Das Dokument des Grauens - Band 1 - Als der Horror laufen lernte

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Das Dokument des Grauens - Band 1 - Als der Horror laufen lernte

2. Eine kurze Reise durch die Zeit

hauptung, dass Hexerei im Spiel sei, um diese als real vorzugeben.

Zur Sache geht es im dritten Teil des Buches. Hier dreht sich alles „über die Arten

der Ausrottung oder wenigstens Bestrafung durch die gebührende Gerechtigkeit“.

Während die ersten Teile vornehmlich aus unwissenschaftlichem und fehlgeleitetem

Geschwafel bestehen, kommen Kramer und Sprenger hier zur Praxis. Der Ablauf eines

Hexenprozesses wird bis ins Detail vorgeschrieben. Prozessbeginn, die Anzahl

der Zeugen und deren „Beschaffenheit“und die Aussagequalität von Todfeinden sowie

von jene von Frauen wird geregelt. Es geht weiter mit dem eigentlichen Prozessverlauf.

Zu beachten ist hier vor allem, dass Folter explizit als angemessen betrachtet

wird und Richtlinien bezüglich der Verhöre in den Folterkammern erteilt werden - mit

der erteilten Unterstützung der katholischen Kirche ist die Folterung Angeklagter hier

endgültig und in schriftlicher Form legitimiert.

Der Leser findet in diesem Teil des

Hexenhammers auch Anweisungen vor,

welche die Hexenproben betreffen. Aufgeführt

sind Tests, bei welchen es stets

darum geht, dem Opfer Verletzungen zuzufügen.

Im Gegensatz zu den Proben,

welche angestrengt wurden, um jemanden

der Hexerei zu überführen, haben wir

es hier mit Verfahren zu tun, bei welchen

Verletzungen unvermeidlich sind.

Der Hexenhammer nennt hier die Methoden

des Trinkens kochenden Wassers sowie

des Tragens eines glühenden Eisens

in den bloßen Händen; wenn das Opfer

Schmerzen verspürt, handelt es sich nicht

um eine Hexe. Diese Methoden der Feststellung

des Hexentums werden vom Hexenhammer

verurteilt. Logisch, dienen

sie doch nicht dem Zwecke des Beweises

der Schuld der Beklagten, sondern ih-

Abbildung 2.10: Die Weiberherrschaft, 16.

Jahrhundert

rer Unschuld. Die Dämonen seien derart gewieft, dass sie die Verletzungen zwar vortäuschen,

in Wirklichkeit jedoch nicht zulassen. Sollte eine der Hexerei verdächtigte

Person nach einer solchen Probe verlangen, macht sie sich somit erneut der Hexerei

verdächtig. Derartige Proben könne man zwar durchführen, aber bei einem der Anklage

nicht angenehmen Ergebnis möge man sich davon distanzieren. Zu guter Letzt

widmet sich der Hexenhammer dem Fällen des Urteilsspruches und den Spielarten der

Urteilsvollstreckung 6 .

6 Anzumerken ist noch, dass ein umfassendes Geständnis und bußfertiges Verhalten der bzw. des

Angeklagten für „Strafminderung“ sorgte. Diese sah in der Regel jedoch so aus, dass man gnädiger-

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