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curt Stadtmagazin münchen # 72 // JUni – aUgUst 2012


KINO, MOND & STERNE

14.06. - 02.09. auf der Seebühne/Westpark

PREMIERE

Do 14.06. Eine ganz heiße Nummer

Fr 15.06. Breaking Dawn -

Biss zum Ende der Nacht

Sa 16.06. Best Exotic Marigold Hotel

So 17.06. Für immer Liebe

Mo 18.06. Harold and Maude (OV)

Di 19.06. Ziemlich beste Freunde

Mi 20.06. Project X

Do 21.06. Grease

Fr 22.06. Sex and the City 1 + 2

Sa 23.06. Der gestiefelte Kater

EINTRITT: € 5,- bzw. Double Feature € 8,- im Vorverkauf zzgl. VVK-Gebühr. EINLASS: 20.00 Uhr.

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KARTEN und alle INFOS im Internet.

Kino, Mond & Sterne. Die besten Nächte des Jahres.

www.kino-mond-sterne.de

So 24.06. 50/50 - Freunde fürs (Über)Leben

Mo 25.06. Marvel‘s The Avengers

Di 26.06. American Pie -

Das Klassentreffen

Mi 27.06. Jenseits von Afrika

Do 28.06. Rocky Horror Picture Show (OV)

Fr 29.06. Hangover + Hangover 2

Sa 30.06. Unser Leben

So 01.07. Dirty Dancing

Mo 02.07. Project X

Di 03.07. Der Diktator

Mi 04.07. Ziemlich beste Freunde

Do 05.07. The Descendants

Fr 06.07. Die Tribute von Panem -

The Hunger Games

Sa 07.07. Und wenn wir alle

zusammenziehen?

So 08.07. 50/50 - Freunde fürs (Über)Leben

Präsentiert von

Mo 09.07. E.O.F.T. 11/12 (OmU)

Di 10.07. Drive

Mi 11.07. Und dann der Regen

Do 12.07. The Help

Fr 13.07. Dark Shadows

Sa 14.07. Dreiviertelmond

So 15.07. In guten Händen

Mo 16.07. Das Hochzeitsvideo

Di 17.07. Der Gott des Gemetzels

Mi 18.07. The Artist

Do 19.07. Ziemlich beste Freunde

Fr 20.07. Verblendung

Sa 21.07. Almanya

So 22.07. Best Exotic Marigold Hotel

Mo 23.07. Men in Black 3

Di 24.07. Eine ganz heiße Nummer

AB 25.07. WEITERE TERMINE


vorwort

Das mit den Jahreszeiten ist doch so: Herbst, Winter und Frühling sind bei uns – ob sie nun etwas wärmer oder kühler sind – relativ gut erträglich. Einem goldenen

Herbst kann man genauso viel abgewinnen wie den ersten Novemberwinden, die graue Wolken vor die Sonne schieben. Man holt sein Strickjäckchen raus, öffnet

einen Wein, setzt sich, Lieder vollbärtiger Singer-Songwriter hörend, ans Fenster und schaut eine Stunde lang einfach raus. Das kann man im Prinzip an düsteren

Winterabenden genauso machen. Und an einem Sonnentag geht man in einen dicken Mantel gehüllt im Schnee spazieren und freut sich auf den Frühling. Kommt

dieser dann, legt man den Mantel wieder weg und schaut den Bäumen beim Grünwerden zu.

Sollte es mal regnen, macht man das Gleiche von drinnen: Die Singer-Songwriter tragen dann halt keine Vollbärte mehr und haben ihre Gitarren an einen Verstärker

angeschlossen, um lebhaftere Klänge zu produzieren, die uns für die nahende Ankunft des Sommers angemessen scheinen. Diese Jahreszeiten sind irgendwie bei

Kälte und Wärme stimmig, sie sind multifunktional erlebbar, gewissermaßen flexibel. Der Sommer nicht. Er kann nämlich nur eins richtig gut und das ist Wärme. Ist

der Sommer nicht warm, funktioniert er nicht. Dann ist er kein Sommer, sondern ein Arsch. Ein Vollarsch sogar. Ein dreitägiges, verregnetes Rock-Festival mag für

einige ja noch stilecht sein („Komm, lass uns alle auf unseren Bäuchen im Matsch rumrutschen; Woodstock, Alter, WOODSTOOOOOCK!“), ist aber ehrlich gesagt

einfach nur scheiße. Wenn man den Boden nicht von den Inhalten der umgekippten Dixi-Klos unterscheiden kann, hört für Normalintelligente der Spaß sowohl am

Sommer als auch an in der Gruppe erlebter Musik auf. Wird man, kurz nachdem man in Jeans und T-Shirt beim Straßenausschank des Italieners seines Vertrauens

ein frisches Glas Sprizz geordert hat, von den Eisheiligen hinterrücks mit Bodenfrost überrascht, verdirbt einem das auch umgehend die Laune. Kino-Open-Airs,

Grillabende, Sommerfeste, auf Parkbänken sitzend verbrachte Nächte, Wiesensport, Zelten, Baden in Seen, Flüssen oder Meeren, ziellos durch die Stadt laufen,

Eisessen – einfach alles, was man im Sommer machen möchte, geht nur, wenn es warm ist, Punkt. Eine unflexiblere Jahreszeit als den Sommer gibt es einfach nicht.

Mich schaudert, wenn ich an den letzten Sommer denke. Und deswegen, Sommer, frage ich dich, was du dieses Jahr sein willst: ein Sommer oder ein verkackter

Vollarsch? Keine Mätzchen, Sommer, und red dich jetzt nicht raus, ich will eine Antwort und zwar sofort!

So, so. Ich habe ihn zwar kaum gehört, weil er so verschämt flüstert, aber ich glaube, ich habe ihn verstanden. Ihr könnt die Strickjäckchen im Schrank lassen, meine

Lieben, denn dieses Jahr kriegen wir einen Sommer!

Und wehe, wenn nicht …

Euer Thomas


curt # 72 // sommerausgabe

04 // ZUFALLSGENERATOR

Frage an Dr. Sommer stellen

08 // IM VERGLEICH

Ukraine v. Polen

10 // BERICHT

Summer of 72 –

40 Jahre Olympiapark

16 // ANS HERZ GELEGT

Sommer, Sonne, Sex & Rock‘n‘Roll

18 // ExTREM GRILLING

26 // FESTIVALS 2012

Free & Easy

Dachauer Musiksommer

BootBooHook

Kino, Mond & Sterne,

Röhren-EM

Viehhof

Southside

Chiemsee Reggae

Nature One

Prima Leben und Stereo

SonneMondSterne

Tanzwerkstatt Europa

38 // UNTERWEGS

München – Deine Bademeister

44 // MUSIK

Albenreviews

Alexander Marcus

10 Jahre lunastrom

curt präsentiert // Termine

Jägermeister Wirtshaus Tour

52 // CURT STELLT VOR

Kafe Kult

Mazal con Carne

MensaBattle

rag*treasure

60 // MüNCHNER DETAILS

Mama Afrika

62 // ICH BIN DER PICKNICKER

68 // SELBSTVERSUCH

Schweißreduktion

70 // KAMASUTRA, BABy!

76 // WASCHDLS GRANTNOCKERL

Grillkohlenkosaken

78 // UNTERWEGS

5-Seen-Land

78 // IM GESPRäCH

Konstantin Wecker

78 // DER WEINBRANDT RäT

Münchner Mineralwasser

68 // IM AUSLAND

Israel

92 // KLARTExT

Arschloch des Sommers

94 // IMPRESSUM

96 // HINTEN RAUS

Cover

Die Gestaltung des freundlichen Covers

haben wir dem Münchner Textilkunstprojekt

rag*treasure zu verdanken. Initiatorin

Stephanie Müller hat sich nicht nur beim

Cover die Finger wundgestickt – weitere

hübsche Stickereien auf den Seiten 4, 26,

38 und 44 sind auch von ihr. Danke

rag*treasure!

Mehr über das Netzwerk-Kollektiv erfahrt

ihr auf Seite 58. Im Gespräch mit Stephanie

Müller.

www.flachware.de/stephanie-mueller


4 curt // ZUFALLSGENERATOR

welChe frage

WOLLTEST DU SCHON

IMMER MAL

DR. SOMMER STELLEN?

INTERVIEWS UND FOTOS: VERENA VÖTTER

Benny // 34 Jahre // Berufsmusiker

Warum kann man manchmal nur zwei Minuten

und manchmal zwei Stunden?

Hi Benny, als Berufsmusiker solltest du doch wissen:

Nur die übung macht den Meister. Der eine ist

nach zwei Minuten Blasen mit seinem Instrument

am Ende, der andere kann zwei Stunden Tuten.

Einfach weiter fideln, rät Dr. Sommer.

Virginia // 27 Jahre // k.A.

Gibt es außer kalten Füßen noch einen anderen

Grund dafür, dass manche Menschen beim Sex

die Socken anlassen?

Das ist eine sehr gute Frage, liebe Virginia. Viele

Menschen behalten beim Sex ihre Socken an.

Manche zur sexuellen Stimulierung über dem

Kopf. Manche über dem Kof des Partners, weil

Alkohol nicht alle Probleme löst. Dein Dr. Sommer

Lorenz // 18 Jahre // Schüler

Warum haben Männer eigentlich Brustwarzen?

Lieber Lorenz, warum ist der Himmel blau? Warum

haben immer die anderen Jungs die coolen Mädels?

Warum darf nur Papa auf die Mama? Werd endlich

erwachsen, sei ein Mann und halt die Brustwarzen

steif. Dein Dr. Sommer

Ricarda // 20 Jahre // Model

ZUFALLSGENERATOR // curt 5

Wie viel Prozent der Mädchen zwischen 16 und

25 Jahren hatten schon mal einen vaginalen

Orgasmus?

Liebe Ricarda, die Frage stellt sich in der sexuellen

Praxis nicht – Männer haben nämlich gar keine

Vagina. Herzlich, Dr. Sommer


6 curt // ZUFALLSGENERATOR

Chuck // 17 Jahre // Schüler

Ich hab gehört, dass Sperma anders schmeckt,

wenn man ganz viel Fruchtsaft trinkt.

Schmeckt Fruchtsaft anders, wenn man ganz

viel masturbiert?

Im Ernst, Chuck, nimm bitte lieber Gleitcreme!

Die pappt nicht so und macht auf Dauer auch

mehr Spaß. Dein Dr. Sommer (der es nur gut mit

dir meint)

Marie // 22 Jahre // Studentin

Stimmt das, dass Chilis essen geil macht?

Liebe Marie, nein! Und wie meine Großmutter

schon wusste: Nach dem Chili-Essen und vor dem

Sex – Hände waschen nicht vergessen. Aus eigener

Erfahrung fürsorglich, Dr. Sommer

Alex // 33 Jahre // Videoproduzent Anastasia // 18 Jahre // Abiturientin

Wieso können Frauen beim Sex nicht ihr Hirn

ausschalten? Kommt daher der Spruch „Dumm

bumst gut“?

Hallo Alex, beim Sex ist es oft wie mit Computern:

Das Problem sitzt davor bzw. liegt darauf.

Wenn dumm also gut bumst, hat deine Freundin

ja echt Glück mit dir gehabt. Weiter bumsen, rät

Dr. Sommer.

Wie bringe ich meinen Eltern bei, dass ich

einen Freund habe?

Liebe Anastasia, das ist natürlich ein ernstes Problem,

das ich in der Kürze gar nicht beantworten

kann. Am besten, du kommst einfach zu mir in die

Praxis und wir besprechen alles ganz in Ruhe unter

unter vier Augen. Immer für dich da, Dr. Sommer


8 curt // DER VERGLEICH

UKraINe poleN

Helena saß mir unter einem Himmel aus Plastik-Weinreben gegenüber, Tränen flossen stetig wie der Dnejpr

durch die ukrainische Landschaft über ihre Wangen und ihre Hand suchte vergeblich auf dem von unzähligen

Wodka-Säufern abgewetzten Resopaltisch nach meiner Hand. „Ich will nur, dass alles wieder so wird

wie vorher.“ Allein der dunkle, gutturale Akzent deutschsprechender Ukrainerinnen macht mich schwach.

Wenn die Worte dann noch aus einem Ich-will-dich-nur-einmal-küssen-und-dann-kann-die-Welt-untergehen-Mund

kommen, und zwei unergründlich schwarze Augen dir Blicke zuwerfen, die jeden Touristen

anheischenden Straßenköter aus Kiews Gassen neidisch machen würden, dann hast du nur zwei Möglichkeiten:

Heirate die Ukrainerin oder sei ein Mann und bestelle noch einen Wodka. Ich entzog Helena meine

Hand.

Was ich sagen will: Ukrainische Frauen unterscheidet eines vom Rest der weiblichen Weltbevölkerung:

Sie sind ein Versprechen der unendlichen Glückseligkeit – und halten es. Tag für Tag. Stunde um Stunde.

Mann muss nur eines sein: Mann. Tag für Tag. Stunde um Stunde. Und genau da lag unser Problem: Ich war

es leid, auf dem Sofa zu sitzen, bedient zu werden und zu jeder vollen Stunde zu Diensten zu sein. Ein Mann

kann nicht immer tun, was ein Mann tun muss.

Warum ich diese Episode erzähle? Weil sie vieles erklärt, was heute in der Ukraine vor sich geht. Man

stelle sich die blond gezopfte Politik-Schönheit Julia Timoschenko vor, wie sie tränenüberströmt Wiktor

Janukowitsch, dem Präsidenten der Ukraine, an seinem Mahagoni-Schreibtisch gegenübersitzt und mit

Kiew-Köter-Blick fleht: „Ich will nur, dass alles wieder so wird wie vorher.“ Vorher, da war die schöne Julia

Ministerpräsidentin, Wiktor war Oppositionschef und musste Julia zu Diensten sein. Tag für Tag. Stunde um

Stunde. Ich kann mir nur zu gut vorstellen, wie es in Janukowitsch im Angesicht der flehenden Timoschenko

gearbeitet hat. Und wie er unter qualvollen Gewissensschmerzen der verzweifelten Schönen seine Hand

entzog und Julia seinen Schergen zum Prügeln übergab. Was sollte er tun? Ein Mann kann nicht immer tun,

was ein Mann tun müsste.

Was kann man also an diesem Land verstehen? Die Männer.

Was kann man an diesem Land lieben? Die Frauen.

Ich habe Helena schlussendlich doch noch die Hand gereicht. Zum Abschied. Ihr Blick verfolgt mich noch

heute. In diesem Land musst du hart bleiben. Als Mann. In jeder Hinsicht. TEXT: BOB PFAFFENZELLER

Der Verfasser dieser sinnbefreiten Zeilen ironiert für gewöhnlich so lange, bis er letztendlich beim Sarkasmus

landet. Hier möchte er ausnahmsweise eine enthemmte Episode unverfälscht wiedergeben. Es ist die Rede

von seiner erotischen Erstbesteigung von Kasia aus Warschau.

Mit 17 reiste ich über Rudis Reiserampe in die USA, dem Land der ungedeckten Möglichkeiten, um dort ein

halbstarkes Highschool-Jahr zu verbringen. Ebenda lernte ich die aufmüpfige Austauschschülerin Kasia bei

einem gemeinsamen Glas Besatzerbrause kennen. Sofort hatte ich mich komplett in ihren ausgeprägten

Gerätepark verguckt. Rubens wäre von ihrer Figur sicherlich begeistert gewesen. Wie sie vor mir kniete in

ihrem kessen, auf Nerz gepeitschen Karnickelfell, eingehüllt in ehrenwertes Eau de Pologne. So verdammt

heiß – sie musste der wahre Grund für die globale Erderwärmung sein. Ich kokettierte: „Wusstest du eigentlich,

dass die Indianer gemeinsam mit den Polen die größten Liebhaber sind? Ach, übrigens, ich heiße

Winnetou Koslowski …“

Mir sind die hierzulande geltenden Vorbehalte gegenüber unseren arbeitslosen ausländischen Nachbarn

völlig fremd. Gut, es gibt wohl derzeit zu viele Polen in Deutschland, was man daran erkennt, dass sogar

die lokalen Zigeuner Hausratversicherungen abschließen. Und in den Himmel ist bisherig auch kein Pole

gekommen, weil der Große Wagen sich nach wie vor an Ort und Stelle befindet. Trotzdem haben manche

kaum den blassesten Schimmer von Polens Errungenschaften, z. B. der Erfindung des Kreisverkehrs. Wenn

sie losfahren, ist nämlich das Lenkradschloss noch drin.

Von Verklemmung spürte man bei Kasia jedenfalls wenig. Sie war zwar vom Alter her nur eine Teeny

Tuss‘, aber bereits absolut sattelfest und in der Lage, Geschlechtskrankheiten am Geschmack zu erkennen.

Ich weiß, einige Männer geben aus lauter Ansteckungs-Paranoia keiner Polin mehr die Hand. Stattdessen

sagen sie zum Abschied kurz und knackig: „Ich habe das Geld auf den Nachttisch gelegt.“

Titte wie Latte! An Kasia interessierte mich damals bloß, dass ich nicht nur endlich ins nebulöse Nackedonien

einreisen durfte, sondern mir zu guter Letzt ganz Polen offen stand. Jammerschade, seit jenem glorreichen

Erlebnis gebärdet sich sämtlicher Sexual-Sport bis dato ähnlich fesselnd wie der Affenzirkus Cirque de

SO LAME und mein durchschnittlicher Verkehr dauert knapp fünf Minuten – inklusive Wählen und Auflegen.

Der einzige Trost: Ich kann dabei wunderbar ein paar Brocken Polnisch üben. TEXT: CHRISTOPH BRANDT

ILLUS: VALENTIN PLANK

DER VERGLEICH // curt 9


10 curt // BERICHT

SUmmer of 72

40 JAHRE OLyMPIAPARK

TEXT: CHRISTIAN GRETZ // FOTOS: TOM GONSIOR


12 curt // BERICHT

Du hältst gerade die curt Ausgabe Nummer 72 in

der Hand. 72? Da war doch was. Klar, Deutschland

wurde zum ersten Mal Fußballeuropameister. Aber

so was passiert ja öfter mal – 72, 80, 96 … 2012?

Hier geht’s um ein Ereignis, das es seither nicht mehr

in Deutschland gab. Die Olympischen Spiele! Die

meisten von uns sind jung genug, um sich nicht mal

mehr an die Spiele im Jahr 1992 zu erinnern. Weshalb

also ein Artikel zu den Spielen von 1972?

Zunächst einmal waren die Spiele eben nicht in

irgendeiner Metropole, sondern hier in unserem

München. Und außerdem waren es besondere

Spiele. Revolutionäre Spiele. Es waren zwei Wochen,

die München geprägt haben wie wenige andere

Ereignisse davor – und danach.

Zum zweiten Mal überhaupt durfte eine deutsche

Stadt die Olympiade ausführen. 1936 gab es bereits

eine Olympiade in Berlin. Deutschland, das damals

noch „Reich“ hieß, aber nicht besonders „reich“ an

Demokratie war, wurde von einem kleinen Österreicher

mit komischem Schnauzer in Eigenregie regiert.

Dieser „führte“ das „dicke B“ auf die Bühne Olympias

und verlieh dem Glanz der 89 Medaillen, mit

denen die deutschen Sportler die USA (56) in der

Gesamtwertung deutlich auf Platz zwei verwiesen,

leider einen ziemlich matten Braunton.

Angesichts dieser Premiere, die das ganze Land im

Nachhinein eher als Flop bewertete, fieberte Deutschland

den Spielen von 1972 entgegen. So sehr, dass

man vergaß, dass die Olympischen Spiele nie an

ein Land vergeben werden, sondern immer an eine

Stadt. So wurden 1970 über zwei Millionen 10-DM-

Gedenkmünzen geprägt, auf denen die „Olympiade

in Deutschland“ angekündigt wurde. Eine Fehlprägung,

die in Sammlerkreisen gehandelt wird.

Spätestens, als die korrekte „In München“-Prägung

millionenfach an Bankschaltern verkauft wurde

(7,50 DM Reinerlös pro Münze trugen wesentlich

zur Finanzierung der Spiele bei), war jedem

bewusst, dass die Augen der ganzen Welt nicht

nur auf Deutschland, sondern vor allem auf seine

„heimliche Hauptstadt“ („Der Spiegel“-Cover von

1964) gerichtet sein würden.

München war sich dieser Rolle bewusst und die als

selbstverliebte Diva bekannte Heimat des Oktoberfests

putzte sich für ihren großen Auftritt ordentlich

heraus. Ein Stadtentwicklungsplan, der 1964 vom

Architekten Herbert Jensen vorgestellt worden und

auf dreißig Jahre angelegt gewesen war, wurde nach

dem Zuschlag für die Ausrichtung der Spiele in nur

sechs Jahren verwirklicht. Das Millionendorf München

bekam eine Fußgängerzone und ein U-Bahnnetz.

Am Rand der Stadt wurde aus dem Oberwiesenfeld,

während der Nazidiktatur noch ein topfebener

Flugplatz, eine grüne Hügellandschaft, die jeden

Teletubby glücklich gemacht hätte. Das Betreten

der Rasenflächen war in diesem neuen Park ausdrücklich

erwünscht und nicht verboten (wie beispielsweise

im Englischen Garten!). Alles strahlte in

frohen, hellen Farben. Aber rote Beflaggung, wie

beim Champions League Finale im Mai dieses Jahres

suchte man damals vergeblich. Rot war nicht vorge-

sehen im visuellen Erscheinungsbild, weil es zu sehr

an die Nazifahnen erinnert hätte, die bei den Spielen

von 1936 überall wehten.

Die Organisatoren der Spiele von München wollten

heitere Spiele. Spiele, in denen ein harmonisches

„Miteinander“ abseits der Wettkämpfe genauso

wichtig sein sollte wie das sportliche „Gegeneinander“.

Nicht nur die frohen Farben und die gelungene,

schwungvolle, lockere Gestaltung des Olympiageländes

und der dortigen Gebäude mit ihren transparenten

Zeltdächern sorgten dafür, dass dieser

Wunsch in Erfüllung ging. Auch andere bewusst

geförderte und geplante Kleinigkeiten trugen dazu

bei, dass der Olympische Sommer von München

eine Atmosphäre besaß, die bis ins kleinste Detail ein

Gegenentwurf zu den Spielen von Berlin wurde, die

von den Nazis zur Propaganda missbraucht worden

waren. So wurden bei der Eröffnungsfeier statt

pathetischer militärischer Marschmusik moderne

und fröhliche Lieder gespielt. Bei der Abschlussfeier

fand dann nicht einmal mehr die Trennung nach

Nationalitäten statt: Die Sportler aller teilnehmenden

Nationen vermischten sich zu einer bunten Masse.

Auch die Münchner selbst trugen einen großen Teil

zu dieser freundlichen Atmosphäre bei. So hatte

man bei der Gestaltung des Olympiageländes zum

Beispiel bewusst auf eine umfangreiche Beschilderung

der Wege verzichtet. Stattdessen wurden

1.400 Hostessen aus einer Vielzahl von Bewerberinnen

nach Benehmen, Aussehen und Sprachkenntnissen

ausgewählt und intensiv ausgebildet, damit

diese den Besuchern der Spiele bei der Orientie-


14 curt // BERICHT

rung und sonstigen Fragen behilflich sein konnten.

Die Münchner Bürger wurden aufgefordert, sich

kleine selbstgebastelte Schilder anzuheften, auf

denen sie die Fremdsprachen mitteilten, in denen

sie kommunizieren konnten. So sollte eine Kultur

der gegen-seitigen Hilfe gefördert werden. Mehr

als drei Dutzend Sommer haben die Stadt und das

Olympiagelände seit den Spielen von 1972 erlebt.

Der Park wurde zur am besten „nachgenutzten“

olympischen Anlage der Neuzeit und war Veranstaltungsort

für tausende unterschiedliche Veranstaltungen.

Der Sommer 1972 hat München ein

Highlight beschert, dessen Echo man bis heute spürt.

Die Olympischen Spiele sind dieses Jahr in London.

Nach Atlanta, Sydney, Athen und Peking ist Olympia

so nahe wie selten zuvor.

Hinfahren? Nö. Warum? Hier ist München und

nirgends, nicht mal auf dem Olymp, dem Sitz der

antiken griechischen Götter, ist es so „olympisch“

schön wie hier.

Infos zum autor:

Christian Gretz, schreibt nicht

nur für curt über Münchens

Geschichte, sondern gibt auch

täglich Stadtführungen in unserer

Lieblingsstadt. Auch zum

Olympischen Sommer 1972.

Unglaublich interessante Stadführugen: ui-muenchen.de

Am besten gleich anmelden!

Bewegte Bilder zur Eröffnungs-feier

in München 72 gefällig? Wie das mit

dem QR-Code läuft, wisst ihr ja.


16 curt // ANS HERZ GELEGT

SOMMER, SONNE, SEx & ROCK‘N ROLL // curt 17

SommerSONNE SeXROCK‘N‘ROLL

Spontane Veranstaltungen im Hinterhof des Import Export – FB checken! Jeden Samstag Grillen, Straßenmusik und Sonnenuntergang im Robert Volhoelzer, Dachterasse der TU // Die beste Currywurst auf der Langen Nacht der Mit Gerd aus der Südstadt noch einen trinken, bevor es im Juli den Besitzer wechselt // Den Trommlern im Englischen Garten

Workshops // Kühles Bierchen im Max Emmanuel Biergarten in Schwabing, Nordendstraße // An den Isar-Strom- Gesetzte Sonnenplätze im Hofgarten aufsuchen // Sandburgen Wurst im Alles Wurst am Nikolaiplatz genießen // eine reinhauen // Freiluftmuseum Brudermühlbrücke // Kostenlos klettern, pumpen und schwitzen auf dem Trimmdich-Pfad,

schnellen beim nördlichsten Teil der Praterinsel knutschen // Eine Runde Schach mit den Isar-Schachler spielen // bauen am Kulturstrand, Ludwigsbrücke // Lecker Melone // Hilft Liquid Cocaine im Atomic Café schlürfen // Chris- Candidstraße auf dem Weg zur Isar // Münchner Newcomerbands bei Mini-Phobia (Melophobia Festivals kleine Schwester)

Picknick im alten nördlichen Friedhof // Immer Gut und günstig: Der Biergarten in der Glockenbachwerkstatt // über bei Kopf und Kater: Sich auf Dauerschleife im 400 Metern langen topher Street Day vom 7. bis 15. Juli: Wer Sex will, am 11. Juli im Sunny Red auschecken// Fräuleingedeck mit Sekt und Zimtschnecken im Café Fräulein, Frauenstraße // Festi-

die Hof- und Stadtteilflohmärkte flanieren: Thalkirchen (16. Juni:), Lehel (23. Juni), Glockenbach (30. Juni), Hadern Isarkanal des Naturbades Maria Einsiedel treiben lassen // Eiskalte der findet ihn, wer keinen will, kriegt auch keinen val im Wohnzimmer: Samstags von 20 bis 24 Uhr auf ZDF.kultur, Highlights Montag bis Freitag zwischen 19 und 20 Uhr //

(7. Juli), Au/Untergiesing (14. Juli), Schlachthofviertel (21. Juli), Westend (28. Juli), Obermenzing (04. August), Smoothies // Erdbeeren, Himbeeren, Zucchinis, Kartoffeln und // Hausgemachte Kuchen im Café Clara, Isabella- Punkrock Pizzeria Santo Anger in der Blumenstraße: Die beste Beschallung zur Pizza // Drive am 10. Juli im Kino, Mond &

Ramersdorf (8.September), Sendling (15. September) // Zum Langwieder See radeln // Umsonst und draußen: Gurken im Münchner Umland selber pflücken, zum Bespiel hier: straße. Ein Traum! // Singapur Sling all night long: Sterne anschauen // Absacker im Nachtbiergarten im Viehhof // Boazn-Love: samstags Disco time im Pschorr-Krug in der

Sommer-Theatron im August im Olympiapark // Eine Tischtennis-Partie im Glockenbach // Never ending grilling! eberle-gaerten.de

Valentin Stüberl, Dreimühlenstraße

Oberländerstraße // Auf den roten Couches im x-Club abhängen, Clemensstraße // Vor dem Grillen ist nach dem Grillen!


18 curt // ExTREM GRILLING

daChgrIlleN AUF NIEDEREM NIVEAU

Stell dir vor, es ist Sommer und keiner hat Grillgut. Keinen Maiskolben, kein Steak, nicht mal ne olle Kartoffel im Kühlschrank.

Da hat man nun zwei Möglichkeiten: zur Tanke tapern und mit 18 ebenfalls Betroffenen um das letzte traurige Würstchen

ringen. Oder aber: noch mal genauer in den Kühlschrank gucken. In unserem befanden sich Croissants aus der Dose, ein

Schnitzel, eine Runde Backcamemberts. Im TK-Fach lagerten außerdem Reiberdatschi, Fischstäbchen, Aufbackbrezn, Pommes,

Frühlingsrollen und eine Pizza. Aber kann man das grillen? Wir waren hungrig und haben einen Fertigprodukte-Grill-Selbsttest

gemacht. Und sind zu überraschenden Ergebnissen gekommen. TEXT: JULIA FELL // FOTOS: MICHAEL DENGLER


20 curt // ExTREM GRILLING

GRILLANzüNDER FELIX

Der Testsieger unseres Selbstversuches: Beim Schnitzel kann

man tatsächlich kaum etwas falschmachen – einfach auf den

Rost damit, ab und zu wenden, warten bis es bräunt. Wird superknusprig

und um einiges geiler als aus der Pfanne. Fei echt!

grillzeit: knapp 15 Minuten // geschmackssternchen: 5 von 5

Auch Backcamemberts gelingen

gut auf dem Rost. Auch hier

häufiges Wenden nicht vergessen.

grillzeit: 4 Minuten pro Seite

geschmackssternchen: 4 von 5

Von den Reiberdatschi hatten wir uns mehr versprochen – hier

störte die leichte Tendenz zur Trockenheit. Trotzdem durchaus

essbar. Bisschen Marinade hätte nicht geschadet.

grillzeit: ca. 10 Minuten // geschmackssternchen: 4 von 5


22 curt // ExTREM GRILLING

GRILLFEE JULIA

Frühlingsrollen müssen vorab 20 Minuten auftauen, sonst ver-

brennen sie außen, während sie innen noch gefroren sind. Mit

etwas Geduld und mittelhäufiger Wendefrequenz werden sie

schön saftig und kross.

grillzeit: 5 Minuten pro Seite // geschmackssternchen: 5 von 5

Eindeutig die Mimosen unter den Convenience-Grillprodukten

sind die Aufbackbrezn. Alleine sie in erkennbar

breznhafter Form auf den Grill zu legen, war nervenaufreibend,

vom Durchs-Gitter-Batzen des Teigs ganz zu

schweigen. Innen gerade so durch, aber etwas zu hefig

im Abgang.

grillzeit: 12 Minuten // geschmackssternchen: 2 von 5

Die schicke Variante wäre ein Pizzastein speziell für den Grill. Hatten wir leider

nicht. Deswegen haben wir unsere Mafiatorte eine halbe Stunde antauen

lassen, dann druff damit. Der Boden hatte eine schöne steinbodenesque

Konsistenz, der Belag war gut durch, der Käse zufriedenstellend verlaufen.

Nächstes Mal würden wir allerdings die Calzone-Variante probieren – die

könnte man auch wenden.

grillzeit: 10-15 Minuten // geschmackssternchen: 3 von 5


24 curt // ExTREM GRILLING

GRILL-KARL-DALL

Pommes zu grillen ist wie Mikado spielen mit Unterhitze. Doch die motorische

Herausforderung lohnt sich: Wer die goldenen Stäbchen behutsam

auflegt (Achtung Absturzgefahr!) und quasi ohne Unterlass wendet, hat

nach nur ein paar Minütchen superkrosse Fritten. Wir nennen sie „flame

grilled fries“ und machen sie ab jetzt zur Standardbeilage.

grillzeit: je nach Dicke der Pommes 8–10 Minuten

geschmackssternchen: 5 von 5

Fischstäbchen neigen gerne mal zur Zerbröselung, wenn sie am

Pfannenboden festkleben. Oder das Öl ist nicht heiß genug und

die Panade wird lätschert. Auf dem Grill dagegen gelingen die Vierkantforellen

easy und ohne viel Trara. Dank der geometrischen Form

garen sie sehr gleichmäßig. Und das alles ohne zusätzliches Fett!

grillzeit: 5 Minuten pro Seite

geschmackssternchen: 2 von 5

Unser Fail des Abends waren die Croissants aus der Dose.

Nicht mal die Schoki im Inneren konnte das teigige

Desaster noch rausreißen. Lassen wir in Zukunft. Bäh.

grillzeit: Fuck // geschmackssternchen: 5 von 5


26 curt // FESTIVALS 2012

feStIvalS 2012

HEy HO, LET‘S GO!

TEXTE: MELANIE CASTILLO, ANDREEA HULA, JOVANA REISINGER, DAVID BAUER

free & EASy

Einmal im Jahr steht das komplette Backstage Kopf

und bietet mit dem Free & Easy Festival für lau auf

vier Indoor-Bühnen, einer Outdoor-Bühne und auf

allen Freiflächen 14 Tage lang Konzerte, Partys,

Theater, Filme und politische Diskussionen – bei letzeren

seid ihr herzlich eingeladen euren Senf abzugeben.

Während des Festivals steht das Gelände

mit dem Biergarten täglich ab 18 Uhr für Sonnenanbeter,

Cocktail-Liebhaber und Grillmeister offen.

Live am Start sind: Blackmail, Fiddler‘s Green, Santeria,

Radio Havanna, Harmful, Transmitter, Agnostic

Front, Sepultura, Suicide Commando, Russkaja, Killerpilze,

Macka B ... Weitere Künstler folgen. Haltet

euch über das aktuelle Programm auf backstage.eu

auf dem Laufenden und sagt JA! zum Sommer in

München! Tipp: In der kleinsten Area, dem Werkstatt-Studio,

gibt es Mitternacht-Shows von Newcomer-Bands.

Free & Easy Festival // Backstage // 21. Juli bis

4. August // Reitknechtstraße 6 // backstage.eu

daChaUer MUSIKSOMMER bootBOOHOOK

Der Dachauer Musiksommer überrascht immer ein

wenig. Dieses Jahr haben sie den Schweden Kristian

Matsson, The Tallest Man On Earth und Patti Smith

angelockt. Am 5., 6. und 8. Juli kann man in der

Papierfabrik „Die Blutnacht auf dem Schreckenstein

oder Ritter Adolars Brautfahrt und ihr grausiges

Ende“ ansehen – ein Theaterstück aus dem Konzentrations-lager

Dachau über Mut und Widerstand

und über die groteske Situation, dass eben dieses

Stück selbst von Inhaftierten dort aufgeführt wurde.

Die freie Regisseurin Karen Breece ist bereits durch

ihre Mitarbeit in den Münchner Kammerspielen

aufgefallen. Am 13. Juli kann man entspannt den

Barocksolisten Münchens zuhören. Diese begleiten

das Barockpicknick im Hofgarten des Schlosses. Es

ist einfach so, dass dieser Musiksommer dazugehört.

curt präsentiert: The Tallest Man On Earth am

7. Juli und verlost 3x2 Karten auf curt.de!

25. Mai bis 25. Juli // Dachauer Musiksommer

Das Programm findet ihr auf dachau.de

FESTIVALS 2012 // curt 27

Nach den letzten Jahren auf dem Gelände des Kulturzentrums

Faust findet das BootBooHook Festival nun

erstmals im Süden Hannovers statt – im Kronsbergpark

mit mehr als 40 Bands. Und diese sind wirklich

nicht ohne: The Whitest Boy Alive, WhoMadeWho,

Tocotronic, Fehlfarben, Superpunk, Dear Reader,

Gravenhurst, French Films, Bratze, Ira Atari, Tarwater,

Jens Friebe & Band, Frames, Hans Nieswandt,

Boy, Of Montreal und viele mehr. Im Vergleich zu

den letzten Jahren kann die Open-Air-Bühne nun die

ganze Nacht bespielt werden – es gibt genug Platz

für große Zelte. yey! Unser Herz schlug schlagartig

höher, als wir im Line-Up die Band Isbells entdeckten.

Die Belgier haben sich dieses Jahr tourtechnisch

recht rar gemacht – ein Grund mehr, beim diesjährigen

BootBooHook dabei zu sein.

2 x 2 Leute laden wir ein! Das Gewinnspiel

findet ihr auf curt.de

Bootboohook Festival im Hannover

Kronsbergpark // 24. bis 26. August


28 curt // FESTIVALS 2012

KINo, MOND & STERNE röhreN-EM vIehHOF

Gut zu wissen, dass es im Münchner Sommer ein

paar Dinge gibt, die sich nicht ändern. Wie jedes

Jahr freuen wir auf eines dieser Dinge, die zu München

gehören wie der Obazda zur Brezn: das Freilichtkino

auf der Seebühne im Westpark! Mitten im

Park mit Blick zum See sitzt man auf den von der

Sonne schön angewärmten Steinstufen und genießt

die grandiose Filmauswahl der Kino-Teams. Während

andere Kino-Open-Airs keine Mitnahme von

eigenen Getränken und Speisen erlauben, kann man

es sich beim Kino, Mond & Sterne mit dem eigenen

Picknick-Korb bequem machen. Die einzige Regel

dabei: Alles, bloß kein Glas! Also alles schön in Plastik

umfüllen oder sich an den kulinarischen Ständen

vor Ort bedienen. Wir verlosen pro Woche 1x2

Karten für einen Kinofilm. Siehe facebook.com/

curt.muenchen

Kino, Mond & Sterne // Die besten Kinonächte

des Jahres // Seebühne Westpark // 14. Juni bis

2. September // kino-mond-sterne.de

Geile Kiste! Nämlich deine eigene! Im Rahmen der

FIFA Europameisterschaft 2012 trumpfen die Jungs

vom Nachtkonsum-Team mit der Röhren-EM im

Feierwerk auf. Public Viewing ohne Großbildleinwand

geht – im familiären Rahmen mit Platzreservierung,

eigenem Tisch und eigener Glotze. Ohne

Sichtbehinderung und Nackenschmerzen. Alle Biertischgarnituren

stehen wie kleine Inseln mit eigenem

Röhrenfernseher auf dem Außengelände des

Feierwerks. Kühles Bier, Bratwurst und Sitzplatz-

Garantie! Besonderer Service: Die Getränke werden

an den Platz serviert. Bei Regen wird alles in die

Kranhalle verlagert. Pack deine Leute ein und sichere

dir schnell deinen Platz! Kostenpunkt pro Sitzplatz:

3 Euro. Wir verlosen für jeden Spieltag den exklusiven

curt Tisch, an dem fünf Leute Platz haben – die

Verlosung gibts auf curt.de.

Röhren-EM im Feierwerk // 8. Juni bis 1. Juli //

Tischbuchung unter facebook.com/RoehrenEM

Alle Spiele live!

„In dem Viertel fliaßt so viel Bluat wia nirgnds sonst,

aber i kenn koan oanzigen brutalen Menschen.“

Morbider Charme im Meatpacking District – zum

zweiten Mal wird das Gelände der alten Münchner

Großviehhalle zwischen Schlachthof und Großmarkthalle

zu einem der entspanntesten Sommer-

Umschlagplätze Münchens. Es erwarten euch

74 Sommerabende mit Open-Air-Kino und Biergarten

auf der Viehhof-Filmwiesn. Mit der Kultserie

„Zur Freiheit“ klingt der Nachtbiergarten die

Abende bis 1 Uhr aus. An den Wochenenden kann

sich dort die komplette Familie ab 14 Uhr austoben:

Hüpfburg, Planschbecken, Polizeiwagen, Viehhof-

Eisenbahn, Mal- und Bastelecken und Livemusik auf

der Substanz-Bühne – alles da. Jetzt fehlt nur noch

ihr! Wir verlosen pro Woche 1x2 Karten für einen

Kinofilm. Siehe facebook.com/curt.muenchen

Open-Air-Kino im Viehhof // Tumblingerstr. 29

05. Juli bis 12. September // Nachtbiergarten

Öffnungszeiten: 18 – 1 Uhr // viehhof-kino.de


30 curt // FESTIVALS 2012

ZELTEN, FEIERN, MüLL ENTSORGEN ...

aUS reSpeKt vor der Umwelt

Open Air ist Trumpf! Und während Millionen

Fans in den Startlöchern stehen, um ein unvergessliches

Sommer-Wochenende auf einem

Festival zu verbringen, denkt einer nicht nur

an die gute Stimmung – sondern vor allem an

die Umwelt. TEXT: ANDREEA HULA

Bereits zum vierten Mal wird Natural American

Spirit ® in diesem Jahr nicht nur als Tabak-, sondern

auch als Öko-Partner auf Tour gehen und u.a. beim

Southside, dem Wacken Open Air sowie Chiemsee

Rocks und dem Chiemsee Reggae den Festival-

Gängern jede Menge Müllbeutel schenken. An der

Natural American Spirit®-Müllrückgabestation wird

der volle Beutel dann vor Ort fachgerecht entsorgt.

Gute Sache, finden wir, und supporten aus diesem

Grund schon seit Jahren Natural American Spirit ® ,

wenn es darum geht, den Konzertsommer nicht nur

den Besuchern, sondern auch für die Natur ein bisschen

schöner zu machen.

Wer in den vergangenen Jahren bei einem der

Festivals live dabei war, der kennt auch die doppelstöckige

xL „Natural American Spirit ® Smoking

Lounge“ und die Chill-Out Area mit gemütlichen

Liegestühlen zum Entspannen, wenn die Beine

einfach nicht mehr wollen. Und für alle, die Nachhaltigkeit

buchstabieren können und „Aus Respekt

vor der Umwelt“ ihren vollen Müllbeutel schön

abgeben, halten wir 4x2Gratistickets fürs Southside

und 6x2 fürs Chiemsee Reggae Festival zum

Verschenken bereit.

SoUthSIDE ChIemSee REGGAE NatUre ONE

Ein Wochenende zwischen Himmel und Hölle. Hölle,

wenn das Zelt unter Wasser steht, die Socken nass

sind und es nicht aufhört, auf dich runterzupissen.

Himmel, wenn die erste geile Band auf der Bühne

steht und dir Petrus‘ Urin egal ist. Du kannst den

Regen eh nicht mehr von der Bierdusche unterscheiden.

Fakt ist: Am Southside-Wochenende regnet

es. Fakt ist auch: Dieses Line-up ist den Schnupfen

wert. Die ärzte, The Cure, Justice, The Stone Roses,

Mumford & Sons, Sportfreunde Stiller, New Order,

The Kooks, Wolfmother, The Shins, Broilers, Florence

& The Machine, Kraftklub, M83, Nneka, Beirut, Fritz

Kalkbrenner … Das Festival ist bereits ausverkauft –

aber curt rettet euch und sponsort zusammen mit

Natural American Spirit ® 4x2 Gratistickets. Schickt

uns eine E-Mail mit Betreff „Rettet mich aufs Southside“

an ichwillgewinnen@curt.de und schickt uns

das Rezept eurer Oma gegen Erkältung.

Southside // 22. bis 24. Juni // Neuhausen ob Eck

southside.de // Ausverkauft

Vom 24.–26. August tönt wieder der Reggae von

übersee her und lädt die Massen zu einer der größten

Freiluftschlammschlachten Europas ein. Vorausgesetzt

das Wetter spielt wie üblich mit. Was 1995

mit gerade einmal sieben Bands begann, ist heute mit

durchschnittlich 25.000 Besuchern und weit über 20

Acts eine der größten Reggae-Veranstaltungen Europas.

Dieses Jahr mit von der Partie sind unter anderem

Sean Paul, Gentlemen, Beenie Man, Anthony B.,

La Brass Banda, Samy Deluxe & Tsunami Band und

allen anderen, die rund um den Offbeat Rang und

Namen haben. Gewappnet mit Badehose, Gummistiefeln,

einer Handvoll Dreads und jeder Menge

guter Laune kann die Party auch schon losgehen.

Natural American Spirit® und curt verlosen 6x2

Festival-Tickets für die Sunshine Reggae-Sause am

Chiemsee. Einfach E-Mail mit Betreff „Chiemsee

Reggae Summer 2012“ an ichwillgewinnen@curt.de

Chiemsee Reggae Summer // 24. bis 26. August

übersee // chiemsee-reggae.de

FESTIVALS 2012 // curt 31

vIp-TICKETS GEWINNEN!

Auch dieses Jahr erlebt ein verschlafenes Örtchen

am ersten Augustwochenende wieder eine erstaunliche

Wendung. Die ehemalige Raketenbasis Pydna

verwandelt sich in eins der größten elektronischen

Festivals, zu dem seit 1995 jährlich bis zu 60.000

Tanzbegeisterte pilgern. 300 DJs und Liveacts aus

der ganzen Welt sind dabei: Paul van Dyk, Sven

Väth, Chris Liebling, Feliz Kröcher, M.A.N.D.y, Tocadisco,

Moonbotica u.v.m. Neben den bekanntesten

Clubs aus ganz Deutschland (Berlin/Tresor, Würzburg/Airport,

Wuppertal/Butan Club, Köln/Elektroküche)

sind auch einige aus dem Ausland im Boot.

Jägermeister meint es gut mit euch und schenkt den

curt Lesern 1x2 VIP-Tickets. Die Gewinner erhalten

Zugang zur VIP-Veranda des Jägermeister Gasthofs

“Zum röhrenden Hirschen” während eines DJ-

Sets. Einfach E-Mail mit Betreff „Nature One“ an

ichwillgewinnen@curt.de. Teilnahme ab 18 Jahren.

Nature One 2012 // You.Are.Star // Hunsrück/

Kastellaun // 3. bis 5. August // nature-one.de


32 curt // FESTIVALS 2012

JUgeNd für erwaChSeNe

DAS PRIMA LEBEN UND STEREO 2012 AM VÖTTINGER WEIHER

Machen wir uns nichts vor: Die Pubertät mag

im Jugendalter beginnen, wirklich aufhören

wird sie in Wahrheit jedoch nie. Die verschämten

Lagerfeuer-Anmachen in Richtung

Jahrgangsgranate, die anschließende Liebeskummerorgie

mit Jägermeister und Tränenmeer

auf einer romantischen Kiesbank oder

ein nacktes Wettrennen über den zeltplatz –

all diese Peinlichkeiten sparen wir uns heute

zwar größtenteils. Was jedoch geblieben ist,

ist die Sehnsucht nach Freiheit, Spontaneität

und einer kleinen Portion Ungehorsam, kurz:

die Sehnsucht nach Rock’n’Roll.

Gut, dass zumindest der in das Erwachsenenzeitalter

gerettet werden konnte – in Form

des mittlerweile legendären PRIMA LEBEN

UND STEREO Festivals am Vöttinger Weiher.

TEXT: SEBASTIAN KLUG // FOTO LINKS: MICHAEL DENGLER

curt präsentiert //

PRIMA LEBEN UND STEREO 2012

Vöttinger Weiher, Freising

3./4. August 2012

2-Tagesticket: 32 Euro

prima-leben-und-stereo.de

3x2 tickets auf curt.de gewinnen!

Die Musik von damals ist lang vergangen. Der Jon

Bon Jovi, der uns das Bett aus Rosen beschrieb, in

dem wir die Jahrgangsgranate flachlegten, ist uns

heute nur noch peinlich. Der Axl Rose, der seinerzeit

sein Sweet Child o’ Mine direkt in das Loch trällerte,

in dem wir kurz vorher noch unseren Herzschlag

spürten, ist zu einer Parodie seiner selbst verkommen.

Und die Guano Apes und H-Blockx, die mit

uns gemeinsam auf dem Zeltplatz herumgegrölten,

sind heute nicht mehr als unscharfe Konturen in

den Erinnerungen an unsere Jugend.

Unsere Helden von heute sind Menschen, die sich

über Genre-Grenzen hinwegsetzen, die Peinlichkeiten

konsequent vermeiden und stilvoll statt stylisch

sind. Dementsprechend ist unsere Heimat von

heute kein verschlammtes, gröl- und jägermeisterlastiges

Riesenspektakel, sondern ein Festival, auf

dem wir unseren Helden ohne viel Glamour und

Pose auf Augenhöhe begegnen und uns in gemütlicher

Runde von den Strapazen unserer offiziellen

Pubertät erholen. Der unumstrittene Prototyp

dieser neuen Form in Bayern: das PRIMA LEBEN

UND STEREO, ein (ehemals kleines) Festivalchen

am malerischen Vöttinger Weiher bei Freising, das

in diesem Jahr mit Perlen wie den young Chinese

Dogs, Goldstücken wie der großartigen Fiva samt

ihrem Phantom Orchester und feinst geschliffenen

Diamanten wie den unfassbaren Notwist aufwartet.

Im nächsten Jahr wird die Idee für das Festival

im übrigen 20 Jahre alt. Damals, vor ungefähr

19 Jahren, hatte eine Handvoll Abiturienten am

Weiherrand ein Freiluftkonzert für eine befreundete

Band organisiert. Das Bier wurde aus dem Kofferraum

des elterlichen Passats verkauft. Stück um

Stück wuchs daraus der Verein PRIMA LEBEN UND

STEREO und nach und nach ein erwachsenes, leidenschaftliches

Festival.

Wer also dem PRIMA LEBEN UND STEREO zum Ende

der Pubertät gratulieren will, sollte spätestens in

diesem Jahr dabei sein. Dann zählt er 2013 bereits

zur Gruppe der alten Hasen.

THE NOTWIST


34 curt // FESTIVALS 2012

SoNNe moNd SterNe

UNTER DEM ELEKTRONISCHEN STERNENHIMMEL TANZEN

Vom 10. bis 12. August wird die Bleilochtalsperre

bei Saalburg-Ebersdorf in Thüringen

wieder zu einer der größten Open-Air-Festivalmeilen

Europas. TEXT: DAVID LODHI

1997, zum ersten SonneMondSterne-Festival

kamen gerade einmal 2.500 Besucher. Inszwischen

sind es über 35.000, die im vergangenen Jahr unter

anderem Digitalism, Hot Chip, The Chemical Brothers

und Carl Cox abfeierten. Neben einem Sportplatz,

auf dem nachmittags Fußball und Volleyball

gespielt wird, einem Marktplatz für Merch & Co,

diversen Bars und Cateringzelten und einem eigens

für das SMS konzipierten Partyboot gibt es insgesamt

zwei Open-Air-Bühnen, ein großes Zelt und

vier sogenannte Club Tents, in denen sich Szeneclubs

und Labels präsentieren. Das Aufgebot lässt

dabei auch heuer keine Wünsche offen – ein Festakt

für alle Liebhaber elektronischer Musikkultur.

Mit Fatboy Slim und The Prodigy konnten zwei der

bahnbrechenden Projekte in Sachen Big Beat und

Breaks verpflichtet werden, ihnen zur Seite steht

mit Skrillex einer aus der Speerspitze des modernen,

bleependen Dubstep. Dazu für die straighten

Vierviertel-Freunde von Loco Dice, Fritz Kalkbrenner

über Moonbootica, Ellen Allien bis bis zu Tiefschwarz,

Mathias Kaden und Karotte alles, was das

Herz begehrt, und obendrauf Livegigs von Deichkind,

Hot Chip, Frittenbude oder Gesaffelstein. Ja,

das ist ein dickes Ding!

sonnemondsterne.de

10/11/12

AUG 2012

SAALBURG

BEACH

SWEET

SIXTEEN

TICKETS:

WWW.

SONNEMOND

STERNE

.DE

EXCLUSIVE FESTIVALSHOWS:

FAT B OY S L I M THE PRODIGY

SKRILLEX, DEICHKIND, HOT CHIP, LOCO DICE,

STEVE AOKI LIVE , DIGITALISM, LEXY & K-PAUL FEAT. MARTERIA,

FRITZ KALKBRENNER LIVE , MAREK HEMMANN LIVE ,

GESAFFELSTEIN LIVE , FRITTENBUDE, THE KOLETZKIS,

VITALIC LIVE , ELLEN ALLIEN, DUBFIRE, MATHIAS KADEN, CHRIS LIEBING, NORTHERN LITE,

TURNTABLEROCKER, TIEFSCHWARZ, RUSH, SEBASTIAN, MOONBOOTICA, KAROTTE,

BORIS DLUGOSCH, NICONÉ, ÂME, HENRIK SCHWARZ LIVE , PAN-POT, M.A.N.D.Y.,

DISCO BOYS, EXTRAWELT LIVE , SASCHA BRAEMER, APPARAT DJ-SET , ONUR ÖZER,

Butch, Cassy, André Galuzzi, Friction & MC Linguistic, AKA AKA feat. Thalstroem, Dirtyphonics LIVE , Møenster,

Felix Kröcher, Format:B LIVE , Daniel Stefanik, Dapayk LIVE , Channel X, Ilario Alicante, Frank Lorber, Egbert LIVE ,

Douglas Greed LIVE , Catz’N Dogz, Heartthrob DJ/LIVE-HYBRID-SET , The Hundred in the Hands, Boogie Pimps, Divinity,

John B., Camo & Krooked, Markus Kavka, Animal Trainer, Bruch&Junior, Jake the Rapper, Ostblockschlampen,

Breakfastklub, WassBass, Supershirt, Gunjah, Markus Meinhardt, Marco Resmann + Ruede Hagelstein, Lauhaus,

Tale of Us, Fritz Zander, Luna City Express, Hometrainer, Lee Jones, Konrad Black, Red Robin, Dorian Paic,

Recognition LIVE , Juli Holz, H.O.S.H., Falko Richtberg meets Tom Franke: Tronic Love, Björn Störig …

SHOWCASES: COCOON — 10 YEARS WATERGATE — STIL VOR TALENT — FREUDE AM TANZEN —

BREAKS’N’DRUMS —DUSTED DECKS — CITY OF MUSIC — MUNA — SMS BOAT


36 curt // FESTIVALS 2012

let‘S daNCe together

TANZWERKSTATT EUROPA 2012

Fotomaterial aus dem Stück „L.O.V.E. –

Anordnungen für zwei Tänzer“

Konzept und Choreografie: Sabine Glenz

Tanz: Karen Piewig, Zufit Simon

alle INfoS zUr TANZWERKSTATT EUROPA:

was?

Workshops (Zeitgenössischer Tanz/Performance,

Bodywork, Hip-Hop und Breakdance für Anfänger,

Fortgeschrittene und Profis)

Performance-Programm am Abend

wann?

1. bis 11. August 2012

wo?

Workshops: Tanztendenz, Muffatwerk, DanceSpirit

Peformances: TonHalle, i-camp, Schwere Reiter

wie viel?

1 Kurs ab 150 Euro. Frühbucherrabatt bis 29. Juni

besondere empfehlung:

Dance and Sound mit Hiroaki Umeda, House and

Hip-Hop Freestyle Intensive mit Kapela

auch geil:

Das curt-DJ-Team „Schokobrandt“ legt bei der

Abschlussparty am 11. August in der TonHalle auf.

Da ist für jeden Körperklaus was dabei!

SABINE GLENZ

Wenn das internationale Who is Who der Tanzszene zusammenkommt, dann öffnet in München

die TANzWERKSTATT EUROPA ihre Pforten. Vorhang auf für eines der wichtigsten Events für zeitgenössischen

Tanz! TEXT: MARGARITA SEREDA-WILDENAUER, ANDREEA HULA // FOTOS: FRANZ KRIMMEL

Vom 1. bis zum 11. August kommen renommierte

Choreografen und Tänzer aus aller Welt in München

zusammen. Die Profis aus u.a. Neuseeland, Spanien,

Norwegen und Japan ermöglichen hier Tänzern

sowie tanzbegeisterten Amateuren, mit ihnen in

Workshops an Körpersprache, Tanztechniken und

Improvisationsmöglichkeiten zu arbeiten. Gleichzeitig

bietet die TANZWERKSTATT EUROPA – seit 1991

von JOINT ADVENTURES veranstaltet – Raum für

professionelle Vernetzung, künstlerische Experimente

und individuelle Weiterbildung im Bereich des Zeitgenössischen

Tanzes.

Wer die internationale Tanzluft lieber im Publikum

schnuppern möchte, der ist genauso willkommen

wie die Workshopteilnehmer. Das hochkarätige

Performance-Programm lässt keine Wünsche offen.

Ein besonderes Highlight ist die Uraufführung des

Stücks „WUCHT“ am 10. August von Choreografin

Sabine Glenz, die erst kürzlich mit dem Förderpreis

Tanz der Stadt München ausgezeichnet wurde. curt

traf Sabine auf ein Tänzchen, äh – einen Plausch.

Um was geht es bei zeitgenössischem Tanz?

Sicherlich um mehr als seinen Namen zu tanzen,

wie der Laie so sagt …

SABINE: Das ist echt schwierig zu beantworten.

Jeder Choreograf oder Künstler hat andere Beweg-

gründe für seine Arbeit. Der Zeitgenössische Tanz

steht für den gegenwärtigen Bühnentanz mit all

seinen Tendenzen und Entwicklungen, mit seinen

performativen Mitteln und deren Beeinflussung

durch zeitgemäße Medien und Kunstrichtungen.

Wie kamst du zum Tanzen?

SABINE: Ich hatte bereits als Kind ein sehr ausgeprägtes

Interesse an Bewegung und begann mit

zehn Jahren an der John-Cranko-Schule in Stuttgart

Klassischen Tanz zu lernen. Die Vielfalt der

Ausdrucksformen und Bewegungssprachen lernte

ich allerdings erst später im Zeitgenössischen Tanz

kennen. Mich fasziniert schlichtweg die Sprache

unseres Körpers!

Wovon handelt dein Stück „WUCHT“?

SABINE: Von Energie. Mich beschäftigt die gemeinsame

gedankliche Energie, die im Laufe einer Produktion

entsteht und die immer wieder aufs Neue

freigesetzt wird – die körperliche Dynamik und der

damit verbundene gedankliche Konsens. Das Wort

„WUCHT“ umschreibt dabei den Charakter dieser

Arbeit. Gleichzeitig geht es um das Gestalten und

Bearbeiten von gegenständlichem Material. Das

wird verzahnt mit tänzerischer Körperarbeit.

Mehr Infos und Details zum Programm: jointadventures.net


38 curt // UNTERWEGS

müNCheN –

DEINE BADEMEISTER!

INTERVIEWS UND FOTOS: ACHIM SCHMIDT

eUgeNIUS // ENDE 30

RETTUNGSSCHWIMMER IM SCHyRENBAD

Was gefällt dir an deinem Job am besten? Ich arbeite gern mit Jugendlichen und möchte Verantwortung tragen. Als Rettungsschwimmer ist es so:

Wenn man springen muss, dann springt man.

Warum ist das Schyrenbad das schönste Freibad Münchens? Es hat eine große Grünfläche, eine tolle Rutsche und bietet Spaß für Kinder und Erwachsene.

Hast du schon mal jemandem das Leben retten müssen? Insgesamt habe ich schon neun Personen das Leben gerettet, früher bei den Berliner

Badebetrieben, jetzt hier in München.

Wen würdest du in der Serie Baywatch spielen? Mitch Buchannon, weil er alles macht. Er ist Kumpel und Chef, freundlich und zuverlässig.


40 curt // UNTERWEGS

JIvKo // SEIN ALTER VERRäT ER NICHT

RETTUNGSSCHWIMMER IM PRINZREGENTENBAD

Was gefällt dir an deinem Job am besten? Während meines Tiermedizin-Studiums habe ich als Rettungsschwimmer gearbeitet. Es war der einzige Job,

der mir ein Kribbeln im Bauch verursachte. Und noch immer fühle ich mich wie frisch verliebt.

Warum ist dein Schwimmbad das beste Freibad Münchens? Es ist nicht übertrieben groß, die Arbeitsbedingungen und Kollegen sind klasse.

Womit machst du die Welt schöner? Die Welt vielleicht nicht, aber doch viele Menschenleben. Bevor ich nach Deutschland kam, habe ich 10 Jahre lang an der

Bulgarischen Schwarzmeerküste gearbeitet. Da gab es manchmal bis zu 30 Rettungseinsätze täglich.

Wen würdest du in der Serie Baywatch spielen? Niemanden, die Baywatch-Charaktere sind mir zu weit vom wirklichen Leben entfernt.

ChrIStIaN // 30 JAHRE

RETTUNGSSCHWIMMER IM SCHyRENBAD

Was gefällt dir an deinem Job am besten? Im Freien zu sein, Verantwortung zu tragen, zu helfen, Ansprechpartner zu sein.

Warum ist dein Schwimmbad das beste Freibad Münchens? Weil das Publikum sehr angenehm ist; und da es sehr groß ist, ist es auch nie überfüllt.

Hast du schon mal jemandem das Leben retten müssen? Nicht im Schwimmbad, sehr wohl aber auf dem Oktoberfest, wo ich als Security gearbeitet habe.

Da lag eine augenscheinlich alkoholisierte Person in der Ecke, wie sich allerdings herausstellte, hatte der Mann Diabetes und war deshalb zusammengebrochen.

Nur sofortige Rettungsmaßnahmen retteten dem Mann das Leben.

Wen würdest du in der Serie Baywatch spielen? Ich denke Eddie, der ist nicht so perfekt, ein wenig tollpatschig und zurückhaltend – einfach menschlich.


42 curt // UNTERWEGS

mIlaN // 60 JAHRE

SEIT 10 JAHREN RETTUNGSSCHWIMMER IM UNGERERBAD

Was gefällt dir an deinem Job am Besten? Menschen zu helfen, raus aus dem Wasser und wieder rein, und dafür zu sorgen, dass sich die Leute hier wohlfühlen.

Warum ist dein Schwimmbad das beste Freibad Münchens? Es hat sehr viel Grün, große Bäume spenden ausreichend Schatten, was gerade an heißen Tagen

ein Luxus ist, es hat ein tolles Publikum und liegt im Herzen Schwabings.

Hast du schon mal jemandem das Leben retten müssen? Ich habe zwei ältere Damen aus dem Wasser gezogen, als ihnen die Luft ausging. Und einmal habe

ich einen Dreijährigen, der in tiefes Wasser geraten war, gerettet.

Wen würdest du in der Serie Baywatch spielen? Eindeutig Mitch Buchannon, der ist cool, lässig und sportlich.

berNd // 50 JAHRE

SEIT 13 JAHREN RETTUNGSSCHWIMMER IM BAD GEORGENSCHWAIGE

Was gefällt dir an deinem Job am besten? Der Abwechslungsreichtum. Ich kümmere mich um die Grünflächen, mache kleine Reparaturen und die Beckenaufsicht.

Warum ist dein Schwimmbad das beste Freibad Münchens? Da es kein Erlebnisbad mit Sprungturm und großer Rutsche ist, fühlen sich Familien und Mütter

mit Kleinkindern bei uns besonders wohl. Es kommen nicht so viele Jugendliche her, die von der Seite ins Becken springen oder Radau machen.

Hast du schon mal jemandem das Leben retten müssen? Generell versuchen wir, Notfälle durch Präsenz und Voraussicht zu vermeiden. Trotzdem muss ich

jedes Jahr zwei- bis dreimal ins Wasser springen, um jemand rauszuziehen.

Wen würdest du in der Serie Baywatch spielen? Keinen. Ich hätte vor allem nicht gerne Pamela Anderson als Kollegin. Sie würde nur ablenken ...


44 curt // MUSIK

mUSIK –

DAS GERäUSCH,

DAS DENKT

peaKINg lIghtS – lUCIfer

VÖ: 15. JUNI // LABEL/VERTRIEB: DOMINO

Das Ehepaar Indra Dunis und Aaron

Coyes kam im letzten Jahr mit ihrem

narkotischen Album „936“ direkt

aus dem musikalischen Hobbykeller.

Der Titel des neuen, dritten Albums

des Dub-Pop-Duos bedeutet so viel

wie „Lichtträger“, womit in diesem

Fall Söhnchen Mikko gemeint ist. Die

Songs klingen wie ein Soundtrack für

eine warme Sommernacht. Das Intro

„Moonrise“ und das abschließende

„Morning Star“ bilden den Rahmen.

Dazwischen macht es kein Lied unter

träumerischen 6 Minuten – die Songtitel

geben die musikalische Richtung

vor: „Cosmic Tides“, „Dreambeat“,

„Live Love“. Fazit: Peaking Lights machen

wunderbare Hippie-Musik 2.0:

zurückgelehnt, fließend, psychedelisch.

TEXT: ANDREAS HäNISCH

lIarS – wIXIw

VÖ: 01. JUNI // LABEL: MUTE

Liars sind zurück und präsentieren

„Wixiw“, das wohl zugänglichste Album

des experimentierfreudigen Trios

aus Ny. Seit dem Debüt „They Threw

Us All In A Trench And Stuck A Monument

On Top “ hat sich viel verändert:

ordnete man sie anfangs noch dem

Dance-Punk zu, war ihre künstlerische

Musik bis zuletzt über allem erhaben.

Mit „Wixiw“ zieht es Liars mit Songs

wie der ersten Single „No. 1 Against

The Rush“ zurück auf den Floor. Abwechslungsreich

hüpft das Album

durch die Genres, ist mal mysteriöser

Indie, wummernder Dub und dann

wieder zügelloser Rave – tadellos.

TEXT: PATRICK CAVALEIRO

JaCK ladder – hUrtSvIlle

VÖ: 15. JUNI // LABEL: ROUGH TRADE

Wer sich mal gedanklich in die Weiten

des australischen Outbacks verziehen

möchte, ist bei Jack Ladders zweitem

Album genau richtig. Tim Rogers’ (so

sein eigentlicher Name) weiche Bariton-Stimme

lässt einen dahinschmelzen

– Nick Cave lässt grüßen! In seiner

Heimat Australien wurde Jack Ladder

für die australische Version des Mercury-Preises

(Australian Music Prize)

nominiert und die erste Singleauskopplung

„Cold Feet“ zur besten Single

2011 gekrönt. Australien hat sich

also in den Mann mit der Kuschelbärstimme

verliebt. Wir sind d‘accord.

TEXT: TASMIN HANSMANN

curt im Gespräch mit Tim Rogers // Über Hei-

mat und gebrochene Herzen // Das Interview

gibts auf curt.de

taragaNa pyJarama –

tIpped bowlS

MUSIK // curt 45

VÖ: 18. JUNI // LABEL: KOMPAKT

Nach WhoMadeWho, Trentemøller,

Jatoma und When the Saints go Machine

wird jetzt der nächste dänische

Elektro-Export wie wild gefeiert. Nach

gescheiterten Anläufen mit einem

Saiteninstrument, entdeckte Nick Erikson

die Liebe zu den Drums und fing

gleich nach der Schule mit dem Produzieren

eigener Musik an. Touren

durch Europa und Remixe von Größen

wie Delphic, Delorean oder Miami

Horror hat die junge, vielversprechende

Hippitronics-Ikone bereits hinter

sich. über sein Debutalbum kann man

nur sagen: zugänglich klingt anders,

aber es hat definitiv seinen Teil zur

Entstehung dieser Ausgabe beigetragen.

Das curt Lieblingslied: LO NG.

TEXT: MELANIE CASTILLO


46 curt // MUSIK

dIagNoSe:

ELECTROLORE-FIEBER

Am Anfang war Papaya, ein aus Elektro und Volksmusik mutierter Virus mit hoher Ansteckungsgefahr, der

zum ersten Mal vor vier Jahren in Berlin gesichtet wurde und seitdem in ganz Deutschland wütet. Einmal

angesteckt, heißt es: Ciao ciao Bella, denn für das Electrolore-Fieber wurde bis jetzt noch kein Gegenmittel

gefunden. Man weiß aus sicherer Quelle nur, dass Hawaii-Toast die Infektion forciert. Nach einer kurzen Inkubationszeit

entsteht im weiteren Verlauf der Krankheit eine Hassliebe zu einem schrägen Typen in Rosa, mit

debilem Dauergrinsen und irrem Tanzstil. TEXT: MELANIE CASTILLO, PETRA KIRZENBERGER // FOTO: PETRA KIRZENBERGER

Alexander Marcus zeigt sich offenkundig als Wirt des infektiösen Electrolore-Partikels und streute Ende Mai mit seinem

Kinofilm erneut einen gefährlichen Bazillenherd in die Welt hinaus. „Glanz & Gloria“ erzählt von einem Star, der durch

den Einfluss der rosa Droge „Egoin“, dass er sich mit Ohrstäbchen ins Ohr träufelt, auf dem Höhepunkt seiner Karriere

zusammenbricht und langsam wieder zu sich selbst und zurück ins Leben findet. Zur Filmpremiere in München gab der

King allen Fans geduldig Autogramme. curt war exklusiv dabei und fragte den King nach einem Gegenmittel.

„Glanz & Gloria“ wurde komplett durch Fans finanziert. Hat das gut funktioniert? Die Fans konnten sich für

verschiedene Komparsen-Rollen mit gestaffelten Preisen erwerben. Die meisten haben sich für das Sprechrollen-Paket

entschieden. Es war gar nicht so einfach, alle Sprechrollen unterzubringen, ohne dass es total bescheuert rüberkommt.

Wir machten aus der Not eine Tugend und ich finde, das Ergebnis passt ganz gut zu mir und meinen ganzen Stil.

Ist auch mal ein Stuntman für dich eingesprungen? Da waren doch gar keine gefährlichen Szenen dabei, oder?

Die Rollschuh-Szene war schon ein bisschen gefährlich. Da drehst du dich einmal im Kreis. Ja, stimmt. Das war

wirklich ein bisschen gefährlich, aber das habe ich trotzdem alleine geschafft.

Was lautet dein Geheimrezept bei Frauen? Das müsst ihr am besten die Frauen selber fragen, aber ich glaube, dass

Humor ganz wichtig ist. Man merkt, glaube ich, auch, dass ich ein lustiger Typ bin ...

Oh ja. Wann hast du den Schritt von Internetclips zur Bühne gewagt? Es hat sich irgendwie ergeben, nachdem

es im Internet plötzlich so abging. Ich war schon in der Schule eine Rampensau, habe in der Schülerband gesungen

und konnte die Leute schon immer ganz gut unterhalten. Als das Ganze im Internet losging, war ich ziemlich am Ende,

hatte kaum Kohle und habe den Erfolg wie ein Verhungernder in der Wüste aufgenommen und alles gegeben, um die

Nachfrage zu befriedigen.

Macht Egoin schon bei der ersten Einnahme süchtig? Ja. Ist schon eine harte Droge. Allerdings ist die Einnahme

zum Glück völlig schmerzfrei.

alexander marcus // „Glanz & Gloria“ im Kino // alexander-marcus.de

Konzert in München: 23. November // Backstage // curt verlost ab Oktober auf curt.de Freikarten und handsignierte curt Ausgaben

10 Jahre lUNaStrom

ALIVE IM WUNDERLAND

Es waren einmal drei Männer, die sich in einem verrauchten zimmer in Mün-

chen die perfekte Party ausmalten: Anders sollte sie sein, ein Licht-Spektakel

und Kunst sollte es geben, Gitarren-Noise und sphärische Klänge den Sound

bestimmen. Eine Art Wunderland, in dem es an jeder Ecke etwas zu entdekken

gibt. Eine Party wie eine psychedelische Reizüberflutung: lunastrom.

TEXT: ANTONIE HäNEL // FOTO: BERNHARD ZERTA

Seit zehn Jahren gibt es nun die halbjährlichen Events, die vor allem diejenigen anziehen,

die ebenfalls genug von uninspirierten Standardpartys, Kampfsaufen und Radiomusik

haben. Sie wissen um den Reiz von Off-Locations, geheimnisvollen Outdoor-Plätzen

und aufwendiger Lichtkunst. Mittlerweile ist das lunastrom-Team

ein loses Kollektiv aus Kreativen, Helfern und Künstlern mit festem Kern. Kopf

des Non-Profit-Projekts ist noch immer Gründer, DJ und Lichtkünstler Marc

Zimmermann, der sein Herz-projekt mit unerschütterlichem Glauben an das

Gute in der Party seit zehn Jahren durchzieht. Und sich die Feier zum eigenen

40. Geburtstag gespart hat, um lunastrom ein umso fulminanteres Fest schenken

zu können. Und hier ist es nun: Zehn Jahre lunastrom wird mit einem dreitägigen

Festival auf 3.000 Quadratmeter in den verlassenen Hallen der Schlafwagenfabrik

in Neuaubing begangen. Wo früher die Schlafwagen des Orient-Express‘ hergestellt

wurden, sollen die Gäste vom 15. bis zum 17. Juni in andere Sphären kutschiert

werden. Zum Hoch- und wieder Runterkommen spielen Freitag und Sonntag sieben

Bands, unter anderem die Londoner Esben and the Witch und Ride-Sänger Mark

Gardener. Höhepunkt ist der Samstag, an dem die große Geburtstagsparty stattfindet:

3.000 Quadratmeter lunaland, zwei Tanzflächen (Shoegaze/Dreampop und

Postpunk/Wave) und 15 Ausstellungsräume mit Licht-, Klang- und Videoinstallationen.

Es gibt einen märchenhaften Schlafsaal, interaktive Kunstobjekte, die Fotobox,

eine „LSD-Maschine“, zwei Fotoausstellungen, geheime Führungen, eine Live-Lichtund

Wasserinstallation … Das Märchen von der Party im Wunderland wird wahr.

curt präsentiert // 10 Jahre lunastrom in der Schlafwagenfabrik in Neuaubing. Sichert euch das

3-Tages-Ticket für 30 Euro auf lunaland.org // Wir verlosen 2x2 Gästelistenplätze auf curt.de


48 curt // PRäSENTIERT


50 curt // MUSIK

eX oder SChwaNz

aUfN tISCh!

DIE JäGERMEISTER WIRTSHAUS TOUR

Nach Gastspielen im Norden und Osten

Deutschlands macht die Jägermeister

Wirtshaus Tour nun auch im Süden halt.

Am 16. Juni steigt im Augustiner Keller

mit zEDD, Tua und I Heart Sharks

eine Partynacht, bei der ehrlich ertanzter

Schweiß von der Decke tropft.

Kneipenspiele, Dartduelle und Kickerturniere

– wenn der Stammtisch zum

Tanztisch wird, prostet curt in alle Himmelsrichtungen.

Wer mit uns bei Kräuterlikör

zu einer explosiven Mischung

aus Dubstep, Elektro-Rap und Indietronic

abzappeln möchte, sollte sich

gleich für die Gästeliste anmelden:

das-wirtshaus.de // Zutritt ab 18.

Bevor das Berliner Indie-Trio I Heart

Sharks in die bayerische Landeshauptstadt

einreisen darf, haben wir die

Jungs auf Herz und Nieren geprüft.

INTERVIEW: SANJA JOKIC

Hock di hera, dann samma mehra.

Was erwartet einen beim Ausruf „Spezis, oane Runde Schafkopf?“

Ein spannendes Kartenspiel zu viert

Eine leckere Mahlzeit aus zartem Schafkopffleisch mit Knödeln

Eine wilde Jagd auf bayerische Schafe, bei dem es Ziel ist, die Köpfe der Schafe aneinanderzuschlagen

Wie hält man eine Maß?

Heiße Dirndl im Anmarsch: Wo ist die Schürze bei Singles gebunden?

links vorne

rechts vorn

hinten mittig

Welche Gewürze sind typisch bei der Verfeinerung von Obazda?

Paprika, Zwiebeln, Kümmel

Biernoagerl (Bierreste), Zimt, Apfelessig

Chili, Majoran, Safran

Rüscherl, Schnitt, Spitze. Was davon ist kein Alkohol?

Es ist 16 Uhr, zeit für eine bayerische Brotzeit. Bei welcher der folgenden

Spezialitäten wird man um die Uhrzeit von der Bedienung belächelt?

Obazda

Breze

Weißwurst

Romadur

I Heart Sharks

Was bestellt man als Feierabendbier?

Helles

Pils

Muss ja nicht immer Bier sein ...

Was ist was?

Boahaxad

Oachkatzschwoaf

Fotzenspangler

Schnacksln

Was erwartet einen am Wahrscheinlichsten in einem traditionellen Wirtshaus?

Live-Stubnmusi! Kleine Besetzung, ruhige, saiteninstrumentlastige Volksmusik

Ein kräftiges Blasorchester mit dicken Männern in Tracht

Oktoberfest-Hits zum Mitgrölen

I Heart Sharks natürlich

zeichne die bayerische Flagge!

IM GESPRäCH // curt 51

Samstag, 16. Juni

Augustiner Keller

das-wirtshaus.de

Zutritt ab 18


52 curt // STELLT VOR

Kafe KUlt

MORE THAN MUSIC

VERONICA BURNUTHIAN

Die Verfasserin dieses Artikels,

Veronica Burnuthian, engagiert

sich seit zwei Jahren im Kafe

Kult im Bürgerpark Oberföhring.

Im Rahmen des DIY-Konzeptes

hat die Belgierin das Projekt, die

Musik und Leute lieben gelernt.

In ihrem Text über die „Baracke“,

wie sie den Laden bezeichnet,

erzählt sie uns,warum.

Auf dem Gelände des Bürgerparks in Oberföhring befinden sich mehrere

Baracken, die nach dem zweiten Weltkrieg das Städtische Krankenhaus

Oberföhring beherbergten. Nach Auszug des Krankenhauses

1984 wurden die leer stehenden Häuser von unterschiedlichen kulturellen

Vereinen genutzt. So auch die Kulturstation, die von der Jugendorganisation

des Kreisjugendrings in einem dieser Gebäude gegründet

wurde. Ende 1995 musste der Laden aus Sicherheitsgründen dichtmachen,

aber ein paar engagierte Leute, die bis dahin die Sonntagsveranstaltung

„Kafe Kult“ organisierten, übernahmen die Station und

eröffneten nach der Renovierung 1999 das Kafe Kult, so wir wir es jetzt

kennen. TEXT: VERONICA BURNUTHIAN // FOTOS: TOBIAS KÜHN, SEBASTIAN BOTZLER

Der Veranstaltungsort wird oft in die Schublade Hardcore-Punk-Laden gesteckt –

nicht ganz zu Unrecht, schließlich hatten Notwist dort ihre ersten Konzerte

und auch Green Day oder Jawbreaker waren dort mal am Start. Was aber das

Kafe Kult hauptsächlich ausmacht, ist das DIy-Konzept – Do It yourself –, das

in den 70er-Jahren als Bewegung in der USA mit Bands wie Black Flag seinen

Anfang nahm. DIy steht für persönliches Engagement, in diesem Fall in einer

unabhängigen Musikszene, die alles selber macht: selber Musik aufnehmen,

Platten-covers gestalten, Konzerte und Touren buchen. Die Bewegung bezieht

sich auch auf Kunst und Handwerk und steht in direkter Opposition zur heutigen

Indus-trialisierung und Massenproduktion.

Ich habe das Kafe Kult dank der Stoner-Rocker Colour Haze kennengelernt.

Durch das Interesse an Musik und dem Konzept des Ladens bin ich schnell

Stammgast geworden – mit meinem ersten Musikprojekt bin ich dort sogar

schon selbst auf der Bühne gestanden. Seit zwei Jahren engagiere ich mich

in dem Kollektiv, das aus ca. zwölf Leuten besteht. Neue Mitglieder stammen

meist aus dem Kreis der Stammgäste. Einige Leute sind auch bei anderen kreativen

Projekten dabei: So ist etwa Tobias Kühn, aka eartrumpet, als Fotograf

aktiv, Michl Krenner war Besitzer des Kopfeck und kümmert sich jetzt hauptsächlich

um sein Punklabel Taken By Surprise Records, Constantin John spielt

bei der Münchner Postpunk-Band We Fade To Grey und gründete außerdem

mit Anne und Nül aus dem Kollektiv den monatlichen veganen Brunch „Katerwerkstatt“

in der Glocke. Ich selbst spiele in verschiedenen Bandprojekten, u.

a. bei Tasty Tea, zusammen mit Grafikdesigner und Siebdruckkünstler Clemens

vom Kafe Kult.

Seit acht Jahren findet einmal jährlich im Winter das Kafe Kunst Fest statt:

DIy-Künstler, Designer und Musiker aus München und Umgebung treffen sich,

stellen Bilder aus, bieten Workshops an, führen Performances auf ... außerdem

gibt es einen Craft-Market-Verkauf und Stände mit Plattenraritäten. Das ganze

Gebäude wird mit Arts and Crafts bespielt.

Im Sommer bietet die Kulturstation ein Musikfestival. Dieses Jahr ist es das

None Of The Above Festival am 14. Juli. Als Headliner spielen Les Trucs, eine

experimentelle 8-Bit-Punkband aus Frankfurt, und die Elektro-Clash-Augsburger

von Sputnik Booster. Mit dabei sind außerdem Trainwreck, eine der

populärsten Bands in der deutschen DIy-Hardcore-Szene, sowie Dulac, Nihil

Baxter und Dismembers. Auf dem Programm steht auch, wie jedes Jahr, leckeres

veganes Essen und Kuchen von der Katerwerkstatt, dem veganen Komitee

des Kafe Kults.

„More than music“ ist das Motto, das von der globalen DIy Community

gepflegt wird. Und so sind mitunter die interessantesten und spannendsten

Momente einer Veranstaltung das Before- und After-Konzert. Man sitzt mit

den Bands zusammen, trinkt und isst gemeinsam, unterhält sich. Und das

genau ist es, was im Kafe Kult am meisten Spaß macht. Where your heart is

happy and your soul finds rest.

None Of The Above Festival // 14. Juli // Kafe Kult // Oberföhringer Str. 156 // kafekult.de


54 curt // STELLT VOR

KUNSt Statt paSta

MAZAL CON CARNE

KUNST AUF PAPPKARTON // „FROSCHTEIL“ – KOMPLETTAUFBAU LINKS NACH RECHTS

An alle Kunstkonsumenten und die, die es werden möchten: Es gibt

einen neuen Farbklecks am Comic-Himmel! Die verrücktheitsgesegneten

Münchner Lion Fleischmann (25) und Matze Mross (26). Sie tauschen

nicht nur bunte Inspirationen aus, sondern auch Pappkartons und verwandeln

sie auf wundersame Weise in Kunst – in Kunst für junges Volk,

strotzend vor Hunger auf Fantasie und Wahnsinn.

Als Absolventen der „Freien Kunstwerkstatt München“ stehen beide auf dem

Sprungbrett zur Selbstständigkeit und arbeiten an ihrem Projekt „Mazal con

Carne“. curt wurde in den Ideenpott der Comic-Helden eingeladen.

Mazal con Carne – klingt wie ein Pastagericht. Helft uns auf die Sprünge!

MATZE: Kennt ihr noch das Umklappspiel aus dem Kindergarten? Wo der bärtige

Kerl ein Rüschenkleid trägt. Wir haben das aus Langeweile mal mit einem

Einkaufszettel gespielt. So entstand die Idee, das Ganze überdimensional groß

zu machen.

LION: Die oberste Regel ist: Es gibt keine Regeln. Techniken, Stile und Farben vermischen

sich wie tausend Gewürze. Die Kartons sind wie eine Wundertüte – man

hat keine Ahnung, was kommt.

Wie kam es zu eurer zusammenarbeit?

MATZE: Wir hatten einfach unendlich Bock. Man motiviert sich gegenseitig.

Wenn der eine was Dickes macht, hat der andere den Ehrgeiz, noch einen

draufzulegen! Es ist auch ein bisschen Competition.

LION: Aber insgeheim sind wir Fans voneinander. Außerdem ist man selbst so

neugierig, dass man sich gegenseitig immer wieder Arschtritte verpasst. Zu zweit

schaffe ich in einer Nacht mehr als alleine in drei. Das Projekt ist also die beste

Medizin gegen Faulheit.

Wo liegen die Herausforderungen bei Kunst auf Kartons?

MATZE: Die größte ist, die Kartons von A nach B zu bringen. Regen ist der größte

Feind! Ich weiß nicht, wie viele Meter Frischhaltefolie, Tape und Plastik schon

draufgehen mussten!

LION: Die Leute schauen dich an wie einen Außerirdischen, wenn in der Früh

nach einer kunstdurchzechten Nacht mit bunten Pappkartons, verschmierten

Fingern und Augenringen am Bahnsteig stehst.

Eure Botschaft an die Münchner Kunstszene?

LION: Da geht noch mehr! Die Stadt braucht Farbe! Die Stadtverwaltung sieht in

Graffiti und Straßenkunst zwar noch immer ein Fauxpas, aber lasst euch davon

nicht einschüchtern und malt verdammt noch mal, liebe Leute!

MATZE: Jedem ambitionierten Künstler, der Kunst macht, weils einfach in ihm

drin steckt und weil er den Shit aus Liebe macht, dem wünsche ich viel Erfolg!

All den Szeneschnöseln, die aus Imagegründen auf Vernissagen rumhängen,

möchte ich dafür danken, dass sie mich jedes Mal aufs Neue mit ihren komischen

Brillen und kuriosen Schnurrbärten belustigen.

Was kommt als Nächstes?

MATZE: Viele Ausstellungen! Dabei sind ein kleines Kunst- und Musikfestival

im Feierwerk und eine Vernissage in einem alten Freisinger Gefängnis. Details

folgen und sind momentan noch ein Geheimnis ...

LION: Unser Künstlerkollektiv wird erweitert. Wir gründen demnächst eine WG

oder besser gesagt ein gemeinschaftliches Atelier mit unserem Freund und

Kollegen (DOUBLEyOU), was nur produktiv werden kann. Alles, was noch fehlt,

ist die Wohnung! Und die zu finden, ist in München echt Wucher!

TEXT: CARINA NEUMANN, FOTO: MAZAL CON CARNE

Neugierig geworden? Alle Infos gibts auf Facebook. Unter „Mazal con Carne“ bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack auf die Bildergalerie. Aber gegessen wird auf der Vernissage!


56 curt // STELLT VOR

meNSa battle

DIE ESSBARMACHUNG DER POPKULTUR

Zwei Studenten, zwei Städte, eine brennende

Frage: Wer hat die geilere Mensa?

Auf der Suche nach Antworten schickten

sich zwei immatrikulierte Freunde –

der eine im kosmopolitischen Berlin, der

andere im beschaulichen Saarbrücken –

Handyfotos ihrer täglichen Mensaessen.

Und weil Schnitzel und Pommes zwar

lecker sind, aber selten sexy, pimpten sie

das Aufgetischte noch ein bisschen.

Man könnte auch sagen: interpretierten

es neu. Raubeinige Reiberdatschi morphen

zur knuffigen Pokémon-Figur, unschuldige

Hähnchenschlegel auf Reis

mutieren zum fiesen Kannibalen, ein

anonymes Würstchen darf Sascha Lobo

verkörpern.

Was als Spaßchallenge zwischen zwei

Studis begann, ist inzwischen zu einem

ständig wachsenden Online-Kreativitätsschaukasten

geworden, mit 2.600 Fans

auf Facebook und 60 Twitterfollowers.

Exklusiv für curt hat Maurice Etoile, die

saarländische Hälfte der MensaBattle-

Gründer, ein sommerliches Obstantlitz

kreiert. Hier die schicksten Werke aus der

MensaBattle-Community. TEXT: JULIA FELL

mensabattle.tumblr.com


58 curt // STELLT VOR

rag*treaSUre

DO-IT-TOGETHER

Von der Arbeit im Kafe Kult und der Do-It-

Yourself-Philosophie inspiriert, rief die Modemacherin

und Künstlerin Stephanie Müller

Anfang 2004 das Textilkunstprojekt rag*

treasure ins Leben – ein offenes Netzwerk-

Kollektiv mit ihr als festem Herzstück. Die

gebürtige Rosenheimerin versuchte sich mit

ihrem Projekt zunächst an Mode, Handarbeit

und Kunst, alles noch lange vor dem großen

Crafting Fieber. 2006 kam auch Musik dazu.

zusammen mit Laura Theis gründete Stephanie

Müller die Anti-Folk-Band Beißpony.

Die Arbeit im Gruppenkontext hat im Laufe der

Zeit sukzessive an Bedeutung gewonnen. Gemeinsam

mit „Kommando Agnes Richter“ ist Stephanie

Müller in Aktionen involviert, die im öffentlichen

Raum stattfinden. Im Zuge von kollektiven Ausstellungsprojekten

wie dem „Aufstand der textilen

Zeichen“ (2009), „The Needle And The Damage

Done“ (2010) und dem „Textilen Unbehagen“

(2011) ist das Netzwerk Stück für Stück gewachsen.

Bei ihrem aktuellen Projekt „The Fabric“ bringen

sich mittlerweile mehr als 70 Beteiligte ein.

Für curt gestalteten der sympathische Tausendsassa

und seine Crew das Cover und all die anderen

zuckersüßen Stickereien dieser Ausgabe in

mühevoller Handarbeit. Zwischenzeitlich warfen

wir mal einen neugierigen Blick in die rag*treasure

Kreativoase in der Sommerstraße. Hübsch ist es

da. TEXT: MELANIE CASTILLO // FOTOS: FLORIAN BETZ

STEPHANIE MüLLER

Was ist das Besondere an rag*treasure?

STEPHANIE: Mich hat es schon immer gereizt, aus festen, starren Strukturen, auszubrechen. Deshalb

liegt mir ein prozessorientierter Ansatz beim Gestalten von Kleidung sehr am Herzen. Schnitte

zeichnen oder perfekte Nähte setzen habe ich nie gelernt. Und ich sehe in meiner nicht vorhandenen

Design- und Kunstausbildung auch gar keinen Nachteil – ganz im Gegenteil! Bei mir steht nicht

lehrbuchgetreues Handwerk im Vordergrund, sondern die Idee, das Ausprobieren, das Scheitern und

das daraus Lernen. Mir bereitet es im Sinne eines Do-It-Together Freude, Wissen auszutauschen oder

einfach nur weiterzugeben, um anschließend auf einer neuen Ebene gemeinsam an einem Projekt

weiterarbeiten zu können.

Wer ist alles in dem Kollektiv dabei?

STEPHANIE: Dazu gehören Klaus Dietl, Fabian Zweck und Florian Betz. Klaus kommt aus der Malerei

und zeichnet Comics. Mit ihm teile ich mir die Werkstatt. Fabian, der als Tontechniker viel mit Soundkunst

experimentiert, hat für Beißpony ein ganzes Album aufgenommen. Florian greift uns hinter den

Kulissen ganz stark unter die Arme, beim Dokumentieren von Aktionen, beim Aufbereiten von Zines

mit Infos und Anregungen rund um unsere Projekte. Und dann gibt es viele Freunde und Einrichtungen

wie „Die Färberei“, die uns seit unserer ersten gemeinsamen Ausstellungsaktion den Rücken

freihalten. Im Kollektiv treffen wir immer wieder auf andere Gruppen, mit denen wir gemeinsam arbeiten:

die Nähgruppe „Faden-Lauf“, ein Qualifizierungsprojekt für jugendliche Flüchtlinge, oder

auch „abArt“, eine Performance-Gruppe von Menschen mit und ohne Behinderungen.

Kaufst du dir überhaupt noch Klamotten oder nähst, strickst, bastelst du dir alles selbst?

STEPHANIE: Richtig zeitaufwendig ist es, Unterhosen zu nähen. Die kaufe ich mir ganz oft aus Bequemlichkeit.

Ansonsten nähe ich mir sehr viel selbst, hole Ausrangiertes vom Flohmarkt. Ich tausche

auch gerne mit anderen, die tolle Klamotten nähen, und leiste mir in großen Abständen auch mal

ein Unikat.

Wo hältst du dich im Sommer in München am liebsten auf?

STEPHANIE: Ich mag den schattigen, alten nördlichen Friedhof im Univiertel. Wenn es draußen richtig

heiß ist, gehe ich auch gerne mal in kühle, menschenleere Museen. Und weil ich nicht am Meer

KLAUS DIETL

lebe, es allerdings sehr gerne täte, suche ich händeringend Orte auf, die mich zumindest an kaltes

Wir bedanken uns noch mal ganz herzlich bei rag*treasure für

Wasser erinnern, z. B. den Eisbach. Und alles, was nicht fern vom Steckerleis ist, ist mir im Sommer

die Covergestaltung dieser Ausgabe, die mit etlichen Nacht-

grundsätzlich sympathisch.

schichten verbunden war, und wünschen dem Kollektiv weiterhin

viel Kreativität und Herzblut.

ragtreasure.de // Aktuelles Projekt: „The Fabric“ // 15. bis 28. Juni im MaximiliansForum // thefabricmunich.wordpress.com


60 curt // MüNCHNER DETAILS

mama afrIKa

AUF TINTENFISCH UND TULPEN

Jeder Münchner kennt Mama Afrika. Und wer noch nicht in den Genuss ihrer „Erziehung“ kam, der sollte noch

heute mit einem Sixpack Bier die Abendsonne am Gärtnerplatz genießen. curt war einen Nachmittag mit der

kultigsten Pfandflaschensammlerin Münchens unterwegs. TEXT UND FOTOS: PATRICIA BREU

Bevor es losgeht, muss Mama Afrika sich jedoch noch mal so richtig stärken. Bei Fisch Witte am Viktualienmarkt lassen

wir uns neben einem einsamen Herrn nieder, der dann schnell das Weite sucht. Ganze Tintenfische mit Birnensaftschorle

müssen es sein, denn Mama Afrika isst und kocht gerne. Besonders für ihre Friseurin, die ihr im Gegenzug die langen blonden

Haare kämmt, die jedoch meistens unter einem bunten Kopftuch verborgen bleiben.

Das Gericht ist nicht scharf genug und Mama Afrika fordert Chili-Öl. Nach gefühlten fünf Sekunden ruft sie ungeduldig

ein zweites Mal in die Küche. Die Kellnerin findet das weniger witzig. Und auch die Schickeria am Nebentisch unterbricht

ihre Unterhaltung für einen missbilligenden Blick. „Wenn ich etwas will, dann kann ich das doch sagen, oder?“, stellt

Mama Afrika richtig und isst genüsslich weiter. Vom Brot lässt sie aber die Finger, zu viele Kohlenhydrate, sie muss unbedingt

abnehmen. Bis zur Nachspeise ist das Geheimnis ihrer Biografie gelüftet: Ihr echter Name lautet Cornelia und sie ist

53 Jahre alt. In den 20 Jahren, die sie bereits in München lebt, hat sich irgendwann ihr Spitzname durchgesetzt. Wegen der

Kleidung und ihrem Stammplatz bei den Trommlern im Englischen Garten. Bayerischen Dialekt hat sie sich nicht zugelegt,

ihren thüringischen Ursprung vermutet man aber auch nicht. Sie wohnt noch immer in der gleichen Wohnung. Damals mit

einem Schrank und zwei Betten, heute vom Keller bis zum Speicher randvoll mit Dingen. „Ich bin eben eine Künstlerin!“

Ihren Lebensunterhalt stemmt Mama Afrika durch Unterstützung vom Amt und Arbeitsstunden in einem Altenheim. Das

Flaschensammeln ist nur Hobby, um unterwegs zu sein. Das wird ihr jedoch gerade zum Verhängnis: Der Vermieter stört

sich am randvollen Flaschenwagen und hat mit Rauswurf gedroht. „Das ist doch ein Scheiß!“

Das Dessert ist alle, weiter zum Gärtnerplatz. Mama Afrika steht zwischen den Blumen, weil die Farben so gut zum Outfit

passen – als sie plötzlich ins Beet fällt. Der Nachtisch war wohl doch zu schwer. Sie lässt sich nicht aufhelfen, schreit: „Mach

Fotos!“ Zurück auf der Bank weist sie mich in die große Kunst des Flaschensammelns ein: „Die Leute haben doch alle kein

Bewusstsein, deshalb müssen sie erzogen werden.“ Durch scharfe Beobachtung der Biertrinker werden grobe Verstöße

gegen die Sozialität, wie Flaschen in Mülleimer werfen oder Noagerl nicht ausleeren, sofort per mündlicher Verwarnung

geahndet. Wiederholungstäter müssen mit ansteigender Stimmlautstärke von ihrer Asozialität überzeugt werden. Herrenlose

Flaschen, die nur zum Schein direkt neben Personen stehen, müssen mit einer diskreten, aber zackigen Handbewegung

an sich genommen werden. Ok, ich bin bereit für die Biersaison!


62 curt // ICH BIN DER PICKNICKER

FOTOSTRECKE: CHRISTIAN VOGEL

IDEE UND UMSETZUNG: ANDREEA HULA // Aloha und Mahalo an Das Tropenhaus für den Support. Alle Produkte sind unter das-tropenhaus.de erhältlich.

hawaII

PICKNICK

IDEE UND UMSETZUNG: MICHAEL DENGLER // Hauptsache schwarz

gothIC

PICKNICK


64 curt // ICH BIN DER PICKNICKER

IDEE UND UMSETZUNG: PETRA KIRZENBERGER // Exil-Austrianer-Anti-Heimweh-Jause. Danke an Ilse von Steiermarkt.de fürs Bereitstellen der Käferbohnen

öSI

PICKNICK

IDEE UND UMSETZUNG: CARINA NEUMANN // Fress-Flash im Morgengrauen

aSSI

PICKNICK


66 curt // ICH BIN DER PICKNICKER

IDEE UND UMSETZUNG: CHRISTIAN GRETZ // Nach-Spiel-Zeit

fUSSball

PICKNICK

IDEE UND UMSETZUNG: PETRA KIRZENBERGER // Hast Du 'n Hunni? – Nö, nur 'n Zwanni. – Egal. Den kann man ja auch rollen.

yUppIe

PICKNICK


68 curt // SELBSTVERSUCH

oh, dU SChöNe

SCHWEISSFREIE WELT!

Der Schweißreduktions-Selbstversuch von Michael Denger.

Fotos: Felix Wichert

10. April 2012 // 25 Personen diskutieren wohlwol-

lend bei der Redaktionssitzung über die neue Ausgabe.

Ich mittendrin. Am produktivsten bin ich beim

Leeren der Biere. Im beschwipsten Zwischenraum

meiner Ohren schnappe ich den Begriff „Schweiß“

auf. „Mach ich“, höre ich mich prahlen.

15. April 2012 // Ob ich das denn jetzt wirklich

machen wolle, hakt die Redaktionsleitung nach, so

mit Botox in die Achsel spritzen und so. „ähm ...

also, ehrlich gesagt ... wie jetzt genau?“ Ich merke,

wie sich dicke Schweißperlen auf meiner Stirn

ansammeln. Wie komme ich bloß aus der Nummer

wieder raus? „Michl, du schwitzt wie ein Schwein.“

Danke, ich mag dich auch, Mel. Aber vielleicht leide

ich ja wirklich unter Hyperhidrose? Als eingefleischter

Hypochonder bin ich sofort überzeugt: Ich brauche

sofort diese verdammte Schweißreduktion!

4. Mai 2012 // Nach meinen 14 Anfragen an Schönheitskliniken,

wer mir denn nun freundlicherweise

die Achsel verbotoxieren möchte, entscheide ich

mich für Frau Dr. med. Marianne Wolters. Sie klingt

nett. Bei ihr wird alles wieder gut werden.

7. Mai 2012 // „Es sind ja nur ein paar Piekser“,

versuche ich mich das ganze Wochenende zu beruhigen.

Meine ärztin ruft an, um mir den Termin zu

bestätigen. Sie fragt mich scherzhaft, ob ich denn

Angst vor Spritzen habe. „Sind sehr dünn und auch

nur 10–12 Stück.“ Schluck. Das wird ein Riesenspaß.

8. Mai 2012 // Ich wache auf und bin leicht verschnupft.

Ist das ein Zeichen? Will mein Körper krank werden, um

sich vor noch größeren Qualen zu schützen? Mein T-Shirt

wird unter den Armen warm und feucht. Angstschweiß?

Werde ich nach der Behandlung noch Angstschweiß

haben? Hab ich eventuell danach auch gar keine Angst

mehr vor irgendwas?

9. Mai 2012 // Tag der Wahrheit. Mein Kumpel Felix und

gleichzeitig Fotograf des heutigen Tages begleitet mich.

„Na, aufgeregt?“ Mir läuft schon wieder der Schweiß

wie blöd runter, aber ich rudere cool mit den Armen und

erwidere lässig: „Ach, was soll schon passieren?“ Wir

kommen in die Praxis und mich lächeln zwei sehr sympathisch

aussehende Empfangsdamen an. Hat sich also doch

gelohnt. Wir werden in die Lounge gebracht. Bei meinem

Arzt heißt das zwar Wartezimmer, da hängt allerdings

auch kein Flatscreen an der Wand. Die Frau Doktor ist sehr

freundlich und zuvorkommend. Meine Nervosität überspiele

ich leicht mit gekonnt gestellten Fragen und lasse

mir alles erklären. Zum Beispiel, dass man mit einem Löffel

Wurstgift, so bezeichnet man Botox in Kennerkreisen, den

kompletten Bodensee vergiften könnte. Und dass Botox

eigentlich mal gegen das Schielen der Augen verwendet

wurde. Jährlich sterben ca. eine halbe Million Mäuse an

Tierversuchen mit Botox. Schöne Voraussetzungen.

Ich liege auf einer Art Zahnarztstuhl, während sich die

ärztin und der Fotograf überlegen, welche Achsel heute

behandelt wird. Vor meinem inneren Auge sehe ich mich

als Ausstellungsstück von Gunther von Hagens.

Erst wird eine Jodlösung auf die Haut geschmiert und

mit Stärke bedeckt. „Nach einigen Minuten kann man so

erkennen, wo sich die meisten Schweißdrüsen befinden“,

höre ich. Dann wird meine Achsel mit Edding in eine Art

Schiffe-versenken-Spielfeld verwandelt. Die Spritze wird

aufgezogen, ich versuche, in mich zu gehen, um mich

von dem Gedanken der zu erwartenden Schmerzen zu

befreien. Die Zeit wird immer langsamer. So langsam, dass

ich frage, wann es denn eigentlich losgeht. „Die ersten

fünf Felder sind schon fertig.“ Wie jetzt?! Noch nichts

gespürt und schon ein Viertel Leid hinter mich gebracht?

Die nächsten zehn Felder fühlen sich an, als würde es sich

eine fette Mücke auf meiner Haut fröhlich schmecken

lassen. Aber dafür habe ich mir so einen Terror gemacht?

Nach 10 Minuten ist alles vorbei.

16. Mai 2012 // Zugegeben, das große Spektakel ist es

nicht geworden, aber seit gestern hat meine linke Achsel

tatsächlich das Schwitzen aufgehört. Ich muss sagen,

bei den Sommertemperaturen ist es extrem angenehm,

keine nassen T-Shirts mehr zu haben. Empfehlen würde

ich es jedem, der gerade 500 Euro rumfliegen hat, auch

wenn ich mich im Moment mit nur einer behandelten

Achsel wie ein halbseitiger Bettnässer fühle. Aber in zwei

Wochen kommt ja noch die rechte dran. Was tut man

nicht alles für die Kunst.

Vielen Dank an Frau Dr. med. Marianne Wolters aus der

Gemeinschaftspraxis Prof. Feller und Prof. Heitmann für

ästhetisch plastische Chirurgie // Maximilianstraße 38/40

feller-heitmann.de

DR. MED. MARIANNE WOLTERS


70 curt // KAMASUTRA, BABy!

KamaSUtra, BABy!

IM GESPRäCH // curt 71

dIe KletterpflaNze


72 curt // KAMASUTRA, BABy!

zIKade aUf eINem aSt

dIe zaNge


74 curt // KAMASUTRA, BABy!

zIege UNd baUm

der hImmelSflUSS

FOTOSTRECKE: CHRISTIAN VOGEL // MODELS: MAXI SCHELLER UND FELIX MÜLLER // DANKE AN fuckuall // FUCKUALL.DE


76 curt // WASCHDL GRANTNOCKERL

WAschdls

grAntnockerl

Weil München nicht München wäre

ohne eine ordentliche Portion Grant,

lässt curt Redakteur Sebastian Klug

(bayerisch: „Waschdl“) an dieser Stelle

in jeder Ausgabe einmal so richtig

den Grantler raus und zeigt auf, was

schief läuft in der Landeshauptstadt.

daS höllISChe paradIeS

DER GRILLKOHLENKOSAKEN

Scho schee do. Wenn die Sonne scheint, ohne herunter-zubrennen, die Bienen am

Viktualienmarkt um die Maßkrüge surren, aus denen Herren im Anzug wochentags

ihre mittägliche Radlermaß gemeinsam mit den Touristen aus aller Welt und den Freiberuflern

aus der Werbe- und Medienbranche trinken, und die Hunde der Freiberufler

sich anschließend in den eiskalten Fluten der Isar erfrischen – dann wirkt die ganze

Stadt wie ein einziger Urlaubstraum, eine zum Leben erweckte Brauereianzeige, ein

Vergnügungspark mit Weißbierrutsche und Breznkarussell.

Doch leider folgt unerbittlich – Woche für Woche – auf das Paradies die Hölle: das

Wochenende. Denn sobald der Freitagnachmittag sich auch nur andeutet, beschließt

München, sich mit aller Gewalt zu erholen, ohne Rücksicht auf Stil, Gemütlichkeit und

sonstige Verluste.

Erholung bedeutet ja ursprünglich, dass man sich in kurzer Zeit das zurückholt, was

einem im unsäglich langen Alltag von Mitbürgern, Kollegen, Miteinkäufern beim Aldi,

Busfahrern und anderen Deppen gestohlen wird: Ruhe, Gelassenheit, Freiheit und ein

gesundes Gefühl für sich selbst und die Welt um einen herum. Weil aber niemand sein

schönes München verlassen will, in dem er ja für seine viel zu kleine Wohnung Monat

für Monat viel zu viel Geld hinblättert, wird die Erholung selbst durch ihren schlimmsten

Widersacher verunmöglicht: die Naherholung. Deren ärgste Form: das Isargrillen.

Das Etablieren eventartiger Pseudo-Traditionen ist eine ganz und gar unmünchnerische

Unangewohnheit, die nur darauf beruht, dass die meisten dieser Trendmünchner nicht

ansatzweise aus Bayern kommen: Grillkohlenkosaken und andere

Pilsmixpreißn, die bereits im April mit einem winzigen Kugelgrill zum

„gemütlichen Angrillen“ am Flaucher einladen und jedem, der den

Flaucher nicht kennt, diesen als „Oase in der Großstadt“ anpreisen,

obwohl sie eigentlich die Hölle der Preißn mitten im Himmel der

Bayern beschreiben. Ein für alle Mal: Ein echter Münchner zelebriert

den Sommer nicht mit Veranstaltungen, sondern ausschließlich mit

seinem Wesen – er setzt sich in den Biergarten und schaut, wer so

kommt. Und wenn’s dann zu viele sind, lässt er auch gerne mal die

Laune sinken.

Weil aber eben nicht jeder Münchner ein Münchner ist, liegt ab Mitte

April ein Nebel im Isartal, wie man ihn nicht einmal in London kennt.

Ab der Brudermühlbrücke ist jeder Quadratzentimeter entweder mit

einem Grillmeister, einem Grillgast oder einem Grill gepflastert. Es

dröhnt aus zahllosen Mobiltelefonen, Kofferradios und den Kehlen

ewig stimmbruchunwilliger Segelschuhträger, die darüber krakeelen,

dass sie sich ihr blassrosa Hillfiger-Leibchen schon wieder mit Cocktailsauce

vollgesaut haben. Gemütlichkeit schaut anders aus.

„Ein Paradies ist immer dann, wenn einer da ist, der wo aufpasst,

dass keiner reinkommt“, hat Gerhard Polt einst konstatiert. Dieser

eine fehlt leider in München. Bleibt nur zu hoffen, dass der Winter

bald kommt. TEXT: SEBASTIAN KLUG // ILLU: MELANIE CASTILLO


78 curt // UNTERWEGS

bezIehUNgSpaUSe mIt müNCheN

DER SOMMER IM LANDKREIS STARNBERG

Sta auf den Kennzeichen der vielen Luxuskarossen

steht nicht nur für Promivillen, Gartenpartys

und schicke Yachten – die drei Buchstaben

stehen auch für eines der am stärksten frequentierten

Urlaubs- und Erholungsziele Deutschlands:

das 5-Seen-Land.

curt Autorin Nurin kehrt diesen Sommer Flaucher

und Co. den Rücken und legt mit München eine Art

Beziehungspause ein. Nicht, weil unsere Stadt ihr

nicht taugt, sondern um ihr neuen Schwung zu verleihen.

In welchen Gewässern sie die kommenden

Monate umherschifft, verrät Nurin euch hier.

IM GESPRäCH // curt 79

„4 Seen und eine Pfütze“ würden die meisten das 5-Seen-Land beschreiben. Drum fangen wir unsere Tour

mit der Pfütze an, denn da ist schnell alles gesehen und dementsprechend schnell geht’s weiter. Komisch nur,

dass ich mich hier am längsten aufgehalten habe.

Der Weßlinger See ist ein Loch. Genauer gesagt ein Toteisloch. Entstanden durch ein abtrünniges Stück Eis

des Gletschers, der auch für die Entstehung der anderen vier Seen verantwortlich ist. Abtrünnig, damals wie

auch scheinbar heute, denn wenn es heißt „Lass mal baden gehen nach Weßling“, wird man mit dezent

verächtlichen Blicken und einem müden Lächeln gestraft. Davon wollen die badefreudigen Anwohner natürlich

nichts wissen. Immerhin gibt es eine zentral gelegene Sauerstoffpumpe, die den See vorm Kippen und

jegliches Getier vorm Verrecken bewahren soll. Das Wasser ähnelt zwar dennoch eher einer trüben Brühe als

einem einladenden Badeerlebnis, doch glücklicherweise ist nahezu alles subjektiv und der See definitiv einen

Besuch wert – vor allem für die, die mit einer gejoggten See-Umrundung prahlen wollen. Denn die ist hier,

je nach Tempo, in gut 7 bis 10 Minuten erledigt. Und Thomas Gottschalk hat hier auch mal gewohnt.

Weiter geht’s über die Lindauer Autobahn zum zweitgrößten See im Landkreis und dem drittgrößten in

Bayern, dem Ammersee. Zunächst aus Stegener Perspektive: Während die Münchner alle nach Herrsching

brettern – was an der S-Bahn-Station dort liegen mag und die Stegen leider nicht zu bieten hat –, gibt’s in

Stegen nicht nur prima Badespaß. Nein, hier gibt’s auch Südsee-Feeling pur in der Fischer-Strandbar/

Lounge – einem coolen Outdoor-Ding mit Palmen, Korbsesseln und lecker Caipi. Oder wer’s lieber mag: die

gestandene Mahlzeit im Biergarten nebenan. Und mit föhnigem Glück hat man von der ganzen Stegener

Spitze auch noch ein perverses See-Alpen-Panorama.

Wenn alle Welt jedoch nach Herrsching brettert, schwimm ich ganz mainstreamig und so gar nicht indie mit

dem Strom und tu‘s genauso – allerdings mit drei Zwischenstationen.

Erstens: Durch Inning und über die Landstraße 5 Minuten nach Oberndor zum Liegewiesen- und Badeparadies

am Wörthsee. Schnell ein Eis und weiter … Zweitens: Schloss Seefeld. Kino, Gastro, Kulturveranstaltungen


80 curt // UNTERWEGS

Inning

wörthsee

ammersee

pilsensee

Herrsching

weßliner See

Starnberg

Starnberger See

München

und das ein oder andere Shoppingerlebnis. Aber Letzteres dann doch eher mit etwas mehr auf der hohen

Kante. Drittens: 2 Autominuten zum Kiosk am Pilsensee. Ein Bier unter Bäumen und ab aufs Wasserklo!

Immer gut für Zwischendurch (beides).

Wörthsee und Pilsensee eigenen sich ganz nebenbei auch hervorragend für ein Campingwochenende!

Endlich angekommen im mainstreamigen, aber putzigen Herrsching, geht’s zum See runter ganz schnell,

von den Massen weg etwas zäher. Wer aber dranbleibt und am Kurparkschlösschen (auch hier gerne mal

eine Ausstellung, ein Konzert o. ä.) vorbei, weiter in Richtung Norden spaziert, wird nach einiger Zeit auch

mal Platz auf einer Bank finden und das Seepanorama ohne fünf Mann im Bild genießen können.

Durchs Kienbachtal weg vom See geht’s bergauf nach Andechs zu Brotzeit und Bier. Wo die Mönche zu

alten Zeit nicht nur Bier brauten, sondern auch selber gut zulangten, sind’s heut Stammtische mit Jung und

Alt und zur Wies’n auch mal eine australische oder italienische Horde brünftiger Kerle. Zur Belohnung fürs

anstrengende Stündchen Aufstieg gibt’s noch einen einmaligen Blick auf die Alpen. Vorausgesetzt Geradeausschauen

ist noch drin. Für die Faulen ist das Ganze natürlich auch mit dem Auto erreichbar. Die letzten

Stufen zu Kirche und Biergarten hoch bleiben jedoch keinem erspart.

Bevor es über die A95 zurück nach Minga geht, ein Halt in Starnberg, Namensgeber des Landkreises.

Um ehrlich zu sein: Hier kenne ich mich am wenigsten aus. Außer einem Tanzschulball, der Geschichte der

Hochzeit meiner Eltern, einer Führerscheinprüfung und der ein oder anderen Dampferfahrt hab ich mich

dort nicht viel rumgetrieben. Was dennoch feststeht: Der See ist toll. Südlicher, in Possenhofen, verbrachte

Kaiserin Sissi ihre Kindheit. Schicke Seegrundstücke reihen sich aneinander. Den steppenden Bären würde

man wohl länger suchen, was sich in den Ortschaften an den anderen Seen jedoch auch nicht anders verhält.

Aber man kommt ja auch zum Entspannen raus aus der pulsierenden Stadt ins schwebende Ländle.

Und wen so viel See langweilt, der brettert einfach mit lauter Musik und offenen Fenstern über die Landstraßen

der Region. Mit Seeblick. Hier und da. Nein, ganz kommt man nicht dran vorbei. Gut so.

TEXT UND FOTOS: NURIN KHALIL


82 curt // IM GESPRäCH

eIN poetISCher Sommer MIT MüNCHNER AKZENT

Ein poetischer Abend in Schwabing: Wecker liest Rilke. Ich sitze meinem Nachbarn beinah auf dem Schoß, so voll ist der Buchladen. Konstantin

Wecker kommt unspektakulär mit dem Fahrrad, leger gekleidet, 3-Tage-Bart. Er liest mit samtener Stimme eine Auswahl aus Rainer Maria Rilkes

Gedichten. Beim anschließenden Interview bestätigt sich, was ich schon immer geahnt hab: Der Typ ist ’ne echt coole Socke. Humorvoll und warmherzig

obendrein. TEXT: PETRA KIRZENBERGER // FOTO: CHRISTIAN VOGEL

„The wilder the youth, the wiser the man“ –

ist da was dran?

KONSTANTIN: Da ist auf jeden Fall was dran! Man

sollte das Leben intensiv leben. Weisheit erlangt man

durch Erfahrung. Ich rate jungen Menschen: Habt

den Mut, Außenseiter zu sein! Lasst euch nicht zu

Nachmachern erziehen, bildet euch, probiert euch

aus, entdeckt euren persönlichen Geschmack und

eure eigene Ansichten!

Die Jugend hat seit jeher die Aufgabe zu rebellieren.

Leider unterliegen wir dem Fluch einer neoliberalen

Ideologie. Man redet uns seit Langem ein: Engagement

ist nicht sexy. Konsum und Styling sind sexy.

Ich hoffe, die aktuelle politische Situation regt junge

Menschen dazu an, wieder kritischer zu werden

und nicht mit der Masse zu schwimmen.

Ist Künstler sein Privileg oder Berufung?

KONSTANTIN: Ich glaube, jeder kann Künstler sein.

Meine Gedichte schreib ich völlig aus dem Unter-

bewussten – und wunder mich oft, wo sie herkommen.

Ich freu mich, wenn’s gut ist – und schmeiß

weg, was schlecht ist. Es gibt eine Art Raum, in der

dein künstlerisches Potenzial schlummert. Die Frage

ist: Wie öffnet man die Tür zu diesem Raum? Rilke

hatte wohl einen Riesenschlüssel.

Hat denn Poesie heute zu wenig Platz?

KONSTANTIN: So gut wie keinen Platz. Das war

u.a. ein Anlass, Rilke-Gedichte mit Musik zu unterlegen.

Vielleicht gelingt es mir so, den Menschen

den Zugang zur Poesie zu erleichtern. Hierzu muss

man bereit sein, die Ratio auszuschalten. Wir versuchen

immer, alles zu kontrollieren. Heutzutage wird

einem mit 17 suggestiert, sich rentenversichern zu

lassen. Wer weiß schon, ob man die noch erlebt?

In jedem Leben lauert das Schicksal, das unter

Umständen erbarmungslos zuschlägt. Zu meiner

Zeit hat sich keiner groß um die Rente gekümmert.

Wir sind lieber nach Thailand gefahren – ohne zu

wissen, was danach kommt.

Und warum Rilke? Ist Rilke denn noch aktuell?

KONSTANTIN: Er begleitet mich schon lange – in

allen Phasen meines Lebens hatte ich Lieblingsgedichte.

Irgendwie schafft er es immer, einem das

Gefühl zu geben, dass man gemeint ist, wenn er

sagt: „Du musst dein Leben ändern.“ Rilke ist zeitlos

– immer aktuell und nie aktuell.

Wenn der Sommer nicht mehr weit ist ...

Wo zieht es dich dann hin?

KONSTANTIN: Ich werd viel auf Tour sein. Jetzt

geht’s richtig los! Wann immer ich kann, geh ich an

die Isar. Früher war ich oft an der Praterinsel – dort

bin ich aufgewachsen –, heute trifft man mich eher

im Norden an. Gestern war ich schon das erste Mal

dort baden – a bisserl frisch (12 °C!). Des is ma als

Münchner aber g’wöhnt!

hörbuch: Wecker liest Rilke

41 Gedichte, die Konstantin Wecker

rezitiert und am Klavier begleitet.


84 curt // DER WEINBRANDT RäT

müNChNer MINERALWASSER

Folgenden Kalauer schreibt er gleich in sein Buch für die Nachwelt: „Geht der weinbrandt an einem Wirtshaus vorbei …“

Schnurzpiepegal! Eine dermaßen hanebüchene Hanswurstiade perlt an ihm ab wie H O an einer Ente. Denn der sagen-

2

umwobene Weinselige ist keineswegs leicht verwundbar oder nah am feuchten Element gebaut, sondern vielmehr

mit allen Wassern gewaschen. Und gelegentlich landet auch mal ein Schluck saurer Sprudel, vom weinbrandt augenzwinkernd

als Hartz-IV-Schampus tituliert, in seinem Glas. TEXT: CHRISTOPH BRANDT

Vor etwa 10.000 Jahren – also zum Ende der letzten Eiszeit – sickerte Gletscherschmelzwasser durch das karbonatreiche Gestein der

Münchner Schotterebene. Bis zum heutigen Zeitpunkt bewahrt diese urwüchsige Schutzschicht das in 150 Meter Tiefe eingeschlossene

kostbare Nass vor Verschmutzungen. Aus jenem reinen Reservoir zapften sich bislang nur die ansässigen Traditionsbrauereien

ihren Löwenanteil ab, um damit die weltberühmten weißblauen Biere gemäß dem deutschen Reinheitsgebot herzustellen. Dann

hatten kürzlich fünf lokalpatriotische Spezl bei zahlreichen zünftigen Maß Hell im Biergarten einen ausgefuchsten Gerstensaft-

Geistesblitz und jetzt kommt mit AQUA MONACO die erste ungehopfte Version des mineralhaltigen Selters auf den Markt. Direkt

vor Ort und unter staatlicher Kontrolle abgefüllt ist es dabei in zwei Nuancen verfügbar: in Rot als nahezu stille Variante (2,4 g/l) und

in Blau mit einer erquicklichen Portion Kohlensäure (6 g/l).

Durch seine ins Auge stechende Aufmachung muss sich das natriumarme und durchaus durstlöschende AQUA MONACO keinesfalls

neben anderen alkoholischen Szenedrinks verstecken. Der Schiebepuzzle-Look wird mit jeder Abfüllung von Grafiker und Mitinitiator

Timo Thurner neu modifiziert. Auf halbernste Weise vermitteln die Etiketten mit ihren typisch münchnerischen Metaphern hiesiges

Heimat- und Lebensgefühl. Bekanntlich hält der weinbrandt es bei der Optik jedoch eher mit den weiblichen

Geschöpfen und wie jeder weiß, sollte er bei diesem verzwickten Thema den Tag niemals vor dem Abend loben.

Schließlich sind Frauen wie seine Krawatten: Er wählt sie bei schlechtem Licht aus, und danach hat er sie am Hals.

Derzeit ist AQUA MONACO in handlichen 0,33l-Longneck-Flaschen unter anderem im Hey Luigi, in der Weinbar

Goldloch oder der Robinson Kuhlmann Bar erhältlich. Eine 0,75l-Pulle soll bald folgen.

der weinbrandt rät:

AQUA MONACO – Natürliches Mineralwasser aus der Münchner Schotterebene. Weitere Infos und Bezugsquellen unter: aquamonaco.com


86 curt // IM AUSLAND

IN THE LAND OF MILK AND HONEy, hoNey!

„Please notice, it is forbidden to carry weapons in the terminal halls!“ Wie ich in den Süden wollte und

(fast) in einer Demokratie landete: Surviving 2,5 Monate Israel. REISEBERICHT UND FOTOS: MICHAELA NEUKIRCH

MASADA // JUDäISCHES GEBIRGE // 6 UHR


88 curt // IM AUSLAND

Das Flugzeug hat sich geöffnet und plumps, bin ich rausgefallen, mitten in den Nahen Osten. Mutterseelenallein. Und während mir Tränen in die Augen steigen, denke

ich: Mensch, du wirst doch jetzt nicht feige sein! Nur weil Israel den Iran angreifen will, um sich selbst und die halbe Menschheit zu retten. Rechts über mir auch noch

Syrien und links von mir ägypten – Sicherheit ist irgendwie anders.

„Wei u paasport luck leik tziz?“, raunzt der israelische Kontrollbeamte mich an. Na ja, ich habe erst kurz vor der Abreise festgestellt, dass Israel nicht zur EU gehört,

und meinen abgelaufenen Reisepass durch einen vorläufigen ersetzt. Er ist dunkelgrün und ich finde ihn eigentlich sehr schön – auch wie sich die ungestempelten

Blätter aneinanderreihen. In meinem alten reihte sich ein arabisches Land an das andere. Hätte ihm nicht gefallen. „Wei u stai long in countri? Wat do u do hier? Tel

me! U need lot money. Izrael no cheap countri.“ Ach, da ist er nicht der erste, der mir das erzählt. Der Warteraum hinter mir hat sich inzwischen mit osteuropäisch

aussehenden Frauen um die 50 Jahre gefüllt. Sie blicken abwesend vor sich in die Leere, niemand spricht. Die Klimaanlage röhrt. Der Kontrollbeamte drückt endlich

seinen Stempel in meinen Reisepass.

Als ich mich in den Zug Richtung Stadt setze, traue ich meinen Augen nicht. Die gleichen roten Wägelchen wie in Deutschland, die so wunderbar viel Platz bieten für

Mountainbikes, Kinderwagen und gestresste Reisende mit Koffern von der Größe einer Kuh. Endlich wieder Zugfahren in deutschen Doppelstockwagen! Alle Züge

nach Tel Aviv sind vollgestopft. Man könnte meinen, in Israel wohnen zehnmal so viele Menschen wie in Deutschland. Genau andersherum ist es. Und während in

Deutschland im Normalfall einer den anderen erst aussteigen lässt, bevor er einsteigt, wartet hier niemand auf andere. Alle Israelis stürmen gleichzeitig in und aus

dem Abteil. Denn wo der Israeli geht, da geht er. Wo er steht, da steht er. Wo er in sein iPhone mauschelt, da mauschelt er in sein iPhone. Das Interessante ist, dass

dabei niemand gestresst wirkt. Keine Entschuldigungen, keine milden Blicke, kein Luft-Anhalten, Bauch-Einziehen und Sich-vorbei-Quetschen. „you don’t need any

Hebrew. you learn Elbows here“, sagen die Israelis. Anstrengende Höflichkeiten, wie man sie in Deutschland tagtäglich erlebt, lässt man hier bequem weg. Das geht

so weit, dass selbst im Kaufhaus meine Umkleidekabine sofort von einer hübschen Israelin okkupiert wird, als ich sie für einen schnellen Spiegelcheck verlasse. Neben

meiner Tasche liegt nun eine weitere Tasche, neben meinen Turnschuhen ein weiteres Paar. Es riecht nach Käsefüßen. Ja, ich räume das Feld.

Kurz nach meiner Ankunft wird Israel zarte 64 Jahre jung. Zwischen Bauhaus, dem von Walter Gropius und Nazigegnern in den 30ern importierten Architekturstil,

tanzen die jungen, schönen Tel Avivim. Irgendjemand hat die Berliner Hipster genommen und zwischen die Bauhaus-Häuschen gesetzt, während eine andere unsichtbare

Kraft gerade versucht, alle Tel-Aviv-Hipster nach Berlin zu bekommen. Am Ende weiß niemand mehr, wer wer ist, weil alle dunkle Bärte und Skinny Jeans tragen.

Man nennt das Globalisierung.

Aber weg aus Berlin und rein in den Jordangraben: Unser Trip zum Toten Meer ist ein Abenteuer en miniature. Die eine Hälfte von uns hat Angst vor Skorpionen und

Schlangen, die andere vor Höhe. Ich ziehe mir nach zehn Minuten (im Auto!) eine tiefe Schnittwunde an der Fußsohle zu. Der Salzgehalt des Mittelmeeres entspricht

ungefähr vier Prozent, der des Toten Meeres ungefähr 30 Prozent. Das entspricht ungefähr 1.000 Prozent Schmerzen! „Mein Arsch brennt wie Feuer“, ruft jemand

neben mir. Auch in kleinste Schnittwunden in der Rosette spült sich die salzige Suppe hinein. Es gibt kein Entkommen. Also floate ich, Fuß über Wasser. Links von mir

befinden sich Schlammquellen und sich mit der schwarzen Mineralienmasse obsessiv einreibende Menschen, rechts von mir sehe ich das Haschemitische Königreich Jordanien

in My-little-Pony-Pastellfarben. Ich bin so relaxed, dass ich gerne einschlafen möchte, aber die Wunde an meinem Fuß hält mich wach. Mit der gleichen Wunde

laufe ich am nächsten Tag gegen fünf Uhr morgens 40 Minuten 700 scheiß-steile Stufen hoch bis in 600 Metern Höhe zur jüdischen Festung Masada, 40 v. Chr. erbaut.

CHARLES CLORE PARK // TEL AVIV-yAFO // 18 UHR

TOTES MEER // JORDANGRABEN // 18 UHR


90 curt // IM AUSLAND

Das ist doch alles total bekloppt, denke ich. Und unkoscher. Aber auch: Wenn ich schon mal hier bin … Endlich angekommen, ist der Sonnenaufgang sagenhaft

schön. Zuerst färbt sich der Horizont babyrosa, dann poppt langsam eine dicke, perfekte Tangerine über den Bergen auf und thront schließlich über dem Judäischen

Gebirge. Neben großen schwarzen Vögeln schreien auch Touristen aus aller Welt vor Begeisterung.

In Jerusalem mache ich kein einziges Foto. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass jedes Foto bereits gemacht wurde und man Gott so nicht kriegt. Die in

800 Metern Höhe gelegene Stadt taufe ich Disneyland-Jerusalem. Tausende Touristen, Basarstände in Dauerschleife, das alles in die Altstadtmauern gepfercht – eng,

stickig, nervenaufreibend. Die einen haben sich als Araber verkleidet, die anderen als Ultraorthodoxe. An der Klagemauer beobachte ich eine Frau, die minutenlang

sirenenhaft in ihre Thora weint. Sie hält das Alte Testament so nah an ihr Gesicht, dass man kaum mehr ihre Augen sieht. Worüber klagt sie wohl? Die Klassiker:

ihren Mann, die Kinder, schlechten Sex, hohe Steuern, die Schwiegermutter? Oder doch über „Politisches“? Dann legt sie plötzlich das kleine Buch weg und brüllt

abgeklärt in ihr iPhone. Eines ist klar: Ich muss hier weg. Also „spiele“ ich ein Spiel namens Sich-an-einem-der-wichtigsten-historischen-und-religiösen-Orte- der-Welteinfach-treiben-Lassen.

Leider verliere ich dieses Spiel in Disneyland-Jerusalem. Als ich mich nahe der Klagemauer durch das Dungtor hinaustreiben lasse, lande ich in

einer anderen Welt. Die Touristen werden rigoros ausgetauscht durch männliche Muslime, die vom Freitagsgebet kommen. Ich versuche, mich möglichst unauffällig

zu verhalten. Aber wie soll das funktionieren in orange-farbenem Hemd, mit sonnengebleichtem Haar und – na ja, man muss es wohl so sagen – Brüsten? Es endet

damit, dass mich ein ungefähr 14-jähriger Junge in fleckigen Hosen nach der Uhrzeit fragt („Do you know o’clock?“). 100 Meter weiter hockt er sich plötzlich unter

einen Olivenbaum und innerlich bereite ich mich auf alles vor, was noch folgen mag. Schließlich springt er mich an, aus seinem Hosenlatz lugt eine dunkelbraune Eichel

hervor: „Just five minutes! Come on! Five minutes!“ Neben uns wird gerade mal wieder etwas archäologisch Relevantes ausgegraben. über uns, in Richtung des Olivenbergs,

zünden drei Orthodoxe in dicken schwarzen Mänteln und mit dicken schwarzen Hüten auf dem Jüdischen Friedhof Kerzen an. Oh Gott, denke ich. Aber das

hilft mir nicht. Ich beschleunige meinen Schritt, da kommen schon die nächsten. Mehr Männer in fleckigen Hosen und Sandalen. Ich schaue auf den Boden, vielleicht

sehen sie mich ja nicht. Am Olivenberg taucht ein Café auf, das sich mit einem bemerkenswerten Banner als „International Meeting Point for Tourists“ ankündigt.

Aha, denke ich, besser diese Oase als keine. Auf der mit Plastikstühlen ausgestatteten Beton-Terrasse sitzen vier voll tätowierte Amerikaner, die leicht verwahrlost

wirken. Eine der Frauen hat sich auf dem Basar ein Shofar Horn gekauft und bläst hinein. Rechts die Dame hat einen Goldzahn. Jeden, der einen Zeh auf die Terrasse

setzt, fragt sie: „And where are you from?“ „This city is so annoying!“, antworte ich und der gesamte International Meeting Point for Tourists brüllt vor Lachen.

„But, this is the land of milk and honey, Honey!“, prustet der Goldzahn. Die einstündige Rückfahrt im Sammeltaxi Jerusalem–Tel Aviv verbringe ich schlafend.

Kaum eine Woche später, und obwohl ich mir geschworen habe, nie wieder zurückzukehren, bin ich wieder in der Heiligen Stadt. Es ist Donnerstag, Christi Himmelfahrt,

und in Ost-Jerusalem fährt der Heilige Geist ein. Oder sagen wir: Früh-Kölsch. Die Besitzerin des Restaurants Borderline, Frau de la Cruz aus Bonn, hat

vorerst 10.000 Flaschen importiert. Jede einzelne hat in dreitägiger Marathonarbeit ein israelisches Etikett bekommen. Es gibt den ganzen Abend Freibier und auch

diese unglaublich guten frittierten Teilchen, die ich „wie-Pommes-nur-besser“ nenne und die an einem besonders guten Tag neben Falafel, Humus, Tomaten in der

Pita landen. Bei 0,2l-Kölsch-Gläschen, die von arabischen Kellnern originalgetreu in Kränzen rausgetragen werden, schwärmen alle Anwesenden von Ramallah, der

inoffiziellen Hauptstadt der Palästinensischen Autonomiegebiete. Das Nachtleben soll hervorragend sein, die Stimmung sehr entspannt. „Wie gefällt’s dir in Israel?“,

werde ich von hier ansässigen Deutschen gefragt. Wenn ich antworte, dass ich die Heimat ein wenig vermisse, heißt es: „Wegen der Sauberkeit und Ordnung, gell?“

Und es folgt das süffisante Lächeln von Menschen, die hier aufgrund ihrer Arbeit nicht weg können. übrigens: Während ich all das hier schreibe, wird gerade mein

abgesperrtes Fahrrad aus dem Hauseingang geklaut. „Balagan!“, schreie ich, „Chaos!“, denn was bleibt mir übrig? In „Elbows“ bin ich immer noch nicht perfekt.

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