studierenden, alles sei „klickbar“, z. B. auf den

Lernerfolg und die Lernstrategien oder das Ausdrucksvermögen der Studierenden aus? Hindert

eine Online-Umgebung die Studierenden am intensiven Recherchieren und Bibliographieren

oder an der Lektüre eines Buches? Studierende erliegen häufig dem Glauben, dass die Lektüre

von Folien für die Erfassung eines Themas ausreiche. IELO kann in keinem Fall das intensive

Buchstudium ersetzen, nur ergänzen.

3 So z.B. die Chemnitz Internet Grammar, URL http://www.tu-chemnitz.de/phil/InternetGrammar/publications/ [15.

März 2006], und BabelON, eine Lehr- und Lernumgebung des Fachbereichs Sprach- und Literaturwissenschaft der

Universität Bielefeld, URL http://luna.lili.uni-bielefeld.de/babelon/ [15. März 2006].

4 Siehe URL http://www.openuss.de [15. März 2006].

3 �


2 Konzeptioneller Rahmen des Online-Kurses IELO

2.1 Vorarbeiten

Auch wenn durch die Lehre der Autorin im Bereich der Sprachwissenschaftlichen Grundkurse

und im Rahmen der Mitarbeit der Autorin an der Konzeption neuer BA-Studiengänge am Englischen

Seminar die klassischen Fragen der Unterrichtsplanung nach Zielgruppe, Inhalten, Lernzielen

und Lehrmethoden weitestgehend geklärt sind, müssen diese und weitere Komponenten,

wie z. B. Wissenspräsentation, Motivation, Aktivierung des Lernstoffs sowie Berücksichtigung

von Lernstile und Lerntypen, für die besondere Situation der virtualisierten Lehrveranstaltung

angepasst werden. Um die komplette Benutzung des Online-Kurses ab dem WS 2007/08 zu

garantieren, ist es notwendig, neben den Lern- und Sozialformen auch das Design, die Navigation,

die Lerneinheiten und Kommunikations- und Kooperationsprozesse festzulegen [Br02,

S. 21-27]. Diese notwendigen theoretischen und praktischen Vorüberlegungen sind seit Oktober

2005 der Fokus der Realisierung von IELO.

Die Autorin konnte sich bereits im Rahmen eigener E-Learning-Projekte mit computergestützten

Lehr- und Lernmethoden vertraut machen. Durch die Teilnahme an der von Prof. Dr. Mick Short

(Lancaster University, GB) initiierten Studie, die traditionelle und webgestützte Lehr- und Lernmethoden

auf der Basis eines Einführungskurses in die Stilistik vergleicht, hat die Autorin im

Sommersemester 2004 den von Prof. Short entwickelten Online-Kurs „Language and Style – a

Web-based Course“ am Englischen Seminar zunächst traditionell und dann ausschließlich

webbasiert in Zusammenarbeit mit Prof. Short und der Literaturwissenschaftlerin Dr. Patricia

Plummer (Universität Mainz) unterrichtet. Außerdem unterrichtete die Autorin im Sommersemester

2005 zusammen mit Dr. Plummer den Kurs in einer neuen Form am Englischen Seminar

in Mainz: Nach einer intensiven einwöchigen Präsenzvorbereitungsphase in der vorlesungsfreien

Zeit konnten die Studierenden im Semester selbständig online arbeiten. Sie wurden in

dieser Zeit ebenfalls online mit Hilfe des an der Universität Mainz entwickelten Reader Plus

betreut.

In der laufenden Studie „Language and Style“ konnte die Autorin sowohl hinsichtlich der theoretischen

als auch der praktischen Umsetzung von E-Learning und E-Teaching in der Anglistik

vielfältige Erfahrungen sammeln und sich intensiv mit den notwendigen technischen, finanziellen

und didaktischen Voraussetzungen, Möglichkeiten und Grenzen von webbasiertem Lehren

und Lernen im Vergleich auseinandersetzen. Die Ergebnisse der Studie wurden 2005 anlässlich

der 25. Jahrestagung der Poetics and Linguistics Association an der Huddersfiled University

(UK) in der Sektion „E-Learning and Stylistics“ präsentiert. Qualitative und quantitative Evaluationen

wurden in internationalen Publikationen bereits veröffentlicht oder sind im Druck befindlich

[Bu05; Sh06a; Pl06; Sh06b].

Für das Projekt IELO ergibt sich aus diesen Erfahrungen und Forschungsergebnissen die unumgängliche

Notwendigkeit von Medienkompetenz auf der Seite des Lehrenden sowie von

ausreichenden finanziellen, personellen und technischen Ressourcen. Jedoch erscheint aufgrund

der in der Einleitung dargestellten Defizite im Bereich der linguistischen Einführungen in

die englische Sprachwissenschaft einerseits und der erwähnten Affinität zwischen Linguistik

4 �


und E-Learning andererseits der Aufwand, einen komplett webbasierten Einführungskurs in die

anglistische Linguistik zu entwickeln, gerechtfertigt.

2.2 Lern-/Lehrinhalte, Lernziele und Lehrmethoden

Trotz der Kritik an Lernzielorientierung ist es gerade im Zusammenhang virtueller Lehrveranstaltungen

unumgänglich, Lernziele zu formulieren. Dem Lernenden kommt eine große Rolle zu

[Br02, S. 10], gerade weil sich für den Lernenden die webbasierte Umgebung weniger durch

persönliche Kommunikation auszeichnet. Fragen zu Lerninhalt, Lernziel, Lehrmethode, Sozialformen,

Motivation, Motivierung und Unterstützung des Lernprozesses müssen somit im Vorhinein

genau durchdacht und dann auch für die Studierenden in der Lernumgebung transparent

gemacht sowie kohärent gestaltet werden.

IELO soll in die Kernbereiche der anglistischen Sprachwissenschaft, wie Phonetik, Phonologie,

Morphologie, Syntax und Semantik, einführen und Grundkenntnisse in den wesentlichen Theorien,

Modellen und Methoden der englischen Linguistik vermitteln. Die Studierenden sollen

Kenntnisse in der relevanten Terminologie in deutscher und englischer Sprache erwerben, diese

und Methoden der englischen Sprachwissenschaft richtig anwenden sowie einfache Analysen

sprachlicher Daten selbständig durchführen. Außerdem wird angestrebt, dass die Studierenden

die vielfältigen Faktoren, die Sprachgebrauch und Sprachwissen beeinflussen, kennen

lernen. Die Studierenden sollen so ein Verständnis für die Interdisziplinarität, Kontextualität und

kulturelle Situiertheit von Sprache entwickeln. Der Kurs führt daher auch in nichtsystemlinguistische

Felder der anglistischen Sprachwissenschaft – „Sprache im Kontext“, wie z. B. Pragmatik

und Soziolinguistik – ein.

Vor dem Hintergrund von Mayes „Learning Cycle“ [Br02, S. 2] sollten Lernprozesse in den verschiedenen

Phasen des Lernens immer unterstützt werden. Die Medien in einer Lernumgebung

müssen daher sicherstellen, dass z. B. der Lernende bei der Verarbeitung des Gelernten unterstützt

wird und auch (strukturierte) Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden stattfinden

kann [Br02, S. 9]. Lerninhalte und Lernmethoden bedingen einander. IELO möchte den

Schwerpunkt sowohl auf entdeckendes, kooperatives/kollaboratives und konstruktivistisches

Lernen legen. Letzteres hat sich gerade im Bereich des multimedialen Lernens als gewinnbringend

erwiesen [Br02, S. 9]. Konstruktivistisches Lernen beschreibt, dass Lernende ein Konstrukt

des Gelernten schaffen, aktiv handeln und sich selbst organisieren und steuern, um zu

lernen [Br02, S.10]. Da diese Prozesse individuell unterschiedlich sind, sollen die Lernenden ihr

Konstrukt auch mit dem anderer Studierender vergleichen. Eine Konsequenz, die sich daraus

ergibt, ist, dass Lehrende nicht eindeutig planen können, was das Lernziel ist.

In Abschnitt 3 soll am Beispiel der Lerneinheiten „Welcome!“ and „What is Linguistics?“ exemplarisch

erläutert werden, wie diese Lernmethoden nach Inhalt in der virtuellen Lernumgebung

realisiert werden bzw. realisiert worden sind und welche Sozialformen des Lernens hier vorgeschlagen

werden sollen. Gleichzeitig soll deutlich werden, wie der Aufbau nach Lerneinheiten,

die es den Studierenden ermöglichen, sequentiell und sprunghaft sowie selbstgesteuert zu arbeiten,

gestaltet wurde und welche medialen Aufbereitungen gewählt wurden. Begleitend sollen

Simulation und Animation zum Einsatz kommen. Zudem erscheint eine Adaptivität der Lernumgebung

im Sinne der Möglichkeit, Einstellungen z. B. bei der Darstellung, in Bezug auf ver-

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schiedene Anforderungsniveaus, dem Setzen von Lesezeichen und dem Verzeichnen vorzunehmen,

unumgänglich.

2.3 Die Lernenden

Für die Konzeption von IELO ist es wichtig, die Inhalte in verschiedenen Kontexten zu präsentieren

und generell die verschiedenen Typen von Lernenden und deren Lernstile (auditiv, visuell,

sensorisch, Pask: Serialisten und Holisten, Kolb: Divergierer, Konvergierer, Akkomodierer

und Assimilierer [Br02; S. 18-21]) anzusprechen. Des Weiteren sollte die Zielgruppe in Bezug

auf Alter, etwaigen Erfahrungen mit den sprachwissenschaftlichen Inhalten und einer virtuellen

Lernumgebung, Zeitsouveränität, Zugang, Ausstattung, Medienkompetenz etc. erfasst werden.

Studierende, die innerhalb des BA-Grundlagenmoduls „Introduction to English Linguistics and

the History of English“ den Sprachwissenschaftlichen Grundkurs obligatorisch besuchen müssen,

sind meistens Erstsemester und haben in der Schule bis zum Abitur hin nur wenig linguistisches

Wissen erworben. Gerade deshalb beginnen sie diesen Kurs ausgesprochen verunsichert.

Es braucht bei der Mehrzahl der Studierenden bisweilen ein ganzes Semester, bis sie die

Angst vor der Materie verlieren, sich von Vorurteilen gegenüber der Linguistik befreit haben,

und es ihnen gelingt, sich einen Überblick über die Teilbereiche der Linguistik anzueignen und

die Terminologien sowie die wissenschaftliche Herangehensweise zu erlernen.

Für IELO liegt also nicht nur die Motivation darin, möglichst viele verschiedene Typen von Lernenden

anzusprechen, sondern einen Großteil der Studierenden für die Sache zu motivieren

und ihnen gleich zu Beginn durch die optische Gestaltung der Umgebung, d.h. dem graphischen

Design und der Navigation, eine übersichtliche und strukturierte Präsentation der Lerninhalte

und der Lehrmethoden zu liefern. Zudem ist es Ziel von IELO, neben der Erklärung von

Lernzielen, vom Aufbau des Kursbuchs und der Erwartungen an die Studierenden auch die

Navigation und technische Voraussetzungen in einer gesonderten Einheit zu erläutern. Es sollen

mit Hilfe von Fragebögen die oben genannten Komponenten quantitativ noch genauer evaluiert

werden. Um die gesammelten Information für IELO sinnvoll nutzbar machen zu können,

ist es notwendig, die Studierenden auch in weiteren Sprachwissenschaftlichen Grundkursen

von Kollegen zu befragen. Die rapide Weiterentwicklung des Internets und der Kompetenzen

der Lernenden muss im Rahmen diese Bestandsaufnahme natürlich im Blick behalten werden.

2.4 Kommunikation

Sobald IELO für den Unterricht bereitsteht, sollen auch die Online-Kommunikationsprozesse im

Rahmen eines Blended-Learning-Modells sichergestellt werden. Erfahrungen wurden mit den

Systemen Claroline Online, Moodle, Reader Plus (Universität Mainz) und OpenUSS 5 gesammelt.

Es soll ein Lernmanagementsystem (LMS) und kein Content Managementsystem verwendet

werden, weil ein LMS unterschiedliche Funktionen aus „einer Hand“ realisiert, sodass diese

in eine komplexe E-Learning Struktur eingearbeitet werden können und nicht getrennt über die

5 Siehe URL Claroline Online, URL http://www.claroline.net/, und Moodle, URL http://www.moodle.de und

http://www.moodle.org.

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Aufbereitung von Inhalten, die Bereitstellung von Dokumenten oder das Einrichten von Kommunikationsräumen

nachgedacht werden muss; auch wenn bisweilen der Rahmen des Machbaren

durch das System abgesteckt ist und komplexere Lernarrangements nicht immer flexibel

gestaltet werden können. Um die Möglichkeiten eines LMS auszuschöpfen müssen die didaktischen

und organisatorischen Konsequenzen des Einsatzes bedacht und gesteuert werden.

Meine Anforderungen an ein LMS wären die folgenden: eine Benutzerverwaltung, eine Kursverwaltung

und eine Rollen- und Rechtevergabe mit differenzierten Rechten und Kommunikationsmethoden

(Chat, Foren und Werkzeuge für das Lernen, wie Wikis, Threads, Notizbuch,

Annotationen, Kalender, Einsicht in Log-Files). Die LMS müssen für die Bereiche der Administration,

der Lernumgebung und der Produktion von Inhalten ausreichende Werkzeuge zur Verfügung

stellen. Studierende sollen z. B. im Rahmen von Gruppenarbeit multiperspektivische Einheiten

erstellen können. OpenUSS und Moodle können diese Anforderungen realisieren.

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3 IELO – der webbasierte Kurs und seine Charakteristika

3.1 Navigation, Design – derzeitiger Entwicklungsstand von IELO

Von Oktober 2005 bis März 2006 lag der Schwerpunkt in der Bearbeitung auf folgende Teilbereiche

und Projektphasen:

� Gestaltung von Lernprozessen, Design, Navigation und Übersichtlichkeit der Webseiten;

Erarbeitung eines Konzepts für Möglichkeiten, wie Studierende selbst in den Lernprozess

eingreifen können. Die technische Umsetzung steht zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch aus.

� Lerninhalten, Lernmethoden, Lerntypen: Konzeption der Inhalte für die Einheit „Welcome!“

und die Lerneinheit „What is Linguistics?“ für die virtuelle Lernumgebung; genaue Einbeziehung

der Lerntypen sowie der inhaltlichen Vorraussetzungen der Studierenden.

� Technische Überlegungen: Programmierung und Sicherheit.

Die Strukturierung der Lerninhalte in Lernabschnitte folgt dem allgemeinen Konsens einer möglichen

Gliederung der englischen Sprachwissenschaft in systemlinguistische Themen und solchen,

die sich mit der funktionalen Linguistik beschäftigen. IELO beginnt mit einer Einführung

„What is Linguistics?“. Dieser Lerneinheit reihen sich die Bereiche der Systemlinguistik (Phonetik,

Phonologie, Morphologie, Syntax, Semantik) an sowie die Disziplinen der englischen Linguistik,

die sich mit Sprache im Kontext beschäftigen, also die Pragmatik (und die Soziolinguistik).

Abbildung 1 zeigt die momentane Konzeption von IELO. Die Struktur der Lerneinheiten lässt

sich in der linken Spalte der Seite in Abbildung 1 erkennen. Die sechs großen Lerneinheiten

sind „What is Linguistics?“, „Phonetics/Phonology“, „Morphology“, „Syntax“, „Semantics“ und

„Pragmatics“. Hinzu kommt die Seite „Welcome!“ und weitere Ikonen für das Glossar („Glossary“)

und die Bibliographie („Bibliography“), auf die auch immer innerhalb der einzelnen Lektionen

mit Literaturhinweisen und „Further Reading“ Ikonen hingewiesen wird.

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Abbildung 1: Webseite „Course Aims & Outline“ in IELO

Die Anordnung der Lerneinheiten von oben nach unten gibt auch eine mögliche Reihenfolge an,

wie die einzelnen Subdisziplinen der englischen Sprachwissenschaft erarbeitet werden können,

schreibt diese aber nicht notwendigerweise vor. Die linke Leiste auf der Seite bleibt immer konstant,

sodass Kohärenz gewährleistet ist. Jede Lektion enthält eine bestimmte Anzahl von Basisseiten

sowie zusätzliche Einheiten.

Die einzelnen Lerneinheiten sind außerdem durch Farben markiert, was die Übersichtlichkeit

und die Navigation erleichtern soll und somit auch Lerninhalte in gewisser Weise mit Farben

verbindet. So ist z. B. die Einheit „Welcome!“ durch die Farbe Grau, die Einheit „What is linguistics?“

durch die Farbe Blau und das „Glossary“ durch die Farbe Magenta markiert. Andere

Navigationshilfen, wie z. B. der direkte Zugang zur Kommunikationsplattform, sollen noch oben

rechts auf der Seite programmiert werden. Der „Mail-Button“ ermöglicht es den Studierenden,

die Kursleiterin per E-Mail direkt anzuschreiben.

Abbildung 1 zeigt am Beispiel der Einheit „Welcome!“ ein weiteres Strukturprinzip von IELO:

Diejenigen Gliederungspunkte, die zu einer Lektion gehören, befinden sich auf einer horizontalen

Leiste unterhalb des Logos und sind durch sog. „Karteikartenreiter“ repräsentiert. Die Einheit

„Welcome!“ enthält also die Lektionen bzw. Informationseinheiten „Basic Web Skills“, „Meet

Your Tutors“, „Course Aims“ und „Course Content“. Abbildung 1 zeigt, dass die Gliederungspunkte

in der gleichen Farbe, wie die komplette Lektion, also hier in Grau für die Lektion „Introduction“,

dargestellt sind. Damit der Benutzer erkennt, wo er sich innerhalb des Gliederungsprinzips

befindet, ist dieser Reiter in Weiß unterlegt. Das gleiche Prinzip gilt auch für die anderen

Lehreinheiten. Zudem soll gewährleistet sein, dass immer nur so viel Information auf einer

Seite abgebildet wird wie die „normale“ Bildschirmgröße eines PCs zulässt. Die Erfahrungen mit

dem webbasierten Kurs „Language and Style“ haben gezeigt, dass Studierende effektiver ler-

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nen, wenn sie sich auf mehrere Seiten durch eine Lektion klicken können, anstatt diese auf

einer Seite (durch Scrollen) erarbeiten.

Ein weiteres Anliegen der Autorin war es, die Studierenden zu Beginn des webbasierten Arbeitens

über Medienkompetenzen und technische Voraussetzungen zu informieren. Die Lektion

„Basic Web Skills“ nennt z. B. die notwendige Version des Media-Players und eines Internet-

Explorers. Sie weist aber auch darauf hin, dass der Zugang zu IELO auch ohne eigenen PC

möglich ist, da die Studierenden mit E-Mail-Kennung und Passwort der Universität Münster den

hervorragend ausgestatteten Cip-Pool des Englischen Seminars verwenden können.

Wie Abbildung 1 ebenfalls deutlich macht, enthält die Lektion „Course Aims“ innerhalb der Einheit

„Welcome!“ einen genauen Überblick über den Kurstyp und die Ziele des Kurses. Zu ihr

gehören außerdem Informationen zum begleitenden Kursbuch, den Anforderungen an die Studierenden

und eine Lektion darüber, was E-Learning von traditionellen Unterrichtsformen unterscheidet

und was die Studierenden bei der Arbeit in einer virtuellen Umgebung zu beachten

haben.

Die Lektion „Meet your Tutors“ in der Einheit „Welcome!“ wird die Studierenden mit der Dozentin

des Kurses und einer Tutorin, Frau Anika Feldpausch, vertraut machen. Frau Feldpausch hat

den Sprachwissenschaftlichen Grundkurs in der traditionellen Form absolviert, sodass auch sie

die Studierenden aus ihrer Sicht über wichtige Dinge beim Erwerb von sprachwissenschaftlichen

Inhalten informieren kann. Zusätzlich zu einem geschriebenen Text ist geplant, den Studierenden

in einem Videointerview die Ziele des Kurses, die Erwartungen und die Teilbereiche

der Linguistik an Beispielen nahe zu bringen. Es erscheint sinnvoll, den Beginn des Interviews

in Transkription darzustellen (siehe Tabelle 1), um fachspezifische Besonderheiten zu betonen

und auch die generelle Notwendigkeit der Medienvielfalt in einem Online-Kurs sowie den Sinn

eines klaren einführenden Überblicks – hier in Bezug auf einer Definition dessen, was Linguistik

ist, der Teilgebiete der englischen Sprachwissenschaft und deren Forschungsrichtungen kurz

dargelegt – in den Vordergrund zu stellen.

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A.P. Hello, and welcome to the web-based course “Introduction to English Linguistics

Online” (IELO) – a course originally designed for students at the English Department of

the University of Münster and which is, when traditionally taught, often referred to as

“Sprachwissenschaflicher Grundkurs”. My name is Anika Feldpausch. I was a student

here of the lecture-based “Sprachwissenschaftlicher Grundkurs” and was taught by Dr.

Beatrix Busse, who is a Wissenschaftliche Mitarbeiterin at the English Department.

I’m going to be asking Dr. Busse some questions about IELO to help you get a better

sense of the course. Dr. Busse, before we talk about the course, can I ask you what

linguistics is?

B.B. Linguistics is a scientific discipline concerned with the study of language.

A.P. Can you explain to us what it means to go about the study of linguistics in a scientific

way?

B.B. Yes, of course. A linguist needs to clarify, for example, which perspective to adopt,

which aims to have as regards the investigation, and he or she also needs to decide

on the amount and nature of the data.

A.P. Yes, ok, how does this relate to the course then? Can you tell us a little bit about the

type of course that IELO is, and what it covers?

B.B. Essentially, what I’m interested in is to give students an introduction to the central areas,

theories, methods and models of modern English linguistics. This course will give

students an overview of the core levels of linguistic description, such as phonetics and

phonology – hence, the study of the English sound system and how these sounds are

produced – morphology – the study of how words are formed – syntax – the study of

how we form sentences and phrases, what rules underlie these sentence formations

and so on – and semantics – the study of meaning of words, phrases, sentences. We

shall then use these levels of linguistic description to analyse and discuss the structure

and functions of English.

In addition to that, different approaches and major schools of thought will also be presented.

This means, for example, we shall discuss the fundamental changes of direction

in the development of 20th century linguistics as opposed to linguistics in the 19th

century.

Tabelle 1: Auszug Videointerview (Transkription)

Die Lektion „History of Linguistics” in der Einheit „What is Linguistics?“, die in Abbildung 2 zu

sehen ist, illustriert ein weiteres Charakteristikum in der strukturierten und kohärenten Navigation

von IELO. Hier erkennen die Studierenden durch eine Unternavigation, die immer auf der

rechten Hälfte der Seite in einer Ordnung von oben nach unten abgebildet ist, dass sich die

Lektion zur Geschichte der Sprachwissenschaft „History of Linguistics“ sowohl mit einem Überblick

„Overview“ als auch mit dem Strukturalismus und Ferdinand de Saussure, „Saussure/Structuralism“,

mit der Semiotik und Charles Sanders Peirce, „Peirce/Semiotics“, der Transformationsgrammatik

und Noam Chomsky, „Chomsky/Generative Grammar“, und dem Funktionalismus,

„Functionalism“, beschäftigt. Wieder erscheinen die für diese Lektion relevanten Themen

übersichtlich in der Farbe Blau – die Farbe der Einheit „What is Linguistics?“. Das de

Saussuresche Zeichenmodell, welches ebenfalls in Abbildung 2 zu sehen ist, verdeutlicht

gleichzeitig, wie zur Visualisierung von Inhalten in IELO Graphiken gezielt eingesetzt werden.

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Abbildung 2: Webseite „History of Linguistics“ in IELO

Abbildung 3: Webseite „Glossary“ in IELO

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Ein Blick auf das Glossar des Online-Kurses in Abbildung 3 illustriert, dass eine Vernetzung von

sprachwissenschaftlichen Begriffen nicht nur zwischen Glossar und den in den jeweiligen Einheiten

vorkommenden Terminologien realisiert ist, sondern das Glossar an sich auch zweigeteilt

ist. Zum einen enthält das Glossar eine Checkliste, die die sprachwissenschaftlichen Begriffe

thematisch verzeichnet und zur Erklärung klickbar macht. Zum anderen sind wichtige Begriffe in

einer zweiten Übersicht alphabetisch geordnet. Abbildung 3 zeigt die thematisch gegliederte

Checkliste.

Technische Überlegungen und Fragen der Sicherheit sind ebenfalls in den Monaten Oktober

2005 bis März 2006 bearbeitet worden. Die Seiten des Online-Kurses IELO befinden sich auf

dem Webserver des Englischen Seminars der WWU Münster (URL: http://www.anglistik.unimuenster.de/IELO).

Sie werden per SSL Verschlüsselung übertragen. Alle Seiten sind HTML

Transitional 4.01 Dokumente, die in ein PHP Gerüst eingebettet wurden. Für die interaktive

Gestaltung von Grafikelementen wird an einigen Stellen JavaScript verwendet. Bei der Erstellung

der Seiten wurden mit größter Sorgfalt darauf geachtet, eine Übereinstimmung der vom

W3C (World Wide Web Consortium) erstellten Standards für HTML und CSS zu erreichen.

Jede Seite des IELO Webauftritts unterteilt sich, wie bereits oben thematisch erläutert, in einen

Inhaltsbereich und in zwei bzw. drei Navigationsbereiche. Die Rahmen um Kopf- und Inhaltsbereich

sind aus einzelnen Grafiken zusammengesetzt, die als Hintergrund einzelner Zellen von

HTML-Tabellen positioniert worden sind. Die Navigationsbereiche setzen sich aus unterschiedlichen

Grafiken zusammen, die als Schaltflächen in HTML-Tabellen angeordnet sind. In jedem

Dokument sind die zu der jeweiligen Seite gehörenden Schaltflächen grafisch kenntlich gemacht,

damit eine möglichst klare Struktur geschaffen werden kann. Zahlreiche Schaltflächen

des IELO Webauftritts sind durch die Verwendung von JavaScript interaktiv. Die in einer separaten

Datei abgelegten Abweisungen ermöglichen die optische Veränderung dieser Elemente

bei bestimmten Mausinteraktionen.

Der Zugriff auf die IELO Seiten ist nur unter Verwendung eines gültigen Benutzernamens mit

einem entsprechenden Passwort möglich. Auf allen IELO Seiten wird eine verschlüsselte SSL

Verbindung erzwungen, um eine maximale Sicherheit von Benutzername und Passwort zu erreichen.

Eingegebene Benutzerdaten werden in einer Session gespeichert und die Session ID

klientseitig in einem Cookie abgelegt. Die Aktivierung von Cookies ist für den Zugriff auf die

IELO Seiten zwingend erforderlich, da eine Übermittlung der Session ID als URL Parameter aus

Sicherheitsgründen unterdrückt wird.

Der Login auf den IELO Seiten startet ein PHP Skript, das die eingegebenen Benutzerdaten mit

den serverseitig in einer MySQL Datenbank abgelegten Benutzerdaten vergleicht. Im Erfolgsfall

setzt das Skript eine Session-Variable „login“ auf 1 und leitet auf die Startseite des IELO Webauftritts

weiter. Stimmen die Benutzerdaten nicht überein, wird der Benutzer auf die Login-Seite

zurückgeleitet. Alle weiteren Seiten des IELO Webauftritts prüfen nur noch die Sessionvariable

„login“ und führen keinen Abgleich mit den Benutzerdaten aus der MySQL Datenbank durch.

Wird eine dieser Seiten aufgerufen und eine Variable „login“ ist nicht gesetzt oder gleich 0, erfolgt

wiederum eine Weiterleitung auf die Login Seite.

Betätigen der Logout-Ikone started ein Skript, das die Session und ihren Inhalt löscht. Danach

erfolgt eine Weiterleitung auf die Login Seite. Session und Inhalt werden ebenfalls gelöscht,

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wenn der Browser geschlossen wird. S ist nun ein erneuter Login erforderlich, um auf die IELO

Seiten zurückzugreifen.

3.2 Weitere zu realisierende Komponenten von IELO

Die anfängliche Arbeit an IELO hat den Schwerpunkt zunächst auf die Konzeption der Struktur

von Lerneinheiten, dem grundsätzlichen Design des Kurses und der Navigation gelegt. Die

zukünftigen Arbeiten, die für die Monate April bis Dezember 2006 geplant sind, sollen sich vor

allem mit der Realisierung von folgenden Anforderungen beschäftigen:

April bis August 2006

� Weiterentwicklung der Inhalte für die Lehreinheiten „Phonetics/Phonology“, „Morphology“,

„Syntax“, „Semantics“, und „Pragmatics“ sowie das „Glossary“ für die virtuelle Lernumgebung.

Gleichzeitige parallele Umsetzung in die Lernumgebung Freestyle Learning.

� Aufbrechen des Textes und Verlinkung: Das Lesepensum für den sprachwissenschaftlichen

Grundkurs ist hoch. Neben dem Textbuch sollen die Studierenden zahlreiche Seiten des

webbasierten Kurses lesen, was häufig zum Verlust der Konzentration und Ermüdung der

Augen führt. Aus diesem Grunde soll in der kommenden Bearbeitungsphase viel Zeit darauf

verwendet werden, das Material in sinnvolle Abschnitte zu gliedern und die Webseiten innerhalb

des Kurses und auch zu anderen Webseiten im World Wide Web intelligent, konsistent

und kohärent zu verlinken. Das Aufbrechen des Textes in kleinere Einheiten soll den

Eindruck des Lernfortschritts verstärken.

� Audio- und Videodateien, Graphiken und Fotos: Es soll eine noch direktere Ansprache der

verschiedenen Lerntypen durch graphische Darstellungen, Audio- und Videodateien und Fotos

bei der systematischen Erstellung und detaillierten Ausarbeitung der Inhalte in den bereits

bestehenden Lerneinheiten stattfinden (ähnlich Abb. 2). Visuelle Effekte, (animierte) Illustrationen

und/oder Fotos sollen das Verständnis unterstützen und die Lernprozesse erhellen.

Zunächst wird der Fokus auf die Lerneinheiten „Welcome!“ und „What is Linguistics?“

sein. Für die Lerneinheit „Welcome!“ muss das Begrüßungsvideo aufgenommen werden.

Außerdem sollen die Tutoren auch durch Photos vorgestellt werden. Des Weiteren sollen

sich die Studierenden auf der Basis von forschendem und kollaborativem Lernen einen

„hands-on“ Start in die Inhalte der Teildisziplinen der englischen Sprachwissenschaft verschaffen.

Als illustrativen Einstieg sollen die Studierenden z. B. einen Auszug aus The Sun

mit dem Titel „Britskrieg“ [Bro05] auf morpho-syntaktischer und diskurstheoretischer Ebene

analysieren. In diesem Auszug verhöhnt das britische Boulevardblatt mit Hilfe der stereotypen,

jedoch immer noch latent vorhandenen feindlichen Haltung gegenüber Deutschland

und dem Deutschen an sich die Überlegungen des Innenministers Schäuble, bei der Fußballweltmeisterschaft

Awacs-Aufklärungsflugzeuge zur Überwachung und Soldaten der Bundeswehr

gegen (britische) Hooligans einzusetzen, zynisch als militärischen Blitzkrieg (gegen

die Briten). Die Studierenden sollen hier die Wortbildung „Britskrieg“ als lautmalerisches

Kompositum sowie dessen soziokulturelle und soziohistorische Implikationen erarbeiten.

� Interaktivität: Übungen sollen erstellt werden, in denen die Studierenden interaktiv über ein

Problem nachdenken, bevor sie durch Klick der nächsten Seite ihre Antwort mit der des

14 �


Kursdesigners vergleichen können. Diese Art der Interaktivität kann in vielfältiger Weise realisiert

werden. Um z. B. das Konzept von paradigmatischen und syntagmatischen Relationen

von lexikalischen Einheiten zu verstehen, sollen die Studierenden ihr eigenes Gedicht aus

einer Auswahl von Verben Adjektiven, Nomen, Pronomen etc. kreieren. Es wird außerdem

am Ende einer Lektion sog. „self-tests“ geben, die den Studierenden helfen, ihr Wissen zu

konsolidieren. In einem weiteren Schritt soll ebenfalls überlegt werden, wie z. B. eine Suchfunktion

eingegeben und programmiert werden kann, wie die Studierenden Lesezeichen setzen

und auf welche Weise eine sog. Notizfunktion realisiert werden könnte.

August bis Dezember 2006

� Druckerfreundliche Notizen: Parallel zur umfassenden Konzeption der Lerneinheiten sollen

Dateien, die die wichtigsten Inhalte der jeweiligen Lektionen enthalten, als sog. „printerfriendly

notes“ erstellt und in den webbasierten Kurs eingearbeitet werden. Die Studierenden

müssen so nicht die HTML-Seiten ausdrucken.

� Einführung von sog. „Spaßfunktionen“: Diese sollen durch. „Smileys“ gekennzeichnet werden

und witzige sprachwissenschaftliche Anekdoten beinhalten. Weiterhin soll eine einprägsame

„linguistische Figur“ entworfen werden, die die Studierenden wiederholt auf besonders

wichtige Konzepte innerhalb der einzelnen Lektionen hinweist.

� Self-assessment: Auf der Basis der theoretischen Prämissen von „Self-Assessment“ [Bo91,

Al05] sollen die Studierenden als Abschluss der großen Lehreinheiten Übungen bearbeiten,

die Aussagen über den Leistungsstand machen und sie gleichzeitig auf die Klausur am Ende

des Semesters vorbereiten. Die Übungen und „self-assssments“ sind zu allen Einheiten bereits

vorhanden. Es wird sich dabei nicht nur um multiple choice Fragen handeln, sondern

die Studierenden werden auch kürzere Texte formulieren müssen, in denen sie mit eigenen

Worten bestimmte linguistische Konzepte erklären.

� Überarbeitung der Inhalte und des Designs: Die Fortführung der oben genannten Punkte soll

in den kommenden acht Monaten stattfinden. Natürlich ist in diesem Rahmen nicht auszuschließen,

dass die bis jetzt getroffenen Entscheidungen zu Design, Navigation, Inhalt und

dessen Präsentation nochmals überarbeitet und modifiziert werden müssen.

15 �


4 Ausblick und „lessons learned“

Die Konzeption eines E-Learning Kurses muss sich zahlreichen Herausforderungen stellen, die

nur in einem Produktionsteam und durch ausreichende Beratung tatsächlich bewältigt werden

können. Neben den Komponenten, die das Design und die Konzeption von Inhalten und Methoden

betreffen, müssen sinnvolle Entscheidungen darüber getroffen werden, wann, wo, wie

und warum E-Learning eingesetzt werden soll. Auch wenn sich tatsächliche sprachwissenschaftliche

Inhalte gewinnbringend in ein E-Learning Konzept einarbeiten lassen, sollten nicht

nur die möglichen Nachteile einer E-Learning Umgebung genau im Blick behalten werden, sondern

ebenfalls kritisch reflektiert und evaluiert werden, inwieweit der traditionellen philologischen

Arbeit nicht eine unerwünschte Entstellung zuteil wird. Es ist daher Prämisse, den Computer

und sein Potential kreativ, intelligent, interessant und kohärent einzusetzen, die Bedürfnisse

der Studierenden zu betonen sowie kollaboratives und konstruktivistisches Lernen zu

intensivieren.

Web-basiertes Lernen kann nicht ähnlich kommunikativ und sozial sein wie traditionelles Lernen

und Lehren. Jedoch hat E-Learning auch Vorteile, indem es den Studierenden ermöglicht, zeit-

und ortsungebunden und unabhängig zu arbeiten, wenn sie die nötigen technischen Voraussetzungen

dazu haben. In vergangenen Semestern wurden bereits einige Übungsaufgaben und

Skripte über eine Online-Plattform zur Verfügung gestellt. Die, wie erwähnt, bei den Studierenden

oft ungeliebte englische Sprachwissenschaft scheint durch diesen temporären Medienwechsel

ebenfalls eine Aufwertung zu erfahren, sodass die Fortführung der Konzeption von

IELO unbedingt sinnvoll erscheint.

Wie sich webbasiertes Lernen auf die Leistungen der Studierenden auswirkt, bleibt in dem hier

beschriebenen Kontext noch genau zu untersuchen und zu evaluieren. Die Studie von Prof.

Short hat wie viele andere gezeigt, dass der Modus des Blended Learnings von den Studierenden

bevorzugt wird [Sh06a], und im Vergleich die Studierenden hier am besten abschneiden.

Das häufig konstatierte Problem, dass heutige Studierende weniger lesen, recherchieren, formal

unsauber arbeiten und sich in eine Thematik nicht wirklich vertiefen können, ist nicht nur

beim Unterrichten der Englischen Sprachwissenschaft sichtbar, sondern erweist sich als ein

generelle Schwierigkeit.

Für die Lehrenden bedeutet die Integration von E-Learning unabhängig von der Größe des

Projektes zunächst einen Mehraufwand an Arbeit, ist man bestrebt, die Erfahrungen der Studierenden,

die der Lehrenden und die eigenen Forschungen gewinnbringend einzubringen. Solide

finanzielle Ressourcen, das Prinzip der Nachhaltigkeit und die Qualitätssicherung spielen hier

die größte Rolle. Die Arbeit im Team ist für die Konzeption eines derartig komplexen Kurses

von größter Bedeutung. Die Autorin hat gerade auch mit Blick auf die zuletzt genannten Aspekte

in den verschiedenen Stadien des Entstehens von IELO immer wieder inhaltliche Rücksprache

mit Kollegen/Innen und Prof. Dr. Mick Short in Lancaster gehalten.

Ebenfalls darf in diesem Zusammenhang die Unterstützung, die Studierende beim webbasierten

Lernen benötigen, nicht unterschätzt werden. Wenn das Potential von E-Learning tatsächlich

vollständig ausgeschöpft werden soll, muss noch mehr von der multi-medialen Leistungskraft

des Computers während des Produktionsprozesses enträtselt werden. Auch wenn es gute

allgemeine Ansätze zur E-Learning Didaktik und Methodik gibt, braucht es umfassende Unter-

16 �


suchungen, die die kontextuellen, sozialen, finanziellen, technischen, aber besonders eben die

fächerspezifischen Parameter bei der Entwicklung von E-Learning Konzepten in Betracht ziehen.

Gleiches gilt für Schulungen von Lehrenden. Diese Studie soll einen Beitrag zu den noch

ungeklärten oder wenig erforschten Bereichen leisten.

Auf die Referenztechnologie Freestyle Learning soll zurückgegriffen werden, um den Studierenden

auch nach Abschluss der Konzeption einer Lerneinheit schon einmal eine CD mit Lerneinheiten

an die Hand zu geben. Gleichzeitig soll die Rückmeldung der Studierenden zu Verbesserungen

und Veränderungen von IELO genutzt werden. Der Online-Kurs wird erst dann für

Studierende zugänglich gemacht werden können, wenn alle Einheiten inhaltlich konzipiert und

in der virtuellen Umgebung auch zu nutzen sind.

17 �


Literaturverzeichnis

[Al05] Alderson, J.C.: Diagnosing Foreign Language Proficiency: The Interface between

Learning and Assessment, London 2005.

[Ba05] Barbereau, D.; Lamb, T.: Re-thinking Pedagogical Models for Elearning, Sheffield

2005, [Modern Languages Teaching Centre, University of Sheffield, UK].

[Bo91] Boud, D.: Implementing Student Self-Assessment, 2. Aufl., Sydney 1991 [Higher Education

Research and Development Society of Australasia].

[Br02] Bremer, C.: Online Lehren Leicht Gemacht! Leitfaden für die Planung und Gestaltung

von Virtuellen Hochschulveranstaltungen. In (Behrendt, B.; Voss, H.-P.; Wildt, J.

Hrsg.): Neues Handbuch Hochschullehre: Lehren und Lernen effizient gestalten, Berlin

2002, S. 1-40, D. 3.1.

[Bro05] Broder, H.M.: Enjoy the Britskrieg!. In: SPIEGEL ONLINE 16. Dezember 2005, URL:

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,390871,00.html (15. März 2006).

[Bu05] Busse, B.; Plummer, P.: More Teaching Power Than Anything That Could Ever Be

Printed on Paper’?: (E-)Teaching in a Hypertextnetwork. In (Moessner, L. Hrsg.): Anglistentag

2004, Aachen Proceedings, Trier 2005, S. 359-379.

[Ke99] Kerres, M.: Didaktische Konzeption multimedialer und telematischer Lernumgebungen.

In: HMD Praxis der Wirtschaftsinformatik 205, 1999, S.9-21.

[Ke04] Kerres, M.: Gestaltungsorientierte Mediendidaktik und ihr Verhältnis zur allgemeinen

Didaktik. In (Dieckmann, B.; Stadtfeld, P. Hrsg.): Allgemeine Didaktik im Wandel, Bad

Heilbrunn 2004, URL: http://mediendidaktik.uni-duisburgessen.de/onlinecampus/edumedia/publications/m+didaktik-kerres.pdf

(17. März 2006).

[Pl06] Plummer, P.; Busse, B.: E-learning and Language and Style in Mainz and Münster. In

(Short, M.; Busse, B.; Plummer, P. Hrsg.): Language and Style Special Issue 15.3,

London 2006, im Druck.

[Sh06a] Short, M.; Busse, B.; Plummer, P. (Hrsg.): Language and Style Special Issue 15.3,

London 2006, im Druck.

[Sh06b] Short, M.; Busse, B., Plummer, P.: Investigating Student Reactions to a Web-Based

Stylistics Course in Different National and Educational Settings. In (Watson, G.; Zyngier,

S. Hrsg.): Literature and Stylistics for Language Learners, London 2006, im

Druck.

18 �


E-Learning Praxisberichte

Hrsg.: Heinz Lothar Grob, Jan vom Brocke

Nr. 1 Thomas, M., Eckenbach, T., Fey, P., Thiemann, G., Fortbildung zum Informatikunterricht

durch Telelearning (FIT), Münster 2006.

Nr. 2 Gebauer, J., Lichtenberger, A., Digitale Diathek Münster – Bilddatenbank am

Institut für Klassische Archäologie und Frühchristliche Archäologie der WWU

Münster, Münster 2006.

Nr. 3 Scheerer, H., Marek, M., Tjettmers, S., EW-Learning – Systematische Unterstützung

von erziehungswissenschaftlichen Einführungsvorlesungen durch ein

Learning-Management-System, Münster 2006.

Nr. 4 Freitag, K., TAG – Tutorium zur Alten Geschichte, Münster 2006.

Nr. 5 Blöbaum, B., Brückerhoff, B., Nölleke, D., Nuernbergk, C., O-Kurs interaktiv und

Propädeutik Kommunikationswissenschaft – Konzeption und Umsetzung eines

E-Learning-Angebotes am Institut für Kommunikationswissenschaft der Universität

Münster, Münster 2006.

Nr. 6 Mäsch, G., Fallwerk – Interaktive, multimediale und praxisnahe Lernsoftware für

Juristen, Münster 2006.

Nr. 7 Zeisberg, I., Jander, P., Denz, C., Erstellung einer Videodatenbank und eines

Webinterfaces – E-Learning in experimenteller Physik, Münster 2006.

Nr. 8 Busse, B., Realisierung einer virtuellen Lernumgebung als Einführung in die

Englische Sprachwissenschaft – Introduction to English Linguistics Online

(IELO), Münster 2006.

Nr. 9 Reinhard F., unter Mitarbeit von Auditor, O., Müller, E. und Springob, S., Koinonia

– Eine praktisch-theologische Wissensallmende, Münster 2006.

Nr. 10 Reepmeyer, J.-A., LPLUS-Integration – Entwicklung eines Rahmens für den

Einsatz eines computergestützten Prüfungssystems, Münster 2006.

Nr. 11 Hartz, T., Ückert, F., Vertretungslernen – International substitute E-Learning,

Münster 2006.

Nr. 12 Pohlmann, P., Lernsoftware zum Zivilprozessrecht – Erkenntnisverfahren,

Münster 2006.

Nr. 13 Schumacher, F., IntegraX – Integration XML-basierter E-Learning-Materialien

zur Linguistik in ein „Learning Management System“, Münster 2006.

19 �


Autorin

Dr. Beatrix Busse, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Englisches Seminar.

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ERCIS

E-Learning-Kompetenzzentrum

ERCIS – European Research Center for Information Systems

Universität Münster

Leonardo-Campus 3 48149 Münster Germany

e-learning@ercis.de http://e-learning.uni-muenster.de

Gefördert durch: Projektträger:

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