WÄHLT DAS LEBEN - Lebendige Gemeinde

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WÄHLT DAS LEBEN - Lebendige Gemeinde

2. QUARTAL JULI 2006

Information und Orientierung

WÄHLT DAS LEBEN

Christustag 2006 – Eindrücke

Wählt das Leben

Leiden für Christus

30 Tage Gebet für die islamische Welt

www.LG-ONLINE.de


AUS DEM INHALT

Wählt das Leben 4

Ulrich Parzany

Im Bild – Christustag 2006 10

Leiden für Christus 12

Paul C. Murdoch

Zukunftsperspektiven 16

Volker Teich

Ein Angebot für Ihre Gemeinde:

Die Orientierungswochen 18

Synode 21

Steffen Kern

30 Tage Gebet für

die islamische Welt 24

IMPRESSUM

HERAUSGEBER UND BEZUGSADRESSE

Ludwig-Hofacker-Vereinigung, Saalstr. 6

70825 Korntal-Münchingen

Telefon: 0711/83 46 99, Fax: 0711/8 38 80 86

Weitere Exemplare können nachbestellt werden.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

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Ludwig-Hofacker-Vereinigung.

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Wir danken allen, die durch ihre Spende die kostenlose

Verteilung dieses Blattes ermöglichen. Wir bitten um vollständige

und deutliche Angabe der Anschrift auf den

Überweisungsvordrucken, damit wir Spendenquittungen

übersenden können. Wir sind ganz auf die Gaben der

Freunde angewiesen.

REDAKTION

Thomas Binder, Erwin Damson, Hans-Jörg Gabler,

Traugott Messner, Volker Teich

GESAMTGESTALTUNG

Krauss Werbeagentur, 71083 Herrenberg

DRUCK UND POSTZEITUNGVERTRIEB

St.-Johannis-Druckerei,

Postfach 5, 77922 Lahr-Dinglingen

BILDNACHWEIS

Titelbild idea, LG, privat

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eMail info@LG-online.de

Termine

Termine

AUGUST

02.- 06. Allianzkonferenz der DEA, Bad Blankenburg

06. Jusifest, Kohlberg, Altpietistischer

SEPTEMBER

Gemeinschaftsverband

10. Herbstmissionsfest der Liebenzeller Mission

13. Senioren-Impulstag 55 plus, Schönblick, AGV

16. – 17. EC–Jugendmissionstreffen, Bad Liebenzell

17. Stuttgarter Jugend-Gottesdienst, Stiftskirche

17. Missions-Jahresfest der Deutschen Indianer

Pionier Mission Geradstetten

17. Missions-Jahresfest, Mergelstetten

Kinderwerk Lima

24. Herbstmissionsfest der Deutschen

Missionsgemeinschaft, Buchenauerhof

30. Evangelischer Allianztag der DEA, Bad Blankenburg

30. Kongress Jugendarbeit 2006, ejw, Bernhausen

24.09. – 23.10. Gebet für die islamische Welt (s. dazu S. 24)

30.9. – 3.10 SINGLEKONGRESS

in Bad Liebenzell mit

Prof. Dr. Hans-Joachim Eckstein

(Infos: www.liebenzell.org)

15. – 18.10. Leiden für Christus –

gestern - heute – morgen

8. Europäischer Bekenntniskongress,

Bad Blankenburg - Thüringen

(s. dazu S. 12)

Deshalb ist die Sache dran...

»Wählt das Leben! «

Es war ein wunderschöner Tag, der Christustag 2006 auf dem Killesberg. Als wollte Gott

einen besonderen Segen auf diesen Tag legen, so schien die Sonne und machte den Tag der

Begegnung mit Gott und der Begegnung untereinander zu einem richtigen Fest. Ja, es war

ein Fest des Glaubens der großen Familie Gottes aus ganz Württemberg und darüber hinaus.

Mir fi el dieses Mal auf, wie viele junge Menschen und auch vor allem junge Familien mit

Kindern zu den Messehallen strömten. Dass die Kirche keine Zukunft haben soll, konnte bei

diesem Anblick wirklich keiner mehr ernstlich behaupten.

Das Thema »Wählt das Leben« wurde in vielen Bibelarbeiten von den verschiedensten Referenten

und Referentinnen lebensnah und aktuell ausgelegt. Schnell spürte man als Hörer

selbst in einer sehr großen Halle, dass man unter diesem Wort und durch das gemeinsame

Singen und Beten zu einer Gemeinschaft wurde, auch wenn man die meisten Menschen um

sich herum gar nicht kannte. Trotz der großen Menge wurde es sehr persönlich, kam es für

viele Menschen zu einer persönlichen Begegnung mit Gott. Viele wurden neu gestärkt

in der Gewissheit richtig gewählt zu haben, wenn sie die Wahl ihres Lebens für Jesus

Christus getroffen haben, auch wenn sich uns heute viele andere Wahlmöglichkeiten

anbieten, an denen wir Halt und Kraft für unser Leben scheinbar fi nden

könnten.

Dieses Heft ist von zu geringem Umfang als dass Ihnen ein Großteil der Vorträge

dargeboten werden könnte, aber um Ihnen einen kleinen Einblick in

diesen Tag zu geben, ist der Vortrag von Ulrich Parzany abgedruckt. Bilder

von diesem Fest des Glaubens fi nden Sie in den Mittelseiten des Heftes.

In Bad Blankenburg fi ndet im August diesen Jahres ein Bekenntniskongress

statt zum Thema »Leiden für Christus«. Deshalb und weil es ein

aktuelles Thema ist, machen wir in einem Artikel von Paul Murdoch auf

die momentane Situation verfolgter Christen in unserer Zeit aufmerksam.

Zum Gebet für die islamische Welt rufen wir auf der letzten Seite auf.

Ganz aktuell berichten wir auch von der Sommersynode unserer Landeskirche,

in der ein Papier zu dem »heißen« Thema »Miteinander von Christen

und Muslimen« verabschiedet wurde. Wie es dazu kam berichten wir

aus der Sicht der Lebendigen Gemeinde.

Nun hoffe ich, dass Sie in Ihrem Urlaubsgepäck noch ein bisschen Platz

haben für dieses Heft als kleine Urlaubslektüre für zwischendrin.

Eine behütete Sommerzeit wünscht Ihnen

Ihr

3


Wählt das Leben!

In einem Roman fand ich folgende interessante

Geschichte: Ein großer Steinbrocken

bricht von einer New Yorker Hausfassade

ab und schlägt hinter einem Mann auf den

Gehweg. Der Schock trifft ihn. Er könnte

jetzt tot sein. Er entschließt sich, diesen

Fall anzunehmen und von sofort an so zu

leben, als gäbe es das bisherige Leben nicht

mehr. Er fängt ganz neu an. Er steigt in ein

Taxi und fährt zum nächsten Flughafen,

er bucht den nächsten Flug in eine fremde

Stadt. Er gibt sich einen neuen Namen, er

erfi ndet eine neue Lebensgeschichte. Aber

er endet immer in Sackgassen. Sein Leben

holt ihn ein. Endlich schließt er sich selbst

in einem unterirdischen Raum ein. Den

Schlüssel hatte er aus Versehen draußen

liegen lassen. Die Tür schlägt zu und ist

von innen nicht zu öffnen. Keiner kann

ihn hören. Ausweglos gefangen muss er

dort umkommen. Er wählte das Leben und

endete in Ausweglosigkeit und Tod.

Von

Ulrich Parzany,

Kassel

Wählt das Leben! Diese Aufforderung ist

eine Plattheit, nicht wahr? Sie kann sogar

als eine Verhöhnung der Menschen verstanden

werden. Was sonst wollen die

Menschen denn tun? Jeder will das Leben

wählen. Die Frage ist: Was ist Leben? Was

muss ich wählen, wenn das Leben erfüllt

sein soll? Und muss nicht jeder selber entscheiden,

was für ihn lohnendes Leben ist?

Wie soll ich das aber wissen? Die bekannte

bittere Erkenntnis lautet: Das Leben wird

rückschauend verstanden, es muss aber

vorwärts gelebt werden. Nachher ist man

immer klüger.

Bei politischen Wahlen wird regelmäßig

beklagt, dass die Wahlbeteiligung gering

ist. Viele Leute entziehen sich der Wahl.

Warum?

Die Wahlbeteiligung sinkt,

weil es nichts zu wählen gibt,

weil man nichts verändern kann,

weil man nur zwischen Pest

und Cholera wählen kann,

weil die zur Wahl stehenden Angebote

unverständlich sind,

weil es zu viele Wahlmöglichkeiten gibt,

so dass man nicht mehr durchblickt.

Die Bibel gibt uns wichtige Hinweise zur

Klärung, damit die Wahl sinnvoll geschehen

kann.

1. Die Klärung: Der Wahlappell

richtet sich an das gewählte Volk.

Mose redet zu dem Volk Israel, das Gott in

Abraham erwählt hat. Durch Mose hat er

es aus der Sklaverei befreit. Am Sinai hat

er den Bund ausdrücklich geschlossen. Die

Wüstenwanderung unter der wunderbaren

Führung Gottes führt nach allen Umwegen

an die Grenze des verheißenen Landes. Dort

hält Mose diese »Wahlrede«.

Die Erwählungsgeschichte ist die Voraussetzung.

Es geht hier nicht um einen allgemeinen

moralischen Appell an die Menschheit.

Der Appell gilt dem Volk, das Gott

zuerst erwählt hat.

Jetzt an der Grenze zum Kulturland ist das

erwählte Volk in der Gefahr, das Geschenk

des Bundes zu vergessen. Jetzt kann es

sich selber durch Ackerbau Reichtum und

Lebenssicherung schaffen. Das ist das

Ende der täglichen Abhängigkeit von Gottes

Versorgung. Die Eigensicherung birgt

die Versuchung in sich, Gott zu vergessen.

Das wäre die Abwahl Gottes als Herr des

Lebens und die Entscheidung für die Götzen,

für die Dinge anstatt für den Schöpfer

der Dinge.

Wie Israel durch Abraham und Mose von

Gott erwählt wurde, so ist das Volk Gottes –

aus allen Nationen durch Jesus erwählt –,

Sogar vor Grundlegung der Welt, sagt

Paulus (Eph 1,3). Wir lesen hier also einen

Appell Gottes an sein Volk, nicht einen

allgemeinen Aufruf, dass die Gesellschaft

die biblischen Werte hochhalten sollte. Wir

reden hier heute nicht zum Fenster hinaus.

Die Sache geht uns selbst an. Traurig,

dass ein solcher Appell überhaupt nötig

Bibelarbeit auf dem

Christus-Tag am 15. Juni 2006 in

Stuttgart 5. Mose 30, 15 - 20

ist. Aber er ist zugleich gut begründet und

besteht nicht nur aus gutgemeinten Aufforderungen.

2. Die Frage: Sind die Gebote Gottes

lebensfeindlich oder lebensfördernd?

Wir stellen heute eine befremdliche Undeutlichkeit

und Widersprüchlichkeit in der

Beurteilung der Zehn Gebote fest. Einerseits

wird immer wieder betont, sie seien wichtige

Lebensorientierungen, an die man sich

halten sollte. Andererseits herrscht totale

Unkenntnis, was die Zehn Gebote denn beinhalten.

Und wenn es konkret wird, werden

sie eigentlich als lebenshindernd, ja lebensfeindlich

abgelehnt.

Jetzt gehe ich doch einmal auf die Einschätzung

der Gebote Gottes in unserer Gesellschaft

ein. Ich tue das aber, weil ich befürchte, dass

sich die gesellschaftlichen Einschätzungen

auch in den Köpfen der Christen eingenistet

haben und ihr Verhalten stärker prägen, als

uns lieb ist.

»Du sollst keine anderen Götter haben neben

mir«? Exklusiver Gottesglaube ist verdächtig,

dass er zu Diskriminierung, Fanatismus und

Gewalt führt. Also, das Gegenteil wird empfohlen:

Jeder soll glauben, was er will. Und

warum nicht Verschiedenes nebeneinander?

Bitte inklusiv, nicht exklusiv!

»Du sollst den Feiertag heiligen«? – Zu viele

Sonntage und Feiertage behindern das

Geschäftemachen, das Geldverdienen und

verhindern das Wirtschaftswachstum.

»Du sollst nicht ehebrechen«? – Wenn eine

Beziehung nichts mehr bringt, warum soll

man sich zwingen, weiter im Leerlauf oder

4 5


Liebe und Gebot Leidenschaftliche Liebe Gottes

gar im Streit nebeneinander her zu leben?

Das kann doch ein Gott der Liebe nicht

wollen. Ehe und Familie sind psychologische

Zwangsjacken und kleinbürgerliche

Fallen.

»Du sollst nicht töten«? Natürlich nicht.

Aber der Stärkere setzt sich durch. Und wo

gehobelt wird, da fallen Späne.

»Du sollst nicht stehlen.« Na ja, aber haste

was, dann biste was. Es wird einem nichts

geschenkt.

»Du sollst nicht lügen«? Aber der Ehrliche

ist eben der Dumme. Und wofür gibt es

Anwälte?

»Du sollst nicht begehren, was dein Nächster

hat.« – Aber ich will mehr. Und Geiz ist

geil. Ich bin doch nicht blöd.

Wie tief sitzt bei uns Christen die Überzeugung,

dass die Gebote Gottes menschenfreundlich

und lebensfördernd sind? Ist

ein dürftiges »Das haben wir doch immer

so geglaubt« oder »Man tut das nicht«

alles, was wir in der Auseinandersetzung

um die richtigen Orientierungen im Alltag

des Lebens vorzubringen haben? Warum

erleben wir in den christlichen Gemeinden

diesen ethischen Einbruch im Feld von

Beziehungen, Sex und Ehe, von Arbeitsethik,

Steuern und Finanzen?

3. Die Überraschung: Liebe und

Gebote gehören zusammen!

Im heutigen Verständnis auch vieler Christen

sind Liebe und Gebote, bzw. lieben und

gehorchen Gegensätze.

Nach heutiger Auffassung steht Liebe für

Spontaneität, Gefühl, Echtheit, Selbstbestimmung.

Gehorsam und Gebote dagegen

– das ist der Bereich von Fremdbestimmung,

Pfl icht, Zwang, Last.

Das meist missbrauchte Zitat des Augustinus

lautet: »Liebe und tue, was du willst!«

Man darf nur nicht gesetzlich sein.

In Vers 16 aber lesen wir: Den Geboten

des Herrn gehorchen bedeutet, ihn zu lieben

und in seinen Wegen zu gehen, seine

Gebote, Gesetze und Rechte zu halten.

In Vers 20 sind Gehorsam und Liebe eng

miteinander verbunden: »… indem ihr den

Herrn, euren Gott liebt und seiner Stimme

gehorcht«.

Den gleichen Zusammenhang stellt Jesus

in Johannes 15, 9-11 her: Liebe des Sohnes

zum Vater zeigt sich darin, dass der Sohn

die Gebote des Vaters hält. Genauso zeigt

sich die Liebe der Jünger zu Jesus. Durch

das Halten der Gebote wird die Liebe stabil:

So bleiben die Jünger in seiner Liebe.

Die Spitze ist dann, dass Jesus Liebe und

Gehorsam mit vollkommener Freude verbindet:

So bleibt die Freude Jesu in den

Jüngern und wird vollkommen.

Eigentlich ist das nicht schwer zu verstehen.

Es ist nicht vorstellbar, dass ich einen

Menschen liebe und in wichtigen Fragen

das Gegenteil von dem tue, was ihm lieb

und wert ist. Die Liebe empfi ndet die Übereinstimmung

mit dem Willen des Geliebten

nicht als Fremdbestimmung.

Jesus hat einen tiefen Zusammenhang

zwischen der Liebe und dem Recht gezeigt.

In Matthäus 24 zählt er die Zeichen der

Vollendung der Geschichte auf. In Vers 12:

»Weil die Ungerechtigkeit – die Gesetzlosigkeit

(anomía) – überhandnehmen wird,

wird die Liebe in vielen erkalten.« Das Recht

soll die Schwachen schützen. Deshalb ist

die Anerkennung von Recht und Gesetz ein

tiefer Ausdruck der Liebe. Ich verpfl ichte

mich, zu den Schwächeren zu stehen und

sie zu schützen, auch wenn das vordergründig

gegen meine eigenen Interessen

geht.

Nun bedenkt mal, was unter diesem Wort

Jesu die Verachtung von Recht und Gesetz

in unserer Gesellschaft bedeutet. Steuerbetrug

gilt als clever, wenn man nicht auffällt.

Und das Standesamt mit dem Stück

Papier gilt auch manchen Christen nicht

viel. Man lebt eben besser unverheiratet

ohne rechtlichen Ballast zusammen. An

frommen Rechtfertigungen ist kein Mangel.

Man darf ja nicht gesetzlich sein. Die

Folge ist die Eiszeit der Herzen. Die kommt

demnächst brutal zum Vorschein, wenn der

Versuch, die Nächstenliebe zu verstaatlichen,

wegen der Pleite der Staatskassen endgültig

scheitert.

Es ist die große Überraschung, wenn wir

entdecken und akzeptieren, dass Liebe und

Recht zusammengehören.

4. Das Motiv: Gott wirbt

aus leidenschaftlicher Liebe

Der griechische Philosoph Prodikos erzählt

die Parabel von Herakles am Scheideweg:

Eines Tages kam Herakles in eine einsame

Gegend und überlegte bei sich, welche

Lebensbahn er einschlagen sollte. Als er so

sinnend da saß, sah er auf einmal zwei

Frauen auf sich zukommen. Die eine war

die Tüchtigkeit und der Anstand in Person.

Die andere sagte: »Sie nennen mich

die Glückseligkeit; meine Feinde hingegen

geben mir den Namen der Liderlichkeit.«

Die Frauen werben um Herakles. Dann

verschwinden sie und Herakles ist wieder

allein. Er entschließt sich, den Weg der

Tugend zu gehen, der zur Unsterblichkeit

führt.

Die Bibel sieht uns Menschen nicht auf

neutraler Position und vor einer Wahl

gleichberechtigter Wege. Es geht auch

nicht die postmoderne Wahl zwischen

beliebigen Möglichkeiten nach der Logik:

»Alles gleich gültig. Jeder ist seines Glückes

Schmied. Jeder ist aber auch für seine

Katastrophe selbst verantwortlich.«

Wir hören auch nicht die kalte Aufforderung

mit zynischem Unterton: »Vogel friss

oder stirb!«

Gott hat uns mit seinem Bund der Liebe

die Freiheit eröffnet, damit wir das Leben

wählen (Vers 19). Auch Jesus sagt nicht,

dass wir eben wählen müssten, ob wir den

schmalen Weg zum Leben oder den breiten

in die Verdammnis gehen wollten. Es ist

ihm nicht egal, was wir wählen. Er ruft:

»Geht ein durch die enge Pforte! Passt auf,

man wird im großen Strom und im herrschenden

Trend in die Hölle geschwemmt,

ohne dass man groß was entscheiden

muss. Die kleine Tür, die auf den schmalen

Weg führt, muss man bewusst suchen und

gegen den Trend gehen. Geht ihn! Jesus

wirbt um uns (Mt 7,13f). Die Liebe zwingt

nicht. Sie würde dann nicht mehr Liebe

sein. Aber sie wirbt leidenschaftlich unter

Einsatz des Lebens.

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Der praktische Tipp

5. Der praktische Tipp: Nichts ist

naheliegender als Gottes Wort

Der Einwand, dass alles nicht so einfach zu

verwirklichen ist, wird weggewischt. Vers

11-14: »Das Gebot ist dir nicht zu hoch und

nicht zu fern … Denn es ist das Wort ganz

nahe bei dir, in deinem Munde und deinem

Herzen, dass du es tust.«

Stimmt das denn? Das Wort Gottes ist

doch fremd, sperrig, alt, unbekannt, oft

nicht leicht zu verstehen.

Paulus nimmt im Römerbrief (10, 6–8)

dieses Wort an entscheidender Stelle auf.

Das Wunder aller Wunder ist, dass Gott

zu uns geredet hat und redet. Er hat zu

Israel geredet durch Abraham, Mose und

die Propheten. Jesus ist Gottes Wort in

Menschengestalt. Die Bibel ist das grundlegende

Dokument dieser Selbstoffenbarung

Gottes. Gottes Geist selber spricht das

Wort der Bibel wirksam in unsere Herzen.

Nachdem Gott uns in seinem Wort so

nahe gekommen ist, sind die Verstehensschwierigkeiten,

die wir empfi nden, vergleichsweise

»kleine Fische«. Es geht jetzt

ums ganz Praktische. Dass das Wort Gottes

in unserem Munde ist, bedeutet, dass wir

es lesen können. Der Israelit las wie alle

Orientalen nicht leise, sondern halblaut

die Worte murmelnd. Indem ich die Worte

Gottes selber spreche, nehme ich sie in

mich auf, verstehe und behalte ich sie. So

nehme ich sie zu Herzen und setze sie in

praktische Schritte und Handlungen um.

Einen Bibeltext laut zu lesen oder auch

abzuschreiben, hilft uns heute gegen

unsere Unkonzentriertheit. Die Gedanken

schweifen nicht so leicht ab. Ich hoffe,

ich trage Eulen nach Athen, wenn ich

euch bitte, täglich eine Zeit der Stille zum

Bibellesen zu haben. Lest nicht nur die

Losung. Lest das Wort Gottes im Zusammenhang.

Lest die ganze Bibel, Altes und

Neues Testament. Lest auch die sperrigen

Stücke. Sucht euch nicht nur das, was

euch gefällt. Dann werdet ihr die Bibel

irgendwann nicht mehr lesen, weil ihr euch

ja doch nur das herausholt, was ihr euch

auch selber sagen könnt.

Nehmt euch 15 Minuten Zeit an jedem

Morgen. Jedenfalls regelmäßig täglich.

Ja, das ist für das Wachstum des Lebens

lebensnotwendig. Nur so werden wir mündige,

urteilsfähige Christen. Gefühle, Stimmungen

kommen und gehen. Gottes Wort

gibt unserem Leben stabile Orientierung.

Es ist Energie, ohne die wir unser Leben

nicht bewältigen und den Menschen nicht

dienen können.

Die große Wahl hat Gott getroffen. Er hat

uns in Christus erwählt. Darum ist es möglich,

auf den Wahlappell Gottes zu hören

und unsererseits die Wahl für Gottes Wort

und Wegweisung zu treffen. An guten

Gründen fehlt es nicht.

Wenn im Volk Gottes diese Wahl klar

getroffen wird, besteht auch die Hoffnung,

dass das Leben aus Gott ausstrahlt und

mehr Menschen anzieht. Sie brauchen

nicht nur die christlichen Werte, sie brauchen

Christus. Das Elend Europas ist seit

langem, dass wir ein Christentum ohne

Christus pfl egen. Das hat der große Inder

Saddhu Sundar Singh schon in den Zwanziger

Jahren des letzten Jahrhunderts in

Europa beobachtet. Die Erneuerung fängt

im Volke Gottes an.

Von Erwin Damson, Geschäftsführer der Ludwig-Hoffacker-Vereinigung

Nachlese zum Christustag

Ein wenig Nostalgie lag in der Luft, trotz

der vielen lachenden und freundlichen

Menschen, die an diesem schönen und heißen

Sommertag die 50. Ludwig-Hofacker-

Konferenz besuchten. Es wird der letzte

Christustag auf Stuttgarts Höhen gewesen

sein. Wie so Vieles was Menschen

errichten, so werden die Messehallen bald

abgerissen. Sie haben ausgedient. Der Vergänglichkeit

dessen, was Menschen schaffen,

stand das Motto dieses Tages gegenüber:

»Wählt das Leben«, dieses lohnende

Leben mit Ewigkeitshorizont. Tausende

haben im weiten Rund des Parks nach den

Schlussansprachen von Landesbischof

Frank–Otfried July und Peter Hahne den

Schlusschoral mitgesungen: »Nun gehören

unsre Herzen ganz dem Mann von Golgatha«.

Es gehört mit zur Tradition der Christustage,

dieses alte Lied von Friedrich von

Bodelschwingh, weil es unser Herz und den

Kern der Hofackerarbeit betrifft. Wir möchten

Menschen in unserem Land den Weg

zu Christus weisen, damit sie das Leben

wählen können. Dafür arbeiten und beten

wir und viele mit uns im ganzen Land.

Was hat diesen Tag

so wertvoll gemacht?

Ganz sicher die Begegnung mit Freunden,

das Gemeinschaftserlebnis eines solchen

Treffens. »Wir sind nicht allein, das Volk

Gottes ist mehr als das, was in der eigenen

Gemeinde sichtbar ist«. Aber auch der

Zuspruch, das Wort aus der Bibel, nicht

aufzugeben, weiter zu machen an seinem

Platz, in der Familie und in der Gemeinde

und weiter zu glauben auf Hoffnung,

gerade in einer Zeit der Beliebigkeit und des

Ausverkaufs biblischer Werte und Normen.

Zu glauben, dass Gottes Sache Zukunft hat.

Unser Freundeskreis

Auf dem Killesberg waren viele Besucher

der »jüngeren Generation« anzutreffen.

Jeder Kinderwagen mit Besatzung und

Fahrern hat uns Verantwortliche froh

gemacht. Dazu gehörten auch die über

1000 Jugendlichen und ca. 600 Kinder in

ihren Hallen.

Viele Teilnehmer waren zum ersten Mal

auf einem Christustag. Viele kannten

unser Blatt »Lebendige Gemeinde« nicht.

Sie waren durch Anzeigen oder Flyerwerbung

auf den Tag aufmerksam geworden.

Wenn an einem arbeitsfreien Feiertag

11.000 Menschen früh aufstehen, um nach

Stuttgart zu fahren, ist das allein schon

eine positive Bewertung. Daraus haben

wir Verantwortlichen geschlossen, dass es

im Dunstkreis der Hofacker–Vereinigung

viele Freunde gibt, die unserer Arbeit nahe

stehen. Aus all diesen Beobachtungen lässt

sich weiter schließen, dass ein Generationenwechsel

stattgefunden hat. Das stimmt

uns für die Zukunft zuversichtlich.

Ehrenamtliche und fi tte Rentner

Die Arbeit für diesen Tag wurde von vielen

Ehrenamtlichen geleistet, angefangen von

den Konferenzleitern, den Bläsern, Sängern,

den »Verpfl egungsfrauen« bis zu den

Ordnern mit ihren knallgelben Shirts. Sie

waren die ersten an diesem Tag und dann

auch die letzten, die das Gelände verließen.

Die technische Vorbereitung während der

Vorbereitungsmonate und die Kleinarbeit

am Tag selbst wurden von Rentnern in vorbildlicher

und kompetenter Weise geleistet,

damit auch die Generationen nach ihnen

das »Leben wählen« können. Ich möchte

allen meinen besonderen Dank aussprechen.

8 9


… Christustag 2006 …

Im Bild … Christustag 2006 …

Der Christustag im Bild

10 11


Leiden für Christus -

heute brisanter denn je!

Das Thema Christenverfolgung ist nun

von der breiten Masse entdeckt worden.

Nicht nur christliche Publikationen wie

«idea” («Gefangener des Monats”), sondern

auch die säkularen Medien haben endlich

begonnen, von diesem leidvollen Phänomen

zu berichten. Mit dem Fall Abdul

Rahman ist das Thema in der Tagespresse

und sogar in Funk- und Fernsehen publik

geworden, nicht zuletzt weil Bundekanzlerin

und Papst öffentlich dazu Stellung

genommen haben. Das ist medienwirksam.

Die dem christlichen Glauben nicht gerade

wohl gesonnene Zeitschrift »Der Spiegel”

hat ausführliche Berichte über den Fall und

andere verwandte Fälle gebracht - und

zwar mit gründlicher Recherche. Es wurde

gesehen, dass Abdul Rahman nicht ein

Einzelfall ist. Das ZDF brachte im Fernsehen

einen ausführlichen Bericht über konvertierte

Muslime in Deutschland, die teilweise

um ihr Leben fürchten müssen. Auch einen

Bericht über Unterdrückung und Verfolgung

von Christen u.a. in Palästina wurde

im ersten Programm ausgestrahlt und soll

eine Wiederholung bekommen.

Von Pfr. Dr. Paul

C. Murdoch,

Hohenhaslach

Lange wollte die Öffentlichkeit dieses

Phänomen gar nicht wahr haben. Es hat

die Menschen irgendwie peinlich berührt.

Ich erinnere mich an die Interviews der

säkularen Medien beim Fall der entführten

Shelter Now - Mitarbeiter und an den

Unterton, der dabei suggeriert wurde: »Sind

die nicht selber schuld, wenn sie Muslime

missionieren wollen?” Zwar ist das keineswegs

unbekannt, dass unterdrückte und

verfolgte Menschen oftmals sich selbst die

Schuld für ihre Misere geben, aber dieses

psychologische Phänomen erklären nicht,

warum völlig unbeteiligte Menschen den

Unschuldigen die Schuld zuschieben. So

wurden lange aus Opfern «Täter” gemacht

und das Thema Christenverfolgung für

indiskutabel gehalten. Als ich vor sechs

Jahren mit der Herausgaben der AKREF-

Gebetsanliegen und AKREF-Nachrichten

begann, habe ich einem Teil der Pfarrerschaft

die Meldungen zukommen lassen.

Die Reaktionen waren überwiegend

negativ. Während viele sich einfach mit

dem Thema nicht abgeben wollten, gab es

andere, die bitterböse reagiert haben. Es

gab sogar «Flame-« und «Hate-Mails” als

Antwort auf die Nachrichten. Gott sei Dank

hat sich das im Allgemeinen geändert.

Heute weiß man – auch in Theologenkreisen,

dass es Christen wegen ihres Glaubens

nicht leicht haben in vielen Ländern dieser

Welt.

Gesellschaftliche Gründe für

religiöse Intoleranz und Verfolgung

Wenn man die Situation weltweit betrachtet,

kann man die Hintergründe der religiösen

Verfolgung zunächst systemisch als

sozio-politisch bedingt beschreiben:

1.) Es gibt totalitäre Regime, in deren ideologisches

System die Gedankenfreiheit

grundsätzlich ausgerottet werden soll.

In solchen Ländern sind Christen für die

Machthaber eine reelle Gefahr: sie erkennen

zwar die Obrigkeit an, betonen aber,

dass man «viel mehr Gott gehorchen muss

als dem Kaiser”. Christen erkennen eben

eine höhere Autorität an als der Staat es

eine ist. So wird es für Christen in Ländern

wie Nordkorea, Vietnam oder Kuba

oftmals eng. Der Staat weiß, dass er diese

Menschen nicht vollständig kontrollieren

kann. Das Regime weiß, dass die Christen

auch bereit sind, um ihres Glaubens willen

in den Märtyrertod zu gehen. Menschen,

die an das ewige Leben glauben, können

die «Leiden dieser Zeit” anders hinnehmen

als Menschen, die den dritten Artikel des

apostolischen Glaubensbekenntnisses

nicht glauben. Wir wissen nicht, wie viele

Hunderttausende, vielleicht sogar Millionen

von Christen in Nordkorea um ihres

Glaubens willen umgebracht worden sind

oder in den Arbeitslagern des Landes dahin

siechen und darben, was wir aber wissen

ist, dass Pjöngjang bis 1955 als «Jerusalem

des Ostens” bekannt war. Die Ausbreitung

des christlichen Glaubens hatte gerade in

Nordkorea große Fortschritte gemacht.

Und wenn heute im Süden des Landes

etwa ein Drittel der Bevölkerung sich zu

einer christlichen Kirche zählt, dann können

wir davon ausgehen, dass im Norden

die Tendenzen nicht anders lagen. Die

Kirche als Institution ist in Nordkorea so

gut wie ausgerottet. Nur ein paar streng

kontrollierte Kirchen dürfen als Blendwerk

unter strengster Kontrolle weiterhin existieren.

Wir sind gespannt, wie der angekündigte

Besuch von Rick Warren («Leben

mit Vision”) in Nordkorea ablaufen wird.

Totalitäre Regime stellen sich mit ihrem

ideologischen Anspruch eben an die Stelle

Gottes. Somit wird die Kirche Jesu Christi

zu ihrem Feind.

2.) Es gibt korrupte Systeme, die den ordnenden

Charakter der Gott gegebenen

Obrigkeit im politisch gesellschaftlichen

Sinn nicht wahren. Gebiete Ostafrikas,

in denen Despoten eine Herrschaft des

Terrors aufrecht erhalten (in Gebieten

von Zaire/Kongo, Uganda, und Nordkenia,

wie durch die terroristische Freischärlerarmee

LRA) sind davon betroffen, wie

auch Gebiete in Zentral- und Südamerika

(Chiapas, Teile Boliviens, Kolumbiens und

Ecuadors).

In solchen korrupten Systemen sind Ehrlichkeit

und Achtung vor Gottes Gebot

eine Gefahr für die Potentaten. In einem

korrupten System herrscht das Chaos,

das von den Machthabern ja gewollt

ist. Eine Politik des Schreckens treibt die

Menschen in Angst und Furcht zu einem

blinden Gehorsam. Auch hier sind furchtlose

Zeugen Gottes eine große Gefahr für

die Herrschenden. Sie zeugen davon, dass

das Leben anders sein könnte. Wo gegen

den Drogenanbau und Drogenmissbrauch

gepredigt wird (Bolivien und Kolumbien)

schlagen die Drogenkartells zu. Entführte

oder erschossene Priester und Pastoren

sind das Ergebnis. Auf die schlichte Aner-

12 13


eligiöse Intoleranz und Verfolgung

kennung der Obrigkeit kann in diesen

Gebieten, die teilweise durch Freischärler

destabilisiert werden, als «reaktionäre

Gefahr” gesehen und bekämpft werden.

In Chiapas ist es das Alkoholmonopol der

«Honchos”, der Dorfchefs der Mayaindianer.

Ihre Machtbasis beruht darauf, dass sie

allein Alkohol, der besonders bei religiösen

Festivitäten in großen Mengen von den

Mayas konsumiert wird, in ihrem Gebiet

vertreiben dürfen. Wo ein Mensch zum

Glauben an Jesus Christus kommt und diesen

Alkoholmissbrauch ablehnt, fühlen sich

die Machtmenschen in ihrer Machtbasis

angegriffen. Was sollte aus ihnen werden,

wenn kein Alkohol mehr verkauft werden

könnte?

3.) Es gibt feindselige Religions-Systeme,

die eine andere Religion als Konkurrenz

sehen. Seit einigen Jahren sehen wir das in

wachsendem Maße in der buddhistischen

Welt (Sri Lanka und Bhutan) aber auch

in der vom Hinduismus geprägten Welt

(Indien/Nepal) und vor allem im 10/40-

Fenster (Länder zwischen dem 10.- bis 40.

nördlichen Breitengrad) des Islam. Freilich

sind auch hier oftmals machtpolitische

Beweggründe mit im Spiel. Der König von

Butan weiß sehr wohl, dass eine Lockerung

der Religionsunfreiheit in seinem

Land seine Autorität als König erheblich

untergraben könnte. In Sri Lanka wittern

die buddhistisch geprägten Singhalesen die

Erosion ihrer Machtbasis im noch buddhistischen

Teil der Insel, wo zur Zeit immer

mehr Menschen – vorwiegend aus Stammes-Religionen

– an Jesus Christus gläubig

werden und sich so dem Einfl uss-Bereich

des Buddhismus entziehen. In Indien, wo

die meisten Hindus ihren Glauben als den

tolerantesten Glauben der Welt anpreisen,

geht es knallhart zur Sache, wenn ehemalige

Kastenlose (Dalit/Harijan) endlich

Menschenwürde und Gleichberechtigung

im christlichen Glauben fi nden. Zwar ist die

Hindupartei BJP oder die militante Hindu-

Bewegung RSS keineswegs für alle Hindus

repräsentativ, aber die zahlreiche Übergriffe

auf Christen aus ihren Kreisen sind

letztendlich religiös motiviert: sie wollen

ihr religiös-soziales System nicht verändern

lassen.

Gegenwärtig ist es die islamische Welt, in

der Christen am meisten wegen ihres Glaubens

willen leiden müssen. Christen sind

als «dhimmi” den Muslimen unterworfen,

Bürger zweiter Klasse ohne gleiche Rechte

oder Pfl ichten in der islamischen Gesellschaft.

Als nicht Gleichberechtigte werden

sie auch Opfer der Willkür, des Hasses, des

Neides und der Ausbeutung. Besonders

in Gebieten am Rande des «10/40-Fensters”,

wo die Bevölkerung etwa zur Hälfte

muslimisch geprägt ist, oder dort wo der

Islam auf eine andere Religion und Kultur

stößt, kommt es zu programmatischen

kriegerischen Auseinandersetzungen,

durch die fest gestellt werden soll, dass die

Machtbasis der Muslime ausreicht, um eine

islamische Gesellschaft einzuführen (Der

»Balkan«, Nigeria, Elfenbeinküste, Südsudan,

Palästina, Indien, Süd-Thailand, Teile Indonesiens

usw.). Besonders hart betroffen

sind die Menschen, die vom Islam zum

Christentum übertreten. Während in den

wenigsten Ländern die Todesstrafe offi ziell

vom Staat durch islamische Gesetzgebung

vollstreckt wird, ist es weitgehende Praxis

in der islamischen Welt, dass «Apostaten”

(Übergetretene) von ihren Familienangehörigen

im Sinne vom «Ehrenmord” umgebracht

werden.

Der geistliche Hintergrund –

das diabolische Prinzip

Es gibt also gesellschaftlich-soziale, einschließlich

politische und religiöse Gründe

für religiöse Verfolgung allgemein und

für Christenverfolgung speziell. Hinter all

diesen empirisch zu erklärenden Gründen

steckt aber auch ein geistlicher Grund.

Ob totalitäre Ideologie als Gottersatz, ob

Korruption als Ausdruck des Chaos, oder

ob religiöse Verfolgung als Ablehnung der

Inhalte des christlichen Glaubens, alle drei

Bereiche haben den gemeinsamen geistlichen

Hintergrund, der vom Widersacher

Gottes, vom Satan ausgeht. Während die

Gründe für religiöse Verfolgung in den

genannten Situationen vordergründig

betrachtet unterschiedlich sind, nämlich

staatsicherheitliche Überlegungen, schlichte

Unordnung und religiöse Konkurrenz, ist

in allen Fällen – geistlich gesehen – das

diabolische Prinzip am Werk

Die Dynamik hinter der Verfolgung

Ist Verfolgung in den drei genannten Kontexten

systemisch angesiedelt, so läßt sich

eine Dynamik in der Entwicklung zur Verfolgung

hin beobachten. Selten kommt es

nämlich zur ausgesprochenen Verfolgung

ohne gewisse Vorstufen. Je nach Situation

kann am Anfang ein schlichter Argwohn

aufgrund von Unkenntnis von Seiten

Andersgläubiger oder eine klar begründete

Ablehnung wegen der Andersartigkeit stehen.

Normalerweise wird aber die Andersartigkeit

toleriert.

Eine Wende bahnt sich da an, wo von Seiten

der Machthaber klar eingesehen wird,

dass solche Menschen, die wie die Christen

eine höhere Instanz als sie anerkennen,

eine potenzielle Gefahr für ihre Machtbasis

darstellen. Während es in einer Situation

der Toleranz, Argwohn oder bewusste

Ablehnung inhaltlicher Art geben kann,

entwickelt sich daraus bei Verbreitung

dieser Dynamik eine mehr oder minder

bewußte Duldung. Während dieser zwei

Phasen gibt es gezielte Desinformation,

die meist zur Diskriminierung und dann zu

pogromartigen Ausschreitungen führt, ehe

es zur systematischen Verfolgung kommt.

Gerade weil die Vorstufen der systematischen

Verfolgung in einer Grauzone statt

fi nden, wird oft verkannt, dass eine echte

Gefahr besteht.

Nachdem das Problem der Christenverfolgung

weltweit erkannt worden ist,

bleibt die Frage, wie darauf reagiert wird.

Ist der «Kampf der Kulturen” (oder besser:

«Zusammenprall der Kulturen”) nach

Samuel P. Huntington unausweichlich?

Oder gibt es Chancen für das Christuszeugnis

im Martyrium? Ich freue mich, dass die

internationale Konferenz bekennendender

Gemeinschaften beim achten europäischen

Bekenntnis-Kongress vom 15.-18. Oktober

2006 in Bad Blankenburg dieses Thema

aufgreift: «Leiden für Christus - gestern -

heute - morgen” lautet das Thema dieses

Kongresses, und ich hoffe, dass viele wichtige

Impulse von diesem Kongress mitnehmen.

14 15


Zukunftsperspektiven

Brandaktuell ist das Impulspapier des Rates

der EKD »Perspektiven für die Evangelische

Kirche im 21. Jahrhundert«, das am 6. Juli

veröffentlicht wurde und mir mit der Post

zugesandt wurde. Der Ratsvorsitzende

Bischof Wolfgang Huber und sein Rat

wollen mit diesem Papier in die Offensive

gehen. Beachtliches steht in diesem Papier.

Schon im Vorwort sind vier Grundannahmen

formuliert:

a) Geistliche Profi lierung statt undeutlicher

Aktivität. Wo evangelisch draufsteht,

muss Evangelium erfahrbar sein

b) Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit.

Kirchliches Wirken muss nicht überall

vorhanden sein, wohl aber überall

sichtbar.

c) Beweglichkeit in den Formen statt Klammern

an Strukturen. Nicht überall muss

um des gemeinsamen Zieles willen alles

auf dieselbe Weise geschehen; vielmehr

kann dasselbe Ziel auch auf verschiedene

Weise erreicht werden.

d) Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit.

Auch der Fremde soll Gottes

Güte erfahren können, auch der Ferne

gehört zu Christus. Gerade mit der

vierten Grundannahme wird die missionarische

Aufgabe der Kirche betont.

Von Dekan Volker Teich,

Vorsitzender der Ludwig-

Hofacker-Vereinigung,

Schorndorf

Sie zieht sich in dem Schlagwort »Wachsen

wider den Trend« durch das ganze Papier

durch. Was 1999 in Leipzig auf der Synode

beschlossen wurde, ist nicht vergessen, im

Gegenteil, von den Beschlüssen dieser Synode

lebt dieses Papier.

Sehr gut ist auch die Forderung nach

einem Aufbruch, der gleich in vierfacher

Richtung nötig ist:

1. Aufbruch bei den kirchlichen Kernange

boten, also beim Gottesdienst, beim

Unterricht und in der Seelsorge.

2. Aufbruch bei allen kirchlichen Mitarbeitern

3. Beim kirchlichen Handeln in der Welt

und

4. Bei der kirchlichen Selbstorganisation.

Gerade beim letzteren sind radikale Töne

zu finden. 2030 soll es nur noch 12

Gliedkirchen geben. Eine starke Straffung

der Organisation ist also angesagt.

Es wird in Zukunft noch die eine oder

andere Kirchenfusion geben. Ein neues

Finanzierungssystem, das neben der

Kirchensteuer auf Fördervereine, Kirchbauvereine,

Stiftungen und Fundraising

setzt, wird gefordert.

Perspektiven für die Kirche

Zu unserer Rahmenbedingungen

muss der Geist Gottes kommen

Wer dieses Papier liest, freut sich schon

jetzt auf eine anregende Diskussion, die der

Rat der EKD ausdrücklich will. Dass unsere

Kirche einen neuen Aufbruch braucht, ist

vielen klar. Doch woher kommt ein neuer

Aufbruch in der Kirche? Kirchenleitend

kann er zwar verordnet werden, aber ob

er dann auch wirklich kommt?. Mitarbeiter

sollen motiviert und gut ausgebildet

werden. Strukturen müssen tatsächlich

überprüft werden. Vieles kann man sicherlich

ändern. Aber kommt von all dem ein

neuer geistlicher Aufbruch? Woher kommt

die Kraft, die dieses Perspektivenpapier

fordert und wo sind die Kraftquellen, die

nötig sind? Letztlich ist es Gott selbst, der

einen Aufbruch schenkt. Jesus Christus ist

der Herr der Kirche, der sie führt, leitet und

immer wieder zu neuem Leben erweckt.

Kirche ist nun einmal eine Schöpfung

durch das Wort. Dies ist uns unverfügbar.

Wir können höchstens Rahmenbedingungen

oder ein Klima für einen neuen

Aufbruch schaffen.

Aber wenn das so ist, dann liegt die

Zukunftsperspektive in einem immer wieder

neuen Hören auf das Wort Gottes, und

das sola scriptura der Reformation gehört

vor allem auf den Leuchter kirchlicher

Tagesordnungen und Papiere gesetzt.

Letztlich liegt die Zukunft der Kirche in

einer betenden und hörenden Kirche, die

alles von ihrem Herrn erwartet und auf ihn

hört. Dann geschieht es tatsächlich dass

»wo evangelisch draufsteht, das Evangelium

erfahrbar wird«, weil dieser Herr selbst

Menschen rettet und zu seiner Gemeinde

sammelt.

16 17


Württembergische

Orientierungswochen

Die Orientierungswochen 2005 mit fast 60

Veranstaltungen haben uns Mut gemacht,

weitere Veranstaltungen im Herbst 2006

und Frühjahr 2007 anzubieten. Das Thema

»Werte« ist in unserer Gesellschaft gerade

»in«. Werte seien zunehmend im Schwinden,

so hört man überall. Und doch steht

der Wunsch nach Werten bei Umfragen an

erster Stelle. Werte jedoch zu leben, daran

scheitern viele, auch Christen. Entlang

der acht Thesen unseres Büchleins »Dem

Glauben Raum im Leben geben« wollen

wir dieses weite Feld Werte einmal in einer

ganzen Veranstaltungsreihe beleuchten.

Die ausgesuchten Themen eignen sich

vorzüglich auch für Kreise die nicht direkt

»evangelikal/pietistisch« bewegt sind. Ich

denke dabei an Elternbeiräte, Elternabende

in Kindergärten, Männervesper, Frauenfrühstücke,

Gemeindeabende, Vorträge in

Zusammenarbeit mit der Ev. Erwachsenenbildung

usw. Wir können uns hier ganz

weit öffnen und in eine breite Öffentlichkeit

gehen.

Erwin Damson . Geschäftsführer LHV

Ludwig-Hofacker-Vereinigung,

Saalstr. 6, 70825 Korntal-Münchingen

Telefon: 0711/83 46 99

Wir bieten das Gesamtthema:

Glaube – Gütesiegel für das Leben

Thema1 | Edel – kostbar – gut?

Was das Leben wertvoll macht

Thema 2 | Achtung einmalig!

Zur Würde jedes einzelnen Menschen

Thema 3 | Wer ja sagt, muss auch B* sagen

*Bewähren braucht bewahren in der Ehe

Thema 4 | Lebensgen Familie

Was Mama und Papa weitergeben

Thema 5 | Haste ‚was, machste ‚was

Wie Besitz freut und fordert

Thema 6 | Jede Minute zählt

Zur Gestaltung kostbarer Zeit

Thema 7 | Verlässlich oder verlassen?

Was unser Wort wert ist

Thema 8 | Ja zum Frieden,

der Geschenk und Aufgabe ist

Unsere Referenten

Gütesiegel

Glaube

für das

Leben

Dr. Norbert Lurz, Schönaich

Thema 2 | Oberregierungsrat beim Ministerium

für Jugend, Kultus und Sport, Autor

im Buch »Dem Glauben Raum im Leben

geben«. | > Tel. 07031-655555

Ernst-Günter Wenzler, Stuttgart

Thema 3 + 4 | Der Referent ist Mitglied

im Leitungskreis der LHV, Inspektor beim

Süddeutschen Gemeinschaftsverband. Mit

dem Thema Gemeinde und Gemeindebau

beschäftigt er sich schon lange und hat

große Erfahrungen angesammelt. |

> Tel. 0711-54998440

im Herbst 2006 und Frühjahr 2007

Unsere Referenten

Pfr. Tobias Ehret, Berglen

Thema 3 + 4 | Gemeindepfarrer in Berglen. |

> Tel. 07181–72228

Pfr. Joachim Rieger, Weinstadt

Themen 2, 4, 5, 6, 7, 8 | Gemeindepfarrer

in Großheppach. | > Tel. 07181–967729

Dekan Volker Teich, Schorndorf

Thema 4 | Vorsitzender der LHV, Mitglied

der Württembergischen Synode und EKD-

Synodaler. | > Tel. 07181–62213

Pfr. Dr. Tobias Eißler, Mundelsheim

Thema: Achtung, Selbstentwürdigung! –

Wertvolles Mensch sein und echtes

Christsein (ein Vortrag der 1. Korinther

6,9-20 entlang geht). | > Tel. 07143–5713

Pfr. Peter Kübler, Mainhardt

Thema 6 | Mitglied im Leitungskreis der

LHV | (Drei Termine stehen zur Auswahl:

09.10.2006, 23.10.2006, 26.10.2006. |

> Tel. 07903–940040

Pfr. Hartmut Schmid, Tübingen

Themen: 2, 5, 6, 8 | Mitglied im Vorstand

der LHV. Studienleiter des ABH. |

> Tel. 07071–700544

Pfr. Hermann Traub, Remchingen

Themen: 1, 2, 6 | Ehemaliger Leiter des

Missio-Center in Berlin. | > Tel. 07232–71048

Pfr. Joachim Botzenhardt, Winterbach

Thema 5, weitere auf Anfrage | Autor

im Buch »Dem Glauben Raum im Leben

geben«. Gemeindepfarrer in Winterbach. |

> Tel. 07181–481515

Direktor Eugen Reiser, Weissach

Thema 6 und auf Anfrage | Mitglied im

Leitungskreis der LHV. | > Tel. 07191–35340

Pfr. Werner Schmückle, Stuttgart

Themen auf Anfrage | Leiter des Amtes

für missionarische Dienste. Vorsitzender

der Evangelischen Sammlung, Mitglied der

Landessynode. | > Tel. 0711–2068 268

Prof. Dr. Rainer Mayer, Stuttgart

Themen auf Anfrage | > Tel. 0711–413098

Pfr. Joachim Stricker, Knittlingen

Themen 1, 2, 3, 7 | Mehrere Jahre als

Zeltevangelist unserer Landeskirche unterwegs.

Entwicklung und Erprobung von

neuen Modellen der Zeltarbeit, Mitglied der

Landessynode. | > Tel. 07043–32 912

Pfr. Winrich Scheffbuch, Stuttgart

Themen 1, 5, 6 | Langjähriger Gemeindepfarrer

der Hofacker-Gemeinde. Leiter

von Hilfe für Brüder, Christliche Fachkräfte

International und CoWorkers. Bekannt

durch viele Vorträge im In- und Ausland. |

> Tel. 0711- 6406951,

Hartmut Steeb, Stuttgart

Themen auf Anfrage | Generalsekretär der

DEA, kompetenter Fachmann in ethischen

Fragen. Bekannt durch viele Vorträge und

Veröffentlichungen. | > Tel. 0711–247771

Dr. Rolf Hille, Tübingen

Themen auf Anfrage | Rektor des ABH. |

> Tel. 07071–700514

Was müssen sie tun?

Ganz einfach – vereinbaren Sie selbst mit

den Referenten einen Termin und ihr Thema.

Sollten Sie Hilfe nötig haben, rufen Sie

bitte in der Geschäftsstelle an, wir helfen

weiter. Wir stellen auch Vordrucke für

Einladungen und Plakate zur Verfügung.

Gerne werben wir für Ihre Veranstaltung

mit. Deshalb erbitten wir von Ihnen die

Angaben für Ihre Veranstaltung.

18 19

Gütesiegel

Glaube

für das

Leben


Große Leseraktion

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Wir suchen 1000 neue Leser

Information und

Orientierung

2. QUARTAL JULI 2005

Information undOrientierung

SIEHE,

ICH MACHE ALLES NEU

Berichte und Eindrücke vom Christustag 2oo5

Siehe, ich mache alles neu

Der Wert des Lebens

Ein Entschluss der Landessynode

Christliche Lehrer/innen braucht das Land

Rückblick auf den christlichen Pädagogentag 2005

Name . Vorname

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Schön, wenn Sie uns unterstützen!

Es ist eigentlich ganz einfach. Sie nennen

uns drei Namen von möglichen Lesern der

»Lebendigen Gemeinde«. Gehen Sie dabei ruhig

über ihren Bekanntenkreis hinaus. Diese Personen

bekommen von uns einen sehr freundlichen

Brief mit dem Angebot, die »Lebendige

Gemeinde« einmal probeweise für ein Jahr zu

lesen und dann das Blatt wieder abzubestellen,

sofern es nicht gefällt oder die Leute zu viel

Lesestoff haben. Ihr Name wird nicht genannt.

Warum der ganze Aufwand?

So werden Sie sich vielleicht fragen. Es gibt so

viele gute Blätter. Warum gerade »Lebendige

Gemeinde«? Weil wir meinen, dass unsere

Beiträge zu Glaubens- und Lebensfragen, zu

kirchenpolitischen und gesellschaftskritischen

Themen für Christen zu ihrer Meinungsbildung

wertvoll sein können. Wir berichten auch über

wesentliche Beschlüsse und Entscheidungen

der Landessynode in Württemberg.

Es sind gute Gründe, die »Lebendige Gemeinde«

zu lesen. Helfen Sie mit, dass dieses interessante

Blatt noch weiter verbreitet wird.

Trennen Sie bitte diese Seite heraus und faxen

Sie an: 0711 – 83 88 086. Email:

info@lg-online.de

Hit zige Debatte in der Synode:

Wie begegnen wir Muslimen?

Lebendige Gemeinde:

Frage nach der Wahrheit

nicht ausklammern

Es war eine der heißesten Synodaldebatten

der letzten Jahre. Schuld daran

waren nicht nur die hochsommerlichen

Temperaturen in Aalen, sondern ein

Thema, das die Gemüter erhitzte: Über

den Islam wurde diskutiert, genauer

gesagt: über das Zusammenleben von

Christen und Muslimen in unserem

Land. Die Synode verabschiedete nach

zähem Ringen eine Erklärung mit dem

Titel: »Miteinander leben lernen«.

Das Papier selbst ist ein typisches Kompromisspapier,

das kaum historische Bedeutung

erlangen wird. Bemerkenswert sind

jedoch die Reden, die zu diesem Papier

gehalten wurden. Sie offenbaren einen

tiefen Dissens in unserer Kirche – und das

nicht über eine Lappalie oder eine Randfrage,

sondern über die wichtigste Frage

überhaupt: die Frage nach der Wahrheit

unseres Glaubens.

Bitte die Augen nicht verschließen!

Zunächst einmal ist zu sagen: Das Thema

ist brandaktuell und hochbrisant. Wie

Christen und Muslime miteinander umgehen,

wie wir als Kirche dem Islam begegnen

– das ist eine der entscheidendsten

Fragen unserer Zeit. Gut, dass sich die

Synode dieser Herausforderung gestellt

hat! Wir können nicht so tun, als gäbe es

keine Muslime in unserer Nachbarschaft.

Die Augen vor ihnen zu verschließen,

wäre alles andere als weitsichtig. Nein, wir

Von Steffen Kern,

Sprecher der Lebendigen

Gemeinde, Walddorfhäslach

Christen in Württemberg müssen Wege

fi nden, wie wir mit Muslimen reden, wie

wir miteinander umgehen und uns gegenseitig

besser verstehen. Daher ist es wichtig,

dass wir auf Muslime zugehen, ihnen

begegnen und mit ihnen sprechen. – Wie

diese Gespräche aber zu führen sind, darüber

ist sich die Synode zutiefst uneins.

Bitte die Wahrheit nicht

verschweigen!

»In diesem Gespräch darf die Frage nach

der Wahrheit des Glaubens nicht ausgeklammert

werden; es muss vielmehr für

das gegenseitige Zeugnis offen sein.«

Dieser Satz steht auf Antrag der Lebendigen

Gemeinde in der Erklärung – trotz

vehementen Widerspruchs. Viele Synodale

anderer Gesprächskreise wollten jede

auch noch so sachte Andeutung des Missionarischen

unbedingt vermeiden. Dass

im Gespräch mit Muslimen das »missionarische

Christuszeugnis« Raum haben soll,

lehnten andere Gesprächskreise mehrheitlich

kategorisch ab. Sie wollten nicht

einmal ausgesprochen haben, dass sich

Jesus »zum Heil der Welt« offenbart habe.

Zwar steht diese Grundaussage unseres

Bekenntnisses dank der Lebendigen

Gemeinde nun doch im Papier – allerdings

erst nach einer stundenlangen Debatte.

20 21


Miteinander leben lernen …

Man fragt sich: Was motiviert manche

Synodale zu solch energischem Widerstand

gegen Selbstverständlichkeiten

unseres Glaubens? Ist es zu anstößig, von

Christus als dem Retter zu reden – oder

ist es nicht political correct, nicht angemessen,

nicht opportun? Sollte es gar

verboten sein, im Gespräch mit Muslimen,

zur eigenen Überzeugung zu stehen und

von ihr zu reden?

Bitte ein echtes und

ehrliches Gespräch!

Ich meine, ein solches Verständnis des

interreligiösen Dialogs ist völlig unangemessen.

Denn es verkennt die Bedingungen

des Dialogs. Es ist blind für das,

was geschieht, wenn sich Menschen

unterschiedlichen Glaubens begegnen.

Jeder Gesprächspartner – der Christ wie

der Muslim – hat seine Überzeugung.

Jeder hat seinen Glauben. Und jeder

will den andern überzeugen: der Christ

den Muslim und der Muslim den Christ.

Nur wenn sich beide so begegnen – mit

Selbstbewusstsein und mit dem Anliegen,

den andern zu gewinnen, – kann ein

echtes Gespräch zustande kommen. Alles

andere wäre Augenwischerei, Heuchelei,

ein nur scheinbarer Dialog. Authentizität

ist gefragt. Menschen sind gefragt, die zu

ihrem Glauben stehen und andere gewinnen

möchten – weil sie von der Wahrheit

ergriffen sind. Wer von der Wahrheit

ergriffen ist, kann nichts anderes zu tun,

als sie zu bezeugen.

Freilich, im Gespräch mit Andersglaubenden

kommt es dann auch zum Widerspruch.

Da steht eine Überzeugung gegen

die andere. Wahrheitsansprüche konkurrieren.

Aber genau das ist der Fall: Christen

und Muslime glauben nicht dasselbe,

sie glauben nicht an denselben Gott. Das

macht doch unsere viel beschworene Situation

der Pluralität aus: dass Wahrheitsansprüche

gegeneinander stehen. Diese

Wahrheitsansprüche aber gilt es auszusprechen.

Wer sich der Wahrheit und dem

Streitgespräch um sie nicht stellt, stellt

sich auch nicht der Pluralität.

Ich meine daher, es ist an der Zeit, dass

wir einen ernsthaften Dialog führen,

der das gegenseitige Zeugnis nicht ausklammert,

sondern für die Frage nach

der Wahrheit offen ist. Landesbischof

Frank Otfried July brachte es in seinem

Bischofsbericht auf den Punkt: »Ohne das

Wahrheitsbewusstsein des christlichen

Glaubens, das seine Wahrheit von Jesus

Christus her empfängt, kann keine wirkliche

Begegnung und kein wirklicher Dialog

stattfi nden.«

Belebende Themen für Ihren

Hauskreis

Einzelpreis: 5,80

Preis Hauskreis-Paket

(10 Expl.): 39,–

Dem Glauben Raum

im Leben geben

Acht Thesen zur Ethischen Orientierung

(Hg.)

Ein Buch, das sich den ethischen Fragen

unserer Zeit stellt und begründet

Orientierung bietet. In acht kurzen

Thesen zum Schutz des Lebens, zur

Würde des Menschen, zur Treue in

der Ehe, zur Familie, zum Besitz, zur

Gestaltung der Zeit, zur persönlichen

Wahrhaftigkeit und zum Frieden

werden Eckpfeiler einer christlichen

Ethik benannt und von Fachleuten des

jeweiligen Gebiets allgemein verständlich

erläutert.

Sie sehen, die aktuellen Beiträge laden

zu angeregten Diskussionen ein und

möchten Orientierung in Ihrer persönlichen

Lebensgestaltung mit Familie,

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Entgelt bezahlt

30 Tage Gebet für

die islamische Welt

Das Thema »Islam« ist nicht erst seit dem

Karikaturenstreit und den weltweiten Folgen

aktuell.

Vielleicht hat uns dieser Streit erst auf manche

Probleme aufmerksam gemacht. Die

Zunahme der Zahl der Moslems in unserem

Land, Bedrohungen und Drohgebärden aus

islamischen Staaten, die Situation der Christen

in mehrheitlich islamischen Staaten, aber

auch das Wachsen christlicher Gemeinden in

solchen Ländern, all das hält uns gespannt in

Atem und bedeutet eine vielseitige Herausforderung

für Christen.

Die Evangelische Allianz lädt schon seit

vielen Jahren dazu ein, den islamischen

Fastenmonat Ramadan intensiv zum Gebet

zu benutzen. Dazu gibt es auch dieses Jahr

wieder zwei Gebetshefte, eines davon ist

besonders für Familien und Kinder geeignet.

30 Tage Gebet für die islamische Welt fi ndet

in diesem Jahr - ebenso wie der Ramadan

- vom 24. September bis 23. Oktober 2006

Laden Sie doch in Ihren Gemeinden und

Gemeinschaften dazu ein. Verteilen Sie Hefte

zu dieser besonderen Gebetsinitiative. Seit

Anfang Juli kann das entsprechende Infomaterial

samt der Begleithefte bei der Evangelischen

Allianz bestellt werden:

Deutsche Evangelische Allianz

Esplanade 6

07422 Bad Blankenburg

Tel.: 036741-2424

Fax: 036741-3212

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