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»Leib bin ich und Seele« – so redet das Kind. Und warum sollte man nicht wie die Kinder reden? Aber der Erwachte, der Wissende sagt: Leib bin ich ganz und gar, und nichts außerdem; und Seele ist nur ein Wort für ein Etwas am Leibe. Der Leib ist eine große Vernunft, eine Vielheit mit einem Sinne, ein Krieg und ein Frieden, eine Herde und ein Hirt. Werkzeug deines Leibes ist auch deine kleine Vernunft, mein Bruder, die du »Geist« nennst, ein kleines Werk- und Spielzeug deiner großen Vernunft. »Ich« sagst du und bist stolz auf dies Wort. Aber das Größere ist, woran du nicht glauben willst – dein Leib und seine große Vernunft: die sagt nicht Ich, aber tut Ich. Friedrich Nietzsche Kabinettdruck 44 Von den Verächtern des Leibes In: Also sprach Zarathustra


Kabinettdruck 44 Edition Brusberg Berlin Veit Stiller Ansbach eine Erzählung herausgegeben von Tekla Szymanski und Dieter Brusberg im Oktober 2012 aus Anlaß der Ansbacher Skulpturenmeile und Retrospektive Rolf Szymanski veranstaltet von der Stadt Ansbach Juni – Oktober 2011 Dieter Brusberg Kunsthandel. Konzepte. Verlag. Lyckallee 14, 14055 Berlin Tel: +49 30/305.12. 29


Eine Begrüßung in Grau. Der Regenschauer ist weiter gezogen, aber die Sonne bleibt hinter den Wolken und wird sich auch nicht mehr zeigen. So dauert an diesem Oktobertag die Dämmerung etwas länger. Erster Kontakt mit der Altstadt: ein Torturm mit Glockenspiel. Dahinter schlängelt sich als Fußgängerzone die Uzstraße, dem Ansbacher Dichter Johann Peter Uz huldigend, der in seinen galanten Versen die tändelnde Lust der Schäferspiele pries. In der Fußgängerzone geht‘s um die Lust des Kaufens und Verzehrens. Verwinkelte Sträßchen und Gassen zweigen ab, lauschige Winkel bildend. Fassaden von Renaissance bis Gründerzeit traut nebeneinander; Gaststätten, Geschäfte und Cafés zu ebener Erde, das Gewimmel dazwischen wuselt gemächlich. Zwei Kirchturmspitzen lugen über die Firste. Bei den Gotteshäusern freie Plätze, von alters gelegentlich Märkte, mit Brunnen und Skulpturen. Beides seit je Zierde und Ausweis städtischen Wohlstands. Die Stadtoberen führen diese Tradition weiter und möblieren die Idylle sommers mit zeitgenössischer Kunst aus der Region. Die „Skulpturen meile“ des Jahres 2011 ist allerdings mit Werken des Berliner Bildhauers Rolf Szymanski bestückt. Mit der Dunkelheit zeigt sich Sternenhimmel; der Morgen bringt Nebel, der langsam nieselnd nach oben verfliegt, also wieder Graulicht. 5


Diesmal nicht direkt in die Altstadt hinein: außen die Promenade, früher wohl Teil der Wallanlage, entlang zum Markgräflichen Schloss derer von Brandenburg-Ansbach; ein Spross der fränkischen Hohenzollern bekam einst die Brandenburger Kurwürde, worauf sich bald alle nach Brandenburg nannten. Nach Ende dieser Linie wurde das Land an Preußen angegliedert und später von Napoleon an Bayern verschachert. Der Schlossplatz ist gut für Paraden geeignet. Eine Art Insel, nur in der anderen Struktur der Pflasterung kenntlich, spaltet den Platz in zwei Fahrbahnen. Dort ist auffallend exzentrisch ein netter kleiner Brunnen und daneben, genau in der Spitze dieses tropfenfömigen Eilandes eine überlebensgroße Szymanski-Skulptur: „Anabase“. 6 „Anabase“ Eisen, 1983 Höhe 3,87 m Schlossplatz


Eisen mit Patina; eine Frauenfigur mit hohem Kopfputz, oder zu Berge stehendem Haar, presst ein Kind schützend an den Leib. Auf die Knie ist sie gegangen und leicht zurückgelehnt. Ohnmächtig aber aufrecht, weichend vor Allmacht. Der Mensch vor Gott. Wie Armgard, die ihre Kinder sch ützt, vor dem Landvogt Gessler, der ihr wie ein strafender Gott erscheinen muss. An diesem Standort allerdings wird das Handeln des Menschen vor Gott zur Kapitulation vor der Blechlawine des Verkehrs. Vergeblich beschwörende Mahnung zu selbstbewusster Ehrfurcht und Demut. Das wie Männeken Pis pieselnde Brünnlein mit winziger aber trauter Familie ist in den Boden eingelassen. Was für ein Nebeneinander. Lesarten und Assoziationen drängen sich auf – für Szymanskis Figuren ist das nicht ungewöhnlich, aber das verschämt unauffällig bodennahe Geplätscher des Wasserspeierchens wird so noch unwichtiger … Neben dem Schloss in die Altstadt hinein. Wie Strahlen treffen sich Gassen und münden auf das Portal zum Schlosshof. Der ist groß und kahl, schreit geradezu nach einer Szymanski-Figur. Ohne Widerhall. Die geplante Aufstellung der „Öffentlichen Rose“ ließ sich nicht realisieren. 8 „Die öffentliche Rose“ Eisen, 1969/71, Höhe 3,25 m Innenhof Residenz – Fotomontage


Eine Gasse, Durchgang eher, führt zur Reitbahn. An deren anderem Ende residiert in einem pastell-gelb restaurierten Barock-Haus die Kommunale Galerie. Zwei Baumreihen zieren den Platz - dazwischen zwei Szymanski-Figuren. Aufrecht, schlank, archaisch karg und überlebensgroß mit Blick zum Schloss; eisern die eine, aus Marmor die andere, verwittert beide und stolz: „Große Berliner Frauenfigur I und II“. Beide gleichsam aus uriger Masse sich herausschälend, wie Schmetterlinge aus dem Kokon. Er hoffe, hat Szymanski einmal gesagt, „mit einem Klumpen Material jenes Stück zu finden, das Leben aufwiegt.“ Auf einer Seite der Reitbahn herrschen hohe Verwaltungsgebäude mit glatten Fassaden in unanfechtbarem Weiß. Auf der anderen wächst Rosengestrüpp mit Oktober- Blüten über die Mauerkrone und dahinter träumt ein verwinkelter, mit Fachwerk garnierter Hauch von Spitzweg; darüber prangen Schiff und Turm der Hauptkirche St. Gumbertus. Eine gewölbte Hof-Durchfahrt führt direkt dahin. 10 Ensemble „GroßeFrauenFigurBerlin I und II“ Eisen und Marmor Reitbahn


12 „GroßeFrauenFigurBerlin I“ Eisen, 1987, Höhe 2,80 m „GroßeFrauenFigurBerlin II“ Carrara-Marmor, 1987, Höhe 3,53 m


Gewaltig erhebt sich die wuchtige Kirche über die Dächer. Am Schiff entlang weitet sich die Straße etwas hin zu den Bürgerhäusern, wie ein Zugeständnis, und macht die Dimension deutlich. Um den Hohen Chor herum jedoch wirkt die Enge der Gasse neben dem riesigen Bauwerk geradezu erdrückend. Hier ist der Eingang zum Beringershof. Ein einstiges Stiftsgebäude mit Treppenturm, Läuben, offenen hölzernen Umgängen in der Etage und klosterähnlichem Innenhof. Lauschig. Brunnen und Rabatten mit gut gemischter Pflanzung bestimmen sein Flair. Gerade der rechte Ort für Szymanskis zwei „Figuren in großer Höhe“. Lebensgroß thronen sie in anmutig graziler Eleganz auf niedrigen Sockeln. Teile von Industrie-Abfall zu ihren Füßen erheben sie „in große Höhe“, machen sie engelsgleich. Ein Ort zum Verweilen. 14 „Figur in großer Höhe I“ Bronze, 1999 Höhe 2,03 m Beringershof


In einer der Läuben bieten Klappstühle und -tische einer zu dieser Tageszeit noch geschlossenen Restauration Gelegenheit zu unbekümmerter Betrachtung. Wie anders als in dem nach Morgensonne baum-schattigen Winkel im Park, wo sie sonst stehen, wirken die beiden Grazien hier … Das üppig ausladende Grünzeug der Rabatten mit Blüten in sommerlicher Farbigkeit liegt wie ein Teppich zu ihren Füßen, unterstützt und bestärkt das Erhöhende. Die seriellen Formteile sind feindlich Fremdes, „Figur in großer Höhe II“ Bronze, 1999 Höhe 2,00 m Beringershof 17


dem natürlich einmalige Sinnlichkeit entwachsen will; aus dem sie sich wie von selbst „in große Höhe“ heraushebt. Etwas Italienisches hat dieser Hof. Die beiden armlosen Damen erscheinen darin als bronzene Schwestern der marmornen Venus von Milo. In szymanskischem Duktus, versteht sich. Seine Frauenfiguren sind alles andere als filigran. Handfest, bodenständig und erdverbunden sind sie, wie körperliche Liebe. Dabei voller Würde. Ihre Aura lässt sie zerbrechlich erscheinen. „Ich mache nur Frauenfiguren“, hat er einmal gesagt; und auf die Frage, wie er dazu kam, hatte er mit dem ihm eigenen vieldeutigen Grienen geantwortet: „Wie man als junger Mann zur Frauenfigur kommt …“ Nun, da ist er in zahlreicher guter Gesellschaft. Ein Mann, der die Frauen liebt … Nach den Formteilen und Fundstücken befragt, die sich häufig in seinen Werken finden, schwieg er und schien in sich hinein zu lächeln. Sein Gießer, bei dem er seit der Emeritierung auch die Werkstatt hat, meinte: „Vor dem ist nichts sicher. Wenn er plötzlich etwas sieht, was ihm passt, ist es sofort weg, egal was und woher. Das findet sich dann in seiner Skulptur wieder. Wir mussten auch schon Dinge, die wir brauchten, zurückholen …“ Szymanskis erfrischende Unbedingtheit. 18


Der Himmel beginnt, sich aufzuhellen. In St. Gumbertus lagert Gotik. Dem Portal gegenüber hockt auf künstlicher Beule im Pflaster ein Jüngling; zwischen seinen gekreuzten Beinen wächst ein Baum, als ob der Träumer schon Jahrzehnte so sitzt. Ansbacher Ironie? Ein paar Schritte weiter dümpelt das Haus, in dem Kaspar Hauser lebte. An diesem und dem Kaspar-Hauser-Museum vorbei führen Gassen zum Markgrafen-Museum. Das betreut auch ein Stück erhaltene Stadtmauer mit Wehrgang und einem Stadttor. Neben diesem erinnert eine Skulptur an den in Ansbach geborenen Ernst von Bandel. Von den Kindheitsmustern in napoleonischer Fremdherrschaft geprägt und von der Restauration nach dem Wiener Kongress enttäuscht, entwarf er ein Denkmal. Für den Cherusker Herrmann. Als Halt für die Hoffnung: Symbol der Einheit Deutschlands. Nahe Detmold wollte er es errichten: im Teutoburger Wald. – Und wurde verlacht. Er ruinierte sich für seinen Traum. Bis „unser Kaiser Wilhelm“ neue Symbole brauchte. Der hilflose, mönchig wirkende Bronze-Mann wird als Zutat übersehen, wie weiland Bandel selbst, und auch 19


die Sonne, die gerade hervor kommt, lässt ihn jetzt im Schatten: Es ist Oktober. Im Eingangsbereich des Museums steht unter Ahorn- Bäumen und zur Johanniskirche hin Szymanskis Figur „Eng sind die Schiffe III“. Welkes Laub rieselt über die eiserne Lady auf ihrem Nachen, der derart mit Kästen und Ballen und Industrieformen gefüllt ist, dass sie kaum Platz zum Stehen findet. Ein weiblicher Gondoliere stakt Lasten durch ein imaginäres Venedig. 20 „Eng sind die Schiffe III“ Eisen, 1976/97 Höhe 1,64 m vor dem Museum


Blickfang des Museums-Hofes ist die Fortsetzung des Stückchens Stadtmauer mit Wehrgang. Wie von selbst geht der Blick zuerst nach links, wird aber unweigerlich nach rechts gezogen, wo ein opulenter Vorhang von dunkel - grün und rot leuchtenden Ranken Wilden Weins das Ende der Stadtbefestigung verschleiert und eine Ecke füllt. Auf der großen, etwas hügeligen Wiese davor und so platziert, dass der Blick sie zunächst nicht erfasst, steht im Schatten der Johannis-Kirche Szymanskis bronzener „Tag des Überflusses“ aus der Serie „Die Frauen von Messina“. Im Sommer ist der Kirchenschatten kürzer, die Skulptur an dem Platze aber nicht schneller und besser zu bemerken. Nur wer sie sucht, findet sie. Wieso? Und wo sind die zwei anderen? Gerade hier wäre doch Raum für dieses Terzett unbändiger Lust auf restlose Liebe und Innigkeit – und ein Ort für Kontemplation … Könnte die hehre Vergangenheit von so viel prallem Leben Schaden nehmen? Auf behauenem Sandstein-Quader sitzt eine Frau, sichtlich schwanger, auf deren Schoß und Schulter ein Kind tollt. Oder sich kuschelt, oder Geborgenheit sucht, oder aus ihr fliehen will. Ein Kind eben. Beide scheinen Fragment, wie die Momentaufnahme einer unvollendeten, noch im Werden begriffenen Schöpfung; der Stein unter der Frau dagegen ist definierte Hinterlassenschaft von Architektur. Wie sie hier auch ringsum steht. 22 „Tag des Überflusses“ Bronze, 1974, Höhe 1,52 m Museumshof


Die sonnige Ruhe im Hof verleitet zu Betrachtung und da zu, Fehlendes vergessend, Szymanski „zu lesen“. Vielleicht den Assoziationen etwas Lauf zu lassen. Im Gespräch erzählte Szymanski einmal: „Als ich zu meiner Mutter sagte, ab morgen werde ich Bildhauer, meinte sie: verzettel’ dich nicht. Ich habe ihr nicht geglaubt.“ Später, als er in der Arbeit an einer Tonfigur kurz Pause machte, sah er über die Schulter und sagte: Ich habe meiner Mutter nicht geglaubt. Das darf man auch nicht tun. Nie!“ Das klang so, als sei ihm gerade die erste Aussage in den Sinn gekommen. 24 „Die Frauen von Messina: Quelle, BlackSunPress, Tag des Überflusses“ Bronze 1969/73 Das Foto veranschaulicht, wie die Gruppe aufgestellt werden sollte.


Oder war sie immer da und die Arbeit an der Frauenfigur hatte sie gerade wieder einmal freigelegt ? Von seinem Zuhörer erwartete er, dass der seinen Gedanken zügig folgte … Während dieser Reminiszenz ging der Blick, zuerst unwill kürlich dann bewusst, immer im Dreieck: Stadtmauer mit hölzernem Wehrgang, wuchernder Wilder Wein in Grün und Rot, die Schwangere mit dem Kind. Kinder wollen immer weg von der Mutter. Außer manchmal. Wann das ist, entscheidet das Kind, nur darf es das nicht bestimmen. Das tut die Mutter … Beschreibt dieser „Tag des Überflusses“ nicht nur die Mutter mit einem tobenden und einem werdenden Kind, sondern ebenso, womöglich vor allem, das Kind, das dem Überfluss an Fürsorge und der gedeihenden Konkurrenz entfliehen will ? Überfluss erdrückt Freisein ... Szymanski hat eine Schwester und eine Tochter – Männer sind ja eigentlich nur Kinder, die sich rasieren müssen. Die andere Seite von St. Johannis, Martin-Luther-Platz: Blauer Himmel, Sonne. Zwei Türme schließen das Kirchen-Schiff ab, dann beginnt der Hohe Chor. An dessen gotischen Stützpfeilern Heilige und Märtyrer. Daneben auf der Wand hoch oben eine Sonnenuhr, darunter ein Kriegerdenkmal für den Ersten Weltkrieg, und noch einmal darunter ein Mahnstein für die Opfer des Zweiten. 25


Formal erstarrte Gedenk-Kontinuität, dem jeweiligen Zeitgeist folgend und befremdlich gefühlsfrei. Vor diesem Ensemble steht Szymanskis „Gebreite“. Von vorn gesehen ist das ein Klageweib; von der Seite sieht man, dass es zwei Figuren sind: Eine gebeugte Frau mit Kind auf dem Arm und ein mit gebreiteten Armen Stürzender: Jesus fällt vom Kreuz? Die Frau: Hüterin des Lebens und Beweinende zugleich. Madonna mit Kind und Pietà. Was ist nur an Szymanskis Figuren, dass sie so auf den Betrachter, falls der sich auf sie einlässt, einwirken 26 „Gebreite“ Bronze, 1985/88 Höhe 2,50 m Martin-Luther-Platz vor St. Johannis


können, Gefühle, Erinnerungen, Erfahrungen, Vergleiche aus ihm herauslocken? Die schrundig schuppige Oberfläche und der kantige Habitus szymanskischer Figuren bringen in die einge fangene Momentaufnahme den ganzen Kreis des schmerzhaften Werdens und Vergehens ein. Kein heroischer Schwulst, aber voll von Hoffnung. Um das auf diese Weise wahrhaftig vorzustellen zu können, muss man wohl viel Schmerz erfahren haben; Schmerz, der sich anders nicht mitteilen ließ … Mutter und Sohn … Ewige Mutter, die selbst ihren sterbend stürzenden Sohn aufrichten will? Oder auffangen und sanft ablegen, wie damit er sich nicht weh tut … Mütter sind so. Eine etwas andere Pietà? Viele gehen vorüber, keiner verweilt. Man eilt, dirigiert Kinderwagen Richtung Sonne, besänftigt quängelnden Nach wuchs, hastet zum nächsten Laden: ist in Alltäglichkeit verstrickt. Niemand hat hier und in der Sonne Zeit zum Besinnen oder Erinnern. Erinnern … Ist das nicht ein zutage fördern von verschütteten Artefakten? 28


Erinnert wird, was prägend war und etwas auslöste: Fakten, Dinge, Ereignisse, Begegnungen. Das Darum, die Zusammenhänge, verblassen und verschieben sich, verwittern gleichsam. Bis später Chronisten oder Spurensucher sie ausgraben. Nach prägenden, den Weg seines Lebens bestimmende Momente befragt, hatte Szymanski diese präzise geschildert, hatte Begegnungen mit Freunden, Sammlern, Künstlerkollegen benannt: ein Film mit Heinrich George als Andreas Schlüter, HAP Grieshaber, Ehepaar Fürst, Hans Uhlmann, eine kleine afrikanische Skulptur namens „Colloma sans fin“, Rodin und Giacometti, Dieter Brusberg … Zusammenhänge und Chronologie jedoch waren durcheinander geraten – weil sie nicht wirklich wichtig waren und schon „verwittert“. Sind so auch seine Figuren zu lesen? Habitus und Ausdruck, alles kann so oder anders sein. Andere Gassen, nüchtern sachlich, als hätten hier früher Handwerker gelebt und gewirkt. An der Synagoge vorbei; die ist geschlossen, wird aber mit Videokameras bewacht. Die Fußgängerzone der Uzstraße mit ihren Geschäften queren, jetzt pulsiert hier quirliges Gemenge, und in ein Sträßchen hinein. Schmale Häuser zumeist, sehr alt und manche mit später angebauten, gewaltig neoklassizistischen Portalen. Da war damals das Geld zuhause. 29


In Breschen, die wohl der Krieg gerissen hatte, mehr oder weniger dezente Neubauten in glattem Beton. Eine als Durchgang belassene Lücke führt zu einer Bank- Filiale in zeitgenössisch aufgepepptem Altbau. Gegenüber dem modisch gläsernen Eingang in einer Nische neben der Pforte zur Promenade und mit Blick auf den spiegelnden Zugang zum Geldhaus lauert die „Große Sammlerin“. 30 „Große Sammlerin“ Bronze, 1975 Höhe 1,99 m Vorplatz Gewerbebank


Auch wenn zwischen ihren Füßen eine Geschoss-Hülse steht, die ein Schlapphut zum Männeken macht, oder zum vorlauten Lausbuben, man muss sie für ein fabelhaftes Wesen aus dem Reich der Sagen und Märchen halten. Was mag die wohl alles schon gesehen, gesammelt, sich aufgebürdet haben, um es nun mit sich herum zu schleppen? Noch eine Ewige Mutter. Gebeugt, aber stets wachsam. In der Erinnerung voller unerfüllter Träume, selten Müdigkeit gestehend aber schwer arbeitend und streng. Nur manchmal am Abend beim zu Bett bringen milde wie verzeihend lächelnd. Aber auch mit ihrem fortwährenden Behüten erdrückend. Das ewig Fabelhafte … Sind Szymanskis Figuren die Eckpunkte einer fortwähren den Erinnerung ? Seine Art Läuterung ? Die Frauen seiner Erinnerungen als Muse und Modell? Inzwischen ist der Himmel wolkenlos und von fast italienischem Blau. Ein leichter Wind weht. Jenseits der Promenade wartet, in Schachbrett-Geradlinigkeit, das frühere Militär-Viertel: reiner Klassizismus und schön restauriert. Mitten darin zwischen einstigen Unterkünften, Stallungen und der immer-noch Kirche eine große Freifläche, bestens zum Exerzieren geeignet. Karlsplatz. 32


„Zeitsprung“ Bronze, 2008/10 Höhe 4,40 m Karlsplatz In den neu leuchtend weißen und gelben Gebäuden mit grünen Fensterladen sind heute Kultur- und Sozial- Einrichtungen einquartiert. Die belebend frischen Bäumchen auf dem Platz stehen dennoch wie Stadtsoldaten. Und im Goldenen Schnitt der Anlage: Szymanskis „Zeitsprung“. Verweilen. An windgeschützter Stelle wärmt die Sonne sogar noch etwas. 33


Die Skulptur überragt die Bäumchen. Auf schwerer Basis ein Obelisk, wie eine Post-Meilensäule. Seine Spitze ragt in eine Wolke und darauf, mädchenhaft selbstbewusst und kokett lockend, eine Frau. Hier schwebt die Wolke in den Kronen der Bäumchen und die Schöne überragt sie, hat Überblick und kann und will sich allen präsentieren. Es war ein Mai-Tag mit November-Wetter als das Mädchen der Öffentlichkeit preisgegeben wurde. Vor anderthalb Jahren im Skulpturengarten der Galerie Brusberg Berlin. Männer vom Bau mühten sich mit kleinen Maschinen, sie aufzurichten und in Position zu bringen. Etwas abseits stand im Nieselregen ein kleiner, älterer Mann und beobachtete geduldig das Tun: Rolf Szymanski. Der Meister hatte sein Geschöpf entlassen, konnte nun nichts mehr tun. Nur Betrachten, Nachsinnen vielleicht. Die jugendliche Schöne ist so anders als vieles, was er zuvor schuf, ihre Haut ist nicht schrundig, scheint samtig wie Erinnerung. Rückgriff auf Früheres ? In gewisser Weise erinnert das Mädchen an die etwa zehn Jahre zuvor entstandenen Schwimmerinnen. Oder war in jenen regelrecht auftauchenden kecken Gören schon keimhaft die Zeitsprung-Frau enthalten? War das der Abschluss eines Schaffens-Kreises ? 35


Der Zeitsprung wurde aufgerichtet und Szymanski sah zu. Pygmalion bewunderte seine Galathea, der er nichts mehr hinzu zu fügen hatte und die ihre Vollendung erfuhr, indem sie sich gerade endgültig von ihm löste. Wenig später verbreitete sich damals die Kunde: Szymanski arbeitet schon an einer neuen Skulptur. Trotz oder gerade wegen ihrer jugendlich unbekümmerten, selbstbewusst koketten Erscheinung hat die Zeitsprung- Schöne etwas von einer Siegerin. Eine Nike. Schwester und Gegenstück der Berliner „Gold-Else“, der über Kanonenrohren schreitenden preußischen Victoria? Wie auch immer. Hier im ehemaligen Militär-Viertel schwebt übermütig die lockende Lust als Siegerin über Gleichschritt und Präsentiert-das-Gewehr. 36


„Große Synagoge“ Bronze, 1963/2008 Höhe 6,10 m Plateau Borkholder-Haus Theater Ansbach 37


Durch rechtwinklig triste Straßen zum Residenzschloss und weiter, diesem gegenüber, zum Theater, das auch Kino ist: Kultur-Tempel einer Zeit, in der Anschein und Abbilder mehr zählen als Original und Unmittelbarkeit. Hier steht vor dem neuen, sachlich kühlen Entree-Anbau die „Große Synagoge“. Sie spiegelt sich in der Glasfassade und steht so doppelt da, ist auf einen Blick aus zwei Sichten gleichzeitig zu bewundern. Eine riesenhafte Stele. Aus schlankem Kegelstumpf quellen Formen in die Höhe. Wie der Griesbrei aus dem Zaubertopf im Märchen. Nichts figürlich Konkretes. Auseinander hervor- und ineinander übergehende Rundungen von geradezu magischer Sinnlichkeit türmen sich. Ein tiefer, alles beherrschender Riss klafft darin, eine Spalte, die alles trennt und doch zusammenhält. Ein Konvolut versammelter Attribute der Weiblichkeit. Nicht monströs oder obszön, höchstens ein klein wenig verrucht, also Sinnbild der Urkraft. Verführung ohne Anfang und Ende. Ort der Sammlung. Die Oberfläche ist schrundig. Nicht schuppig oder verwitterndes Bröckeln, sondern zu eng geworden aufgebrochene Haut. Was lebt und wächst, muss hin und wieder aus der Haut fahren, abstoßen, was überlebt ist. 38 „Große Synagoge“ Bronze, 1963/2008 Höhe 6,10 m Plateau Borkholder-Haus Theater Ansbach


Synagoge, hatte Szymanski gesagt, habe er immer mit Tora und Schule verbunden, bis HAP Grieshaber ihn einst aufforderte: mach mal was zu Synagoge … Aus seinen Anlässen hat er kein Geheimnis gemacht. Aus den Antrieben schon. Auch die Titel der Werke lässt er gern etwas rätselhaft, zumindest alles offen und vieles möglich haltend. Die Figuren sind ja auch eindeutig vielschichtig. Ein Foto vom Schatten einer Frau auf einer Wand und eine kleine „Negerfigur“ brachten ihn einst dazu, so beschrieb Szymanski einmal, eine „Magma Mater“ schaffen zu wollen. „Mit einem Klumpen Material jenes Stück zu finden, das Leben aufwiegt.“ All die Mütter, die immer auch Frauen sind … Das Urbild der Mutter … Die Große Synagoge? Ein paar Schritte beiseite eine ganz andere Tonart: unter Linden, aber zwei Stufen erhöht steht auf einem klobigen Sockel mit seriellen Schnörkeln eine Figur in leichter Schrittstellung, edel gewandet und natürlich nachgebildet. Kaiserzeitliche Denkmals-Konfektion; diesmal gewidmet dem romantischen Dichter August von Platen. Er wurde in Ansbach geboren. Ein Katzensprung nur ist es, durch ein Pförtchen am Parkplatz, zum Hofgarten, in dem Kaspar Hauser tödlich verwundet wurde. Am Fuße der schlossähnlichen Orangerie mit Terrasse davor, lockt im Parterre eine Anlage, die Elemente des 40


Barock-Gartens mit den Ideen Lennés und Pücklers verbindet. Auch jetzt noch verführt hier die vielfarbige Blütenpracht zum Flanieren. Auffallend viele Fuchsien blühen. Der Arzt und Pflanzenkundler Leonhart Fuchs, nach dem sie benannt sind, wirkte für einige Zeit in Ansbach. Ein Eckchen des Parks ist seinem Konzept eines Botanischen Gartens gewidmet: Arznei-, Nutz- und Zier- Pflanzen in von niedrigen Hecken gesäumten Rabatten: der Rosengarten. Hier vor einer modernen Halle, die „Citrushaus“ genannt wird, aber ebenso gut Autohaus oder Schwimmbad sein könnte, steht Szymanskis „Wasserträgerin (status quo)“. Eine Schwangere mit zum Begrüßungskuss erhobenem Kopf. 41


42 „Wasserträgerin (status quo)“ Bronze, 1980/81/2000/01 Höhe 2,35 m Rosengarten


„Wasserträgerin (status quo)“ Bronze, 1980/81/2000/01 Höhe 2,35 m Rosengarten 45


Zwischen barock gegliederter Botanik und Glaspalast lädt sie zum Besuch ein. Sie empfängt. Eine Priesterin des Lebens. Doch der Tempel ist verschlossen, hier ruhen jetzt Orangen- und Zitronen-Bäumchen dem nächsten Sommer entgegen. Bis vor einer Woche war geöffnet, ließ sich darin Szymanskis Lebenswerk bewundern: Skulpturen aus 52 Jahren. Auf der Terrasse vor der Orangerie laden Tische zu Kaffee und Kuchen in Nachmittagssonne. Auf dem Weg dahin gelangt man zu einem breiten, von Linden gesäumten Weg, der wie eine Schloss-Zufahrt hin auf die Orangerie führt. Und dort, wie eine Wächterin, steht Rolf Szymanskis jüngstes Werk: „Das Dreieck der Mittagsfrau – im Gleichschritt“. Ihre Haut ist noch weicher als bei dem unmittelbar davor entstandenen Mädchen auf der Zeitsprung-Wolke. Aber sie unterscheidet sich von allen anderen Wesen der szymanskischen Schöpfungsgeschichte: sie hat ein ausgeformtes Gesicht. Mehr als ein halbes Jahr hatte Rolf Szymanski daran gearbeitet. 2009 war eine Miniatur entstanden,und so waren Habitus der Figur und ihr Titel schon festgelegt, als er begann. 46 „Das Dreieck der Mittagsfrau – im Gleichschritt“ Bronze, 2010/11 Höhe 2,30 m Hofgarten


Die Rohform der Figur hatten die dienstbaren Geister der Gießerei um das Metall-Gerüst herum in weichem Ton zur Arbeit vorbereitet. Der felsige Sockel und ein darauf liegender Harnisch oder Torso waren jedoch von Anfang an in Gips gefertigt. Unermüdlich hatte Szymanski die Bildung der Skulptur betrieben, nach anfangs energischem Vorgehen bald in immer kleineren, unscheinbar wirkenden Schritten. Die weitaus meiste Zeit verbrachte er dann auf einem Plastik-Stuhl neben der Figur. Anscheinend die Skulptur vor Augen, schien es meist, als ob er in sich hinein sähe, einem inneren Film nachsinne. Dann ging er zur Figur, glättete hier, rieb oder schabte da etwas ab, trug es dort auf. Immer wieder. Er fand keinen Abschluss. Gerade so, als mühte er sich, nicht das Kleinste zu übersehen oder zu vergessen, keinen Fehlern oder Irrungen aufzusitzen, und dadurch dann nicht das auszubilden, was ihn wirklich bewegte. Wenn der dreiundachtzig-jährige Mann in der Werkstatt ankam, strahlte er unternehmungslustig wie ein Lausbub. Er scherzte etwas, zog sich dann um – und wurde dabei regelrecht „in-sich-gekehrt“. Die Aufgeräumtheit versiegte und der sich anschließenden Konzentration folgte bald jenes fast grüblerische Besinnen. Dann besah er das Resultat des letzten Arbeitstages. 49


Je länger sich das Tag für Tag wiederholte, desto mehr drängte sich der Eindruck auf, er fürchte sich davor, das Werk zu Ende zu bringen … Gerade so, als nage in ihm die Angst, nicht nur die Arbeit an dieser Figur abzuschließen, sondern damit auch sein Lebenswerk zu beenden … Szymanskis unentwegtes, in sich versunkenes Sitzen neben der Figur erschien bald geradezu magisch. Wie etwas, das man nicht will, das einen aber dennoch nicht loslässt, zog das Ensemble aus Mann und Figur seine Umgebung in Bann – und lähmte jedes andere Beginnen. Eine Szene von gewaltiger Intensität und Energie, die alles an- und aufsaugte – Zaungäste und Fremde verjagte. Der alte Mann und die Figur … Auch die Absicht, ihm Fragen zu stellen, erstarb. Das bedrückende Gefühl verfestigte sich, jegliches Rühren an Szymanskis Kreisen könne diese zerstören und womöglich Folgen haben … An denen man nicht schuldig sein will. Unaufhörlich rückte der Termin heran: die „Mittagsfrau“ sollte zur Ansbacher Skulpturenmeile der Welt präsentiert werden. Und so sprach schließlich ganz pragmatisch der Gießer das Machtwort und beendete Rolf Szymanskis Nachsinnen: Wenn ich jetzt nicht die Form mache und gieße, wird die Skulptur nicht mehr fertig. 50


Rolf Szymanski im Citrushaus im Sommer 2011 Und nun steht sie im Hofgarten zu Ansbach, ist eigenwillig schön und gibt Rätsel auf. Allen voran der Titel. „Das Dreieck“ – welches? Das Delta der Venus, die Scham? „Der Mittagsfrau“ – der Mittagshexe aus dem Märchen, oder einer Frau am Mittag des Lebens ? „Im Gleichschritt“ – mit wem ? Szymanski ? Die Frau strauchelt mehr als sie schreitet über einen schuppigen Torso hinweg. Im Gesicht ein merkwürdiger Zug, der Lächeln sein kann, oder Mitleid, Bedauern, Verachtung, auch mühsam beherrschter Schmerz. Eine Hand stützt den Kopf. Eine Wunde pressend, aus 51


Erschöpfung, Verwunderung, Entsetzen? Der zweite Arm scheint auf den Rücken gedreht. Als ob die Hand ein in die Erde gerammtes Schwert umklammern würde, an das sie sich anlehnt. Oder ist, was wie Schwert scheint, ein gebrochener Flügel, dessen Ebenstück ebenso fehlt wie der zweite Arm ? Die Orangerie-Terrasse lockt mit Sonne, Kaffee und Kuchen. Füße ausstrecken, genießen, die Blütenpracht im Parterre bewundern. Die Aura der Mittagsfrau ist dennoch mitgekommen. Und ist stärker als heißer Kaffe und spätes Blühen. Wer ist sie? Penthesilea, vom Kampf gezeichnet und erschöpft, über dem Leib des erschlagenen Achill stehend ? Nachdem sie tötete, was sie liebte. Oder noch eine Nike, diesmal eher Victoria, entsetzt über Morden und Hackstücken, in dem auch sie Federn lassen musste, bei letztem Gang über das Schlachtfeld ohne Sieger? Nur Verlierer, einschließlich ihrer selbst. Eine Frau, die ein Kind verlor und aus dem Himmel der guten Hoffnung unvermittelt auf harte, felsige Erde geriet ? Aus welchem Märchen stammt diese sagenhafte Mittagsfrau? Ist sie ein Resümee? Die Summe aller Frauen in großer Höhe oder engen Schiffen, aus Messina, Berlin oder anderswo, all der Schwimmerinnen, Sammlerinnen, Hüterinnen? 52


Von der verdichteten Verallgemeinerung in die Individualität erhoben? Die beispiellos einmalige und einzigartige Frauenfigur als einzig universale? Und zugleich der Beginn von etwas Neuem? Die Fährfrau, die hinüber geleitet … ein weiblicher Charon? Die Sonne wird golden und verschwindet hinter den Baumkronen. Der leise Wind wird stärker, bläst zum Aufbruch. Auf dem Weg zurück in die Altstadt abermals an der „Mittagsfrau“ vorbei. Neue, andere Assoziationen. Dann am großen Eisen-Tor des Parks noch ein Blick zu ihr zurück. Das Gesicht … Wer hat auf Rolf Szymanski so tief prägend eingewirkt, dass er nie darüber sprach, aber dieses Gesicht ausformte, als einziges in seinem Lebenswerk ? Eine Vermutung liegt auf der Hand: es ist das Gesicht der Frau, Mutter seiner Tochter, die bis vor kurzem das Leben mit ihm teilte … Männer sind nicht wirklich mutig; es muss vieles geschehen, bis sie beginnen, es zu werden. Ist die Mittagsfrau eine Hommage, eine Liebeserklärung an die, deren Gesicht sie hat ? Ein Versprechen Rolf Szymanskis … Finale Einsicht nach aller Suche … 53


Sind all diese Assoziationen und Gedanken vielleicht nur „Spöken-Kiecken“ und er sitzt zu Hause, lächelt sein verschmitzt vielsagendes Lächeln und hat schon die nächste Figur in Arbeit ? Der Eindruck von Wärme verzog sich längst mit der Sonne hinter neu aufziehenden Wolken. Es ist Oktober. Am Schloss, hinter einer steinernen Balustrade und einige Meter tiefer gelegen als die Straße, ist ein kleiner Garten. Dort steht zwischen den Baugerüsten der Restauratoren auf zementen bestäubtem Rasen ein kahler Baum mit roten Äpfeln. Einige sind schon abgefallen … Das Licht ist wieder grau. Sonntags-Ausflügler trotten plappernd heimwärts, einige haben müde Kinder im Schlepptau oder selig schlafende im Kinderwagen. Die ersten eiligen Händler zieren ihre Schaufenster- Auslagen schon mit Weihnachts-Attributen. Aber vor dem Stadttor an der Uzstraße blüht es noch in großen steinernen Schalen üppig Blau und Purpur. Die Altstadt von Ansbach ist eine Idylle: Alles überschaubar, einfach und klar. 54


Dank an alle, die dies ermöglichten. Vor allem aber: Dank an Rolf Szymanski, der sich geduldig befragen und beobachten ließ. Veit Stiller


Die Retrospektive im Citrushaus Als wichtiger Bestandteil der Ansbacher Skulpturenmeile fand vom 25. Juni bis zum 28. September 2011 im dortigen „Citrushaus“ am Rosengarten eine Retrospektive Rolf Szymanskis statt, konzipiert und kuratiert von Dieter Brusberg. 60 bedeutende Werke aus allen Phasen der bislang 52 Jahre währenden Schaffenszeit des Künstlers ermöglichten einen umfassenden Einblick in seine Arbeit. Im bewussten Kontrast zu den mächtigen Figuren im öffentlichen Raum wurden hier Kleinplastiken und Werke mittlerer Größe gezeigt, die – trotz ihres intimen Formats – eine ebenso monumentale Wirkung entfalten. Da die kleinformatigen Skulpturen nicht in Vitrinen – also Glaskästen im Glashaus - ausgestellt werden sollten, entstand die Idee, sie auf Stelen aus Stahl in die Blickhöhe der Betrachter zu heben. Kubische, weiße Sockel fassen sie in Gruppen zusammen und verschaffen ihnen die notwendige Distanz zum Betrachter. So entstand ein „Stelenwald“, durchsichtig wie die Citrushalle. Maßgeblich beteiligt an der Planung dieser Ausstellungsarchitektur war das befreundete Büro Helge und Nikolaus Sypereck in Berlin. A. C. 57


Blick auf das Citrushaus mit der „Wasserträgerin“ 59


Blick in das Citrushaus mit 60 Werken Rolf Szymanskis aus 52 Jahren 61


62 „Stehende weibliche Figur“ 1959, Höhe 39,5 cm


„Fräulein in Algier“ 1961, Höhe 145 cm 63


64 „Figur Ghana S“ 1964, Höhe 114 cm


„Serpentina“ 1964/65, Höhe 79 cm 65


66 „Madonna von Ephesus“ 1967, Höhe 98,5 cm


„Die öffentliche Rose“ Entwurf 1968, Höhe 58,5 cm 67


68 „Wasserträgerin“ 1978, Höhe 32,5 cm „Gebreite II“ 1982, Höhe, 35,5 cm


„Sitzende mit den Rücken zur Wand“ 1997/98, Höhe 94,5 cm 69


70 „Fig. in dem Bassin. Körper und Höhlung“ 2002, Höhe 146 cm


„Tohe ve bohe“ 2006, Höhe 40,5 cm 71


Impressum Kabinettdruck 44 Edition Brusberg Berlin 2012 Veit Stiller Ansbach eine Erzählung Aus Anlaß der Skulpturenmeile 2011 mit Rolf Szymanski in der Stadt Ansbach Dieter Brusberg Kunsthandel. Konzepte. Verlag Lyckallee 14 D – 14055 Berlin db@brusbergfineart.com www.brusbergfineart.com Redaktion: Dieter Brusberg, Dr. Annette Ciré EDV und Archiv: Wilfried Meyer Gestaltung: Michael de Maizière Druck: Ruksaldruck, Berlin Auflage 1111 Seite 1: „Zukunft braucht Herkunft“, 2008 Höhe 24,5 cm Seite 72: „Das Dreieck der Mittagsfrau – im Gleichschritt“, 2009 Höhe: 21,5 cm Fotos: Jim Albright, Ansbach: Titelbild, S. 4, 6, 7, 14, 15, 16, 20, 21, 23, 26, 27, 34, 36, 37, 39 Peter Gauditz, Hannover: Frontispiz, S. 11, 12, 13, 17, 30, 31, 33, 41, 42, 43, 44/45, 47, 48, 51, 58/59, 60/61 Dr. Alfred Meyerhuber, Ansbach: S. 55, 56 Werkfotos: Archiv Brusberg Berlin Portraitfotos: Karin Szekessy, Hamburg, Reinhard Friedrich, Berlin, Studio Lessmann, Hannover, Archiv Rolf Szymanski, Berlin und Archiv Brusberg, Berlin.

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