Bericht Schweizer Illustrierte Dezember 2010 - Berghaus-Bort

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Bericht Schweizer Illustrierte Dezember 2010 - Berghaus-Bort

Jungfrau-Region

� ROMANTISCHE BERGHÜTTEN direkt an der Piste

� CHARME DER JAHRHUNDERTWENDE auf der Wengernalp

� RAHMSCHNITTEN von der höchstgelegenen Confiserie der Welt

AM FUSSE DER JUNGFRAU auf

2061 m ü. M. liegen die Jugendstil-

Hotels «Bellevue» und «Des Alpes».

Geführt seit Generationen von der

Familie von Almen und nur per

Zahnradbahn von Grindelwald oder

Wengen aus erreichbar.

Fondue im «Häxehüsli» oder Foie gras

auf der Sonnenterrasse des schönsten

Berg hotels der Schweiz: Die Jungfrau-Region

hat mehr zu bieten als 200 Kilometer

Pisten und die höchste Eisenbahn Europas.

14 Schweizer Illustrierte al dente Gletscherträume

Schweizer Illustrierte al dente 15


Jungfrau-Region

NICHT NUR FÜR HOTELGÄSTE Auf der

Sonnenterrasse des Hotels Jungfrau auf der

Wengernalp serviert Gastgeberin Patrizia

Eggemann Riesencrevetten oder auch mal

haus gemachte Foie gras im Töpfli.

WEG VOM RUMMEL und trotzdem direkt an der Skipiste: das Berghotel Jungfrau

Schweizer Illustrierte al dente

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Jungfrau-Region

WIE IN ALTEN ZEITEN

Der Salon des Hotels Bellevue

des Alpes auf der über 2000 Meter

hoch gelegenen Kleinen Scheidegg

stammt aus den 20er-Jahren und

blieb seither fast unverändert.

In FaMILIEnBESItz Die Hotels auf der Kleinen Scheidegg und der Wengernalp

HIER SCHREIBT DER CHEF

Urs von Almen ist seit 14 Jahren

Besitzer des Hotels Jungfrau auf der

Wengernalp und kümmert sich

persönlich um Küche und Gäste.

18 Schweizer Illustrierte al dente

Text Dominic Geisseler

Fotos Kurt Reichenbach, Charles Seiler

WENN KURZ NACH halb sieben Uhr

die letzte Zahnradbahn überfüllt mit

zufriedenen, aber müden Ski fahrern

die Wengernalp verlässt, wird es ruhig

im Hotel Jungfrau. Wo sich vor wenigen

Minuten noch Kinder tummelten,

Massen die grosse Terrasse bevölkerten

und japanische Gruppen kichernd

um die Wette knipsten, kehrt plötzlich

Stille ein. Stille. Jene geheimnisvolle,

mystische Stille, die so einzigartig

ist oben in den weissen Bergen auf

1900 m ü. M. Goldrot strahlt der mächtige

Gletscher, zum Greifen nah, das

letzte Sonnenlicht zurück, und ganz

oben auf dem Jungfraujoch blitzt die

aluminierte Verkleidung der imposanten

Wetterstation im Abendlicht.

Die Hotelgäste stehen in kleinen Gruppen

auf der Veranda, sprachlos ob diesem

täglichen Naturschauspiel, ehrfürchtig

vor der ungeheuren Masse von Stein

und ewigem Schnee, die sich direkt vor

ihnen in Millionen von Jahren aufge­

türmt hat. Ein Entkommen gibt es

nicht. Bis die erste Bahn um halb acht

Uhr morgens ankommt, bleiben die

Gäste unter sich. Eine verschworene

Gemeinschaft – fast wie in einem

Agatha­Christie­Roman.

Drinnen im 1865 erbauten und abgesehen

vom neuen, modernen Flügel

äusserst sanft und liebevoll renovierten

Hotel Jungfrau ist es gemütlich warm.

In der Bar beim Eingang brennt ein

Feuer im Kamin, im Salon wird zum

Abend essen aufgedeckt. Hausherr und

Besitzer Urs von Almen, der das Hotel

seit 14 Jahren führt, gibt letzte An weisun

gen, während er den jüngsten Spross

der Hoteliers­Familie auf den Armen

in den Schlaf wiegt.

Ein spezielles, ein einzigartiges, ein

traumhaftes Hotel, in dem sich schon

Richard Wagner, Ferdinand Hodler,

Tschaikowsky oder Mark Twain inspirieren

liessen. TV und Minibar gibts nicht

in den Zimmern, auch keine Wellness­

Oasen, dafür ist korrekte Kleidung

Vorschrift, und wer zum ersten Mal hier

buchen möchte, muss sich ein paar

kritische und persönliche Fragen am

Telefon gefallen lassen. «Das ist keine

Schikane, doch es ist wichtig, dass

die Gäste zusammenpassen», erklärt

von Almen, der mit seinen langen,

ge pflegten Haaren eher aussieht wie

ein Zürcher Werber denn ein Besitzer

eines Berghotels irgendwo in der alpinen

Wildnis. Hin und wieder werden denn

auch potenzielle Gäste abgewiesen. Doch

wer es schafft, eines der 23 Zimmer

im meistens ausgebuchten «Jungfrau»

zu bekommen, der kehrt immer wieder

zurück. Nicht zuletzt des Essens wegen.

AUF DER TERRASSE werden Foie

gras Maison im Töpfchen, hausgemachte

Zwiebelsuppe oder Spaghetti mit

geröste ten Datteltomaten, Oliven und

Kapern serviert. Am Abend im grossen

Speisesaal wirds gediegen. Roulade

von Seezunge und Lachs auf Gurken­

Spaghetti, Creme von Zuckererbsen und

Minze mit Kalbsbries sowie ein Perlhuhn

im Lardo­Mantel an Wacholderjus

stehen beispielsweise auf der handgeschriebenen

Speisekarte. Das Fünfgangmenü

wechselt jeden Tag und ist

im Zimmerpreis von 420 bis 540 Franken

für zwei Personen inbegriffen. Denn

Alternativen gibts keine. Das nächste

Hotel liegt eine Bahnstation und gut

hundert Höhenmeter entfernt oben auf

der Kleinen Scheidegg und gehört

Andreas von Almen, dem Bruder von

Urs. Und auch das «Bellevue des

Alpes», diesen Herbst ausgezeichnet als

«Historisches Hotel des Jahres 2011»,

ist eine Trouvaille, gebaut in den 20er­

Jahren, mit französischem Festsaal,

Salonzimmer und prächtigem Speisesaal,

traumhaft gelegen direkt am Fusse

von Eiger, Mönch und Jungfrau. Das

Essen auf der riesigen Terrasse ist

etwas bescheidener als auf der Wengernalp

und vor allem auf die Skifahrer

und Tagesausflügler ausgerichtet

(Gerstensuppe, Hobelkäse, Zürcher

Geschnetzeltes). Dafür befindet sich

gleich neben dem Hotel im ehemaligen

Bahnhofbuffet die meist rappelvolle,

bistroähnliche «Röstizzeria», wo

während der Saison den ganzen Tag

goldgelbe Rösti in allen erdenklichen

Variationen angeboten werden.

Von der Kleinen Scheidegg, dem

eigentlichen Verkehrsknotenpunkt der

Jungfrau­Region, bietet sich natürlich

ein Abstecher zum «Top of Europe» an,

HOTELIERS MIT HERZ UND SEELE

Der gelernte Architekt Andreas von Almen

und seine Frau Silvia führen das «Bellevue

des Alpes» auf der Kleinen Scheidegg, das

als «Historisches Hotel des Jahres 2011»

ausgezeichnet wurde.

ALLES HAUSGEMACHT Den währ schaften

Apfelkuchen gibts für Sonnen anbeter

auf der weiss gedeckten Aus sichtsterrasse

für Hotelgäste im über 100-jährigen

Salon des Hotels Jungfrau.


EIN BESONDERES KULINARISCHES

ERLEBNIS bietet das «Regina» in Wengen.

Ein Tisch steht mitten in der Hotelküche,

wo man Küchenchef Mickaël Cochet (r.) und

seinem Team bei der Arbeit zusehen kann.

SCHLEMMEn an DER PIStE Haute Cu isine im «Regina», Fondue im «Häxehüsli»

ROMANTIK PUR «Mary’s Café» ist

eine Berghütte wie aus dem Bilderbuch,

direkt beim Zielhang der Lauberhorn-

Abfahrt gelegen und mit einem schönen

Angebot an lokalen Spezialitäten.

der höchstgelegenen Bahnstation

Europas und mit jährlich über einer

halben Million Besucher auch eine

Top­Destination im Schweizer Tourismus.

Die knapp einstündige Fahrt durch

Stein und ewiges Eis ist ein Erlebnis für

sich, die Aussicht auf den 22 Kilometer

langen Aletschgletscher und das Meer

von weissen Gipfeln atemberaubend.

Hier im ewigen Eis wird übrigens

auch einer der exklusivsten Whiskys

gelagert, der Swiss Highland Single

Malt der innovativen Interlakener

Brauerei Rugenbräu. Jahrelang reift

der Alpen­Whisky in den Eisgrotten

des Jungfraumassivs, bis er dann

als edles «Ice Label» im Hotel Palace

in Luzern oder in den Bars des Fünf­

Sterne­Luxushotels Viktoria­Jungfrau

in Interlaken kredenzt wird.

NICHT GANZ MITZUHALTEN MIT

DER TOPLAGE vermag die Kulinarik

auf dem Jungfraujoch. Zwar werden

auch hier oben in den Restaurants

Crystal, Mönch und Eiger in dünnluftigen

3454 Metern Rahmgeschnetzeltes,

Trockenfleisch und Gulaschsuppe

angeboten, im Sommer im Restaurant

Bollywood gar ein indisches Buffet,

doch lohnt es sich, mit dem Dessert

noch etwas zuzuwarten und den Zug

zurück zur Station Eigergletscher zu

nehmen. Hier, im alten Stationsgebäude,

findet sich ein weiteres Highlight:

die höchstgelegene Confiserie der Welt

mit eigener Schokoladen­Produktion

und ihren weit über die Region hinaus

bekannten, luftigen Rahmschnitten

und Eigerspitzli­Pralinés. Kreiert

wurden die zartsüssen Spezialitäten

vom inzwischen pensionierten Konditor

Fritz Schlatter, der aber immer noch

zwei, drei Mal pro Monat vorbeischaut

und dafür sorgt, dass sein bestgehütetes

Rezept auch richtig umgesetzt wird.

VON DER STATION EIGER-

GLETSCHER ZURÜCK INS TAL

gibt es für Skifahrer zwei Möglich­

keiten. Eine davon ist die gemütliche,

kilo meterlange blaue Piste Nummer 25

hinunter nach Grindelwald. Zum

Zvieri lohnt es sich, in einem der direkt

an der Abfahrt gelegenen Berggast­

häuser einzukehren. Im urchigen

«Alpiglen» zum Beispiel mit seinen

berühmten Käseschnitten. Oder

in der etwas moderneren «Brandegg»,

wo es die besten Öpfelchüechli im

ganzen Tal gibt. Dutzende von den

Desserts mit der feinen Vanillesauce

werden hier täglich von Hans­Peter

Meyer und seinem Team hergestellt.

Wers lieber etwas gediegener hat,

der geniesst den Apéro in der Jugendstil­Bar

des Hotels Regina, Mitglied

der «Leading Small Hotels of the Word»,

nur wenige Schritte vom Bahnhof

gelegen. Oder aber man fährt mit der

Gondelbahn hinauf nach Bort. Auf

dieser Sonnenterrasse an der Mittelstation

der Firstbahn haben sich das

junge Ehepaar Claudia und Bruno

Brawand mit ihrem knapp zweijährigen

Söhnchen Nick ein kleines Paradies

geschaffen. Das rustikale Berghaus

wurde vor zwei Jahren komplett

umgebaut und vereint jetzt gekonnt

alpine Hüttenromantik mit modernem

Design. In den urchigen Stuben mit

Vitra­Stühlen und dem lodernden Feuer

hinter Glas gibts Rösti oder den viel

gerühmten Nüsslisalat mit geschnetzelter

Leber vom Grindelwaldner Kalb. Für

Urs Kessler, Chef der Jungfraubahnen,

ganz klar der Aufsteiger und Newcomer

der ganzen Region.

Eine weitere Variante, um von der

Sta tion Eigergletscher ins Tal zu gelangen,

führt von der Kleinen Scheid egg

über die schwarz markierte Lauber horn­

Route hinunter nach Wengen. Die

steilste Weltcup­Abfahrt der Welt sieht

zwar von oben unüberwindbar aus,

doch man kann sie auch ganz gemütlich

im Zickzackkurs oder im alt bewähr ten

Stemm bogen bewältigen. Und das

lohnt sich. Am Ende der Piste, wo

Fernseh­Moderatoren jeweils live aus

den blechernen Kabinen vom grössten

Sport anlass des Jahres berichten,

steht nämlich eines der gemütlichsten

Pistenbeizli der ganzen Jungfrauregion:

Mary’s Café. Ein Bijou von einer

Skihütte, ein Hexenhäuschen, das

alle Klischees bedient. Vom grossen,

offenen Kamin, den (elektrifizierten)

Petrollampen über die alten Holztische

und ­stabellen bis zur Speisekarte.

Jungfrau-Region

GRANDHOTEL MIT STIL Das

1894 erbaute «Regina» in Wengen

wurde vom Besitzer-Ehepaar Guido

und Ariane Meyer immer wieder

sanft renoviert.

FONDUE IN «MARY’S CAFÉ»

Gekocht wird im Hotel Regina, aufgetischt

im gemütlichen Pistenbeizli.

Für reibungslosen Nachschub

sorgen die aufmerksamen Service-

mitarbeiter.

Schweizer Illustrierte al dente

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Jungfrau-Region

COOLE BAR Das renovierte

Berghaus Bort bei der gleichnamigen

Gondelbahn-Station am Fusse des

Schwarzhorns vereint alpine Hüttenromantik

mit modernem Design.

nEWCOMER DER REGIOn Das Bergha us Bort mit der schönsten Sonnenterrasse

KREATIVE VORSPEISE Als

Entree serviert Küchenchef Hubert

Mayer im Stübli der «Schönegg»

ein pochiertes Ei auf einem Gemüse-

bett mit Trüffelscheiben.

22 Schweizer Illustrierte al dente

Raclette, Hobelkäse von der Alp und

natürlich Fondue – hier «Gschmolzana

Käse im Chacheli» genannt – sind

heiss begehrt, aber auch die nach altem

Rezept zubereitete «Liebstöckel­

Härpfelsuppa» mit Wurst vom Schiltwald

oder die Wachteln vom Feuer

erfreuen Gaumen und wärmen Herz

und Seele, wenns draussen chutet und

stürmt. Dass in der kleinen Hütte

auf so hohem Niveau gegessen wird,

hat seinen Grund. Mary’s Café ist eine

Dependance des 1894 erbauten Viersternehotels

Regina in Wengen, und die

Speisen stammen aus derselben Küche,

die auch das noble Hotel­Restaurant

Chez Meyer’s mit seinen 15 GaultMillau­

Punkten bedient. Eine clevere Idee

vom Hotelbesitzer­Ehepaar Guido und

Ariane Meyer: «Im Hotel können wir

leider kein Fondue servieren, da wäre

der Käsegeruch zu aufdringlich. Deshalb

haben wir dieses Häxehüsli erworben.

Und unsere Gäste sind begeistert.»

Von Mary’s Café lohnt es sich, zu Fuss

zurück nach Wengen zu gehen. Der

gemütliche, rund 30­minütige Marsch

führt auf einer gepfadeten Landwirtschaftsstrasse

vorbei an uralten Holzhäusern

mit ihren durch Sonne und

Wetter verwitterten Fassaden, an

Wasserfällen, die im Winter fast nur

aus Eiszapfen zu bestehen scheinen,

und dem liebevoll hergerichteten

Marionetten­Theater am untern

Dorfrand. Der Weg gibt immer wieder

den Blick frei durch die verschneiten

Tannenzipfel ins tief unten gelegene

Lauterbrunnental. In Wengen angekommen,

ist das «Regina» unübersehbar.

Hoch über dem Bahnhof thront der

viktorianische Bau mit seinen rund

90 Zimmern und Suiten. Keine Chalet­

Architektur, keine Berghütten­Atmosphäre,

sondern ein Grandhotel mit Stil,

jahrzehntelang immer wieder sanft

renoviert und von Ariane Meyer liebevoll

mit wertvollen Antiquitäten und

Accessoires eingerichtet. Die grosse

Lobby mit der Bar, dem Flügel am

Fenster und dem riesigen Cheminée

erinnert an vergangene Zeiten, als

die Gäste noch mit Überseekoffern

anreisten und gleich für mehrere

Monate blieben. Aber auch kulinarisch

setzt das «Regina» Massstäbe. Während

in Jack’s Brasserie mit den riesigen

Kronleuchtern vor allem Währschaftes

wie Coq au Vin, Lammhaxe oder

Potaufeu auf den Tisch kommt, wird

im «Chez Meyer’s» die grosse Küche

zelebriert. Einzigartig etwa das Poulet

de Bresse, mit Flusskrebsen gefüllt

und an einer Pilzsauce serviert. Oder

das in der Folie gegarte Rindsfilet

mit geräuchertem Speck, Artischocken­

Mousse und Périgord­Trüffeln. Wer

beim Kochen zusehen möchte, reserviert

sich den Tisch La Bulle und erlebt

so hautnah die Künste des langjährigen

Küchenchefs Mickaël Cochet.

DAS «REGINA» IST ALLERDINGS

nicht das einzige Hotel im autofreien

Winter­Kurort, das einen Besuch lohnt.

Etwas weiter oben liegt der uralte,

verträumte «Falken», der mit seinem

Jugendstil­Salon und der gemütlichen

Bibliothek ebenfalls zu den «Swiss

Historic Hotels» gehört. Und gleich da­

neben, über den Geleisen der Jungfraubahn,

das «Caprice», wo Eric Sana seit

Jahren eine Küche auf hohem Niveau

pflegt und seine Gäste mit Hummer­

Variationen oder einer Symphonie von

der Entenleber verwöhnt. Auf der

andern Seite des Dorfes, leicht erhöht

am Ende der Strasse, sorgt der ehemalige

Skirennfahrer René Berthod im

Romantikhotel Schönegg für kuli na rische

Höhenflüge. Sein langjähriger Koch

Hubert Mayer, früher als Skispringer

ebenfalls im Skisport tätig, verfeinert

ständig die Küche und versucht sich

immer wieder an neuen Kreationen. In

der gemütlichen, mit Altholz renovierten

Gaststube, wo sich während des Lauberhorn­Rennens

die Stars des Ski­Zirkus

die Klinke reichen, wird denn auch

klassisch und kreativ aufgetischt:

zar teste Kalbsbäggli im Kartoffel­Stroh,

Filet vom Piemonteser Rind an Portweinjus

oder Wolfsbarsch und Hummer

an Krustentier­Vanillesauce.

Wer genug von Bergen, Schnee und

Aussicht hat, steigt in die Bahn

und fährt runter nach Lauterbrunnen

und weiter nach Wilderswil. Das kleine

malerische Dörfchen, auf halbem

Weg nach Interlaken gelegen, ist nicht

Fortsetzung Seite 27

BERGFÜHRER-PLÄTTLI Bruno

Brawand führt zusammen mit seiner

Frau Claudia das vor einem Jahr

neu eröffnete Berghaus Bort an der

Firstbahn in Grindelwald.

PERFEKTE GASTGEBER Der ehemalige

Skirennfahrer René Berthod (l.)

und seine Lebenspartnerin Sina Steiner

im Romantik-Hotel Schönegg in Wengen.

Für neue Kreationen aus der Küche

sorgt Hubert Mayer.


Jungfrau-Region

APRÈS-SKI In der Cheminée-Bar des «Caprice» in Wengen serviert Hotelier Christian

Aubert Cocktails, im Restaurant wird französische Gourmetküche aufgetischt.

CHARME DER JAHRHUNDERTWENDE Das Hotel Falken in Wengen mit einzigartiger

Atmosphäre ist seit der Erbauung 1895 im Besitz der Familie von Allmen-Cova.

PIZ GLORIA Auf dem 2971 Meter hoch gelegenen Schilthorn wurde der legendäre

James-Bond-Film gedreht. Das Drehrestaurant bietet eine atemberaubende Aussicht.

TUMMELPLATZ Bis zur letzten Talfahrt der Wen gernalpbahn herrscht Hochbetrieb auf

der Kleinen Scheidegg. Rösti gibts in der «Röstizz eria», Kuchen im «Bellevue des Alpes».

DAS BESTE IN WENGEN Im «Chez Meyer’s» im Hotel Regina kocht Mickaël Cochet für

15 GaultMillau-Punkte: z. B. Randenrisotto mit Foie gras, Jakobsmuschel und Erdnusssauce.

HAUSBAR DES «BELVÉDÈRE» Im 1912 erbaut en Jugendstil-Hotel in Wengen logieren

während des legendären Lauberhorn-Rennes jew eils die besten Schweizer Skirennfahrer.

EDLE TROPFEN Im Weinkeller des Restaurants Alpenblick in Wilderswil lagert

GaultMillau-Koch Richard Stöckli Raritäten und Spitzenweine aus der ganzen Welt.

WELTREKORD Bei der Station Eigergletscher gibts die höchstgelegene Confiserie der Welt.

Konditoren Fritz Schlatter (l.) und Adrian Furer präsentieren ihre Eigerspitzli.

HÖCHSTE EISENBAHN Lokführer Bruno Balmer vor seiner Bahn. In dem alten Stationsgebäude

der Jungfraubahn rechts ist das Restaurant Eigergletscher untergebracht.

24 Schweizer Illustrierte al dente Schweizer Illustrierte al dente 25


SONNE TANKEN Berühmt ist die «Winter -

egg» bei Mürren für ihr reich haltiges Älplerzmorge

mit Produkten aus der eigenen

Käserei und für die traumhafte Aussicht

auf Eiger, Mönch und Jungfrau.

aBStECHER naCH MÜRREn Der sch önste Blick auf Eiger, Mönch und Jungfrau

DER NAME SAGTS In der oberhalb von

Mürren gelegenen Berghütte Suppenalp

gibts vor allem eins: Suppen. Aus Kartoffeln,

Gemüse, Kürbis. Gulasch suppen,

Suppen mit und Suppen ohne Wurst.

nur bekannt für seinen Bergsteiger­

Friedhof, sondern vor allem auch

für die zweifellos beste Küche in der

ganzen Region. Seit mehr als einem

Vierteljahrhundert steht Richard Stöckli

am Herd des traditionsreichen, über

300 Jahre alten «Alpenblicks». Und

ebenso lang überzeugt der mit 16 Gault­

Millau­Punkten ausgezeichnete Spitzenkoch

Gäste wie Gastrokritiker. Schon

fast legendär ist etwa die zwölf Stunden

mit Sternanis geschmorte Brust des

Ormalinger Schweinchens, serviert

mit Bärenkrebsen und Langustinen.

Wunderbar auch der Saibling in der

Salzkruste oder das Kalbs­Contrefilet

mit Ossobuco­Ravioli. Stöcklis kleines

Gastro­Imperium umfasst zudem einen

Weinkeller mit über 500 verschiedenen

Weinen, darunter zahlreiche Raritäten

(die mit mehreren tausend Franken

pro Flasche allerdings auch ihren Preis

haben), verschiedene Nebengebäude

mit Übernachtungsmöglichkeiten

für gegen 100 Personen, eine Kochschule

und Kuh Rosa, die oben auf der

Nesslerenalp die Milch liefert für den

Oberländer Bergkäse auf dem über

fünfzig Sorten umfassenden Käsewagen.

AUF DER ANDERN SEITE des

engen, von steilen Felswänden begrenzten

Lauterbrunnentals mit seinen

72 Wasserfällen wie dem Staubbach­

oder dem Trümmelbachfall liegt, auf

einer traumhaften Sonnenterrasse in

1650 Metern Höhe, das friedliche

Dörfchen Mürren. Hier geht es weniger

hektisch und mondän zu als in Wengen,

vor allem auch seit das «Palace»,

eines der grössten und ältesten Grandhotels

der Schweiz, stillgelegt wurde

und im Dornröschenschlaf versinkt.

Dafür trumpft Mürren mit dem knapp

3000 Meter hoch gelegenen «Piz Gloria»,

dem berühmtesten Drehrestaurant der

Welt, auf, wo 1969 unter der Kameraführung

von Willy Bogner und mit

Einbezug der halben Dorfbevölkerung

der Bond­Streifen «Im Geheimdienst

Ihrer Majestät» gedreht wurde. Und mit

ein paar urgemütlichen Pistenbeizli,

wie sie in der Schweiz fast nicht mehr

zu finden sind. Die Schilthornhütte etwa

an der berühmt­berüchtigten Inferno­

Route kurz vor der Kanonenrohr­

Abfahrt ist eine Alphütte samt bärtigem

Älpler wie aus dem Heidi­Buch. Seit

23 Sommern und drei Wintern wirtet

Hansueli Stäger hier, erzählt Anekdoten

über ausgesetzte Wölfe und Luchse

und serviert Wild aus eigener Jagd oder

den beliebten «Chäsbrätel», mit Käse

überbackenes Alpbrot.

ETWAS WEITER UNTEN LIEGT

DIE «SUPPENALP», herzig und

klein, überfüllt und laut, mit Kaminofen

und – nomen est omen – einem schönen

Angebot an währschaften Suppen.

Suppen aus Kartoffeln, Gemüse, Kürbis

und Gerste, Gulaschsuppen, Suppen mit

und Suppen ohne Wurst. Urchig gehts

auch im Schiltgrathüsli zu. Hier ist die

gebürtige Bayerin Veronika Schaffelhofer

bereits in der dritten Saison die Chefin

und serviert in der winzigen Gaststube

hausgemachte Käsewähen, Hacktätschli,

Flädlisuppe und Spezialitäten aus ihrer

Heimat wie den luftigen, süssen Hefekuchen

mit Himbeeren. «Alles hundertprozentig

hausgemacht», wie sie betont.

«Es macht mir Spass, immer wieder

was Neues auszuprobieren.» Das wissen

auch die Pistenkontrolleure, die bei

Veronika oft noch auf einen Kaffee oder

Kuchen einkehren, bevor sie zur letzten

Fahrt runter ins Tal aufbrechen und

sich langsam die Dämmerung über die

weisse Landschaft legt.

PRÄCHTIG IST DER BLICK von

hier zum mächtigen Dreigestirn auf der

andern Seite des Tals. Während die

weissen Gipfel von Mönch und Jungfrau

oben am Himmel noch im Sonnenlicht

funkeln, liegt die Eigernordwand bereits

im Schatten, bedrohlich und zum Greifen

nah. Mit etwas Wetterglück und guten

Augen kann man von hier aus die

Wengern alp und die Kleine Scheidegg

erkennen. Und erahnen, dass sich

die Hotelgäste jetzt, nach der Abfahrt

der letzten Zahnradbahn, auf der Veranda

versammeln, vielleicht mit einen Glas

Champagner in der Hand, sprachlos

ob diesem einzigartigen Naturschauspiel,

und sich freuen auf ein Essen im alten

Speisesaal mit dem wunderschönen

Parkettboden. Wie vor hundert Jahren. a

Jungfrau-Region

SPITZENKOCH Seit 30 Jahren

führt Richard Stöckli das 16-Punkte-

Restaurant Alpenblick in Wilderswil.

Etwas abseits der Skipisten, dafür

mit der besten Küche der Region.

PISTENHALT AM ÖPFELCHÜECHLI-

WEG Die «Brandegg» zwischen der

Kleinen Scheidegg und Grindelwald

ist weit über die Region hinaus bekannt

für ihre nach altem Rezept gebackenen

Apfelküchlein.

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