Dritte Geschichte - Elly-Heuss-Schule

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Dritte Geschichte - Elly-Heuss-Schule

Samia Bachiri:

Entführt?

DIE DRITTE DETEKTIVGESCHICHTE

Gestern sprach mich mein Chef an, während ich an meinem Schreibtisch saß und meine

Tasse Kaffee genoss: „Guten Morgen, Frau Jakowski, ich wollte Ihnen sagen, dass Sie Ihren

Job sehr gut machen. Mittlerweile sind Sie die Beste. Machen Sie weiter so!“ Ich freute mich

und war auf mich selbst stolz. Ich klopfte mir auf die linke Schulter.

Eine halbe Stunde später saß ich immer noch auf meinem gemütlichen IKEA-Stuhl und

chattete mit meinem Freund, da ich nichts zu tun hatte. Nebenbei spielte ich auch noch

Schach am PC. Nach drei Minuten ging ich in die Küche und belegte mir ein Brötchen, weil

ich sehr hungrig war. Als ich wieder in meinem Büro war, sah ich, dass ich einen Anruf in

Abwesenheit erhalten hatte. Ich rief zurück und es ging eine Frau ans Telefon.

„Hallo?“, fragte ich, „hier spricht Kommissarin Jakowski. Sie hatten mich angerufen?“

„Hallo, Juliane Werner mein Name, ich wohne in der Passauer Straße 24 in Mainz-Kostheim.

Meine Tochter Anna ist seit sechs Stunden verschwunden“, stotterte die Frau.

„Ja, ich verstehe, ich bin unterwegs. Also Passauer Straße 24 in Mainz Kostheim?“ „Ja

richtig! Bitte kommen Sie schnell.“

Ich zog meine Jacke an, meldete mich bei MSN ab und sagte meinem Chef Bescheid. „Okay,

gehen Sie. Viel Glück!“

Als ich ankam, sah ich ein prunkvolles weißes Haus. Ich klingelte beim Namen Werner und

eine Frau mit einem faltigen Gesicht öffnete mir die Tür. Sie führte mich durch den Flur in

das Wohnzimmer. „Also, mein Name ist Jasmin Jakowski und ich arbeitete bei der Kripo.

Mit Ihnen habe ich gerade gesprochen. Was ist denn jetzt genau los?“

„Meine Tochter Anna ist mit ihrer besten Freundin rausgegangen. Dann bemerkte ich, dass

sie nicht wieder zurückkam, und beschloss, Sie anzurufen“, sagte die Frau und wischte sich

die Tränen mit einem Taschentuch weg.

„Ihre Freundin, wie heißt sie?“, fragte ich die Frau.

„Sie heißt Sandra. Sie wohnt in Wiesbaden, in der Dotzheimer Straße 57.“

Das schrieb ich mir auf meinen Notizblock und fragte, wo ihre Tochter Anna und Sandra sein

könnten. „Sie sind um 13:00 Uhr los gegangen. In Mainz ist nämlich seit gestern eine Kerb

und da wollte Anna unbedingt hin.“

„Dann gehe ich mal zu Sandra! Ach so, hier ist meine Visitenkarte, damit Sie mich erreichen

können, falls Anna wieder auftaucht.“

Ich verabschiedete mich und fuhr zu Sandra. Ein Mädchen mit braunen, gelockten Haaren

kam gerade aus dem Haus mit der Nummer 57. Ich stieg schnell aus und fragte, wer sie war.

„Ich bin Sandra, warum?“

„Bist du die Freundin von Anna Werner?“

Sie erschrak und fragte, woher ich das wisse.

“Sind deine Eltern zu Hause?“

„Ja, ich sage ihnen Bescheid. Sie sind doch von der Kripo, oder?“ Ich zeigte ihr meinen

Ausweis, dann ging sie hoch und kam nach zwei Minuten mit ihren Eltern zurück.

Was mich sehr gewundert hatte, war, dass ich nicht, wie üblich, hoch in die Wohnung

gebeten wurde, sondern draußen bleiben musste. Ich fragte nach dem Grund, und der war:

„Die Wohnung ist nicht sauber!“

„Guten Tag, Jasmin Jakowski mein Name. Ich bin wegen Anna Werner hier.“


„Ah, wir waren geschockt, als wir diese Geschichte hörten“, gab die Mutter zu verstehen.

„Sandra war mit ihr auf der Kerb. Erzähl doch, Sandra, was geschah.“

„Anna und ich waren zuerst Autoscooter fahren. Das hat einen Riesenspaß gemacht. Ähhh,

danach haben wir Zuckerwatte gegessen. Dann geschah es. Wir wollten beide unbedingt in

die Geisterbahn. Wir stiegen gemeinsam ein, doch nur ich kam dann wieder heraus“, erzählte

Sandra.

„Und warum hast du nicht mitbekommen, dass sie aus dem Wagen ausstieg, obwohl ihr

gemeinsam in einem gesessen hattet?“

„Ich hatte die Augen geschlossen, weil ich ein bisschen Angst hatte.“

Okay, das konnte ich natürlich nicht verstehen, weil man mit 14 keine Angst mehr vor

Geisterbahnen hatte. Aber warum sollte Anna einfach so verschwinden? Ich fragte, ob Anna

irgendwelche Probleme hatte: in der Schule, in der Familie oder auch draußen. Erst mal

antwortete mir Sandras Vater: „Ja, sie hat einen tyrannischen Vater, der sie immer schlägt.“

Dann sagte Sandras Mutter: „Und bei Elternabenden habe ich oft gehört, wie der

Klassenlehrer mit der Mutter über Mobbing sprach.“

„Sie wird auch immer von zwei Klassenkameraden bedroht, weil sie gepetzt hat, dass sie

rauchen. Du wirst dich noch wundern, sagen sie andauernd zu ihr“, sagte Sandra. Das alles

schrieb ich mir auch auf meinen Notizblock und dann ging ich in mein Büro, um über alles

noch mal nachzudenken.

Also Anna war mit Sandra in der Geisterbahn gewesen und ist dann spurlos verschwunden?

Ich beschloss zum Tatort zu gehen. Um mir alles von innen anzusehen, fuhr ich auch mit der

Geisterbahn. Ich wusste nicht, wovor Annika hier Angst hatte haben können. Hier war doch

gar nichts außer Skeletten, Puppen und künstlichen Spinnen. Aber naja, darüber machte ich

mir keinen Kopf.

Ich ging zum Betreiber der Geisterbahn und fragte ihn, ob er ein Mädchen in der Geisterbahn

herumlaufen gesehen hatte. „Nein, tut mir leid, aber warum? Vermissen Sie jemanden?“ Ich

war überrascht. Warum hat niemand jemandem von der Geisterbahn Bescheid gesagt?

Im Büro habe ich dann die Nummer von Herrn Schlesinger, dem Klassenlehrer der beiden

Mädchen, im Telefonbuch gefunden und mit ihm einen Termin ausgemacht. Wir

verabredeten uns im Café neben dem Bahnhof und der Kerb.

Als ich dort ankam, sah ich dann auch gleich einen Mann mit Anzug und einer Tasche mit

Büchern an einem Tisch sitzen, der gelangweilt drein blickte. Ich war mir sicher, dass er es

war. Wir tauschten Informationen aus und ich fand heraus, dass Anna einen hässlichen,

verklemmten Jungen zurückgewiesen hatte, als er sie gefragt hatte, ob sie mit ihm zusammen

sein wolle. Seitdem surft er auf Killer-Websites herum. Dass sie nicht so gut in der Schule

war und dass sie in der Klasse nicht so beliebt ist wie ihre Freundin, habe ich ebenfalls

erfahren. Ich fragte noch mal wegen Sandra nach, ob sie sie auch nicht gemocht hatte, doch

der Lehrer konnte mir keine Antwort auf meine Frage geben und zuckte mit den Schultern.

Ich bedankte mich und fuhr zu Frau Werner. Sie hatte ganz verweinte Augen.

„Stimmt es, dass Ihr Mann Anna immer geschlagen hat?“

„Ja, ab und zu mal, wenn sie schlechte Noten schreibt, aber nicht feste, er gibt ihr manchmal

Ohrfeigen, mehr nicht“, beteuerte sie.

„Sagen Sie mal, mag sie denn niemanden? Ihre Cousins, Tanten …“

„Nein, eigentlich nicht. Sie hat nur ihre beste Freundin Sandra, ihre Oma in Brandenburg und

mich, sonst mag sie niemanden mehr.“

Ich bedankte mich und fuhr wieder zu Sandra. Im Auto schrieb ich mir wieder alle

Informationen auf, die ich von Frau Werner bekommen hatte.


Kurz darauf stand ich Sandra gegenüber. Wieder sprachen wir draußen miteinander, aber

dieses Mal ohne ihre Eltern. „Kennst du jemanden, der oder die Anna entführt haben

könnte?“, wollte ich von ihr wissen.

„Ja, also es könnten die zwei Jungs gewesen sein, also die beiden Raucher, der Junge, den sie

zurückgewiesen hatte, und der Hausmeister“, gab sie mir zur Antwort.

„Warum denn jetzt der Hausmeister? Was hat der denn damit zu tun?“

„Anna hat mir mal gesagt, das darf ich eigentlich nicht weitersagen, aber Sie dürfen es

natürlich wissen, dass sie unseren Hausmeister, Herrn Klämm, erwischt hatte, wie er einen

PC aus dem Computerraum geklaut hatte.“

„Danke schön, Sandra, ich werde mich noch einmal bei dir melden. Tschau!“

„Tschüss, und finden Sie den Entführer bitte schnell!“

Ich hatte vor zum Büro zu gehen, doch ich hatte einen Riesenhunger. Deshalb fuhr ich erst

einmal zu McDonalds und kaufte mir einen Veggie-Burger und eine große Sprite.

Im Büro schmiss ich mich auf meinem Stuhl, hängte meine Beine über die Armlehne und

fuhr den PC hoch. Dann holte ich mein Essen heraus und stopfte es in mich hinein. Als ich

endlich satt war, ging ich noch einmal alles durch und beschloss, die zwei „Raucher“, den

zurückgewiesenen Jungen und den Hausmeister zu verhören.

Der Hausmeister, der ein unverschämtes Lächeln auf den Lippen hatte, meinte, dass er sich

einen PC habe nehmen dürfen, weil er Geburtstag hatte. Die zwei Jungs behaupteten, sie

hätten ihr nur Angst machen wolle, und der zurückgewiesene Junge sagte: „Ich habe ein

Projekt in der Schule, da muss ich etwas über Killer herausfinden. Ehrlich!“

Ich konnte irgendwie niemandem glauben, doch konnte ich auch nicht glauben, dass man sie

entführt hatte.

Dann fiel mir ein, dass ich noch nicht in Annas Zimmer gewesen war, um dort nach

irgendwelchen Spuren zu suchen. Nachdem ich meine Sprite getrunken hatte, rollte ich also

zu Annas Mutter.

Annas Zimmer war pink gestrichen, die Fenster waren mit weißen Tüchern verhängt und im

Zimmer standen ein Bett, ein Schrank sowie ein Schreibtisch mit Computer und Schulheften

darauf. In der Mitte des Zimmers stand ein Plasma-Fernseher mit einem DVD-Player.

Als Erstes durchsuchte ich ihren Schrank, doch ohne Erfolg. Dort waren tausende von

Klamotten, Taschen und Schuhe. Als Nächstes schaltete ich den PC an. Sie hatte viele

Dateien auf dem PC und ich musste alle öffnen und durchlesen. Dann durchkämmte ich ihren

Internet-Verlauf: SchülerVZ, MSN, Facebook, Spiele, Youtube, Fahrpläne nach Potsdam,

Clipfish, Nachhilfe-Seiten, Kino.to, „Wer kennt wen“ und noch H&M-Websites. Ich schrieb

mir natürlich wieder alles auf, damit ich in Ruhe überlegen konnte. Dann überflog ich ihre

Schulhefte und zuletzt schaute ich mir noch einmal alle DVDs an, die Anna hatte, aber ich

fand nichts Ungewöhnliches.

„Auf Wiedersehen, ich rufe Sie an, wenn ich etwas Neues gefunden habe“, verabschiedete

ich mich.

Auf dem Rückweg überlegte ich, wo Anna nur sein konnte. Als ich im Büro saß, ging ich

noch mal alles durch. Meine Augen hatten sich an die Buchstaben festgesaugt.

Dann griff ich zum Hörer und rief Frau Werner an.

„Hallo, Jasmin Jakowski hier, ich weiß, wo Ihre Tochter ist!“

FRAGEN:

1. Wo ist Anna?

2. Wie hat Jasmin Jakowski das herausgefunden?

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